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Jüdische allgemeine Zeitung · 1936-02-26 · 9 (26.2.1936) · page 4

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
16 (1936)
Issue
9 (26.2.1936)
Date
1936-02-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Bimmen jiu'i der Novelle .,Vcr Schuh", von Frega Frisch aus dem jiddwhrii Original fd*c r tragen, unter «1cm Titcl__„Ar.m und reich" nU Hand 4H der Schocken bücherei ^ucljen erscheint. In der Iicl»e*voll -»{Killenden und zugleich mitleidig empfindenden <.'haraklcri>irrimg dei .,klciucn Menschen litis einer kleinen Well ' "mi heißt ein ganzer Hand Erzählungen Scholen! Alei lieiusJ _ zeigen virh alle Zuge de.-. \iclgcler»eiicu und vorgelex-neu osljüdw-heu < iheit«M-hrififi<'Uer>, die ihm aueh Ihi uns gmßlc l^'liihihi'ii \ ei schafft 1iuIh.ii. Die Annen halten es ihm angetan- und uemi et auch ihre, skurrilen und komischeu. Seiten ins Sehe-iuwe-rfcrliciif seines Humors rückt, mi hat er doch nicht weniger Empfindung (und ergreifenden .Aufdruck) für ihre Tragik. In der Erzählung ..Per Schuh" sind es zwei armselige Kreaturen, die »rmeiii^ni mit dein hartherzigen reichen Selm lein Iteer wegen geringfügiger De likte eingelocht werden sollen. Die Aufrcguilg in dem Stüdlrhcn, als der Gefangrnentrmis|>orl imler Anführung des I'nlizeigi:waltigen Hainau Iwanowilsch vor hielt gehl, "ist groß. Alier dieses Ereignis Iial wenigstens das Gute, daß der Geizhals Seholern Beer durch die Prüfungen zur Erkenntnis seiner schwarzen Seele kommt und nach wicdererlanglcr Freiheit mit freudigem Herzen die Holle des Wohltäters übernehmen wird. In den ^Abgebrannten"* treten die Seholern Alechcni besonders . ans llrnr. gewachsenen armen Schnorrer von Kassrilowka in Erscheinung, die einr Mensel lensnrtc für hielt sind, die ihr eigene» l<ehcu, ihr eigenes Denken und ihre, eigenen Sitten haben. Eine . Anekdote rrzählt. daß einst ein Einwolmer von Kassrihnvka eine Weltreise uulern.ihm und In-i dieser Grlc»cnheit aueh nach Paris kam. Dorl ließ er sich gleich zu Bothsehild führen und verkaufte ■ihm für den verhältnismäßig geringen Preis von *iOf) Rulnd ein Mittel für das ewige I^heu. Als der .Manu ans Kas>nIowka den Betrag in der Ta-chc halte, meinte er: ..l'm ewig zu leheu. Herr Itatim. mfi»en Sie Paris verhts>rn und mit -uns in Kassrilowka Irlwn. Denn seit Kaw-rilowka l»csti:Iit. hat man noch uicmaN einen reichen Mcn*rhcn dort sterlicn sehen.*' Aueh in Seholeni Aleehem« Erzählung machen sieh einige Kassrilowker. unter Anführung des greisen Hahhi Joissifl. auf die Schnorrlour. um für die Opfer des Hramles. der die Stadt verwüste! hat, Spenden aufzubringen. Die Prüfungen und "Wunder, die dien- Heise im 'Gefolge hat. erzählt Scholen- Aleehem m» bewegend, daß die jüdischen Krähwinkler hielt bald neue Freunde erwerben werden. —m. Theodor Nöldeke Zu M-ineni 10(1. Geburtstag am 2. Marz Die -ruße f.üeke. die dureJi Gcsniiu.