Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 15 (1935)
- Issue
- 51 (18.12.1935)
- Date
- 1935-12-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Es wird gemeldet: ■ Der Jugcndvcrcin „Gabriol Rioßc r", der älteste jüdische Jugendbund Külns, hat mit Rücksicht auf die Zeitumstände seinen Namen geändert. Er heißt jetzt „Jüdischer Jugendvercin". * ■ Wie die „Fränkische Tageszeitung" berichtet, Bprach auf einer Kundgebung in Nürnberg Gauleiter Bürckcl, der Rcichskommissar für die Rückgliederung des Saargcbicts. Er erklärte, daß in wenigen Monaten, am 1. März 1936, das Saargebiet das iudcnfrcicstc Land Deutschlands sein werde. * ■ Zwei Angeklagte, die in betrunkenem Zustand in die Wohnung eines jüdischen Einwohners in Lonsdorf eingedrungen waren und. ihn und seine Familienangehörigen geschlagen hatten, wurden, nach Meldung der „Frankfurter Zcitüng", vom Bczirks- Schöffengericht in Gießen zu sechs Wochen bzw. sechs Wochen drei Tagen Gefängnis verurteilt. Den Verurteilten wurde die einmonatige Schutzhaft, die schon vorher vom Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger wegen dieser Tat über sie verhängt worden war, angerechnet. * B Durch' Verfügung des Senators der inneren Verwaltung werden in Lübeck die Israelsdorfcr Allee, der Jcrusalcmsbcrg und der Stadtteil Lübcck-Israelsdorf umbenannt, und zwar in „Trnvcmündcr Allee", „Kreuzberg1' und „Karlshof". * B Wie aus Wien gemeldet wird, gelangt die Villa des Lustspiclautors Oskar Blumcnthal am 31. Januar in Bad Ischl zur Versteigerung. Der Schätzwert der Villa beträgt 42 730 S., das geringste Gebot 21360 S. Iis handelt sich um einen modernen Holzbau, der seinerzeit auf der Weltausstellug in Chicago ausgestellt war und später nach Bad Ischl transportiert wurde. * ES} Der jüdische Industrielle Lucius Nathan Littaucr, der seinerzeit auch dem Kongreß der Vereinigten Staaten angehörte, hat, einer Meldung aus New York zufolge, der Harvard- Llnivei'sitüt zwei Millionen Dollar zwecks Errichtung einer Fakultät für Vcrwaltungswisscnschaft zur Verfügung gestellt. * IS Wie aus London gemeldet wird, hat Sir Herbert Samuel der Jüdischen Telegraphen-Agentur mitgeteilt, daß die Berichte der palästinensischen und Warschauer Presse über seine angebliche Zusage, das Oberkommissariat für Auswandererfürsorge zu übernehmen, vollkommen unzutreffend sind. Eine derartige Einladung sei an ihn überhaupt nicht ergangen. * BD Nach einer Statistik der Warschauer Jüdischen Gemeinde sind in den letzten zehn Jahren insgesamt 155 Personen aus der Gemeinde ausgetreten. 37 von ihnen haben »ich taufen lassen, die übrigen 118 haben sich als Freidenker bezeichnet. Im Jahre 1935 sind aus der Gemeinde 12 Personen Aus den Gemeinden Dortmund. Zum Besten der Winterhilfe sangen in der Synagoge 100 Kinder „Lieder für das jüdische Haus". Die Leitung hatte Herr Lehrer Nußbaum, der in vollendeter Weise seine Aufgabe meisterte. Die Konzertsängerin Kisch-Arndt, Köln, verschönte durch ihre herrliche Stimme die Veranstaltung. Der Besuch war stark und brachte der örtlichen Winterhilfe einen sehr guten Ertrag. Haniburg. Hier fand die Gründungsvcrsammlung der Sclbsthilfegrunpc jüdischer Körperbehinderter Ortsgruppe Groß-Hamburg statt. Zum 1. Vorsitzenden wurde Herr Puul Fränckcl gewählt. Der Vorsitzende von Nordwcstdcutschland, Herr Kurt Lypold, Emden, zeicluietc den Aufbau und Sinn des Aufgubcnkreises. Es wurde eine Geschäftsstelle gegründet, bei der Dr. Braunschweiger als Syndikus mitwirkt. Die Damen Selma Lehmann und I^ina Flörsheim haben die Beratungsstelle