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Jüdische allgemeine Zeitung · 1936-01-29 · 5 (29.1.1936) · page 6

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
16 (1936)
Issue
5 (29.1.1936)
Date
1936-01-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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AUS DEN GEMEINDEN Hamburg. Der Kulturbund veranstaltete unter Leitung von Generalmusikdirektor Slvinl>c.rg <-iu K«nwrl «le* Orehesters des jüdischen Kulturbundes Hin iu-Main. Das Programm enthielt SchiilMrri.s 5. Syriijifioiiif * B-dur, Mozarts ..Kleine Naehtmutik" und Bccthown*, ,.Eroiea". Da-. Publikum war von den Darbictuiigen (Üin> Klangkörper» U-geisterl; einige kleine Entgleisungen des Hornisten in firm zuletzt genannten Werk konnten den Oitliß nicht besinliäebtigen, - Das J(eprä--4*iilanlcitk<dlcgimn »Irr Drulsrh-Israrlitisehcn Omcjudc wurde für zwW ausgeschiedene Mitglieder auf Gi'iiim) ih r M'iner/cit aufgestellten Fisatzlisien durch Dr. Htidolf .Mölln- und Frau Tilli Xuntz ergänzt. IUUU; sind zionistisch eingestellt. - Am '.). Februar findet in dm Sitzungsraumen 'J<T Deutsch-Israelit lachen Gemeinde '"ine Tagung des großen Au» sehn des. 'Verbandes der jüdi-chcji Gemeinden Siüleswig-II.dsteitis und der I Jausetfädlc Malt. Außer der Ucraiim» gci-rclnMt.ieiicr Angelegenheiten. wird Landgcjichtsral i. B. Dr. Lilieitlhal,' Berlin, üImt das Thema „l'iiscrc nächsten Aufsahen"' sprec-hen. Der. Vorsitzende des Trin(>c)-Verbandes, Herr Danii'l M fl n d «• u « feiert«: am 20. Januar' seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar war viele Jahre Mitglied des Ucpräsculaiilcu-Knllcgtuius *\v,r Deutseh-lsraeliiisrhrn GjrineSmh- und wurde er J*>33 als Nachfolger drs verstorbenen 1 Ii-juricli J^ vy zum Vorsitzenden .erwählt, Herr Münden hat .sich große Verdienste um diu Entwicklung des jüdischen liberalen Ixheim rrworl>cn. Kr rief im Jahre 11* 1H den Jüdischen Srhulvcreiti ins leiten und ist Mitgrfmder des Jüdisch-liberalen Geiueiiidcverriiis. Hrrr lirnry (.' h a s s i-1, Vorsitzender «Irr Neuen Dauuulor-Syiiagogc und lieitcr 'drs 1 lilfsvcrcin* der .luden in Deutschland, \olIcjidct am 24. Januar sein 60. Lei m-us jähr. -- Der Kulturhund hatte einen gnißen Erfolg mit der Aufführung des Schauspiels ..L j «• h c 1 r i" \nu Sehnilzier. Julius Kohler schuf einen alten Musiker, wie er lebenswahri-r nicht gestaltet werden konnte. Edith UcmsIiJc erzwang sieh hei offfenrr Szene erneu Beifallssturm. Auch die ührig<-n Darsteller, "Anclise Tüpfer, Liselotte ■ Golm. Hermann Srlnndler. Carl-liciuz Ja ffr. Fritz Melchior waren auf der Höhn. i:. v: Landau, Im Käufe des Wintere entfaltete sieh ein reiches Gcinciiidch Iren. Vorträge aus \ersrhicdenslfn Gebieten des jiiili-ciicn Lebens hielten Dr. SteiufeM und De. Licht-Mainiheiiii. Dr. Wcikr- .Munehru. Dr. Diira Kilin»er und Prüf. Dr. Itoijdy-Frankrurl a. M. Giit hrsuehle \ ei>-autmhiu^eu lies \'ci h.uidi - Israel, f.ehrer und Kaulori'u der Pfalz und dr> israi'l. Fraucnvercins fanden Malt. Oer neu Ins Lehen i;.