-' frühzeitigen Tod in den Kreis «ler semitischen Sprachforscher gerissen wurde, ist nach zwei Jahrzehnten durch das vielseitige, ausgezeichnete Wirken des berühmten ehrist liehen Orieutali-tcn Theodor Nölde. ke aufgefüllt worden. Am 1. Mär/ 15I3(i in Harburg gel>orcu. widmete er sieh in Gültipgrn dein Shulüim der Sprachen und Geschichte des allen Orients und nahm .»ach mehrere» Reisen, die ihm die Itihlinlhekx'häl/e Holland- und England.- erschlossen, und nach einer Epi-ode al* Hilfsarbeiter an der. Berliner Staatsbibliothek, während der er, mit Heinrich Kiepert liefmmdrt, diesem hei der Geographie Arabien* hilfreiehe Dienste leistete, an »ler heimatlichen Lnivcrsiirit seine Lehrtäligkeil auf. Von dort' als Professor nach Kiel, dann nach Straßhurg l>erufcn. wo er •Iii« l'>20 wirkte, galt. Nöldeke jahrzehntelang' als Meisler der -eniili-ehcu Philologie, besonders aber als gediegen.-! er Kenner des Syriichen und Arabischen. Seine Ulfif) preisgekrönte Schrift .G e v th; e u { <• des Kor :> n" wnvde richtunggebend für die ge«.amle arabische Sprachforsch ung. In seinem, w ie er selb*! seinen schwächlichen Körper bczelehneie. ..mangelhaft gehaulen Kadaver" wohnte ein edler Geist von großer Stärke. Fr drang in jede Sache, mit der er sich In-faßte. so tief ei«, «laß e.r zeitweilig für andere Gegenstände unzugänglich wurde. His in sein 90. Lehen; fahr bewahrte er sieh sein,.,, unverwü-ltiehen 1 hunor und scinrn Unabhängigkcits- *inn. 1 Tud wenn er sieh auch üherj reibend einen ..orthodoxen Heidi n" nannte, da* Tnteres-c für die hebräischen Propheten hat er niemals eingebüßt. Wahrend Nöldekenoch :iU jun»i'r Dozent ein Exegetiknm über .J e s;. i a - uiid ein Kolleg über hehräi-chc. Grammatik abhielt -owie naeh eifrigem Sliidium der AI i sc'h n a und der allen iüdi-ilien Ttilwlknmmeuta're eine Sehrift ..über die A m a I c. - 1 i k er:i und -euuklassischen '..V n t e r s u c 1t tt n g c n zur Kritik des \ I t e n Te *j 1 a ni e n 1 veröffentlichte, waren in der Folgr/ril all -eine liiigni-[»-ehen Slinlien er verfaßte u. a. eine syrische, neu-vri-rhe und mandäKrhc (babylonische^ Grammatik - mehr darauf gerichtet, ein veriileieltendes G e s a m t - bild der «i' mil i^-ln-n Sprnrlirn zu gehen. Den Grundinhalt si'incr Spraeh-;tudii«n legte er fasi am Ah-ehhiß seiner Tätigkeit in .den ..IVilräiien zur semili-i heu Spraehwissensehaft" nieder. Durch seine «irieiilaliMben Studi n hat er auch der hebräischen Sprache und der tt <>-en>chaft des Judentum*, die damals in l*-«l»dd Zun/, und seinen MiNln-hcrnlcu mächtiu' ihre Schwingen '^'r-j^mittelbar wcrivnllr Dieiisi:- geleistet. Nächs) sfitin, xoIUiümlieiien ..Pcpsi^hen Simlitn''. -.Orientnlisehen SU/.zen" und M-inen Arheilen über ..Mohammed*' und den Main erwarb er sich durch die »Ifmzend üesrhriehene „Geschiehie der Perser und Araber zur Zeil der Sa^auiden" ein hohes wWn-ehaflliches Venhenst. Vir! Anerkennung fanden auch seine ..lieilräi'e zur Grsehirhle des Alevauderittniaus-4. Wie lief die Ijel>e zur arahw-hen Diehikiin-i in ihm' wurzelte, zeigen die Hernusgiihr des „Iranisehfii Nalioiialepiis"..dei ..Dtdeetus vetcrum canuiimm :uiihinmim" und die große Zahl seiner in Faehz.eit- -ejnifteii vcröfrentlichlen \rbeiieu. Auch auf dein Gebiet der «- e in