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Jüdische allgemeine Zeitung · 1936-01-22 · 4 (22.1.1936) · page 1

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
16 (1936)
Issue
4 (22.1.1936)
Date
1936-01-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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B ERLIN 22. Januar 1936 Ö!P(hUf/-^^ß'ä^ PREIS 25 PF. Nr. 4 / 16. Jahrgang JUDISCHE AUGEMHHE Schriftleltun«! und Geschäftsstelle: Berlin -Charlottenburg 2, B leibt reustraUe 2. C 1 Steinpl. 3703. Bankk.: Kreditverein f. Handel u. Gewerbe eGmbH, Berlin N 1\. .PosUcheck-K.: Berlin 25720 — Be2uRsprtrIs: RM. I,— monatlich (zuiüßl. RM. 0,10 Zeitungflßebühr. und Bestellgeld), bei Streifbandveriand zuzügl. RM. 0,30. ^lli Verlu«: Vertatfstfeuosseiwcbaft in Ueutiublaml tumiLuiuer Juden iu ltertia eCiuiiH.. IUu.Ch^rloUval.itrir 1, Uluilitrtmitr. 2. Auxeitfenpr,: Die l'igeap. mm-/eile R|>l. 8. ftir r-jinilk-nuiuckv-n K|>l. 6. [iir SMU-i^eiuclii' H\>t. 5 hei uuwmcbuldeter Niubtlwlieferuatf l«st«l>t kgio Atupriu li uuf Vewütuog NEUE FOLG E DER JÜDISCH-LIBERALEN ZEITUNG Wenn der junge Weizen blüht Von HEINRICH STERIN Die jüdische Welt hat zurzeit gewiß ernsteste. Sorgen. In einer-Reihe von Ländern ringen Juden Um ihre seelische, wirtschaftliche und bürgerliche Existenz, um ihr Dusein im wortwörtlichsten Sinne. In Palästina stellt sich die Mandatarmacht, deren schwierige Aufgabe es ist, zwischen allen Bevölkcrungsteilen zu vermitteln, zurzeit sowohl in Fragen der Verwaltung, wie ganz .besonders in den Fragen der Einwanderung auf einen. Standpunkt, ilen nicht nur die Zionistcn mit Besorgnis ansehen. Wenn nach der neuen Einwanderuugsschedule für Deutschland — abgesehen von den auch nicht sehr zahlreichen Kajiitalisteiizertifikaten—; für 1936 sage und schreibe noch 340 Zertifikate und 110 Flüchtlingszertifikatc zur Verfügung stehen, so ist das für ein llaupteinwandcrungslaud ein derartiges Minimum von Möglichkeit, daß man glauben sollte, die Vi eltorgauisation der Zionislen und ihre Landesabteiluugeü hätten alle Hände vidi zu tun, um hier Abhilfe zu schaffen. Dali hier iu Deutschland helfen und Handeln die alleinige Aufgabe aller verantwortungsbewußten Juden sein müßte, bedarf keiner Ausführung. So haben. wir uns jedenfalls in unserem Blatte bisher an die. positiven Aufgaben, an denen die heutige Zeit reich genug ist. zu hallen..versucht. Es. ist nicht unsere Schuld, daß hier heute einmal eine innerjüdische Wendung gemacht werden muß. Aber der fulminante - Trompetenstoß, mit dem die Zionistische Vereinigung für Deutschland ihren demnächst stattfindenden Delegiertcntag einleitet, zwingt zu diesem höchst unerwünschten, alier leider notwendig' gewordenen Zwischenspiel.' II. Ob und welche inuerzionistischen Beweggründe für den Bombast dieser Proklamation aus der Mcijieckestraßc maßgebend gewesen sind, kann nicht unsere Sorge sein. Man findet sich wirklich aus den Parteien und Parteischattierungen der großen Organisation, die cinstmal gerade durch ihre Einheitlichkeit vorbildlich war. hiebt mehr heraus. Und wenn! um es kurz zu sagen, die Z.V. f.D.. in Schule und