*rufene Kultttrlniud uiufaUt 'M't Mitglieder. Der \"nr>ilzendr ilrs Vrrhaudr> der I.-raclilisehen Kulllis- ^emeiiiden der Pfalz. K o m*ni r z i c n r a 1 A I Im-r I Joseph, wurde * am 22. Januar 70 Jahre all. Der Juhilar hat hei-\orra^emlen Anteil daran, daß vor VJ Jahren sieh die Gcmcimlcu der Pfalz zu einem Verhand zusammengeschlossen hahen. In der Führüri» dieses \erhandes hat Konimcrzien'rat Josejdi Mleihendes «eleistet. Kommerzienrat Joh;[>1i ist Mitglied des Präsidium .des Verbände.« llayeri«ehrr Israelitischen Gemeinden, Mitglied des Heirateder Heiehsvertrelung der Juden in Deutschland sowie Mitglied des" Ausschusses des Landesverbandes Pfalz des (Yulral-Vc-rcins. Muinhrn. luii'-rhalh der Kulttisgemrindt- München werden vom Ja.uuar bis März versehirdene Kurse und Arbeitsgeinciu«chafteii veranstaltet./ So finden ein ltilM-lkiirsiis des Jüdischen Frauenbünde.«; stall. hehräL-ehc Sprachkurse, SehuhuigskurfC für Jugcndführcr und frenids|irai'hliche Kurse. Kirn* Arbeiisgenieinsebaft unter f^-itiuig \on Habhiuer Dr. Itairwald wird Gedichte von Jehuda Halevv behandeln, eine Ar1ieitf:geniein?chaf( von Dr. Ludwig F«'m'lil\va»«e*r die Gesebiihle des .Indiiiiums vor der Zerstörung des zweiten Tempels und Dr. Werner Cahmuaun wird ii| einer Arheitsgcmj'iuselnifl die Itüekkehr zum Judentum nach Hriefen und Dokuuicut4'ii \on Franz lloM-n/.wei^ erörtern; Außerdem sind vier F.infuhriiug?:- \oiiräge'zum Scder;\l>cnd ueplant. \eu-ladl a. d. ILtrdt. Fnt.r Leituuir \on Idz.-Uabb. Kurt Meizger-Ijuidau hielten der Kiuderelioc der Laudauer Synagoge, und einige kün-tleri.-ehe Kräfte der (•eiueiuilr Landau eine'W'eihestundr y.ugini^ten der jüdischen W'intcrliilfe a!>. hei der u. a. der Kindel « Inneine Heihe profaner und liturgischer Lieder klang- -<hnn und sieher zu Gehör brachte. Den Abschluß bildete ein Spreehchor „Der ewige Weg" ans dem „Jeremias" von Stefan Zweig". Hczirksrabbiuer Dr. Sleekelmaeher-Lud wigsha feil hielt eine Ansprache^. Zwischen Start und Ziel Ein jüdischer Sportroman von KÄTE WIENSKOWIJZ Die Miliarden-Erhfchaft aus Australien Ittulamvl. Die Naeluicht. \\v\> ein bald ."Wvrihviger Prozeß um die au-lrali-eln- Hie-enerl^ehafl von 150 Milüoiiin J'fuud Sierüng Ja-t zwei Milliarden Mark) endgüliig in Sydney zuguuslcn der uugariM-hcu Au-piTuhe eiHsehieden wurde, hat nicht wenige "Linie in einen F,',',,,hntaunnl versetzt. Ki-t Tai.-ailii'. i\;\\> der Sydm*)er Anwalt des Konsortium*- den WH ungarischen Krln-n durch Funk milleille. die Krb-ehaft werde ihnen jetzt zur Verfügung gestellt werden. 1 >ie Ulätter herirhtcii spallenlang filwr den phantastischen, Nachlaß des UMUi in Vtistralieii \ erstorbenen Leopold XV" e i-ß - beiger, der IJV.il! al- ■ 1.1jähriger Junge auswamlerle und dann ■uewalii»c Landercieti erw.uh. \!s ilieser W"eißb"ergei' starb, fand ■ i.uan k i-i n .Te s t a m e n i. Ks wurde deshalb nach Wruandlrn I ni-chau gehalten. . Allmählich .uieltleteii sich Hunderte von \Vcil>- heru.i'i-. aüeU aus tlslern-ich. Polen «ml verschiedenen Halkanläudein. Da aber nachgewiesen wurde, «laß der verstorbene Lrcpuld \\ eilMtcrgiT aus Ikiia^^agyariua stammle, konnten nur . die tm-iari-eh'n Trä«er des Namen-* herücksiehligl werden. Die australi^ehell Hehönleu fordet teu überzeugende Dokumente und .lie-e niußlni. Wznn'\ Jahn- 17)10 zurückreichend, bi-schla Ut /werden. . Ivine »ati/e Anzahl \'erwandter hat in den üO Prozeßjaliren -eine Hoffnungen auf ltciehium mit ins Grab gcuomni"u. Die riheilehejidi'n U'.