Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 16 (1936)
- Issue
- 10 (4.3.1936)
- Date
- 1936-03-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Das umftriltene Feft Hiftorifch wler nicht hiflorifch? — Was foll man und icas darf man am Purim? Purim und Karneval — Ein paar kulinarifclie Bemerkungen — Es gibt nicht nur ein Purim Da* l'urimfaal i>l uralt. .Uis-ephu? Flavius keimt c* schon ■alt eine seit langer Z« it be-lchendc Einrichtung. <Iic Gesetze.-«-. Ichrcr hallen l»crriihc-timmldaß \or dem Le-**u der Mcgilloli «Iii* Eulo<:ir: ..Gclohi »ci-i «In Ewiger, unser Coli. Herr der Well, der »Iii tius gebcili;:! ha>l durch deine GcImiIc und 1111». hcfnhlcii hast, »Iii- Megilloh zu lex-ti" grheiet werde, um! <]»>** B«'-.lhniuuiig wurde, «rlattcn, weil dm Buch Etther unter «Iii: Zahl ili;r kanonischen Bücher " aufgenommen worden i-i. Wiir«: »las gc.-ehehen, wenn e> j-ieh heim Buch E-thi-r wirklich nur um Was Phantasie proditkt «•iiu> Schriflsti'Her-. wenn «•-< -irh mir iiin einen Kornau oder um «-impi>cti:-rh au»ge->chmricktc Sage Iiamli'lii'V Da> I-I nii'lil gut .*iii/ihm:Iiiiii:ii. Mögen auch manche Epi-nden, dir. geM'hildert werden, au-^cschiuückl M-iu. mögen die angegebnen Zahlen mil IliiekMihl darauf, daß die «iricnlalLseh«- Enrhihluug*-krafl \irlleieht einige Nullen augehäugt hat, nicht, ganz -tifj-jiii'ii. - an di'iii hi-lorisch wahren Kern de* Eslherbliehcs xilllr niiiit nicht xi" zw<-ifclu. wir dir* vini seilen vieler Kritiker ge- -ilirllfll Im. Die T::l-ache besteht, daß mau Purim seil mehr als zwei Jahrlatwndcii f«'i'erl. Dali mau dir Megilloh in de« Synagogen v«Hir>t Mini da II» man den Tag wirher als Fa-ttag begehl, zur Erinnerung an. da-t Kasten der KOrii^ni Eh her. ainlrreu. die weltlichen Gebräuche, mit denen mau I'urim begeh), sind aln*r uielit immer rem jüdische. Manches wurde \oii <leu Völkern. «Ii«' unter den Juden oder unter d:-ueu die Juden lelilen. iibrnioiiimeu' und allerdings ..vcrjüdi*rhr\ Drr Grundgedanke de«. Purimfestcs in Fröhlii-hkril. Mau war rinn* '„r.jlSeu Gefahr entronnen. Die Frömmigkeit eines Mannes, die Glaulwusrreuc der K-llin*. verlilintleli. mit Klugheit und SelluTlhcit. haltendie Heilung der Juden bewirkt. Die Aiig-«t und die Trauer durch den FaHtag dauernd *-vmb«di:-icrl - wandeln -teil'- in Freude.- das Kanten wandelt j-i«*Ii in Fröhlichkeit. Es war von jeher eine jüdi-rhe mau kann ntgar .-ageu, eine gr-,et/.lieh > fe>t»riegle — I*!i-;i*iiM'hart der .luden, jeden festlichen Anlaß da/u /u heuiil/eu. der Armen zu erdenken. Da* Purimfr-t aher -icilcnkl nicht nur ihrer, c-i miII vielmehr jedem . Mitiiinwlirn eim; Fremh- -zrmnrht wrdrn. I'> entstand tlie Kinnelilim*; ilrs .,Scldarlm)iniaii-'". deeinander lieselirnkrns. Itaekuerk. r'i ürhTc und \Win wurden und Werden vielfach, heut« noch yei-xtaudleM und Itekauntcu ins Ilnu- -resandt. Der \rmeii winl heMiuilers gedacht. AImt in der 'riehtigen Voran—et/iin-i. daß ihnen weiuper mit Torten al.« mit ]irakli-eheien neschenken ^'edicul i-I. >|>cndrt man auch lehensniituriidi-ieri' Din-je. am J)i"-Irn Gi-Id. damit sieh jeder ücIImt das kaufe, ua-> er nöiij; und woran er Freude hat. Tu vielen Syiia«ii!*;eii *-iud am F.in«;m»e noch Tische mit jinißen Tellern auTj:c*.(«-|[t. tu die jeder Syiia*:o-:enlM-viirher seinen MachazL*» Haseliekel — je nach Landrswiilinui*r mindest ens chic hall>c Müiizeiulieil — als S|ieude für die Armen h-»t.. Was .