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Jüdische allgemeine Zeitung · 1936-01-22 · 4 (22.1.1936) · page 7

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
16 (1936)
Issue
4 (22.1.1936)
Date
1936-01-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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THEATER, K UNST, LITERATUR Die nächste Veröffentlichung der Jüdischen Buch-Vereinigung, das Buch von Arthur Eloesser: „Vom' Ghetto nach Europa, das Judentum im Geistesleben des 19. Jahrhunderts", erscheint im Februar. * Wie -aus Paris gemeldet wird, hat TTicodor HcrzI im Dezember 1894 im Institut, de France eine versiegelte Handschrift hinterlegt. Auf Verlangen der in Wien lebenden Erben wurde jetzt der Umschlag geöffnet. Es fand sich die Handschrift eines Schauspiels in vier Akten ..Das Ghetto". Das Manuskript wurde einer Kommission der Akademie zur Prü fuii" zugewiesen. .° ' # Die Breslauer Tagespresse berichtet von der Übernahme der in Neustadt (Obcrscldesien) befindlichen berühmten Schiesicr- Bü.cherci des verstorbenen Kommcndcurats Pinkus durch die ProvinzialVerwaltung der Provinz Obcrschlcsien. (Vcrgl. untere Mitteilung in Nr. 2). Bei der Übernahme schilderte Archivdirektor Dr. Becker- Berlin die Bücherei als ein Juwel der tochlesischcH Buche rsammlungcn. Ihr unschätzbarer Wert bestehe durin, daß sie zu einer Zeit aufgebaut wurde, als in Schlesien noch niemand daran dachte, Bücher in diesen Besonderheiten zu sammeln. Hier seien Kostbarkeiten mit ungeheurem Fleiß und großer Mühe zusammengetragen worden, die" jetzt für Schlesien erhalten bleiben. Der schlesischc Dichter Gerhaft Hauptmann sei in dieser Bücherei in einer Weise vertreten, die beispiellos bleiben werden. Landesbibliotheksdirektor Dr. Roth er schilderte den Inhalt, der erworbenen Bibliothek, die rund 20 000 .Bünde von sehlesischcn . Verfassern und solchen, die über Schlesien geschrieben haben, enthält.. Die handschriftliche Abteilung enthält 100 Urkunden aus allen Zeilen, beginnend mit dem 14. Jahrhundert. * Die zwölfhändige deutsche Übertragung des Babylonischen Talmud, an der Lazarus Goldschmidt .seit dem Jahre 1896 gearbeitet hat, steht jetzt vor dem Abschluß. Soeben gelangt der ■ 11. Band dieses Monumental werke* im Jüdischen Verlag zur Ausgabe. Der. 12. Band, mit dem diese erste - und einzige vollständige Übersetzung des Baby Ionischen Talmud in eine europäische Sprache abgeschlossen ist, erscheint voraussichtlich im Frühjahr dieses Jahres. * Vi it* die Tagespreise meldet, wird auf Veranlassung von Staatskommissar Dr. Uppert das seit "85 .fahren bcslehiende, Stern*»rhc Konservatorium in den Besitz der Stadt Berlin übergehen.- Leiter des Konservatoriums soll Bruno Kittel, der Leiter des berühmten gleichnamigen Chors werden, der dem Konservatorium bereits seil dem 1. Juni des vergangenen Jahres kommissarisch vorsteht. In .«einer Ausgabe vom 2. Juni hatte der „Völkische. Beobachter" mitgeteilt, daß das Stcrnschc Konservatorium gleichgeschaltet worden sei. Nach einer kritischen Besprechung der an der Anstalt herrschenden Verhältnisse wurde erwähnt, daß sieben jüdische Lehrer und 28 jüdische Schüler am ^.Konservatorium, seien und daß iu einer Versammlung derariscjien Lehrerschaft und "der NS-Sludentcnbundgruppc die Forderung aufgestellt worden scS, daß die Erziehung des beruflichen Nachwuchses, in Zukunft ausschließlich1' in den Händen arischer Lehrer liegen solle. * * Die dreizehnjährige Wiener Pianistin Ruth Hilde Sommer veranstaltete in Mailand ein Konzert, das außergewöhnlichen