\ sollen sich jetzt In «len MilHotunhatifcn teilen. 1.10 Millionen Pfund Sterling isf eine, solche Sunime. daß Ungarns Finanzen saniert wären, kämen diese vier Milliarden Pcngü betragenden LVviM-u wirklich herein. Alter wenn mit Zins und Zin-eszinwirklich 150 Millionen Pfund errechnet wurden, wird au Prozeß- und F.vhseliaft^spcscii' «ewtft auch sehr viel in" Abzug zu bringen sein. Man kann annehmen, daß hier in der Freude «■iwas zu \iet erwartet wird. Narhnials: Lndwig Iträluu Kürzlich erzählte hier Karl U'rhs, wie respektlos Ludwig ltrahm. der llnmbnrger Selnuispieler und treue Freund meines Fllrrnhatiscs. einst ilas Schweigen der Kollegen unterbrach, die 'in der Ohlsdorfer FriedhofskapeMr vergehlieh das Kinlreffcu «Ics Konduktes erwarteten. Ja. das war ihm wohl zuzutrauen...! In diesem Zusammenhange wird darum interessieren, daß Uralun sogar .mit einem W itzwort auf den I-ip|K'n starb: Auf der Kurpromenade in ltad Tölz ereilte ihn ein Schlaganfalf. 11 rahm sank zusammen, griff sieh wie ..Gessler^ an die Knist iintl verschied, milde lächelnd, mit dessen Worten: ..Das war . . . Tölz* Geschoß . . .!« . E. M. Der Rund der Kunstfrrunde 1914 veranstaltet am 2. Februar l'.IIlu". abends 20 Uhr. im großen Saal des Brüdcr-VerciuslLauses, W62. Kur fürst enstraße 115-lluV einen Gesclligkvils-Abend mit Kleinkunst-Programm. Der größte Teil des Reinerlöses fließt «ler Jüdisrhcn Winterhilfe zu. 'J. . Fortsetzung Am Ziel des Straßenlaufs im Zcnlralpark begann jetzt der Heporier I'ox vom ^Sport-Coiirir" seine Reportage. „Achtung. Achtung. ladies and gentlcmen, gerade blegeir unter riesigem Ju1>el der um den Zcutralpark versammelten Menge zwei Läufer vom Golumhus-Denkmal her in den Park ■ ein. linisl an Brust kämpfen sie jetzt, keiner will den andern vorla->sen> iMn'ster Jlurvey und Ren Reereiiitejn sind es — soeben ruft man seinen Namen, phantastisch wie sie kämpfen! Noch hundert Meter, und trotzdem dicht zusammen. Jetzt löst sich Ben von (.liester, noch fünfzig Meter — er Regt jetzt einen hall>cii Meter vor ihm, Ghester kämpft verzweifelt, zwanzig Meter, fünfzehn. Meter —■ zehn — den Mund weit aufgerissen, fallt Benjamin Reerenstciii, «ler Berliner Fahrstuhlführer vom „Speed", ins Ziel; einen halben Meter hinter ihm der vorjährige Sieger, Chcstcr Hurvcy. Bravo, meine Jungens, sowas war lange nicht da! Da drüben geht der Sieger. Kr hat einen dicken Mantel an, und seine Arme sind um die Schultern von zwei strahlenden Bobhys gelegt, die ih« zum Masseur ins Sanitätszelt führen. Wir unterbrechen jetzt unsere Uebertragung; bei der Preisverteilung hören wir uns wieder!