Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 15 (1935)
- Issue
- 51 (18.12.1935)
- Date
- 1935-12-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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. t ^rrx*<WfFW*>^ ^r'Tm^v—< ^«r* ~-*7~ * -t^™ Wv:r^ : <,v?^ entfallt das Trendel Arons Hand, fallt auf die Felsplatte und — dreht aich um. Und was dann geschah? Wollt ihr es wissen? So hörtl Als die Schlange das tanzende Trendel sah, begann auf einmal ■ auch sie sich zu drehen . . . Aron hotto nicht geschrien, und die Schlange war auch nicht von der Stelle gewichen. Es kamen Bauern aus dem nahen. Moschaw, erschlugen die Schlorigo, faßten sie am Schwanz und nahmen sio mit sich. Sie logtcn'sie in Spiritus und bewahrten sie auf. Hier liegt sie vor uns, unsere 'Wundcrachlangc. ' Aus: Das Jfidischo Jahr, Heft 8, der- Jüdischen Lcscheftc (Schocken-Verlag). . Samuel Lublinski . .. Von M. S.. HUEST In der Fülle seines Dichtens und Schaffens ist.. Samuel Lublinski, ein Denker von eigenem, scharf umrissenem Gepräge, am 25. Dezember 1910 in Weimar plötzlich dahingerafft worden. Ein vielseitiges Leben, in demer mit chrfürclitigcm Schauer an die letzten Geheimnisse der Scelo rührte, entrollt sich vor uneiern Augen, wenn wir die große Reihe seiner.Werke durchmustorn.;Wcnh auch viele von ihnen keine große Verbreitung fanden; so •wurdcn'dio gedankenschweren'Arbeiten' doch von den Kultur- und Literarhistorikern aufs höchste anerkannt und zeugen von dem sittlichen Ernst einer unablässig strebenden Persönlichkeit, die unter schwersten Bedingungen großen Zielen zugewandt war. . Samuel. LuWinski war am 18. Februar 1868 in dem ostpreußischen Städtchen Johannisberg als Sohn eines angesehenen Kaufmanns geboren. Nach mancherlei Irrungen und Wirrungen an_ mehreren Schulen, wo ihn Bein:stark ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl in Konflikt mit einigen Lehrern trachte, widmete er sich dem buchhundlcrischch Beruf, der ihn gleich in dos Land seiner Träume,' nach Verona und Venedig; m diiB wissenschaftliche Antiquiriat ,voa Leo 8. ÖiscMä führte. Dort suchte er sein Wissen durch' gründliche geschichtliche und philosophische Studien in der Bibliotcon- ^arciana'zu., erweitern'und trieb unter dem Einfluß Ibsens dramatische „Allotria",', die von ihm später als. unreif erkannt und vernichtet wurden. ' Nach omer-längeren Episode in Heidelberg sagte er 1895 dem Beruf,-dem er .Bich' nur notgedrungen verbunden fühlte, endgültig Valct, siedelte nach' Berlin über und begann hier seine Wirksamkeit .als freier;. Schriftsteller, in der er sich''mit den geistigen und politischen Strömungen des Tages auseinandersetzte/ Leidenschaftlich beschäftigte er sich mit dem Problem der Judonfragc, war eine Zeitlang eifriger Anhänger des Zionismus, ließ ober auch eine vollständige Assimilation als einen Weg zur°Lösung des jüdischen Problems zu. Wegen dieser zwiespältigen Stellung, der er auch iii einer Reihe von Aufsätzen in der „Neuen deutschen Rundschau" Ausdruck gab, wurde er von Achad Haara scharf kritisiert. Lublinski war bemüht; die'Literatur in die Gesamtheit der allgemeinen Kulrurcntwicklung einzuordnen und ihren Entwicklungsweg nach ihr festzulegen. Er inaß in seiner vierbändigen „Literatur und Geschichte im 19. : Jahrhundort" die Größe und Bedeutung der neuen literarischen Bewegung mit strengem Maßstab und setzte sich in den Werken „Bilanz der