Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 15 (1935)
- Issue
- 51 (18.12.1935)
- Date
- 1935-12-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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f Zwischen Start und Ziel Ein jüdischer Sportroman von KÄTE WIENSKOWITZ 4. Fortsetzung Die Stoppuhr statt des Kidduschbcchcrs, und der Trainingsanzug an Stolle der Bcsomimbflchsc würden den Vater bestimmt nicht versöhnlicher gegen seinen Sohn stimmen und die Kluft zwischen ihnen noch vergrößern. Aber Benjamins Herz tat einen plötzlichen Freudensprung, er atmete wie befreit auf. Da waren doch die großen Fotos, die jede Einzelheit des verlorenen. Silbers naturgetreu wiedcrgabenl vielleicht war hier ein Ausweg. Mit Hilfe des von der Sparkasse abgehobenen Geldes ließen sich vielleicht von einem geschickten Silbcrschrnied Nachahmungen anfertigen. Dann gab er ein Telegramm an Dodo auf. Sie sollte ihn am nächsten Morgen gegen 11 Uhr auf Bahnhof Fricdrichstraße erwarten. Benjamin rechnete damit, daß Kaschnitzer die Eltern von der Flucht seines Lehrlings in Kenntnis gesetzt hatte, und er wollte zunächst erfahren, wie seine Handlungsweise zu Hause aufgenommen wurde. X. In der Zehlendorfer Villa herrschte eine gedruckte Stimmung. Köchin und Stubenmädchen gingen scheu umher und mieden Dodos Nähe nach Möglichkeit. Wahrscheinlich wußten sie über die Situation, in der sich Fürst befand, mehr als das junge Mädchen. Auch an Dodos Ohren war inzwischen das Gerücht von dem verunglückten Börscnmanövcr ihres Vaters gedrungen, aber wenn sie ihn selbst darüber befragt hatte, wilre sie schroff abgewiesen worden. Ihre Anteilnahme hatte er für Neugier gehalten, die er haßte. Doch quälende AngBt ließ ihr schließlich keine Ituhc mehr. Dio Antwort, die ihr der Vater auf ihre Frage gab, hatte sie nahezu vermutet. „Kümmcrc dich doch ja nicht um dio Gerüchtemacher, Kind. Von Bankgeschäften verstehen die wenigsten etwas, um so mehr von Klatsch und Tratsch. Sich mal, liier habe ich einen Barscheck über 2000 Mark auf Prager und Mayer in der Rosenthalcr Straße für dich! Kann es mir da wirklich so furchtbar schlecht gehen?" Er zog das schmale Papier aus der Brieftasche und reichte es Dodo hin. Mit erzwungenem Lächeln fuhr er fort: „Vergrößere damit deinen ,Büchcrwinkcl' recht bald, damit das Kapital sich schnell verzinst — und beschwere dir dein Köpfchen nicht weiter mit meinen Börsensorgen. Kannst mir glauben, dein alter Vater ist schon über andere Situationen Herr geworden als . . ." Er brach mit einer kurzen Handbewegung ab. „Mach lieber ein bißchen Musik .— damit man auf andere Gedanken kommt." Durdli die letzten Worte weder beunruhigt, ging sie nachdenklich mit ihm in ihr schönes, helles Musikzimmer mit dem schneeweißen ' Mignonf lügel. Der Blick, den sie dabei von der Seite auf das seltsam eingefallene Gesicht des Vaters warf, ließ sie zusammenzucken. Oder war es nur die grünlich schimmernde Beleuchtung, die von der großen Kastanie vor dem Fenster herrührte, daß er ihr so elend vorkam? Mit geschlossenen Augen, den Kopf leicht zurückgeworfen, ließ sie die Akkorde einer Beethoven-Sonate unter ihren Händen erbrausen. Derweilen dachte Fürst daran, wieviel Schwierigkeiten Dodo ihm aus dem Wege geräumt hätte, wonn sic Franz Vanfeldcna Braut geworden' wäre, und er stellte im Geist den reifen, gefestigten Mann neben den jungen, unerprobten Benjamin Bccrenstein, für den. Dodos Interesse offenbar noch nicht erloschen war. Nur cino Betrachtung gab seiner Gedankenreihe einen befriedigenden Abschluß, daß der junge Mensch in den Jahren