^ Benommen vor Glück, ließ Benjamin alles mit sich geschehen, was der .Arzt im Zelt wünschte. Ein. Masseur von Madison Square' Gardens knetete ihn durch, beglückwünschte ihn, erkundigte sich nach dem Sinn der giftgrünen Buchstal>en ..J. S. V." auf seiner Sportkluft. Dann wurde ein Brief hereingereieht — er enthielt nur wenige teilen, «loch ein nungehenres Glücksgefühl durchströmte Benjamin, als er sie überflogen halte.. Sie lauteten: ...Man hat mir Ihren Sieg telefonisch mitgeteilt, mein lieber Junge, und ich freue mich so, wie ieli es garnicht schildern kann, darüber und über die Talsache, wie hoch Sie die Zugehörigkeit zu Ihrem jüdischen Sportverein geschätzt haben. Führen Sic seine Farben auch in «len Ausscheidungen für die Palästiniade, und' hoffentlich darüber hinaus in Jerusalem zum Siege! Nehmen Sie meinen Segen entgegen und glauben Sie mir, «laß heute auch Ihr Vater stolz auf Sie sein würde. Lassen Sie sieh bald bei. mir sehen. Ihr Joe Trcfoll." ..Die Preisverteilung, boy!" rief der .Masseur. ..Sind Sie garnicht neugierig, was Sie gewonnen hahen V" ..Achtung, Achtung, hier Zentral Park, ladies and gentleinen."" meldete, sich der Rundfunkreporter Fox wieder. ,;Dic Preisverteilung im Slraßeiilauf der New Yorker Zeitungsjungen, in der der Berliner Fahrstuhlführer. Benjamin Bcerensteiii: Erster wurde. iH'ginnl. Unser Mikrophon stellt jetzt auf der gewaltigen Rasenfläche am Belvedere. Ein herrliches, farbenfrohes Bild bietet Heb unseren Augen dar. Die ersten neuen Sommertoiletten unserer prcisverlcilendeu Damen haben sieh schüchtern hervorgewagt, sie sind es wert, erwähnt zu werden. In diesem Augeiiblick kommt | unser Re» auf die Gruppe zu. Der große, schlanke Junge strahlt,. idcullich rieht 'man ihm die Freude au, «Uc ihm sein Sieg macht. Er hat sich deu ersten Preis wohlverdient -— ein prachtvoller Pokal, gestiftet \om Verein der Zeitungsherausgeher. Dazu kommen die Preise, die der „Speed"' dem Sieger gestiftet hat. Der Sportverein der Z-Mtungsjungcu hat Benjamin Recrcnsleiu bereits, ■zu seinem VlhremnitgVted ernannt, die Urkunde wird ihm sofort ausgehändigt werden. Jetzt schüttelt unser Stadt überhaupt Ren beglückwünschend die Ibind — das Schnellfeuer der Pressefotografen ist auf die ImmiIcii gerichtet. Der junge Fahrstuhlführer steht jetzt vor der Tafel mit den Preisen — die schöne Mrs. Mahcl Ridder hält ihm den .schweren silbernen Pokal <lcr Zeilungshcrausgeher lächelnd entgegen."". . . Sobald Benjamin. b»'i der Preisverteilung fassungslos in die schütten, lachenden Augen Mahel Hiddevs geblickt hatte, waren alle seine guten Vorsätze vergessen. Halb im Traum, nahm er die Siegt .-(rophäe aus ihrer llaud entgegen und hörte, sie rufen; „Dcai ine. mein Ritter wm der polnischen Landstraße! Sie sind in Amerika und haben mich nicht besucht:' Das ist aber gar uiehl nett \on Ihnen! \Vissen Sie auch, daß Sie im .seihen Vcrlagshaas angestellt sind wie mein Manu? Gleich morgen müssen Sie zu uns kommen und ihn kennen lernen! Park Avenue 34. boy. um 0 Uhr zum <]mnrr!"* - . Ehe < >■ antworten konnte, wurde er von den Reportern mit Brsrhla» belegt und fa.