Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 16 (1936)
- Issue
- 4 (22.1.1936)
- Date
- 1936-01-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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lobenswert: aber kein Mensch kann doch daran denken, aus diesen schon äulAcrlich und innerlich •reisefertigen Menschen die Leiter der hier verbleibenden Gemeinden und Organisationen zu machen. Inden ('rolägcnieiiiilcii war man ja bisher bescheidener. Die Tinte-ist noch nicht getrocknet unter der Vereinbarung, mit der sich die' Parteien in der jüdischen Gemeinde Berlin die' Gleichberechtigung garantierten. Und : heute: ..wie sich der kleine Moritz fiflv-fiftv \ortftcllt!1. Im lirnsl wird man sich sehr überlegen müssen, wie eine ..vertrauensvolle Zusammenarbeit" möglich sein kann, wenn dieselben .Männer, die vor etwa sechs Wochen ihren Namen und was mehr ist, ihre ganze moralische Autorität für eine reibungslose gemeinschaftliche Arbeit verpfändeten, heute nichts weniger und nicht mehr verlangen, als das wir uns und unsere Kinder auf Gnade und Ungnade dem Nationaljudentuui verschreiben. Und hier wird die Sache ernst. Glauben denn wirklich die Herren in der MeineckcstralJe. dali sie uns mit papierneu Deklarationen geistig und seelisch umbilden könnenV W as hat sich denn ereignet oder geändert, das unsere wohlerworbene und schwer errungene jüdische W eltanschauung umstoßen und dem Zionismus ausliefern kann? Geändert hat sich unsere Stellung zum Staat und im Staat: gerade die Zionisten waren es ja aber, und jeder ernste religiöse .lüde hat nicht anders gedacht, die behaupteten, dal» unsere Stellung zu Staat und Umwelt auf unsere Einstellung, für unseren Glauben an Weg, Sinn und Ziel des jüdischen Lebens einen Kinlluts nicht hat und nicht haben soll. . Wie wir zu unserem Gott und zu unserer jüdischen Gemeinschaftstehen, beruht auf unserer eigensieh Entschließung, die sich stützt auf unsere Lehre und die Erfahrungen einer dreitausendjährigen Geschichte. Israel hat es gar oft erlebt, daß der Staat es schützte oder ausstieß, und es ist im Glück und Unglück nur Israel geblieben, wenn es seines alten Hundes mit Gott gedachte und danach handelte: für die innere lledculung einer jüdischen Generation in der Gcsatntgcschichte unseres Volkes hat es stets nur wenig ausgemacht, wie-,der Staat ihr gegenüber eingestellt ist, wenn natürlich auch Unendliches davon für das Wohlergehen der einzelnen jüdischen .Menschen abhängt. Wir Nichtzionistcn in Deutschland denken gar nicht daran, vor einer Weltanschauung die Segel zu streichen, selbst wenn sie ..von der Überzeugung erfüllt ist, daß sie die gesamtjüdischen Notwendigkeiten unserer Tage am klarsten erkennt."-" Gcsamtjüdisch ist a'uqh so ein neues Wort, es bedeutet offenbar 150 prozentiges Judentum: für uns genügt bisher und wird weiter genügen ..jüdisch"". Was heißt überhaupt dieses „gesamtjüdisch"? Bedeutet es Verbundenheit mit dem gesamten Judentum und der Gesamtheit der Juden,' so brauchen wir wahrlieh zur Erzeugung und Betätigung dieses Gefühles keine nationaljüdischc Erziehung und Fühlung. Ehe es einen Zionismus gab, haben die Sorgen und die Leiden unserer Brüder uns bewegt und zur werktätigen Hilfe verpflichtet. Man lese einmal, was der .jüngst verstorbene bedeutende Zionist Sch'marjah Lewin über die Arbeit des jüdischen Flüehtlingswerks von 1890/91 in Deutschland schreibt. Man denke, um nur Tote zu nennen, au Sir Moses Montefiorc. Adolphe Grcmicux. James Simon, Paul Nathan usw. Wer hat die jüdischen Gemeinden in Deutschland. »Iiiheute die Grundpfeiler jüdischen Lebens sind, erbaut und erhaltenV Männer, die zwar das