seiner Abwesenheit sicher längst seiner Jugendliebe die Treue gebrochen, die er ihr mit siebzehn Jahren gelobt. Diese Vorstellung entlockte ihm einen Seufzer der Erleichterung. XI. 1 Kurz nach elf Uhr sollte der Beuthener D-Zug auf dem Bahnhof Alexanderplatz eintreffen — knappe fünf Minuten von der Zcntralmarkthallo entfernt. Aber schon cino halbe Stunde vorher vertauschte Hosi Becrenstein den weißen Kittel, in dem sie dio- Kundschaft an ihrem Stand zu bedienen pflegte, mit einem leichten, grauseidenen Mantel. Sollten Kaschnitzers über ihren penjamin denken wie sie wollten, sollte sein eigener Vater auch ihre Ansichten teilen — nichts hätte sie, die Mutter, daran hindern können, ihren Jungen von der Bahn abzuholen. Nicht gerade liebenswürdige Worte hatte Alexander Beerenstein seiner Frau mit auf den Weg gegeben, als sie sich ungeduldig von ihm <kitfernte, Frau Rosis Enttäuschung, als Benjamin mit dem Morgenzug nicht ankam, war grenzenlos. Einen Augenblick long hatte sie ijoeh an die geringo Möglichkeit geglaubt, ihn auf dem Bahnsteig verfehlt zu haben. Aber auch in der Wohnung, die dem Bahnhof' schräg gegenüber lag, war er nicht eingetroffen. Natürlich — grübelto sie — der arme Junge traute sich.nicht nach Hause, weil er den Jähzorn des Vaters fürchtete. Sie sah ihn verzweifelt in irgendeiner fremden Stadt umherirren, ohne Geld, ohne Verwandte und Freunde, bis ihr einfiel, daß er ja wenigstens im Besitz einigen Geldes sein mußte. Alexander würde, ein schönes Gesicht machen, wenn er zu Mittag nach Hause kam und Benjamin nicht vorfand. Auch Regina hatte enttäuscht ausgesehen, als Rosi .allein von, der Bahn zurückgekommen war. Auf alle .Fülle beschloß Frau Beerenstein, sich auch von der grimmigsten Laune ihres Alexander nicht ins Boxhorn jagen zu lassen und, wenn es sein mußte, ihren Jungen zu verteidigen. ' ..' ■ . . * . Heißes Glücksgefühl hatte'von Dodo Besitz ergriffen; als sie am Morgen im „Bücherwinkel" durch : Benjamins Telegramm, daß sie ihn vom Bahnhof Friedrichstraße. abholen sollte, überrascht worden war. Weshalb er so'überraschend kam, drei Monate früher, als er'zurückerwartet wurde,: weshalb er nicht den Zug am Bahnhof AJexandcrpIatz vcrlosscn wollte, von wo er nur wenige Schritte zur elterlichen Wohnung hatte, darum kümmerte sie sich in ihrer Freude nicht. Ganz aufgeregt machte sie ihrer Freundin Ruth Schiff klar, daß sio sie heute den ganzen Tag im Laden vertreten müsse. „Wenn jemand nach mir fragt, dann sage — ich sei zur Bahn befohlen worden — ach, sag was du willst." „Und wen erwartest du wirklich, wenn ich mich privatim zartfühlend erkundigen darf? Ich denke, die Sache mit Franz Vanfeldcn ist aus?" . Dodo stand vor dem Spiegel und rüokto den großen, schöngeschwungenen schwarzen Florentinerhut zurecht. '„Tranz? Wer spricht von Franz? Hast du schon vorgCBseh, daß der.Franz' — Bonjuuiin. heißt?! Wiedersehn! Und — vertritt deine Chefin würdig." » Auf der Fahrt von Beuthen nach' Berlin kreuzten tausend wirre Gedanken Benjamin Beerenateins Gehirn. Aus allem brach Jeuchtend .der Name Mabcl 6000 hervor. ' Dodo stand tief im Schatten. Sio liebte sicher. längst «inen anderenals ihn, den dummen Jungen, der ihr einst" auf dem Heimweg vom Sportplatz das .Versprechen abgenommen hatte, auf ihn zu warten, bis er ihr ein eigenes Heim schaffen konnte. Jahre würden darüber vergehen, che er vor Dodos Vater hintreten und ihn um die Hand seiner iTochter bitten könnte. Aber wenn sie auch einen andern hebte, vielleicht wurde sje ihn dennoch nicht im Stich, lassen, wenn er sich um Hilfe in seinen mannigfachen Nöten an sie wenden würde.