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Jüdische allgemeine Zeitung · 1936-04-06 · 15 (6.4.1936) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
16 (1936)
Issue
15 (6.4.1936)
Date
1936-04-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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BERLIN 6. April 1938 PREIS 25 PF. Nr. 15 / 16. Jahrqan? JÜDISCHE AUGEMEME NEUE FOLGE DER JUDISCH-LIBERALEN ZEIT UN G Das Drei » oft irn Es wird gemeldet: Eine Pessadibetrachtuiig V..i. Dr. MAX GKÜ-N'W ALI) Das Pessachfesl, das an die Geburt und Kindheit unserer Stammes erinnert, ist zu einem (.rund- und Eckstein unseres religiösen Lebens geworden. Darum verweilt <hc Heilige Schritt so eingehend im.l liebevoll hei der Darstellung der Jugcndscschichtc Israels, des Gotlcsvolkes. Bis in die geheimsten Züge und Einzelheiten zeichnet die Bibel das Lehen jener großen Lehrer und Erzieher, deren W orte und laten noch ln-ntinach Jahrtausenden in Arilin«; und Erscheinung unserer Gemeinschaft segensreieh und sieht-- Inscrc Weisen deuten-das an. indem sie sagen: Drei ircllliehe Erzieher wurden Jsrael beschert:.VI »'sc. Ahron und .Mirjam. Und drei sichtbare Gaben dankt ihnen Israel. Mose das Manna der Wüste. Ahron du: \\ olkeusauie. «he Israel vorauzog aul dem Wustenzuac. und Mii'|aiu «len Brunnen, der das Volk aul seiner \ ierzig|ahngen \V anderuna geleitete. I. Der Auszug aus Ägypten, «len «he Schrill so larhcureich schildert, den <las Judciitiun als das Lni inul Aul seines Volker und Zeiten überdauernden Baues aul Schritt und J ritt yerherrheht. erstellt sich uns dar als eine engg«;schlossciic Kette gewaltiger Gnlteswuuder. von dem himmlischen Erzieher planyoll darauf angelegt, «ler erwachenden Volksseele Israels für die Ewigkeit das llewulUscii. seiner Hcruliiua einzuprägen. Was aber weit mehr noch als dieses weihsei- und wunderrcirhe äußere Geschehen den sinnenden lilick der Korscher fesselt. Ilas ist die übe iltiainh OlUnba.un- «Ii«.-,«.! \ olkv I« silhsl wie sie . aus dem dumpfen Brüten sklavischer l!cschraukiheil \or unseren Augen |fih emporsteigt zu gigantischem Frciheitsdursl und ciitlesselteiu Gcistesdrang. Ans. einem allen Kulturland, aus gesicherten VuhallMss.n .w.gt -uh Inn ui l«su Volk m -trostlosen VV üstenbrand. weil ihm die Freiheit höher gilt, als ruhiger Genuß des Sklaven. (iO(l(M)O Männer, jüdische Männer, .lie ihr Merz höher sehlasen lühlen. wenn sie an Weib und Kind, au die allen Kitern denken, sie tauschen in einer einzigen .Nacht eiiic mehr als -HHljährigc Heimat mit dem Leben eines heimatlosen Wfistcnwandercrs. Und wie rüstet sich Jsrael zu dieser Wanderung in unabsehbare W ildnis? Ks zieht aus Ägypten, eine Handvoll Teig au! der Schulter. Das ist seine llcisezchrung. Sie wissen nicht: Wird die Wanderung Jahre oder aar Jahrzehnte dauern!1 Doch sie Iraaen nicht: woher sollen wir in öder Wildnis unsere Kinder, unsere Krauen, unsere Greise erhalten? Ohne Kragen und /wedeln, ohne klügeln und Bcchnen. ohne zögerndes Besinnen lolaen sie dem Kreihcitsruf. Lud nun Mose seihst auf einsamer llühc! Denken wir uns hinein in die Seele des Mannes, inmitten einer zügellosen Horde im Ilauseh der gewonnenen Freiheit, einer Menge, die ihn nicht versteht, seine letzten Absichten und Ziele nicht erkennt, noch beherzigt, ohne anderen Hat und andere Hille als die Gotlcsstmunc in seiner Brust: Es wird, es muß gelingen. Die Hoffnung stützt ihn und die Hoffnung ha! nicht getrogen. Sie sind nicht vor Hunger verschmachtet und sie \ erdurslcten nicht. «Iii Gott sie durch Steppen führte: ..aus dem Kelsen hd* er ihnen Wasser rieseln und das llrot regnete vom ■Himmel". So ist «las Manna ein BiTtf. der Hoffnung, des Gottvei trauens. der magischen kraft, «he das