Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 16 (1936)
- Issue
- 7 (12.2.1936)
- Date
- 1936-02-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/4109741-2613419-2613426--652-2615518- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Beilage 12. Februar 1936 JÜDISCHE AIMEMHNE ZEITUNG Jugend am Nachmittag Wie verbringen die jüdifchen Schulkinder ihre Freizeit? THEA TER, KUNST, LITER A TUR Das bekannte Müuchcucr A u i i *\ tt a nal .1 a e <| (i c > II n - > in I Ii a I ist. wie wir erfuhren, in arischen Bc-»ii/ ül**r::egangeii. " Di r ltcknnnle_Kuuslsalon und Kiin-Ilad»*» .1. Eiiijini i am Womit beschäftigt sich der jüdische Junge, das jüdische .Müdcl uin Nachmittag? Welchen geistigen und .sonstigen Interessen, die außerhalb der Schule liegen, geht die jüdische Schuljugend \\>n heute nach? L"m diese Fragen zu beantworten.Ji alten wir uils an die jüdischen Schüler und Schülerinnen verschiedener Altersstufen gewandt, und uns erzählen lassen, was sie in ihrer freien Zeit beginnen. ' Gegen Mitlag nach Schulschliiß begegnen uns vor einerjüdischen Schule Herlins zwei neunjährige Mädels. In : mir sicher einen „Pauker" erblickend, dec nur aushorchen will/ob die'kleine lluth auch fleißig für tlic Schule arbeitet, antwortet sie sofort: „Zuerst mache ich „natürlich"" meine Schularbeiten, dann helfe ich meiner Mutti bei der Arbeit. Sonst gehe ich zu meinen Freundin, wo wir zusammen jüdische Sagen und Legenden lesen. Das mache ich am liebsten." Die neuere und ältere jüdische Literatur und besonders, natürlich jlie. jüdische Jugendliteratur findet bei der jüdischen Jugend sehr Marke Beachtung. Bei der Umfrage konnte man hören, daß nicht alles gedankeu- und kritiklos hingenommen wird, sondern daß unsere Jungen und Mädels da und dort bejahend, manchmal - aber auch ablehnend zu Erscheinungen auf dein Gebiet . des jüdischen Jugendbuches Stellung nehmen. „Ich. lese , am liebsten ,schwere jüdische Werke", z. B.;Dcr Jüdische Krieg1 von Flavhis Josephus*\ erklärt ein zwölfjähriger Junge, „Kinderbücher lese ich nur so nebenbei . . ." Bemerkenswert ist, daß jüdische C c d i eh t c_ fast gar nicht gelesen werden. Eine zentrale Stellung nimmt bei vielen — schon \on zehn, elf Jahren an — der Bund ei«. So manch einer .widmel seine freie Zeit nur .der Bundesarbeit. Da muß das Protokoll vom - letzten Heimabend ausgearbeitet werden, mau muß sich noch für cin Referat vorbereiten. Der Kassierer hat dafür zu sorgen, tlaß alle Gruppeuinitgliedcr pünktlich ihren Crunpcnbcitrug bezahlen, der Bibliothekar, der die Bundesbibliothek -zu verwalten hat und dafür \ erant wort lieh ist, muß von Zeit zu Zeit nachprüfen, oh auch alles in Ordnung ist. Da werden Elte mal tende und Aufführungen veranstaltet;;,dic müssen natürlich knorke werden und klappen". Der Bund umspannt schließlich alt das, was die Jugend irgendwie' angeht und beschäftigt, liier wird gemeinsam gelernt, gemeinsam gelesen und gebastelt und gemeinsam gesungen und musiziert. - Nicht jeder aber ist in einem Bund organisiert, und auch diejenigen, die einem Bunde angehören, finden nicht immer ihre Wünsche ausschließlich im Bund befriedigt. So hörte manvon den mannigfaltigsten Interessen, die der eine oder andere im Privaten hegt, und die sich auf die verscliicdeusteii Gebiete erstrecken. Ein