t t i s i- Ii c n I n s e h r i f I e n k u n d e galt Nöldeke als erste Autorität die dir-, mühevolle Futziffenmg der 700 von Futimr kopiei ten Sinai - I n s eh r i f 1 e n übernahm. Nötdekes Sin,u der hi- 1*>*10 tnttz Fmeritiermi» im .1». l.clH-iisjahr in der >ii h b: läii»endeu LieJ.e zur W issensehafl sieis n »sie ltefriedi^mifand, war nach dein Tode seiner ihm uiiiig \erbundeuen Galliii. obu'h teh er sein letztes Lebeusjahrzehnt -■im Haus<> st'invs Sohnes in KarUnihe zuhrarhle. stark verdüslerf. rr seihst. \on Mlri>!>e-ehwer(len heiumesnehl. war von pcssimlsti- >clieu An«and!im»en .'selten frei. Die Verehrung seiner Schüler, die auf den meisten Lehrstühlen deutscher Universilälen?aßc*u. und die Anerkennung seiner «rüßten Faehgenos-en wie Goldziher und WellhaiiM-n uu<l alle Khrendie dem horhverdienteu Gelehrten v.ute tl wurden, vennoehten nicht, ihn seiner sehwermüiigen Stimmung zu entreißen. Die einzig Auszeichnung, über die sieh »ler aller Kilelkeh abholde Forscher wirklich cefrc'ut hat. war nächst dem Oideu l\mr le merite die Rc|ttin«smcdail!e. dir iltm einst für dir- Heilung eines in die III gefallenen Kindes verliehen worden war. m. s. n»c*=t.* Zwischen Start und Ziel Ein jüdischer Sportroman von KÄTE WIENSKOWITZ . Alte Nummern der ...ImHsrh-Iiltrralen Zeitung" gesucht. Zur Frgänzung einiger alter .Iahr»ärtge der „Jüdisch-lil>eraleu Zeitung" benötigt die Un i vc rs i l ät s Ii i h 1 io thek in Jerusalem fnhreude Nummern: Jahr^amr 1021. Nr. 1—~t 9 14 Jahrgang' 1922.« Nr. 13. 2(i: 22.' 48: Jnhrgans 1923*. Nr."l! 17. 19. 31.—52: Jahrgang 1924. Nr. 39. 42. 47—52.. Txser unseres Itlaltes. die im Besitz dieser Nummern sein sollten, werden gc- . Wien, sie der Zenlralsammelslellc der jüdischen Nationallind Universitätsbibliothek Jerusalem in Deutschland. Berlin W 15. Meinekestmßc 10. zuruleiten. 13. Fnrlr-ctzung Nur D(hIo war durchdrungen von Bens Anwesenheit und von dem Verdacht', daß er mit jener Mauel die Hochzeitsreise mache. Gcifuült und verweint erfüllte sie ihre täglichen Pflichten. Dann wurde hie von verschiedenen Seiten gebeten, am Sonntag auf dem Si»ortplat'/. Dolmetscherin zu sein — zahlreiclic Engländer wurden erwartet. Das war eine kleine Ablenkung von ihren Sorgen und ihrer Verzweiflung. Die Klubkameraden, die Kenntnis von Ridders Telegramm hüllen, waren noclimals übereingekommen, darüber slrciigfte.s StilUcltweigcn zu. Itewuliren. Gleich nach dem Fest wollte man versuchen, Benjamins habhaft zu werden, dieser Sonntag aber sollte ausschließlich der Veranstaltung und den ausländischen Güsten gehören. Sowie das Zeichen zum Beginn des Festes gegeben war, zog Dodo sich ifuf die überdachte Kluhtcrrassc zurück. Sic war! sich in einen der Liegestühle und wandle das Gesicht aufschluchzend den Kiefern des Grunewaldes zu. Kein Blick auf die Aschenbahn oder den Bascnidatz sollte die glücklich-schmerzvolle Erinnerung au vergangene Zeiten wieder in ihr wachrufen- Sie wollte und mußte sieh mit der Vergangenheit abfinden, und sie würde mit ihr fcrligwerdcn. Großkaru|ifa(immung auf «lern Sportplatz des ,.J.S.V."