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Jüdische allgemeine Zeitung · 1936-02-12 · 7 (12.2.1936) · page 2

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
16 (1936)
Issue
7 (12.2.1936)
Date
1936-02-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Holländers Tod Dem teuren Freund in die*:» ersten Stunden «in rechu-s AlK-rliicxLiWort zu schreiben, zwiefaeb unmöglich. Zu sehr nocli sind wir erschüttert von den furchtbaren Schauern diese-* dreitägigen Kampfes eines mächtigen. Küritcrs, eines inäcjitigcn Geistes gegtru die Auflösung — und dann, zu tief brennt in uns da-» Gefühl, daß ein Abschied von ihm, der ein Menschenallcr hindureli da»!e!>endigc Gewissen der deutschen Juden war. nie möglich sein kann. Das lebendige Gewissen. das so oft mit mächtigen Schlügen au unsere -Seele [wehte und, zu unserem Schaden und - Verderben, zu oft überiiört wurde. Was er, da er noch auf der Höhe der Kraft *laud, gelehrt, gemalmt —, und ahnend gelitten hat, wissin nur wenige; aber ein Menscheuaher hindurch gab es keinen .luden, der in Deutschland, von Gemeinde zu Gemeinde ziehend, da«*- jüdische I<el*n so beeinflußt, jüdische Menschen so beeindruckt hat. wie ihn. Kr kannte alle. Um kannten alle, die jungen Studenten, die „Duale ha hat (im" in der Provinz, die Gcmcindeführcr, die ürgauisalioiLslciicr. - Solange er seinen) Ix'heiLswcrk, der Teilungde.-» G.V.. oblag, hielt, er sidi in religiösen Dingen naturgemäß zurück. Nur wenige wissen,, wie er mit dem Engel rang, wie er im tiefsten* Nerzen um den Glaulicn rang, und wie es ihn oft bedrückte, daß er dem religiösen Liberalismus, au dem er (hei allertiefstcin HesjM-kt vor der Tradition) festhielt, nichtseine gewaltige. Stimme leihen konnte. I's ist ein .tragische* Verhängnis des lil>eraleii Judentums, daß, als er für un> frei wurde, die scheinbar unersehütt»'ilicl«s Kraft seines Kö>i»crs schon von dem tückischen Ix-iden angenagt war. dein er zuletzt erlag. So konnte er nur im Hintergrund raten und helfen: zum letzlen" Mal ergriff er als Liberaler am 21). Januar 193:1 auf un-enn Dclegiertentag das Wort ~, aber mit IcideiisHiafllichem Interesse verfolgte er unsere Km Wicklungen und Auf galten, und ganz besonders ist er. der -ein f^'lH'n lang dem Natloualjudeutimt \erst«'heud fern stand, für die religiöse Durchdringung des jungen Palästina eingetreten, dessen Aufbau er :\U ein alle Juden betreffendes Werk anerkannte. Was er als Freund und Kamerad ganzen Generationen des K.< *. gewesen ist. was die HV.e Bri-s an ihm verloren haben, ist in Kürze nicht zu rtchildcru. Neulieh meinte ein durch 1 Inlläuders Todcsnähc tief Ergriffener. es sei besonders tragisch, daß er svin"*\vYrk und seine Ix-hre überlebt habe. Nichts kann unrichtiger sein. Solange Juden Deutschlands leben, oh in Deutschland «der auf fremder Erde das \ orbild Ludwig Holländers wird fort leuchten: ein Judentum zu leben, seines Eigcnslolzes l>ewußt. stark im Geist, ernsl und seh lieht im Auftreten, demütig vor Gott, treu seinen Brüdern. - Serher zadik Hw* rochoh; —. «las Gedenken dieses Gerechten wird uns zu dauerndem Siegen sein! Ff. St. scheu Vertreter aus den betreffenden Körperschaften zurückzuziehen. Chrr die Art der Betätigung zionistischer Vertreter in den -jüdischen Gremien und die einheitliche Leitung der zionistischen G e in c i u «1 c p o 1 i t i k wird allgemein gesagt, daß die ZVfD. gegenüber allen ihren Mitgliedern die Forderung nach