Fünfzehnjähriger beschäftigt sich beispielsweise mit dem jüdischen Theater. Wenn er auch den Vorstellungen des Jüdischen Kulturbundes nicht immer beiwohnen kaim, eo verabsäumt er es doch" nicht, wenigstens die Einführungsartikel und die Kritiken in der jüdischen Press* zu verfolgen, und ist bemüht, das betreffende Schauspiel oder die Oper, im Original nachzulesen. Auch studiert er fleißig die Literatur über'die Geschichte des jüdischen Theaters. Ein etwa gleichaltriges Mädel befußt sieh inil der allgemeinen humoristischen Literatur und hat'fiich des öfteren sclton selbst als Autorin lustiger Gedichte versucht. Auch die Musik wird bei vielen eifrig gepflegt. „Auf alles würde ich verzichten, nur meine Geigenstunde nicht ausfüllen lassen", sagte jemand. Ein anderer spielte auf dem Klavier eine lleihc eigener kleiner Kompositionen vor.'- Er-hat sich eine „Kleine Sammlung eigener. Werke" angelegt, die durch neue Einfälle immer wieder vermehrt wird. . * . - . Diejenigen Jungen und Mädels, die sich bereits für einen bestimmten Beruf entschieden haben, verbringen ihren Nachmittag oft damit, sieh allmählich schon mit dem. künftigen Beruf vertraut zu machen. Es handelt sich meistens um Berufe, die auf . Grund der künstlerischen und tcclmi&chcn Begabung gewählt werden. So will Max unbedingt Jtadio tech'nike r werden. Stolz führt er den selbstgcbautcn Dreiröhrenempfänger vor, der einen einwandfreien Empfang bietet. Ein Mädel will Kunstgewerblcrin werden. Auen sie ist auf ihrem Gebiet talentiert; davon zeugen ihre wertvollen Handarbeiten, die sie in ihren Mußestunden angefertigt hat. Ein künftiger Modezeichner legt einige seiner Zeichnungen vor, die Können und Fleiß" verraten. Für die Jüngeren unter der jüdischen Schuljugend hat die Jüdische Gemeinde in mehreren Bezirken K i n d c r 1 es c s t u b c n eingerichtet, die täglich am Naclumttag geöffnet sind. liier gibt es schon eine feste Zahl von Stammbesuchern, die sich täglich einfinden und dort auch, ihre Schularbeiten machen. Aber auch der Lesesaal der Gemeindebibliothek wird jeden Nachmittag von vielen Jugendlichen aufgesucht, die hier an den Quellen des jüdischen. Wissens ihre geistigen Bedürfnisse be- ■ -friedigen. An-einem der langen Tische sitzt ein zwölfjähriger .Junge und liest angestrengt in Dubnows „Geschichte des jüdischen Volkes". Er bedauert, daß in der Schule alles nur so kurz durchgenommen werden kann, „wo es doch so interessant ist1,1. Darum Darum kommt er öfter hierher, um sich über einzelne Epochen der jüdischen Geschichte naher zu unterrichten. Ein anderer Junge, der mit uns die Bibliothek verläßt, erzählt, daß er erst vor nicht allzulanger Zeit, als er nämlich in die jüdische Schule kam, begonnen habe, sich mit jüdischen Dingen zu befassen. „Ich weiß eigentlich gar nicht, wo zuerst anfangen", bemerkt er verlegen.. „Ich lese regelmäßig die jüdischen Zeitungen, notiere mir all das, was ich nicht verstehe, und komme an meinen freien Nachmittagen'in die Bibliothek (er wohnt in Kaulsdorf), um hier in den jüdischen Lexika und Nachschlagewerken nachzulesen, was mir unklar ist." , Damit ist lange nicht alles aufgezählt, womit sich die jüdische Jugend in der Freizeit befaßt. Aber es zeigt, wie vielfältig interessiert unsere Schuljugend ist, und wie sie darauf bedacht ist, die freie