Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 16 (1936)
- Issue
- 7 (12.2.1936)
- Date
- 1936-02-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Erscheinungsweise, ohne sich rational den Gründen dieses Zustande* zu veranließen. So finden wir ihn in dieser Frübzeit meines Ixrbens noch völlig ratlos und hilflos, um einen brauchbaren Standpunkt einzunehmen. Wie sehr verletzte ihn das Gebühren jener Krümcrüppschafl, die er im Hause Beines Onkels kennen lernte, aber wie brannte «»ein Herz, als er Zeuge der Judenverfolgung jn Hamburg im Jahre J819 werden mußte. . Im selben Jahre wurde von Eduard Gans, Leopold Zunz und Moses Moser der „Verein für Kultur und Wissenschaft der Juden" begründet. Die Aufgabe dieses Vereins war vor allem eine erzieherische- Aber diese WissenschaftÜehkeit konnte den praktischen Bedürfnissen der 'Zeit kaum Genüge tun. immerhin war I leine glürklieh, hier für seine ClaulK:nsgcnue»sen wirken zu können, und er trat dem Verein bei, wurde sein Schriftführer und hielt zahlreiche L'ntcrrirhtskurbc oh, von denen l>ezeielinenderweise seine Vorträge öImt deutsches Altertum den größten Einilniek auf seine Zuhörer gemacht haben. Aber das hieß, das Haus vom Darb her aufhauen, es fehlten die organischen .Mittelglieder, man verlor das Alte, niun entfremdete sich der tlunlt Jahrhunderte gewohnten Ixliens- und- Anschauungsweise, und die neuen Begriffe und Vorstellungen standen im leeren Raum. Dieser A'erlorenheil bot sieh-mir noeh ein blasser Deismus dar. der folgerichtig dm Übertritt zum Christentum nicht mehr schwer machte, ja, ihn als ultima ratin geradezu empfahl. All die Entwurzelten — und es .»ind damals nicht wenige gewesen — ließen iieh' laufen. Unter ihnen waren alle Kinder Moses Mendelssohns, Henriette. Her/., Habel heuin. Gans und schließlich auch Heine. Heines Cherlrill hat noeh sein letzter Hingraph Max Brod rein aus Ltilitarilätsgründcit erklärt. Man darf rieh alter mit einer so einlachen Erklärung nielit zufrieden gelien. Zwar winkle Heine damals die Professur in München, die ihm als Jude verschlossen war. Mag sein, daß dieser Umstand eine Hiebt unl»eträcIitlicho Holle spielte. Eine reine Formalität war es danuu doclt nicht. Vielmehr «Jaulten wir, daß die Einsicht in die Hoffnungslosigkeit, die jüdische Situation fruchtbar und positiv zu gestalten, die rniuöghehkeji: sich mit schien jüdischen Zeitgenossen zu idenlifizieren, von denen ihn nicht zuletzt f-cin Küiistlerlum trennte, und nicht zuletzt seine Indifferenz jeder positiven Religion, jeder Do^nialik gegenüber ihn zu iliesem .Schritt lH:wogen haben. Das sieh reformierende Judentum empfand er als Halbheit. Zu dem >lrrng»n tradiiionwgctrcui-ii Judentum, da-* keinen Kompromiß duldete' fand er nicht die Kraft, so sehr er innerlich zu ihm jasagte. Es gelang ihm. damals nicht, die Bewegung des Glaulieris auszuführen. So fiel er ab. so distanzierte, er sieh und Itcganu sich seinem eigentlichen Wesen, dessen Schwerpunkt hn Dichterischen lag, zuzuwenden. Das Jüdische in ihm harrte der Auferstehung und sollte sich noch einmal großartig entfalten. In der mittleren Periode seines Jüchens bis zum Rormmzcro blieb