Wort gcsariiljüdisch nicht kannten, aber ihre Gcmeinschaftverpf licht uiig der Judenhcit gegenüber ebenso, wenn auch weniger wortreich 'erfüllten als die "Verfasser des Manifests vom 13. Januar. Soll aber das Wort gesanitjüilisch etwa die Forderung bedeuten — auch das hört man immer wieder — sein gesamtes Leben ..nur jüdisch" zu gestalten, so schaffe Juan uns erst eine alles umfassende Prol'anwissenschaft und -Wirtschaft, eine jüdische Kunst, kurz eine jüdi- . sehe Gesamtkultur und man halte sich bis dahin " einmal zunächst au das Jüdische, was da ist. insbesondere an die Iteligiou. Erst wenn die patentierten Gcsamljudcn uns vorbildlich sein können in dem Dienst für den Ewigen, erst dann, nur dann', werden wir sie als Führer anerkennen können. Als Gott aus dem brennenden Dornbusch* Mose zum Führer machte, gab er ihm ein Zeichen, daß es ihm mit der Befreiung Israels ernst sei: „Wenn du mein Volk herausgeführt hast aus Ägypten, werdet ihr dem Ewigen dienen am .Berge .Gottes.'-" Erst wenn wir dieses Zeichen, den Dienst am Ewigen auch an dem Volk erkennen, das die heutigen Herren Moses aus Deutschland herausführen wollen, werden wir ihnen den Führcranspruch zubilligen. Aus wander imgsfrage in Genf Der Bericht der ExpertenkommiJfion vorgelegt — Eine Kommiflion zur Ausarbeitung der Entschließungen Genf. In der ersten Sitzuug des Volke rbuudsrates, deram Montag, den 20. Januar zusammentrat, gab der Berichterstatter für die Aufwände rerfra«e. der Vertreter von Ecuador, eine überhcIiI über den Bericm der E x ji e r 1 e n k o m m i ss i o n des Völkerbundes ffir die Neuregelung der Auswaudererfürsurgc. Der Berieht enthüll bekanntlich zweierlei Arte» von Vorschlägen: die eine» beziehen sieb auf provisorische Maßnahmen für. die Zeit Januar bis September 1936, dem Zeitpunkt, zu dem die Völkerhundsyersaiiimjuug eine Entscheidung, übe^r die zweite Gninpc der Vorschläge, die endgültigen Charakters* sind, zu treffen haben wird, Gleichzeitig legte der Berichterstatter dem Hat das H ü c k t r i t' mt Ii rr i bc n des bisherigen OlwrkoinmLssars für die Auswanderer aus Deutschland. James M a c Donald, sowie das .Material im-, das MucDonald zur Begründung seines Rücktritte y.usanitueiigeälelll hat. Im Anschluß au seinen. Bericht beantragte. der Vertreter Ecuadors eine K o in m i s s i o n einzusetzen, die zu den Vorschlägen der Expertenkommission entsprechende Resolutionen für den Völkcihuiiilsrat ausarbeiten soll. Ferner erbat er die Benennung von PcrMHiIiehkeilen für die Leitung des Nansen-Amtes und die piövj^orisehe Führung der Angelegenheiten der Auswanderer aus Deutschland. Der Kommis>ion -sollen die Vertreter Englands. Frankreichs, Polen, der ÜSSR, Dänemarks und Ecuadors angehören. Ks wird erwartet, daß Ende der Woche eine Debatte über die grundsätzliche Seite des Auswandcrcrproblcms stattfinden wird. Was die Person des 01>erkoinmissars für die Auswanderer' fürsorge betrifft, so läßt sich vorläufig noch kein Nanic mit einiger Bestimmtheit auführen. Eine Zeitlang sprachmau, wie gemeldet, daion, daß Sir Arthur S a 11 c r. die meisten Aussichten hal»c .letzt meldet ,-Daily Herold"', daß der frühere cnglisehc Außen minist er Sir Samuel II o a r e ernannt werden solle. Mit Sicherheit ist jedenfalls anzunehmen, daß die Wahl auf einen Engländer fallen wird. London. Die Executive der e n g 1 i s e h c n V ö I k e r b u n d sliga hat nach Prüfung des Berichtes der Expertenkommission des Völkerbundes für die Neuregelung der Ausländercrlulfe eine Entschließung angenommen, in der es heißt, die Executive vertraue darauf, daß der Völkerbundsrat bezüglich der in dem Bericht empfohlenen