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Jüdische allgemeine Zeitung · 1936-01-15 · 3 (15.1.1936) · page 5

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
16 (1936)
Issue
3 (15.1.1936)
Date
1936-01-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Beilage IS. Januar 1936 JÜDISCHE AIUEHEME mruMG Jüdif che Kultur heute i Dr. LUTZ WELTMANN ,i KuUu i der! Sreraf^b^4rSw!atei"di; 'Probten», Ja» uns Jutlei and am meisten bewegt.. Sie ist ein Licbh"ngsthema der i Kreise, sie stellt im Mittelpunkt der " "bellen Kulturbünde. *i cVaktiv«."«! es i Deutschlands auch .bildenden Kraft der räischen Spni e Gering. ■res . daß das vitale Bedürfnis nach, :11er Betätigung unter den Jude seit nicht verschwunden ist. n^üdSien'lihrhal e jüdische Kultur?" Vortrags i in Rabneben dci ------ „_________ir heute eine jüdische Kultur?" auch der Person vtmC"bnd^ -daran war, nachhaltig, weil er zum Nachdenken anregte. . Der Redner nahm das Ergebnis vorweg, indem er das, Vorhandensein einer jüdischen Kultur für die Vergangenheit bejahte, für die Gegenwart verneinte und die Frage nach ihrer Zukunft mit einem Vielleicht beantwortete. Er definierte freilich Kultur als etwas ganz anderes, als was die Mehrzahl der Hörer erwartet haben wird: Kultur bildet bei Wiener nämlich einen Gegensatz zu „kultiviert" und zu t-Kulturmensch", Kultur bedeutet ihm Ausdruck volkhaftcn Lebens. Aus diesem Kulturbcgriff schloß er, daß wir weniger die Gefahr einer Verbaucrung :zu befürchten hätten, durch die allein wir wieder bodenständig werden könnten, als die weitere Vermehrung von „Kulturmenschen", die den kulturellen Aufbau einer jüdischen Gemeinschaft gefährdeten. Die Entwicklung der hebräischen Sprache und das neue Leben in Palästina berechtigtenzum Optimismus hinsichtlich der Entwicklung der jüdischen Kultur, wie er sie verstünde, wobei es freilich auf die Intensität der Rückstrahlung der Kultur des Heiligen Landes auf die Länder der Diaspora und auf die Wiedergewinnung gegangenen jüdischen Tugend,' des Warten- und " Sich-bt l gegang« n-Können X sagen, daß eine palästinensische sein brauchte, es sei denn, daß die die jüdische Kultur in den Ländern der Diaspora unterscheidet sich voneinander wie "der Katholizismus in Süddcutschland von dem in Italien, um das Beispiel des Redners auf das Judentum aicUTat"nche,™aßgdM re%iüsc ETemcnTcs 'war, « überimupt"! ei-, jüdisches „Volk" in der Zerstreuung sich erhielt Aber das sind Wcltanschauungsfragen. Dr. Wiener gehört erfreulicherweise zu den seltenen Juden, die den Geist der Toleranz auch Jne! jüdische Allgemeinheit, die Cteichsctzumr von jüdischer Kultur mit völkischer Kultur, all .las gehört zur kulturpolitischen Nonicnclatur des neuen Deutschland. K* käme darauf an, wie chi naüonales Judentum das Europäisch-, vornehmlich Deutschvöfkischc sich assimiliert, autark umformt. Die „Kultivierten'-, die ..Kulturmenschen'" ober — vielleicht Kultur unbrauchbare Einzelgänger, vielleicht sind sie Dceadenls im strengen Wortsimic, Überlebende aus eniem vergangenen Jahrhundert. Zwischen dem jüdischen „Kultivierten", .lern schöpferischen Einzelnen und der