Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 16 (1936)
- Issue
- 13 (25.3.1936)
- Date
- 1936-03-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/4109741-2613419-2613432--701-2615573- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
•Recht gehabt, .-Mi liberal zu nennen, weil er das nötige Wissen mitgebracht liebe. Unter Jen Trauergästen, die ergriffen dem Sarge folgten, bemerkte man u. n. den gesamten 'Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde, den Präsiden teil der Reichsvertretung, Rabbiner Dr. Hacek, Mitglieder des Prääidialausschubscs der rttichsvertrelung, die Religiös-Liberale Vcrciniguiig und den Liberalen Verein repräsentierten Heinrich Stern und Werner Simon. Ferner waren err»cluenen die Vorstünde der Liberalen Synagoge, viele religiösliberale Habbiner, Rektor Dr. Iteincinann Stern sowie Dr. Gulmaiui und Dr. Spanier als die früheren Leiter der Knabenjind| Mädchenschule, Hermann" Falkenbergs Andenken wird unvergessen bleiben.. Ein Diener der Religion Von Habbiner Dr. MANFRED S\\ ARSKNSKV Heim tröstlich-linden Schein -der ersten Frühliugssoime haben wir am letzten Sonntag Hermann I* a 1 k e n b e r g zur ewigen Hnhc getragen. Keiner, der diesen aufrechten Menschen kannte, den die Nachricht vom plötzlichen' Hinscheiden dieser markanten Peinlichkeit de-» jüdischen Lebens nicht aufs tiefste erschüttert hatte. In all -einer Schlichtheil, seinem unbeugsamen Ideulismus, seiner kiudlich'retnen Ilcrzensfrnmmigkcil war er einer der Hebens wertesten Menschen, die mir bislier je begegneten. ..Lernen und lehren. l>cwähren und erfüllen in reiner Gottesliclx*", das war der Grundakkord, der durch sein ganzes Leben klang. . Ks war kein Zufall. daß er. der Lehrer, seine ganze LicIm: der .Arbeit an der re 1 i g i Öse n Veriuuerlichimg seiner GlaulH'iobnider widmete. "Wer Je (Gelegenheit hatte, ihn im L-ntrrrichl vor einer K1um>c zu sehen, der weit, wie er wie rin Freiuid mit all den •luiigen und Mädchen, die in .meiner wohl fast ffiiifzigjährigei; 1 Lehrtätigkeit au ihm \ i»rübergingen, mit einem unglaublichen Verständnis mitfühlte, millchle und mU-lnbtr. Die anregenden Rcligions.~luiideu. die. vr an der Kiiabrn-Mittcl- •idiule gab, au denen ich als Student hospitierend teilnehmen durfte, die m» gar nichts von der gelohnten Art dieses Unterrichte» an sieh halten, sind mir immer vorbildlich geblieben. Aus seinem unermüdlichen 'Streiten nach eigener geistiger und jüdischer Bildung, aus seiner steten unmillelbaren Nähe zu den .Menschen wuchs seine Kenntnis ihres Hcdfirfens und Verlangend Kr w ußte um die Prnhh-mc der ^lugend, um die er Meli wie sonst kaum ein .,Alterer" mühte, -er kannte die meist einseitig ver- AluuuYsmfilÄig und zueekgcriehlet eingeslcllten Groß.-*tadlmcnsehcn. er (rng mit an den Sorgen der au -Arbeit und Entlichniugcu gewohnten schlichten jüdischen Menschen im Berliner Noitlen. Dieken oft steinigen Itodeu aufzulockern, sie alle mit echter Itelig;<>sität zu erfüllen, *>ic herauszureißen aus dem Strudel der Millionenstadt,' sie auf kleinen Inseln des Friedens zu sammeln und ihnen das Judentum als etwas Persönliches und Lebendiges nahezubringen, diesem nur in mühevollster Kleinarbeit zu verwirklichenden Streben galt seine ganze Liebe. Ks ist interessant zu beobachten, wie die entscheidendsten I-cislungeu im jüdischen Leben -— auch innerhalb des religiösen UheraliMiius — meist -von Menschen ausgegangen sind. die. selbst