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Jüdische allgemeine Zeitung · 1935-12-25 · 52 (25.12.1935) · page 3

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
15 (1935)
Issue
52 (25.12.1935)
Date
1935-12-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Es wird gemeldet: ■ In der letzten RepräBentantcnvcrsammlung der "Berliner Jüdischen Gemeinde wurdo eine Vorstnndsvorlagc angenommen, wonach die Gemeinde eine Spende von 2000 Mark für die Kolonie, die auf den Namen von MißHcnrictto Szold in Paliistina begründet werden soll, zur Verfügung stellt. * CS Der Leiter der Jüdischen Winterhilfe der Berliner Jüdischen Gemeinde, Max Gundersheim, hat sich mit der Pianistin Greta Friedmann vcrmiihlt. Die Trauung fand am Sonntag in der Synagoge Fasancnstraßc statt. * BS Das seit dem Ableben von Rabbiner Dr. de Haas verwaiste Landes rabbinernmt Oldenburg ist nunmehr wieder besetzt worden. Zum Lnndesrabbincr von Oldenburg ist Rabbiner Dr. Herbst aus Düsseldorf berufen worden. ■ Die 12, Große Strafkammer des Berliner Landgerichts verurteilte einen 43jährigen jüdischen Angeklagten, dem Rassenschande zur Last gelegt wird, wegen Zuwiderhandlung gegen § 2 des „Gesetzes zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre" zu 1 JaJtr 3 Monaten Gefängnis. Der Angeklagte, der geständig w-ar, war beschuldigt, auch nach dem Inkrafttreten des Gesetzes noch mit einer deutschblütigen Frau in verbotenen Beziehungen gestanden zu haben. In einem zweiten Fall einer Russcnsehündung, der in Berlin verhandelt wurde, wurde der jüdische Angeklagte zu eineinhalb Jahren Gefängnis unter Anrechnung der erlittenen Untersuchungshaft verurteilt. * Rfl Die in Suhl gelegenen Waffen- und Fahrzeugwerke „S i m s o n u. C o" sind laut „Völkischer Beobachter" bis zur endgültigen Durchführung weiterer geplanter Maßnahmen unter Änderung der Firma in „Bcrlin-Suhlcr Waffen- und Fahrzeugwerke" durch notariellen Vertrag durch den Gaulcilcr und Rcichsstatthnlter von Thüringen, Sauckcl, übernommen worden. Es sei vorgesehen, die Werke im Rahmen einer gemeinnützigen Stiftung fortzuführen. Bereits Anfang 1934 hatte die Familie Simson die Wcrkslciliuig einem nationalsozialistischen Treuhänder durch notariellen Vertrag übertragen, nur die Nutzung des Bctriebsertrages blieb ihr vorbehalten. Nun scheiden die nichtarischen Inhaber auch kapitalmäßig aus. * ES In der zweiten Januarhiilftc findet in Berlin eine von der Schulvcrwaltung der Jüdischen Gemeinde einberufene Konferenz der bei der Jüdischen Gemeinde beschäftigten Lehrer des Hebräischen statt, an der auch die nicht bei der Gemeinde tätigen Lehrer des Hebräischen teilnehmen können. * RS Die polizeilich angeordnete Schließung des Warenhauses B a r a s e h in Magdeburg ist wieder aufgehoben worden, nachdem im Einvernehmen mit dem Treuhänder der Arbeit ein arischer Betriebsführer eingesetzt worden ist. Diese Maßnahme ändert jedoch, wie in dor „Magdeburger Tageszeitung" mitgeteilt wird, nichts daran, daß das Haus Barasch nach wie vor als jüdisches Warenhaus zu gelten hat. * BS Wie der Ita aus Prag gemeldet wird, Wirde der 63jährige jüdischo Justizrat Julius Präger aus Fürth in seiner Wohnung in Prag erhängt aufgefunden. Das Moüv zum Selbstmord ist, wie der Sohn Pragers mitteilte, Sehnsucht nach der Heimat. » BD Der jüdische Arzt Dr. Riehard Mayer aus Zülpich bei Köln, der bis zum Juli 1933 Assistenzarzt am Städtischen Hospital in Berlin-Buch gewesen ist, wurdo zum Professor des Kwangsi Provincial Mcdical College in Nanking berufen. Er übte in den letzten Jahren seine ärztliche Praxis in Kanton (China) bub. BS An den Folgen einer Blutvergiftung ist in Budapest, kaum 28 Jahre alt, der bekannte Violinvirtuose Georg Hannover gestorben. Die Stadt Budapest 'widmet ihm