Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 16 (1936)
- Issue
- 6 (5.2.1936)
- Date
- 1936-02-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 78% known words query
- IRI
…/4109741-2613419-2613425--644-2615509- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
:J«-r Ein hebräifcher Sprachforfcher Zum lö(k Gcbur'»tag Wilhelm Geseiiius'. Sellen halten -zwei Schulbücher eine ho große Verbreitung gefunden wir dir" ..H»biäi-ehc Grammatik" und »las ,.Hid>rfusehi- Lesebuch" des berühmten Hallenser Orientali*>lcu IJcinr. Friedrich Wilhelm G *: a r u i u s . dir v«n Anfang Iiis F.nde des vorigen Jahrhunderts den für künftige ehri-llirhe. 'llici-logen itticf Philologen l*csliumitcn hebräischen Lnleirieht an den öffentlichen Lchr- .aii>lall<-n völlig In liriTH-Inni. Di« klar*- und Icichtfaßliche AusdnirlvMv<•!>,- im ..Kleinen Ge-euiu*." Jiat dein Jturh nicht allein ir«t/. dr*> .;jin"f<(rii Stoff-, die grüßte VolKr-lüinlichkcit und jiraklische Verwendbarkeit \r'r-.rhafft, *-oiidrru nnrli viel zur Ih-lehung de-. *>eiiiiljschcii Sprachstudium-" beigetragen. \inli seine kürzeren hchrfii-chcij Würtrrbürhrr gehen über den Il'-ilarfdos Lernenden weil hhiau* und bilden in der llcirhhalligkeit' und selbständigen Wrarlu-iUni« des S*>rachrli»ffe-> einen w^'iillirli*'ii Fori schritt gcgrurdier ihren Vorgängern. Friedrich W Uhr Im Grsrniu-., der. aui *.,. i-Yliruar 17H0 in NnidliauM-it gclmern. -ich uaeh kur/rr 1^'lirtähükrit in Ilchuslrdl und (Inlli/i^i ii di r akadnuw Ik-ii Laufbahn gewidmet halte, war jahr/ehut< laug eine Zierde der theologischen Fakultät in J lalle. Infolge, seiner ^viind liehen, eine neu;- Iliehlung der M'iuitiselii-ir IMlilolngir anlul:|iriidrn G«'lrhr*amkcil und t*rin'*r' klaren Vortransarl wurde i r bald der .Mittrl-iimhl aller schien Studien verwandten Ileslrrhnngn*. Nai'h längi-rcnt Aufenthalt in Pari-, London. Oxford lind ein<-rhciidcr Be-u-hfif|j»ung mit di'ii I!üeher-chftl/en hol bindi-rhrr. Itihliulliekcu \ erfaßte rr wertmllr AHielten üher das Syri-che und Hatnarilauisrhe und lieferte wichtige Iiriirii»c yin* F.rfnt-M'lrjn^ ohomzi-cher lu-ehriftcn. \ns Orr Vrr»!riebimg mit diesm di-in I Irhräi-rhru \ er-' uandh'ti Sjirarh-tä'iuurn und der Krurüuduug de, geschieht liehen Ijilwicklurgsgaugr-. der hchräi-cheu Sprache au- .-ich sclhs! heraus zog Gi-enius. ujiler Hcnul/miu: der aus sicheren Quellen geM-hüpfleu l hcrlirfertiug. seine ki iti-i hi ii 1 olgei un»en. I» seinen hwiKogra|..ln-.rhc.i Werken stüt/ir rr M int* Ktynmlugie (lieht selten auf dir jüdischen h'ommrnlalnrru des ^Mittelalters, wie lt ns cht. I hu K s r a hih) K i in e U i - und verschaff!«■ auch »h-m a r a - mäis eheu Sprachslamm die ihm m-hnlufudr Crltiuii:. V.r Inste dir ltrliräisehf Sjiraehlnr-rlnliiL' ans ihrer Ahhäu^ijlKcit wm <ler 'llienhi^V' und >lrllte -iv «Im iihri^rn W l-sen-eha ften als chenhurli^ zur Srilr. Das M'in i'n"i(»trr Vrrdirn-1. wenn auch mauelie m in-r Frklrmiu-ien. he^tiidi*) - die l^r^ehnisM' x-mer |ihr>ni/.isrht*ii Smdien. selinii zu >ei'nen Lehzeilru anirefnehten und uaeh seinem frfih/eiliiirii .Tode am Okioher IfMli diirrh spätere Ffir>e]inu»en ülinlinli wurden. .h-drufalls hat ilcr ^niLse Hrlehrte in liiühevollsler Klci'narjieil . durch H'iue -irüudlirhe Kmutni- .vrruauiltrr Dialekte das Verständnis eigenartiger i:raunnalika]iM-Iier l'rseheiiiun^en Im He- Iirä-seher . und eine7 he-sere I laudhalHUii; meiner I'tvmoloi-ie er- M-hlowii. Die Criiudlai:«' .