-oll und was darf man -am' I'urim? Kin alles witziges Sprichwort saut von jemand, der .sieh. nicht anzupassen ver- -lelil: ..Das «an/" Jahr >ehieker. Purim nüchtern'*. Damit soll nilrrdm-is nicht j-r-ngl wrnlrn, daß mau am Purimfestc unhediu^r srhieker .-.ein inüs-c — alw-r es «alt früher und es gilt dort, wo noch immer alte Traditionen' hochgehalten werden, fiew^sennaßeii als-Minhai:. am Purimfeste.es nicht übelzunehmen, wenn man ein Gläsehen über den Durst trinkt. Purim als K a rnrval zu feiern, mit Maskeraden und lhii7.fi»cu. ist keine alljüdischc Sitte. Der flraurh leam erst gegen Die. Zahl der jüdiM-heu Studierenden an den deutschen Hochschulen, die seit den* Souuuerseiuc<(cr 11)33 immer mehr abgenommen hat. i-t auf ein winzige,* Häuflein zusammengeschmolzen. Die. Auswirkungen mangelnder. l7niver.-iiätshiMung machen Mch nicht zuletzt unter den Studierenden der I^'hranstalt für die \Vi-.-cii-ch:tfl des .ludentiun* hemcikhar. Konnlcn die>r knnftigrn Habbiuer und' akademischen Heligioi^lrhrer ihre judaistischen Studien fnther durch de» tlesueh von philosophischen, historischen und pliilolngischeu fuivcrsilftl-Vorlesungen ergrui/en und ihre .Studien mit einer Doktorprüfung abschließen, so trat ohne Kr- "üuziiii<i durch dies«- allgemein wi.->cnschaftlicln-u Studien für die Mehrzahl eine empfindliche Lücke ein. ' Lehrko|Iei:ium und Kuratorium der Lchran-talt haben daher schon im Jahre 11)33 ein«' KrWeitcrmig «1er Tätigkeit, im Kähmen des früher Itcslchcnden und der behördlich «'rleiltcn Lehrerhiiihnis ins Aug" gefaßt. Nachdeni_ im «Iarauff«dg<'iidcu Jahre. Dr. Arnold Metzger \ orh>ungen und rbungen ziir allgemeinen PlnloMiphie abgi'halti-n hatte, .wurden tu dem jetzt zu F.nde gehenden Semester weitere wichtige Fächer in den Kreis der Vorlesunncu einbezogen. S«i ültcruahm neben Dr. M e | z g e r der bisherige Privatdozent der Berliner l*nKi*rsilnl Dr. ll.ius F r i e d I ä u «I c r «la- Gebiet der Psychologie. lVnfcs-or Dr. Fugen T » u b I c r . der 1 leidcllwrger Ordinarius für Oefehirlilr de- Allt rtunis. \as über Vrahistorie lind die ällislcii Perioden der Antike, der «heniaJigc Frcihttrgor IVivatdozent Dr. Aninld H <• r n «■ y hielt Vorlesungen und riiungen über über die Slaateubihhut^ -eit dem Westffdischen Frieden ab. Die Zahl'der etwa hundert Siaiumhürer der Lehranstalt hat im verüaiigenen Senie-ter eine A'i'rniehrung durch ungefrdir zwanzig . Ghaluziiu crfaJiren. die dir Zeit zwischen llachsehara und AH ja «la/u beuulzen. w\\ ^rh -vuf jüdi-chem Geliict forl/.uhihlen «nd «nie allgcmcin-wisscuschaftlichr Audiilduiig zu erfahren, damit sie in Znkimfi nicht nur'l'ionicrr der Arbeit/sondern auch tler Volksbildung werden können. l>rdaurrltrhcrwci-c Ui, bisher über diesen Kreis hinaus von «1er Möglichkeit, an der Lehranstalt für die Vi i-sf-iiMhaft de-Judentums neben Vorlesung*'!! filier Itibel. hebrä- * ischc Sprache. jüdi>che Gr-chicbtc auch Hihhe über allgemeine Geschichte und Philosophie hören zu können, seitens «lerjem»cn jüdisehcü Menseln n. die das ltrdürfnis haben.'"'friiher erworlieue Stiidienwrrt«' zu erhallen und ihr Wissen zu ergänzen. «1er Wissenschaftler, die nach \h-ehluß ihrer Studien sich weiter wissenschaftlich betätigen wollen, nur in gerin-icm Umfan-ic G«*brauch gemacht worden. Vicllciehi wird es nöuz -ein. einen größeren Anreiz zum . IlcMich