jüdischen Masse als der Trägerin einer jüdisch-völkischen' Kultur besteht ein Gegensatz. Dieser Biß zweier Vuff B K 1t r Dcl t >tt i liindureh durch .las Judentum. Nun stehen sieh aber nicht nur — .grob ausgedrückt — zwei Jahrhunderte'oder zum mindesten ein Jahrhundert und sein Zwischenspiel gegenüber- Wieners Auffassung von Kultur, ob man sie mm für das zwanzigste Jahrhundert für wesentlich hält oder nicht, ist durchaus die tiefer gehende. In den Spitzen liegt ebenso viel Verfeinerung wie Entartung und Entfernung von tler Wurzel, aus der Kultur überhaupt hervorgeht. Während in der deutschen Kulturpolitik das mit besonderer Liebe gepflegt wird, woraus der eigentliche Geist deutsche» Volkstums spricht, hat das Judentum heule nur Komponenten „des" Jüdischen in der' Kunst, Dichtung, Musik, Philosophie, die aus dem Hoden anderer Völker gewachsen sind. Und was für Cohen zutrifft, gilt nicht im gleichen Maße von BcrgMn, von Heine wie von Mcvcrbccr. sehlcunigung der jüdischen Kultur in Palästina, gesetzt den Kall, sie wäre „die" jüdische Kultur, liegt nicht in unserer Macht. Das „Warten", wie die kulturelle Entwickhing laufen wird, ist also gegeben. Unsere neue Beschäftigung mit jüdischem Wissen hat Wiener mit Recht als ein Surrogat bezeichnet und mit den Bemühungen von Zunz zu Beginn des vorigen Jahrhunderts verglichen. Der größere Teil der Judcnhcit aller wird nach menschlicher Berechnung aus gcopolitischcn Gründen in'der Diaspora verbleiben müssen. Es ist eine Chance der Dissimilierung. daß liancc, daß die DbcrfüIIung der geistigen Berufe durch eine gcinderc Berufsgliederung der Juden ersetzt wird. Es heißt: . makc the liest of it. Das heißt: Auswahl der Qualität und irc Verarbeitung für ihre Assimilation im das Judentum. Wie c Juden der Biltcl hnhvlnnisrhc Traditionen jüdisch umgeformt dien, wie Jehuda Halcvi und Gabirol aus dem arabischen Kul- •skM?ltc7aUcrJCa^ nd^PhUon'mXTÄ ,e Kultur uffass . folge, _„ c Entscheidung, welche der innerji chtungen „Recht" habe, um so menr als eine gewisse einl nie jüdischer „Politik" sich heute von selbst versteht. Dr. Wieners Kulturauffassung steht und fällt nämlich r illüschcn. Das „Einkrallen" in/den Boden, die Hochbc ist nur das Beste crhaltcnswcrt, der ..Rest" — die an die frühci wahllose Hingabe an. alles Nichtjüdischc treten muß, im Schmelz-' tiegcl Palästina jüdisch umgeprägt wird oder, innerhalb des Judentums der Welt, das ist gleichgültig und «in Ergebnis, das eingeC,Kraft ist "* an"' WCnn an ""^ ' ™ cß sieh Erwin Jospc mit sriuru S & n g r r k n n - i.e.. >c.»cu.....n; interessant und nicht von der Hund zu weisen ist' sein Versuch, lalcinis.hcii llüVIiiHileltcii aller Mrister den hebräischen Irli-.vl zu unl.-rlcgeu; schließlich hat ja ein Solomon lloss'i. um KilH) syniigogolc KompoMlioneii im Pnlrstriniutil geschaffen! — Der Chor war von einer gerade bei Knalieiistiimiicii vorbildlichen Zartheit der Intonation; die klaugliche Ausgegliclieuheit und dns Ausspiiuiru der Töne zeugte von gründlichster Arbeit des Dirigenten-, nur erschienen die Tempi, besonder» im llaydn- I Mitlclsalz, etwas gedehnt. J tm zweiten Teil de» Abend» feierte Willy Frey im Rraluu»- *\ kouzcrl Triuuiplie geigeris.