Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 16 (1936)
- Issue
- 9 (26.2.1936)
- Date
- 1936-02-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Entwicklung / Von HERMANN VOGELSTEIN Alle» Leben Lst Wandlung, alles Lebendige in steter Wandlung begriffen. L:m die gleichen großen Probleme ringt die Menschheit heule wie vor Jahrtausenden, und doch sind Probleme und LuäUngsven-uehe anders, weil die äußeren Voraussetzungen und Bedingungen, der Blickpunkt, die Betrachtungsweise, .die in der anderen" geistigen Einstellung ihren" Grund - hat, anders geworden sind. Diese geistige Einstellung verändert siuhimmerklich. aber.stetig durch die von außen wirkenden oder die ans dein eigenen Seelenleben stummenden Einflüsse. So wandeln "sieh auch Begriffe ji'nd Begriffsbestimmungen. Oft bleibt der sprach liehe . Aufdruck der gleiche, während der Begriff sei bat »ich differenziert, weil die Vorstellung sich verfeinert oder der Begriff inhaltlich reicher geworden ist. so daß das Wort den gewandelten Begriff nur teilweise deckt. Das führt dann entweder zu neuen Hegriffs- - bestlmmungcn und ■ A usd nie k.s fori neu oder aber — zu großer Unklarheit, weil derselbe Ausdruck bald in seiner weiteren, bald in seiner .'iigeren Bedeutung angewendet wird. Oder es führt zur- Erstarrung des Begriffs, der. an den einmal unler anderen Voraussetzungen geschaffenen Aufdruck gebunden, seine Wandlungsfähigkeit und damit sein Leiten einbüßt. Demi wenn Vier (»eist. ein \\ übler istwie Burekhardt ihn einmal nennt, bleibt wesentlich stärker das Beharrungsvermögen des Wortes. Keine doktrinäre Starrheit Der religiöse Liberalismus im Judentum bat .«ich im Läufe der Zeil gewandelt. .Niehls wäre aueh gerade für den Liberalismus \erfühlter als doktrinäre Starrheit. Vielmehr gehört zu seinem Wesen stcle Sc 1 b » t p r ü f u n g . Kritik der c; i g e n e n A u s r h a 11 u 11 g . d e r s p r a e h 1 i e b e u w i c der sy m Ii o - 1 i s e h i' :i . \ u s d r u c k s f o r m. Wir finden wohl freit* Auffassung .teligiöscr Lehren, freiere Stellungnahme zu dieser oder jener religiösen Form in früheren .lahrhuiiderten- Aber es wäre mi'iiiud'H-h verfehlt, deshalb etwa einen Maiihonidcs oder Abraham ihn E**ra oder in älterer Zeit die Pharisäer ,nder Saddiizäer oder gar, wegen ihrer Stellungnahme gegenüber dem formelhaft erstarrten 'Opfer- und Tcmpeldienst, die israelitischen Propheten als religiös liberal anzusprechen, obgleich manches in der religiösen- Gedankenwelt dieser Männer sieh mi(' der X»e-. -dankcnwcti des jüdischen Liberalismus deckt oiler ■ doch eng berührt. Der religiöse Liberalismus im Judentum konnte erst entstehen in einem Zeitalter der Kritik. Oer Eintritt der .luden in die allgemeine Kultur mußte notwendigerweise zu Itc formen führen. oiler war vielmehr selbst eine groß;* Reform, dir schwere Kämpfe ■\erui>aehte. Die damalig:' Orthodoxie fürchtete jeden .: freien Luftzug und war ängstlich bedacht, die einst aufgezwungen-* Ahschließung festzuhalten. Die ersten He forme r habj*n einzelnes zu" verändern ' gesucht, wie es ihnen gerade eiTorderlirh und geeignet erschien,, ohne sieh über ein sachliches oder methodisches Prinzip klar zu sein- Mit Recht Irelout David Phih'pson (The He form Movement in -ludaism. -. Aufl.. S. 38 ff.;, daß erst die z w e i t <■ G :i e r a t i o u der Heformer die Situation in ihrer Totalität erfaßte und demzufolge die Theologen hervortreten ließ, dtr nii'hl wajdln-s rein zufällig da und dort Beformen einführten. Mindern die (■rund fragen aufwarten. Der Begründer der Neiuu'lhodrtxie. Samson Raphael 1 lirseh. fordert ebenso wie sein Studienfreund und spaterer Gegner Abraham Geiger, wie Samuel Ihiidheim und Zacharias Frankel ..Reform".' Als ihr Zb'I bezeichnet er "..Verwirklichung des .Judentums durch Juden m nn.