Haus, iu Gemeinde inid Organisation, kurz überall da. wo jüdisches Leben gedeiht, nicht mehr nur dcn'Gleichbcrcchtiguugs-. sondern sogar den Führungs-. ja den Totalitätsanspruch erhebt, so müßte zunächst einmal der ' Judenheit in Deutschland klargemacht -.werden, zu welchem Zionismus sie erzogen werden soll, zu dem . Zionismus mit Gott oder ohne Gott, zu dem Zionismus mit Staat oder ohne Staat, zu dem Zionismus bürgerlicher oder sozialistischer Art. zu dem Zionismus der kämpfenden Pioniere in Palästina oder der redenden und schreibenden Bürokraten und Beamten in der ganzen Welt. Man wäre in Versuchung, einen kleinen Ausschnitt aus den; unendlichen ideologischen Kämpfen auf dem letzten Zionistenkongreß zu geben, um die Berechtigung des Anspruchs der Z. V. f. ß. zu charaktc- : risieren. „die Judenheit in'Deutschland <aus dem Zustand der Zersplitterung herauszuführen'1. Heut gibt es nur eins, das aus dem Zustund der Zersplitterung herausführen kann: das ist nicht die schön klingende Phrase, sondern die stille, unermüdliche Arbeit und fülle. III. Die Proklamation vom 13. Januar formuliert zunächst das Ziel zionistischer Arbeit in Deutschland. Sie will die Juden in Deutschland „zu einem geschlossenen und bewußten Teil des jüdischen Volkes uniformen, sie zu freudiger Bejahung des jüdisch- . nationalen Gedankens erziehen, in ihr das Gefühl dcr-\*cr- ■ antwortung 'für das Schicksal des jüdischen Volkes zu wecken, nach langer Entfremdung ihr den Weg zu jüdischer Kultur weisen, sie aus dem Zustand der Zersplitterung herausführen und als geschlossene Volksgruppe, die ihre eigenen Angelegenheiten rcgehufilMg srllnl regeln, für den Aufbau ihres eigenen Lehens iu der Galul und der nationalen Heimstätte in Palästina mit ganzer Kraft einsetzt . . ." (Ks folgen dann einige ührigens sehr wtrsichlig formulierte ' Aufgidiengehiete für Palästina.) Alles das klingt sehr schön: nur daß das Schöne nicht neu '.und «las Neue (wenigstens für die allermeisten Juden) nicht schön ist. Es ist das gute Hecht der Zionistcn zu versuchen, national-jüdische Erziehungsarbeit zu leisten. Das haben sie bisher getan: mit welchem Erfolge, zeigen die itt freier Wahl erfolgten Zusammensetzungen tler Körperschaften und Organisationen. Die Zionistcn waren anerkanntermaßen in Gemeinden und Landesverbänden eine teils mehr, teils minder starke .Minderheit:- selbst wenn, was ich sehr bezweifle, dieser Zustand sich verändert haben sollte, so werden einsichtige Zionistcn auf diesen Zuwachs, den sie wahrlich nicht ihrer „Erziehungsarbeit" verdanken, nicht eben stolz sein. Wenn die Zionistcn des weiteren die .luden „aus der Entfremdung zur jüdischen Kultur" rühren wollen, so braucht man statt aller nur einen dem Zionismus gewiß nahestehenden Mann wie Ma.