-l gewaltsam vor das Mikrophon geschleppt, in das er irgend etwas hineinrief. Dann Heß er sich interviewen,, und als er endlieh hoffte, noch ein paar Vi orte mit Malicl spreehen zu könne«, hielt ..Fox tönende «.Wochenschau" ihn da\on zurück. Wieder mußte er ins Mikrophon sprechen, neben dem seine Prei-r aufgehallt waren. Schließlich trugen Mitglieder der „Ljflboy Corporalion" ihren prominentesten Kollegen auf den Schilfern midier, du i ch zwei Reihen Benjamin zujubelnder Menscht», die schnell Spalier gebildet hatten- Fihuaugcbulc wurden Ren gemacht — die größte Zeitung New" Yorks l>ol ilun «■ine stattliche Stimme, wenn er. ihr das Recht erteilen wollte, über schii'n „Werdegang" z« berichten. Doch standhaft lehnte er alles ab. Wenn er einem dieser verlockenden Angelwle gefolgt wäre, hätte er Berufssportler werden und aufhören müssen. Amateur zu sein. Er wollte aber seine Sporlidcale nicht zerimtniiM'ii sehen — und das würde zweifellos der .Fall sein, wenn er ans seiner Passion einen Erwerbszweig machte. Trotzdem brachte der Sieg einen ungeheuren Umschwung ' in Benjamins Leben, und . wieder war es ein Mitglied der Familie Riihler. das die Hand dabei im Spiel halle. XX. Wenn Dodo Fürst sich später der aufschlußreichen ' Auseinandersetzung mit Franz Vau fehlen erinnerte, setzten ihre Gedanken immer erst au einem bestimmten Punkt wieder ein: „Wenn Dr. Mnssmaim nicht mein Chef ist, hast du vielleicht die Freundlichkeil, mir zu erklären, In-i w* ein-ich eigentlich angestellt hin?" hatte sie sich, grenzenlos verwirrt und ltefrenulet. erkundigt. ..Der Kaufvertrag ist noch in Vaters Gegenwart von Mossmann unterschrieben worden, und ich: bin dochauch kein Kind mehr, dem Juan einfach etwas vormachen kann! Gott ja. ichhabe mich gewundert, daß er das Firmens*:hild noch immer unverändert gelassen hat, mir aber, nicht viel dabei gedacht. Wenn du jetzt Farbe bekennen wolltest, lieber Franz. da du viel besser unterrichtet zu sein scheinst, als ich seihst, wäre mir das äußerst willkommen! Bitte, ich. möchte sofort wissen, vou wem ich denn nun als Geschüftsführerin angestellt worden hin!" Ihre blauen Augen flammten — wi-'der stand jenes schwärzliehe feuchten darin. «las bei I)odo stets ein Zeichen des Zorns war. V im fehlen hätte etwas darum, gegeben, wenn er sich nichi -aufs neue in ihre Angelegenheit«*!! .gemischt, "-wenn er nicht . alicrmals einen verunglückten Versuch gemacht hätte, sie zu gewinnen. Jetzt blieb ihm nur übrig, zu antworten: ..Arncslcllt bist du von Dr. Mossmann. liehe Dodo. Aber du führst seit einem Monat nicht mehr sein, sondern mein Geschäft, das ich von ihm erworben habe, bevor er nach, dem Balkan abgereist ist!" ..Also Schiebung", sagte dos Mädchen finster. „Gut. ich werde sofort meine Konsequenzen daraus, ziehen! Ich lege augenblicklich meinen Posten als Geschäftsführerin des .Bücherwinkcls; nieder!" Sie streifte den hcllscideneu Rürokitlel ab. den sie über ihrem Trauerkleld getragen hatte. Aber noch gab Vanfelden das Rennen um sie nicht verloren: „Mutter ist dein Vormund, Dodo<;, sagte er mit warnender Stimme. „Ohne ihre Einwilligung