einmütiger." koordinierter und planmäßiger Zusammenarbeit auf den Arbeitsgehieteii der jüdischen Geineinden, Kulturbünde, Landesverbände. Iteiehsvertrelung und sonstigen Organisationen erhebe. ..Deswegen darf kein m der ZVfD. organisierter Zionist ohne Betätigung der im Statut der ZVfD. l>ezeiclinctcn Instanzen ein Amt in einer von den Instanzen der ZVfD. gebilligten. Liste chic Gegcnlislu. aufstellen oder auf einer solchen Liste kandidieren oder sieh um eine derartige Kandidatur bewerben." Für die Gestaltung und Kontrolle der Gemeindepolitik hat der Dclegiertentag einen Gcmcindeaussch ufi eingesetzt. Resolutionen im Bachfaal Nach dreitägigen Verhandlungen ist am vergangenen Mittwoch, nachts um einhulb zwei Uhr, der *J5. Dclegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland--zu Ende gegangen. Am Dienstag vormittag hatten Dr. Georg Landauer über ..Ergebnisse lind Perspektiven-der Alijah aus Deutschland in Erez Israel" und Dr. Michael Traub über Funktionen und Bedeutung des nationalen Kapitals für den Palästina-Aufbau" referiert. In der Schlußsitzimg, die mit dreistündiger Verspätung begann, wurde eine große Anzahl von Beschlüssen und Resolutionen angenommen, die sich it. a. auf die Förderung nach ausschlaggebendem Einfluß in den, jüdischen Körperschaften.' auf das Auswanderungsprohlcm, Fragen des Transfers, eine Neuregelung des Verhältnisses */.um Misrachi und Richtlinien für die zionistische Gemeindcpoliin\\ Kultur- und Sehiiifragen erstreckten. Die Resolutionen, die sieh auf den Komplex der Auswanderung I>eziehcn. hallen folgenden Wortlaut: ..Die Jttdcnheit in Deutschland, insbesondere ihre Jugend, sieht -ich in weitgehendem Maße auf den Weg der Auswanderung verwiegen. Die hierfür vorhaudrneii Möglichkeiten sind allcnthallx'ii erkennbar Itcgrcnzt. Der XXV. Delegierten tag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland strRt mit großer Befriedigung fest. «laß Palästina in den letzten Jahren in der Lage war. eine -tändis waclwndc jüdische Ein Wanderung, insI>csondcrc auch aus Deutschland, aufzunehmen. Mit um so größerer Besorgnis l>etraehtetder Dclegiertentag die .empfindliche Einengung der E i n w a u d v r.u n g s m ö g 1 i c h k r it c n . wie sie in der hinter den wirklichen Bedürfnissen der Palästina-Wirtschaft weit zurückbleibenden Zuteilung von Arhriter/ertifikaten zum Ausdruck gekommen ist. Neuerlich »l>ckannt gewordene Pläne, der Mandatarrnaeht, darüber hinaus auch die Einwanderung anderer Kategorien, insbesondere durch Ilrraufsctzuui: der bisher gültigen Vrnnögensgrenze. einzuschränken, müssen stärkstes Befremden erwecken. Taiiscmle ausgebildete und in Au-hildmu: lic findliehe (Jialuzim .'warten darauJL daß iiineu die Tore des Landes geöffnet werden. Tau>eudc jüdische Familien, dii* filtcr ausreichende AHitol und wirtschaftliche Erfahrungverfügen, warten ilarauf. sich in Palästina eine neue Existenz errichten zu können. Der Dclegiertentag der Zii.iii-ti.-chen Vereinigung für Deutschland Fordert die Exekutive der Jewi-h Agencv auf. sich mit aller Entschiedenheit solchen Plänen zu' widcr>etzrn und dafür. Sorge zu tragen, daß entsprechend den slämli<r .-ich vcr.