übernommen. Der Vorstand der Deutsch-Iaraclitischcn Gemeinde veranstaltete anläßlich des 15jährigen Bestehens des Koren Hajcssod in der neuen Dammthor-Synagoge einen Gcmcindcabend. Der Vorsitzende der Gemeinde, Rechtsanwalt David, und Max Warburg legten den Anwesenden die Unterstützung der Bestrebungen des Kcrcn Hajcssod ans Herz. Dr. Michael Traub sprach über „Konstruktive Selbsthilfe und die Ansiedelung von Juden aus Deutschland in Palästina". — Der unter Leitung von Georg de Haas stehende Tempelchor gab ein. großes Konzert. Der erste Teil des Programms brachte außer a capclla-Werken von Rossi, zeitgenössische Synagogenmusik. Daß der trefflich geschulte Chor auch in der Darbietung weltlicher Musik auf der Höhe ist, bewies der zweite Teil des Programms, der neben Kompositionen des in Hamburg lebenden Müllcr-Hartmann Volkslieder aus dem 15., 16. und 17. Jahrhundert enthielt. Zum Erfolg des Abends trug in nicht geringem Maße die Altistin Susanne Locwcnstcin aus Berlin bei, die Lieder und Arien von Händel, Friedemnniu Bach, Schubert und Mahlcr sang. — Ein „Bunter Abend" des Kulturbundes mit Joseph Plaut als Gast erwies sich als ein großer Erfolg. E. F. Herford. Der Kulturbund Ostwestfalen und angrenzende Gebiete veranstaltete in Herford, Bielefeld, Detmold, Minden, Rheda, Hamm, Münster, Osnabrück und Oldenburg einen Rezitationsabend mit Ludwig Hardt, der mit bekannter Meisterschaft Heine, Altenberg, Beer-Hofmann und Scholcm Alechcm vortrug. In den gleichen Orten folgte ein Kammermusikabend des Mcndelssohn-Trio-Leipzig (Hella Chitrik, Leo Schwarz, Paul Blumenfeld). Die Künstler, jeder ein Meister seines Instruments, brachten in vollendetem Zusammenspiel Werke von Mendelssohn, Mozart und Tschaikowsky. überall dankte man begeistert durch stürmischen Applaus. Zusammen mit Erika Samson (früherer Künstlername Erika Storm) gab Josefa Metz einen Abend, in dern sie eigene Dichtungen brachte, die, in "der schlichten und sympathischen Art des Vortrags der Autorin, sehr gefielen. Erika Samson mit ihrem modulationsfähigen Organ berechtigt unter unserem heutigen Nachwuchs zu großen Hoffnungen. München. Auf Einladung der Israelitischen Kultusgcmcinde und des Ortsrings der Jugcndvcrbundc München hielt Dr. Eduard ausgetreten. Davon ist einer zum Christentum übergetreten, ■ während die übrigen 11 als Freidenker keiner Religionsgemeinschaft beigetreten sind. * ■ Anläßlich des 40jährigen Jubiläums der Judenemanzipation in Ungarn werden in den verschiedenen: jüdischen Gemeinden Fest- und Gcdcnkgottcsdicnsto veranstaltet. In den nächsten Tagen findet eine großangelegte Feier der Pester Israelitischen Kultusgcmcinde und ein Fcstgottesdicnst in der BudapcBtcr Hauptsynngoigc statt. * ■ Die Stadtgemeinde Tel A w i w hat der Führerin der Jugcndalija-Bcwcgung, Henriette Szold, in Anerkennung ihrer Verdienste auf dem Gebiete jüdischer Sozialfürsorge das Ehrenbürgerrecht verliehen. Miß Szold ist die erste Frau, der diese Ehrung zuteil wird. » B Wie der JTA amtlich aus Warschau mitgeteilt wird, sind im Zusammenhang mit den Sprengstoff anacli lägen gegen jüdische Objekte in der Gegend von Kattowitz 3 0 Verhaftungen vorgenommen worden. * B Dem Inspekteur des Sanitätsdienstes der königl. niederländischen Landstreitkräfte, Generalmajor S. .