Moderne" und „Ausgang der Moderne" mit der naturalistischen und ncuromantiaclien ' Schule kritisch auseinander. Durch kühne Verwertung der neuesten mythologischen Forschungen suchte er in seinem kulturhistorisch bedeutenden Werk „Der «christliche Erdkreis und sein Mythos" den positiven; synthetischen Gehalt des Mythos herauszuarbeiten, und in seinen . Schriften „Vom unbekannten Gott" und „Die Humanität des Mysteriums" entwickelte er auf der Grundlage des kantiseben Kritizismus eine metaphysische Lehre von der Allhumanit&t,: Wonach der GegenBotz von Gattung und Individuum, von Form und Stoff schließlich .durch das Mysterium der reinen Menschlichkeit ■ aufgelöst wird. . ' Sem großer Erkenntnisdrang, der sich scharfsinnig in die letzten Probleme einbohrte, war die unerschöpfliche Nairungsqucllc seiner sittlichen Leidenschaft, dio ihn endlich zwang, sich auch in dichterischen Gestalten auszuleben. Seine Tragödien „Peter von Rußland", „Gunther und Brunhild" und „Kaiser und "Kanzler" zeigen naturalistisches, Gepräge, aber sein Naturalismus weist schon in seinem ersten Drama „Hannibal", das später umgestaltet wurde, selbständige .Züge auf. Und in seinem letzten . Trauerspiel ist alles Geschichtliche als zeitlich Bedingtes in rein Menschliches aufgelöst. < Auf der Höhe seines Schaffens wurde er - neben Paul Ernst, Leo Greiner und 'Wilhelm von Scholz als Hauptträgcr der neuklassischen Literaturbewegung bewertet und geschätzt. .-...' ■ , 1 Wio Bchon erwähnt, befaßte Bich Lublinski schon im Beginn seiner literarischen Entwicklung viel mit " jüdischen Problemen. ^Dayon legen seine' .'Jüdischen Charaktere bei Grillparzer, Hebbel JJghd Ludwig,"; die^Vorstudie zu seinem .Werk über das Urchristentum«.?c. Entstehen g des Judentums", und zahlreiche ArbePtcn> '"Mo die'.Schwester des Frühvollcndetsn. aus seinem NuchlSßf1 -herausgab, rwredtes ^ugms^ab. Seih Streben nach den höchste^? 'Idealen, sein allen Nutzzwecken abholder Sinn, sein tiefes rfcJ}Eu>ac9 Grundgefühl. beherrschen alle Erzeugnisse seines vielseittglKn ^eistc8, Wahrheit war das Ziel seines auf Entwickluhg 3u,n^ Vervollkommnung der Menschheit gerichteten Forschet rjr"cnt8 kennzeichnet besser sein dichterisches Schaffen als ein flJrBgnonttir Satz im „Ausgang der Modcrno": „Ich schrieb mein Bu*'1 vor allem als ein Suchender, ich wollte ein Problem zum Bewußt»6'11 bringen . . . Nur dadurch entsteht Entwicklung und Zjlcuiift,'. dAß man seinen Glauben zum Dogma formt und dieses'V*0 «Jnen Pfeil in den Raum der Zeit hinausschwirren läßt. Was itu* es, ob' der .Pfeil ins Schwarze trifft, wenn er nur in die pukunft weist und1 wenn danach auch andere den Bogen span',en'" , " Jüdifclie Mufik unferer Zeit Die Frage nach Exiatcnz und Wesen jüdischer Musik wird heute begreiflicherweise besonders lebhaft erörtert. Auf dem Gebiet der Kunstmusik liegen die Dingo am meisten problematisch, da hier, im Gegensatz, zum einstimmigen Volks- und Synagogen- , gesang, eine Tradition nicht besteht und nur durch Verwendung von Melodien eben aus diesem einstimmigen Bereich ein gewisser Anschluß möglich wird. Es tritt hinzu die problematische Ehe der meisten um einen jüdischen Stil ringenden Komponisten mit dem Impressionismus, dessen freie Tonalitfit zwar die jüdische Melodik vor der inadäquaten Einzwängung in. das Dur-Moll-System bewahrt, dessen überfeinerte Haltung aber jener Schlichtheit und Lapidaritat, deren wir bedürfen, im Wege steht. Diese Situation, mit der übrigens auch entsprechende Strömungen bei anderen Völkern zu kämpfen hatten, erhellte wiederum aus einem Kulturbund-Liederabend „Jüdische Musik unserer Zeit". 