Erfolg hatte. Die führenden " italienischen Blätter sagen .der jugendlichen Künstlerin eine glänzende künstlerische Laufbahn, . voraus. Jüdifche Künftler ftellen aus Arno Nadel, lyrischer und dramatischer Dichter, Musiker und Musikforsclicr von unbestrittener Autorität auf dem 'Gebiet jüdischer -Musik, ist auch .ein Maler, von Format. Verschiedene Galerien halten früher Kollektivausstellungen seiner Werke gezeigt, in denen immer wieder vor -allem die beseelte Erfassung jüdischer Köpfe, wie z. B. der Schauspieler von der LInhrma, auffielen. Im Vestibül des Berliner K-u 11 u r I> u n d t h c a t c r s ist jetzt, eine Sammlung von 30 Gemälden Nadcls zu scheu, die meistens während der Aufführung des „Jeremias" hinter der Bühne entstanden sind. Noch einmal ziehen hier, eindrucksvoll die Gestalten der denkwürdigen Inszenierung an uns vorüber, durch ein eigenartiges Künstlcrlcmpcrnmcnt gesehen. Arno Nadel . zeigt sich hier als Maler der Ekstase. Viele der Bilder sind wie _im Trancezustand geschaffen. Mag sich auch mancher beim ersten Hinschauen l>cfremdet fühlen —' bei nälicrcr Betrachtung wird er entdecken, wie sich aus der Wildheit der Farben und Formen Gestalt und Wesen des Menschen eindringlich hcraussrliiilcn. Großartig in dieser Art etwa -Ben Spanier als geblendeter Zcdckia oder der Fanatismus, der in den Augen des Chnnanja-Darstcltcrs brennt. Außer zwei Bildern, die Max Pallcnbcrg als Mikado darstellen, einer Tanzszcnc Valeska Gerts, den Köpfen Heinz Cnndclls und Jessncrs mit dem gespannten Ausdruck des "Regisseurs bei der Prolie, fällt die biblische Gestalt Souls'', auf, in der "sich alle Wesenszüge des unglücklichen Königs imposant vereinen. "Ein älteres Porträt des Intendanten Kurt Singer läßt im Vergleich zu Nadeis neuesten Schöpfungen die Entwicklung des Künstlers von einer technisch gebundenen zu einer freieren Ausdrucksweisc vorteilhaft erkennen. Das .lüdisrhe Museum gewährt zwei Künstlern, einem jungen und einem jüngsfll. Baum. Henry Happ zeigt sich in Gemälden. Pastellen und Olstudicn als ein ehrlicher, wohltuend wirkender Maler. Eine saftige Mark-Landschaft, ein reizvoll getöntes" Dorf in .der Kiffcl, Bilder wie ..Gartenrestaurant". .,Wäschc im Garten" . und ,.Dorfallcc" und kleine Ausschnitte aus Südfrankreich werden sicherlich ihr Publikum finden. " ' Anspruchsvoller tritt der 20jährige Peter Fiugcsten auf. Er ■ hat trotz seiner .Tugend mehr Anerkennung gefunden als mancher reife.Künstler. Aber das sollte ihn nicht verführen, sich allzulcicht zufrieden zugeben. Er ist in vielen. Techniken gewandt, muß aber selten, . der Gefahr der Maniricrthcit auszuweichen. Seine Eleganz (..Schwestern"} hat die Glätte von Srhanfensterfiguren; seihe gedanklichen Schöpfungen („Die Ewigkeit", „Dcborali" oder der „Traum von Zion" mit seinem aufdringlichen Mögen Dowid) bleiben vorläufig im Formalen stecken. Fingesten, der ausgezeichnete Anlagen hat, kann es einmal zu etwas bringen. Daß bedarf er aber nicht hymnische Bewunderer, 'sondern slrcngc Kritiker. ■—m. Die Ausstellung Paula Neufeld und Herbert Kohn (llerko) im Clubheim des Jüdischen Frauenbundes, Marburger Straße 5. ist bis Ende des Monats verlängert, worden. Die Ausstellung ist geöffnet Sonntags und Wochentags von 11 bis-'2 Uhr und Sonnabends-von 5—7 Uhr. Jüdische Lehrerbildungsanstalt Berlin. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden teilt mit, daß Gesuche von Abiturienten (Abiturientinnen) um Aufnahme in seine Jüdische Lehrerbildungsanstalt zu Ostern 1936 nur noch bis zum 31. Januar 1936 eingereicht werden können. (Anschrift Preußischer Landesverband jüdischer Gemeinden, Berlin-Charlottenburg, Kantstraße 158.) . - * ■ Zwischen Start und Ziel Ein jüdisqher Sportroman von KÄTE WIENSKOW1TZ 1;. Fortsetzung Toni Ridder hatte hastig den Umschlag iu.fgcris.-cn und den Liftboy nicht weiter beachtet, der wie verzaubert auf das Bild starrte. Der Redakteur sah erst von seiner Arbeit auf, als Benjamin-sich räusperte und höflich fragte: ..Verzeihung, darf ich wohl wi*-cn, ob das Ihr Friiulciu Schwester ist'f' „Wieder mal einer, den unsere .Ähnlichkeit irreführt", lächle Ridder. „Nein, die Dame ist nicht meine Schwester. alier mc war meine Kusine, che sie s-ich vor zwei .Iahreu entschloß, meine Frau zu werden! linst du sonst noch was auf dem Herzen, hdy?" Benjamin hörte nicht mehr, was Tom fragte. Draußcnr im Korridor, mußte er sich einen Augenblick an die Wund lehnen, deiui alles drehte sich um ihn. Eine Welt war ihm in Trümmer gegangen und er schwor sich, nie wieder einen Versuch zu machen, dieser Frau zu begegnen. Wenn mau auch hur einen Funken Ehrgefühl In^aU, mutete man noch heute au Dodo schreiben und sie um Vergebung für das bitten, was mau ihr angetan. Ja, war Dodo denn eigentlich besser als Mabcl?, überlegte Benjamin. War sie ihm nicht untren geworden, halte sie sich nicht mit Vanfeldcn! verloht und den ' Heimgekehrten an der Balm dennoch geküßt? Die eine war wie die andere — treulos und selbstsüchtig . . . Das einzige, was noch Geltung im Leben besaß, war der Sporf :— der snuln'rv, ehrliche Sport, dem Benjamin von jetzt an sieh ganz \ einschreiben wollte. " ' - Hätte das Versprechen, das er Joe Trefoll, dem hilfreichen Rabbiner, gegeben, lienjamiii nicht die Zunge gebunden, so hätte er jetzt mit LcichtigkciL die Aiissdicidmigskämpfe für die ..J'altbüniade" mitmachen können. Denn Tom Ridder bctor/.uglc stets seinen Ufl und wechselte fast immer ein paar freundliche. Worte mit ihm. Kr erzählte ihm auch, daß »eine Krau zur Erholung in Miami sei und fragte Ben, ob er sie früher schon einmal im Hause gesehen halte. Doch er!>ckaui keine Autwurt. Ben halte Mabcl Ridder einfür allemal au* seinem Dasein grst riehen. Um dem Reimen der Zcllungslioys diesmal einen besonderen Anreiz zu geben, war der Name des Berliner Liftboys, den sie großmütig zugelassen hatten, strengsten Geheimnis unter, den Jungens vom „Speed" geblieben. Siegte er — was der Gilde ausgeschlossen schien — dann würde er sofort |>opulär sein. Siegte er nicht, dann war es für den Unterlegenen um so licsser, wenn kein Mensch erfahren hatte, wer er war. Außer seinen, näclislen (Geführten wußte nur Joe Trefoll um Benjamins Beteiligung au dem Lauf Der gütige Mann halte den jungen Fahrstuhlführer nicht wieder aus den Augen verloren. Er lud ihn ein, kümmerte sich um sein Wohlergehen und riet ihm. sieh in den Straßen - der Bowcry, wo die meisten * Trödler New 'Yorks woluileai, , gelegentlich einmal umzusehen. ..Dort rindet mau oft genug Dinge, die an anderen Orten spurlos verschwanden, und (Jolle« - Wege sind sonderbar", lächelte er. ..Natürlich Itesteht kaum die geringste Wahrscheinlichkeit, daß sich Ihre Stlbergcräle mitgerechnet dorthin verirrt haben sollten — doch Iwdenkcu muß der Mcnseli alles! Mögen Sir sieh auch noch so unklug benommen haben, Uccrcnstcin, ich kann Ihnen das Zeugnis ausstellen, daß Sic ein anständiger Junge sind. Sic haben gelernt, sich zu l>cberrscheu — sind im Hause des „Speed'4, wo alle Fäden der „Paläsliniudc" zusammenlaufen, und unterdrücken mannhaft Ihren Wunsch, die Ausschcidimgskämpfc mitzumachen. Kopf oben Inhalten, Junge— oft kommt man langsam auch weit!