Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 16 (1936)
- Issue
- 9 (26.2.1936)
- Date
- 1936-02-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Beilage 26. Februar 1936 JÜDISCHE AUGEMEINE ICITUNG WashatAnni mitNeuhebräifchzu tun? Schon hinge hc\nr das Iwrit \«mi -Säugling in der Wiege hizur Großmutter in der Straßenbahn mit Hingabe gepflegt wurde, hat Heinrich Heine sich zum Vorkämpfer der hebräwhi-n SpracbbrV.I gUUg gemacht. Raten inüclit' ich dir. Gcliehlc. iVachzultülcu «las Versäumte - Und hebräisch zii lernen — Laß Theater und Konzerte. Widme eiifge Jahre, solchem Studimn. du kannst alsdann Im Originale lesen * Um Esra und Gabirul Und. verstellt sieh, den llalevy. ihn Triumvirat der Dichtkunst. Das dem Saitenspiel Davidis Kiust entlockt die schönsten Laute: Einige ' Jahre V- Wir haben's heule eiliger. ..Neiihcbräi-rh . schnell gelernt''. ...Allhehräisrh auf neu". .,Tan_scn«l Word* für 'IV] Awiw" «der wie die Sprachführer ins Gelobte Land sou-t heißen mögen — sie all'* wollen im Expreßzuge der Zeit das Sprachziel einer Versetzung nach Palästina erreichen. In Ascher.-leben in Thüringen lebt ein Menschenfreund. Sein Name ist Dr. K. ,11 i r s e h f e 1 d. Warum soll man sich das Lüben und das Ilcbräisclilcrnen schwer machen, wenns auch leichter geht, überlegte fler Hirsehfeldherr und zog tapfer in den Krieg mit der hebräischen Sprache, indem er auf »eine Kalme schrieb: ".Kampf dem Vokabelpanken!*" UmP er schrieb noch etwas: eine „Einführung in das heutige Hebräisch unter Anknüpfung au allgemein bekannte Dinge" und nannte es „N e u h e b r ä i s c h — allbckn« ii V\ Mal sehen! Bei'der Lektüre der Einleitung empfiehlt es .-ich allerdings, anderthalb Augen zuzudrücken. Da heißt es: ..Das \orlicgcude Lehrbuch bemüht sich, diesem Mangel — die Erlernung der' Sprache so weit wie möglich zu erleichtern — abzuhelfen. Zu diesem Zweck wird jede Vnkabei irgendwie, angeknüpft. Zur Anknüpfung der Vokabeln werden alle »lern deutschen "Durrhsehtiittsjudeji bekannten einschlägigen Wörter. Begrifft! und Gegenständeherangezogen, und zwar sowohl diejenigen der Allgemeinbildung wie die des jüdischen Kultus, die des alten und neuen Palästina wie die der bekannteren. Teile des Jargons. Wo es nicht ' anders geht, wird versucht. . mit innemoleehnischcn Mitteln zu helfen." Schon aus dieser Stilprobe wird der geneigte Leser erkennen, daß es sich nicht um ein deutsches, sondern um ein hebräisches Lehrbuch handelt. Immerhin: die mnemotechnische Nuthilfe herbeizuholen und mich beim Krlernen des 1 lehräischeu sprachliche IteziVIiunucn zu Worten aus 'anderen Sprachgebieten herzustellen, ist keine schlechte Idee. Aber: wie sag ich's meinem Kinde? Oder meiner Großmutter? . ' ' . Der Großmütter sage ich beispielsweise: Willst Du Dir nicht ein Kissen auf den Stuhl legeu? Und' ich mache sie bei dieser- Gclegcnheit ehrerbietig darauf aufmerksam.. «laß kisse ein »ehr notwendiger hebräischer Ein rieht uugsgegenstand ist und auf deutsch Stuhl heißt. Und wenn sie sichs nicht merken kann, dann soll sie an das französische rhnise denken. Sollte die jugendlich für Wie war das L'nglück geschcheu? Ks kam aus dem alten Marienaus. Ein