ein Ehrengrab auf dem Israelitischen Friedhof. Die ungarischen Zeitungen würdigen in längeren Aufsätzen die Bedeutung Hannovers für die Musikwelt. * U Die Ortsgruppe Saloniki der Alliance Israclitc Universelle veranstaltete für den verstorbenen Alliancc-Präsidcnten Prof. Sylvain Lcvi eine Gedenkfeier, bei der Obcrrabbincr Dr. Korctz und der Vorsitzende der Alliancc in Griechenland, Joseph Nehama, Ansprachen hielten. * BS Bei den soeben durchgeführten Wahlen zum Zentralrat der Advokaten Polens Bind auch zwei Juden, Rechtsanwalt Alexander Margolis und der Scjmabgcordnctc Dr. Emil Sommerstein, in den Rat gewählt worden. * Q3 lu Rotterdam ist im Alter von 81 Jahren der Vorsitzende der dortigen aschkenasischen Gemeinde, A. Sanders, gestorben. Er war Ritter des Ordens Oranicn-Nassau und war von Königin Wilhelminc zu seinem 80. Geburtstag zum Offizier dieses Ordens befördert worden. Kunstpflcgc rezitierte . Karl Ettlingci; (Karlchen) aus> eigenen Werken und erfreute die große Zuhörerzahl mit seiner «üll- humorvollen Art. Zu. seinen alten Freunden konnte er sich viclo neue hinzUgcwinncn. KSlu. Dio Jüdische Winterhilfe in Köln wird insgesamt 2500 Personen betreuen. Großzügige Maßnahmen Bind ergriffen worden, um alle diese Bedürftigen mit Kartoffeln, Kohlen und warmer Kleidung zu vorsehen. 18 °/o der Kölner. ' Juden empfangen damit Unterstützungen der Jüdischen Winterhilfe. MUhlheini (Ruhr). Der 1. Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Herr Meyer Kann, der über 40 Jahre dem Vorstand angehört, feiert am 31. Dezember seinen 75. Geburtstag. AUS DEN GEMEINDEN Broda». Die „Jüdische Zeitung" berichtet von einer Sitzcmg der Gemeindevertretung in Breslau, bei der u. a. ein Antrag auf der Tagesordnung stand, die Satzungen einer Stiftung zu ändern, deren Zinsen bisher zur Unterstützung von Studierenden d c i- Chemie dienten. Der Polizeipräsident ist diescrhalb an die Gemeinde herangetreten und hat sie ersucht, den S t i f t u n g s z w c c k zu ändern, da die Förderung des Studiums von Juden staatlich nicht unterstützt werden könne. Infolgedessen ist beschlossen worden, daß die Zinsen zur Berufsausbildung und Umschichtung junger Menschen Verwendung finden sollen. Hamburg. Als erster Redner in einem vom Tcmpcl-\eibawl veranstalteten Vortragszyklus ül>cr „Fragen der Gegenwart"' sprach Henry Cassel, Sekretär des Hilfsvcrcins der Juden in Deutschland, über das Thema „Auswanderung". Der Vortrag war umrahmt von Gesäugen des Tempel-Chors. — In der Rcligionsschulc des jüdischen Schulvcreins wurden, wie Rabbiner Dr. Italiener in einer Vorstaudssitzung berichtete, im vergangenen Sommerhalbjahr 327 Kinder Schüler unterrichtet. — Die Frunz-Roscnzweig- Gcdächtnis-Stiftung veranstaltet in Gemeinschaft mit der Mittelsteile für jüdische Erwachsenenbildung Frankfurt a. M., Mitte Januar für die Führer der jüdischen Jugendbüude Hamburg in Wilhclminenhöhe bei Blankenese eine Scniinarwochc. — In einer Cbanukka-Mcsse des jüdischen Kulturbundes waren Bücher, Gegenstände der Keramik, der Plastik, Weberei, Schmucksachen und Photographien zur Schau gestellt. Die Ausstellung gab ein erfreuliches Bild des hiesigen jüdischen kunstgewerblichen Schaffens. E. F. Plauen i. V. liier fanden die G c m e i u d c r a t s w a h l e n statt. Bei einer Wahlbeteiligung von 49 °/o der in Stadt Plauen ansässigen Wahlberechtigten ging die Wahl ohne jeden Zwischenfall rasch vor sich. Es wurden, auf die Dauer von drei Jahren zu Gcmcindcratsmitgliedcrn gewählt die Herren A. Langgut, Korytowski, Falkenstein, Engländer und W. Goldberg; auf zwei Jahre die Herten A. Ileyniann, Karlheinz Lewin und Milcwsky; auf ein Jahr Herr Carl Wolfsl>crg und als Stellvertreter die Herren Skrcbrnik und Reifen. Das neue Kollegium wird sich in