'In seinen einleitenden Worten unterschied Dr. Hans Nathan eine ost- und eine westjüdische Komponistengruppe; die westliche steht ihrem ganzen Erbe nach vor der schwereren Aufgabe. Und doch empfand man dann A. Wepriks urkrAftigcs „Hont zu Hant" oIb gänzlich russisch; eine' stärker ausgeprägte Eigenart zeigt sich schon in A. Kroins toxtlosem „Ornament". E. Blochs subjektivistiach-Bcnaible Schreibweise verträgt sich nun einmal schlecht mit der Klassizität der Bibel. H. Schaut war mit einem echt empfundenen, aber noch stark in H. Wolf wurzelnden Werk vertreten. In Milhauds „Lied vom Schmied", einem Meisterstück an Originalität und Geschlossenheit, spürt man förmlich das erzene MotalL — Der zweite Teil brachte hauptsächlich palästinensische Volkslieder.. — Leo Barczinslti, von Hans jNurhon verständnisvoll begleitet, setzte seinen klangvollen Bariton mit künstlerisch durchdachtem Gestalten ein. Chcmja Winawor und seine Sänger An- Virtuosität der C^rtcchnik stehen diese 30 Sänger im jüdischen Kunstlcbcn wohl unerreicht da: auserlesenstes Stimmmntcrial, eine nur durch lange Übung erreichbare absolute Homogenität des Gesamtklangcs, die überlegen ruhige Zcichcn- . gebung Winawers, eigenwillig und doch auf strengsten Kontakt mit dem Chor gegründet — das ergibt ein Resultat, das nicht . nur im Stil; sondern auch qualitativ an die berühmten Kosaken- ' chörc erinnert. Die falsettiercndcn Tcnöro mischen sich mit den orgelartig sonoren Bässen zu einem Piano von schlackcnloser Schönheit und'Transparenz. Der äußerst .gepflegte Ansatz ermöglicht eine geradezu instrumentale Präzision und Leichtigkeit der Tongcbung. — Das Programm enthielt neben einem kontrapunktisch interessanten „Anu bonu" von E. W. Sternberg Bearbeitungen hebräischer und jiddischer Lieder aus der Hand Winawers, die zwar mitunter der Gefahr einer gewissen Einförmigkeit des Artistischen nicht entgehen, andererseits aber in ihrer östlichtraditionellen Art den ganzen Reichtum lebendiger chorischcr Möglichkeiten ausbreiten, der uns aus der neueren Cfoorliteratur nicht mehr geläufig ist, teilweise ober mit zum Bestand auch der ' älteren deutschen Chorkunst gehörte, wie.. etwa <AmFalscttieron, das z. B. in dem Licde „Sog 6chc, robenju" der in ihrer Mcssiossehnsucht ergreifenden Molodio gerade den rechten Ausdruck gibt. — Der überaus wertvolle Abend, der im Rohmen des Kulturbundes stattfand, wies erfreulicherweise auch einen Btarkcn Besuch von Jugendlichen: auf. : ' . Populäres Konzert der Kü ns 11c rhi 1 f e Das Orchester der Künstlcrhilfo bewies in zwei populären Abenden, daß es einen auf ernster Probenarbeit .beruhenden Aufstieg durchmacht. Ich hörte eine präzise, straff rhythmische Wiedergabc von Schuberts „Ballcttmuaifc aus Rosamundc', unter Rudolf Schwarz' knapper, sicherer Zcichcngcbung. Fritz Wallenberg dirigierte dann beschwingt Offenbach und Lchar, wobei das tonschönc Spiel des ersten Konzertmeisters besondere auffiel. Außer Wilhelm Guttmann und G. Zcelander ' hatten sich zwei Diener der heiteren Muse zur Verfügung gestellt: Marion Kocgels Chansonkunat ist nicht immer frei von der Schablone. Max Ehrlichs sprudelnde Scheinnaivität fand, zumal mit Hilfe eines eigens