! Flotte Musik schallte' Benjamin aus der neugeschaffenen Lautsprechcranlage entgegen, als er unerkannt auf die .Tribünen zuschritt, kaum hundert Meter von Dodi» entfernt. Gelassen nahm er einen Sitzplatz ein und freute sich, daß sein kleiner Schnurrbart und seine ganze Aufmachung wie eine Maske zu wirken schienen. In voller ÜnlH-kfunmcrlhcit sah er dem Treiben der Leichtathleten zu. die sich auf dem Rasen des Irinenraums hcrumiummellen. „Also das Wnriiimachcu vor einem Wettkampf bctrcil>en die jetzt doch eifriger als früher", dachte Ben. Als er noch lucr für den ...I.S.V." lief, halle mau Üm stets spültisch filier die Achsel angeselien, wenn er in seinem hochgeschlossenen Trainingsanzug . von einer Fekc des Platzes bis zur. anderen hin- und herrannte, um sieh' einzulaufen. Alte und neue Gesichter sah er da unten. Den 800-Mcter- Maun. Krieh Bergmann, seineu Bruder Harry, die große Spriutkanone. den I foehspringer Mcvcr. die Speerwerferin Ruth Caro. Oh Dodo nicht auch pliitzlirh auftauchen und mit ihrem Diskus gleichzeitig irptmachen würde? Aber vergeblich hielt er mit heißem Gericht nach ihr Ausschau. Plötzlich brach die Musik scharf ab. und die klare Stimme des Ansagers Fredy Friedmaiiii klang über den Platz. ..Die Aktiven Italien sofort den Tnnenramn zu verlassen und sieli zum Hinmarsch zu sammeln. Die Herren Kampf- und Zieirlehier werden gebeten, sieh seht lell? tens auf ihre. Plätze zu begehen! Meine Damen und Herren, zu dem heutigen SportTcst ist es uns gelungen, einige befreundete' Vereine aus dem Auslande zu verpflichten. Englische. Isrhcehischc und österreichische Kameraden haben keine Kosten gescheut, uns ihre Besten hierher zu schicken. Wir. als Vcranstalter, freuen uns besonders darüber und werden die* hei kommenden. Gelegenheiten zu würdigen wissen. Tu jeder Konkurrenz starten z'wci Mann, so daß jeweils acht Leute am Slarl sind. \h> erste Konkufrenz, erfohzt nach dem Ftiimarsrh der inil-Meter-Lauf!" Die Kämpfer hielten ihren Einzug. An der Spitze, in ihrer rot weißen Kluft, die Österreichischer, dann die Fehwarzweißen Tschechen, die «elbweißen Engländer und zum Schluß die ganz in Weiß gekleideten Berliner. Brausender Beifall I>eglcitetc sie, als sie rund um die Aschenbahn marschierten. Jetzt st-ballie wieder die Stimme des Ansagers über den Platz: ..Anlreien zirtn 1ftfl-Mctcr-LauF!:t Es starten . . IVmi rollte eine Konkurrenz narh der anderen vor den Augen der Zuschauer ah. Den Hnch^prung für Frauen gewann eine Österreicherin, das Speerwerfen war Ruth Caro nicht zu nehmru: Das BnO-Meier-Retmcn hohe sieh Erich Bergmann in einem ganz phantastischen Lauf, nachdem er Iiis C00 Meter im Mittelfeld geblieben wr.e und dann resolut die Spitze nahm, um nach einem Endspurt da- Zielband zu zerreißen. Ein neuer Rekord war die nelonmmg für dic^c Leistung. 