Holzscheit geriet dort an einem Donnerstag in Brand, griff "im Nu aufs Dach über, und es dauerte nicht lange, -da brannte das ganze Badehaus lichterloh. Und als- ..Adam" und .,Eva". der Bademeister und die Bademcisterm, halbtot aus dem brennenden Ilnus hinaussprangen, war das erste, woran sie dachten: „0 weh. der Rabbi!" und im gleichen Augenblick schon drang Urvater Adam, der Bademeister, wieder ins Haus und trug, wie mau ein kleines Kind aus der Wiege herausnimmt. Reh Joissifl auF seinen kräftigen Armen ins Freie. Reh Joissifl. der Rabbiner, schützte auch wie ein-kleines Kind mit der Hand die Augen vor dem Feuerschein, der den ganzen Fluß mit seinen Weiden und dem sonstigen Ufergebüsch und ein ganzes Stück Himmel erhellte. Dahin zog sich auch das Feuer, wälzten sich die Rauch seh waden. ein dichter Qualm, von großen und. kleinen Funken durchsetzt. Alles war auf einmal verwandelt, war rot «ml von einer seltsamen Schönheit, der rote Fluß, der rote IlimmcL das rote Ufergebüsch, auch die Mensrhen rot —- eine solche Röte und eine solche merkwürdige Schnnheil hatte Reh Joissifl noch tue in seinem Leben gesehen, und er war davon tief beeindruckt. Als der Urvater Adam ihn auf den Boden hinstellte, da sprach der" Rabbi gleichsam zu sich selbst: ..Wie schön nnd wunderbar ist Gottes Welt!4' — besann sich aber gleich und wandte sich an das Bademeister-Ehepaar mit der Frage: .,ITaht ihr. behüte, keinen Schaden genommen, meine Kinder? Sein Name sei gepriesen, daß ihr nicht durch Feuer gestraft seid . . ..Nicht durch Feuer gestraft?" konnte der Bademeister nicht an sich halten, mit bittcrem Lachen auszurufen. ..Womit denn hat ER uns gestraft, mit Wasser?** ..Nicht das meine ich", rechtfertigte sich der Rabbiner. ..ich meine damit da? Wunder, daß wir gerettet und mit dem: Leben davongekommen sind, gepriesen sei der Schöpfer!" ..Mit dem Leben? Was is.t das für ein Leben, wenn wir kein Bad mehr haben?:t ..Du sprichst wie ein Kind1, sngte Reh Joissifl und bederkte das Gesicht mit l>eiden Händen vor dem Feuerschein. ,.wir ein Kind sprichsl du! Wo steht geschrieben.-daß du eine Badeanstalt haben mußt? Als du zur Welt kamst, du Tor. bist du mit einem Badehaus geboren worden? Oder hast du damit gerechnet, nach hundert Jahren, so der Ewisc "will, es ins Jenseits mitzunehmen? Es war einmal ein König ..." Und Reh Joissifl begann eine, seiner sehr schönen-Gleichnisse von einem König zu erzählen, wie so seine Art, war. Dorh der Rademeister unterbrach ihn gleich: ..Was .-oll mir jetzt dieser König? Seid so gut und werft Hcl>er einen Blick auf? Feuer, wie es um sich greift und sich nach der Stadt hin ausbreitet. Und der-Wind bläst mir gar zu heftig. Ichfürchte, das Haus Lcvy Mordchms. des Metzgers, da» Hebräische begeisterte alte Dame angesichts die-er Eröffnung l'iu Schauer überkommen, r-o kann man ihr wtrsiehtii; beibringen, daß der wärmende Ofen tauur heißt. Wir merken mi> nat-h Uir.-chfrhWher Methode das Wort ganz ein! ich daran. ..daß uiwr Ofen m i t T a n n e nur g e h e i z t w ird". Oder* .