-erer Zeil: Verwirklichung jenes ewigen Ideals in den und mit den durch dÜ- Zeit gestellten .Verhüllnissen*' (Neunzehn Briefe über, Judentum, 17. Brief). Tu einer scharfen Kritik des damaligen wie des Judentums achtzig Jahre vorher fordert er ,Tsich selbst begreifende-; Judentum" fdas. 18. Brief). Das Judentum nennt er eine ..geschichtliche Erscheinung" (das. '2. und -1. Brief). Lud Frankel betont .,das Faktum, daß das Judentum selbst viele Veränderungen legitimiert, daß die früheren Lehrer dem Wnrtsinu der Schrift, die späteren dem Wortsiune der .Mi>ehna. die uachtalmtidisehcn Autoren dem Worlsiunc der Talmutlautoren eigentümliche Deutungen gegeben, die nicht etwa innerhalb der Mauern der Schule nur. als Spiel der Sjtvkulatiou. Wert und Geltung hallen, sondern die hinan? ins Leben übergingen und der Ausübung der Gclwite und Vorschriften «ellwt eine andere Richtung galten. Diesen Forschungen, diesem Mute verdankt das Judentum sehr viele Kr-. Iciehterungen. dun-h sie bewahrte es eine vor Verknöeherung schützende .Regsamkeit, entwand es sieh dem "starren Stahilismns oller Zeiten11. F.r betont die Anerkennung des Prinzip«, daß nicht der Buchstabe binde, nicht er allein der ausschließliche Leiter scL sondern der Geist ihm erst Leiten •jebe. er ihn erhebe zum ■.lüttlieben Gelvolr. würdig, daß mit göttlichem Geiste begabten Wesen er zur Norm diene" (Zeitschr. 'für die religiösen Interessen des Judrnlumh T Um dieselbe Zeit .spricht auch Geiger yom Judentum als einer geschichtlichen Erscheinung. Das methodifche Prinzip Die Cbereinstimnmng geht noch weiter und ließe sieh aus. zahlreichen Stellen belegen. Sie ist tatsächlich vorhanden, :-o weh es sich um die Anerkennung der Notwendigkeit der Änderung iles damaligen Zustande des Judentums handelt. Aber sie schwindet sofort, sobald es an "den Neuaufbau geht. Wenn Hirsch von geschichtlicher Krseheiimiig spricht, so hat er das Judentum als rin auf den Schauplatz der Gesehirhte getretene* Gebilde im Auge, das. an sich unveränderlich, von den Mensehen unserer Zeit wiedergewonnen werden muß. Bei Frankel und der von .ihm inaugurierten und sogenannten positiv historischen Rieh tum; ist das Beharre«, niiebt die Wandlung da* Ulwrwicgendc. Geiger geht von der Ansicht aus. daß eins geschichtliche' Erscheinung niemals ganz fertig auftritt (Wisscnsehaftl.' Zeitselir. für jüdische "Theologie \T 16). er stellt in den-Vordergrund den Begriff der E it t w i c k 1 u n g. Es handelt sich hier nicht um einen graduellen ■ sachlichen., sondern, einen grundlegenden methodische n Unterschied. Daher denn auch die große Divergenz zwischen Orthodoxie und religiösem Liberalismus. Denn diese Divergenz besteht nicht darin, daß der Orthodoxe sich strenger an das „Zcremonialgesctz11 hält als der Liberale. In dieser bisweilen, recht weit bis in theologische Kreise reichenden, ganz äußerlichen Anschauungsweise ist der Grund für manche unerfreuliche Erscheinung im Judentum des letzten