Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 16 (1936)
- Issue
- 5 (29.1.1936)
- Date
- 1936-01-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/4109741-2613419-2613424--634-2615498- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Beilage 29. Januar 1936 Tanz und Tanzmußk bei den Juden Vom kultifchen Tanz zur Operette Zu den ersten Kulturäußcrungcn gehörten, wie sehon in der Bibel zu lesen ist. Masik und Tanz. Im I. Ruche Mos. Kap. IV, Vers 20 und 21 wird erzählt: „Und Adah gebar den Jabal und dieser war der Vater der Zeltbewohncr. Und der Name seines Bruders war J u b a I. der Vater aller Spieler auf Zithern und Schalmeien." Die hebräischen Worte Kinaur und Ugauw sind eigentlich Kollektiv bezeichnungen für Saiten- und . Blasinstrumente, und .man übersetzt einfach Zithern und Schalmeien, da es die einfachsten Instrumente sind, die man sich vorstellen konnte: Immerhin: die Mittel zu Musik und Tanz waren gegeben. Nachdem Moses die Juden durch das Rote Meergeführt hatte, „da nahm Mirjam, die Prophetin, die Schwester Ahrons. die Pauke in die Hand, und alle Frauen zogen hinter ihr her mit Pauken und mit Reigen". Raschi sagt zu dieser Stelle ausdrücklich: .,MLt Pauken und mit Tanzen". In der Bibel .finden sich mehr Stellen über den Tanz. Am bekanntesten und von vielen Malern im Bilde festgehalten, ist die Szene, in der David .vor der eingeholten Bundeslade tanzend, zu seinem Palast zurückkehrt. Und als Michal üm spöttisch einen „Tauzmcister" nennt, der sieh in den Augen der Mägde erniedrige, da sagt David der stolzen Königin: „Vor dem Ewigen, der mich erkoren hat, vor deinem Vater Saul und dessen ganzem Haus, indem Er mich bestellt hat zum Fürsten über das Volk des Ewigen, über. Israel — vor dem Ewigen tanzte ich." David kennzeichnete dadurch - seinen Tanz als einen religiösen, einen ku I tischen Tanz. Und obwohl sich eigentlich Tänze mit der jüdischen Art der Gottes Verehrung nicht recht .vertrugen, wurde Davids Freudentanz vor der Bundesladc doch später zum Anlaß genommen, bei gewissen Freudentagen, besonders dem Simchas Taurofest, der gclwbcnen Stimmung entsprechenden Ausdruck zuverleihen. . Ursprünglich, wie das noch heute bei den Naturvölkern der Fall ist, tanzten Männer und Frauen getrennt, doch war das andere Geschlecht vom Zxisehcn nicht ausgeschlossen. Eine Stelle in Jcremia (Kap. 31-, Vv 13): ..Dahn freuet sich die Jungfrau im Tanze, und die Jünglinge und Greise zumal" wird von manchen Sehriftiiuslcgeni dahin gedeutet, daß damals schon beide Geschleifter gemeinsam getanzt hal>cn. Diese Auslegung ist aber .etwas künstlich — das Prophetenwort deutet klar ilarauf hin, daß die Jungfrau allein getanzt, die Jünglinge und Greise jedoch Zusehcr waren Es liegen keine Anhaltspunkte vor, aus denen man auf einen gemeinsamen Tanz schließen könnte. Mit der letzten Zerstörung des Tempels und dem Beginn der Diaspora Iwginnl auch der Einfluß der neuen Umgebung sich geltend zu. machen- Mancherlei Sitten und Gebräuche wurden übernommen, und auch die Art des Tanzens, das zu einem rein ■weltlichen Vergnügen sieh wandelte, paßte sich den gerade allgemein herrschenden Sitten an. Die Jugend ließ sich die Freude nicht nehmen und fand im Kampfe gegen allzustrengc Tanzverbote sogar die Unterstützung gelehrter Rabbiner, die im Tanzen nichts