-einer ver-ehirdenen \YTirierhürhcr hildel das -.Hrhrju-ili-diutsehr 1 latnlw(irtrrlnirh" in zwei Hfmdnn, das spater uuier Miluirkium mrhn-rer HiTiifs-:cn(»s.j'n unier dem Titel ..I'chräisrhes und aramäisches |landwürlerhtieh zum Alten Tr-tau;eut'; eixhirn. Vnn liihrh>\.-»e-en hat er nnr i-tue ülier- -elznnir des . ,Te-aja mit rC<inuueniar \er«*iffentlieht. Als seine \wy\ orra^rnd-tr wt-M*nsehaftliche I.ci-tun-; üÜt der ..'Hiesaunis philnhiüir'is rrilictis Hu<j.ur llilirat \r n (Htaldaevr Vrte.ris Tculainniii". dnnach r.rsriiiu-* Tude _ vuii Ititetli^er zum Abschluß' -rhiaeljt wurde und durch ih'e Heichhalli^keil auf allen Fur -.rhuii^.-L'ehieiru und nm-iehli^e Fniwickluufi der etymologischen l'rh■«!• den sjiätnvn (w'ueratiiMieu eine Fuud^ruhe für die. ICrfor- -rliiinii der hrhräi-rlien Spracht? •■rworden ist. ^f. S. Rnrst. ■ dndisi hetr _Ceitiein(h'- Uerlin Iialte äi.-rheu zu einer Faehkon- Naeli einer l»e«rüßunj; duveh Dr. c-land)- mit! Dr. A.Icx ander Tfur Die Si huU erwallun-' de ihre I. e h r rr d r s 11 r Ii i f r rr ii z /u-aimnrniiriufeu. K" I e e für den Cemeintlex n da> Srhultefrrat) /eiiite Dr. H a m be r»nr. in einem Jteferat ührr das Meliräisehe im IMau der Volkssrhulc die Ziel»? auf, die die Seliulverwaltnn-; dem hebräischen Unterricht selzcn will: er *<*[\ zur Fähiukcii füliretK die ■zesproehrne Sprache richtig aufzufarsen. h-ichlcre .Schriftwerke selbständig zu lesen. Gewaitdtlir.it im mündliclien und schriflliehcn Ausdnick innerhalb dieses uahturiis: zu erreirbrn und Sicherheit in begrenzten urammati-rheii Kfvuilni-.-eii zu gelten. Fs wurden die nülineti .Methoden erürlert. ilii* Stoff**, die in Fra^e kiuimien.;mf«:e/eijit und dar- •Irtan, d-'iß nur ein tätlicher hehräisrher lTn(crrichl zu diesem Ziel führen könne, einem Ziel, dessen Vcrwirklirhnii'r allerdings v»»n einer eul-preeliendeu Fm^estaltunir der Lehrphme und deren neiieliiiiiüitn« durch die Schulaufsiclit-beltürde abhänge. Vnschlirßriid -prach Herr .N e I e r über die Fraire des hrhräi-ehru Viifiiiiii^nntcri ichis in' der Volk-sehnlr. Tin Zu- -amnietihauu damit erörterte er die Grundsätze, naen denen eine Fibel entspreebend auf/ubaueu sei. Herr hVrüjrrfui hielt ein hebräisches Hrferal über die MciIumIcu des Frwaeliseneu-lrn(cri -i )unnd üWr -eine Vrrsehiedeulieit sriienüher dem Kinder- \ ntei licln. Kr brloute. daß ein. solcher iTnterriehl ki'in reiner Sprachunterricht -ein dürfe, sondern in lebensvollem Zusammenhang: /n allen (Cidi-rhen Inhalten, insbesontlere' den religiösen, stehen müsse. Dr. T.