\ Wiener zu zitieren, tler es erst vor kurzem in einem (auch von uns wiedergegebenen) Lchrhaitsvortrag ausgeführt hat. daß es eine., jüdische Kultur noch nicht gibt. Was unser eigenstes Eigen ist, die aus dem uralten Bund mit Gott hervorwachsendc Seelen- und Herzensbildung, eine wahrlich einzigartige Kultur auf einem bestimmten Umkreis menschlichen Lebens, keineswegs eine Gcsamtktiltnr. dazu brauchenwir wirklich andere' Führer, als eine Partei und Gemeinschaft,' in denen tlic arcligiösen. wenn nicht gar antireligiösen ..proletarischen" Elemente die gewaltige zahlenmäßige fJhcrmarht haben: Die weitere Forderung der jüdischen Autonomie iu eigenen Angelegenheiten. — das ist ein weites Fehl. Es ist noch nicht solange her. daß die Z.V. f.D. die Beeilte und Pflichten einer nationalen Minderheit in Deutschland, entschieden ablehnte „mangels ziffernmäßiger \ oraussctzuiig". Inwieweit die größeren GhaiiCen einer jüdischen Autonomie heute begrüßt werden können, in wieweit wir sie insbesondere ilem~ Zionismus zu verdanken haben, darüber wird unter den Juden in Deutschland schwerlich .Meinungsverschiedenheit herrschen. Kommt eine wirkliche Auto-' . nomic. so kommt sie von außen, und wir werden . nichts-weiter tun-können. als sie hinzunehmen. IV. Nun kommen die hochinteressanten praktischen- Forderungen: zunächst sollen „alle Mittel — man übersehe nicht das Wort alle — moralischer und geistiger Becinriußung in den Dienst tler nationalen^ Erneueruugsbestrebuugen gestellt werden. Daher Erziehung der gesamten^ Jugend in national-jüdischem Sinne, alle Erwachsenenbildung' desgleichen. Es folgen dann einige vernünftige sachliche Forderungen, in denen alle jüdische Parteien und Richtungen übereinstimmen," und dann heißt es bescheiden: „Die Z.V. f.D. ist von der Überzeugung erfüllt, daß sie tlic gesamt jüdischen Notwendigkeiten am klarsten erkeimt unil die Kraft besitzt, die sich aus ihnen ergebenden Aufgaben zu bewältigen". Daraufhin fordert sie nicht nur Gleichberechtigung, sondern Führung und Totalität iu Gemeinden, Landesverbänden und fteichsvertretung. Nächfte Hansfammlnng: 26. Jannar Die nächste 1 laussammhing der Jüdischen Winterh i I f c der Berliner Jüdischen Gemeinde findet am 26. Januar statt. Wie wir weiter erfahren, fließt ein Teil des Reinertrag* aus dem Konzert, dos Joseph Schmidt am 29. Januar inder -Berliner Philharmonie gibt, der Jüdischen Winterhilfe zu. Karten im Vorverkauf sind auch bei der Pronagandastelle der Jüdischen Winterhilfe, Iloscnstraßc 2—4, erhältlich. .Wahrlich kein kleines Mcim! Ich könnte es mir ja sehr leicht machen und die Z. V. f. |). einmal fragen, woher sie denn.die Menschen nehmen will, die diese Aufgabe leisten sollen. Die allen-zionistischen Führer der Gemeinden, befinden sich zum überwältigenden Teil überhaupt nicht mehr in Deutschland. In den Gemeinden sucht mau mit Laternen nach fähigen und kenntnisreichen Ehreubcamtcii; hat man glücklich zionistische Menschen gcl'undcn. tlic sich eingearbeitet Jiidifcfie Auswaiidcrungsfehulcf ü r A u ü w a ii 4I r r u 11 n n :i e Ii CII» r r w «■ r Am 15. Januar fimil in ilrn Itttiimm tlrr Hricli^rrtrrdinn itrr. Jiiilrii in Drill-» lilniitl dir (>r{1iulitii^ovrr»uiiiMiliiiif; tlrr .lildNchrn .