-«> do/ierl un-er muhchräisch-altbckauuler Sprachlehrer weiter: -S ti p p e heißt uinrak, zu merken vielleicht an dem .Mark, dain der Bouillon schwimmt." Bereiteine Lektion vorher haben wir uu> nach drin Mcrkverscheu ..W as nützet mir ein Kachelofen. Kann ich mir nicht» zum Arheln koofcif" einpauken müssen, daß ochel cs-rud heißt. Dav >md sozusagen noch gutartige Beispiele. Wenn aber unser Lehrer "»erlangt, daß' mau au den Vornamen Miseha «Hier gar au den Sergeanten G ri-rba denken und du- Anfauuskniisoiiaulen fortlassen »dl. um -ich zii merken, daß i s e h a eine gut jüdische E r a u ist. oder MHiii rr dnt lapidaren Salz prägt: ..T Ii«»in a > . I c.» f die. (Jabel hin. um das hebräische Wort masleg für Gabel einprägsam zu machen, wenn er ferner aus der Feststellung, daß Juan ..um Miltanacht" im Bett liegt, den Sehhiß ziehen läßt, daß mita Bett heißt, so wird c* Zeit, das Buch zuzuschlagen, auch wenn die Mitlcruachtssluiiile noch nicht gekommen ist. ■ Es gibt nichts in der Well, das Herrn lürsehfeld nicht willkommen wäre, um es für seinen liuiuoristischcu Sprachunterricht heranzuholen, ob er sich .um den Dalai Lama im dunklen Tibet handelt — laila. die Nacht! — oder tun den -gla-glatlen A 1 a u u stein — c b a Ion. d a s K e u > t <■ r ' — oder um die Zeile eine.-. Opercitcusehlager.-. Diejenigen von Hirsrhfelds Schülern, au die die Zumutung gestellt wird, sieh das hebräische Partizipium o m e d — st r Ii e n «I zu merken, indem sie an das von Dr. E. Hirschfeld falsch für Goethe aii>Intl für den Operetteulenor Richard Tauber reklamierte .,<) M ä d eben, mein Mädchen . . ."' denken sollen, verdienen zur Strafe noch eine E.\traIekliou im Arabischen nach der gleichen Methode. J ch heißt im Hebräischen a u i. Auch dafür findet der gewandte IIcbräisehlehrer einen Anknüpfungspunkt, nämlich au eine Dame, die A n n i heißt. Die angeknüpfte Anni. so meint unser Lehrer. ..mag sieh das Wort an ihrem Namen merken, alier auch die. anderen, können an «Husen Namen «lenken*" - iwnn sie wollen. Herr Lehrer! Doch unser. Lamcd läßt sieh in seinem ln'iligrn Spracheifer nicht irre macheu. ..Du heißl ala. Die meisten von uns werden die Eingangsworte der Scgcus-sprürhr Imritch alo. in inisen-r Aussprache: bariich a t a — gelobt .-»eist Du - Kennen. Isländern mögen vielleicht an Atta Troll denken. Er heißt hu. wobei man an einen Mann denken mag. bei dessen Erwälmung man sich unter dem Ausruf -H u!' s e h ü 11 «• 11/* Ich beseheinige hiermit, daß ich das Büchelchen ..Neuhchrä- N« h — allbekannt" mit größtem Lacherfolg gelesen bnl**. wobei ich meine Kenntnisse in der hebräischen Sprache/' ImmIcuIciuI erweiterthabe. Allerdings ist mir «He Sprache auch manchmal weggeblieben. Wer lachen will, kaufe sieh «Uescs Buch« Es ist preiswert" und im Joachim Goldstein Verlag. Berlin W, erschienen. Nur ein kleines Rätsel gibt Dr. Hirschfelds Sprachmctliode auf: ob mau darüber Allhchräix'h huhohn oder neuhchräisrh haha ha lachen soll. Engen Tonnrnbatim. mit seinen Stallungen fängt Feuer — dann Ich wohl. Kassrilowka . . .:t Als hätte ihn «las Verhängnis beim Wort genommensprang das Feuer tatsächlich auf das Ilnus Lc\y Mordrhais, des Meizgi-r*. ül>er — und plötzlieh erhellte sieh ein neues Stück Himmel. Ein Knacken untl Bersten drang herüber, vermischt mit «lein Mrekern von