Sündhaftes finden konnten und die sich bei ihrer Zustimmung ebenso auf Bibel- und Talmudstcllcn wie deren Erklärungen stützten, wie" die Gegner des gemeinschaftlichen Tanzeiis. Zuweilen nahm der Streit heftige Formen an, der zu originellen Lösungen führte. Wenn die Rabbiner "ar zu unerbittlich ■waren, dann gingen die Tanzlustigen zur weltlichen Obrigkeit, die in manchen Fällen tatsächlich eine Erlaubnis durchsetzte. So wurden in Floß der Rabbiner und der Gemeindevorstand gezwungen, einen ausgesprochenen Bann gegen das Tanzen vieder zurückzunehmen, während in Nieder-Euenheim es dem Rabbiner Jakob Steinhart gelangmit L-'mcrslül/img des Gnuidltcrri; das Tanzverbot aufrecht zu erhalten. Nur für Irnchzcilsfi-ic rn wurde eine Ausualune gemacht und Di^[H*iLgegcbtitf' Das Tanzverkol konnte sich aber nicht'halten. Im Jahre 12*>2 stellte sogar die Gemeinde A u g s bürg an den Magistrat das Ansuchen, ein eigenes Bade- und Tanzhaus errichten zu dürfen, und die Behörde war durchaus geneigt, dem Ansuchen zu willfahren. Es gab im 14. bis zum 16. Jahrhundert ltereits jüdische. Tänzer und Tanzmeistcr. Aus Spanien. Italien, Frankreich sind' solche Fälle bekannt geworden, und um die Mitte des IG. Jahrhunderts soll sich ein Jude, GugMclmo Eh reo am Hofe zu- Urhino als besonders hervorragender Tanzküustlcr aus-, gezeichnet haben- Im 17. Jaliniundert war das Tanzen' schon allgemein Mode geworden und es entstand cyic Tanzmusik, deren Schöpfer jüdische Musiker und Komponisten, ja auch Kantoren waren. * Der Chaceidismus, der um jene Zeit zu blühen begann, war der Begründer einer eigenartigen Form von T a n z I i e d e r u , die zwischen religiösen und profanen Formen die Mitte hielten und heute im Osten noch so populär sind, daß sie als Grundlagen für manche im jiddischen Theater gesungenen Lieder und Kuplcls dienen- * Ganz im Dienst der weltlichen Tanzmusik stand der Iwrühmle jüdische Komponist Salomon Rossi, genauut ..KI Ehrco". lloa-i war gewissermaßen 1 Iofkom[>onist und Hofkapcllmcistcr an italienischen Fürstcnhöfcii. Ihm wurde oft der Auftrag" erteilt, für I lofFestlichkeiten Gesangs- und Tanzslücke zu komponieren und sie mit '«einer Kapelle zur Aufführung zu bringen. Es ist eine, "auze Anzahl solcher Kompositionen erhalten. Die Gagliardc, die Corrcnte und der Brando -waren die Tänze, die zu Anfang de» 17. Jahrhunderts, als Rossi hauptsächlich tätig war, I>esouders beliebt gewesen sind. Diese Tänze hatten auch Texte, die — wie die heutigen Walzcrlicdcr oder Tangos —■ auch gesungen werden konnten. Die jüdische Tanzmusik wurde dann überhaupt von der Umgebung stark beeinflußt, wie auch althcbräischc Melodien in die Musik anderer Völker übergegangen sind. Man kann das bei der nltbyzaiuiuischcn, der slavischcn, bei der spanischen Musik, I>csondcr~> den spanischen Volksliedern, leicht feststellen. Auch in der Form des Tnnzeiis und der Art der Tanzschritte Iial>cn d.