kannst du deine Stellung kaum aufgeben!" „Laß mich doch mit der Polizei zurückbringen", spottete sie. Dann schlug der , Vorhang, der das Beratungszimmer von dem kleineu Nebenraum trennte, ebenso' hinter ihr zusammen, wie damals, als Franz Vanfelden' vergeblich um ihre Hand augehalten hatte. Mit echt italienischer Beredtsamkeit bediente Manfredo Bertini die Kundschaft in der Zentralmarkthalle. In den schneeweißen Ix'inenanzügcu, die er aus seiner Heimat mitgebracht, stach er .gegen «lie anderen Händler beträchtlich ab. .TDas ist auch der einzige Vorteil, den dieser junge -Mann besitzt", hatte Rosi Becrenstein, der er noch immer e|n Dom im Auge war, bei sich festgestellt. „Unfrieden und Verwirrung stiften kann er, und weiter nichts!" > Was hatte sie davon, «laß die junge Kundschaft sich darum riß, von dem neuen Verkäufer bedient zu werden, wenn ihr die alte, sichere, absprang? Die neuen Gesichter^ die jetzt täglich am Stand auftauchten, sah sie nicht halb so regelmäßig wieder, wie ihre treue St.unmkundsehaft. Manfredo hatte ein fein ausgeklügeltes „Zugahesystem" eingeführt, das er jedoch fast ausschließlich hei seinen Altersgeiiossinncn in Anwendung brachte. Die alt« Frau Heinuum, Beerensteins verläßlichste Abnehmeriu, «lie freilich nur einen verschwindend geringen Bc«iarf hatte, war die erste, die aufsässig wurde. . Frau Rosi hatte seit Tagen beobachtet, daß die Greisin grußlos au ihr vorüberging und ihre kleinen Einkäufe ausschließlich bei dem Konkurrenten Pinner deckte. Zuerst wollte die alte Frau mit dem Grund nicht heraus. Endlieh aber beklagte sie sieh bitter darüber, daß sie vou dem neuen Verkäufer niemals etwas ..zubekäme", während er ihrer hübschen juiigen Nichte stets schönes Obst verehre. Anderen Kundinnen, die manchmal durch ihr Personal einkaufen ließen, erging es "genau w». Damit aber nicht genug, hatte der talentierte"^^Manfredo es finliggchr;\rht. sich in aller Heimlichkeit einen flollgehcnden Stellennachweis zuzulegen^ Gegen ein gutes Trinkgehl mietete er mehr als eine Hausgehilfin aus, tun sie in einer anderen Stellung wieder unterzubringen. Darüber kam es eine? Tages zu einer derartigen Auseinandersetzung vor Alexander Beerensteins Stand, «laß die Markthallenpolizei eingreifen mußte. Daraufhin wanderte «:in weiterer Teil der Kundschaft zu Frau Rosis Kummer ebenfalls zur Konkurrenz. Rertine kam mit einer hohen Geldstrafe davon, weil er Ausländer war. als Inländer hätte ihn das Gesetz weit härter getroffen.' „Du kannst macheu, was «Iii willst. Alex", sagte Rosi «'in paar Tage nach diesem Vorfall, „lange lasse ich mir Manfrrdos Betragen nicht mehr gefallen. Was habe ich davon, wenn «ler ' Vater.uns die Existenz reitet, und der Sohn alles zunichte macht? Es wird wob! am besten Tür alle Teile sein, wenn er möglichst bald wieder in Richtung Messina verschwindet. Mit «lern Alten" werde ich mich schon auseinandersetzen!1* „Di'mmes Girrcdc". fuhr ihr .Manu sie an. ...Feh hab' den Jungen gern und werde mit seinen Eseleien schon fertig werden!" ..Bei deinem. eigenen Jungen hast «Iu anders