der Vorlesungen an der Lehranstalt durch eine F.rweilenmg und Differrn/iening drs Vorle-miL'**verzeichuisses zu schaffen und «He Themen, selbstverständlich Jn-i aller tTuterordnuui: der jfidi- •y'hen Parleipnlitik unter die allgemeine nilduiigsarbeii. ini Sinne einer g«*liobeneir Aktualität zu >telleu. Wenn Dr. Hernev für das kommende Semester ein Kolleg über Wirtschaftsgeschichte ankündigt, s« y.rigt das den Weg an. Auch Kniist-. Kultur- und Literaturgeschichte sowie andere Bezirke «1er Geisteswissenschaft, soweit >ie nach «lern Programm <ler Lehranstalt ..lediglich im reinen Int»'ic-se der. Wissenschaft des Judentums" liegen, sollten Lude <{<-•< Mittelalters in Italien auf, dem klassischen Lande der Karneval*-fesU*. Der Cbermul der Jugend führte auch da zu allerlei Streichen, und die Jlabbiner begannen gegen die Purim- Ma-keradeu zu cifenij aber um hi» weniger , mit Frfolg, -„als an«lerer?-ciLi auch viele Ilabbim-r dem lu.sligen TreilK-'n, soweit <--> .-ich jTi bestimmten harmloM-u (Frenzen liielt, mit Wohlwollen zu-aljen. Sogar die Cberlreluug des biblischen Gebotes, ..ein Mann s«dl niehl Fram-nkJeidcr uml eine Frau nicht Männcrkleidcr anziehen und tragen", wurde am Purimfeste stillschweigend toleriert. Daß man am Purimfcstc. gerne gut aß und trank, wurde schon augeileiihi. Die P u r j in m a Ii 1 z e i t e u — Sudaus Mizwoh — waren -o reichlich und ausgedehnt, wie sie der Geldl»cutel ertragen kiiunl *. Auch «lahei vergaß man der Armen nicht — es war Kliicu-aehe. Bedürftige als Tisch genossen zu haben. Die Mahlzeit enthielt \erscbiedem: Spezialitäten: Kre. ppchen, auch Krepphieb geuauni -— «las Wort entstammt dem österreichischen Aiwlrtirk Krapfen PJ'annkuchen. —, entsprielit aher eigenllicJi nicht immer, diesem süßen G<:häck. Kreppehen werden auch mit FIei>eh gefüllte ia.-ehenartige TeighüIIcn genannt, als Finkige in die Fhri-ehbrühe. Mau meint .daher, daß Krcppehcu auch \ tut Ki-ö[ifcheu dem gefüllten Gänsclials — kommen könnte. In Wien nennt man dii-M* Alt von Krcppehcu richtig Tasche rhu Flei-chla.-eherlu -- nuindarllich Taschkerln —. sonst auch Hamanta-cl'icu, Ilauiaufihn-u — (in Italien orecchi «PAman). <lcr(?u Zu- U-n iliuig;war in der Form, alx-r nicht hinsichtlich «Icr* Füllung einheitlich iM. Mil dem Namen IJamau verbanden sich allerlei Sitten und lii-illen. Das .(>ctram|>cl und das ..GeraUehc'" mit Ihilzklapperu und fdtulidir Lärmgi'sehiehten haben meist aufgehört und gelten nur noi b als mehr östliche Gebräuche- Auch die Purimspirlc -ind beinalir vcr.-.ehw nnden. Fs gibt keineswegs nur ein . Purim, wie viele wohl glauben, e> »ibt ihrer mehrere, ja «*s gab bis \Hir etwa hundert Jahren so viele ..Purims**. d;di mau mehrmals im Monat Purim feiern abhielt, allerdiuns immer nur au irgendeinem i>cslimmteu Ort, wo zur- Kriuueruui; au ein lokales Kreignis — «■hie große Gefahr, aus der man glück lieh gerettet wurde — ein Purimfcst eingesetzt und in gleicher Weise — mit vorhergehendem Fasten und darauffolgender Fröhlichkeit. Festmahl, Gesehenken und Ahno.-cu - - geh-iert wurde. . - Solche Feste gab es schon in fdtcrer Zeit. Seit Filde des Mittelalters feiert man in Algier am vierten Cheschwan ein Purim, am zweiten Flui eines in Tcliian. um nur-zwei Beispiele zu neiuieii. Als ältestes in Europa gefeiertes Souderpurim gilt das Purim \ ou Narhouue. und daran .