Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 16 (1936)
- Issue
- 6 (5.2.1936)
- Date
- 1936-02-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/4109741-2613419-2613425--643-2615508- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Beilage 5.. Februar 1936 JÜDISCHE AUGEHHHE Z£ITUMC Der „fchwarze Schwan Israels" Zum 60. Geburtstag Elfe Lafker-Schülers am 11, Februar 1936 Von ALI GALLINEß ..I» Elberfeld an tler Wupper geboren, in Gedanken im Himmel, betreue ich die Stadt Theben und bin ihr Prinz. Jusuf. leb bin weder siebzehn noeh siel>enzig Jahre, habe keine Uhr und keine /eil. .Meine Bücher laufen so Iwrum und wurden einmal im Meer ertrinken. Geld, habe i<-'h einmal sehr viel uml einmal gar keines. Mit fünf Jahren diehtetc ich mein erste»' .-Buch."- So beginnt Else Lasker .eine Lclicusskizzc. Sehen der Anfang dieser kleinen Skizze ist charakteristisch für sie- Zwischen diesen teils ironisierenden, übertriebenen; teils ergreifenden, erschütternden Worten flattert die zerrisscue Seele eines Mensehen, dessen bürgerliche Existenz mit der künstlerischen in stetem Hingen liegt. Aber da finden wir andere Stellen: „Welt liegt in Welt, wie Mensch'in Mensch.-Tier in Tier und Baum in Blatt und umgekehrt, . Blatt wieder, in Baum und alles in allem und All iu Gott", und nun offenbart sich eine Dichtcrscclc* lyrisch empfindsam, mit persönlicher Sprache, die in den vielen Gedichten Else Lusktr-Sehülers ihre ganze Eigenart spiegelt. Da sind die .,11 c b r ü i s e h c n Ballade n'\ aus deren. Versen ein innerer. ,von der Sonne des Orients überglänzter Reich- ''tum (UliIIt. Gestalten der Bil>el werden umgeformt, nach eigenem Bilde geschmiedet: „Pharao hat ein träumerisches Herz, das. iu süßer Liebe zu Josef jweht", „Zcbaoth ist ein Götterjüngling", Josua kennt sie als „den wilden Juden", David und Jonathan „buntumschlungen, deren Knabenspicle weiterleben im Stcrnt: und in „Ruths Augen blühen süß die Blicke Boas und füllen' sich, wenn ihre Augen in den Schlaf wandeln". Hier enthüllt sich die jüdische Urscelc iu östlicher Pracht. Ihre in den Abend färben Jerusalems verglühende Seele singt von ihres Volkes stolzen Legendengestalten, von Eva', Rüth, Sulamlth, Esther. — Bilder werden hervorgezaubert, mit wilder Sprunghaftigkcit, ekstatischer Verzückung, oft unruhig, flackernd, oft glutvoll übcrliitzt — und darum nicht immer gleich, gleichwertig. Neben diesen Balladen und Gedichten hat sie Prosawcrko geschaffen, die den Eindruck dieser tief erlebenden, dichterischen , Persönlichkeit verstärken. Da ist ein Schauspiel: ,;D(c Wupp c r"; in einer Augustnacht geschrieben. „Allerlei gute Geister. Mücken. Nachtfalter und auch Leu cht küfereben setzten sich auf meine dichtende Hand, und gemeinsam mit dem Finger des morgen rötlichen Lichtstrahls durchblätterte ich die vielen bcschriehen?n Seiten. Bange Jahre gegoren, floß die Wupper durch das Gewölbe meines Herzens aus dunkler Eriimcnmg gepreßt, eine a\\e. schwere Schauspielauslese, eine böse AxbeitcrmiiT. die sich niebegeben hatte, alicr deren Wirklichkeit phantastisch ergreift/1 — Da* S;ürk wurde einige wenige Male in Berlin aiifgcführl. ist in Elberfeldcr Mundart geschrieben und zeitigte nicht vollen' Erfolg. Hier, wo ihre Phantasie einen bestimmten Weg gehen will, entstand nur ein chaotisches Gebilde; 2u wenig spannende Handlung, innerlicher Mangel ■ an Stoff, dazu die Schwierigkeit der mundartlichen Form. Die Dichterin bemerkt selber dazu: ..Feh war iu schüchtern, bei der Annahme meiner ,Wuppcr das Dculsvhc