- In diesem befriedigenden Gedanken war er während der Fahrt eingeschlafen, und er wachte erst auf, als der Zug in den ersten Berliner Bahnhof einfuhr. , : „Bcnnio! Benniel Kennst du mich wirklich nicht mehr? Du läufst ja schon das zweite Mal glatt nn mir vorbei!" ■ ' Als Benjamin drei Jahre zuvor Berlin verlassen hatte, war er ein sehlacksigcr Junge, Dodo ein halbflüggcs, eckiges Müd6l gewesen. Doch während Dodo ihn. jetzt auf den ersten Blick' wiedererkannte, war er an dem ' Mädchen, das ihm bereits mit dem Taschentuch zugewinkt hatte, als der Zug in die Halle brauste, zweimal yorbeigelaufen. Lächelnd hatte sie ihn gewähren lassen, vielleicht würde er sie doch noch erkennen. Schließlich aber siegte ihre Liebe über den Ubermut, der sie erfüllte, und sie rief ihn an. Als Benjamin sio vor sich sah, strahlend und voll herber Süße, war Mabcl vergessen. Wie verzaubört starrte er Dodo an, die ihm lachend die Hand entgegenstreckte. „Donnerwetter, hast du dich verändert, Dol" rief er anerkennend. „Du bist ja eine richtiggehende Schönheit geworden." Dabei tauchto Mabels lichte Erscheinung 2um Greifen deutlich weder vor ihm auf. Im Geiste verglich or dio beiden so grundverschiedenen Frauen — mit Mabcl konnte Dodo sich, trotz allem., nicht messen. „Bennie, ich habe etwas nachzuholen — damals, als ich dir davonlief, war ich ein dummes Ding. Tch habo heute etwas gutzumachen." In dem lauten Getriebe des Bahnhofs waren ihre leise gesprochenen Worte kaum zu verstehen. Vorsichtig legte sie ihre Arme um seinen Hak, hob sich auf die Zehenspitzen empor, und zum zweiten Male innerhalb weniger Tage legten ein paar weicher Frauenlippen sich auf Benjamins Mund. Erschreckt fühlte Dodo, " daß ihr Willkommcnsgruß keine Erwiderung fand. Schwer wie Blei sanken ihre Arme herab. Mißtrauen befiel sie. Als Benjamin die Wirkung seines Verhaltens spürte, schalt er sich einen dummen Tölpel, wütend über sicii selbst, packte er Dodos eiskalte Hand und preßte seine Lippen darauf, , „Du darfst mir nicht böse sein, Dodo. Ich werde dir alles, erklären, laß uns irgendwohin gehen, wo wir uns ungestört aussprechen können. Du weißt nicht, wie es in mir aussieht, und wenn du mir jetzt davonläufst , dann weiß ich nicht mehr ein noch aus." Erst als sie in einem Nebenraum bei Dobrin am Tiergarten einander gegenübersaßen und bei der Kellnerin ihre Bestellung gemacht hatten, sprachen sie wieder miteinander. Benjamin griff erneut nach Dodos Hand, die, noch immer eiskalt, zur Faust geballt, auf dem Tisch ruhte. „Kann ich ein offenes Wort mit dir sprechen, wie früher, wenn wir vom Sportplatz kamen und ich mir alles von der Seele runterreden durfte', was mich bedrückte?" Sic lächelte schwach und zog ihre Hand unter Beincr großen, wärmenden Rechten hervor. Feucht stieg eB ihr in die Augen. Ihr Schweigen als Zustimmung nehmend, fuhr er überstürzt zu sprechen fort. Man merkte deutlich, wie froh er sein würde, wenn das, was er sagen wollte, erst ausgesprochen war. Mit verlegener Hast schilderte er seine merkwürdige Bekanntschaft mit der Amerikanerin, die AbschiedBszcnc auf dem Bahnhof und die Liebe', die er für Mabcl empfinde. „So?" sagte das Mädchen ihm gegenüber still. „So?" Nichts weiter als diese eine Silbe, aber es genügte, um Benjamin klar .zu machen, wie gefühllos er sich benommen hatte. Dann nach einer Weile der Überlegung: „Deine Offenheit, Benjamin, verpflichtet mich", rang sie sich ab, „dir gegenüber gleichfalls nichts, zu verschweigen. Und so muß ich dir sagen, daß Franz Vanfclden mir einen Heiratsantrag gemacht hat. Und nun, nachdem