der ersten Sitzung des neuen Jahres konstituieren. — Im Ausschuß für Ungesetzliche Einzelaktionen Die Angeklagten zu schweren Strnfcn verurteilt Karlsruhe. Wegen versuchter räuberischer Erpressung in Tateinheit mit Körperverletzung und Freiheitsberaubung hatten sich, wie der „Frankfurter Zeitung" berichtet wird, vor der Karlsruher Strafkammer zwei Einwohner aus der Nähe von Bruchsat zu verantworten. Der eine von ihnen schuldete einem jüdischen Gläubiger aus Karlsruhe aus einer Hypothek 1000 RM. aus dem Jahre 1925; der ursprüngliche Zinssatz hatte 10 Prozent betragen, der Gläubiger hatte sich aber für die beiden letzten Jahre mit einer Zinszahlung von 50 RM., also von i'/.j Prozent, einverstanden erklärt. Als er im Sommer in den Woimort der Angeklagten kam, um den Zins einzukassieren, wurde er in die Wohnung des einen Angeklagten gelockt und dort von beiden in einem Zimmer eingesperrt, beschimpft und mit Totschlagen bedroht. Außerdem wollten sie Um zwingen, schriftlich auf seine Forderung Verzicht zu leisten. Als er fliehen wollte, wurde er gewaltsam zurückgehalten und geschlagen. In der Verhandlung betonte der Staatsanwalt, daß solche ungesetzliche E i n /. e 1 a k t i o n c n gegenüber Juden nach dem Willen des Führers und Reichskanzlers unbedingt verboten seien. Wer sich solcher Handlungen schuldig mache, stelle sich außerhalb der Gesetze und sei als Rebell anzusehen. Im vorliegenden Falle sei es nicht um rassckämpfcriBche Ziele, sondern um gemeinen Eigennutz gegangen. Das Urteil der Strafkammer lautete auf je ein Jahr sechs Monate Gefängnis l>ei Anrechnung von zehn Wochen Untersuchungshaft. Das Gericht stimmte den Ausführungen der Staatsanwaltschaft zu, daß die Angeklagten aus Eigennutz brutal und gemein gehandelt hätten. Sie hätten ungesetzliche liinzclaktioiicn gegenüber einem Juden verübt und sich dadurch außerhalb der Partei und des Staates gestellt; eine solche Tut, die sich gegen den Staat als solchen richte, könne nicht schwer genug geahndet werden. Amtliche Schächtexperimente in Warfchan Warschau. Die vom Warschauer Stadtrat eingesetzte Kommission zum Studium der Frage der jüdischen rituellen Schächtung hat durch Experimente im städtischen Schlachthaus au zwei gleichstarken Ochsen festgestellt, daß bei einem geschlichteten Ochsen der Tod zwei Minuten früher als bei einem durch'Bolzen schuft gelöteten Tier eintritt. Die Kommission kam auf Grund dieses l'.xperiments zu der Ansicht, daß das Schächten nicht als tier»|uälcriscb anzusehen sei. Aiisbildiingskurs für jüdische Sozialarbcit. Die Rcichsvcrtrcluug der Juden in Deutschland, Abteilung Zentralwolilfahrtsstelle, beabsichtigt, gemeinsam mit dem Jüdischen Frauenbund einen einmaligen einjährigen Aiisbildiingskurs für jüdische Sozialarbeit in Berlin einzurichten. Voraussetzungen zur Aufnahme ist für weibliche und männliche Teilnehmer vollendetes 20. Lebensjahr, Ausbildung in einem anderen Beruf oder bereits ausgeübte Tätigkeit. Die voraussichtlich entstehenden Ausbildungskostcn werden monatlich 20 bis 25 RM. betragen. Der Lehrgang soll im April bzw. Mai 1936 beginnen. Das Wolilfalirts- und Jugendamt der Jüdischen Gemeinde, Bczirksstellc Norden, Abtlg. Jugendpflege, veranstaltet um Sonntag, den 12. Januar 1936, in der Aula der Schule, Große Hamburger Straße 27, einen Abend: Musik von Juden, Musik für Juden. Vortrag von Dr. Alfred Hcppncr mit Schallphittcndarbictungcn, Singechöre der Jugend. Der Reinerlös dient zur Unterstützung bedürftiger Jugendlicher des Bezirkes. Eintrittskarten beim Jugcndpflcgcdczcriiat, Rosenstraße 2—4, Jugendpflegeamt Norden, Schönhauser Allee 23/25, sowie bei den Jugendpflegen!. JVeue Bilderbogen im Berliner Jüdischen Kulturbund Die farbigen Ausschnitte aus dem östlichen Ghcttolebcn und aus