es in der vcrglciclisweisc bescheidenen Rolle des Mitfühlens, des Mitlcidens, aber auch der Kritik, die in den Gestalten des Manpiese Gumpclino und des Hirsch Hyazinth als eines gewissen Typus des Juden in der ergötzlichsten Weise verspottet»?. Heide. hal>en ihre alte Welt verloren und von der neuen nur das Äußerlichste erfaßt. So Ummeln sie in tragikomischer Weise hin und her und machen sieh zun» Spott und zum Gelächter. Danel>cn aber stellt Heine gleich den Vertreter des traditionellen Judentums, den kleinen Juden -Moses Lump, auch kurz Lümpehen geheißen, dem ecinc ganze ^Liehe gehört. Gtmi|»elino ist Katholik geworden und liegt \<>r der' ..Prima Donna'" auf den Kjneen» Hirsch Hyazinth gehört drin ..heuen Religjonstcmpcl mit oriltographischen oVutsehen Gesängen; und gerührten Predigten" an. Eümpehcn aber feiert noch nach altem Brauch den Sabbat. ...ißt mit Frau und Kind Fische, die gekocht find in angenehmer weißer Knoblochsauec und singt dabei .die prächtigsten Lieder vom König David". „Und ich sage llmcn. Herr Doktor'1, so geht es weiter, .,dic Fische sind delikat und der Mann ist glücklich, er braucht sich mit keiner Bildung abzuquälen**, und „Rothschild der Große" in all seinem Glanz würde ihn noch beneiden. In dem Hilde dieser drei Menschen z.e7j*;l Heine aufs deutlichste H*ine Stellung zu der jüdischen Sitttation seiner Zeit. Aber wir sagten es schon: Nachdem er auf seine Weis*- sich mit der jüdischen Frage'auseinandergesetzt hatte, hat er an diesen Kämpfen nicht mehr teilgenommen. Ja. man tami (>emcrkcn, daß er sich absichtlich von ihnen ferngehalten hat. Das hinderte ihn keineswegs, für die Juden von Damaskus, die im Jahre 1840 auf Grund einer falschen Anschuldigung gemartert und eingekerkert wurden, leidenschaftlich Partei gegen, die französische Regierung zu cr- 1 greifen, die diesen Verfolgungen mit allzu großer Duldsamkeit zugesehenhatte, ohne die Schuldigen zur Rechenschaft ziehen zu wollen. Aber auch in diesem Fall spürt man eine Iciw* Distanz, eine gcwi->e Neutralität, die in seinen gleichzeitigen .""Briefen und Goprächcn noch deutlicher wird, als wolle er seinen Zusammenhang mil dem Jiidcnhime eher verwischen als unterstreichen. Man bedenke immerhin, daß seine Frau von H'iner iüdiM'hen Herkunft nichts erfahren hat. Dahin gehört auch seine Bemerkung in einem Rrief an Moser von dem ..nie abzuwaschenden Juden". Aber woblgeiuerki: Das Judentum als Idee, als Religion wird \on die-rr- \idchnun» nicht berührt. Tu die jüdische Gc- . schichte Tint er -ich mit bewundernder Liebe immer au Ts neue \ei>eukt. Nicht in den Jahren der Gesundheit und in der hürhstm Hlnir -eine- Geinte-, in der ersten Parier Zeit, in der er sieh als einen -innenfreudigen Hellenen im Gegensatz zu dem trüben a*keti«.ehcii wellxenicinenden Nazarencrtuin etwa eines Hörne hiit-it llie. in der Zeit, in der er voll Mut und Elan, sprühend \on Gci-i und Wh/, mit allen Mitieln seiner scharfen Dialektik in der politischen Dt->kus-inn seine Stimme erhob; Vber aU sich die Schatten der Dämmerung über sein Leiten zu breiten anfingen, begann jüdischer Gesang aus ihm zu tönen- Da erwachte in ihm ■ wieder das Lehen seiner Vorfahren, mit allem Stolz und allen Leiden aus uralter Vergangenheit, da fühlte er :iL judi-chcr Sän-jer sich - wieder als ein Glied in der Kcltfi der Ge>chleehter. ,]:t eiil>(audiu die hebräischen Melodien, die I-.air.eutatioiien. da s:di er sich im Rüde des Lazarus, all dies /u-amtueMi:efaß( in dein Huehc. da> er ..Romanze ro'* gennnnt hat. Schon "..