** Am meisten für den unbekannten Lifll>oy interessierte «ieh Jerry Fowlcr — Mauels guter Freund und der tollste Wettliebhaher aus den Staaten. Vergeblich hatlc er versucht, eine Anzahl ron Zeitungsjungen zu bestechen, um durch sie den Nnmen Heu Fahrst uhllmys herauszubekommen, auf den £&n? New York neugierig war. Doch Bens Kollegen hielten dicht, und als er sich bei einem Besuch Toms au Bill Trcvor um Auskunft gewandt,- hatte der ihn nur frech angegrinst und gemeint: „Wetten Sie doch auf „Unbekannt". Sir!" ..Ausgezeichneter Gedanke", rief Jerry l>cgcistcrl. ..Hier, Lifty. ein Dollar für die gute Idee!" Dann halte er seinen Freund von der Börse angerufen, der, fast ebenso versessen auf Wetten jeglicher Art war wie er selbst. Peter Stahle war der Ansicht, daß Client er Harvvy, der vorjährige. Gewinner der Straßenlaufs der Zeitungsjungen, wiederum unschlagbar sei. er hatte ihn neulich trainieren sehen. Daher war - er niit Freuden bereit, turmhoch auf seinen Favoriten, gegen Jerrys „Unl>ekannt", 211 setzen- Auch noch andere Wetten wurden iu Freundeskreisen gegen den geheimnisvollen Liftboy abgeschlossen, dem außer seinem Kameraden Bill Trcvor keine Seele eine feste Chance gab. „Hab1 heute meine letzten vier ..Dollys" auf dich gesetzt. Bcc's. sagte Bill kurz vor dem Laiu zu seinem Kollegen. „Wenn . du mich die verlieren läßt ..." ,.Kcine Sorge", beruhigte ihn Benjamin. ..Die Strecke kenne ich wie meine Tasche, und in den letzten drei Tagen habe ich l»cim Training festgestellt, daß ich noch nie l>esscr in Forin.worl Dein Geld wird sieh put verzinsen, Junge!" :.Toi—loi—toi—!" sagte Bill grinsend und klopfte eilig auf einen Holzstuhl, der in seincr'Nühc stand. Die Berührung damit sollte verhindern, daß Ben seinen Sieg .,berufen" halte. xvni. . Seitdem Dodo Franz Vanfcldens Antrag abgelehnt halte, war sie ihm slctn mit einer gewissen Reserve gegenfiltcrgetreten. In den ersten, entsetzlichen Wochen nach des Vaters Tode wnr er ihr allerdings ein unschätzbarer Berater und treuer Freund gewesen. Die Pflichten, die er als Joseph Fürsts Testamentsvollstrecker zu erfüllen hatte, waren keine Kleinigkeit, das hatte auch Dodo eingesehen.. Trotzdem zog sie sich jetzt wieder scheu von ihm zurück, sogar seine Mutter besuchte sie nur dann, wenn sie sicher war. Franz nicht zu Hause anzutreffen. Die Zeit war nicht spurlos an Dodo vorübergegangen; sie hatte aus dem _ lebhaften jungen Mädchen eine ernste, stille Frau gemacht. Da» war Franz durchaus nielrt entgangen, ah er sie einmal auf der Straße traf. Sie machte auf ihn hciuahfe einen gebrechlichen Eindruck, und flrrc Züge sprachen von schlaflosen Nächten und überreizten Nerven. Am anderen Morgen suchte er Dodo schon frühzeitig im - ..Bücherwinkel" auf. Sic zeigte sich wenig erbaut von seinem Besuch, murmelte etwas von ,.dringend wichtigen Geschäften", aber diesmal ging Franz Vanfeldcn nicht, wie er schon einmal . gegangen war. Ohne Umschweife snrach er von den Gründen seines Besuchs: Dodo müsse diese ersten, wundervollen Frühlingstage dazu benutzen, auszuspannen — sich in einem ruhigen Sanatorium einmal „gründlich überholen" zu lassen. ..Als ah dort meine Trauer um Vnter und meine Sehnsucht nach Benjamin fortgezaubert werden könnten", dachte sie und sagte laut: „Vertraglich steht mir im Mai kein Urlaub zu, sondern erst im Sommer. Um jetzt verreisen zu können, müßte ich erst Dr. Mossraanra Erlaubnis haben, und den kann ich zurzeit nicht 'erreichen, weil er irgendwo auf dem Balkan herumreist. Vor den großen " Ferien ist auch viel zu viel zu tun. Wer sollte midi denn überhaupt vertreten?" Em rätselhaftem Lächeln erschien auf <A aufcldcn* Gericht, aU er ihr antwortete: ..Fräulein Schiff uud ich würden iiiih in die Arbeit teilen I" - . ..Nein!'