Zeit nutzbringend auszufüllen.. Siegfried Geller. Jüdifche Jugendbühne eröffnet „Der eingebildete Kranke" in der Schulaula Mit einer munter und flott heruntergespielten Aufführung von Molicrcs „Der eingebildete Kranke'* in Ludwig Fuldas Übertragung wurde.die unter Leitung von Ernst Rosenbaum und Werner HinzeImann «teilende „Jüdische Jugendbühne" eröffnet. Der glückliclic Start vollzog sich in Form einer Generalprobe vor geladenen Gästen aus der jüdischen Lehrerschaft Berlins. Auf der in die Krankenstube des ,.l»c rühmten Patienten" verwandelten Bühne der Schulaula .in. der Großen Hamburger Straße wirbelten die klassischen Spaße zum großen Ergötzen der Zuschauer vorüber, ohne daß man allzu großes Gewicht auf die tragischen Untertöne der Komödie gelegt hatte. Den Hypochonder im U'hnsluhl. eingebettet in Deekcu und Kissen, von Medizinf laschen und, der geheuchelten Zärtlichkeit der ertüchtigen Gattin Bclinc Jtosc Liechtenstein, die hier ihr Spiclicmpvrauicm wieder einmal entladen konnte) umgeben, stattete Fritz Bitter mit allen IV milder Monomanie seiner eingebildeten Krankheit aus. mit einem wirkungsvoll dosierten Gemisch von Angst und passionierter Beschäftigung mi'l seinem \oiu Srhrnilcidcii geplagten allerwcrtcstcn Körper. Die besondere Biehtuug seines körperlichen Zustande* zeigte ein riesengroßer Schlüssel an, den der Brgisscur Ernst Ihisciilian m im Blickpunkt der Zuschauer angebracht hatte, lit lusligcnd war auch der groteske Einfall, au die Wand de*' Krankenzimmers eine Tafel zu hangen, auf der Argan die mehr oder minder guten Ergebnisse seines zwangsläufigen Verschwinden* gewissenhaft notierte. Eine derb-drollige Toi nette mit den routinierten Künsten der Intrigantin \ertraut, war Erna Co h u J-orcu/J. Sie holte steh einen,Somlenipplnus in der \ crkleiduugsrulle des Arztes, in der su* den eingebildeten Kranken mit drasljsehen .Mitteln kuriert. In Thomas Oiafoirus stellt;* Werner 11 i n z e 1 m a u ii einen Dümmling auf die Beine, der seine auswendig gelernten Weisheiten amüsant herunterleierte. Ein Liebhaber von Haltung war Herbert II a s ke I. Auch die übrigen Mitwirkenden — Franziska Okmiaitskv, Ellen Pololmv.sky. Simon Haiuski, Klaus Brill. Georg Jacohsohn (Georg Julm)." Herbert Maycrowilz und Heinz Kithucmann — waren mit Eifer u:n den eingebildeten Krauken bemüht. Die jüili-ehen Sehüler und Schülcrinneii Berlins werden ihre laute'Freude au der Aufführung halten. Odeonsplatz in München, der .seh lauget1 Zeil kaimtcslcu Mü neben et Kunslgcscliftflcn zählte. i->l Hände filtcrgeüangen. zu ileit len he. ein ..\ oTn Ghetto u a e h Europa". ist der Titel eine* W erkes \ou Arthur F. I o v n * c r . das eine Darstellung .des Judcuiimi** im Gcislcslelten des \\K Jahrhundert* gibt. Du» Buch erscheint Ende dieses Munal*» in der Jüdischen Buch-Vereinigung. . Der in Berlin lebende Komponist IM und Moritz hat ein neues Kautinermiisikwerk verfaßt, eine „Sonate für B r ti l - s e h e li u d Kl a v i e r". die *ocltcu erschienen ist. Bestellung auf \om Komponisten signierte \m-/ugse\cmplare sind an die Künstlcrhilfe, Brrliu-l Jinrinllcnhurg. Kantslraße 1'tH, zu richten. Ihres großen Erfolge* i II e r r u f e I d zir einem pflichtet. Die musikalisch« noimum. u der „Geisha" wegen wurde M o u i rji eigenen Altcud nach Halbe umv ver- Hegleitiuig hat Erna Fenchel ülter- . Srcl>chr Winterhilfe ..Frriidr im W intcr". Konzert in der Syuagnge l'rin/.icgentcust raße <»!»