öweuthal irab Anregungen für eine Vcreinhcillichuu^ des Unterrichts in methodischer und inhnltlieUcr IV/irliunu. Dir Schub erwaltim^ wies darauf lau. daß die Kröff- . Illing von Kursen zur Fortbildum; ibn*r hchräischen I^ehrer als Sonderklasse der llebräi-cht n Lrlirnnstnlt bevorstehe. Bann gegen Spieler Die Griechen als Lehrer — „Kubajo" in d.er Mifchna — Für Berufsfpieler verboten verpönten Karten Die ..Der Spieler ist von Gutt verachtet, weil er nach fremdem (icldc trachtet/1 Dieser mehr scherzhaft als ernstgemeinte Spxiich hatte im allen Judentum eine wirklich starke Bedeutung. Das heißt: im richtigen alten .Judentum konnte so ein Spruch gar nicht entstehen: denn — das dürfte nicht allgemein bekannt sein — das kannte keinerlei Glücks-pielc, auch keim; UnlerlialtungsspicJc im hriuigeu Sinne. Ks »ab Spiele für Kinder, aber keine für . Kruachscne. Weder lireti-. noch W ürfel-, noch Kartenspiele waren bekannt. Kr.it durch die Griechen wurden die Juden mit solchen Spieleu vi rtraut. Das i.-t besonders interessant deshalb, weil die Ägypter sehr eifrijie Spieler gewc.-cn sind. Altägyptische Würfel werden noch m Museen aufbewahrt, und auf ägyptischen Denkmälern -iuil Spiclers/enen zu sehen. Trotz ihres vierhundertjährigen Aufenthaltes in Ägypten dialn-u jedoch die Juden diese 1^'idcit-chafl nicht übernommen. Das ist auch ein kleiner Beweis dafür, daß Israel nicht so ohne weiteres bereit war, die. Sitten oder auch Unsitten der alten Völker zu übernehmen. V.i>t der 1 lelletuMnubrachte unter anderen Gebräuchen auch dai Spiel /.u den Juden, in rr.iter Linie das \V ü r f e 1 •> p i e k In der Mir-ehua wird es aneli mit dem griechischen \amen bezeichnet: Knhaj», von dem gricehi-chen A\'«»rt kubus, der W ürfel, wobei ..würfeln" -chon tu Dnpjielbcdeutung ein —unter Linständcn gefährliches — Spiel wagen gebraucht wurde. ■Kul.-j.,rechend der giieihi>c|]eu lleikuuft ms Wuiles heißt der Wiirfel-pieh*!- in der Mi-chna mV-achak h'kubajo. Der Spieler war dann wirklieh ..von Gott verachtet". Ks galt als unehrenhaft, al- Spieler zu gelten, und die allen jüdischen Gc.m izc-lrhrer \crlangtrn. daß ein Spieler u n f ä n i g- ><"iri S4»lleals Zeugt* vor Gericht zu erscheinen. Jl. J e h u tl a heu A lai allerdiiif.'-. will da> nur auf solche Spieler be.ichränkt wi.—eu. die aus dem Spiel einen Üt-ruf utarhru. Der hiin da-' niodcui-te Ib-ehl einiger Staaten übergegangene Gruud-alz, daß Spiele c w i n u e n i e h t r i n k I a g b a r seien, ja s«gar /.mückgcfotdei t werden können, geht auf eine sehr'alte (,)uel|e zurück. Kin jüdischer Schriftgelchrter iiameus Itama brn t.hama rrklärtc-Spiclgcwiintc für un r e e h t m ä ß i g <• n Besitz. Der (Iudex .lu-linianus hat >ieh r-päter die gleiche Auffassung /.» ciiirli gemach!. Aber nicht nur auf Würfelspiel, auch auf Brettspiele erst reckte sich die Verurteilung der Spieler und der Spielgcwimic. Der griechische Uisprung des Brettspiels geht gleichfalls aus der Benennung lu-nnr. Dir Bnrailha gebraucht den Ausdruck pssephos. was mit dem giicchi>chen p.---phos Stein. Sleinehrn. identisch Ks war ein Spiel, das als Vorläufer drjs noch heute besonders, unter Kindern beliebten .M ü h 1 e s p i e 1 s angesehen werden kann. Auf einem Brett waren zwölf Kinien .aufgezeichnet: die Ilönicr uauuleu dic-c- Su?et ludivs tlviodeeim scviy»*»<vvvim. Dir Uarin*i.