\tta Troll" .timet die ü-tlichc Luft dieser Sammlung in der. großen Vimou der Hcrndia*. von der der Dichter erzählt, fliiß >ie bei der Stadl Jeni-seholavim (»cgraltcn liege. Aber dieser Ton ver-iärkt.und erhöht sich zu religiöser Begeisterung in den Hnma;i/riM-Gedichten ..Prinzr-sin Sabbat" und ...Tehuda ben Halcw*'.\ ..l nter mancherlei körperlichen Hindernissen und Qualen'1, wie c* im Nachwort heißt, sind sie empfanden und gereift und »ehören /n den;ermeifeinUteu Dokumenten der Rückkehr zu den im Drange des Leiten* versessenen Ursprüngen- Wie er es seihst gestamlen hat: „Das himnili-chf Heimweh übcrfirl mich und trieb mich fort durch Wäldci und Schluchten, über die schwindltchstcn Rergpfadc fler Dialektik". * Ein weiteres lebendige- Zeugnis für diese Gesinnung sind die Kapitel an* Helgoland in .1er Schrift fiVr Rörw. wo er eine, tiefsinnige, in gewissem Grade endgültige Deutuus des jüdischen Cliaraklcrs in gläubiger Hingabe unternimmt. Heine Itckcnnt sieh hier eindeutig zu dein Diaspora-Judentum, wenn er meint, daß die Juden sieh leicht trösten könnten, daß sie Jerusalem und den Tempel, und die Buudcsladc eingebüßt hätten . - - solcher Verlust sei doch nur geringfügig in Vcrglcirhnng mit der BibcL dem nn- zerstörbaren Schatz, den -ie ■•crctlct. Ein Ruch sei ihr Vaterland. Hier seien sie stark Und .hewundemngswürdig. So hätten sie. gebeugt über ihrem Huehc. nichts gemerkt von der wilden Jagd der Zeit, die ü!k*iihre Häupter dahinzog. In der Tat: Im Ghetto stand die Zelt still. Man lese selbst diese denkwürdigen Kapitclj Briefe der Liebe Aus Mofes Mendelssohns Briefen an feine Braut Frontet Gugenheim Als Oedenkßabe zu Moses Mendelssohns 150. Todestag gibt der Schocken Verlag jetzt die köstlichen Briefe heraus, die der Drelßfg- . „ jahrige Philosoph an seine Braut Frontet Gug«nheim während der einjährigen Brautzeit nach Hamburg gerichtet tut. Für den Geist dieser charakteristischen Zeitdokunei.te, auf die wir noch zurückkommen werden, zeugen die nachfolgenden Proben, die wir der alsJublläumsbändchen der Schockenböcherel textlich und bildlich besonders liebevoll ausgestatteten Sammlung der „Brautbriefe" entnehmen. Berlin, 16. Juni 1761. Lieltatc .Mamsell kallo! Ich sollte billich kltajaum (heute) den vertrauten Ton bey Seite setzen, und Ihnen mit gewöhnlichen hochtrabenden Worten zu unserer gesegneten Verlobung meine untertänigste Gratulation hcrauswürgen. AHein das ist mir unmöglich. Ich Ii ein; Sie zu Mrhx, als daß ich sollte so fremd so feyerlieh luliti können, und Ihre Gesinnungen von dieser Seite bind mir allzu Itckaitnt. Doch ein Gompliment muß ich noch machen. Ich lteglcilc hiermit, allcrlcucrstc Freundin! einige geringschätzige Kleinigkeiten, die Sie zum Andenkeu meiner aufrichtigen Lielie an Ihren unvergleichlichen Finger