-»chllcßt sieh eine große Anzahl solcher Gedenktage fast in allen Ländern. Doch nicht nur um- Bellung aus Gefahren,, die alle Juden bedrohten, sondern auch Heilung innerhalb eines lch'inen Kreises, ja einer Familie, gab Anlaß zur Einsetzung von Purimfcicni. Am Purim soll man die Sorgen vergessen — und im Wein 1 i«: g t Vergessen. Ein alter Volksglauben sucht Begründungen. Am Purini fest soll kein Wasser im Hause sein- ..denn in Wiism'i* wurde die sündige Menschheit durch die Sintflut ertränkt.*" Damm s«dl mau Wein trinken ... Echtes Purim wird noch heute auf den Ruinen «Icr Stadt Susa gefeiert, und «las fröhlichste, karnevalistisehstc in Tel Awiw* wo allerdings in diesem Jahre nach einem Beschluß der Stadtverwaltung mit Hfirkeicht auf die Zeit Verhältnisse die Durchführung abgesagt wurde. *Dr. B. Seh—f. im Hinblick auT «-iiic Erwrilcrmig des HörcrkrcLscs in den Tx'hrplau einhezo-icu werden. Sollte «*s gelingen, das Vorlesungsverzeichnis auf «liestoller ähnlich«' Weise mehr mit dem Lehen in Kontakt zu bringen. «Imc daß darunter di«* Tiefgrfiudigkcil wissenschaftlicher Arbeit zu leiden In auehl, ,*n kann man hoffen, daß sich der Kreis der Ivenihegieri^en. «Icr sich um Männer wie. EII>ogcn, Täuhler, Friedender, Berney und Metzger schart, in wünschenswerter Weise erweitert. Nicht nur die Lehranstalt, sondern auch die Hörer wcnlen ihrer Nutzen davon haben. * I>iif. e h r a n s I a 11 f ü r die Wissonsclia ft des J n d e u I ii m s hält am Dienstag, den 17. März. 17.30 Uhr. in «Icr Aula der Anstalt. Artilleriestraßr 14. ihre außerordentliche G e n e r a I versa m m I u n g ah. Tagesordnung: Änderung des Statuts §5; 16 und 19: Einführung der Eutgeltlichkeit für Vorlr-nngen und Prüfungen. § 17: Voranssetzimgen .für die Xiilas-mig der. Hörer. Dies«- Generalversammlung ist laut § 10 AIk. 9 des Statuts ohne Itücksicht auf die Anzahl der erschienenen Wohllätrr beschlußfähig. * Ehrung von Profeffor Eugen Mittwoch Paris. Der Berliner Orientalist Prof. Eugen Mi 11 w och ist zum,, Mitglied der Aeadeniie internalionale d'Histoirc des Sciences in P;iri> ernannt worden. Auf einem internationalen Orientali>leu-Koiigrcß in Oxford hatte er die Schaffung eines Corpus Scriptorum Arahiconmi de Medicina et Scieutüs zum Studium lür die Gest-liiehte der'von Arabern im Mittelalter geschriebenen medizinischen und wissenschaftlichen Wcrlcc angeregt. Der Plan wir«l nun vnn der Akademie v in Paris verwirklieht. werden. Die Schulvcrwallung der Rcichsvertretung teilt mit. «laß Aufnahmen in den Kursus zur Aud>ilduug von Lehrern für den hebräischen Frwachseiieiitmterrieht nicht mehr erfolgen können, da der Kursus iuVrfOllt ist. Verband RrrHn des Judisrhrn Frauenbundes E.' V..- Bcrlln- Grunrwald. Sonntag. 8. März, 11 Uhr vorm.. Besichtiping: Altersheim Taunus. Grunewald. Taunusstraße 1. und' Ol^a-Stoni-Haus. Königsalhv IIa. — Montag. 0. März. d6 Uhr .10: Kluhheim. Marburin-j*. Straße ~). L Ihm-'fraucn-Nai'hinittag. Frau Hedwig Keiler: ..Wir ziehen um — wir stellen uns um". —.Donnerstage 12. März. 19 llir 30: Kluhheim. Marmirg.-r Straßi* ö. T. Gruppe der Hus- .arigeslellteu. Frau I.ademlorff: ..Zeitgemäß:- erleichterte,Haushaltfnhrnng. Der Verband polnischer Juden in Berlin beabsichtigt in der dritten Mär'.wnehv eine Arbeitsgemeinschaft für Jiddische Sprache und Literatur für seine Mitglieder ins Lehen zu. rufen. Leiter: Leo!iir-eh. Dr. Mcitlis. Stenzel. Interessenten wollen sieh schriftlich Iiizum 10. Mär/, heim Sekretariat des Verbundes.