\ia verurleiltr dieses Spiel wie überhaupt jede-: Glücksspiel, ebenso (Ins Wo! len. das* ebenfalls sehr bald in Mode kam. Interessant i-t. daß weder in -der ^li-chna noch in der Baraitha das Schachspiel erwähnt wird. Haschi war der Krstc, der dieses edle Spiel erwähnt. Allerdings hielt er cä uocli für eine Abart des Nerd-rhit, eines Bi-ctt-Würfrlsjürl«. tlas allerdinns schon im Talmud genannt wird. M a i m o n i d e s führt das S a t r c - n ose h au, die persische Bezeielumug für das Schachspiel. Den Italienern wird der Buhm zugebilligt, die Erfinder des Kartenspiel*- zu sein. Ks gibt bereits ans dem Jahre 1299 eine IIand*-ehrift, die vom Kartenspiel handelt. Tn die hebräische rtiteratur führte K a 1 o ti y m o s ben Kalonynios das Kartenspiel ein. und er ürbraucht für die Spielkarten den Au-^lruek Klophim. Das Wort „Karten" »ehrauchtc R. Isscrlein Asehkenaii in Wiencr- Neusladt um die Mitte des 15. Jahrhunderts. Doch erwähnt Isserlein, daß auch der Mainzer llabbiuer Jakob llalevi um die gleicht*; Zeit in seinen Pretligten von ..Karten" gesprochen hai>e. Wülirend die Hahbuicr im Orient die Spiele, also auch die Karleuiipiele entweder verurteilten oder ignorierten, haben sieh die Bahbinrr in Mitteleuropa und auch in Italien und Spanien sehr viel mit diesem- Thema beschäftigt. Jüdische Gelehrte verschmähten es keineswegs immer, ab und zu in gemütlichem Kreise ein Spiel zu machen, während andererseits unter ihnen auch scharfe Spirlgegnur Ihre - Stimme erhoben und, wenn es ihre Macht erlaubte, den Bannstrald gegen lh:ruf'*-pieler, gegen Glücksspieler oder gegen Spieler überhaupt schlenderten. Gegen das Spielen um Geld, liesomlcrs wenn es sieh dabei um größere Summen handelte, ertönten immer wieder sehr ern-.tr Abwehrstimmen.* Es ging dann soweit; daß man das Spielen nicht nur als ein ka=ter, sondern auch als eine schwere Sünde erachtete, uud dieser GUmlw wurde von" strengen Rabbinern, gestül;-* auf »len Talmud, noch genährt. Reuige Spieler legten vor dem Itabin ein feierliches. Gelübde ab. nicht in c Ii r zu f p i e 1 e n. Auf Bruch dieses Gelübdes stand der-Ikurn. und «wider Itabbi. der es abgenommen, konnte das Gclülulc ■ lösen oder dahin mildern, daß er dem allzu .-piclwüügeu Spieler zwar das Spielru wieder gestattete, aber die Erlaubnis nur für harmlo.-c Spich* und wenn es nur um ganz geringe Beträge ging, erteilte. Für gewi.-se Tage, ( luinukka. I'urim. bei Bes.ehneidimgen. 1 loch/.rilcn wurde gelegentlich eim* A u sn a h tu e gemacht. Zuweilen war der Rabbi so ..groLV/ngig-". auch die Neuinoudsta;-;* und überhaupt alle Tage, au denen man kein Xachaiuiii 'die Mußgehete" sagte, freizugeben. Nachdem 157(i in ('remoua die Pest gewütet halte, entstand ein heiliger Meinung-Streit .über die Zulässigkeit der Spiele. Jn Italien "'ar die Spielwut etwas zu stark eingerissen und man v;*r- Miehie. sie einzudämmen — manchmal mit. oft auch ohne Erfolg. Dal.