>W. Praag, wurde in Anerkennung seiner Verdienste als Organisator der Expedition des niederländischen Roten Kreuzes nach Abcsainien von Kronprinzessin Juliana das Verdienstkreuz der Vereinigung überreicht. Generalmajor Praag, der Jude ist, bekleidet auch das Amt eines zweiten Vizepräsidenten des holländischen Roten Kreuzes. * BS Nach einer Mitteilung der Polnischen Telegraphcnagcnlur verhaftete die Polizei in Nowomiostc nach den letzten judenfcindlichcn Kundgebungen viele Nationuldcmokratcn. Es wird mitgeteilt, daß bei der Unterdrückung der Unruhen acht Personen getötet wurden. Der Führer der Nationaldcmokratcn in Nowomiastc wurde in ein Konzentrationslager gebracht. * B In der Haifacr Gartenstadt Hadar-Hakarmcl wurde der Grundstein zu einer von der Alliance Israelitc Universelle gestifteten S cli u 1 c gelegt, die den Namen des kürzlich verstorbenen Präsidenten der Alliance, Prof. S y l v a i n Lc v i, tragen wird. Die Schule wird 1000 Schülern Platz bieten, die Kosten sind auf 12 000 Pfund veranschlagt. * B Die Ita meldet aus Ifaifa: Die englischen - Militärbehörden haben durch Aufstellung von 39 Geschützen in und bei Haifa den Hafen zu einer befestigten Basis für etwaige Angriffe umgestaltet. Sechs Geschütze wurden bei den Eiscnbaluiwerkstätten aufgestellt, vier bei der Fabrik Schemen, sechs in Bat Galim, vier bei den städtischen Bädern, sechs auf dem Karmcl, vier im Bahai-Vicrtel, acht zwischen Huifa und Akko und zwölf im Hafen von Uas-an-Naqura, nahe der syrischen Grenze. Ferner wurden in Haifa fünf Scheinwerfer-Anlagen errichtet. Strauss, Frankfurt am Main, in München einen Vortrag über Religion und Vernunft. Hans Lamm hatte ihm in herzlichen Worten Dank und Gruß der Jugend ausgesprochen. Demnächst wird uuf Einladung des Ortsrings Ernst Bauer," Berlin, der JFülircr des Bundes „Werklcute", über die Jugendbewegung im deutschen Judentum sprechen. Stuttgart. Wie bereits angekündigt, haben die Wühlen zur. Israelitischen Lundcsvcrsammlung und zum Stuttgarter Israelitischen Gcmcindcvorstchcramt stattgefunden. Der vom Oberrat, der Lundcsvcrsammlung und dem Israel. Vorsteheramt on die Gcmeindcmitglicdcr erlassene Aufruf, einen Wahlkampf zu ver- . meiden und auf Wahlversammlungen zu verzichten, hat verständnisvolle Aufnahme gefunden. Die von den vier Organisationen (Ccntralvcrcin der Juden in Deutschland, Ortsgruppe Stuttgart, Rciehsbund jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe Stuttgart, Verein für jüdische Gcmeindcangclegenhciten und Zionistische Vereinigung, Ortsgruppe Stuttgart) vorgeschlagenen Einheitslisten für das Israel. Vorsteheramt und die Israel. Landcsversammlung siegten. In Stuttgart betrug die Wahlbeteiligung ungefähr 25 Prozent (20 Prozent 1929), in den Landgemeinden wurden zum Teil höhere Prozentsätze erreicht. Die Israelitischen Rcligionsgemeinden Stuttgart und Bad Cannstatt worden gcnrä'ßj § 9 der Verfassung vom 18. März 1924 nach Maßgabe des zwischen den Gemeinden zustandegekommenen Vertrags mit Wirkung vom 1. Januar 1936 zu einer einzigen Religionsgcmciiidc vereinigt. Opfergaben der italienifdhen Juden Rom. Der Verband der jüdischen Gemeinden Italiens hat an die italienischen Juden den Appell gerichtet, Gold, Silber und andere Edelmetalle dem Staat in schwerer Zeit zur Verfügung zu stellen. Der Oberrabbiner von Rom, Dr. Aldo Lattes, wurde in Begleitung anderer Mitglieder des rabbinischen Rates vom Generalsekretär der Faschistischen Partei empfangen und übergab ihm den goldonen Schlüssel zu dem. Torasch rein der Synagoge von Rom sowie einen großen silbernen Synagogen- I e u e h t c r zum Zeichen der OpfcrbcreitBchaft des italienischen Judentums für das Vaterland. Erwerbung von Scburfrecbten auf Cypern durch Juden? Jerusalem. In Jerusalem sind Gerüchte im Umlauf, denen zufolge eine jüdische Persönlichkeit