Jahrhunderts zu suchen. Demgegenüber gilt es, das methodische Prinzip der Entwicklung klarzustellen und die Frage aufzuwerten, ob und in wie weit dieses Prinzip sieh gewandelt hat. , Ein verfehlter Verfuch Vor mehr als einem Menschenaller ist einmal der \ ersuch gemacht worden, ein für alle Zeilen gültiges Grrdo des liberalen Judentums aufzustellen. Der Versuch war verfehlt. Denn das Wesen Jer Geschichte ist die Wandlung, und das innerste Wesen des religiösen Liberalismus die Anerkennung der Wandlung. Vielmehr ist es eine ül>crau* glückliche Intuition Geigers, daß er nicht die sachlichen Unterschiede zwischen Lilreralisiuiks und Orthodoxie vorangestellt) sondern das methodische Prinzip des Liberalismus gefunden und ihn damit auf festen Grund gestellt hat. Hegriff und Wort Entwicklung ist manchen (*'gucrn wie manchen Verfechtern zum Schlagwort geworden und damit er- - starrt, nachdem es oft bcrriLs vorher miß\rMunden war. Man hiit sich selbst vielfach *Ue logische Forderung der Entwicklung, d. h. Erklärung. Deutung um! Bestimmung des Begriffs nach Inhalt ■ um I Im fang erspart und nur den biologischen Ursprung de Kulwieklung-jbcgritfs, das Werden \nm Keim zum \\ arh-titm. zur Blüte und zur- Frucht oder die natürliche oder künstliche Eni- . wirklung von niederer zu höherer Art im Auge gehabt. Mau hat aber selbst dabei oft unlH-achtet gelassen, daß auch die Nainr Rückbildungen und Kntartuugen kennt, und hat ganz und gar nicht bedacht, daß geschichtliche Erscheinungen *• <cl zu komplizierte Gebilde sind, als daß mau. was \oti ilem einzelnen Organismus, gilt, schablonenhaft auf sie übertragen konnte. Dazu kommt, daß die.-es Zeitaller der unerhörten Inrl-chritle der Technik und der Wissenschaften aus mangelnder Selbstkritik, aiis mangebiiler «eschiehtlithcn Kenntnis und daher aus mangelndem gelinden Skeptizismus den überheblichen Traum von dem ewigen, kiiulhuuci-- liehen Fnrts-.'hrilt geträumt — et via wie Krauels Racon in seiner \o\a Atlantis — iintl sit*li »cHm hoch über alle vergangenen Zeilen gestellt hat. Einzelne Symptome, gleichviel ob < ich Hu «der falsch gi'weri.-l. dienten als Bestätigung dieser Anschauung. l!ci Beginn der neuen Zeit wurde das Judentum und vhie rrliniö-ij Betätigung ..oft als opus operaluin begriffen oder fast nU Anmlelli nkram zur Abwehrimg physischer Obel oder zum Au (bau mystischer Wellen" (Ilirseh. Ncun/ehu Briefe. 17. Bii' f. Mißverßändniffe Zweifellos war die Beseitigung' mancher dieser störenden Äußerlichkeiten eine gesunde Entwicklung, ein Fortschritt. Alter für manche bekamen die Begriffe Entwicklung und Fortschritt lediglich den negativen Inhalt der Vlisehaffniig. m» daß die-« »m Judentum, das aller Form entkleidet, vielleicht gar alles Itihallmit Ausnahme der siltliehcn l'ord. nmgcn nitlecri war. :ddas Ziel der Eulwicklung, den Gipfel des Fortschritts ansahen. Fr.-t kür/lieh habe ich erlebt, daß konservative Juden eliriieh vfstannl waren, als sie Itci einem religiös liberalen ..Laien" Kniutuis-e auf religiösem Gebiete und kcmcsucg-i \'rrucrfiifi^ der religiösen FormciLsprache in Bausch und Bogen entdeckten. Das alles sind Symptome nntheologischrn Denkens, das freilich bedauerlicherweise bis n ebt weit, in tlirologi-i he Krci-c hcieinreicht. Ximenllicb in urlbodf>.\eu Kreis4-ii ist »ine su priiniii\c. An-ehanimg von dem jüdisc)i-religiö~en Liberalimuis niriit -elini zu find.