Ziegen. \on irgendwoher kamen mit Gegaeker Hühner den Bcrg.iicmutergcramil. Bald lag «ler Hügel, die Stadl, «ler ganz«? Himmel im Feuerschein. Wildes Geschrei nnd Getöse Heß tdch von «ler Stadt her vernehmen, das, vermischt mit «lern Grlxdl . der I binde, dem Brüllen «ler Kühe und «lern Krri«ch«*ii «ler Frauen, «lern Weinen «ler Kinder uu«I dem Rufen: ..Wasser her! Eimer! " Rettet! Schnell! Ks züngelt weiter! Es brennt!" sieh immer mehr steigerte. Plötzlieh erblickte man einen brennenden Holzscheit auf vier Füßen den Hügel hinahspringen: «ler Scheit tanzt, schüttelt die Horner und rennt zum Wasser, erreicht «:s aber nicht, •»nmlcm stürzt zu Boden mul streckt alle Vier empor. Ein Beben durchzuckt ihn wie vor dem Ende, rr gibt ein ersticktirs. seltsames ..Meli! Meh!"4 von sich. Es ist eine Ziege. «Heins Feuer gesprungen war und wahnsinnig vor Sehmerex ins Frrie.sirh stürzte. Vi<-I mehr Sinn und Plan lag auch nicht in «lern Herumrennen «ler Männer und Weilx-r von Kassrihiwka, «He. wte vergiftete Mäuse oder wie nicht zu Ende geschlachtete Hühner aus einer Gasse in die ander«: stürzten mid raurhg«*-schwärzt wie die [{«"dientenfei henimlaiiinelteu und einander «He Neuigkeiten zuriefen: ..Wißt ihr srhon? Es brennt bei EH DowId?;t ..Wißt \\\r schon? Es hat den Marktplatz erreicht!11 ..Wißt ihr selmu? Die ganze Stadl brennt! Weh uns. die ganz«- Stadt!" „ ..Wie ein^ Kerze! Wie" cinr Stearinkerze!'* Da« Feuer tobt und stürmt wie ein aufgepeitschtes Meer, «Irr Wind ' trägt große brennende Scheite, ganze Strohgarben mit sich. Unzählige Funken stielen in -«ler T.uft. Sie fallen auf «He aii-igedörrten Stroh- und Sehiudehläeher; das Knacken. Prasseln. Stürzen. Bersten. Reißen vermischt sich mit «lern Geschrei und Gebrüll; mit drm Kreischen. Jammern. F.s ist, als wären es nirht v«ir Erregung wahnsinnige Menschen. «He «la herumrennen- «indem «ydtsame t>ö*e Gespenster. Und die gewaltige helle Flamme I>eIeuchtPt ihre fahlen, vor Schrecken verfinsterten Gesichter — Kassrilowka brennt, brennt wie eine Kerze! * Während «las Bad«'haus brannte, kümmerten sich we«Ier ..Adam" noch ..Eva" viel um Reh Joissifl. Doch als von dem Haus nur der eiserne Kessel mit dem Schornstein übrig blieben (selbst das Tauchbad war bis auf den 'Grund niedergebrannt), da fiel rs ihnen plötzlieh aufs Her/: der Rabbi! Wo war «Icr Rabbi? Wieder verschwunden? Vergeblich snrhten sie ihn am Brunnen, am Flnßnfcr. im Gebüsch und später in «Icr Stadl, in 'den hrcnnemlcn Gassen. ..Seid ihr nicht dem Rabbiner Iwgcgnet?" fragte der Bade- Im. Konzert/aal \on RHEl>\ \ \U.ENTIN Der kon/«il-a:il war bis auf den iel/.tcn Platz äciiilh. I'-' war ein -großes uiu-ikali-ehes 'Ereignis im jüdi-eheu Kullurkjei-. In der IcUlct» Stnhlreihe saß ein junger Meiiselk, Man knimlr ihm au" dem" heiteren Erivt. mit dem er ünnier wieder da» Pro«ramm -mdieric, au-* der l-Vierliehkeii, «He au- M-iiier llalluug |pr;teb. anmerken, was ihm ein snlehes Ktnuert iK'deuleie, l.rwarluu^H\nl| >aß er da. ein wenig sleif in M-iuein dunklen, be- -chehlenen Rock, auf dem billigen, vielleicht für ihn noch ku-i- -picli»en Platz in der let/tcn Reihe des Konzertsaal-. Da .wurde «'V «luvcli die \n-prache einer ällereu Dame auf- «i'M-heticbt. Sie saß gerade vor . ihm und fragte ihn höflich: ..Mitte, junger Mann, würde es Ihnen etwas ausmachen, mii milden Platz zu wecliM'hi und eine He ihr \ *» i* /u r u v k e u ich ninclite so gern Itci «ler Dame neben Ihnen >il/euV" Ein wenig Iwtroffen' über die nberia-eheinlr Ausprache und eiuü«'dellk des ltibelwoiies; uir einem grauen Hailple sollst du aufstehen, .schnellte er \t»\ .