-tnrkenden Bedürfnissen d«T Gola und der fortgesetzt sieh vergrößernden Aiifnahmefähigkcit des Landes die jüdische Einwanderung weiterhin wachsen kann.'' . „Der Dclegiertentag anerkennt die Notwendigkeit der Bemühungen, den auf Emigration angewiesenen .Juden aus Deut seh- - bind a u i' h a u ß c r h a I b. P a I ä st i n a s A u s w a u d e r u n gs - m ö g I i r h k e i t e u zu erschließe n. Er vei-t auf die Notwendigkeit hin. -die gesamte - Auswanderung planmäßig zu ge- -talten. die Auswanderer beruflich vorzul »ereilen und'ihr Vermögen durch ■ieoidncte Liquidation zur Errichtung einer neuen Existenz verfügbar zu machen.- Der Delrgiertcntag betont jedoch, daß nur die Au-wandcrung nach Palästina, und die Verwurzelung der jüdischen Menschen mit dein Roden in Palästina zu einer endgültigen Lö-uug der Judcnfrage führen kann. Wie Palästina als die völkerrechtlich anerkannte lleim*tätte des jüdischen Volkes in jlcn letzten Jahren den weitaus größten Teil der jüdischen Auswanderung ans Deutschland endgültig aufgenommen hat. so müssen auch künftighin alle Vnstrcngunzcjt gemacht werden, um die auswandcruug-wiUigen Juden auf Palästina vorzudrehen und ihnen die \lija und Eingliederung in das Land zu ermöglichen. Der - Dclegiertentag begrüßt die Bemühungen jüdischer und zionistischer Persönlichkeiten in England, eine großzügige Aktinn zugunsten der berufliehen Vorlierritunu »um? Auswandcning von Juden aus DcutsclilaniLdurchzurühren. Er gibt der Hoffnung Ausdruck, daß diese Arbeit von Erfolg gekrönt sein und dazu beitragen wird, daß ein großes Ansiedhmg-werk in Palästina unter Führung der Jewish Ageucy entstellt** In den .Resolutionen, die drn zionistischen. F Tinningsanspriich betreffen, heißt u. n.: Der Delcgierlentag stellt fest, daß der berechtigte Fühnmgsanspnirh der zionistischen Bewegung in vielen jüdischen Körperschaften in Deutschland noch nicht verwirklicht i-l. Eine -Mitverantwortung für die Arbeit der jüdischen Körperschaften erschcinl dem De legierten tag nur dann tragbar, wenn den Zionistcu aus^chlaggl>endcr Einfluß gesichert i-l. Falls dicker Forderung nicht genügt werden sollte, ermächtigt der Drlrgiertbinäa xi**i Gesehärtsführenden Ausschuß, die zionistidem 25 Mitglieder angehören und an dessen Spitze voraussichtlich Dr. Alfred Klee stehen wird. Es ist eine selbständige, neben dem Landesvorstand und dem Geschäfteführenden Ausschuß wirkende Organisation der ZVfD. Eine für die Berliner Gemeindepolitik bedeutsame Regelung bestimmt, daß an die Stelle der bisherigen getrennten Fraktionen des Volksbundes und der Zionisten eine einheitliche zionistische Fraktion tritt. Soweit die Mitglieder der beiden in der Berliner Gemeinde bestehenden beiden Fraktionen der ZVfD. nicht angehören, können sie bei Anerkennung der Fraktionsdisziplin ihren Beitritt zur neuen Fraktion als Hospitanten beantragen. Nach- Annahme, der Resolutionen erfolgte die Wahl der leitenden Körperschaften. Zum Vorsitzenden der ZVfD. wurde einstimmig Dr. Siegfried Moses wiedergewählt. Mit Schlußworten von Dr. Franz Meyer und Kurt Blumenfcld fand die Tagung ihr Ende. Samueldelegation auf der Rückfahrt Befriedigende Ergebniflc in Amerika erzielt — Erklärungen der Delegationsmitglieder vor der Abreife aus New York New York. Sir Herbert Samuel und Lord Bcarslcd halten an Itord der ,.Majeiticii-r die . Rückreise nach England angetreten. Simon Marks wird ihnen in Kürze folgen. Unmittelbar vor ihrer Abreise aus New York äußerten sieh die Mitglieder der englisch-jüdischen Delegation über die Ergebnisseihrer Arbeil in den Vereinigten Staaten. In einer Pressekonferenz - erklärte Sir Herbert Samuel als Spreeher der englisch-jüdischen Führer, die Delegation sei über ihren Besuch in 'Amerika durchaus