*c Juden, besonders die des Ostens, originelle Figuren geschaffen, die als ,.J u d c n t ä n z e" öfter bcschricl>cn und auch karikiert worden sind. Die allgemeine weltliche Tanzmusik der neueren Zeit hat viele jüdische Komponisten auf den Plan gerufen. Offen buch» prickelnde Melodien halten viele Jahrzehnte lang die Bühne und den Baibaal beherrscht. AU der Wiener Walzer die Tanzbeine, in aller Welt revolutionierte, wurde auch die große Operette» geboren. Nach dem Tode des unvergleichlichen Meister» Johann Strauß hatten neue Talente einen starken musikaliscltcn Erfolg: ucl>cn dem Nichtjudcn Franz Lehar, waren es die jüdischen Komponisten Leo-Fall {..Dollarprinzessin", „Der fidcle Bauer4'), Oskar Strauß (..Ein Walzcrstraum"), Emmerich Kaiman (..Gräfin Maritza".. „Csardasfürstin"), «leren Melodien l>esoudcnt populär geworden siiid, und nach denen gerne und eifrig getanzt wurde. Nicht zu vergessen Viktor Holländer, dessen Musik jahrelang die Operetten und Revuen des Mctropol-Tlieatcrs beschwingte. Es gibi natürlich noch sehr viele andern Namen, die genannt werden könnten, Namen bekannter und populär gewesener jüdischer Tonkünstlcr, deren, tänzerisch-musikalischer Humor jene Stininmng auszufen vermag, die zur Tanzlust und damit zum Tanz.selSsl führt. Das bewirkte JubaU Schalmei ebenso wie der ..Walzerlraum" von Oskar Strauß. - Dr. B. Seil—f. JÜDISCHE AUGEHEME ZEITUNG Ausstellung jfidisrhrr Künstler. Da» Sekretariat für Bildende Kuit.^t venin>taltct im l;luhlu-im de* Jüdischen Krauenluindc.-.. Berlin W "dl. Marhurger Straße 5, j-iue Ausstellung \«m den ArU-itcu de-* Maler.-* Ludwig S c h w %• r i n-v der Malerin Adele 1\ e i f f e n - b e r g - R o se n b a u in und der Bildhauern! Viola It oe h in.-» Eröffnung der Anstellung Sonntag, den Februar l'.KUi. UcmcIuU ginig täglich Mm 11—2~ L.'hr,"SiiuialM'ud *oi! .V-7 Mir. Kintrill frei, mit Ausweis--dr» Kultushiindcs bzw. der H-Karte. Jüdischer Kulturbund Rltcui-Rulir. Theater: ,,X.YZ", Lustspiel von Klahund. Köln: 3. und 4. Februar, 20.15 Uhr, Geilteindeliaiis, Krefeld: ~t. und (">. Februar, 20.30 l.hr, Niedrrrh. Enge. Die mit großem Erfolg Mim .lüdl-chcu Kulturbund Rhein-Ruhr E.V. Köln „aufgeführte Chronik ..Iteubctii, Fürst der Juden-" von Ma.\ ttrud, dramali>iert \on Gerhard Waltcr-Rnsenbaum Mein Dramaturgen des Jüdischen Kulturbundes lUrvin-lluhr), ist in um Btihnemertrieb Max Pfeffer, Wien, übergegangen. *6 Die Kunft zu tröften Von FRITTA. Wenn es Herbst wird, wenn die Blätter fallen und grauer Nebel im* den Himmel verhüllt, von dem wir, wenn er über ■ms strahlend blaut, jjuiucr etwas Mut, Hoffnung und Trost empfangen, beschleicht uns noch mehr ab bisher in diesen schweren und für uns Juden ho Itcdrückciidcn /eilen die Düsterkeit unseres Hehick^ls. Wenn tlie Nacht früh hereinbricht, werden die Schatten tiefer und die Ängste größer. Der Mut kleiner und .die. Sehnsüchte brennender .... Immer haben Juden untereinander es als ihre heilige. Pflicht erkannt, bekümmerten" Menschen mit Tro**t zu .Seite .zu stellen, mit Teilimhine und mit warmem Gefühl des Mitempfinden* den Leidenden und Bekümmerleii Tnwt zu geben. Ein Kanluialgesetz des Judentums hält uns au, Witweu und Waisen, Menschen.- in * Trauer zu trösten. /um Trösten aber gehört mehr, als ein gutes und mitfühlendes Herz. Zum Trösten gehört ein feiner, ein großer Takt. Beim Trösten kann — so merkwürdig es auch klingen "mag — eher das Gefühl als der Takt cntltchrt werden. Im Zusammenklang über von Gefühl und Takt wird jener Widerhall im Herten aufgelöst, der eben Trost und Heilkraft in »ich trügt. Es ist eine eigene Therapie, seelische wunden heilen zu wollen. Es bedarf einer stillen und feinfühligen Behandlung, einer Behandlung, die auch ganz