^ Berlin N Ti4. Linien*-! i-aß.* (>9. melden. Hermann Struck Zum 60. Geburtstag am 6. Marz Der Berliner Graphiker und Maler Hermann Struck, der schon kurz nach dem Krieg in Palästina eine neue Heimat gefunden hat, wird am 6. März öO Jahre, alt. Die Gedanken und Wünsche vieler Kunstfreunde werden an diesem Tage ' zu dem schönen Ländhaus in Haifa wandern, wo der Künstler nicht «ur seine unermüdliche Schaffensfreude betätigt, sondern in der schlichten, herzliehen und bescheidenen Art seines Wesens Freund und Berater der vielen Ratsuchenden geblichen ist, die sieh von Jeher an seine Hilfsbereitschaft gewendet haben.' Man erinnert sich noch aus seiner Berliner Zeil, da sein Atelier in der Brüekcuallcc beinahe mehr einem Wohlfahrtsamt glich als einer Küusflerwerkslatt. Hermann Strucks dem Leben und «lein Mitgefühl zugewandte Art offenbart sich auch *iu den zahllosen Blättern seines Haih'erungswerkes, in den charaktervollen Köpfen ostjüdisehcr Gestalten, «leren Not, Elend und Entsagung er eindringlich macht, in den Radierungen und Lithographien aus Gefangenenlagern, aus Litauen, Bcißrußlaiid und Kurland, in denen die Eindrücke, die er im kampfdurelilobten Osten empfangen hat, ihren seelischen •Niederschlag gefunden haben. Wie sich in Haltung und Antlitz seiner hnrtumrnhmtcn Greise mil den .brennenden 'Augen■ Genügsamkeit und Gläubigkeit zeigen, das braucht keines besonderen Hinweise^ mehr bei einem Künstler, der gerade durch diese Bilder seiner Talinudslmliercndcn, Betenden. Schreil>ciidcn schon frühzeitig «He allgemeine Aufmerksamkeit auf sieh gelenkt hat. ' I Icrmann Struck war ciuer der ersten Künstler in Deutschland, der sich fast ausschließlich der jüdischen Stoff- und Gedankenwelt zugewandt hat. Sein Küiistlertuui und *>eiue Menschenkenntnis verraten -nicht zuletzt seine Köpfe bedeutender Persönlichkeiten wie. Steinthal, Hermann Cohen. Theodor Herzl. Gcrharl Hauptmann, Bichard Dehmel, Nansen. Wenn auch Strucks Interesse vor allem dem menschlichen Antlitz gilt, so hat er doch auch in zahlreichen Werken die Schönheit und Stimmungen «Icr Landschaft, vor allem der idyllischen und heroischen Welt Palästinas eingefangen. Auch, von seinen Reisen in Italien. Holland, in Schweden, Dänemark, der Schwei/, hat er. reiche, künstlerische Ernte mitgebracht. Ein seltener Kenner graphischer Geheimnisse und ein virtuoser Beherrscher «ler Technik, - hat Hermann Struck auch anregend mit seinem 1909 erschienenen Buch .,Dic Kunst «les Hadiereus" gewirkt. Selbst Liebcrniann, tjnuilh und Lesser Ury haben' den Rät des erfahrenen Radierers nicht verschmäht. —m. THEA TER, K UNST, LITER A TUR Aittorrn gesucht! Die J ü d i s c h c B ti c h - V e r c i n i g u n g , Berlin. W 15, Pariser Straß;: .7, teilt uns mit, daß sie für ihre Veröffentlichungen im Jahre 1937 in der Lage ist, noch einige wertvolle Manuskripte jüdischer Autoren, vor allem gute- Romane, zu erwerben. Sie bittet alle jüdischen Autoren, ihre Manuskripte zur sorgfälligen Prüfung zur Verfügung, zu stellen. Die Prüfung; «ler eingesandten Manuskripte erfolgt durch den Vorstand und die Literarische Kommission der Jüdischen Buch-Vereinigung, die sieh aus folgenden Persönlichkeiten zusammensetzen: Vorstand: «He Herren Justi/.rat Dr. Magnus, Professor Ismar Elllmgcn. Direktor "Gerson