1.58.fi Minuten war eine Zeit. die. bis dahin muh kein jüdi-rhrr Läufer in Deutschland erlaufen war. ITiiiüeri-ren hatte Benjamin das Rennen verfolgt, als ihn plötzlieh ein ziemlieh lautecfOhrtcs Gespräch vom Speerwerfen für Männer ablenkte. ..Hast Du schon gehört, daß. Nadel vom ...T.S.V." nicht zum 5000-Meicr-Lauf starten kann? Die Leute sind üanz auf^ere'il*. denn sie wissen ■ nicht, wen sie jetzt .gegen den Tschechen Tscliiwanek antreten Ia=sen sollen. Ohne eine Kanone i-t dem Junten das'Rennen nicht mehr zu nehmen, was können deiiu di.* andern sehon <ivoß?" Blil/srlinell übeil.rgle Benjamin —: bewegte noch einmal sein recht es Bein laklmäßtg auf und ab. Dann erhob er sieh und sab sieh um. Am Ziel entdeckte er einen alten Freunil und Klubkameradeu und eilte, auf ihn zu. ..StepsV-4 - 1'rstauut sah der Angerufene sich einem jungen Amerikaner gegenüber, der ihm indessen sonderbar vertraut erschien. ..Bitte — jawohl — Slep-i ist mein Name, womit kann ich Ihnen dienen?'' fragteer verwirrt. ..Kein Mriwch darf wjs-;*n. daß iclt hier hin*.'1 ..BenI" rivf Steps und wnllle geradehinzusetzen: ..Dich suchen wir ja wie die Stecknadel im Heuhaufen'*, zog es aber «loch vor. zu schweigen. S.'ine Begeisterung..über den plötzlich Aufgetauchten kannte keine Grenze«. ..Mensch, wo kommst du her. was treibst dii?" ' ..Steps, dazu ist jetzt keine Zeit, da* kommt später zu recht! Tch halie eben von eurem Pech 'gehört und will euch helfen. Ist Jimmy itneh euer. Maim>cliaftsleiier? Ich muß ihn dringend sprechen!" Steps nickte und begleitete Ben. ..Achtung, antreten zum 5000-Melcr-Lauf. Für den erkrankten Nadel startet ein alter ...ISVer". auf «inen besonderen Wunsch namenlos! Er trägt die Nummer 67. Sonst Hnd die Teilnehmer dieselben -geblichen. Wir erbitten ihre Aufmerksamkeit für den Start!" Ben war ganz ruhig. Zwar war die ihm schnell beschaffte Kluft etwas zu weit, aber das störte ihn wenig. Hauptsache war. die Ueuiischuhe drückten mchlsondern saßeu wie angegossen. Sein KluhkamrraJ Fröhlich, der mit ihm dieses Rennen lief, wußte, wer Ben war. und halte genaueste Anweisungen von ihm bekommen, wie er sieh während des Laufs zu verhalten habe. ..Du mußt die ersten 2000 Meter Tenijto' laufen, dann laß mich fehon das weiten* machen. Das war alles, was Ben ihm sagte. Die ruhige Stimme des Starters erklang: ..Sie laufen nicht zum erstenmal, also kennen Sic das Kommando!'* Einen .Moment Pause. ..("oimuraid in foree! Kommaudo gilt! Auf die Plätze! Fertig!'* Lud schon krachte der Slarl»rhufi. ■ * Fröhlich nahm sofort die Spitze vor dem Tschechen Tscliiwanek. An dritter Stelle lag Nr. 13, Lcvershinc, der Engländer. Dichtauf folgte Ben mit dem Rest des Feldes. .,12 Runden — viel Vergnügen — wenn mein Bein das nurdurchhält. Na, es wird schon — hoffentlieh bleibt Fröhlich bei dem Tempo!" dachte Benjamin. , - Scharf bcobachtate er seinen tschechischen Gegner, um bei jedem seiner etwaigen Ausreißversuche gleich dabei zu sein. Und wirklicii, — nach 100 Metern ging zum erstenmal die Post ab. Tscliiwanek zog einen Fünfundzwanzig-Mcter-Spurt an und dachte, das werde genügen, um vom Feld loszukommen. Er hatte die Rechnung jedoch ohne die beiden Berliner gemacht, die sich ,ihm ebenfalls anschlössen. So war das Feld die dreiköpfige Spitzcngruppct in der abwcdisclnd. Fröhlich und nach den ersten drei Runden bereits