der Landschaft Palästinas, vom Kulturbund schon einmal in den Rahmen eines Abends gespannt, haben sich auch in einer neuen Folge (im Bach-Saal) «Ts willkommene Darbietung erwiesen. Wobei der Orient dem europäischen Osten im Hinblick auf Quantität und Quulität den Vorrang überlassen mußte. Es erwies sieh zwar, daß die Mitwirkenden bessere Interpreten des Hebräischen sind als des Jiddischen, das nicht nur seine besondere sprachliche Melodie hat, sondern auch einen eigenen mimischen und körperlichen Ausdruck verlangt, aber die szenische Ausbeute der Ghettoromantik und des Ghettohumors war ergiebiger als die Apfclsinenernto und der tänzerische Ertrag Palästinas. Nur von dem Bild, das eine Gruppe von ^Jj/ächtcrn mit geschultertem Gewehr beim Lagerfeuer zeigt, und zu dem Edgar Alexander das aus dem Tonfilm „Land der Verheißung" bekannte Schir Hncmck in das Schweigen der Nacht nachdenklich erklingen läßt, ging stärkste Wirkung aus. Den Übergang vom östlichen auf den palästinensischen Schauplatz. vermittelte eine ausgelassene parodierend ratternde Eiscnbolmfahrt mit witzig-aktuellem Geräusch. Auf einen vorwiegend heiteren Ton, wenn auch in Moll-' mclodicn (von Erwin Jospo musikalisch gcscliiekt bearbeitet und straff lxjglcitct), war der erste Programmteil abgestimmt. Da ist der Lqhrcr, der den Chcdcrknaben in die Schwierigkeiten des Olef Bess einführt, damit er „Toiro lernt" (der Mclomed sollte allerdings wissen, daß man ein hebräisches Buch anders herum hinlegt I), da ist der drängende Choscn, der der ängstlich verkapselten Kalle ein Stündchen bringt, da sind die bekannten musizierenden und subtrahierenden fünf Brüder. Tnlmudgclehrtc sitzen, gestenreich die „alte Kaschc" erörternd, lonicnd um einen Tisch herum, und ein Kaftun-Wciscr pflegt mit drei langbärtigen „Rabboisai" eine tiefgründige Unterhaltung über das Problem, „wie der Kaiser Tee trinkt". Glanzpunkt des Abends; „Der neue Chascn", der mit pastoraler Würde, Bratenrock, Samtbarett, rötlichgclocktcn Pajcs und Regenschirm angetan, bei seiner Ankunft im Städtchen von neugierigen Fragen überfallen wird, um dann sogleich mit seinen Chormitglicdcrn daB Lccho daudi für den ersten festlichen Freitagabend-Gottesdienst einzuüben. Wie dieses widerspenstige Quartett unter Anführung des pfiffigen Schneiders den in seine Melodie verliebten Vorbetcr seiner Eitelkeit beraubt (Cliuzpol") und wie der musikalische Anführer zum Angeführten wird, das ist szenisch, musikalisch und darstellerisch von hinreißender Komik. Das Publikum gab sich nicht eher zufrieden, als bis die Chorprobe wiederholt wurde. Rolph It u d 6 (Ray), bisher nur als akrobatischer Tänzer bekannt, entfaltet dabei die Talente eines waschechten, amüsant charakterisierenden Komikers. Audi im Sprachbezirk des Jiddischen ist er als einziger aus dem Ensemble zu Hause. Sein verschmitztes dürres Sehneidcrlcin mit den listig funkelnden Äuglein, seiner Behendigkeit und der hämischen Freude am harmlosen Hineinlegen eines andern ist eine Gestalt wie einer Erzählung von Mcjidcle Mocher Sforim oder Schalem Alejcliem entsprungen. Der starke Beifall des Publikums dehnte sich auch auf die übrigen Mitwirkenden (Edgar Alexander, Max Koni n s k i, Alfred Lichtenstein, Leo Rohrstock (Rohr), Ruth Condcll (Anselm), Heinz Kahncmann, Dorothea Krause, Nclly Hirsch (Hirtli) und Lilly Heine mann mit ihrer bezaubernden Stimme) aus. Er galt auch neben Erwin Jospe dem cinfallrcichcn Regisseur Nicolai Eljaschoff und Heinz C o n d e 11 für seine andeutenden Wandclbilder. t—in. „Sekretariat für Bildende Kunft" Beim Reichsverband der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland (Sitz Berlin) ist ein „Sekretariat für Bildende Kunst" errichtet worden. Dio Adresse der Geschäftsstelle lautot: Jüdische Künstlcrhilfc, Bcrlin-Qiarlottenburg, Kantstr. 