individuell nein muß. Denn der Schmerz und das Unglück bei den Trostitedurftigeu wirkt verschieden auf die Menschen. Die einen reagieren mit Ihfligkril, mit elementarem Ausbruch auf den Kummer »der den Schicksalsschlag, der sie bedrängt. Solchen Gefühlsäußerungen gegenüber wird es schwer gemacht, mit milden AVor'firn, mil Besänftigungen Trost zu bringen. I u diesem Explosiven aber liegt schon die Gesundung, liegt schoti die SelbsterhallUug und solchen heftigen, cleiiHMitaren Ausbrüchen der Gefühlsäußerung gegcnülwr wäre es fulscb, sie durch Zuspruch oder durch gutes Zureden aufhalten zu. wollen. Schon die stumme Gegenwart eines Dritten, der solche Klagen mitanhört, bietet Trost. Die Heilung erfolgt au* sich seihst heraus. ~ Anders bei jenen in sich Gekehrten, dir ihren Kummer zu verbergen suchen, die sich in eine Unnahbarkeit einhüllen, dir abhält und zurückstößt, so daß der, der gern ein liebes, warmes Wort finden möchte-, wie gegen eine Mauer von-Stein prallt. Hier ist es schwer, den Leidenden aus Heiner Starre zu erlösen, ihm jene heilsamen Tränen zu entlocken, die so viel zur Eul- ' Spannung und zur Erleichterung Itcitragen, . Und dann sind die Stillen, Weichen, Verschltwftciirii. die sich in ihr Eeid verbohren, die jedem wohlgemeinten Wort gcgcnülicr jene hoffnungslose Mclancltolic entgegenstellen, die ilcn Trösten wollenden entmutigen und fassungslos macht. Unsere heutige Zeit sieht-oft darin den Trost, dem l*klagten Schicksal des einen dos G e s a m t s c b i c k s a I des Judentum» ' -und so vieler anderer Glaubensgenossen und Schicksalsgenossen gegenüber zu stellen. Hat das einen Zweck? Ist das ein Trost?. Ja, verschlimmert es nicht nur Jas Leid des einen, wenu er von dem Leid von so vielen anderen erfährt? Finden wir wirklich unser Schicksal weniger beklagenswert, empfinden wir es nicht im Gegenteil nochtausendmal tiefer bei dem Gedanken, daß wir so viele Leidens-' . genossen haben, wird die Sehnsucht nach den Liclwii in der Ferne weniger brennen in dem Bewußtsein, daß Tausend« von Müttern und Vätern, Tausend« von Kindern sie In ihrem Hcrzrii empfinden? Wird Schmerz und Entehrung, werden drückende Verhältnisse leichter getragen, wenn* wir hören, daß auch in anderen Familien Not und Entbehrung eingezogen sind? Zugegeben, der Zweck solchen Trostes soll darin bestehen, daß wir „unter uns sehen", daß wir demütig und bescheiden werden, daß wir una nicht als besonders hart vom * Schicksal ltetroffen fühlen sollen, wenn wir hören, daß es Schlimmeres gibt. Das Aufrütteln, dos in diesem Trost liegen soll, muß indesvn von anderer Stelle herrühren. Gewiß werden Ereignisse imd Erlebnisse, gemessen am Schicksal des Beklagten, wenn man sie in Vergleich stellt, mitunter leichter erscheinen. Aber wir wenig Menschen wissen hier das rechte Wort und den rerJtfcn Takt zu finden, um mit solchen Vergleichen den Bekümmerten aufzurichten und zu helfen. Und das ist doch der Silin du Tröste«, einen Ausweg zu zeigen, eine Hoffnung aufleuchten zu lassen, ein Stückchen Sonne herzuzaubern, wenn alles in Nacht und Nebel zu versinken droht. Es ist durchaus nichtnötig, «laß man raten »der helfen kann, aber die Geduld" sollten wir aufbringen, liebevoll zuzuhören, wenn wir fühlen, daß eine) Aussprache von jenem quälenden Druck befreit In dem ,.rieh aussprechen können** Hegt