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Jüdische allgemeine Zeitung · 1936-02-12 · 7 (12.2.1936) · page 1

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
16 (1936)
Issue
7 (12.2.1936)
Date
1936-02-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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BERLIN 12. Februar 1936 PREIS 25 PF. Nr. 7 / 16. Jahrgang JUDISCHE AUGEMBNE Schrift!eitun« und Geschäftsstelle: Berlin-CbarlDltenburg 2, Blelbtreustraüe 2. C l Steinpl. 3703. Bankk.: Kreditverein f. Handel u. Gewerbe eGmbH, Berlin N 24. Postscheck-K.:Berlin 25720 — Bezugspreis: RM. I.—monatlich (zuzüßl. RM. 0,10 Zeitungflgebühr und Bestellgeld), bei Streifbiudveriaad tuzügl. RU. 0.30. i« 1 H Verituf: VerUtfauenui«easuU»[t in Deutschland «uviuitfer Juden tu Marita eGmbll., Blo.-CharIoti«nl»urB 2. Uleihtrauitr. £- Auuigeapr.: Die ISgMp. mm - Zeile Rpt. tt, lür Pamlllcniiuelcea Rp(. 6. Vit Stell« utltsucrt« Rpl. S Bei ua*er*cbaldaUr NlohtbeUaUraog bwlaht k«ia Aupraob tat VergfliuBg. NEUE FOLGE DER JÜDISCH-LIBERALEN ZEITUNG Von Worten za Taten i Ludwig Holländer i Zufammciiarbcit! Voii HEINRICH STERN Eines wird man dem Delegiertentag der Z. V. f. I). unter allen Umständen bescheinigen müssen. Er hat in knapp drei Tagen eine erkleckliche Arbeit geleistet; manche hüben und drüben werden sogar der Ansicht sein,. daß weniger mehr gewesen' wäre. Wenn auch jeder erfahrene Versammlungsleiter weiß, daß eine gut vorbereitete und geleitete Versammlung, wenn das notwendige Fluidum da ist, am Schluß gern alle Kommissionsbeschlüsse „schluckt", ohne sie näher zu prüfen, so werden sich selbst die Männer von der Ycr-- handsleituug nicht darüber im unklaren sein, daß ahi Mittwoch-Morgen schließlich nur Wenige überhaupt gewußt haben, worüber sie abstimmten. Das soll keine hämische Kritik sein: denn auchdie wohlgezogenste Versammlung schluckt solche Unmasse von Resolutionen und Beschlüssen nur, wenn sie Vertrauen zu ihrer Leitung hat, und das Plus tragen die führenden Männer bestimmt mit sich,,daß sie die innere Vereinsstruktur erheblich gestärkt haben. Manches geht sogar über die innerzionistische Interessensphäre hinaus; die scharfe Zusammenfassung aller in der Gemeindearbeit tätigen Kräfte, insbesondere die Beseitigung der Sonderstellung des Volksbundcs, ist auch für den Verhandlungsgegner eine Erleichterung, zumal in der Zusammensetzung der Kommission für die Gemeiudcarbeit eine ganze Reihe alter Gemeindearbeiter die Gewähr dafür bietet, daß hier eine sachliche Arbeit und nicht nur Parteiwerk geleistet werden.soll. Wer, wie der Schreiber dieser Zeilen, sich nicht mit faulen Kompromissen begnügen will, sondern an ehrliche, ich möchte sagen brüderliche Zusammenarbeit zweier sich gegenseitig achtender Vertragspartner denkt, der wird es nicht bedauern, daß das diplomatisch feine, aber menschlich höchst unbefriedigende Ausspielen einer Richtung gegen die andere ein Ende hat. Wenigstens organisatorisch ist die Bahn für die Verständigung jetzt frei. Auch noch anderes Positive kann der Außenstehende mit Befriedigung als Ergebnis bezeichnen: Wenn auch-der' Paläst in a arbeit,'wie es nicht anders denkbar ist, von zionistischer Seite die Priorität eingeräumt wurde, so ist doch der ernste Wille ausgesprochen, auch die Auswanderung nach anderen Ländern sachlich zu unterstützen. Dieser Beschluß wird in der praktischen Arbeit manche unnötige Reibung beseitigen. Und wenn Dr. Moses in seinem, sehr ernst zu nehmenden, formell und sachlich ausgezeichneten Generalreferat die Hoffnung ausgesprochen hat, die Austrittsdrohung gewisser nichtzionistischer Kreise aus der Gemeindearbeit werde sich nicht verwirklichen, sondern es werde nach wie vor eine Zusammenarbeit aller Richtungen stattfinden, so kann ich ihm sagen, daß nach meiner Kenntnis der Dinge und Menschen kein verantwortungsbewußter