Theater zu bitten, .m c c k den Amadeus med dem gläsernen 1 lerzen speclen to loten! Die Würze hat dorfuiim gefehlt, die .Magie; in dar Bouillon'." ■ Aber dn sind andere Pnwnslüike: ,.D c r W u n d c r r n l> b i von Barcelona", ,.D;i* IVlcr-Ilillc-Burh", dos nie dem Freund widmet, und den sie zu ewigem Legendenleben wieder erstehen läßt. Essav$. die sie-^..C e s i eh l c" nennt,-.,0 c r Prinz von T h e b c u*\ - eigenhändig von ihr koloriert. „Die Nächte der Tino von Bagdad", gleichfalls l'elrr Hille gewidmet. .,Meiu I! e r /.", der erste Kornau; iu Briefen alltäglichem, jdlkläglichej* Leben und Treiln-n aus einem Litcralcucafe mit Licltc nltcrsonnt. und "neuen: Bücher, unter denen der Es^aybaud ..Das Knnzert" - durch seine Buntheil hervorleuchtet. Sie alle Mtid Hekciuituis.se einer tief erlebenden, dichterischen Krau. Peter Hille hat diese jüdische Dichterin den ,.schwarzen Schwan Israels'* genannt uml sie charakterisiert als eine ..Sappho, der die Welt entzweigegangen ist". Eine Frau, über deren Kindheit und .lugend in (''Dierfeld in dem schönen Haustam Walde purpurner Himmel leuchtete. Sic liebte den Wahl. „Mit tler Schöpfung der Pflanzen l»eginnt die Barmherzigkeit", lieble seine Vögel, die lielle und dunkelgrüne Lieder saugen, und die Eichhörnchen, die sich Nüsse vom Baume holten, sie recht vorsichtig ans der Umhüllung, hcraussrhfdlen und die beiden unschniaekhaflcn Hälften dem Kinde in den» ' geschürzten Rock warfen, liebte die Bäume, die sie l»elauschte, wnd den Abendhimmcl. „Wenn der Hebe Gott neue Sterne über * den Hiinmelstcppich streut und »eine spielende, uwige Hand davon eine Anzahl vermischt, entsteht der Komet mit M'iner goldgcspreukeltcn Pfauensrhlcppc." Schwe.r und von Dornen umkränzt ist der weitere Weg. Zwei Ehcii, eilig geschlossen, werden gelöst. Erst iu einer dritten Ehe findet sie den Mensehen, von dem sie sagt: „Meine dritte Heirat darüber möchte ieh nicht sprechen, mau könnte ihn mir sonst abspenstig machen". — Schwer auch der Weg zu dichterischer Anerkennung-,' schwer zu materieller Existenz. In ihrer kleinen Schrift: „Ich räume auf'1 Itertchlel sie ohne Rücksicht auf hoch uugedruekte Manuskripte mit «iffcucit uml erschütternden Worten von der Not de* schaffenden Künstler*; Min ihrer Not und von ihrem Kampf, erzählt, wie sie viele Jahre genötigt war, Geld zu leihen, gehetzt durch die Straßen zu rennen, .,übcr die bunten Gärten meine* Herzen.-**'hinweg", hinter Holzgittcm zu wohnen,' in einem ehemaligen Flaschen räum, in einem Käfig des Kellers, den der Portier ihr gclicimuisvoll, aber großzügig für fünfundsiebzig Pfennige monatlich auf seine Rechnung und Gefahr vermietete. . Auch nach Erscheinen mehrerer Bücher wnnkt die materielle Not nicht. Das sind traurige Jahre, Jahre, die durch den Krieg, gehen. Das Bitterste alier stand noch Iwvor: ewige Trennung vom Sohn Paul, dem hoffiumgsfrohen und lioffnuugsvollcn jungen Maler. Sie bricht seelisch und körperlich zusammen. Doch die Gelöste findet sich nach dunkler Nacht wieder in ihrer Arbeit, findet sich in den vielen Gedichten und Prosawerken, mit denen sie den Kreis der Freunde in den letzten Jahren beschenkte. keil verführt, aber vom Jordan umspült. Wer \enuag mich /u Tntreißen dem uralten Jchovagcbein, dem uneiM-hütterlichen l-VN! Prüfungen hc>(cht der Jude täglich, Schmach M-hfueekl mmicui (•auineu bitter, aber es entstehen Kräfte aus ihr, doch niehl jedem .luden gelingt c-. den Erzdufl im Blute zu erhalten.' Me-*ia-: der -chtin einmal auf Erden'wandelte, für