-ii.. Das liegt zum groLv-n Teil daran, daß ihnen dhi1h«iIo- , gisehen Arlieiten des jüdischen Libeialismus uubekannl -ind. SeiT ilem hrlzten Jahr/ehnl des I!). Jahrhundert-* hat sich die gesiiiile geistige Kin-Irllnni: auf allen Obieteii. nicht znletzl auf religiösem Gebielc.'iinverkcuiibar gewandelt- Mit Reehl hat vor wenigen Jahren der Ba-eler Philosoph Karl Joel von der r hevwiiuhiug des - VJ. Jahihuuderts im Denken der (»egenuarl ' .gesprochen. F.« 'entsteht die Frage: 1-1 der Begriff der Entwicklung auch heute noch im religiösen Leben des Juden)ums anwendbar? lii-heMiudric erkennt der j'üdischc Liberalismus ihn auch heule noch als sein mcthodt-ches Prinzip an? Und ttcjahcndcnfalls. hat der Sinn dic-cs methodischen Prinzip-, des Fnlwickliuig-liegriffs. sich gewandelt V Und hat der religiöse Liberalismus iubdge dessen den frühervertretenen Standpunkt verlassen, um den religiö-en Fingen gegenüber eine andere Stellung einzunehmen? Oder wenn die cr-lcn Fragen zu verneinen sind: Welrhc* i-l da- Prin/ij» des nrligiöseir Liberalismus im Judentum? „Objektive und fuhjektive Religion" Schon die bisherigen Ausführungen ergeben, daß die beiden ersten Fragen zu b c j a h e n sind. Es gibt kein menschliches Gebilde, keine menschliche Gemeinschaft, die nicht dem Wandel unterworfen ist. Keine folgende Generation Ist in ihrer Grundhaltung, in ihicr gesamten Hinstclhmg der vorangegangenen gleich, ja derselbe Mcn-ch verändert sich stetig nicht nur körperlieh, sondern auch geistig und seelisch. Aber hier wird der Kinwand gemacht, daß eben die geoffenbarte Religion nicht ein menschliches, .sondern ein göttliches Gebilde j-l, daher nicht den Gesetzen menschlicher Dinge unterliegt. Soweit mit diesem Einwand der Unterschied hervorgeholten' werden soll zwischen dem. wa- Seliginann in seinem Posener Referat objektive und mbjektive Religion genannt hat,. ist da-, Argument nicht von dt'r Hand zu weisen. L'ns ist das Judentum von Gott gcgrltcne Offenbarung ewig gülliger religiö-er und sin lieher W ahrheiten, die in das LelK-n un-ercr Vorfahren hereingetragen worden und uns zu eigen gegeben sind. Aber wie alles geistige Krlte muß auch dieses. jede' Generation und jeder Einzelne, erst erwerltcu. um es zu l»esitzen oder, wie der Psalmist es ausdrückt, unsere Augen müssen geöffnet werden, um die Wunder der Lehre zu M-hauen.' Das weist auf die mensch Ii ehe Seite «I e r Religion hin. Die Leugnimg des KntuickhingHprinzips würde zu der s.idduzäiseheu Auffassung der Bibel, zu -starrer buchstäblicher Anerkennung ohne geistige Erfassung und Durchdringung und ui Mcigcndem Maße xttr Ijnslüsting de» in steter Wandlung l>**griffenni Leben« v»m der Religion führen und dies«; schließlich zu unverstandenem oder verständnislos geübtem Formelkram machen. Zu allen Zeiten hat man das Verständnis der religiösen, Wahrheiten gedanklich zu erfassen gesucht. Die Ibdigionsphilosophcn halu-n aus ""tiefster religiöser Gläubigkeit den Einklang zwischen ihrer philosophischcii Anschauung und der geistigen Einstellung des Zeitalters mit der Religion herzustellen gesucht. Tu änderte Weite hoben die Pharisäer dieses ewig gültige Cotteswort für alle Zeiten unter noch so verschiedenen Voraussetzungen für da» Leben wirksam und anwendbar ge«tullrt. Nicht die göttliche Gälte der Religion, sondern deren Erfassung, A u w e u d u u g H n »I Ausübung durch