-i am Sabbat »las Kartenspiel verboten war. lag schon darin begründet, weil mau in der Erreirung des Spiels die Karten beschädigen könnte. Am 1* es a e h durfte mau keine Karten berühren, denn der Kleister, mit denen sie geklebt waren, konnte Mehl enthalten und dalier (.homez.— Gesäuertes — ins Haus bringen! Auch in der Laubhütte sollte man nicht- Karlen spielen und nicht au I[albfeivrlagen. Kartenspielen .-ei imun*rhiu etwas Unbilliges :u:d Entweihendes. Im Mittelalter war es in manchen Gegenden üblich geworden, daß die Juden an dir Niehtjuden" die Spirlremiisiten zu liefern hatten —■ es war eine Art \V ü r f e I s t e u e r . die überdies einen theologischen Hintergrund* halle. .Mit Verdrängung der Würfel durch die Spielkarten fiel dieser Kii*fenuig*-zwaiig dann weg. Dir neuere Zeit Weiß von all diesen Dingen wenig. Spiel und' Spielerl um sind über die ganze Welt verbreitet. Spielreiptisiten wir-Schachbretter und Figuren und andere Brettspiele, Billard und Kegelkugeln. insbi>onderc aber Spielkarten sind jetzt bedeutende Tndu.-trie- und Handelsartikel und beschäftigen viele Tauscude von Menschen. Ein Verbot der Spick' wird heute nirgends mehr erwogen. Ausgenommen sind aber noch immer die reinen Glückender 11 a z a r d s p i e 1 r . die oft dem Betrüge Türe und Tor öffnen. Ihnen setzt mit Recht die Gesellschaft strafgcselzliehr Bestimmungen entgegen. Solange ein Spiel eine harmlose Zerstreuung uud Entspannung bleibt, darf sich trotz der Gegnerschaft einiger alter Rabbis auch der Jude daran erfreuen, ohne deshalb ein weniger guter Jude zu -ein, . Dr. B. Sch—f. <töottt8ifwilte in ilrn Synajroprn mil nriirm Ritiis K i t' i ( a , 7. Fr Ii iii u r. "i.l"> Llir: Lillilcnstraßi; (Snlomon- .-ki'. l"iii(liMi>li'inpi l W arsiliaiirr). Zwcili r Coinsdiciist 7-15 ül'r. 6 llir: NViir Svnasi'ig« llrasih). l.ützowslraßc. FasanciuslralV. 7 l lir: I.cvi-l7<i«flraßi: (van ilir Zyl). Sihmargcmlorf. 7.1Ö Ülir: l'rimn-nriitri^craßr .Callini r). I.ihcralc Srnn^npr Norden, Srhönlimiscr Alice Ifi'J. 7.15 Llir: ZimeC. LilK-ralc Synagoge Osten. KafscrstraEe. 30. l'Ur: Coetx. liberale Synagoge Nordost, l'reiulancr Promenade 176. 7.31) Uhr: Kluge. Liberale Syna«o»c Westend, Kaiserdanuu 78. 7.1.') IHir: I-oewentlial. Lilierale Synagoge Woddiiig-Rciiiirkeiiilnrr, Triftstraßc 63. 7.30 ülir: Kassel. Jüdische neformpemeinde. .Toachinistlialer Siraße 13. 6.30 dir: Rosentbal. Synagopenverein Wcißcnsee. 6 Uhr: Mever. .IfidUche Hcligionsgcmeinile Cliarloltenburp. Sclmlstraßc 7. 5.15 ülir. Sonn n h c n d . 8. Februar. Vorm. 10 Uhr. Lindenstraße: Weyl. Neue Synapogc: Warschauer. Früllgottesdienst: Liuden- «traße und Lcvclzowstraßc 7.30 Uir. Uberalc Synagoge Norden: Zimct. Liberale Svnagoge Osten: Goetz. Synagogemcrein Wcißcnsec: Scliriftcrkl. iVlcyer, anseid. One^ Schahbat. Jüdische Religionsgcmelndc Qiarloltcnburg, 9.30 Ulir. ^Sonntag, 9. Februar. Jüdische Reforhigcmcindc. Johannisstraße 16, 10.30 Uhr: Koppel. „Gri/ne Felder" Perc/ IFrschbrin im Jüdischen Kulturbund Percz Ilirschbcins ..Grüne Felder" sind dem Berliner Publikum kein. Neuland. Vor zwülf Jahren bereits wölbte sieh über ihnen der gleiche Imhnenhimmel wir jetzt, als die Wünaer Judenspieler dem haruilo^-hrileren Dorfulyll im ehemaligen lleiTnfeld- Tlieater in jiddischer Sprache zum F.rfolg verhalfcn. Auch die Habima hat es in hebräi.