Bach-, Literarische Kommission: Frau Dr. Bertha Badt- Strauss, Frau Dr. Margarete Edclhcim, die Herren Dr. Ludwig Feucht wanger, Rabbiner Dr. Wiener. , . * Brouislav Hubermann,' der die Organisierung eines palästinensischen Symphonieorchcstcrs in Angriff genommen hat, gab New Yorker Meldungen zufolge bekannt, daß Arturo T o s - c a n i n i 'das Eröffnungskoiizcrt des neuen Orchesters am 24. Oktober 1936 dirigieren wird. Toscaniru hat alle seine amerikanischen Verpflichtungen bis auf drei gelöst und wird erst in der -midisten Saison wieder nach New York zurückkehren. Außer dem Eröffnungskonzerl beabsichtigt er, noch eine Reihe weiterer Konzerte in Palästina zu dirigieren. - * Die londoner Uraufführung des Dramas „The two Shcphcrds", «las Sir James Barrie, der Verfasser des „Peter Pan". für Elisaheth Bcrgncr geschrieben hat, findet .im Laufe dieses Monats statt. * Die auch von ihrer künstlerischen Tätigkeit in Berlin bekannte Sopranistin I r cn e. E i s i n g c r tritt gegenwärtig im Londoner Adclphi-Thcatcr im .Rahmen der Revue „Follow the Sun" auf. * Richard Bccr-IIofmanii wird, wie aus Jerusalem gemeldet wird, im kommenden Monat eine Palästiiiareisc unternehmen. Seine Dramen „Jaakobs Traum" und „Der junge David" wurden von «ler Uahhna in hebräischer Ubersetzung aufgeführt. * In der Kaiserlichen Musikakademic in Tokio gelangte das „Konzert für Orchester in C-dur" von Klaus P r i u gs Ii e im unter Teilung des Komponisten zur Uraufführung* Das Konzert wurde mich auf alle japanischen Rundfunksender übertragen. Tu der Mailänder Seala haben die Proben zu . der italienischen. Uraufführung von Richard Strauß' Oper ,TD i c einsame Frau" begonnen, deren Textbuch von Stefan Zweig stammt. Die auf den 11. März festgesetzte Aufführung bildet einen mil irroßer Spannung erwarteten ° Höhepunkt der diesjährigen Opernspielzcit. Der Verlag J. Kau ff mann. Frankfurt a. M.. läßt soeben ein vollständiges V o. r 1 a g s v c r z c i c h n i s seiner Werke erscheinen, das folgende Abteilungen enthält: Allgemeines. Riln-1 und Ribclwi=sensehaft, Misehna. Midrasch. Talmud und Hahhiuica. Jüdische Geschichte und Literatur. Philosophie und . Religionswissenschaft. Preiügten Und Homiletische Literatur. Jiiüendbfirher. Lehrbücher und Musikalien. * Als Dozent für neuzeitliche jüdische Geschichte wurde der Lehrer für jüdische Geschichte. Literatur und B i b i* 1 am Jcnisalemer Hebräischen Lehrerseminar. Renzion D i u a h ti r g . an die Ilcbräisi'hc Universität berufen. Der neue Dozent wird seine Vorlesungen im Sommersemester beginnen. Arbeitsbuch auch für Künstler Der R «• i e h? v e r b a u d der J ü «I i s c Ii e n Kult u r - b ü n il e in Deuts e h 1 a n d irill mit: ..Hierdurch weisen wir darauf hin. daß tlie letzten Gruppen für die Ausstellung des Arbeitsbuches nunmehr "aufgerufen sind. Wir .fordern daher alle a k t i v e n M i t g 1 i e d e r d e s R c i c h s - v e r!> a n d e s (K fwi stier) auf. sich um die Erteilung eines Arhrilsbiirbrs zu bemühen, da der Besitz Voraussetzung für jede Aust«dhutgs- bzw. Beschäftigungsmöglichkeit sein wird. Die Formulare sind bei den Arbeitsämtern und in Papierhandlungen er-, hältlich. Nach Ausfüllung tlicser Formulare müssen, sie von dem für den Wohnsitz zuständigen Polizeirevier abgestempelt und dem 7.ustäudigen ArlnrUsamt eingereicht werden. Kosten entstehen nicht." 100 Hörer und 20 Chaluzim