befriedigt. Mit Genugtuung habe sie von der Stimmung der amerikanischen Juden und Niehtjudcn Kenntnis genommen und freue sich über die auch von den Niehtjudcn zugesagte Mitarbeit. Sir Herbert Samuel erklärte weiter, es sei zu einer vollständigen Cberein^timmung mit den amerikanischen Juden in l>cztig auf Ziele und allgemeine Methoden*' des Planes gekommen, hunderttausend Juden aus Deutschland u a eh Palästina u n (Ii u n n d e r e Länder zu überführen. Die Aufgabe bestehe nunmehr darin, den Juden aus Deutschland durch ko u s t r u k t i v c Maßnahmen stall durch Wohltätigkeit und Unterstützung zu Hilfe zu kommen. Sir Herbert Samuel befaßte sieh sodann mit der Holle Palästinas in diesem großzügigen Auswandcrungsplan. Er legte dar. welchen Nutzen auvh Palästina von einem nexum Zustrom jüdischer Kinwatidcrer haben werde. Allerdings gab er zu, daß die arabische Bevölkerung, die seit jeher Unruhe wegen der jüdischen Kiuwandcriing gezeigt habt;, dies, wie er befürchte, auch weiterhin tun werde. Auf eine Frage des .ITA-Vertreters, ob Anstrengungen gemacht werden würden, die FJnwandcrungsbestimmungen großzügiger zu gestallen, erklärte Sir Herbert, daß für die Einwanderung die Aufnahmefähigkeit Palästinas maßgebend seh Lord Bear-, sted unterstrich diese Äußerungen, indem er Innzufügte, daß weder Palästina noch die'Juden Deutschlands irgendwelche Vorteile davon haben würden, wenn zugelassen werden, würde, daß die Einwanderung nach Palästina die Aufnahmefähigkeit des Landes übersteigt. Im Verlaufe der Konferenz wurde weiterlun l>ekanütgcgebcn, «laß ein kleines Exekutiv-Komitee ernannt werden soll, um die Details der in Frage kommenden Pläne auszuarbeiten und daß dieses Komitee in Verbindung mit der Jewish Agency for Palcstiiie und dem •Joint Distribution Gonimitlee stehen würde. Die Einc- MilHon-Pfund-Kampnguc soll außer in Großbritannien auch in Frankreich. Belgien und Holland eröffnet werden. Sir Herbert Samuel erklärte zum Sehhiß. «laß «He Kampagne für den gesamten Fonds von drei Millionen Pfund sich über vier Jahre erstrecken würde. * Im Anschluß an einen Bericht über die. Samuel-Aktion zur Förderung der jüdischen Auswanderung 'schreibt die ^.Frankfurter Zeitung": „Die Auswanderung jüdischer Arbeitnehmer aus Deutschland wirft auch \,m Deutschland her gesehen einige organisatorische I"rag«'u auf. die dadurch entstehen. «laß zur Vermittlung von Arbeitskräften ins Ausland und gegebenenfalls für die Ausstellung von Pässen Gutachten einzuholen sind, inwieweit die Auswanderung im Interesse Deutschlands liegt oder wenigstens den deutsciien Interessen nicht widerspricht. Daran sind, soweit bekannt, nach Anordnungen vom Jahre VJ34 und 11)35 die Arbeitsämter und weiter die Industrie- und Handelskammern oder die Ifandwcrksimd Gewerbckanimern als Gutachter beteiligt. Eine Auswanderung trotz Ablehnung einer Unbedcnklielikcitsbcscheinigung des.Arbeitsamtes kann "zur Bestrafung, z. B. wegen Paßvergehens führen. Ein derartiger Fall wurde z. B. früher aus \Vup|>crial gemeldet. Der I lauptgesiehtspuukt dieser Bestimmung ist der, daß einer Abwanderung von F achkräften ins Ausland vorgebeugt werden' soll. j Ks läßt sich dalwi aber nicht verkennen, daß diese-Vorschriften, obwohl, sie allgemein gelten, doch ihrean eigentlichen Sinne nach nicht ohne weiteres auf erwerbslose j ü d i s c h e A r b «: i t s - krüfic angewendet werden können, zumal dann nicht, - weuu diese jüdischen Arbeitnehmer {im Unterschied zu deutschen Fachkräften^ nicht nur nicht gebraucht, sondern auf absehbare Zeit gar nicht in Arbeit vermittelt werden können. Da überdies von maßgebenden Stellen verschiedentlich zum Ausdruck gebracht worden ist, daß im Hegel falle die Auswanderung von Juden als im Interesse Deutschlands liegend angesehen werde, und da weiterhinsolche Auswanderungen auch einer Entlastung von deutschen Fürsorge- und Unterstützung? ein rieh tuiigen dienen mag, so wäre es. wohl gut, Unklarheiten un«l Zweifelsfragen, diesich in der Praxis ergeben mögen,- zu beseitigen." Vor Ernennung des neuen Völkerbunds» kommiffars für Auswandererfurforge (Jeiif. Wie der Genfer JTA-Vcrtreter erfährt, hat Generalmajor Sir Nciil Malcolm, der während der letzten Tagung iles Völkerhundsrates als der aussichtsreichste Kandidat für die Übernahme des nunmehr dein Völkerbund direkt unterstellten Oberkomiiiissuriats für Auswandererfürsorge genannt wurde, bereits, mit dem Generalsekretär des Völkerbundes, Avenol, zwecks Übernahme «lieses Amtes Fühlung genommen- Von gut informierter , Seite wird der JTA mitgeteilt, daß Sir Neill sich grundsätzlich bereit erklärt habe, die Angelegenheiten der Auswanderer aus Deutschland zunächst bis jc.u der im Herbst, stattfindenden Volkerbiuiffsversammluiig zu führen. Es wird angenommen, daß die offizielle Ernennung General Sir Neill Malcolms zum Völkerbunds- . olH-rkommissar für die Auswanderer aus Deutschland bereits in den nächsten Tagen erfolgen wird. Der voraussichtliche neue Oherkommissar steht im 67. Lebensjahr. Er ist Vorsitzender des lloval Institute of International Affairs. Dieses' Institut erstrebt die Ermutigung und Erleichterung des wissenschaftlichen Studiums internationaler Prägen, die Fördenun; des Austausches von Informationen und Ideen über internationale Probleme und die Bereitstellung von Mitteln für Information und Forschuni; auf diesem Gebiet. Zum Mord in Davos \'tm der Blutschuld, die der Meuchelmörder von Davos auf >ieh geladen hat. wendet sich die gesamte jüdische Öffentlichkeit mit tiefem Abscheu ab. Es bedarf nicht erst des Hinweises auf das Siuaiwoii ..Du sollst nicht töten" oder auf die den Mörder \erurteilenden Worte im ersten Buch der Bibel. Kap. 9-5. um die ruchlose Tai des jugoslawischen Medizinstudenten David Frankfurter, der >ieh unter Berufung auf sein Judentum anmaßte. Problemeder Politik durch sinnlose Todesschüsse zu lösen, zu verdammen. Die einmütige Verurteilung des Mord Verbrechens kommt auch in den nachfolgenden 'Stimmen der jüdischen Presse zum Ausdruck:. •Da» ,.G e m c i n il v b 1 a l I d e r J ü d i s c h e n G e m e i n d c zu B c r 1 i n" schreibt: .'..Einsieht und lteehllirhkcil verdammen den Moni als Mittel des [Hilitischen Kampfes, wir verurteilen deshalb «he Tat und'den Täter in schärfster Weise. Für uns ist «lic Achtung vor dem nien-eliliehen Leben eine tiefe religiöse Pflicht, das Judentum verdammt den Mord und den Mörder. Wir Juden in Deutschland bekunden den Abscheu vor einer Tal. «He dem jüdischen Gefühl, der jüdischen Beligioii und der Ethik «les 'Judentums in flagrantester Weise widerspricht." Die ..