wir uns gegenseitig ausgesprochen haben, könnten wir uns vielleicht gleich adieu sagen. Gerade heute hab' ich nämlich eine Unmenge zu tun." Sie wollte üirc Handschuhe überstreifen und sich erheben, aber Benjamins flehender trauriger Blick hielt sie zurück. „Früher hattest du immer Zeit für mich", bcttelto er. „Die Hauptsache hast du ja noch gar nicht erfahren." „Nicht die Hauptsache?" dachte sie bitter und blickte ihn erstaunt an. Was konnte er ihr noch Schlimmeres mitzuteilen haben, als daß eine Fremde ihr das Liebste gestohlen hatte? Betroffen hörte sie die Geschichte von den versteigerten. Kültgegenständen an, „Wie?", erregte sie sich, „ein jüdischer Mensch bringt es fertig, ohne Not, um nichts und wiedor nichts,- derartige Dinge zu vorsetzen und nicht wieder einzulösen? Denn du kannst mir doch nicht einreden, daß du Hunger oder kein Dach über dem Kopf gehabt hast, als du mit dem Silber ins Leihhaus gegangen bist. Hättest du mir eine einzige Zeile über deine bedrängte Lage geschrieben, dannwäre Vater dir sofort bei-; gesprungen. Das mußtest du doch wissen, Benjamin." Zu dem Kauf der Sportkleidung und der Stoppuhr, schwieg sie minutenlang still. Was sollte sie darauf erwidern? Gewiß, die frommen Gegenstände hätten dem religiös erzogenen Ben heiliger sein müssen, als sie es gewesen waren. Aber konnte man es ihm übelnehmen, wenn er dort oben, an der polnischen Grenze, wo es keinerlei Anregung für ihn gab, wenigstens seinen Sport weiter ausüben wollte? „Daß sich dein Vater wie ein Kind auf das Erbe des Onkels freut, weißt du anscheinend gar nicht?" erkundigte sie sich nach einer langen Pause. Benjamin, der geschwiegen hatte, weil er ihre Gedanken nicht unterbrechen wollte, rief erregt: „Das ist es doch gerade, Dodo! Ich darf es doch schon um Mutters willen nicht gleich weder zum Krach kommen lassen. Ich bin sicher,' mein verflossener Herr Chef hat schon einen gepfefferten Brief , an meine Eltern geschrieben .und sich bitter über mich beklagt. Dodo, liebe Dodo, bitte hilf mir aus der Patschet Dein Franz wird schon^nichts ■ dagegen haben, wenn du mir in dieser verzwickten Sache behilflich bistl" „Wer?" Unverhülltes Erstaunen lag in den Zügen des Mädchens. Aber schon hnttc sie sich wieder in der Gewalt; sio selbst hatte durch ihre Erzählung Benjamin ja dazu gebracht, von „ihrem" Franz zu sprechen. Armer Vanfelden —, er. war Dodos Herzen ferner denn je, seit der schlanke Junge mit den großen braunen Augen ihr wieder gegenübersaß. In seiner Hilflosigkeit tater ihr so leid, daß sie selbst seine Treulosigkeit darüber vergaß. „Ich weiß' keinen Ausweg", sagte sie endlich aus ihrer tiefen Versunkenheit heraus, in der Franz und jeno unbekannte Mabe) cino bedeutsomo Rolle gespielt hatten'.' ». * „Kennst du nicht einen geschickten Silbcrschmied, der die Gegenstände nach den Photographien kopieren würde?" Sie starrte ihn entsetzt an. „Aber Bcruüc, das wäre ja Betrug, Und dazu soll ich mich hergeben — so könntest du deine Eltern täuschen wollen?" „Die Mutter nie!" antwortete er knapp. „Und nun sag mir kurz und bündig, ob ich'auf dich rechnen kann oder nicht. Lange, bin ich dieser Nervenprobe kaum noch gewachsen!" „Ich auch nicht", wollte Dodo sagen,- unterdrückt« die Bemerkung aber,- noch rechtzeitig. Fortsetzung folgt. ES SIND ERSCHIENEN: ■ Die altneue Zunz-Bibel "^Besitzen wir auch noch keine Geschichte der von jüdischer - Handerstellten deutschen Bibelübersetzungen, so ist man doch darin einig, daß Boglcich dio erste vollständige, dio von Leo- ' p o 1 d Z u n z vor etwa 100 Jahren unternommene, epochemachend