schon eine neue Quelle der Kraft, ein** Befreiung für die Seele. Georg Herrmann schrieb einmal einen Essay: Jeder redet seins!" Darin war geschildert, wie jeder immer wieder auf *cine eigenen Miseren zurückkommt und immer nur von sich und seinen Sorgen spricht. Nun, etwashat sieh' dieses egoistische Klagen durch das Gcmeinschaftsschicksal von uns Juden gewandelt. Liebevoller ist - das Verständnis für die-Klagen geworden, aber, wir dürfen nicht, den Menschen, die uns mit liebevollem Herzen trösten wollen. - zumuten, sie mit unserem Kummer zu belasten, sie mit hineinreißen zu 'wollen in die bedrückende Atmosphäre unserer Bedrängnis. Wir müssen ihnen entgegenkommen, damit jene Brücke sich schlagen laßt, die den Weg höhnt zu gegenseitigem Verstehen, zu jener Erleichterung, die in der Aussprache und im TrosteswoVt Hegt. Die Kunst zu trösten ist schwer, wie jede Kunst. Ohne Zudringlichkeit sein Mitgefühl beweisen, ohne Neugier die Gründe des Kummers erforschen, aus dem Unpersönlichen der Mitteilungen das Persönliche erfassen, das Eiiurlschicksal milde zu verstehen, wie es sich unterscheidet von dem vieler anderer. Und jene seelischen' Beziehungen von Mensch zu Mensch herleiten, darin sich Güte,-Menschenliebe und Verständnis beweisen — drei Dinge, die schon den Trost in sich tragen. <- Berliner Konzerte Der dritte Lichte Nachmittag der Reformfr emeinde stand unter dem Motto „Religion und Musik", für das George Goctz warmherzige Worte fand. Dr. H. Schild - berger musizierte mit dem Orchester der Künstlcrliilfc das. dritte Rrandcnburgischc Konzert von J. S. Bach, plastisch im Aufbau und straff im Rhythmus und Tempo. Alexander Pri- I u t z ki-zeigte in-" Violinsätzen von Bach und Händel eine im Klanglichen ausgesprochen edle und kantablc Linienführung. Erika Samson-Storni wußte ihrem schönen. Organ Leistungen von Geschmack und Wörnic der Gestaltung abzugewinnen. Der Cellist Kritz Callenberg brachte mit vollem, gepflegtem Ton-und rechter stilistischer Einfühlung das" Volkslied „Eli; Eli" in der Bearbeitung von Stutschewski und einen Erneat Bloche Den Orgclhcglcitnrigcn verlieh Ludwig A 11 m a n n dynamische Schmicgsamkeit; in der Canzonc von Reger, die er mit allem Reichtum an Schattierungen und Farben ausstattete, erzielte er einen Eindruck von zwingender Geschlossenheit. . Zum Abschluß erklang Mozarts Kleint Nachtmusik in beschwingter Ausführung. Gutes Niveau zeigten wieder einige Veranstaltungen bei Weil: Oberkantor Richard Cohn aus. Gleiwitz konnte freilich "infolge Indisposition sein Programm nicht durchführen; in einigen kantoralcn Stücken vermittelte er immerhin einen Begriff seines sehr schönen und fälligen Mtcrials: bei Hildegardt Lindl, die bereitwillig eingesprungen war,!>crührtc besonders die Beseeltheit .'des Vortrags sympathisch; die Stimme gibt ein forte von durch- 'dringender Kraft. Begleiter war Leo Taubmann. Johanna Mcycr las in vornehmer und eindringlicher Art aus Rubens „Baalschcm". An -einem anderen Abend bei Weil hörto man Uoneggcrs Rhapsodie' für zwei Flöten, Klarinette und Klavier, in ihren Quartparallelen nicht ohne klanglichen Reiz, der Anlage nach allerdings etwas monoton. H. von Herzogenbergs selten gehörtes Quintett op. 43 für Bläser und Klavier wandelt garn in Brahmsschcn Bahnen, ist aber das Werk eines starken