angeschleppten kleinen Telefons, sofort den rechten Anschluß. H. Freyhan. Großmutterherz auf Reifen Kinderbriefe als Dokumente unserer Zeit Der Titel eines Buches einer begabten englischen Schriftstellerin lautet: „Mutterherz auf Reisen". Das Buch selbst hat in seiner humorvollen,-wenn auch müttorlich innigen Art nichts mit dem Judentum zu tun. Dennoch zitierte einer unserer bekanntesten Berliner Rabbiner diesen Titel kürzlich von der Kanzel herab, weil er zutrifft auf die Lage vieler jüdischer Mutterherzen. „Mutterherz auf Reisen" — ja vieler jüdischer Mütter Herzen sind jetzt auf Reisen voll Sclmsucht und Sorge zu den Kindern, den Großen und den Kleinen, die hinausgegangen sind. Hinausgegangen sind, damit der jungen Generation ein neues Leben, ein neuer Lebensinhalt erblüht, und in kluger, frühzeitiger Erwägung für ihr späteres Fortkommen. Opfer über Opfer, die Eltern und Großeltern bringen müssen aus Liebe zu den Kindern und Enkeln. — Schwer leiden unter dieser Trennung die Großmütter. Eine kluge Großmutter hat einmal gesagt: Erst in den Enkeln genießt man das ganze Glück des Kindersegens. Aber unter den jüdischen Großmüttern unserer Zeit sind viele, sehr viele von der Freude, mit den Enkelkindern noch einmal jung zu werden, teilhaben zu können an ihrem Heranwachsen und Gedeihen, an ihren kleinen, alltäglichen Freuden und Leiden, ausgeschlossen. „Großmulterhcrz auf Reisen" — vieler Großmütter Herzen leben in heißem Fernweh nach den Enkeln. Die Trennung von den Enkeln wird der älteren Generation oft noch schwerer als von den Kindern, die auf eigenen Füßen stehen, dem Elternhausc schon entwachsen, dio dio Heimat aufgeben mußten. Das Großmutterherz nähme so gern teil am Werdegang, an der Entwicklung, am Herohreifen der Jugend, Dieses Mitlcbcn, auch wenn es nun ^etzt in noch so ausführlichen Briefen und Berichten, in noch so anschaulichen Schilderungen von der neuen Heimat Kunde gibt, bedeutet doch immer nur ein Erleben aus der Ferne. Nicht können Großeltern mehr mit kleinen 'Liebesbeweisen . und Lieblingsbissen, mit Geschenken und Gaben die Enkel verwöhnen — wie eben Großeltern zu verwöhnen vermögen. Besuch bei den Großeltern — war das nicht immer ein Fest für die Kinder? Das Großcltcrnhaus ein ständiger Born der Liebe, wo alle Spannungen von Haus und Schule ausgeglichen, beschönigt, ja, selbst getadelt, schneller überwunden wurden? Die Verwöhnung von Großeltern bleibt jedem Menschen eine der schönsten Kindheitscrinncrungen. ' Diese Erinnerungen an das Großclternhaus und damit an die Heimat wachzuhalten, auch wenn Meere und Länder aich zwischen Großeltern und Enkelkindern dehnen, muß das Ziel aller Verbindung sein in Briefen und Berichten. Ein neues Erlebnis tritt nun an Stelle des bisherigen Zusammenseins: das sind die Kindo rb rie f c. Ein ganz neues Verhältnis entwickelt sich da zwischen den Enkeln und Großeltern. Mit diesen Kinderbriefen wird den Kleinen undden Größeren bei der Niederschrift ihrer Berichte vielleicht erst ganz das innige Verhältnis klar, das . zwischen ihnen und den Großeltern besteht. Was sie bei kindlicher Lebhaftigkeit, vielleicht auch Ungezogenheit, bei ländlichem Trotz und Widerstand gegen die Gebote dor Alteren oft gar nicht zu schätzen wußten, wird ihnen plötzlich klar. Sie fühlen es da als Entbehrung, das Großmutterherz fehlt ihnen, das Großeltomhaus. In der Fremde erst werden sie sieh dessen bewußt, wie