noch aus der jüdisch-erfüllten Atmosphäre der Kleinstadt-KeinUo stammten. Die (andrücke seiner Jugendjahre in seinem Heimat- Städtchen Schlochau ließen den Wunsch immer stärker in ihm reifen, so etwas wie eine wirkliche ..Gemeinde'", in der der Einzelne nicht anonym im „Publikum" untergeht, sondern als ,,Haal hahujiss" sichtbar wird, auch im Hahmen der Großgemcindc zu schaffen. Ans diesen Gedankengängen heraus gründet« er am 1Ü. Noveml>er 1923 mit einem kleineu Kreis Glciclistrebender die als solche Gemeinschaft gedachte ..Liberale Synagoge Norden" in der Schönhauser Allee, der im Laufe der Jahre vier .weitere. Synagogen an der Peripherie der Stadl folgten. Er ging dabei bewußt neue Wege auch in Ritus und Kultus, wie er selbst einmal gebrich: „Der Gottesdienst der Lilieralcn f^yuagogc bleibt bewußt in der Richtung der historischen Linie. Den Weg. den einst die Berliner .Hcfornigemeiu'dc eingeschlagen hat. lehnt -er deshalb ab. sondern knüpft vielmehr an Abraham Geigers Ideen an und sticht dort fortzufahren, wo nach seinem Tode in Deutschland die religiöse- Km Wicklung zum Stillstand gekommen ist. Der Gottesdienst der .Liberalen Synagoge will eine Synthese schaffen des Gewordenen und des Werdenden, v\£11 aus beiden Quellen schöpfen, aus denen unsere Religion fließt, aus dem rationalen Element, wie es Hermann Cohen in seinem Werk ..Die Religion der Vernunft aus den Quellen des- Judentum*" I>cschrcibt, und aus den irratio- Das Ende des Hamburger Grindelfriedhofs Hamburg. Der alte, an der Hcntzelstraßc belegene ßcgrfihnisplatz der Deutsch-Israelitischen und der Portugiesisch-Jüdischen Gemeinde, der sogenannten Grindel f ri e *\ Ii o f . muß laut Anordnung der find tischen Hchördcn zum 30. Seplemlier d. J. geräumt werden. Auf <Iem Friedhof, auf dem schon seit Jahren keine Begräbnisse mehr stattfanden, ruhen u. a. auch Gabriel Ilie*MT und Dr. Gotlhold rSaIomon. Die Gebeine der auf dem Friedhof .Be&lulteten werden nach dem Ohlsdorfer Gcmcindc- Itcgräbuisplatz überführt werden. Das Alte.uha.us der * Deüt?e|i-Israelitischen Gemeinde bcfing am 15. .März die Feier -seines 50jährigen Hestehens. Das lau*, ist zurzeit von 52 . Insassen l>c wohnt. Aus Anlaß dee» Jubiläums fand in der Austaltssyuagogc ein Fcstgottesdieust statt. — Als letzter Redner in dem vom Tempel-Verband' in. diesem . "V inier veranstalteten Vortragszyklus über „Fragen der Gegenwart" .-prach Kabhincr Dr. Max Wiener, Berlin, über das 'nicniu ..Der Sabbat; Idee, und Gesehiehtc**. Vor dem Vortrage spielte Hermann Gcriui eine von Olwrkantor Kornitzer komponierte Orgelfugc über das Thema: „Ilakaul jauducho"4. Der Kulturbund ln>t mit einer lockeren Aufführung von Bcnatzkju „Meine Schwester und ich" ein paar Stunden Heiterkeit. Garl-Heiuz Jaffe war ein frischer Dr. Flcuriof. Liselotte: (-ohn eine entzückende Prinzessin und eine reizende Schuhverkäuferin. Julius Köhler machte aus seiner kleinen Rolle ein Kabinettstück. Auch die übrigen Hollen waren durch Edith Ncrsslik, Fritz Melchior u. a. in. gut be>elzt. Kurt Rehrens und Paul Sonncnhcrg zeichneten sich am Flügel besonders aus. IL F. Unbedenkliclikcilsbcrclicinigungen für zu Befiich kommende Auswanderer Der V o r s l a n d^ der Herl in er J ü d i s c Ii e n Gemeinde veröffentlicht folgende Mitteilung; ..Anläßlich des bevorstehenden Pcssneh-Festes sind aus den Kreisen der Gcmcindeuutgludcr . mehrfach Anfragen an uns ergangen, ob Bedenken gegen den Besuch von Angehörige« Bestellen, die sich bereits längere Zeit im Auslände aufhalten. Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde ist bereit, auf Wunsch die Heantraguug von UiibctlcnklichkriteUvcheinigungen I>ci der zuständigen Hchörde für Milche IVrsqucu zu vermitteln. Gegebenenfalls steht der Beauftragte des Gcmeindcvorstajides nach vorheriger tclcphonischcr Anmeldung mitcr D2 5U2I. Apparat 57. für Gesuche zur Verfügung." nalen, wie es etwas die Persönlichkeit Franz Roeenzweige verkörpert." Nicht alle billigten sogleich immer die Prinzipien, an denen er unbeirrbar festhielt. Aber manches von dem, was er zuerst als Forderung aufstellte und verwirklichte, ist — unmerklich für Außenstehende — zum selbstverständlichen Besitz auch liberaler Gemeindesynagogen geworden. Wie er „Laien" aktivierte, so zog er außer im Amte erprobten Rabbinern, unter denen Dr. Salomonski ein langes Stück Weges gemeinsam mit ihm ging, vor allem jüngere Kandidaten zur Mitarbeit heran. Es wird uns allen unvergeßlich bleiben, wie oft er uns in seiner väterlich-gütigen Art um sich scharte, Fragen des Grundsätzlichen und solche der Praxis besprechend, immer bereit, neue Anregungen zu geben, immer erfüllt von neuen Plänen. Erst kürzlich war sein Band „Abendgebete" herausgekommen. Seine ..Hagada", in der er bewußt neue Wege ging, Altes zu verlebendigen, war als Heft 13/1,4 der von ihm herausgegebenen' ..(Gemeinschaft" (Hefte für die religiöse Erstarkung des Judcntunis) erschienen. Schon lange war es sein sehnlicher Wunsch, eine illustrierte und musikalisch ausgestaltete .Neuauflage der Hagada zu veröffentlichen sowie einen im Manuskript seit Jahren vorliegenden 2.-Teil, der eine wundervolle Sammlung aller auf das Pcssachfcst bezogenen Stoffe der jüdischen und mchtjüdischen Literatur enthält. In der Nacherzählung von Midraschim, an deren Xeröffentlichung er für die nächste Zeit dachte, war er ein Meister. Die wirtschaftliche Ungunst der Zeit. Heß vieles, was er plante, nicht zur Ausführung kommen. Nun aber hat der Tod all seinem Wirken die Grenze gesetzt. An dem von ihm noch bis ins Einzelne vorbereiteten Gcmcindeabend im „Norden" vor acht Tagen konnte er nicht mehr teilnehmen. Am ..Schabbos Sochaur" sah ich ihn das letzte Mal in der „Liberalen Synagoge VA esteud". in deren Bezirk er erst vor kurzem sein Heim verlegt hatte. Jetzt, da er in die ewige Heimat gezogen ist, ist er uns erst wahrhaft nahe gekommen. Jetzt, da er nicht mehr spricht, hören wir seine Stimme. Wir blicken zu ihm auf in Liebe und in Dankbarkeit. * Dem Lehrer zum Gedächtnis Von Dr. WALTER BRESLAÜER Dem Lehrer Falkenlierg werden gewiß seine Kollegen, die Itcrufcncu Schulmänner, manches nachzurühmen haben. Hier aber will einer seiner Schüler für die große Zahl derer sprechen, denen Hermann F a I k e n b e r g in der Schule, im Waisenhaus — im jüdischen Leben Lehrer, Erzieher und Vorbild gewesen ist. ' Zur Vorbereitung für die Schule wühlte mein Vater ihn aus als den befähigtsten Erzieher, den er kannte und der ihm genannt werden konnte. Falkenberg bewies' sein pädagogisches Geschick, indem er seinem Schüler das notwendige Wissen in einer unwahrscheinlich geringen Zahl von Wochenstunden zu vermitteln verstand. Aber was mehr war: er legte bei ihm, wie in allen Füllen, in denen er zu wirken berufen war, durch sein Wohlwollen, seine Güte, die Reinheit seider Gesinnung einen Sehatz der Verehrung an fürs Leben. Diese seine