* entgegnete sie hart.- .,0a» dulde ich auf keiueu Fall; abgesehen davon,' daß.-wie gesagt, MosMiiauu —- unerreichbar für mich - - auf dem Balkan zu tun hat . . Yanfchlcn trat dicht au Dodo heran , und sah ihr scharf iii die Augen: „Laß Mossmaim herumreisen, wo er. will. Seine Ent- M"hhi:M: haben'mit den deinen nicht da* Mindeste zu tun: du. bist gai/. unabhängig \on ihm. lügen tt ich hat lest du ei nie. erfahren sollen, alter heute, tto es um deine Gesundheit gehl, mußt "du es wissen; Mossinanu i-l nämlich-gar nicht dein Chef!" kix. Als Bill .^egen Mittag kam, um Ben zum Starte abzuholen, rieselte es feucht \oiii imfreuudlich grauen Himmel, der für den. SlraUculauf der New Yorker 'Zeitungsjungen keiu YcrslfmdiUH zeigte. Auch für die Rundfunkreporter und die Damen der Presse, die die Preisverteilung imirhuien würden, war das Weiler kein Genuß. „Die 'Broadcasling Company überträgt den Lauf auf all» ihn*, Semk-r". triumphierte Bill, „und New York hal sich ntusgeputzl. wir wenn ein neuer Ozcuuflicger erwartet wird, Mil Kulme 11 und Guirlanileu [likfiimii Teppichen zum Fenster rnm. Das Pulitzer Building—aber hat den besten Einfall von allen gehabt ' ein Riese von einem Liftboy aus Holz, iu Willem SiMirtwuIw. bcdcekl die eine Hälfte der Front bis /um werten Stockwerk. ', Ich hal»' unseren „Kollegen" clien auf dem Weg zu dir bewundert!"; „Da hat der .Speed' iiImt Pech gehabt'*, sagte Ben ruhig. Du wirst lachen, Bill, aber ich laufe in-meiner gewöhnlichen Sporlkluft -mit den Farben meine* Berlin«e- Vereins!" Zuerst wollte Trc\or empört auffahren, dann besann er sich jedoch und meinte: ..Mächtig nobler Zug Min dir, Beet Hoffentlich M-hafM du es auch. . DeiiU au meine Dollys, Mensch!" Gerade, al* sie sieh nach der Ballery 1111 fimichteil, wo der . Lauf seinen Anfang ilehmeii sollte, nahm Tom Hiddcr, der am Slarl stand, segne rherlraguug auf. Er hulte Bens kleines Geheiumis langst erraten, et alter 'treu gchütrl und nicht einmal M-iiier Frau, die vor einigen Tagen aus Miami heimgekehrt wnr, etwas davon mitgeteilt. Siegreich brach die Sonne durch die graue Wolkenwand hindurch und schien auf den festlich . gcsc liniücklcii Broadway- - - der in der I Inuptsnchc thirchutitfeu werden mußte, als Tom Itidder seine Reportage begann: ..Ladies aud gcu( lernen, wir übertragen Ihnen jeizt den .Slraßculaiif der J(H) bestell New Yorker Zeitungsjungen, der über 1(1 Kilometer geht. Für den „Succd'* läuft die Sensation de» heutigen Tages, cm lu»her noch uuneknunler Berliner Liftltoy, der sonst unseren Fahrstuhl im Pulilzer Building liedienl. Die Boy«—= sind vollzählig /um Slarl angetreten. . Tausende von Menschen sindhier vcr*ammrll, umsäumen die Battery, stehen auf dem runden Dach von Castle Gördens und den. Dächern der^umliegeudcii Gebäude. Die Boy* sind iu zehn Reihen hintereinander angetreten — der Berliner, der ausnahmsweise den Dres» seine» jüdischen Sportklubs tragen darf, iu der letzten Reihe . . . Jetzt der Siarlsrhußl Er war das Zeichen zum Straßmhuif der New Yorker Zriluugsjungcn. Es gab ein kleine» Durcheinander, aber sollst-sind die Boys gut weggekommen. Ich kann-Ihnen im Augenblick nichts weiter Itcrichten, wollen mnl scheu, was bei meiner Kollegin, Miß Uctsy Lay, um Mndisou Sipmrr los ist.