eng verbunden dio Jungon doch mit den Alten sind. Vor mir liegen ein paar Kinderbriofc, wie sie in ähnlicher Form gewiß. von hunderten von Kindern abgefaßt und in die Heimat geschickt worden. Ein kleines Mädchen, noch des Schreibens unkundig, eben in fremdem Lande, mit fremder Spruche in die Schule gekommen, diktiert der Mutter wörtlich ihre Erlebnisse in die Feder. Sic beschreibt ihren ersten Schulgong beweglich und spontan unter dem Eindruck; gleich nls sie nach Hauso kommt, muß sie es der Großmutter mitteilen. Und wörtlich: „Liebe Omi, heute bin ich das erste Mal zur Schule gegangen. Die Lehrerin konnte aber leider kein Wort deutsch, sie hat nicht verstanden, was ich sagte, und ich habe auch kein Wdrt verstanden. Es war wie in einer TaubatummcnBChule. Sie hat uns eine Geschichte vorgelesen, aber leider englisch; „Clumbum" Meß sie. Ich habe auch schon eine Freundin, sie heißt Susv, und wir machen uns gegenseitig Zeichen. Wir wollten mit „Marie" spielen, aber sie hat leider ein Loch in der Backe. Mein Puppenwagen und die Wiege — davon, muß ich immer an Dich denken. Besonders jetzt um Chanukkal" Ein größerer Junge schreibt im Anblick der Riesen New York, noch immer in Erinnerung an Berlin: „Ich tuo^i Willi den Gefallen, hier in New York alles großartig^u finldcn, aber so fabelhaft ist es gar nicht, wie ich es mh/ gedacht hatte). Berlin ist mindestens bo schön, aber ich bin begierig, was es für einen Eindruck auf Dich machen würde und \Großpapa, wenn Ihr herkommt. Wann kommt Ihr denn?" — > Und aus einem dritten Brief: „Ich habe ftcute geweint, weil ich-tlm sechs Uhr mein „dinncr" es6Cn sollte. Wi—wUl-'aher abcndB kein Mittagbrot essen." Mit ungelenken Buchstaben, mit ungelenker Ausdrucksweise- oder Bchon reifer und verständiger die Sehnsucht der Großeltern nachfühlend und mitfühlend, lauten dieso Kinderbriefe aus fremden AuswandererlUndern. » Was mag ein Großmutterherz auf, solclic pffcnbaruiigen antworten? Es hat alle Phasen der Reise der,, Enkel mitgemacht und selbst aus den ein bißchen überheblichen Schilderungen de» Enkelsohncs erkennt sio die Hcimwchgefühlc ihrer Enkclkihder- Solchc Kinderbriefe sind Dokumente unserer Zeit. Hebt sie aufl Bewahrt sie als die Wahrzeichen der schweren Not, durch die wir Juden hindurchgehen müssen. Bewahrt sie, als solch ein Dokument, nicht nur allein für Euch .selbst, als. Beleg für die Gefühle und Empfindungen einer kommenden Generation, die über diese Zeit hinauswachsen wird und sich neue Bahnen, neue Wege ebnen muß zur Entfaltung ihrer Persönlichkeit und zur Befreiung von jenem Druck, der auf uns Alten, uns Erwachsenen allen lastet. Erhaltet iii den Enkeln die Liebe zu den Zurückgebliebenen, aber bekämpft in euch1 selbst die Sehnsuchtsgefühlc, wenn euer Großmuttcrhcn! auf Reisen geht, auch wenn ihr täglich und stündlich unter der Trennung leiden müßt. Freut euch der Beweise der Anhänglichkeit ohne Tränen, wenn ihr, wio jene Großmutter, in allen Schubladen und Kästen verstreut kleine Zettel von dos Enkels Hand geschrieben nach »einer Abreise vorfindet, die sehnsüchtige Worte tragen: Denkt an michl Vergoßt mich nicht! Ich habe euch lieb! — und wie die vielen, vielen gutgemeinten und nun. so schmerzlich-süßen Worte lauten. Größmutterherz auf Reisen und Großmutterbriefe, in denen das Herz voll Liebe sich offenbart! Sie sollen, wenn sie in die Fenie_ liinaüsgchcn, Liebe erhalten. Mit tausend