-einem. Sitz empor, gab' wortlos der allen Dame durch eine I bindbewegnug -eine Einwilligung und -lellle ihr .-eineu Plalz zur \er/tigtiiig. Er hört«* kaum •hV'Dmikr— worle der nun hinter ihm sii/endeu allen Daiiieu. denen er inii -einer Bereitwilligkeit einen ,-cheiubar M'hnlichst gehegh'ii \\ uu-ch erfüllt halle. Bei den beiden glücklich Vereinten setzte «|,-nn auch ein munteres Geplaudec ein, ilas er wohl «n|er_Ji|,is;l mit anhören mußte, und das ihm .ein wenig \un x'iuer \udaelil tialuii. „Vielleicht wäre ebesser gewe-en, ielr* bitlliuiehl getau-cbl ' dachte er trotz seiner ,.\orgcriVkleir* Stellung. Orade hatte er sich wieder in das Piogiaium \erliefl. als plötzlich wieileruin Diipli/iläl iler Kälte ----- eine Dame neben ihm stand, diesmal Migitr eine hübsche, junge, die aus der Mille des Saales mlf seinen schlich gelegenen Plalz. al-«i \mi einem zw;eife||«.s besnerrii Silz aus, auf ihn zu kam, weil sie iirWu ihm eine Bekaimle i*i»ldrrtn hall«'. nuiI sie sprach den nun über und ültrr rol werdenden Jüngling au: ..Marhl es Ihnen etwas aus, mit mir zu lauseheiiv ich möchte ni ^eru neben' diex-c Dame . . untl nclioit war er aufgesprungen und steuerte auf «len besM-reu Platz yu_: ein weui» verlegen und geiiierl weil die Nai-hharsehaft Itercin wm scini'ii ver)H>-«'rudeii l'iuzügeu lächelnd Keunlnis nahm. E* fehlten nur noch einige Minuten bis /.um Beginn «h-s Konzerls. Kaum hatte er sich auf. dem neuen Plalz installiert, «In Iteugle nieb. mit fielierem Auftreten, ein älterer Herr zwei Reihen *«ir ihm. über die noch iiuhe-ctzlcu Stühle zu ihm hinüber und murmelte: er hätte keine zusammenhängenden Ph'it/e liekomiucii könueu, er möehtiso gt!in neben -einer Erau sitzen, oii e> dem jungen Manu elwas ausuiai*he ... llop[i : - hopp halle dieser licrcits ilie dazwischenliegenden Siublreih-'ii üb«-rsprniigeu uml saß mm selmu vorgerückt in einer Phil/.kalegorie. die bestimmt im Preise höher war. nU ilie >mi ihm bezahlte. .,\\cuu das m» w«-iierg«*hr\ «fächle «t M-humu/.ehuf, ..werde iih sehließlieb noch auf den teuersten Pläl/en in den Mudersfen Iteibcn landen.1* AU dann das K«iuzeii begann, fühlte er sich ein bißchen aus -einem ruhigen Gleichgewicht, au** seiner Musikainlacht durch dii-s«'s .,Philz-Avaiieeiueiit?*' gebracht und «*r spann seine Ge» danken - noch nicht wieder ganz k«iuzeiilri«Tl - [ weiter: ..Warum will es mir im Leben nicht gelingen, so schneiI vnrwärN zu klimmen — waruiti kouule ich bisher nicht w» miHieTos «He \'<»rderl«'ule überspringen -■-; warum bietet mau mir im Werktag nicht ebenso bereitwillig den in-sseren Platz an? lrnd wfilirend tlie phaulasiiUschwingleu Klänge Über ihn diihinbraiisleu, Iräumle er sirh in «He MM-dereu Reihen des Lebens. meister «Ii«* uuglüekliehi'u I lu* hlciideu. Doch