-ehcr Fassung uaeh Berlin gebracht. Der Jüdische Kulturbund spielt es in einer deutschen Übertragung von tv**o Hirsch, und es ist nicht ganz unberechtigt, wenn ihm Julius Bah im Programmheft einen Entschuldigungszettel schreibt. Seine Bearbeitung befremdet in manchem, vor allem deshalb, weil sie gern die sprachliche Diktion des Originals wahren möchte, ohne es uns dadurch nähe zu bringen. Wenn die kleinni_ssischcn Bauern sich mit einem ..Helf Gott*' l>egrüßenr wenn Rhythmus. ■ Salzbau uud Tonfall unentschlossen zwischen Osten nnd Westen pendeln, so wirkt das .irritierend, um s<> mehr,'als es dem Hegi-vseitr Fritz J e s sner nicht geglückt ist. die Schauspiele^ sprachlich in Zucht zu nehmen, und er jeden nach seiner Facon de parier selig werden läßt. I Icrbert G r ü n b a u ni kommt aus ganz anderen sprachlichen Bezirken als seine heimliche Braut Gi:ia F r i v. d m a u n (Pctruschka), Jenny B e r n s t c i n - S c ii a f f c r s „Weh ist mir" klingt nicht mit Lilly Kanns Redensarten zusammen. Selbst 'die Aussprache der hebräischen Ausdrücke ist uneinheitlich. Große. Probleme werden keinem der Beteiligten aufgegeben. YAn frommer, weltabgcwandtcr junger Mclamcd, der durch das Land wandert, um Beschäftigung zu suchen, den Kindern Lesen. Schreiben und fromme Bräuche beibringt, wird aus-dumpfer Talnuidsrhulc in die grüne Natur des klcinnissisch'en Dorfes verschlagen, nnd er wird abbabt ohne sein Wissen und ohne seinen Willen heilig' liegchrtcs HeiratHibjrkt. Zwei .cinfnehc Bauern reißen sich um die Khrc, ihn bei sich zu beherbergen, nicht ohne familiäre Nebenabsichten. LTm ihn. den reinen Toren der Tora, fließen Mädchentränen, brausen Familien^türme. Knalleffekt, wenn dir kleine verliebte und zicllwwußte Zinc dem jugendlichen Rabbi iK-im absichtsvollen Überreichen eines l>a-Apfels einen Kuß versetz), dessen Folgen, wie sirhs beim Volksstück gehört, zwei Lustspiel-Ehen sind. Diese jüdische Dorfschönheit ist Elle Moses, ein eben erwachtes Luderchen von frisrher Naturfarbe und keckem Draufgängertum. In der Gestair de* unbeholfenen, teils ver-, teils rdierlcgcncn slubcjthlcichcn Lcvi-Jizchnk führt sich der Regisseur Nikolai Eljaschof als vielversprechender Schftn^piclcr ein. Er hat die ergreifende still-demütige Gelassenheit des gottgclehrtcn Jünglings, der weder den Blicke für die Stallltewolmer noch für die grünen Felder hat. Und wenn er von den primitiven Bauern um Rat und Hilfe angegangen wird, dann hat .er Gang. Haltung und Gebärden eines erfahrenen, alten veißbärttgen Rabbi, ohne der Situation ganz Herr werden zu können. Seine Gcstaltungsfähiskeit zeigt sich auch in einem feinen* über das blasse Gesicht huschenden Lächeln und dem unterdrückten Ausbruch plötzlicher Freude, wenn er einen verbotenen Biß in den Apfel tut oder entdeckt, dais das Mädchen sieh heimlich