Eigenschaften aber machten nicht nur. sein Wirken auf engstem Berufsgebiet, als Lehrer und als Erzieher im zweiten Waisenhaus, so fruchtbar. Sic durchleuchteten auch sein öffentliches Wirken, sie bewirkten es, daß auch im jüdischen Leben Unzählige sich als seine Schüler empfanden, ob sie es nun schon in der Schule gewesen waren oder nicht. Seine Begfistcrun^sfuliigkcit schuf die Liberale Synagoge Berlin. Er war auch dort mehr als Organisator, als Vorsitzender. Er war Vorbild, war eben Lehrer und Erzieher auch liier. Er mußte sein Werk in der jüdischen Öffentlichkeit vertreten. Er tat es mit Wärme, mit Eifer und Eutsctücdcnhcit. Nicht jeder folgte ihm, aber jeder verstand, daß hier eine schöpferische Kraft und eine reine Seele ihr Judentum der Gemeinde, die sie um sich zu scharcu wußte, vorlebte. Er hatte ilas große Glück, eine ihm wahrhaft gleich gesinnte, tatkräftige Mitarbeiterin in seiner Frau zu haben. Hatte zwei Kinder, die ihm Freude machten. Seine Familie und seine Sache waren ihm genug: nach Ehren und Macht hat er nie gestrebt, sehlicht und bescheiden, eine wahre anima Candida. So wollen wir alle, seine Schüler, ihn Zeit unseres Lebens verclirungsvoll im Herzen tragen. Von Tür zu Tür JDiläsehe Ilausfraucnprobleme und Lösungs versuche - in Breslau Breslau. Der Jüdische Frauenbund Breslau beabsichtigt, eine Frauenhilfe ..von Haus zu Haus, von Tür zu Tür" einzurichten- In jedem Hause, in dem mehrere jüdische Familien wohnen, soll sich eine Frau ehrenamtlich' für kleine Hilfeleistungen zur Verfügung stellen, was insbesondere in Krankheitsfällen oder in Fällen seelischer Not wichtig ist. Für Fälle schwererer Erkrankung oder bei sonstiger Vcrlunderung der Frau des Hauses bei der Ausübung ihrer mütterlichen und hausfraulichen Pflichten stehen vom Jüdischen Arbeitsnachweis Kräfte gegen Entgelt für stundenweise Hilfe zur Verfügung. Für die Frauenhilfe ist die jüdische Bevölkerung Breslaus in etwa dreißig Bezirke eingeteilt worden, die von Bczirkslcitcrinnen ehrenamtlich betreut werden. Diese Bczirkslcitcrinncn stehen in enger Verbindung mit den Frauen, die in den einzelnen 'Häusern die Hausfraucnhilfc von Tür zu Tür übernommeeu haben. Ein Austausch von Gedanken, Anregung und Hilfe zwischen Bczirkslciterin und, llaüshelfcrin ist vorgesehen. In den "kommenden Wochen werden die entsprechenden Richtlinien in einer Versammlung ,zu der alle jüdischen Frauen Breslaus eingeladen werden, naher bekannt gemacht werden. Die Hilfsaktion für aasgewanderte Gelehrte London. In einem Aufruf des Akademischen Hilfsrats für die ^Gesellschaft zum Schutz der Wissenschaft und des Studiums" wird ein' Dbcrbück über die. bisher zugunsten der aus Deutschland ausgewanderten. Gelehrten geleistete HilLsarbeit gegeben. In Zusammenarbeit mit -anderen Organisationen hat der Rat bei der endgültigen Niederlassung von 363 Wissenschaftlern aus Deutschland mitgewirkt. Weitere 324 bckleidcn provisorische Stellungen in Universitäten und wissenschaftlichen Instituten. Für ihre endgültige Unterbringung soll noch gesorgt werden. Der Akademische Rat hat ah internationale Zentralstelle für diese Arbeit einen StcIIcnvcrmittlungs- und Informationsdienst eingerichtet. Die neue Gesellschaft für den Schutz der Wissenschaft und des Studiums werde die Hilfe für die Gelehrten aller Länder fortsetzen, die aus Gründen der Religion, der Rasse oder der Cbcrzciiguug die wissenschaftliche Arbeit, für die sie qualifiziert