provisorischen .Maßnahmen lieschlicßcn wird, daß die geplante zwischenstaatliche Konferenz sich' mit dem Schutz aller Auswanderer und. nicht nur derjenigen aus Deutschland 1>cfnsseu soll. Die Konferenz sollte ermächtigt werden, eine LöMing des Auswandcrcrproblcms in seinem ganzen Umfang zu versuchen. Die Executive gilit nochmals der Überzeugung Ausdruck, daß es weder de» einzelnen Regierungen möglich ist, das Problem durch Arbeitsbeschaffung für alle gegenwärtig auf ihrem Gebiet lebenden Auswanderer zu lösen, noch den "privaten WohlfahrrVgesc II Schäften, großzügige Pläne für Auswanderung und Atisicdlung in Ubersee durchzufühlen, was die einzige Alternative darstellt. Darum hält die' Executive an der .Meinung fest, daß das AuMvaiidcrcrproblcm ohne Völkcrbundshilfc nicht In humaner mid wirksamer Weise gelöst werden könne. Wanderungsplan für 1936 Ein ßcmlit des Verbundes Iliieni — Sachverständiger führt nach Sudamerika Pari«. Der Verband für Aiuwaiirfcrcrliilfc 11 i e c m .(I lias-lca- Kniigroüon Association)' verüffentliclil über seine Tätigkeit zugunsten der Auswanderer ans Deutschland einen Bericht, am dem sicli ein Gesamtbild der vom 15. .Mai 1933 bis zum 31. Dc7.cmbcr 1933 zugunsten der Auswanderer aus Deutschland geleisteten Arbeit ergibt. Es erfolgte die Weiterlcitung von Ö3'J3 Auswanderern, die sich folgendermaßen verteilen: Palästina 3371, llnisilien 962, Paraguay 338,; 'Argentinien 237, USA und Kanada 233, Südafrika 65 usw. 2. Niederlassung in Europa zwecks Itcrufliclier 'Umschichtung oder endgültiger Scßhaftoiacliung: 2222 (Frankreich 990, Suaiticii 247 usw.). 3. Weiler-' Wanderung aus den Nachbarländern: 2416 (davon aus Frankreich 861, aus ltclgien 577). In diesem Zusammenhang muß betont werden, «laß die Bemühungen von 1 licem, n u t z 1 o s e Wanderung von einem Land in das andere zu vermeiden, erfolgreich' waren; denn von der Gesamtzahl von 2416 Reisen entfielen 227(1 auf das Jahr 1933 und 146 auf das Jahr 1934: 1935 ist dieso ltubrik aus den Statistiken vollkommen verschwunden. 4. lleliatriicningcu in die Heimatländer: 3397. Insgesamt wurden 13 428 Personen mit einem Kostenaufwand von 9 620 950 französischen Francs weitcrgclcitel; diese Kosten wurden durch Subventionen der Iea, des Joint Distribution Committcc. des Central British Fonds und verschiedener Organisationen gedeckt. Im Kähmen ihrer im Jahre 1936 fortgeführten Aktion bat Ilicem für die ersten drei Monate einen Plan zur Weiterlcitung von 409 Auswanderern aus Deutschland aufgestellt. 366 \<n\ ihnen gehen nach Ubersee, 30 werden in. Europa dubliert vunl 13 in die Heimatländer zurückgeführt. „ 1 licem hat sicli auch mit den zuständigen Stellen in Deutschland in Verbindung gesetzt, um gemeinsam mit ihnen für das Jahr 1936 einen Plan der Wanderung aus Deutschland in die Cbcrsecländcr zu studieren und zu organisieren, damit, unkontrollierte .Mo^scnanswandcrung vermieden werde. 'Die Bemühungen, neue Möglichkeiten für jüdische Auswanderung zu finden, werden fortgesetzt. Ein Sachverständiger wurde nach Südamerika entsandt, um die etwa in Paraguay. Peru, Kolumbien und Chile vorhandenen Möglichkeiten zu prüfen. Um der L'ngcwißhcitj die bezüglich der Möglichkeiten in Ecuador herrscht, endgültig ein Ende zu bereiten, wird sieh dieser. Sachverständige demnächst dorthin begeben und einen genauen Bericht über diese Frage erstatten. Neue Komitees wurden in ■Peru, in Paraguay und in Kolumbien geschaffen. König Georgs Tod "*■ Das Ableben des englischen Königs Georg V., der am Montag kurz vor Mitternacht nncli einer Rcgicrungszcit von 25 Jahren und 8 Monaten im 71. Lebensjahr sanft entschlafen ist, hat auch iu