wjrktc. An ihr waren Männer beteiligt, deren Fähigkeiten ■ sich ergänzten, der bedeutende Liturg HirecTi Arnhcim, de* Gram1-' maükcr und Lexikograph Julius Fürst, der feinfühlige'- Dolmetsch synogogalcr Poesie Michael Sachs. Soviel Übertragungen - irri Laufe der Zeit auch folgten, sio wollten mehr dem Bedürfnis > n&'ch Wort- und Sacherklärung, Excgcso und Homiletik entgegenkommen: so die Werke von Salomon Her xhc imo r, von■■: Julius Fürst und Ludwig Philippson.' Als deutsche Toxtbibel behauptete die von Zunz gelieferte ihren Rang; sie wardcrV „rpehcr de bronce" auch gegen dio andrängende Flut der Text und Gehalt verwirrenden, oft zersetzenden bibclkritischcii Schule. Nicht allein der schlichte jüdische Bibcllcscr, ouch der Gelehrte und Forscher konnte zur Zunz'schcn Übersetzung Beine Zuflucht nehmen, die ihn auch bei den schwierigsten Stellen nicht im Sjtich ließ, und wenigstens dio Meinung unserer eignen, gowisaenliaften Textforscher und -kenncr, der Mnsoreten, in unbedingter Zuverlässigkeit wiedergab.. Sio kann wohl an Glätte und Wohlklang, nicht aber an Treue übertroffen werden. Dieser Sachverhalt erklärt es, daß auch die neueste^ unter Leitung von Harry Torczyncr unternommene, noch unvoll-. Btändigo deutsche Bibel an die Zunz'schc anknüpft-, nur daß sio das Vorrecht der wohlhabenderen Kreise bleiben wird, wie dio jede Volkstümlichkeit ablehnende Roscnzwcig-Bubcr'sehe diejenige der literarischen Feinschmecker. Und somit ist das liieranzuzeigende Erscheinen dor 17. Auflage der altncucn Zunz'schcn Bibel lebhaft zu begrüßen, als Probe auf die anerkannte Klassizität dieses Werkes und als dankbares Bekenntnis zur geistigen Kontinuität in unserer Gemeinschaft. .. Von allen früheren Ausgaben unterscheidet sich die vorliegende nur durch die Verwendung der Antiqua-Type an Stelle der. Fraktur, und durch die Einführung der neuen Orthographie» anstatt der altväterlichen der Biedermeierzeit. Wieder haben wir dif: .hebräische Wahrheit in deutscher Übertragung vor uns, ohne Zusätze oder Abstriche, vor allem ohne fremde Einflüsse. JJudl sie kommt zu rechter Stunde, wo mit dem neuen Interesse furche hchräischc Sprache auch die allmähliche Rückkehr zur Bibel in der UrBprachc zu erwarten ist. Hierbei wird dio altbewährte Zunz- Bibel die beste Hilfe und Handreichung leisten! Der Vcrlng Leo Alterthum und die rülunlichst bekannte Buch- und Steindruckerei Max Lichtwitz haben sich mit der Neuhcraiiägulx) ein kulturelles Verdienst erworben. Sache jüdischer Mäzene würde es sein, das trotz niedrigem Preise noch immer nicht allen erschwingliche Volksbuch durch Ankauf größerer Partien überall, besonders in den Kreisen der Jugend, zu verbreiten. Dr. S. Samuel (Berlin;. * Julius Höxter: Jüdische Geschichte und Literatur in vergleichenden Zeittafeln. J. Kauffmann Verlag, Frankfurt a. M. Der Verfasser des Qucllcnbuchcs zur jüdischen GcBchichto und Litcrotur hat jetzt als eine Art Ergänzung zu dem verdienstvollen und viclbcnutztcn Werk dieBc Zeittafeln herausgebracht. Sio unterscheiden sich vorteilhaft von ähnlichen Daten-Gerippen insofern, als sio in synchronistischer Weise ein leicht überbhekbarcs Bilddes gleichzeitigen Geschehens der Weltgeschichte, der äußeren Geschichte der Juden sowie ihrer religiösen und geistigen Kultur bieten. Auch die Querverbindungen in den verschiedenen .Ländern werden in dieser Zusammenfassung aufgezeigt. Ein beliebig herausgegriffenes Bcispiol dieser Synopsis: Während Wilhelm der Eroberer von 1066 bis 1087 in England herrscht, erfolgt 1066 d£c;. Niedcrmctzclung der Juden in Granada. Gleichzeitig erweist