sind, nicht fortsetzen können. Der Vortrupp Verlag gibt soeben in einem neuen Katalog über seine bisherige literarische Produktion einen Uberblick. Der Katalog wird an alle Interessenten auf Wunsch kostenfrei zugesandt. Neue judenfeindliche Ausschreitungen in Polen Warschau. Die Welle der judenfeindlichen Unruhen in vielen Teilen Polens halt an. In vielen Ortschaften kam) es zu Zusammenstößen. Zwei Polizisten und viele Juden wurden erheblich verletzt. Unter den' verletzten Juden befinden sich der greise Rabbiner Eliakim Landmann aus Nowa-Wilcjka bei Wilna, der jüdische Stadtverordnete Henoch Levitan in Wilna und 17 jüdische Studenten der Landwirtschaftlichen Akademie bei Lemberg. Der katholische Primas' von Polen, Kardinal Hlond, hat an. die katholische Bevölkerung den Appell gerichtet, an judenfeindlichen Ausschreitungen nicht teilzimeluncn.' Dagegen spricht sich, der Kardinal für einen wirtschaftlichen Boykott der Juden aus. Zu schweren judenfeindlichen Ausschreitungen kam es in der Wilnaer Vorstadt Nowa-Wilcjka. In zahlreichen jüdischen Häusern wurden die Fensterscheiben zertrümmert, in den Straßen* wurden Juden überfallen. In Dublani bei Lemberg kam es zu Zusammenstößen zwischen Polizei und antisemitischen Bauern. Jüdische Studenten, die aus Lemberg nach Dublani zu den Vorlesungen in der dortigen Landwirtschaftsakademie kamen, wurden auf dem Wege von Bauern unter nationaldcmokratischer Fülinmg angegriffen. Sie leisteten energisch Widerstand bis zum Eintreffen der Polizei. Wegen des Zusammenstoßes zwischen der Polizei und den Bauern wurde die Akademie auf unbestimmte Zeit geschlossen. Auf dos Haus der Ose in Grodno, in dem u. u. ein Kinderambulatorium, eine Tubcrkuloscn-Fürsorgcstclle,. eine Zahnklinik und eine Milchküthe untergebracht sind, wurde ein Bomiienanschlag verübt. Durch die Explosion wurde ein Teil dcr-Außen- ' front zerstört. Von den Tätern fehlt vorläufig jede Spur. Eine Erklärung des Außenministers Beck London. Der polnischeTt&ußeiuTiinistcr Oberst Beek hat eine Abordnung des Weltvcrbandcs der polniächcu Juden im Ausland empfangen und mit ihr über die judenfeindlichen Unndien in Polen und die wirtsclutftlichcn Auswirkungen des Gesetzes gegen die Schechita gesprochen. Außciunuiister Beck gab seinem Bedauern über die judeu feindliche Propaganda und Ausschreitungen Ausdruck und erklärte, die Regierung treffe energische Maßnahmen zu ihrer Unterdrückung. " Schächfgefetz angenommen Kontingentierung der Schechita in Polen vom L Januar 19:57 an Warschau. Im Plenum des polnischen S e j m wurde aui 20. März der Gesetzentwurf über die Einführung des Betäubung s z w a n gc s bei der Schlachtung von Tieren in zweiter und dritter Lesung durchgepeitscht. Der Entwurf wurde in der von der Rcgieiung beantragten Fassung beschlossen, der den Bctütibungszwang £ci der Schlachtung aller Arten von Tieren, sowohl von Großvieh als von Geflügel vorsieht. Die Zulassung eines Ucm Bedarf der jüdischen, karüischcn und mohammedanischen Bevölkerung entsprechenden Kontingents rituell zu schäch- . tender Tiere wird im Verordnungsweg ermöglicht. Die jüdischen Abgeordneten Dr. Sommerstein. Rabbiner Rubinstein und Minzberg gaben ihre Stimme gegen den Antrag ab. Bei der Abstimmung über das Tierschitfehtungsgesetz im Sejm haben die Vorschläge der Regierung nur eine kleine Mehrheit gefunden. Bezüglich der Zulassung lokaler Schächtvcrbote wurde ein Kompromiß' geschlossen. Während