der .ludeuheit ehrliche Antcihiahme un dem Verlust, den England erlitten hat, hervorgerufen. Unter seiner Regierung, die sieh durch Klarheit und Geradheit ausgczciclmct hat, eind auch die englischen Juden derjenigen Hechte und Freiheiten, iu deren Rahmen sieh die britische Völkergemeinschaft im letzten Vicrtcliahrhundert weiterentwickelt bat, in vollem Maße teilhaftig geworden. In die Hcgicrungszcit^ des Königs Georg fällt nicht nur die Bai four-Deklaration, es wurden auch zahlreiche Juden durch Verleihung hoher Würden ausgezeichnet- Erst zum Beginn des neuen Mahres hal>cn wieder vielfache Ehrungen von Juden durch den König stattgefunden. Die große Liebe und Dankbarkeit, mit der die cnglisehc Judenhcit an ihrem Monarchen hing:,' kam in ihrem ganzen Umfang zum Ausdruck, als das englische Königspaar im Mai \origcn Jahre.» das 25jährige Regie rungsjubil au m begeben konnte. Das Attentat auf den Bukarefter Oberrabiner Bukarest. Nach dem mißglückten Attentat auf den Oberrabbincr von Bukare>t und Vertreter'der jüdischen Glaubensgcmcüischafl im nunfuiisehen Senat, Dr. I. N i e m i r o w e r , haben die führenden Staatsmänner.- und Politiker Dr. Niemirowcr ihr Mitgefühl ausgedrückt und die Verurteilung der Tat ausgesprochen. Der Außenminister Rumäniens, Nieolae Titulcscu, hat aus St. Moritz folgendes Telegramm au Oberrabbiuer Dr. Niemirowcr gerichtet: Tief erschüttert von dem v e r a b s c h p ü u n g s w fi rd i g e n Attentat, dessen Opfer Sic geworden sind, spreche ich Ihnen die wänrnlcn Wünsche für' Ihre schnelle Wiederherstellung aus. — Der Kulturminister Alexander Lapedatii hat Dr. Niemirowcr ein herzlich gehaltenes Schreiben geschickt. Ghlekwünsche sprach auch der P.-äsident des Senats, (.'(Histamin Dumitriu, anläßlich des glücklichen Ausgangs des Attentats aus. Der riuriänischc Patriarch und frühere Regent Dr. ^liron Cvistca sowie andere in Bukarest -weilende Kirehenfürstcn haben sich mit großer Teilnahme nach dem Befinden Dr. Nicmirowcrs, der infolge des Attentats einen Nervenschock erlitten hat, erkundigt. Unmittelbar nach dem Attentat veranstaltete eine zahlreiche Menge eine Sympathiekundgebung vor dem Dause des Oberrabbiners. Die beiden großen jüdisch-politischen Verbände Rumäniens haben au den Ministerpräsidenten ein Telegramm gerichtet, in dem gegen die antisemitische Propaganda protestiert wird .durch die jene Atmosphäre! geschaffen worden sei, in der es zu dem Attentat kommen konnte. Die faarländifcfaen Juden Ini neusten lieft von „Wirtschaft und Statistik" sind die Er- .gebuissc der Revölkcrungszählung im Saargebiet dargestellt. Am 25. Juni 1935 gab es im Saargebiet 3117 Personen jüdischen. Glaubens;. Auf hundert .der Bevölkerung kamen damit nur 0,38 Glaubensjuden, während:im übrigen Reich, bei der .Volkszählung von 1933 von hundert Personen 0,77 Juden waren. Seit dem angegebenen Tage der Zählung ist ein erheblicher Teil der jüdischen Bevölkerung aus dem Saarland abgewandert. Mau schätzt, daß die Zahl der Juden im Saargebiet nur noch einige Hundert beträgt. 1 \Y eitere Ein wander nngserfclrH er ungen in PaläAina? Jerusalem. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, hat die Jcwish Agcncy for Palcstine an den High Commissioner Sir Arthur Wauc-Iwpc ein Schreiben gerichtet, in dem um Aufklärung über die Basis der Pressemeldungen ersucht wird, denen zufolge neue drastische Eimvandcmugscinschränkungen zurzeit von der Palästina-Regierung erwogen* werden. Die Palästina-Regierung hat bisher auf die von der jüdischen Presse gestellten Fragen über die angeblich vorbereiteten neuen FJnwandcrungsgcsetzc keine Antwort erteilt. Dieses Slillsehweigen wird von der Presse als ungünstiges Symptom gedeutet. Mannheimer Brief Tod eines 92jährigen ^~ Em Laienspiel in der Synagoge — Rege Lehrhaustätigkeit Bericht für die „Jüdische Allgemeine" Mannheim. Vor kurzem starb hier Kantor i. R. Robert Hirsch im hohen Alter von 92 . Jahren. Vom damaligen Karlsruher Ifofthcatcr aus, wo er wirkte, wurde er im Januar 187.