t|ic>c* (•c-.chenk de> Hinum-U weder »he Juden noch alle anderen- \ölkcr reif \wucn. e» m iH-wcrlcu, und zu bewahren in M'iner Echtheil. ..er kam nicht etwa, die Gt-M-ize mnzuttoßeu. nlwr sir zu erfüllen". Den Ülni-Ltnd seinem Volke-» maß er. Trübungen klärte er, und die l.auhcii verwarf er, aber auch Streitigkeiten zu schlichten, \cr»u«hte er. Er wird wiederkommen am Ende der W ell, tler verkörperte \ er «•öhmmgHtitg, der Mc»i»<». Denn nur die Versöhnung «Her Meii- M-hen vermag zu rilieln-u und zu erlösen. Ein Stuhl um den Ti*eli bleibt für Messias frei, aU Kind legte ieh ihm mein >rhr>n*lci Spielzeug zwischen Lehne uml Silz verMcrkt. Er würde es finden. Das Fasten de» Magens ist es nicht, wenn die Seele nicht jedes Tandes entkleidet schimmert; ,(PIntzinneben für Gott". Auf da> Karlen der Seele, darauf kommt es au, «leim i'u diesen großen Stunden soll sie sich füllen mit unerschöpflicher LieU' de» Vrrsühnungslagcs. An« ,.n.i« Kt'iut-tl" von Hlsi* L.itki-r Scti üUt. Rowtililt Wi-jk lU-rtln l!Ü2 IMe 6iböl im ßü6c t äto ucr figifpuir burchsrob Ifteer. 2 Aulimtime: SumiFttU-ltl ' Die Arbeit cinrn Vir r/r hn jährigen Das Geburtshaus Von KKIKI1A VAM.KNTIN ivllislvcrsläildlichcr Gepflogenheit uml. Pflicht griuäU wollte, ich jungst, wie alljährlich, die Grillier iiiciiicr.-rlttrm besuchen, <lic auf dem Friedhof «hier kleinen' l'roviuzstadl zur ewigen ltuhe urlrcltcl sind, wi> Uli iliw I.irlil ili-r Well rrlilii'kl IiuIh?. VkllficTil »ind «•> ^rrnilr <Hr (»rfilwr miM'rcr 'lolrii, ilic im» I.oIk;ii<J<-ii mil jenen Slülleii in Ik-rüliruiif; uml Verliiu<liilig hallen, die lüu^it hinter mw Hegen; Statten, die nur nwll den Clcdunkrn au nie wnrlilinlleii, elieu weil iiiim-tc Toten dort .ilirai lel/ten Seliluf »rlilufen. AU r nueli Slullrn. die ihm »Ix Crlmrtx- »Indt und Krinneriing ml frohe .Iimeiidtnge unvergeUlieli Idrihen» Wenn ieh von den Statten de» Tode» wieder in die liekunnleii ulien CäUrhen und SlrnUeii zurflckkclirle, ito war e» »Irl» ein froher Cedunke, die I'lül7* wicdcrawelieii, mit denen ini» Kindheit und sorglose Tage der Jugend verhundcii hielten. (»eliurtidiitiM und Seluilhaii», du» Mau» der Crußelteni — und hei diennii Slreifni an allliekuuntrn llüiiwrii vorhei, du tauelitcii denn aurld Mi'ii»ilieii wieder vor im» auf, an die man Iniige nieht geilailit uml die mau vielleirht au» den Augen verloren hin.' AI» ich nach langer Kincilhahnfahrl am Buhuhof de» kleinen Orte» auwificg, war e» »eliou Nachmittag — e» war »cImiii dunkel. In der Diink-ellieit iialiui ieh den mir vertrauten Weg weit dmiiUrii zum Krtcdlmf. Die 'l'ore. waren »dum ge»chln*icn. Den I'färtiier mochte ich'nicht uuhuchen. So »ehicklc ieh von der Kerne meine »rliwcrniütigrn Gedanken zu den Toten, die im Ncliel hinter den Gittern lagen. R» war Narht gcwordcn._pcr Zu(j zurück ging cpil in ein paar Stunden. Niielidenklich-»chrilt ich durch, ilie . iiienwheuleeren, mir einst »:► liekannteu Caswen, um noch einen Alineldrdn- Idick auf mein Gchurlshnus zu werfen. Vielleicht da» letzte Mal im Leben.' Al>«r, wa» war da»? Matte «ieh die Stadt vcrlindcrtV Wjar es eine Sinnestäuschung der fichertuift erregten "Nerven — mein Gchurtshau» ist abgerissen! Die S[iitzhilirke halle gründliche Arbeit getan — eine neue SlrnJScnfliieht wird dort angelegt. Da» Gehurtshuii» — för jeden Mensclten spinnt »ich' darum ein ganz .besonderer Kriiincmug»znuhcr. Wer weit in der Well gewandert i.l, wer in die Großstadt verachhlgen Wllnle, den treibt r» immer wieder gern in die Heimat zurück, an die Stätte der