die -Vcnvaltungskomnussion verlangt hatte, lokale Schächtverbote für alle jene Ortschaften zuzulassen, in denen die jüdische Bevölkerung weniger als 15 o,'o ausmacht, schlug der Landwirtschaftsminister vor, daß diese Möglichkeit nur solchen Ortschaften gegeben werde, die weniger als 3o/o Juden haben. Dieser Kompromißantrag wurde mit 84 zu 77 Stimmen angenommen. Die der Abstimmung vorangegangene Debatte trug zum Teil einen judenfeindlichen Charakter. Die drei jüdischen Sejm-Abgeordneten kämpften auf verlorenem Posten. Nach der Annalune durch den Sejm wird der Gesetzentwurf nunmehr dem Senat übergeben, der die Abstimmung noch vor Beginn der Parlamcntsfcricn, die vor den Ostcrfeicrtagcn beginnen, vornehmen wird. Damit tritt das Gesetz über die Kontingentierung der Schechita in Polen am I. Januar 1937 in Kraft. Die Beschlagnahme eines Ritualmordhuches Oberstge richtliche Entscheidung in Österreich " Wien. Der Verlag, in dem das seinerzeit beschlagnahmte Buch „G i b t e s j ü d i s c h e R i t u a 1 m o r d e?" herausgegeben wurde, war wegen Vergehens gegen die öffentliche Ruhe und Ordnung durch Aufreizung zu Feindseligkeiten .gegen -Rcligionsgcscllschaften beim Landcsgericht Graz angeklagt; zugleich wurde von der Staatsanwaltschaft beantragt, das Buch als konfisziert zu erklären. Dieser Antrag wurde von dem Landesgericht abgelehnt, weil nach Ansicht des Gerichtes der Inhalt des Druckwerkes nicht den Tatbestand des unter Anklage gestellten Vergehens begründe. Gegen die Abweisung des Antrages brachte die Staatsanwaltschalt Ni eh ti gkc itsbesch we rdo ein. Uber 'diese Beschwerde verhandelte der Oberste Gerichtshof unter Ausschluß der Öffentlichkeit und gab ihr in einem in Öffentlicher Sitzung verkündeten Urteil statt. Nach Ansicht des Obersten Gerichtshofes begründet der Inhalt des Buches den Tatbestand des Vergehens und deshalb war der Verfall des Druckwerkes auszusprechen. Sein Inhalt biete keineswegs nur objektive Betrachtungen und wissenschaftliche Erörterungen, sondern sei geeignet, gegen die Religionsgcnossenschaft der Juden zu FcindseligKciten aufzureizen. Keine Einzelaktionen zngelaffen Darm«1adt. Der „Landespressedienst" meldet: „In Auerbach a. d. B. war am Abend des 1. Mai vergangenen Jahres) ein Kurgast von einem Auerbacher Einwohner in einem Lokal gehänselt worden. Er wurde schließlich völlig zu Unrecht ..Juden- Iürrmclt: tituliert, und' als der Wirt schlichtend eingriff, hatte der jetzt Angeklagte den Fremden bereits angegriffen und zusammen mit einem anderen mit seinem Koppel mißhandelt. Das Amtsgericht Reilsheim hatte ihn für diese Tat zu 80 RM. Geldstrafe verurteilt. Die Staatsanwaltschaft legte 'hiergegen Berufung ein und betonte, daß der in Uniform befindliche Angeschuldigte sich unter keinen Umständen gegen einen Kurgast derart benehmen'durfte, zumal da der Führer und Rcichskanzlcr ausdrücklich E i n zc 1 a k t i o ne.n gegen Juden .— hier habe es sich zudem um keinen jüdischen Gast gehandelt — verboten habe. Der Angeklagte brachte zwar, einen Zeugen bei, der bestätigen wollte, daß der Kurgast den Angeschuldigten, einen Schwerkriegsbeschädigten, „Etappenschwein" tituliert habe, aber das Gericht schenkte dieser Aussage keinen Glauben, zumal da von zwei anderen Zeuginnen, die am Tische saßen, diese Behauptung energisch bestritten wurde. Das Gericht erhöhte daher die Strafe wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung auf 250 RM."