Fäden der Anhänglichkeit und der Güte, aber sie sollen das Heim-Weh in eine Heim-Wehmut verwandeln. Großmütter, denkt daran, wenn euer Mutterherz auf Reisen g«ht! Frieda VaUentin.. THEATER, KUNST, LITERATUR Dem „Pester Lloyd" wird aus New York gemeldet, daß der Dichter Franz Wer fei, der in New York eingetroffen ist, um an den Vorbereitungen zur Aufführung seines neuen Dramaa „Der Weg der Verheißung"; das unter dor Regie yon Max Reinhardt im Manhattan-Theater zur Aufführung gelangen wird,. teilzunehmen, vom Bürgermeister von New York empfangen worden sei. Die Vorbereitungen zur Aufführung deB Bibelspiels sind in vollem Gange. Anläßlich der Anwesenheit des Geigers Bronislaw Hubermann in Athen gaben der österreichische Gesandte Wimmer und Gemahlin zu Ehren des Künstlers ein Diner, bei dem u. a. der italienische Gesandte sowie prominente Persönlichkeiten der Athener Gesellschaft anwesend waren. *. ■ Der Wiener Schriftsteller und Dramaturg des Deutschen Volkatheaters, Professor Heinrich Glücksmann, wurde bei seinem Rücktritt yon diesem Posten vom Bundespräsidenten Mikloa für seine Verdienste um Theater und Literatur in Österreich mit dem Ritterkreuz des österreichischen Verdienstordens ausgezeichnet. * In der Allgemeinen Musik-Zeitung lesen wir: „Eine Anzahl von Verlagsvorzoiehnisscn hatten durch die Aufnahme jüdischer Komponisten wie Mendelssohn, Offenbach usw. Anlaß zu Beanstandungen gegeben. Auf die Anfrage des Deutschen Musikalien-Verleger-Vereins, ob dio Einstellung der Werbung mittels solcher Verzeichnisse erwünscht sei, hat der Präsident dor Reichsmusikkammer folgendermaßen entschieden: „Auf ihr Schreiben ... teile ich Urnen mit, daß ich . wegen der eventuellen wirtschaftlichen Schädigung der Verlage und auch aus der Erwägung heraus, daß die Bekanntgabe dea Vorhandenseins von Werken jüdischer Komponisten weder einen Verkauf noch gar eine Aufführung nach sich ziehen muß, ein sofortiges Verbot der weitern Propaganda nicht aussprechen will. Ich möchte aber darauf hingewiesen, daß in Zukunft, und vor ollem bei Neudrucken von Katalogen, jedes Anbieten von Werken nicht erwünschter Komponisten zu unterbleiben hat," Eine Klärung der Frage, wolohe Komponisten als nicht erwünscht anzusehen sind, ist, wie.die Zeitschrift hinzufügt, bisher noch nicht erfolgt. Die Veröffentlichungen der Akademie für die Wisscn'- schaft des Judentums sind, wie wir erfahren, in der» Schocken-Verlag übergegangen. Nach einer Meldung aus New York ist dort der Leiter der Abteilung für Bibclwiasenschaft und jüdische Literatur im Jewish Theological Seminory, Professor Morris L e v i n e im Alter vor» 54 Jahren gestorben. * " In Toi Awiw werden die letzten Vorbereitungen getroffen, um das frühere Wohnhaus Ch. N. B 1 a. 1 i k 8 in die Verwaltung der Stadt zu übernehmen.. Das Wohnhaus des verstorbenen Dichters soll bekanntlich zu einem Bialik-Museum'umgestaltet werden- * Der Vorwaltungsausachuß der Mozart-Stiftung in Frankfurt am Moin schreibt, wio die „Fränkische Tageszeitung" berichtet, ein neues Stipendium aus, das am 1; September. 1936 vergeben werden soll. Der Meldung der Bewerber um das Stipendium ist der Nachwoia der arischen Abstammung beizufügen. Wilhelm Jahn fh^M^,^'.H'5<^,.•.r•, ""Z* »'•lnplMt«r«l. Bahrtai: Minna »chwirx-H«lra ADSoltmg und Lieferung hol Haus. N 31, Brunnenstr. 41, tm Hsuse des Frauenveielns der Bne-Brlj Logo U.O.B.B. Tel. D 4 Humboldt 7615