('. V. - 7, e i t u u g1" bemerkt zu drr Mclduui: von dem Mord: - ' . - . „Wir verabscheuen drn politischen Mord. Jede Motivierung . für ihn ist liehmglns. Menschen, die aus der Gegensätzlichkeit ihrer Weltanschauung zu andern die Berechtigung zum Morde ableiten, schalten sieh aus der menschlichen Geiucinschaftsordiuuig aus." In «1er ..Jüdischen Uundsehan" heißt es: ..Die furchtbare Tat von Davos wird auch von uns Juden auf das schärfste verurteilt. Eine solche Tat ist nur aus der Verwirrung aller Sittlichkcits- und Bcehtsbcgriffe zu erklären, die seit dem Weltkrieg in immer größerem Vmfang um sich griff. Jeder politisch motivierte Moni ist \crahscheuuiigswfmlig wie jeder Moni überhaupt. Das Judentum hat den Kernsatz: ..Du sollst nicht töten" in «lie Welt gesetzt. Uichter.üWr Tod und Leben'ist'nach jüdischer Auffassung Gott allein; «lie Mcuschen mögen streiten und kämpfen, die Pistole ist kein .Argument des Meinungsstreites^ Wenn der jugendliche Täter, wie die Nachrichten besagen, erklärt hat, daß seine Tat als Demonstration gegen den Antisemitismus gedacht war. so ist dies das Zeichen eines verworrenen Geistes. Wir betrachten einen solchen Ausbruch der Leidenschaft, den wir menschlich ebenso wie politisch ablehnen, als eine sinnlose Verirnuig. Nach unserer jüdischen Meinung ist die Judenfrage eilt überaus kompliziertes Problem, und der Antisemitismus, der ein Symptom dieses Problems Ist. wird nicht widerlegt, indem ein Jude in unjüdischer Weise Blutschuld auf sich lädt. Mit «1er ganzen übrigen öffentlichen Meinung sind auch wir einig in dem Entsetzen über dieses Verbrechen." Die ..J ü d i s e h c Z e i t u n g" in Breslau brandmarkt die Tat mit folgenden Worten: ..Diese Tat ist. wie jeder Mord, der aus politischen oder sonstigen Gründen verübt wird, in unseren Augen ein verabscheuungswfirdiges Verbrechen. Das Judentum hat zu allen Zeiten seiner Geschichte* Mord, Totschlag und überhaupt jegliche Gewalttat als Sünde und Verbrechen verdammt. Es war vielmehr immer sein Stolz in der Zeit seiner historischen Epoche unter den Völkern drr Erde, ein Volk des Buches und des Geistes zu sein." Im „G cmcindeblatt der jüdischen Gemeinden i n II h e i ii I a n d u n d V c s t f a 1 c n" wird ausgeführt: ..Mit Grauen und Abscheu haben unsere Leser diese Nachricht aufirrnommcn. Der oberste, heiligste Grundsatz der jüdischen Sittenlehre ist die Achtung vor der Heiligkeit des Menschenlebens, wie er in «liescr Unlwdingtheit zuerst am Sinai -verkündet worden ist. Das Judentum ist die Lehre der Gewaltlosigkeit." der Monier frevelte ge»cn diesen Geist." + Kulturbund-Veranstaltungen bis auf weiteres verboten Das ..Deutsche Nachrichtenbüro" meldet: ..Nach der Ermordung «les Landesgruppenlcilers der NSDAP, für die Schweiz. Wilhelm Güstloff. durch den Juden David Frankfurter in Davos hat der Beichsmiuister für Volksaufklänmg und Propaganda sämtliche Veranstaltungen des Iteirhsverbandcs jüdischer Kulturbünde in Deutschland bis auf weiterexerlKiteu. um etwaigen Zwischenfällen vorzubeugen." (■ Das Ilciehsminislcrialhlatt für «He Innere Verwaltung veröffentlicht eine Verordnung des Reichs- und preußischen Ministers «les Innern, derzufolge der Rcichsausschnß für Ehcgenehmigmigcn beim Reichsministcrium des Innern gebildet worden ist. Er hat den Namen H c i c h s a us s eh u ß zum Schutz \\ e s d e n t s e h e n B 1 n V e s erhalten. Ihm sind alle Anträge von Staatsangehörigen jüdischen Mischlingen mit zwei volljüdischen Großelternauf Genehmigung der Elie~ehließung mit Staats- . an»ehörigen deutschen oder artverwandten Blutes oder mit staatsäniiehörisen jüdischen Mischlingen, die nur einen volljüdischen Großelternteil haben, vorzuleben.

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