- llallo darling, wie sieht es bei euch, aus?" „Hallo, Tom, wir warten liier in höchster Spannung imf euren Fahrstuhlführer. Bye, hyc, eben sehe Ich die ersten 1" rief Mim-' Uly plötzlich licgeiatert. „Ich erkenne die blaue Motitur des ..S|»ced", die gelbe der „Evcntng Pi^t", die rote meines Verlags, de* „Lady Athletle". Der Berliner Fahrstuhlführer isl nicht dabei!** Inzwischen lief Benjamin, leicht und beschwingt wie immer, für sich sein Hennen. Ließ die anderen Mufer ruhig an sich- Yorhi-ijagcn —• mochten sie. ihre Lungen bis zur Erschöpfung auspumpen. Ihm konnte es nur recht sein. I)cn Blick auf 'den Boden gesenkt, zog cf~~'dahm. Langsam * alter stetig holte er auf. Einmal hörte er seinen Namen rufen — jetzt lag er Kopf an Kopf mit einem der Jimgen. die täglich in der Hlli Avenue den ..Sjiced" vertrieben. „Laß dir -doch Ä'itl" hörte1" er den kleinen Tun noch rufen, dann war er infii laug» voraus. ..Wie weil mag das Ziel iiim'Ii ' sein dachte er einige Minuten später abgespannt, ,Jch hin doch beim Training mit der— gleichen Schnelligkeit 'schonviel weiter gewesen! Das IT bist er ist ganz fürchterlich. Dir kleinen Erhebungen hm verdammt weh. Aber Hehlappmaeheii gül nicht, alter Freund, und wenn du zusammenklappen sollst!" - Eine Sekunde long hob Ben «ein Gesicht, und die Zuschauer konnten seilen, wie ver/errt im Augenblick seine Züge waren. „Schlapp machen gibt r» nicht, ich muß.es schaffen!" UuiT>it:dcr überholte Ben drei seiner <iepner. Einen Moment schaute er sich um. „Halloh", dacht«; er bei «ich, „der Favorit, Lewis Sinne,, hiiilrr mir? Na schön." Und weiter ging < *. \b uud /.u hörte er aus den Hftuwrti aufmunternde Zurufe und lautes Händeklatschen, Plötzlich vernahm er Bill Trcvor» Stimme —- der Teufel inochtc .wissen, wie er luerher gekommen war. ..IVnif^flu meine Dollys uud hall' dich rau, mein Sohn! Nur mich zwei Kilometer und vier f Jhifcr vor dir." Schon wär Bill auf seinem Rad . wieder verschwunden und Benjamin fühlte, daß die Krise jetzt vorbei war. Sein Sehritt, der ül>cr die letzten I5(X> Meter schrj klein geworden, wurde wieder,, länger und gleichmäßiger. „Na, iliiuu mal rau an die letzten viert" DenIlieh sah er nie etwa 100 Meter vor sich, nachdem er wieder gerade und aufrecht lief. Irgendwo, schrillte eine Kindertrompete, und ein Chor von Stimmen brüllte: „Bravo, hny! Du holst die anderen noch! Um die Eike lifgl der ZenlruUParkl" Jetzt schnellte Benjamin förmlich vorwärts. Der Sieg durfte ihm nicht mehr entrisMin werden. ..Nur noch ein Kilometer", riß er sich zusammen, „ich in 11 ß siegen!" Spielend holte er jetzt gegen da« vierblättrige Kleeblatt auf. Olirentietaubende Hufe begleiteten ihn, als er die vor ihm\ liegenden drei Boys überholte und nur noch Diester Horvcy etwa /chu Meter vor ihm lag. ' Da wußte Ben, daß ihm der Steg nicht mehr zu nehmen' war. „Ghestcr, den spurte ich runter, daß es nur so kracht!" Der blickte jetzt mit verzerrten Gesichtszügen zurück. War das nicht der Fahrstuhlführer? Cegen den würde er sich die letzten dreihundert Meter wohl auch noch ' halten-können' (Fortsetzung folgt.) Die I.ibrrjlr Synagoge Osten veranstaltet am 4. Februar in der Schulaula Kaiscrstraße 30 abends 8 Uhr ihren 3. Gcmeindeabrnd. Konzert, ausgeführt vom Opemchor de» Kulrurbumle» uptrr I^itung des Kai >c Urne Ute rs Berthold Sander. Ansprache > Rabbiner Dr. Cottschalk. Eintrittskarten zu 50 Pf. bei J. Cerson, ßraunsbcigcr Strr- 7; M. Epstein, Kraiunickstr. 17; Schulhausmeister Dietze, Kaisers! r. 30. ,

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