-h.-u Können» und faszinierender Süße ' des Tones; Roscnslock gab dem Orchc»tcrporl die Breite de» Gefpräch mit einem Plakatjammler a Dr. OLGA BLOCH erzählen: Wie beherbergen Sie diesen kostbaren Besitz?" „Die Schränke, in denen meine Plakate hängen, bilden dh Wand einer Halle, die an sich schon wegen ihrer Raumlösuiig im. Glicucnins sehenswert ist Oskar Kaufmann, der jetzt in Pallstiui so viel Erfolge hat hat dieses achteckige Zimmer in meinci Wohnung., geschaffen. Indirektes Licht, eine schlichte He crtäfelu dies und über „Der. Aufforderung, im Berlin.. ___________ .. - ________ Sammlung su sprechen", erzählte Dr. Hans Sachs, als ich ihn aufsuchte, um seine berühmte .Plakatsammlung zu besichtigen, „folge ich um so-lieber, als es mir Freude macht, im Rationen meines Kunstbesitzes Dinge vorzuführen, die gerade jüdische Menschen interessieren. Wer hat nicht alles Plakate geschaffen! Nicht nur Emil Orlik und Thomas Theodor Heine, sondern Künstler in aller Herren Ländern. Sie können norwegische und schwedische, englische und amerikanische, spanische una schweizerische Arbeiten finden. Ein Beispiel nur: von 34 Plakaten, die der Franzose Lautrec entworfen, sind in meinen Räumen 32 ausgestellt" , „Und wie kamen Sic dazu, sieb solch ein besonderes Gebiet Als iJh^u^oL'rn'TB'J? m"di'c. Unlcrprinm kam?' machtJ^dTc Bekanntschaft eines Mitschülers, der Rcklamcplakäte sammelte. Er hatte sein Stübchcn ülicr und über mit farbigen Bildern jetzt tapeziert, und beim Anblick all dieser Dinge wurde in mir der Frau Wunsch rege, auch mein Zimmer in ähnlicher Weise auszustatten. 50 ( Zunächst scheiterte mein Pinn an der Tatsache, daß mein Freund d;c ..gckfaüt'^na'^ zu, Ililte? Em"Trcund püg^gednn^ Bc^^ho^dt'^dic Jedes Blatt war auf Leinwand gezozen. hatte oben und unten einen schwarzen Rundstab und am oberen Ende reichen Schmuck, in einem Falle ein breites seidenes Band, im zweiten herrliche künstliche Blumen und beim dritten Plakat künstliche Federn, eine Art Plcurcuscn. Der Freund schrieb dazu, daß diese Panncaux jetzt die Zierde jedes Pariser Salons seien." „Wieviel Phikale^umfaßt Ihre eigenartige Sammlung?'^ de r" Wc I 't-"st; 'danach" köIImt'c^n^amerikaTrsch^iinrriioch eine englische Plakatkollektion. Wo ich nur ein hübsches modernes Plakat hängen sah, ging ich zu dem betreffenden Ladeninhaber und bat ihn, mir das Blatt aus dem Laden oder Schaufenster herauszugeben. Und manches heute äußerst seltene und wertvoll gewordene Plakat verdankt diesen Strcifzügcn durch Läden, Wartesäle. Wirtshäuser seine Rettung für meine Sammlung. Auch Dann zeigte mir der Besitzer der größten Plakatsammlung seine- Schätze. ..Jüdische Dinge wünschen Sic zu. sehen?" kam es aus seinem Munde. Ein Griff in die Kartei, deren weiße Schübe die deutschen, deren rote Schübe die Namen der ausländischen Plakate auf Karten tragen, und — der betreffende Wandschrank öffnete sich, unter Abteilung B Arm 3 erschien das Gewünschte, während verschiedenste „Arme" in verschiedenen Schränken ineinem Augenblick die kostbarsten Dinge herzaubern. „In