in zwei Teile gespalten,-in Ben für ein sehr scharfes Tempo sorgten, und in den Rest des Feldes, der schon jetzt immer mehr gegen die Spitze abfiel. Am Ziel wurden den Läufern schwarze Tafeln entgegengehalten, von denen sie ablesen konnten, wieviel Runden sie noch zu taufen hatten. Noch waren vier zurückzulegen, als plötzlich in der Zielkurve ein großer Sprechchor sich hören ließ; dessen Worte undeutlich bis zu Dodo auf die Klubterrasse drangen. Steps halte in seiner Begeisterung den Mund nicht, gehalten, sondern munter ausgeplaudert, wer für Nadel eingesprungen war. l ud — von Steps dirigiert — klang der alte Schlachtruf der .ylSVet" hell über den Platz: ^.Itejinic Beerensteiii — ins Ziel hinein!'* Von allen Seiten forderte man Benjamin jetzt stürmisch auf. zu zeigen, daß er wirklieh'dcr Sieger aus dem Slraßenlauf in New York war. Jede Furcht, daß sein Bein ihm doch noch einen Streich spielen könne, war von Ben gewichen, das Tempo, das etwas eingeschlafen war, wurde jetzt durch den Amerikafahrer erheblich verschärft. Noch waren drei Runden zu laufen, als Benjamin plötzlich loa/.ng. Alle Hemmungen, die er noch hatte, waren vcr.-chwmiden.- er, besaß nur den einen' \\ unsch. so groß wie nur möglich zu siegen. Lud schon waren die beiden Letzten des Fehle* von ihm überrundet. t* Weiter ging dir .Jagd. Verzweifelt wehrte .-teil Tschiwanck. den Berliner zu verlieren. Aber gegen diesen namenlosen Jungen hatte er nichts mehr zu be.-tellcn. ,1000 Meter vor ik-m Ziel war das' Pulver des T.-chechcn verschossen. Und jelzl strebte Ben. allen andern weit voraus, mit unverminderter Kraft dem Sieu. entgegen. *" Der Hpiiri'plalz tobte \»r Begeisterung. Mau feuerte ihn an. noch mehr zu überrunden. Mitgeri^.-cu durch den stürmi-ehen .Jubel, fing Ben an. zu i-purlru. Immer näher kam er au den vor ihm liegenden Engländer heran — da — jetzt halle er ihn. Einen Moment liefen sie dicht zusammen, aber dann siegte doch die' größere Obvrlegcnhcil■•Benjamins über Levcrshinc. und er giiifi an ihm vorbei. ..Zeil! Zeil! Zeil!*' schrie man ihm vom Ziel zu. Lud er gab jetzt, das Äußerst«*- her. Man konnte annehmen, einen 100-Mcter- Läufcr vor sich zu sehen, so spurtete Ben die letzten 50 Meter. Als er das -Zielband zerriß, hatte der Jubel seinen Höhepunkt erreicht. ' - * Kltibkameraden bemühten -ich sofort um ihn. Da meldete stellder Lautsprecher: ..Achtung — Achtung! Ergehiiis des I5U00- Meler-l-aiifs: Erster: Benjamin Beerenstein. .1SV. Berlin.' Zeil: I.ljO.T Minuten. Zweiter: Fröhlich. .TSV; Beilin. Zeit: 1.1.58/) Minuten. Dritter: Tschiwaneck. Tschechoslowakei, Zeit 16V10.:> Minuten. Meine Damen und Herren, wir haben Ihucii noch folgendes mitzuteilen: Auf Gnuid seines hervor ragenden Laufs wird unsMin.-cr Beiiuic bei der kommenden Palästiuiaih* vertreten, da er lieutc weitaus heiser lief als sein Klubkamerad Waller _ Wangemanu bei den Aussehetdungskämpfeii .in Amerika!" Als näclislf Konkurrenz folgt .'