gütigst anzustecken beliehen werden. W'tir dieses Gompliment nach der ModeY Ich zweifle sehr; denn es ist ja ho leicht zu verstehen. Nun so lassen Sie mich denn immer nach meiner Weise schreiben, und die Gomplinieule geschicktem Leuten überlassen, die wie unser ehrlicher H. .luspa {ein Verwandter von Frau Guggenheim) Schmalkalden ntt schreihen können, daß sie kein inYhaschcf (Zauberer) in der in der Welt versteht. Schreiben Sie mir ja nit mehr von Ungehalten-Scyn. von Verdruß-Haben. Ich bin tliilln Tel (Gott sei Preis), herzlich vergnügt, und verehre* owiho schc-jichjc (Ihren Vater, er bleil>e am Indien), wie es sich für einen chosson gehört, der Uir Herz verdienen **dl. Ich halte gesucht, ihn in meinem Grutuhitions- Sehreiben davon zu überzeugen, und ferner-hln «dien unsere Briefe niseht mehr als Liebe und Zärtlichkeiten einhüllen. Daß Sie den Sbaftcsbury mehr als ein Muhl lesen.. ist mir .-ehr angenehm. Sie können aus diesem kleinen Hüchlcin viel lernen, und Sie haben das Glück, den Herrn Doctor (Dr. Gumpcrtz, Lehrer und Freund Mendclssoluis) noch einige Zeit im Haus zu haben, der [tir Freund ist, Und seinen Unterricht niemals ver-sagt. nie ich solches aus Erfahrung habe. Ihm allein habe alles zu danken, was ich in Wissenschaften profitiert habe. 'Es gebührt., also niemanden als ihm, meine andere Hälfte zu bilden, und sie der ersten eonform zu machen. Ich werde Ihnen nächstens andere nützliche Schriften zu lesen schicken, heute bin zum Bücher-Aussuchen zu ungeduldig, denn meine Gedanken sind mehr zu Hamburg als zu Berlin. In der Tat, was hat die Seele mit dem Korper zu tuhn? Kann der Körper nit zu Berlin, und die Seele, zu Hamburg seyn? Lachen Sie nit, Herr Doctor! über meine verliebte Philosophie! Glauben Sie, daß wir Philosophen alle eine seltsame Figur machen, wenn wir verliebt tuhn wollen. Und also bleibt es dahey. daß meine Seele zu Hamburg ist. und ich den Vergnügungen bey-wohne, die in der so angenehmen Gesellschaft vorgenommen werden. Leben Sic wohl, liebste Fromct! und erinnern sich''beständig, daß mein Geist in Ihrer Stüh _ beninisch wärmt. Ich verharre Ihr unveränderlicher Verchrcr-und Freund ha-koton Mausche mi-Dessau (der geringe Moses aus Dessau). Berlin, 28. Juli 1761. Aller-licbste Froniet! Ich halte in Ihres Vaters Schreiben eine Knideckung gemacht. «He mich nit wenig vergnügt. Der gütige Mann versichert mich, seine Tochter Fromct sey so schön als. tugendhaft. Was metneu Sie? Man kami doch einem ehrlichen Mann auf seinem Worte glauben? Ich halic herzlich ül>cr seine wohlgemeinte Anpreisung gelacht. Der gute R. Awrohom Gugenheim muß darb wissen, daß die Philosophen auch gerne was Schönes haben. Doch das mag er. mich verzeihen. Ich kenne seine Froniet besser als er. Sic ist schön, aber so schön nit als sie tugendhaft ist. -o schön nit als sie zärtlich ist. Ich beneide Sie. Jicbstc Froniet! um die glückliche Art. wie Sic Ihre sanfte Liebe atis-zu-drücken wissen. Ihre kleinste Briefe sind voller Zärtlichkeit, voller F.mpfimhingen. Die Sprache des Herzens ist Ihre natürliche Sprache, und Ihre edle Gesinnungen, vertreten die Stelle des frostigen Witzes, dadurch a"ndere "ihre Briefe so häßlich entstellen.