Nichtzionist sich vor .der Verantwortung und vor der Arbeit drücken will. Zieht man die natürliche, aus einer derartigen Versammlungsstimmung heraus heraus erklärliche Neigung, etwas volltönend zu reden, ab, so bleibt das Bestreben der Z.V.f.D. übrig, in allen Gremien „ausschlaggebenden Einfluß" zu bekommen. Dieses Streben ist berechtigt: das wäre eine klägliche Bewegung, die nicht nach ausschlaggebender Verwirklichung ihrer Grundsätze strebt. - Soweit will es leidlich scheinen, nun jedoch kommt das große Aber. Als unsere religiös-liberale Vereinigung vor Jahresfrist zu einer ersten Beratung nach der Umwälzung zusammentrat,'war ihre erste Tat, die der gründlichen und grundsätzlichen Selbstkritik. Das Organisatorische trat völlig zurück hintef ernster Betrachtung der inneren Situation der Bewegung und der Zusammenhänge unserer Arbeit mit der übrigen jüdischen Arbeit überhaupt. Wir sprachen zwar nicht davon, wir haben aber geglaubt, damit wirklich gesain tj ü d isch e Arbeit zu leisten. Von dieser inneren Auseinandersetzung, von diesem Messen der Kräfte, in der sonst die Größe und man möchte sagen die Jugend der zionistischen Bewegung lag, waren diesmal nur ganz spärliche Ansätze zu spüren. Nur einige wenige jüngere Menschen, etwa Prinz am ersten Tag, später insbesondere Ernst Bauer, aber . auch G ä r t n e r vin seinem Schulrcferat, deuteten -an, daß es hier doch noch allerlei zu fragen und zu forschen gäbe, und daß man noch keineswegs mit den Dingen fertig sei. Völlig ausblieb die Auseinandersetzung mit dem religiösen Problem an sich; denn die Vorstöße des Misrachi blieben eben Vorstöße und . wurden lau und flau beantwortet. Mit tiefem Be-. dauern muß man feststellen, daß eine Auseinandersetzung mit dem religiös-lihera.lcn .) u d e n t u m , seinen neuen Strömungen und Kämpfen völlig fehlte. Wo waren die Männer wie Grünewald, Philipp, Richter oder etwa von der älteren Generation Kirschner, um darauf hinzuweisen, daß nicht nur der Misrachi das Recht habe, auf einem zionistischen Delegiertentag im Namen der Religion zu sprechen? Ist es da zu verwundern, wenn cjie ernsthaft religiösen Menschen in unseren Kreisen dem Zionismus den Vorwurf machen, ihn interessiere das religiöse Problem nicht? Und auf einen sehr bösen Mangel, der in der gleichen Linie liegt, muß hingewiesen werden, weil er . charakteristisch ist für dies mangelnde religiöse Interesse der nichtorthodoxen Zionistcn. In der Schulrcsolution — die Debatte hierüber enthielt namentlich zur Frage des Hebräischen manche auch für uns sehr interessante Einzelheiten — werden als Grundlage des jüdischen Unterrichts bezeichnet: das Hebräische, die jüdische Geschichte und die Palästinakundc: eine Kleinigkeit hat man vergessen, den systematischen Religionsunterricht oder wenn man das Wort heute nicht gerne hört: Judentumskunde. Sollen denn in der Schule z. R. dic'Propheten, die großen Religionsphilosophcn, die Mystiker nur historisch gewertet werden? Sollen Bibel, Mischna. Gemara usw. nur als Unterlage für hebräische Sprachstudien oder für Geschichtskunde gelehrt werden? Soll das Kind über Gott und Israel gar nichts erfahren? An diesem einen Punkt sehen wir mit blendender Schärfe, wie sehr es gerade diesem Gebiet, auf dem der Zionismus mit einer gewissen Selbstverständlichkeit die Führung beansprucht, die Mitarbeit und die sehr energische Kontrolle der Religiös-Liberalen notwendig ist. Dies auch noch aus einem anderen Grund. In allen wichtigen Kommissionen auf dem Gebiet des Geisteslebens ist dem Mis- . rachi eine Miudestquote von Mitarbeitern garantiert. Gibt es keine Religiös-Liberalen in der Z.V.f.D., die bei ' diesen Dingen ausdrücklich zu berücksichtigen wären? Hat nur die Tradition ihr Recht unil nicht die Entwicklung? Die Zionisten dürfen sich nicht wundern, wenn in den Kreisen ehrlicher