d m* Menschen unterliegt der Entwicklung; und dieser l-jitwicklung-'M-griff birgt in Wh den Begriff der Stetigkeit, der Koni umhat und damit «Irr Tn»liiM»ii. Pharisäisches Gedankengut ist die Ausweitung de* Begriff* Tora /n dem Verständnis Tora und Tradition (Travel*?» Herford. Phari-nisin. -S. Auf diese Weise sind die Pharisäer' mit aller ihrer l'nlcr- _ ■ werfuug unter die Tora als die alleinige und unU-dingtc Autorität nicht die Sklaven, -«ndcni vielmehr die Herren.der Tor» geworden (Lauterbach in der KeMschrifi für Köhler. S. \*.K\ Mit Ucchl iH-tont daher- Geiger die geschichtliche Kouliuiiiläl. die nicht unterbrochen werden kann und darf, ohne das Judentum auf-* sehwersle zu gefährden (Jüdische Zeitschrift für WisM-u-chiift und U-Ik'U 1\. Jb'J ff.V Nnchtbücklich weist er darauf hin. daß alles des Judentums uuvcräiißerlicln's Kigenlum ist. üln-rall der ursprüngliche Geist naeh dcii v erschiedeneu- Zeilen und der verschieilcueu Itcgabnu» und d< uiioch in voller Piiihcit da«. L S. 10. Das Erbe =■ Die religiöse Knlwickbing im .liolenlntn wei-i Höhepunkte Ii ii «| Nieder u u g"e u auf. K(M>chen. dir wir als Vofstiege an spn'chrn. und -<di*hi'. die "naeh uns> rni l'rti'il einen \bsiieg und Rückgang iM ileuten. NicTTlv«oi di-n» allen können vvir im* den - siel igen Phlß der Tnlw ick hing s|r eichen, nichts wollen w lr -utisM'ii. Wir -ind uns klar. daU unsere Zeil wenig wie irgend eine anileii' »1er Vergangenheit oder Zukunft ein ab^dul ru treffendes 1 rleil über Vufsiie^ mler Miedergang hat. daß wir vielmehr stets \oii der jeweils, gegenwärtigen Giuudcinslelliiu': «nurteilen. Alles aber, wa* die v»rgangene Zeit ge-chaffen lull, ist unser Erbe, dawir uns geistig /m eigen machen, da» wirbegnifeij unil .versiebend "durchdringen mü-sen. um es in on-ei Leben eiiriebcn /u la-sen.« dies Trbe umbtrineuil duceb nu-er " Leben, das \tiedcnun durch die- Mibe luiLgnbiiinl wird. Das betrifft nicht inus di*- religiöse» Dinge im engsten Sinne de/t Wm (es. Mindern die. gesauite _ Kinsiclhmg zum Judentum. I'«im lie Rcli-:ioii de- Judentums «ar nirinals'bloß religiöse Lehre und Pra\!s. -uinlern hat stets Jeu gan/eu Mtnischen und das ganze Lc1m':i in seinen Üi-n-ii Ii L'e/ii^eu. Ditruiii .ist das ganz..- Leben in seinet R: rite und in »einer Tiefe melll ails/u-challeu vuo der teli^iö-eu Eulwiekhuig. Hier li'-gi die große B*'«b'uiuiiL; der Kult u r ii n w i r k n u g jeder Zeil auf die icligiöse Lniuick- Iiui». hier nUw aneb die GcfohrrTdl'-s mir von der Ge^i-nuaiT tnit zu -si-heii. die l'irluiiklinig nur nach der Grgeujvarl /Ii b' iirleilen. -das gescbiehlticb Gewonh'ne oiler das geschichtliche Weiden außer .acht zu In--cti und damit nicht mir je uachilem der \'eigaugenheil oder der Zukunft, «nnderu gi*iade der Gegenwart und in ihr fremd zu werden. -- Ein frheinhorer Widvrfpruyh Per I ntwick 11111»*-begriff als das uiclhndischc Priu/ip de-* religiösen Lllierali-nuii-l heule kein anderer als vorhundert .labten, wie üb-thaupt nn lbiidi-che Prinzipien dei, Vorteil bieten, daß sie uuverfui'li'i I liti iU ii. weil si>- nicht den «jichln hc.ii Inhalt, sondern die Al l der Bi haudlutig feslli'gen. Die Haltung dcsTTLibrrahsmus is) allerdings gegenüber manchen Kragen des religiösen I/eheIis utibrsireitb.'ir eine andere gewurdi'il. l>er. WMeispiucb |s| nur scheinbar. Denn itn Wesen dieses methodischen Priu/ip'« lie»| iHe \uerkriiuung_diT s|e|rn Wanillttiig nicht etwa nur der Dinge. s«u'Uth unserer Einstellung zu ihnen. Unbedingten Erstballen im den gleichen Viwhnuiuigcii würde /u H|«rrein Doklri-—- uarisums. zu einer ..t) r I h o d o ■£ I v d i* s Li b e r a I i h m u •»"* und «lamil zirr Selbsi.uifhelmng de** religiösen Liberalismus führen. Die neue Zeil stellt neue Probleme und verändert die nlh'ii. Zu den "iiru.