dir Kenntnisse der hebräischen Schrift angeeignet hat. Da- Bühnenbild verrät die Liehe'und Sorgfalt, mit „der "Heinz f* oudell sieh solcher Aufnahm unterzieht. Der Beifall war freundlich. E. Ta. Berliner Konzerte Die \\ inlerliilfi' der Jüdischen Gemeinde hatte den hübschen Gedanken, ihren Milnrbrilcm ihren Dank durch Tunladung zu einem Knn/crl zuni Ausdruck zu bringen: der ersle derarlige Abend, dem ein weiterer in der F n s;i n e n s t r a ß e gefolgt ist. fand in der IV e u c n Syna'goge slalt. und der überfüllte nicscnnuun gab einein so recht den Begriff von der Größe der Organisation, die hier am Werke ist. Der Vorsitzende des Gemeindevorstandes. Heinrich Stahl., sprach schlichte herzliche Worte des Dankes. — Musikalischer Leiter des Abends war Leo Kopf, an der Spitze seiner Jüdischen Chor- und Ore h c s t c r v e r c i n i g u n g : er brachte eine in den Tempi gilt angelegte ..Don .Tuair'-Ouverlürc nnd erwies mit dem Chor ..Stimmt an die Saiten'1 ans Haydns ..Schöpfung" wieder seine starken Fälligkeiten auf dem Gebiet des oratorischen Chorstils; sehr schön gelangen ihm auch zwei jüdische Liedlicarlicitiingen. von denen Oskar Guttmanns ,.Schloflicd" harmonisch eigenwillige, aber überzeugende Wege -beschreitet. Hermann Scliey und Alfred Wittenberg: zwei Solisten, die — jeder mit seinen Mitteln — an Adel des Klanges und Kultiviertheit des Geschmacks wetteiferten! — Im zweiten Teil gab es — mit Alice [Linnes- Cas'sirer. Lueie Glaser. Else Loewcnhcrg. Hertha firntli nnd B. Bestimmt als weiteren Mitwirkenden — ein größeres Fragment aus dem „Elias". Willv Frey und Josef Bosen stock hatten sich wieder zu gemeinsamem Musizieren zusammengetnn. Der erste Konzertmeister des Kulturbunds vermittelte besonders in der Teufclstrillcrsonate das Bild virtuoser Kennerschaft, die sich mit einem kräftigen geigerischen Temperament zu gerundeten Leistungen verbindet. Rosenstock .verleugnet auch am Klavier nichtden Impuls zur Führung, den wir an ihm kennen —r natürlich ohne das Zusammenwirken zu gefährden. Unter den Werken auch Tlrntst Mortis ..Baabchcm": Wieder einmal mußte man sieh überzeugen, daß dieser Komponist nur zu oft eine dünne musikalische Substanz durch aufgedonnerte Bearbeitung verdeckt-, chasonales Melos, ganz aus dem Geist der mcnschUchcu Stimme gezeugt, widersetzt sieh überdies zumeist, der Instrumentierung. Wir wünschen uns eine jüdische Kunstmusik wahrlich gesünder und herber als diejemge Blochs! — Der Abend, der mit Bach und Beethoven begann, fand herzlichen Beifall und schloß nicht ohne Zugaben. Ein namhafter Pianist, Prof. Michael Wittels, stellte sich, eben erst von einer Palästina-Tournee zurückgekehrt, in einer Veranstaltung des E11 c r n h i 1 f s w c r k s dem Berliner jüdischen Publikum vor. Sein Bachspiel ist clienso ausgezeichnet, wie sein Verhältnis zu Chopin und Schumann offenbar nicht das rechte ist; hatte man in der B-dur-Partita seine Freude an der gläsernen - Klarheit mid Durchsichtigkeit des Klaiiggcfüges und an der cembalomüßigen Dynamik, so vermißte man dann bei den Ro-