Menschenherz stählt, «he schwersten Leulcn zu ertragen. Lud ebenso ist Mose cm Bild der Hoffnung. Darum heilst es: ..Lin Mose willen das Manna!" Es kamen über Israel Drangsale und V erfolaunaen. beispiellos in der Geschichte der Völker. Doch die Hoffnung schwand nicht aus seinem Herzen. Jahrdenuoch hoFfci VV ilUn So rzcliuU Jahrhundert eine Leiden. Aber U «ilösnngsglanh.g Iag «i. bald /.. mImIIUI dt der Frühling kam. Jahr )«.n sugr.i.lus gedachte Israel .las alle Wort ■nie« v ■ frei der Hoffnung: ..Selm im Sklav en loch, im Männer sein.1" VV er aber ilen Schlüssel sucht zu dem Iii-ili^- n Bätscl «lieser beispiellosen 1 lolfmmgskinft Isra.ls. .len werden seine Schritte immer wieder zurückführen auf Mose, «len großen, aolterleuchtelcn liihlner seiner Volkes, der immer die rechte Stelle im Herzen dieses V olkes traf, um es zu neuem Leben zu erwecken. Von dem Gott, der erschienen war dem Abraham, d.-m Isaak und dem Jakob, von ihm begann der Sendbote Goltes dem Volk in Ägypten zu reden: ..Ihr habt diese große ruhmverklarte \ craaiiaenhcit und Ihr solltet nicht auf eine Zukunft hoffen dürfen?- Die Vergangenheit ist die Mutter der Zukunft, und wer au .ehrwürdigen Erinnerungen sich erbauen und erheben kann, dein ist «he Zukuult nimmer abgestorben. Das zeigt uns auch, wie wir iin-icre Jugend dem .Judentum erhalten können. Wir musseil ihr die Kenntnis unserer Vergangenheit erschließen. Aus vergilbten Blättern, «he uns die I aten und Leiden unserer Märtyrer melden, quillt uns ein unversiegbarer Quell, der unsere llolfnnna belebt auf lichtreichere läge. II. Die Seele der llolfnnna ist der Glaube, das Vertrauen, die Zuversicht. Nur das innigste Bewußtsein einer aöltlichen Leituiia und Kühlung der Weltgeschichte hat Israel in finsteren Zeiten seine I loffiiiinasfreudiakeit erhalten. Aber welcher Glaube ist der Glaube-Israels? Itehgiou und VV isscnschalt haben im Judentum niemals einander gegensätzlich oder gar s feindselig gegenübergestanden. Die Meligion hat «lei.MVissenstrieb im Gegenteil stets angespornt. Der Prophet mahnt und fordert geradezu auf. die Natur in all ihrer Herrlichkeit zu erforschen. ..Erhebet Eure Augen gen Himmel, durchforschet die unermeßlichen Weiten des Alls, versenket den Geist ui die wunderbaren Salziin-;s VVellenbaucs! Ja dann erst werdet Ihr e i Ehrl' r hat; chl i I liew u,l frau.lct Iiier hebt der Glaube Dan udelt : Ahn Priester, dem Vcrkfiiidcr <,""'(;iaiibei saule. den Menschengeisl an seine Grenzen zu mahnen. Sie lehrte Israel frühzeitig die hohe Weisheit, liier endet das Boich des klaren Schaltens, des denkenden Erfassens und IScgicifcns. liier naht sich gläubiges Ahnen und seliges Vertrauen. Darum wird so bedeutsam die W olkcnsauledem Vcrkünder des Glaubens zuaescb rieben. Doch wenn der Abend unserer Tage sich herniedersenkt. wenn sich die Schatten des lodes Uber unsere Pfade breiten, dann wandelt sieh die gläubige Ahnung in eine süße Gewißheit, und die Wolkensäule wandelt sich in eine Feuers «nie. die .las Düstere scheucht und .he Finsternis hebtet. Die Religion, die als W olkcnsaule uns durch das Leben geleitetsie wird zur Fcuersaule. die «he dämmernde Nacht mit mildem tröstendem Schein durchglüht. Diese Feuersäiile hat. wie einst, so oft es ISacht wurde. «Icu VVustcnwan.lerem, so unseren Vätern geleuchtet durch die Finsternis des Mittelalters. Die rcucrsäule des Glaubens, der die Hoffnung weckt und nährt, «he Hoffnung: es kommt der lag. es dämmert der Morgen, es weicht die lSacht — diese Fcuersäule. i Vätern durch «he Nacht den Doch was ist Glaube ohne Liehe? I Liehe! Man sollte «las ein Unding heil hehem Geist unfaßbar, weil in sich w wenn die Geschichte es. uns nicht als

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