- .Fahren Sie so fort, liebste und zärtlichste Froniet! mich mit Ihren liebenswürdigen Briefen zu vergnügen. Ich merke, daß es mir fa>-t unmöglich wird, einen Post-Tag nit zu sehreiben, oder.einen Post-Tag ohne Ihre Briefe vergnügt zu seyn. Und was i-t. der' Mensch, wenn er nit vergnügt ist? Nein, so lange wir uns getrennt sehen müssen, wollen wir uns so oft als möglich Gelegenheit geben, an einander zu denken. Ks macht mir kein iieringcs Vergnügen, wenn ich denken kann, jetzt liest Fromct meine Briefe, jetzt schreibt sie an rmcli, jetzt ist sie ver-drießlich. d;d> -ie ge-tührt wird, und jetzt freut sie sieh; daß ihr ein Andruck gehingen — Sie lachen mein Herr Dortor! und werfen mir, vielleicht alM-nnahls vor. ich sey verliebt? Nun ja. ich gestehe e*. Hain* ich denn iu( jeder Zeit gestrebt Thucli nachzu-ahmenV Adieu meine Licl«*! Grüßen Sic mir Ihre Freundin die mich mit einem Schreiben verehrt, das Ihrer Dcnkungsart Fhre macht. h;i-koton Mansche mi-Dessau. Berlin, 28. August 1761. Liebste Fromct! Ich habe noch nicmahls gemerkt, daß in" meinem Zimmer kein Spiegel ist, bis Sic mir in Ihrem letzten Schreiben befahlen,, mich sogleich im Spiegel zu sehen. Ich wollte gehorsamen» und siehe, es war kein Spiegel zu sehen. Sie können sich also leicht lieh vorstellen, wie wenig ich mein Gesicht kenne, ob es freundlich oder trocken Aussicht. Ich muß andern Leuten glauben, und ich weis nit welcher niedliche Herr mich hat bereden wollen, ich sehe trocken aus. Nun da Sie mich das Gegenteil versichern, bin . ich schon wieder gut ... Glauben Sic nit, liebe Fromct! daß ich Entschuldigung suche, Urnen meine Schriften nit zu schicken. Sobald solche fertig sind,' erfolgen drey Exemplare nach Hamburg, für Sic, für den Herrn Doctor und für Herrn Bode ... Leben Sic wohl, meine liebste und 'teuerste Fromct! Wenn es doch möglich wäre, Sic bald wieder zu sehen. Dieses ist vor der Hand mein innigster Wunsch, der zwar durch Ihre Briefe in etwas befriedigt wird, doch wenn Sie so vortrefflich schreiben, wie'.* in Ihrem letzten Briefe geschehen, so möeht' ich immer gern die Hand küssen, die solche schöne Gedanken niederschreiben kann. Leben Sic wohl und schreiben Sic mir öfters mj natürliche und dennoch gedankenvolle Briefe. Ich wünschte Ihnen nur durch meine Briefe so viel Vergnügen zu verursachen, wie's ich von den Ihrigen habe. Ich bin Ihr treuester Verehrer und Freund. ha-koton Mausche mi-Dessau. . Berlin, '2. April 1762. Liebe Fromd! Ich "habe hehle kein Schreiben von- Urnen I>ekommeu. Ich bin dieses von Ihnen nit gewohnt, meine lielie .Fromet! tröste mich aber damit, «laß ich efschor mit der fahrenden Post noeh Briefe )>ckommcn werde. Das ist das erste Mnjil. daß ich. Ungeduld empfinde, mil welcher man einen Post-Tag ohne Brief hinbringt. Die kurze Zeit* die wir noch getrennt bleiben werden, soll gewiß kein Post-Tag vorbey-gehen: ohne daß ich Ihnen schreiben werde. Lelien Sic wohl.' meine Hein* Froniet! die fahrende Post ist noch nit angekommen, und es ist Si'habbos. Ich bin Ihr aufrichtiger Mausche mi-Dessau. Bern», XI. April Hfii. Meine liebste Fromct! Sagen Sie Ihrer Mutter