dies«* Itegriffeu in ihrer Verwirrung, die Frage gar nicht und glolzlcn ihn nur mit wilden Augen au: ..Wat für ein Rabbiner? Welcher Rabbiner?'' W<i aber befand Mich Reh Joissifl? Als rr zu sich gekommen war und erkannt hall«-, daß «lH*~ganze Stadl in höchster Gefahr war. da halle es ihn wie in «lie Lüfle. emjMirgerbwu, er ergriff. seine gerctletr alte Pi*l/.mfit/.c und .seinen Stock und mar Ilie wich ohne .viel zu fdM*rlegen in «He Sta«ll auf. zu seinen .luden. Für •seine achtzig Jahre war es kein h"i«-hler Spaziergang. Doch als er das Flammenmeer vor sieh crhlh'kle. da spürte er M'iue Küß« uiehl mehr. Es trug ihn wie auf Flüge In dahin zum alten Heliums, w«» er sein ganz«'H LcIm*h fast. mit Gott verbrnchl Imtle. Wird der Höchste denn kein Wunder Inn an Meinem eignu'ii Haus? Wird der Herr «ler Welt neine eigene Tora nicht f«chülz«*n? I"uler solchen (H-daiikeu erreichM- Reh Joissifl das all«? IUmhaus gerade in dem Augenblick, als es ringsum von tolH-mlem Feuer umzingelt wank Hole Zungen leckten von allen Sei'l«-ii heran und lM-leuehteten hell das halb ringestfirzte Dach und die . abgebröckelt«* gelbe Tünche «les allen .Baurs. No«-h einen Augen- .blick —und da** Haus Gottes wir«! von «len Flnmmrn rrfaßt werden. -* Heb Joissifl kann es mit si-inem Verhtand nicht fassen, wirsn ilie Juden es geschehenlassen? Wamm sie. «Ins hclhaii» nicht r«-Iteu? Die heiligen Bücher? Die Torar«lli*n? Stall «lesw'ii Hiebt er sie hin und h<*r. rennen wie Wilde, nicht nie in hreiuieiule. Häus«rr springen. Bellen, Bänke, Kissen. Töpf«-. f lausrat und Hinstiger Plunder hinaustragen, «hieb «las G<itleshaus hat man •.ergessen, aufgegeben! Wie ist das möglich? , . . Reh Joiwifl versucht zu schreien, um Hilfe zu rufen: ,.Da»* heilige Ilnus. das Bethait*!'' Doch nicuiaud hört 'ihn. Da »Iftrzt er allein . ins Ret haus und gleich zum Schrein, nimmt «•»)»• Tonirolle, lind ein«: zweite heraus und gelangt, sin. auf den Annen tragend, halberstickt auf «He Ganse hinaus. Dort legt er sie behutsam.'weit ab .von der Tür, auf einen zerbrochenen Stuhl nieder, «len jrmaml aus einem Haus hinausgeworfen hatte. Dann steht er daneben und ruft mit lauter Stimme dem Herrn der Welt zu: .,Was ich v«-rmoi'hle, hal»e ich grtaur—S«»vicl ich konnte, bahr ich »erellel. «He anderen habe ich Deiner Obhul anvertraut . . . Ich weiche nicht .von «lauucj^ ich will sehen, wie Du Deine eigene Tora verbrennst, die Du uns durch Mosehe, Deinen Knerhi, nm Berge Sinai gcgel*cri hast!" In iliesem Augenblick erschien der Bademeister, ulitter Bekannter. Adam der Erste. Sein Herz hatte geahnt, «Infi «ler uTtc Mann irgemlwo in «ler Nähe des BpthauHt** zu finden sein wird. Als er Reh Joissifl ncln:n «lern brennemlcn hVthaiw stehen sah, packle er ihn ohne viel Umstünde in Meine kräftigen muskulösen Arme und trug ihn, zusammen mit den beiden Torurollrn, au» <h?m Feuer fort. Hügclabwärts, zum abgebrannten Bfldrbuus zurück. ' * Die vorstehende Probe «Irr Irln-mligen und plasliirlien. M"harf konturierenden Sehilderungsweise S e h i> I e m A 1 e e h e in n int der Erzählung ..D i c -A b g e b r a n n t e n" entnotnnienj die zu- Der Brand von Kassrilowka Von Sn[0I.F.\r AI.KCI1KM