-7U am I."». Februar, ÜB I hr. Milw.: Dura Berit« tritt- Börner. Werner Kai/-, Kurl I.oumilxei, Haus Marg«iliu>ki. Alfred Mai, Mir* Mansfcld. Hilde Sehereschewski. \\ (dfgaug Weint rauh. E*. spreeheu: Babhiner Dr. C<ilt*>chnlk nnil George Gort/.. Karlen für Ililfshcilürftigc unentgeltlich tut Wiuterh.-Be/irk Südwest. Münehener Straße ',\7. 'Wintern.-Bezirk Friedenau. Wilhclui-Iliiuff-Straße Wohlf.-He/irk Mimthrner SlraBe.:i7. Heinrich Heines Heimkehr Zum 80. Todestag des Dichters am 17. Februar Von Dr. KU IUI UCHTKNSTKIN - Es ist heute sehr schwer, sieh eine" lebenswahr.* Vorstellung' \«n der .Situation-der Juden um die W ende des 11!. Jahrhundert* zu machen, zumal sie in den M-rsehü deiii ii deutsi-lt.'ii (.ändern durchaus nicht dieselbe ist. Im großen g^^ehen. ist sie der eines Menschen verglehlihar. der aus (iefeui Dunkel plötzlich ins Helle tritt. IMötzlich: denn der l titscbwung de* äußeren und inneren Lehens vollzieht sich in wenigen Jahren in un\orstelTlta^er Schnelligkeit. M;»srs MenilelsMihn klopft' zaghaft an die .Tore Berlins, ob er überhaupt eingelassen wird. Bald darauf ist er, mit Eessing verbunden., der geistige Mittelpunkt dics«*r Stadl. Börne verbringt noch seine Jugend im Frankfurter-Ghetto, um wenig später l'olizi-iaktuar seiner Valerstadt zu werden. In. der laugen Nacht des Mittelalter-* waren du? Juden in unoMä.isigeni Ab taste u ihrer nie ruhenden Interpretation ik-s Talmud, in dem Zwange, allein auf sich angewiesen zu sein, geistig ernlüdet und erstarrt. Das Gesetz sollte bis auf den letzten Buchstaben beobachtet Hcine-Statuc von Aufnihme: Sonnenfeld Professor Ernst Heiler werden;'keinen 1-1'unU wollte mau preisgelH ii. MowsMendeb.- s*»hu war es. der ilie Jmleii_aiis drin Tiefschhif erweckt 1ml. Ileiuiich Heine war zwei (fcucrnlioncu jünger als Meiulelsxilui. Zwischen ihnen standen: DiimM Fricdliiuder. Meudels**<ihiw Kinder. Maiinoii, Ben David, Marens iniil lleuri«*l(e Herz, Babel Lewiii/die alle um die Mitte des Ul. .hihrlutiulert* gehören wurden. Mit -einen Altersgenossen Eduard («nun, Leopold Zun/, Mows MnM*r bildet Heine die drille Nachghetto-deneraliou. "Börne hat in .dicstüii Zusaniinciiliaug ki|um"eiueu IMalz, du er niemiiU das Judentum zu schier eigenen Sache, gemacht hat. In dieser Heil»; nimmt llcine insofern einen lH*Miudereu Platz ein, ul» ihm eigentlich alles das zufiel, was .seine Zrilgcjion-4'u sieh mühsam erwerben muLNleii. W ährend noch Börne im Frankfurter (»hello' im Sinne strenger OrlhiHloxte erzogen wurde, gab en in Düsseldorf, wo Heine zur Welt kam, fiherhaupt kein (Ihetto. Diu wenigen dort ansässigen Judcnfauulicn konnten wohnen, wo e*t ihnen Itehagle. I linzti kam wine j\bHtmnniiuig mülltrylicherM'ilK mm tler chenno - wohlhalteiMleu wie vornclifucu Familie de (rt-ldern. Schon nein l rnrgroßvater Josef Jacob de Geldern war Kainineragent lies 1 lerzogs .lobaiiu Wilhelui timl „Olterwirgäiiger" der Jülich1!Je- \esvhen Judensehnfl.' Er Itegrfmdrte die er»tt* Synagitge in Düsseldorf. Der (Irt>li\ater (ktllschalk de. (Vldem war. ein Iterübiuler Arzt, eheiis*» sein Silin, Bruder von Heines Mutter. Er wurde ztim - llofral ernauul. \'on Gustav Karpeles wissen wir