und meiner zu-künftigen Schwiegermutter, daß es zu Hamburg vortrefliehe Weiber, aber schlechte Dienst-Mädchen gibt. Breiigen Sie ja keine mit. Sie glauben wohl, .meine Wirtschaft, wird so ordentlich seyn, daß mir so-gleich werden Manege machen können. Nein mein Kind! Du wirst noch deine Arbeil finden. Ich kann mich unmöglich um dergleichen Dinge takümmern. Was also nit andere gute Freunde aus Gnade'für mich tuhn. das bleibt alles so lange, bis sie im jirzc ha-Sehcm kaan seyn werden. "Das Dienstmädchen wird sieh am Ende schon finden, wer kann mit einem Hamburger Dienst auskommen. Wissen Sic nit. was Madame Göttingen sagtr* . Was das Gnrten-Iläuschc betrifft, vergessen Sic es auf ewig; Ich kann Ihnen ,nit beschreiben^ wie .unruhig mein Her/, damahls gewesen. Die -Küsse selbst, die ich 'von Ihren Lippen gestohlen, waren mit einiger Bitterkeit vermischt, denn die Trcnmuig machte mich" schwermütig, und unfähig, ein reines Vergnügen zu genießen. Ich ärgerte mich über-dem über meine Dunimhcit, daß-ich Sie .ganzer vier .Wochen habe lieben können, ohne mich mit Ihnen tetc-ii-tctc zu unterhalten. Was für angenehme Stunden habe ich nit verscherzt! ganz ungebraucht verschwinden lassen. Jetzt, dachte ich. da alle Augeh-BIick der Postillon dich abnifen soll, crgrciCstu die erste Gelegenheit, deiner. Geliebten dich zu erkennen zu geben. Das seinen mir überaus lörigl. Kurz, unter diesen unangenehmen- HeIfe\ioncn ist endlich auch die letzte Slundc verschwinden, die ich in Hamburg zugebracht, und ich sähe mich auf dem Post- Wagen neben B. Jizik Eisenstatt. Verdient ein so halb genossenes Verunüge-j, daß wir daran gedenken? ... Das Gaftmahl König Salomos Der gegenwärtige Herrscher Abcssinicns leitet sich, wie bekannt, von König Salomo ab und führt den Titel. ..der Löwe Judas". Diesem Stammbaum zufolge ist er der Sproß einer Verbindung zwischen Salomo und der'Königin von Saba. Und wie dies zustande kam. ist uns auf einem altälhiopischcn Ikon ausführlich dargestellt. Demnach fuhr die Königin der Subäer von "tthinpien anöden.hebräischen Hof zu Besuch, wohin-der Ruf ihrer. Schönheit ihr bereits vorausgeeilt .war. Gleich bei ihrer Ankunft verliebte sich Salomo .in "sie, erhielt jedoch einen Korb. Da er alicr nicht aufhörte, ihr Lichesanträge zu machen, einigten sie eich schließlich dahin, daß er die Königin nur dann gewinnen sollte, wenn sie etwas von ihm verlangte. So dachte die mit allem wohlversorgte Königin dem Wfcrben Salomos ausweichen zu können. Aber Salomo hieß nicht umsonst der Weise. Noch am selben Abend gab er ein großes Diner und ließ alle Speisen reichlich mit Salz und Pfeffer zubereiten. Kein einziges Getränk'wurde kredenzt. Von Durst gepeinigt, vergaß die Königin ihren Pakt mit dem Hebräer und verlangte nach einem Glas Wasser . . * '_ . Dieser Kriegslist verdankt man, daß Abcssinicn heute von einein Monarchen regiert wird, der die Einfalt der Taube und die Klugheit der Schlanze in sich vereint. vergleiche -ie auch mit der Vorred;* .zur zweiten Ausgabe der Ge.