Talentes. Alfred Lichtenstein, Walter Schleyer, Max Bremer, Helmut Spittcl, Heinz Bramsom. Horst Salomon und Rudolf Schwarz am. Flügel spielten die Sachen frisch und sicher,- daß es eine Freude war. Ein Konzert am gleichen Abend in der Klcistloge war dem Schaffen James R o t h s t c i n 5 gewidmet. Der Gesamteindruck ergab: alWs' sehr sauber und gefällig gcse&f, durchgängig sehr wohlklingend, nicht selten zu wohlklingend, so daß die. Grenzen des TriviiJen überschritten werden. Rothsteins Fähigkeiten ließen sich vielleicht auf dem Gebiet ansprechender Gebrauchsmusik nützlich und in geeignetem Rahmen verwerten; für anspruchsvolle Aufgaben mangelt ihm jedoch die Originalität. Tinettc Pasch, Susanne Landsberg-Hölländer, Kurt Rahmcr und Mordochai Roth hatten sich dem am Klavier wirkenden Komponisten freundlich zur Verfügung gestellt. H. Freyhan. THEATER, KUNST, LITERATUR Jofef Rofenftöck geht in Urlaub . Generalmusikdirektor Joseph Rosen stock tritt, wie der Jüdische Kulturbund Berlin mitteilt, einen mehrwöchigen Erholungsurlaub an. An seiner Stelle werden die Orchcatcrkonzcrle im Februar innerhalb der Kulturbund Veranstaltungen von mehreren Dirigenten geleitet. Es handelt sich um die Kapellmeister Bertbold Sander, Rudolf Schwarz und Hans Wilhelm Steinberg. Berthold Sander, der als Kapellmeister und Leiter des Chores dem Kulturbuudthcatcr angehört und der des öfteren in Vertretung jon Generalmusikdirektor Rosenstock Openiauffühningen geleitet hat und mit eigenen Chorkonzerten hervorgetreten ist, wird die ersten, vier Konzerte leiten. Sander war in frültcrcn Jahren .als Thcatcrkapellmcistcr in Darmstadt, Braunschweig und bis 1933 als Musikalischer Obcrlcitcr des Stadtischen Orchesters für Oper und Konzert in Hildesheim tätig. Rudolf Schweiz, der dos Orchester der Jüdischen Künstlcrhilfc leitet, wird zwei Konzerte dirigieren; er war Iiis 1933 am Stuttgarter .Rundfunk tätig. Die letzten fünf Konzerte dirigiert Hans Wilhelm. S t ei n bc rg, bekannt aus seiner Tätigkeit als Generalmusikdirektor in Prag und Frankfurt. Das Programm enthält Werke von Bach,. Haydn, Uoscnmüller, Mendelssohn» Beethoven. Als Solistin wirkt Rita Atlasz in einigen Konzerten mit. * ■ In Pcrez Hirschbeins Komödie .,G r ü n e Felde r", die der Jüdische Kulturbund Berlin am 1. Februar herausbringt, führt Fritz J cssner die Regie. In den Hauptrollen sind beschäftigt: die Damen Jenny Schaff er, Lilly Kann, Ellen Moses, Giiia Pctruschka, die Herren. Siegmund Nunberg, Herbert Grünbaum, Nicolai Eljaschoff, Bcrthold Segall, Fritz l.ion. •* Wegen der Vorbcrcitungsarlieiten zu der Liebermann- Gedächtnis-Ausstellung wird das Jüdische Museum geschlossen. Die Wiedereröffnung findet am Sonntag, * den 9. Februar, 12.30 Uhr statt. » Nach einer Mitteilung des Laudcsleiters der Reiclismusikkammer für Ostpreußen hat der Geschäftsführer der Rcichskulturkamraer, Rcichskulturwalter Hinke], auf Anordnung des Herrn Rckhsministers für Volksaufklärung und Propaganda, Dr. Goebbels, - für alle deutschen Musiklehrer das Verbot ausgesprochen, am Königsberger Konservatorium für Musik (Emil Kühiis) Musikunterricht zu erteilen, da der Besitzer des Unternehmens Nichtarier ist. Die Unterrichtserteilung der bisher ■ an diesem Musikinstitut tätigen deutschen Musik lehre r ist deshalb am Donnerstag eingestellt worden.