auch, datt Heine» FninilieväterlieherfM'its bin zum Urgroßvater in Hannover bekannt war und zu den ältesten der Gemeinde, gi^iörtr. " In den Jngcmleriinierimgen — schon Heinrich Emiltc ist du* aufgefallen —, weiler im „Buch Ia' Griiud**, iIiih Heine iil* junger Mensch tuiirieh, uw'h den „Meuwiren'*, an denen er bis zum Tode arbeitete, spielte da» Jüdische eine'' Bolle. Die. Binte!snhnM-he Tatmudsihulc," die doi* Kind bewirb te, wird aU solche nirgend» gekennzeichnet, kein Wort Ober da* jüdittrhe Bituale, von dem wir wümcii, daß cn in M'uicin Ellenihau* 1m*oI>- aehtet wurde, die jüdische Problematik in tler Beziehung zur Umwelt In nebt an keiner Stelle auf. So ntnrk reicht die knlh<ilt*clic Welt in dic»c*- Kind1wit*lel>cn himrin, w» Mark' ist c* von ihr gefärbt und geformt, daß da* wpezifisch Jüdinehe danelH'ii krinen Bnuiii hat. Die Mutter «picltc ernnthaft mit dem Gedanken einer kntholLscheu Fri^Hterlaufbahn für ihren ältesten- So gab sie ihn in die Dominikanrntclnjlc und »nflter in da* Lyzeum, wo drr l nlerrichl von' katholischen Geistlichen erteilt, wurde.. Früh also lal sieh für Heine die humanistische Bildungnwelt auf, driilscbc, französische litcralur. Sprache und PhiloMiphic. Da* denlselte katholische Mittelalter, llcforniation, lluinaninitiujt; VolkwUrhlung waren die HaupKmellcn, au* denen '»eine dichterische l'hautanin sich nährte. Der dcuutclicu Bomantik L»t er lebenslang verbunden gebürhen, deren letzter Sänger er nach seiner eigenen Aiuwflgc - geworden Lsl. ~ Mustert mau weiter tlie Bilduugwitoffc, aus denen ttich die dichterinrhe Pcrhönliehkcil Heines aufliaute, so steht da» Erlebnis der fnifizöciirljen Kcvolution voran, als deren Ex [tonen t ihrn^ . Napoleon erschien. Alter wenn auch Heines Kindheit und frohe Jugend »ich diesseitsder jüdischen Problematik abupicltc, cn dauerte nicht lange, daß sie auch ihn bedrängte und ihn zwang, «irh mit ihr. au»- cinandcrzti.setzen. Mit fünfzehn Jahren nahm in der Vater nach Frankfurt mit, tun .ihn dort ais Ix-hrling in einem BankgenchAft unterzubringem Der Bestich de* Ghettos schließt ihm eine neue Welt auf und macht auf ihn einen so «tarken Eindruck, daß er ihn sein leiten lang nicht losgeworden int. Da» zweite Kapitel des ..Bnbbi von Bacharach" ist tlavon Zeuge, aber noch in der viel .späteren Schrift über Börne, den er damals zum erstenmal sah, geistert dieses Erlebnis nach. Der Anblick des Frankfurter Ghettos muß damals auch nach Goethes Zeugnis „erschreckend" gewesen sein. Und die Sensibilität des jungen Dichtem erzitterte angesichts . des bejammern«werten -Zustanden, in dem er seine Glaubensgenossen antraf. Nur kurze Zeit blieb Heine in-Frankfurt. Aber e* genügte, um dos jüdische Element in Hirn zu entfachen. Seine Ixrbensäußcrungcn, seine Produktivität als Dichter und Schriftsteller, seine Arbeit als politischer Kämpfer, als -phiIosojthi*ehcr und historischer Denker sind von diesem Urerlcbni» bald stärker« bald schwächer getönt. Dabei' wurde er von Zustimmung und Widerspruch, von Zuneigung und Ablehnung tun und her geworfen. Wie überhaupt keine einheitlich« Linie in seiner Beziehung zum .Judentum auffindbar ist. Er fand die Idee des Judentum«, »eine erhabene HeligiOn, seine heiligen Schriften, seine glorreiche Geschichte in allzugroßem Widerspruch mit seiner soziologischen