Kindheil. Selbst die, die in dcrscllien Kindt blcil>en, werfen iiiimei gern einen Blick zurück auf. da» Hau», wo »ic zur Welt gckommci.' sind. Sie zeigen es »pfilcr ihren Kindern und Kinilr»- kiiidcni und "freuen sich selbst in der Krümcrtuig uu laugst vergangene Tage. Mein Geburtshaus ist abgerissen — — —' wir kuimleii un» nun schon mehr al». ein hallic* .Jahrhundert ~ immer fand ich, daß -die Zeit e» lauge nicht ~»o »lark mitgenommen halle wie mich, wenn ich. alljährlich an. die Statte zurückkehrte, ^rml muß'e c» weichen,' um I'latz für Neues zu »chnffeii. Mehl als fünfzig Jahre ist es »chon her, daß ieh vor «einer Tür,- auf seinem Hof meine Kinderspiele »pielle, die Treppen poliernd auf- und niederjagte, ilic Geländer herunterrutschte es-ließ sich alle dummen Kinilerslreiehe ruhig gefallen —'• wir warfen ihm mit Murmeln die Fenster»chcihcu ein, e» muckste ^sieh nicht -wdesto mehr aber der. Valcr, als er die Herhiiung lieim Glaser bezahlen sollte. Alles stellt heute wieder vor mir, wo e» nicht mehr »tehl, das Geburtshaus — wo mögen die Spiclgcnonscn von iluinaU gehlieben sein? Manches Gesicht au» jener Zeit taucht auf, darunter auch'manche» eines Juden. Wo mögen nie sein? Auch für mich heißt es Abschied nehmen. Nur noch die Erinnerung bleibt mir an das, was ich «n dieser Stätte der Kindheit, in diesen Räumen erlebt habe —^und traurig schleiche ich zum .Bahnhof . .-. Elfe Lasker-Schüler fchreibt: Von Vater und- Mutter In Elberfeld im Wuppertal, wo meine teuren Eltern so viel Gutes taten, besuche ieh alle Jahre die heimatlichen Grüber und wandle durch die Gänge unseres morschen Hauses. Mich besternend, betrachtete icli als Kind so gerne da* ehrfurchtsvolle künstlerische Pricstcrantlitz meines Urgroßvaters, der, Obcrrabuni von Rheinland und Westfalen, in reliöscm und politischem Heile seiner Gemeinde .Oberhaupt, so weihevolle Jahre Frieden brachte. Die Legende erzählte: Er habe sein Herz aus der Brust nehmen können, was er nach kühlen'staatlichen Konferenzen zu tun pflegte, um den Zeiger des roten Zifferblatts wieder nach Gottosten zu stellen. .Mein Urgroßvater licbmüttcrlichcrscitS;, spanischer Jude, Großkaufmann, Scnor. Pablo, Vater des Vaters meiner juti^verwaisten tcucni Mutter. Derülicrsicdcltc unter dem in England angenommenen Namen Kissing nach Süddeutschland und pflanzte auf den Bergen Wein. Nahm sich eine Dichterin, die wunderschöneblauäugige Johanna Kopp, die Tpchtcr einer angesehenen bayerischen Judcnfamilic. zur Frau.; Wir Enkel noch tragen ihren blauen Ehering um die dunkeläugigen Kuppeln. Von meinem Vater, dessen Tod man in den Zeitungen mit den Worten den L*scrn kündete: Der Till Eulenspicgel von Elberfeld ist früh am Morgen gestorben, ehrt es mich, zu berichten, daß er. der vierte Bruder von ■ dreiundzwanzig Geschwistern, sich des Lebens ausgelassenster Laune erfreute in seiner Geburtsstadt Hexcngäseke zu Westfalen. Dieses kleine Städtchen, berühmt durch seine ticrgcschnittencn Hecken, diente meinem Vater zu seinen unsterblichen Streichen. Den letzten, der für ihn hätte ernstere Folgen nach sich zielten können, absolvierte er in der »eistliehen Kaplanstadt Paderborn, wo er das Gymnasium täglich schwänzte. Noch heute spricht man im Biedermeierzimmer der altmodischen Häuser beim Kaffee von der Menschen- und Schinkcnknochcnafffire, die dazumal die Einwohner in Schreck und Spannung versetzte und die nach des Spukes Aufklärung mit Besserungsanstalt oder hoher Geldstrafe für zwei Sekundaner, meinen sechzehnjährigen Vater Schüler und seinen