-ir Problemen muß Slellnng genommen, die Slellungtiahme -zu den alt«-n Plnbleinen von neuem flltcrprüfl. die Krage aufgeworfen werden, ob neue Gesichtspunkte eine im'NC Slellnngicibnie i vciil fi-rti-eii ude|- ücbiejeu. Ein zweites .Moment .ist. daß der Kufwirklungshcgriff vielfach auch das reicht bisin theologiselie Kreise herein — — nicht al* methodische-. -undcrii al- ** a e h I i e Ii e s Prinzip aufgefaßt, daß demzufolge eine Entwicklung des sacbliebcn (W\u%\\* ■ ib-r Religion, ihrer Lehre und ihrer ErscheiuiingHforiueu in *\vr Hiebtung. iu der nie gerade jetzt verlaufen zu .nein sehien. gefordert wenh*. Damil i-l der Meinungsslrcit uIht manch'* Kragen auf eine falsche EIh'uc verlagert v»;or«|en. Zwei Beispiele' mögen da» vVnb-ullielH'n. Die Zulössi»l;eil von Gr beten in der ff a ii «1 e s s p r a e h i* war eine Forderung des. religiösen Lil>ernli*iuiiis. die nur linier sihweren Kämpfen verwirklicht werden koiüite. Wie viel oder vvir wenig in der Landr»wpracbe gebetet werden inl eine;, reine Zwi-ckmaßigkeitHfrage, «leren Bfantwurliing von den bi'Mmderen Verhähfiisrteii und Bedürfnis***!! der' einz.elueu Gemeindeabhängig" ist. Den Grnd und dir Kraft den Liberalismus nncli dein Maß und dem lAnfang der deutschen Geltetr M\\ Gottesdien.st 7.11 lM'm«"s-ei\.. int eine Verkvnnung den religiösen Liberalismus, deren sjrh Liberale w'ie Orlliotloxe viel- _ fach schuldig gemacht haben. Die Iteseitigung des llrbräi-chen im Giittcidieiift tst elH'iisfi wenig ein Beweis religiös Ültcrnler -Grsiuuuug und I faltmei wie die Beibehaltung ein Beweis vorn Gegenteil ist. Vielmehr ist die Frage nur linier dem GeniehtHpunkt zu lösen, wir das religiöse Bedürfen der Gegenwart mit ilcr ge«rhiehlliehen Kouliimität 111 Einklang zu bringen ist. r Religiöse Verantwortung In virlen Einzelfragen mußte nirh ilir Haltung »le»» rrligiötrii. Liheralisnius wandeln, weil throrrlitrh wi?*r^iraktisrh da* Problfni r n d 1* v i d 1111 in 11 u il Gemeinschaft anderrt Iwtrnrhtrl werden mußte. Tn der Entstehnng-zeil «les religiösen Librralisiinw galt es. da*« Individuum aus der "tnrken und oft Ntnrren Bin'hutg ihireh die Geineinsehaft, wie nie die mittelalterliche Eni wirk hinp grseliaffen hatte, zu lösen, den Einzelnen religiös selbständig upd Mdltstvernntwörtlich zu machen und seinen Ansprfirbeu innerhalb ib-r fiemeinschaft Grilling zu verschaffen. Wie immer in wo fr he n Eällen >ind auch hier Ersrheiiuiugen zutage getreten, «lir wohl dem Rechte auf religiöse Kreiheit des Einzelnen, nicht alter f*riiicr Pflicht gegennlter der Gesamtheit und dem Berhlr der Gr^äinthrir" an ihn gemäß waren. Das Bewußtsein, der Zugehörigkeit zur religiösen Geineint»elinft war vielfach fast verloren gegangen, die- .Gefahr der \ t o m i s i c r un p den Judentums war Wilhelm Jahn PrlvatwO«4i«r*l und F*lnpl«1*ral. Rehme Ulan Uhwtn-Haim Abbolaog and thrrronr Inl Haa« N 31, Brtinncnilr 41, Im Hiiik dn Fnticnverclnl der Bne-Brll Loct U.O.B B. Tel. D 4 Humboldt 70IS ^tl^ft*--^