meinem Vortrag werden ^übrigens keine Lichtbilder gezeigt, sondern die Plakate in natura, so daß man sich über jede Einzelheit, nicht zuletzt die farbigen Reize,, jedes Gegenstandes genau unterrichten kann", meinte Dr. Hans Sachs. Mit reichen Eindrücken verließ ich der Welt größte Plakatsammlung. Das Jüdif che Kunfi in Berlin r kurzem gebildete Sekretariat für Bildende Kunst ist mit seiner ersten Ausstellung im Khibhcim de» Jüdischen nbundes in der Marbiirgcr Straße 5 hervorgetreten. In etwa miäldcn, Zeichnungen und Skizzen bietet Pa u I a Ne u f c ld tödliche und künstlerische Ernte eines Aufenthalts auf dem Winkel lici Spreenhagen. Es sind gut beobachtete, lebendige »„dl vom Leben auT Hachscharahr dokumentarische Zeugnisse tin der freudigen und zielbewußten Arlieit der jungen Menschen ei der Getreideernte unter leuchtendem Snmmcrhimmcl, au der ircsclimnscliinc, an der Milchzcnlrifugc. beim Klaehskämmen, i der Konservenfabrik, wo Mädchen an langen Tischen grüne urken in goldgelbe Mclallbüchsen füllen. Küche, Wirtschaftsiumc und Werkstätten tun sich auf, und die Malerin belauscht in sinnendes Müdrhen, danach des Tages harter Arlieit einen : sympathisehc Materint Paula ,,-H jüdischen Lrlicns mit seiner praktischer leschlossen vorführt.; Ausstellung umfaßt auch f|„Hc graphische Ar! L Kohn flferko), Impressionen aus Paris im jüdische Maler W ol f f - B c f f i e'g c s t o r be n. Er war einer der Grünucr der holländischen Künstlcrvcrcinigung „Die Unabhängigen" und hat nelicn Porträts und Landschaften auch Szenen aus dem jüdischen Leben gemalt. :rchrter Herr . Dr. Sachs, müssen-S Berliner Konzerte U.m-'rn in den Uavhsaal gelockt. 'Husen «Utk erfüllte mit ..Unvollendeten" sicher einen Lieblings«misch weitester Kr schade, .laß die W iedergab-/ namentlich U-i d. i. Bläser», die sumgen" de» IhfC'' '.luv Ge^uilanla^'l-höpn.- niclil' recht Geheimnisvolle des ersten, die Innigkeit des zweiten Salzes Mit den „Lidern eines fahrenden Gesellen'" erfolgte , der Auftakt zu den Muliler-Khruugcu dieses Jahres; die herrli », die Schwere der IJnicufühniilg, tue uem iiaiiinurg.-r ..icis.cr eignet Den hinreißenden Abschluß bildeten die „l'olowetzir Tänze" aus „Kürst Igor" von lt.ir.xlin, eins der viluDVl.-n Werke, die je gcschrirlicn wurden, in kraftstrotzendster, glühendster Sinnlichkeit wirbelnd bis in'die nsintiselie Kkslase de. Kinalr»; wie Roscilstock hier seine Musiker zu einer Bravourleistung cm|«rriß, VNarfi längerer.Zeit hörte man wieder diu'II»ri» Kroyt- Quarlctt (K'royt, Hemfeld, Weiden, Zeelaiider) und freute sieh au dem gleich gediegenen. wie Iclicndig durchpulsten Mu»izicmi dieser ausgezeichneten KüiistTer. In Debussys „p. Kl wurde die ZWEIMAL .KAMMERMUSIK' farbige Polypionie de» modernen Orchesters heraufbeschworen, kwann und blühend erklang Tschaikowsky» F-diir-Quartett, in frischer Unmittelbarkeit und daliei strengster Präzision Beethoven» op. 18, 4. Hervorzuheben ist die zielbewußte Führung des ersten Geiger» sowie die besonder» ausgeprägte tonliclie Kultur des Cellisten. — Die begehrter-- '"' ' " ' ~

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