Freund Padcrstcin endete, deren Väter weiland wohl oder übel 'die Sünden der Kinder heimzahlen mußten. Mit Vorliebe beschäftigte sich mein .Vater mit dem Bauen der Häuser, namentlich der Aussichtstürme der Sladt und ihrer Umgegend, die sieh immer zu hoch verstiegen, jedenfalls der Nachbarschaft Sorge für .Haus und Hof, der. Hcrbststürmc eingedenk, verursachten. „Wegen so ein paar verfluchte, vermaledeite Ställe bin ich gezwungen, meinem Bau den Kopf abzuschlagen" dröhnte meines Vaters choransch wellende Stimme frühmorgens durchs Haus. Man vernahm sie schon aus einem andern Viertel clcr Stadt, die schwamm geradezu auf seinem vollen Bariton. Wir Kinder im Versteck lauschten, noch ungewiß, was sie bringen könnte. Ich mußte mit ihm als sein jüngstes Kind die Gerippe der Neubauten lwstcigcn. Wir bebten zwar beide wie Espenlaub.. Er war gezwungen, ein reicher Mann zu sein, bis zu seinem Tode, und nach seinem Ableben bescherte er die Leute noch mit seinen ihn . überlebenden Anekdoten. Damals ' war noch eine herrliche Zeit. Von den Armen nahm mein Vater keinen Mietzins: denn wer in «einem Hause wohnte, der wohnte auch in seinem Herzen. Und ieh bin stolz darauf, da mfin Vater sieh ganz ausgab, kein Heimatloser heimatlos blieb, daß die eigne Tochter für seine Weilherzigkcit zeugt, nicht eine Slulie besitzt, gar kein Fleckehen Erde erbte. Schwatzsüchtigen wurde es nicht schwer; mich mit allerlei sensatiouseifrigen Gerüchten zu bekleben, der wollte das. jener dies von mir erfahren haben. Ich flüchtete immer durch die .liebevollen Bäume des Woldes, über Wiesen, ieh Hebe jede Blume — heute eile ieh ans Meer, und überall blicke ich nach einem heimatlichen Boden aus. Wer von uns hätte den gefunden- und nicht erlitten des Heimwehs ipialvollste Angst. Fand ich denn einmal die Heimat — in deinem Augen;— durfte ich auch dort* nicht rasten. In der Nacht meiner tiefsten Not erhob ich mich zum Prinzen von Theben. Welchen Almen nachfolgte ich, welche Mumie salbte meine entschlossene TntV Jofeph wird verkauft Die Winde spielten müde mit den Palmen noch, So dunkel war es schon um Mitlag iu der Wusle. Und Joseph sah den Engel nicht, der ihn \om Himmel grüßte, Lud weinte, da er für des Vaters Liebe büßte, Und suchte nach dem Cocos >eine» schattigen Herzens doch. Der bunte llrüderschwarm zog wieder nach Gottosten, Und er bereute seine schwere Untat schon, Und auf den Sandweg fiel der schnöde Silberlohn. Die fremden Männer aber ketteten flu» Jakobs Sohn. Bis ihm die Häute drohten mit dem Eisen' zu verrosten. So oft sprach Jakoh inbrünstig zu seinem Herrn, Sie trugen gleiche Barte, Schaum, von einer Eselin gemolken, Und Joseph glaubte jedesmal, —• ***in — Vater blickte ans den Und eilte über heilige Bergcahüheu, ihm nachzufolgen, [Wolken... Bis er dann ratlos einschlief unter einem Stcni. Die Käufer lauschten dem entrückte« Kualwn, Des .Vaters Andacht atmete aus seinem Haare; Und sie entfesselten die edelhlülige Waare. Lml. drängten sich, zu tragen Kanaans Prophet in einer Bahre, Wie die hebürdeteu Kamele durch den Saud zu tral*cn- Ägypten glänzte feierlich in goldenen Mantel färben, Da dieses Jahr die Ernte auf den Salbtag fiel. Die kleine Karawane — endlich — nahte sie dem Sie trugen Joseph in das Haus des Potiphars am Nil. Au seinem Traume hingen aller Deutung Garben. Ziel. Verßihnungstag "... Eis ist schön, Jude zu sein, ist man ihm nie aus «lern ^cg gegangen, um eher das. Ziel zu erreichen, ist man ihm. treu geblieben und mit ihm verwachsen, von keiner äußeren Nichtig-