158. Das Sekretariat hat die Aufgabe, dio in Deutschland lebenden jüdischen Maler, Bildhauer und Graphiker zu erfassen und in ihren künstlerischen Angelegenheiten sachkundig zu beraten. Seine Tätigkeit soll darin bestellen, durch die Veranstaltung von Ausstellungen verschiedener Art und sonstige fördernde Maßnahmen die Beziehungen zwischen den jüdischen bildenden Künstlern und dem jüdischen Publikum in Berlin und im Reich möglichst eng zu gestalten, sowie darüber hinaus die Interessen der in Deutschland lebenden jüdischen Künstler im jüdischen Bereich wahrzunehmen. Das Sekretariat bietet nunmehr allen in Frage kommenden Künstlern, dio sich bisher noch nicht beim Rcichsvcrbnnd der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland an-, gemeldet haben, Gelegenheit, ihre Anmeldung bis zum 15. J a n u u r 1 9 3 6 zu vollziehen. An' Ausstellungen und anderen künstlerischen Veranstaltungen können von jetzt ab nur solche Künstler teilnehmen, die diese Anmeldung erstattet haben. Von allen geplunteu Veranstaltungen jüdischer bildender Künstler muß das ncugegrüiidcte Sekretariat rechtzeitig in Kenntnis gesetzt, werden, da es die Genehmigung zu vermitteln hat. Mit einer wohlgeluiigcucn Chanukka-Feicr in Form eines Liederubends ist die Volksschule Rykcstraßo der Knabenvolksschulo in der Kaiscrstraßo gefolgt. Der Abend brachte neben dramatischen Szenen und kleinen Singspielen oino abwechslungsreiche Programm folge von deutschen Volksliedern, hebräischon Gesängen und einem jiddischen Volkslied, die mit Liebe und Verständnis von Schülern aller Klassen zum Vortrag gebracht wurden. Die Veranstaltung stellte Lehrern und Schülern daB beste Zeugnis aus. Die jttdifchen Studierenden im Wintcrfemefler 1934/35 Nach den jetzt bekannt gewordenen Zahlen der Studierenden im Wintersemester 1934/35 befunden sich untor 89 093 Studierenden an den deutschen Hochschulen 538 Juden. Damit ist der Anteil der jüdischen Studierenden geringer als der Anteil der Juden an 'der Gesamtbevölkerung Deutschlands; er beträgt 0,6 v. H., während der Anteil an der Gesamtbevölkerung 0,77 v. H. beträgt. 323 ausländische Juden studieren in Deutschland. Bei diesen Zahlen sind nur dio Juden gerechnet, die der jüdischen Religionsgemeinschaft angehören. Die Zahl der abstammungsgemäß zu den Juden zählenden Studierenden wird auf 1132 angegeben. Am größten ist die Zahl der Juden bei den Studierenden der Medizin. Hier beträgt der Anteil l,2«/o, ist also doppelt so hoch wie bei allen Studierenden. Im ersten Semester befanden sich eine jüdische Studentin und drei nichtarischc. Dio Zahl der Medizin studierenden inländischen Juden hcläuft sich auf 263, die der Ausländer auf 151; Während das Frnucnstudium im Wintersemester 1934/35 insgcsnmt 13,5 o/0 betrügt, studieren von jüdischen Studenten 25 o/0 Frauen. Bei den ausländischen Juden studieren 14 »/o Frauen. Hiftorifcfaer Judenfriedhof in Saloniki in Gefahr Saloniki. Nachdem vor kurzem dio nationalistische Studcntcnverciniguiig „Fititiki Enossis" dio Auflassung des alten Judenfriedhofs von Saloniki zwecks Errichtung eines Sportplatzes für die Universität verlangt hatte, haben jetzt mehrere einflußreiche Persönlichkeiten in einem an die Regierung in Athen gerichteten Telegramm dieselbe Forderung erhoben. Ansehlüge gegen den Judenfriedhof von Saloniki, der bis auf die Zeit des Apostol PouIub zurückgeht und somit der älteste jüdische Friedhofs Europas »ein dürfte, sind in_ der, Vergangenheit wiederholt erfolgreich abgewehrt worden. Seitens der Jüdischen Gemeinde ist beantragt worden, den Friedhof untor Denkmalsschutz zu stellen, um so seine Erhaltung für die Dauer zu sichern. }• J

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