-chiehte der Helizion und. PluU'-npIue in Deutschland, wo diese Auffassuug sich gleichfalls findet, um sieh deutlich zu machen, wie der Dichter da« Ewige iind Unvergleichliche des Judentums' in der religiösen Kraft erwachsen nu< dem ..Buch" aufgefunden hat. Diese Versenkung in die Bihel. in die Geschichte des 'Heiligen. Landes nimmt, je mehr sich sein Indien «lern Ende nähert, an Intensität zu. Der Glatdw der Väter wird wieder der seine. Die Etappen der Heimkehr Icaim m;m in den Schriften dieser Zeit Sehritt für Schult verfolgen. Li immer neuen Variationen spricht Heine von dieser Wandlung. S;> finden wir in cinsr Zuschrift an die ..Allgemeine Zeitung" (IfM'-fi den Satz: ..Tch bin kein lebensfreudiger, etwas w«hll»eleil»lcr. Hellene mehr, der auf trübsinnige Naznrener heiter herablächelte — ich. bin jetzt .nur ein armer, totkranker Jude, ein-abgezehrtes Bild des Jammers, ein unglücklicher Mensch". Aus dieser Vcrz weif hui«: erstand der vergeistigte Heine, jenseits aller irdischen Lusl in das -Transzendente, ins Religiöse wachsend. Aber dies* It"!i«iodtät bc-tand nicht m einem reinen Deismus, sondern in der Bind im -an einen ganz bestimmten Gott, nämlich an den Gott unserer Väter**, wie «*-* 1848 in einem Brief an den Bruder heißt. In diesem Sinne ist auch das ergreifende Bekenniniim Testament zu verstehen: ..leb stcrl>e im Glaulwn an einen ewirren Göll, den ewigen Schöpfer der" Welt, dessen Erbarmen ich an Hebe für meine unsterbliche Seele". Von einer „Bekehrung**, wh* es oft geschehen ist. darf man darum doch" nicht sprechen. Welt und Gott, das hellenische " Naturell und die Askese waren lieide in ihm enthalten und raupen zeitlebens um die Oberhand in ihm. Er war -der ATandercr zwischen diesen beiden Welten." Immerstand für ihn der ..Gotliiedankc Judäast; im Gegensatz zu der ..Griechen Lu?tsinn:e. der Kampf des Wahren mit dem Schönen vollzog sich in ihm selbst. Er war f\betzeugt, daß diese beiden Prinzipien ewig miteinander in Streit'Hegen und sich niemals versöhnen. Dieses ungläubige Grcdo ist seiner Weisheit letzter Schluß. Es beherrscht das einzigartige Gedicht für die .Mouche, in dem er einige Wochen vor' seinem. Tode wie zum Abschied noch einmal die großen Symbole seines Lebens heraufbeschwört.. Es bezeugt aber auch, daß das Primäre in Heine sein Künstler tum war. daß er noch hn Sterben mit zitternder Hand seine Verse feilte und glättete, daß seine dichterische Phantasie nicht eher nachließ, als bis sie *ü-h ins Dunkle verlor. Jüdisches Lchrhati;v Donnerstag-Vortragsreihe ,Jüdische Kultur heute". Sehhißvorlrag; Georg Lubinäki über; ,".G cst'l \ - s c h a f I 1 i e h e Voraussetzungen j ü d i s c h e r K u 11 u rs. Donnerstag. 20. Februar. 20.15 Wir. Logenhaus Klchtstrnße 10. Offene Arlwitsgemein^chaff über die Donnerstag-Vorträge: ..Sprache als kulturtra-icndcs Element'* und ..Kunst als Killrurschöpfung". 13. Februar. 20,30 Uhr. Aula Joachimsthalcr Straße 13. Montag- Eiuführungs\orlesung in die-Jüdische Geschichte:' 17. Februar. 20.30 I hr. Nmar Ellw^en: ..Neuzeit*6. Logenhaus Klciststraße 10. ..Magnetismus. Suggestion, Hypnose." Der unter diesem Titel ,-tn-rkfnuliüle Vortrag von Dr. Leo J a c o h s ö h n findet am 20!" Februarr abends 8.30 Chr. im Logenhaus Kleiststraße zugunsten der Jüdischen Winterhilfe statt.