gesprochen", meinte l*Vaü Becrcustein. „Gut. laß deinen Manfredo nur hier, bis dir die Augen noch viel gründlicher aufgehen." XXL Pünktlich wie immer war Ben am Tag nach seinem Siege zum Dicus*. gekommen. Die Fahrstuhlführer des Politzer Building hatten seinen Lift umkränzt und eine Tafel mit der Inschrift: .,Thrcc Glieers unserem-Ben" darüber befestigt. Uber Xaehl war er der ganzen Stadt plötzlich ,.our Ben" geworden. Alles drängle sich zu seinem Fahrstuhl; Zigaretten. Schokolade. Rhnnenslräußehen. bescheidene Gaben der Büroangcslelllen. häuften sich in der Nische neben dein Lift. Plötzlich wurde Ren in das Personalbüro .gerufen. Tom Riihler stand neben «lern Leiter, einem grauhuaarigen. sportbegeistert eu Amerikaner. ..Roy", saute «ler alle Ilerr zu ihm. ..Ihr gestriger Sieg hat unser -Blatt mit einem Schlage populär .gemacht, und wenn ich Sie. jetzt gehen lasse, so lue ich es' nur. um Iiineu zu zeigen, wie darkhar wir Ihnen sind. Machen Sie kein Gesicht, als ob - Sie lhrui job hei uns verlieren, weil Sie untüchtig sind, wir lassen Sie ungern gehen und nehmen Sic jeden Augenblick wieder. Doch Mr. Riddcr hat recht man darf Thnen nicht im Wege sein, wenn Sit Ihre Lage grundlegend verbessern können. ' ohne gegen «las Ainaleurgcsclz z.i verstoßen. Sa long boy —■ Mr- Riddcr wird ■ Ihnen alles weitere sagen. Gehen Sie an die Kasse und lassen Sie sich Ihr Gehalt geben- Der angefangene Monat wird Ihnen voll ausgezahlt Ry«-, bye. Rccreustciu.' werde mich immer freuen, Sie zu seheMl" . Kopfschüttelnd nahm Benjamin die Lohntüte in Empfang und sprach mit Tom. Tatsächlich — etwas Außerordentliches war geschehen. Ein Sportartikelgcschäft in der 8th A\euuc. ein riesiges Unternehmendessen Manager mit Tom bekannt war. wollte den jüngsten Sportheros New Yorks als glänzend bezahlten Assistenten des Empfangschefs einstellen. ..Wir gehen zusammen hin. mein Junge", erklärte Tom. „Ziehen Sie sieh fi\ um. wir treffen uns dann Ecke der B.imd 36. Straße, vor d?m großen Modewarengeschäft von Perry*s. Und — was ich Ihnen 'it"ch sagen wollte — meine Frau hat mir gestern den. Scherz gebeichtet, den sie sieh in Kattowitz mit Ihnen gemacht hat. Weil Ihr Jungens von drüben alle viel sentimentaler und schwerblütiger sein, als wir leichtlebigen Amerikaner und euch allerhand überflüssige Sorgen macht, bitte ich Sie: Sehen Sie Mahel* törichten Kuß als nichts anderes an als die Belohnung für eine sportliche Leistung.- Muß ja fabelhaft gewesen seinwie Sie mit der Reuzinkanne durch Wald und Wiesen gvtietzt sind und t;s tatsächlich, geschafft haben, daß sie den Zug erreicht hat! Many thanks auch noch nachträglich von nur! L ud nun. go on.* Tn einer Stunde an der 36. Straße! Wir besprechen dann auch gleich noch Ihre Teilnahme an den AusseWuhmgrn zur Palästmiadc!*' ^Fortsetzung folgt) Wilhelm Jahn PrlvatwBsdienal und FalnpiaKeral. Referenz: Hlnm Schwin-Helra Abholung and Lltferone frei Haas. N 31, Brunnenstr. 41, Im Hause des Frauenvereins der Bne-BrlJ Loge U.O.B.B. Tel. D 4 Humboldt 7015

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