. Kaum ein Mensch achtele auf die sich an schließen den Kämpfe. Alles war* bemüht, möglichst in die Nähe des so überraschend wieder aufgetauchten Benjamin Bcercnsicin zu kommen. Auch Dodo war,—'aufgescheucht durch den ungewöhnlichen Lärm, audem Liegestuhl aufgestanden, um auf den Platz zu gehen. „Kcnil Lcvershinc .— ins Ziel hinein!1" hatte der Sprcchelnir tiebtüUt. Betmtes alten Schlachtruf. Undaukbar genug von seinen Kameraden, ihn jetzt auf einen Ausländer anzuwenden, bloß, weil eine seltsame rberein-.timmung ihrer Namen bestand. Dodo in ihrem schwarzen Kleid war gerade die erste Stufe, der Garleuircppc hinabgestiegen, a's sie sich plötzlich am Geländer festhalten mußte. Die quirlende, lohende, brodelnde Menge da unten schrie ja gar hiebt Lcvershinc — nein. ..Bennic Becrciisleiu;t jubelte sie.. Lud der Mann, den seine Kameraden da auf ihren Schultern herantrugen, das war — trotz des kleinen Bärlchens. das sein Gesicht ein wenig fremd erscheinen Heß — das war wirklich Bennic — Bennic ... Mit weit aufgerissenen Augen starrte das Mädchen Hm an, und letzt hatte auch er Dndo erblickt. „Dodo!" rief er. und sie streckte ihm die Arme entgegen. Da blieben die Freunde wie eine Mauer vor der Treppe stehen und ließen ihn von ihren Schultern gleiten. Sic ordneten sich in *wci Meiheii. und wie durch ein Spalier schritt der Mann demMädchen eutire-ien. das mit schneeweißem Gesicht, aus dem die großen hUuieii Augen vor Seligkeit leuchteten, ihn auf halber Höne der Treppe crwartclc. Kaum hatte er sie umschlungen, dröhnte ein neuer Sprrrhchor über den Platz, ohne daß sich Steps diesmal um das Kommando zu bemühen brauchte. Wer es zuerst gerufen, wußte niemamL: aber plötzlich schallte es aus hunderten juimer Kehlen: ..Dodo und Beereustein — ins-Glück hiuejn!1* Er-t eine gute Stunde später war es dem Sportleitcr möglich. Benjamin von seiner Braut und aus dem Kreise «ler alten Kameraden fort in das kleine Büro des Klubhauses zu führen. ..liier mein Junge", .war alles, was er zu Benjamin sagte, als er ihm Toms Telegramm zu lesen gab. ..Lud damit du gleich Bescheid weißt, die Depesche nach drüben mit Angabc der Zeit, die du gelaufen bist, ist schon'unterwegs. Damit du uns nicht wieder auskneifen kannst, wie du drüben ausgekniffen bist — man hat' nämlich so seine Verbindungen--sage ich es dir gleich: Du und kein anderer wird unseren ..JSV." bei <lcr Palästiniado . vertreten. Handschlag. Bennic?" ' ..Ich werd1 wohl mfi-sen11. lautete die demütige Antwort, als Ben seine rechte in die llahd des Sportlcitcrs legte. * XXVI. Die Kiefern des Grunewalds warfen schon lange Schatten, als es Dodo und Benjamin endlich gelang, unbeobachtet aus dem Klub fortzukommen. Die übermütige Jugend hatte es sich nicht nehmen Ihsmmi. nicht nur den heimgekehrten Amerika fall rcr. sondern auch gleich seine Verlobung stürmisch zu feiern. Das junge Paar fand in der allgemeinen Fröhlichkeit kaum ein jiaar ung.c:-lörtc Minuten, um sich miteinander auszusprechen, aber was -verschlug das jetzt nochi Dodos strahlendes Gesteht redete eine ritenso deutliche Sprache wie das Bens, über das nur ab und'zu ein nachdenklicher Schatten huschte. (Schluß folgt)

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