\utwaiittiTuii[£«-t'liiilr -lall. Dir ,..1fttli*rlir AiiHuiiinIrrmi^Hcliulr" srl/.l ftvb ih'r \ urhrrrilniig jimprr jUdNrhrr Mmwrlirii für dir Air-uamlrriiiijr narli ('Imtm'c zur Aufptlir. Sir tritt diimil Ii r Ii r n dir I» i «* h r r Ii r h < c Ii r n d r. u .A u t» « a ml c r 11 n g * «* t r I t r n, drrrn Arbeit i;ic_crguiizrii ttill. Dir :tuf riirciu (lul iiiilrr/iiliriii^rmlr Schuir winl tlrr laud- \* irlM-luiflliVIirii;ü*iritn*ri*rlirii, liuiiMvjrl-i liurtlielieii niul bainlurrklit'iirii Atc-biMuti^ von /iiuäeli*! . 125 Sebiileru niul Seliüleriuiieii «Irenen. Nrltvii vvitt Wniflii ber Au>liiltliui^ winl in «Irr Kr/irhungt*- arlx-ii •be-ouderer Wert mif eliaraklrrliebe, »ri-.!i^r und »jirarblirhr. Hrluilu»-: mif der .irmMlIa^r eine* bcuiiUlm Judentum* »elej;| werden. Nat-Ii l'röffnuii^ «lurrli Dr. Ia'ü HiicvU wunlr Dr. .luliu» I.. S v I i » ■* i» Ii ii /um \ iirsir/rmlcii *lt"> Kmatorinnm ^rHülill^ilriii ■ Iii- Vorbrrriliill^ai lieitrii unil wpälrr t\\t: \ rrwilltllllf; ilcr Srlinlr r»lilir»t. '/Mm -(i'INrrli'ciciiilru Vorriil/rmlrn wunlrti lirsirlll; ■lii-li/r;U Dr. II r <► i! n i-t / , Dr. 0)1» llir^th, Dr. \xit l.ucw v ii > l r i n , Moritz It o h c n ) Ii a I. Trau C>llili<* 'S ■' Ii 5 n r - waltl mihI Man M. W ii r Ii u r ^. Da-* Fiiiniixrrfrral liat Kril/, S r 1t w a x h i* I» i 1-«I ül>i!rnt»nii>rii. Da» Kiiraloriiim ln-Mlrlllr znr Durrlifülinin» (Irr laiifniilrn Arlirilrn riiini Arl)rilHanw*rliuLt. ilrm nl- «»iilrulliL'lir Mil-liriiYr Dr. irdricli IE r o <l ui t x , Dr. Kurl K I > I» a r Ii. Dr. Alfml 11 i r •* r Ii Ii r r , Kran K a ii f f in a n n . I Irin/ Keller in a n n . Dr. Werner H <» > r u Ii r r . Marlin S i* Ii u i k r r an^rliöri'n. Alu - Harbin1 ratrr ^rhrnrti «Irin Arlieit-*- an^cliiiLt Prof. Dr. Kau l»r«wir. /., Hanna K a in i n a k i niul Dr. <H'<tr^ I. ii Ii i n h k i an. Dh* (IrM-Iififisluliriui;' lir^l in.- ilrn lläfhlrn \*m Dr. Ifrinxi S <i ui m v r f <* l *(; /um Vtrlmllrilrtwurde Pruf. Dr. t'urt Itondy ^ewuiill, iler Iii-Iirr ilrm Milarlirilcrkrrijt tlrr Mit(rl*lelli> für jnili^-lir rrwaih.wiH'iiliiMim» an^cliürtr. Zinn Kuratorium bat lx*rril* cmi: »n»fA<^- An/ubl flibremltTr lVr(«"iii1irlikrilrn au^t allen■ Trilrn dri Helenes ihnrn HrilrUterklärt. Dir AiIri'HMr (Irr (;r«rbiifl.^|irllr inl: Dr. Itruim Sinimerfrljl^ ]tt rIii>-( luirltutriilnir^ 5, KUolielHlorffstraUi: \',\. haheii, so verlassen hIc nach einigen Mf>naten ihr Amt. ihre Gemeinde und Deutschland. leh hahe Verständnis dafür. daLV alte zionistische Kämpfer ihrer Sehnsueht nach [Vilästina ^enfi^en wollen, ohgleteli en heute heroischer ist, in den bedrohten Gemeinden zn arheiten. Wer aher, wie it-h. nicht nur die GroL^gemeinden, .sondern die vielen Mittel- und Klcingenieiudcn-kennt, kann hei dieser Forderun"" nur mit dem Kopf schütteln. Jn vielen Gemeinden denken die Juden garnieht daran, sieh überhaupt heute den Luxus einer iunerjüdischen KinstcITTmg zu leisten; sie sind Juden, die helfen wollen, und denen man helfen soll. In fast allen Mittel- und Kleingemcindcn gab es niemals viel und gibt es heute sieher nur ganz wenig organisierte Zionistcn. Immer wieder hurt man: ..hier ist * eine neue zionistische Ortsgruppe gegründet worden, um die Erziehung und Auswanderung für Palästina unter ihren Mitgliedenuins Werk zu setzen." pürchaus ...infiPU^eV^^8«10"-^':-'--. -Ü '<*\.

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