> als Kantor nach Mannheim verpflichtet, wo er bis zum 1. April J921. also 46 Jahre, amtierte. Als er in Pension ging, stand er bereit* im 78. Lebensjahre, war ober geistig und körperlich bis zu seinem Tode von erstaunlicher Rüstigkeit. Bei seiner Beerdigung hielt Rabbiner Dr. Geis, der zugleich namens der Gemeinde, des Synagogen rat es und des Ober rat es sprach, die Trauerrede. Am Grabe sprach u a. auch der Neffe des Dalüngcgangcneii, Prediger Herrn. Hirsch aus Koburg. Der Synagogenchor, dessen aktives Mitglied UobcrL Hirsch bis zu seinem Lebensende blieb, verschönte die Trauerfeier mit Miincn Sängen. Besonderem Interesse begegnete die in dieser Form wohl überhaupt erste Aufführung einer Biblischen Szene ..König Salo - * mos Urteil" von Giucomo Cnrissimi für Soli, Orchester und Orgel in der hiesigen Hauptsynagogc, deren Ausführung der „Licdcrkrauz" fJüd. Kulturbund) üI>crnonimcn hatte. Dramatisch und farbig die Musikium die sich unter der Leitung von Kapellmeister Sinzheimer soHstisrh Hüde Grünstcin-Mattaucb mit gut geschultem Sopran, der-warme Mczzo von Lisbct Dührenhcimcr, der sichere Tenor Max Lipmauu und der Bassist Norbert Nadelmann verdient -machten. Dabei* wurde die von den Solisten gesungene Handlung der beiden um ein. Kind streitenden Mütter gleichzeitig als Laienspiel auf einem Podium pantomimisch von Kindern dargestellt. Die kindlichen "Darsteller ließen die einfühlende Eiustudicrung durch Regisseur Franz Oppenhcimcr erkennen. . Das hiesige Lchrhaus, das unter Leitung von Prof. Dr. . Billighcimcr eine äußerst rcj^c Tätigkeit entfaltet, veranstaltete jüngst einen stark besuchten Erzichungsahcnd, bei dem in fesselnden Referaten Frau Rektorin i. R. Rosa Grünbaum über Mädehen- Erziehuiig. Rabbiner Dr. Geis ülwr Jugcnd-Alijah und Prof. Dr. Billigheimcr über Erwachsenenbildung sprachen. ■ Das Lchrhaus richtet ferner eine Arbeitsgemeinschaft für Probleme jüdischer Musik unter Leitung von Kapellmeister Sinzheimer ein und einen musikalischen Schulungskurs für Jugendführcr und Lehrer.. —nn. * Der lic z i r k s ra t in-Mannheim entschied, wie das ..Hakenkreuzbanner" meldet, über das Gesuch um Wirtschaftscrlaubnis für den Betrieb einer jüdischen Gaststätte. Das -Gesuch Wirde, abgelehnt.. Der Mannheimer Bezirksrat. so wurde zur Begründung ausgeführt, war grundsätzlich der Ansicht, daß Juden nicht für die Führung einer Wirtschaft in Frage kämen. Über die Angabe, daß die Räume, für die die Konzcssion beantragt worden war, für die kulturelle Betätigung der Juden ■ benutzt werden sollten, wurde dahin entschieden, daß die Möglichkeit zur kulturellen Betätigung in den Räumen der Loge ohne weiteres gegeben sei, die ausreichen würden, wenn man "die ent- . sprechenden Umbauten vornehme. In einem zweiten Falle handelte es sich um die Genehmigung .zur Verlegung des jüdischen Krankenhauses nach der ColUnistraße. Der Synagogenrat beabsichtigt, einen Teil des jüdischen Altersheims in dieser Straße umzubauen. Gegen diesen Plan, wandten sich die Anwohner * der dortigen Gegend. Der 1 Bczirksraf stellte sich auf den Ständpunkt, daß ein Umbau des Allersheims besser sei als. ein Neubau an anderer Stelle, womit dann zwei jüdische Betriebe' bestehen würden. Auf die Beschwerde der Anwohner konnte der Bezirksrat nicht besonders eingehen,