Liberaler, die eine Verständigung auf geistigem Gebiete wünschen, eine tiefe Verstimmung über diese Art, die höchsten Probleme des jüdischen Lehens zu behandeln, Platz greifen würde Sie braucht aber nicht notwendig hereinzubrechen. Nachdem gerade in den sehr interessanten Kulturreferatert mit erfreulicher Deutlichkeit ausgesprochen worden ist, daß eine jüdische Kultur noch in der Zukunft liegt und daß die wichtigen Fragen des geistigen, insbesondere des schulischen Aufbaus an wichtigsten Punkten erst ernsthaften Durchdenkens und Durcharbeitens bedürfen, ergibt sich ein Resultat eigentlich von selbst: eine Bewegung, welche über allerwichtigste Probleme jüdischen Lebens sich noch so wenig klar ist und wieder andere Probleme, die großen Teilen der jüdischen Gemeinschaft das Herzstück ihres Lebens bilden, überhaupt übersieht, hat gar nicht die Möglichkeit und das Recht, einen Führungsl)r. I.uduig Holländer, tlrr jahmrftiilelaUfr, im judhieli-u'ffeuiliehen Leben eine hervorragende Holle ge»piell hat, int liaeh rüirJti heldenhaft ertragenen l.eideu in den Nachiniltag»»iuiitlrn de»!>. Februar vrrtrhiedru. Mil Holluuder, der ein Aller vun nur •III Jahren rrreieht hat. Ul eine der inarLuiite*len reMßnlieMteitrn im Jiidrntum DeulsrhlumlH dahingegangen. Die IteiKtiung findet am Mittwoch, den 12. Februar, um U Uhr, von der Allen Halle in WeißenHee au» «lall. .Mehr »I» dreißig .Inhrc lull Holländer in München und Uerlinuk Syndikus und später aU Direktor in der Arlteit deü Ojitnil-Vcreitm im führender StellegCHlnndcu, che. er mil Uflcksirhl nuf nein schwcrci* l.eiden Kndc 1933 in den Ituheiiliind ir»l. -Die im Jithrr Aufn.: SonnenleM "~ I'IUI erfolgt« Gründung de» I'hilo-Verlage« geht nuf «einr liiilinti»e xiiriirk- Aueli uoSerhnlh diene r Tätigkeit 1ml Ludwig lli>J_-— liliulrr -im. Sinne »einer Ideale gewirkt. In der »liidciili»ihni Urwegung »tand er als erster Vonilzcmler de.» gc»chafl»fuhrrndcn AiiKneniiwtc* des' KX'. an führender Stelle.^ Auch dem (»eirhrtftH- »il^Ht-hiiLt der (>r«tilflge für Deutschland gellorte er Iii* Mitglied im. Die Zeit »einer lliilte, fern von den TagengeHchüflen, lircndrle die Arlieit dieser energiegeladenen Pernunlichkeil kcincMtcg». -Nie mit eine. „Kiehtuiig" eingcsclmoren, hat er die rclipIW. Idee de» lilieriilen Judentums immer mehr in aich. auagchuiil und festgelegt. — (Siehe mich 2. Seite) oder gar einen Totnlitätsanspruch zu erheben. Sie sollte im Gegenteil das Gefühl dafür hubcn,~duß nur aus der Z u samm en a r b e i t mit anderen Richtungen ihr das zufließt, was ihr noch fehlt. Wir wollen eine redliche Zusammenarbeit auf allen Gebieten jüdischen Lehens; gerade dieser Delcgiertcntug hat gezeigt, daß wir, die wir in einem aufbauenden religiösen Judentum die erhaltende Kruft des jüdischen Volke» erblicken, unseren zionistischen Brüdern noch allerlei ganz Wesentliches zu geben-haben. Solches gegenseitige Durchdringen wird über nie in Rette- und Schrift-1 uurnieren erfolgen, sondern nur in ernster Zusammenarbeit auf dem schweren Gebiet des jüdischen Alltags. " Die Welt draußen feiert die Olympischen Spiele. Auf klassischem Roden waren diese Spiele einst ein Ringen der Besten des Volkes um den Kranz tler Gottheit.' Wir Juden haben,- so hoch wir" auch einen gesunden Leih als Geschenk Gottes einschätzten, um den Kranz doch nur auf unserem eigensten Gebiete gerungen, auf dem Gebiet des lebendigen, ewigen Geistes. Dieses Ringen hat auch heute einen Sinn: Höher als alles steht den Juden der Gottesdienst und der Dienst an seiner Gerne'lschaft. Jeder hat das Recht, in diesem Kampf wetteifernd sich zu beteiligen, Führer aher'wird auch hier nur der, der nicht mit dem Munde arbeitet, sondern zeigt, daß er an Gesinnung, Fleiß und Opfermut den Preis verdient: der Beste! ggrj ej •5 •jtigpuiype^jiogj^

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