Alfqnso VI. von Kastilien don Juden, die zu Tausenden in seinem Heere kämpfen, seine Gunst. In Deutschland rühmt um die glcicho Zeit Heinrich IV. in dankbarer Anerkennung die Treue der Wonnscr Juden, Bischof Rüdiger von Speyer nimmt sie in Speyer auf und verleiht ihnen ein besonders günstiges Privileg, Während in England eine Einwanderung der Juden aus der Norfnandic erfolgt; werden sio in Italien vom' staatlichen Leben nus-; geschlossen. Es ist die Zeit der höchsten Blüte jüdischer Dichtung und Wissenschaft in Spanien und des Wirkens des Bibel- und f Talmuderklärcrs Haseln in Frankreich, sowie in Mainz und i 'Worms So orientieren diese Zeittafeln, angefangen von der Kultur:!. der Sumerer in Ur und der biblischen Zeit der Stammväter um;; 2000 v. bis in unsere Tage knapp und prägnant und cinprugsam';' über Leid und Freud, über Blüte und Verfall jüdischen Lcbcns.- ' Eine wesentliche Neuerscheinung auf dem jüdischen Büchermarkt.. j Stcinmatzkys Palästina-Führer. Unter Mitwirkung . von' : Dr. A. Bonne herausgegeben von Zcv Vilnay. Slcinmatzky Publishj ing Comp. Ltd. Jerusalem 1935. ■. ■?. i \. '■ In der überreichen Palästina-Literatur gebührt diesem Hiuuli buch als einem wertvollen, unterrichtenden und unterhaltenden: ■ Begleiter jedes Palüstinarciscndcn ein erster Platz. Es verbindet' >; mit der Annehmlichkeit einer flüssigen Darstellung den Vorzug, : über alles Wissenswerte aus Vergangenheit und Gcgonwart des. i Landes in erschöpfender Wciso zu unterrichten, über Landos-j künde, Bcvölkerungsverhältnissc, Kolonisationsfragen, über (von - Dr. Max Osborn dargestellte) künstlerische und archäologische Dinge, über Hotclprcise, hebräische und arabische Bezeichnungen und andere praktische Fragen jeder Art, dio die Orientierung im Lande erleichtern. Die anschauliche Beschreibung der Reise- .■, wege, der Landschaft, der Städte und Siedlungen wird durch ein reiches. Karten-, Skizzen- und Bildmaterial in willkommener Wciso ergänzt. Bibliographie des jüdischen Buches. Von der bei Joel Sänger, -. Frankfurt am Main (Herderstraße 30), erscheinenden, .„Biblio-.-, graphie des jüdischen Buches" wird - soeben der erste Halbband des zweiten Jahrganges versandt, der vornehmlich Bücher aus 1935'.. enthält. Die Bibliographie hat sich zur Aufgabe gestollt, das; .gesamte Schrifttum aller Länder über Juden und Judentum systematisch zu erfassen. Der Herausgeber hat seiner Zeitschrift cino bibliographische Auskunftei angegliedert, dio jedermann zur Vcr- ■ - fflgung stellt. Ein neues" Buch von Arthur Silberglcit hat die Künstlcrhitib der Jüdischen Gemeinde Berlin (Cliarlottcnburg, Kantstraßo 158)' herausgebracht. Das'etwa 30 Seiten starke, kartonierte BSndchcn kostet eine Mark. Eine Anzahl Exemplare der in beschränktem Umfango hergestellten Auflage wurde vom Dichter handschriftlich signiert. , S. Schachnowilz: Flucht in die , Heimat. Ein Dokument der .. Zeit. Hormonvcrlag, Frankfurt a. M., 1935. Mit der gewandten Feder eines Routiniers, der Situationen anschaulich darzustellen : versteht, schildert Scbachnowitz die Wandlung einer Familie zur Orthodoxie und ihre Wanderung itsch Palästina, so daß der Titel seine seelische und geograpmscjrci Bedeutung erhält Ein einseitiger Tendenzroman,- .dir niclts anderes gelten läßt als den unserem religiösen Standpunkt entgegengesetzten Misrachigedankcn. IV : Siphre zu Deteuronomiuni. In den Veröffentlichungen flor1 Gesellschaft zur Förderung der ■ Wissenschaft des Judentums erscheint jetzt (im Verlag M. und H. Marcus, Breslau) die erste Lieferung des Siphre zu Dcüteronomium, herausgegeben von dem