Sohurfrccritc für ein großes Gebiet auf Cypern erworben haben soll. Es sollen dort reiche Eisen-, Aluminium- und Sulfatlager vorhanden sein. Es verlautet, daß zwei jüdische Kapitalisten aus Tel Awiw gleichfalls an dem Unternohmen beteiligt sind. Der Synagogenverband ' Berlin, Gruppe Ryke Straße N. veranstaltet Sonnabend, den 28. Dezember, abends 8 Uhr, in den Hesidenz-Festsülcn, Landsberger Straße 31, eine Chanukkafeicr. Begrüßungsansprache: Moritz Roscnthal. Festansprache: Rabbiner Dr. Swarscnsky. Gesang: Oberkantor Ahlbeck. Kabarett: Hedi Haaso, Gerda Köppler, Eva Münzer, Vally Winter, Willy Maschke, Willy Präger, Jonny Schwersens. Am Flügel: Fritz Prager. Palältiiu iiliriher Brief Für die „Jüdische Allgemeine" Von Professor Dr. Walter Roth Haifa, im Dezember. Wie vermutet, hat Palästina unter dem abcssinisch-italicnisdicn Kriege und den Sanktionen nicht weiter zu leiden. Dio Ausfuhr Palästinas nach Italien ist ganz gering, und der Bezug italienischer Waren spielt auch keine große Rolle in Pulästinas Hnndol. Möglicherweise, daß bei dem Ausbleiben italienischer Citrusfrüchte auf den Märkten sich sogar der Absatz der palästinensischen Apfelsinen, Grapefruits und Zitronen heben wird. Man beginnt jetzt auch damit, für die palästinensischen Zitrusfrüchte mehr Propaganda oIb bisher zu machen. Auch dio Regierung beteiligt sich daran, und im Anfang nächsten Jahres werden palästinensische Früchte in der neuen Horticultural Hall in London ausgestellt werden. Die llauptproduzcnten von Orangen sind die Vereinigten Staaten, Spanien und Brasilien, die meisten Zitronen liefert Italien. Hinsichtlich der Anpflanzungen von Zitrusfrüchten stehen die Vereinigten Staaten an der Spitze, dann folgen Italien, Spanien, Brasilien, Australien, Japan und an sieben-, tcr Stelle steht Palästina. Bei diesem spielen aber die Zitrusfrüchte die Hauptrolle bei der Ausfuhr, während bei den andern genannten Ländern, im Vergleich zu ihrem Gesamtexport, die Ausfuhr von Zitrusfrüchten nur wenig in Betracht kommt. Die meisten Zitrusfrüchte gehen von Palästina nach Großbritannien, dann folgen in weiten Abständen Holland, Deutschland usw. Was die Einfuhr deutscher Waren nach Palästina anlictrifft, so regelt die Haavara, die jetzt unter der Aufsicht der Jewish Agcncy steht, den Bezug deutscher Waren und arbeitet im Verein mit dem Palästinensischen Industricllcnverband. Sic bekämpft nicht die Tozercth-Haarcz-Bcwcgung, die den palästinensischen Markt den palästinensischen Produkten vorbehalten! will. Palästina kann nber nicht alle Waren, die es braucht, selbst herstellen und Icuim auch auf den Bezug gewisser deutscher Waren und Maschinen nicht verzichten. Da soll nun die Haavara die nötige Kontrolle in dieser Einfuhr ausüben. Die Werbetätigkeit für die palästinensischen Eigenprodukte leidet darunter nicht, und so wird z. B. auch Chanukka in Tel Awiw eine Propaganda- Woche für die Tozcrcth-Hanrcz-Produklc veranstaltet. * Die kürzlich stuttgefundenen britischen Parlamentsw n Ii I c n haben natürlich auch für Palästina ihre Bedeutung. In dem "Britischen Kabinett sind keine großen Veränderungen eingetreten, nur au die Stelle des bisherigen Staatssekretärs für die Kolonien Maleolm MacDonald ist James Henry T h o m a s getreten, der dieses Amt Bchon früher zweimal verwaltet hat. Man hofft aber, daß auch die Mitglieder des neuen Parlaments wie die des früheren Gelegenheit nehmen werden, das heutige Palästina aus eigener Erfahrung kennenzulernen. Allerdings ist dazu ein etwas längerer Aufenthalt nötig, nicht bloß einer von pun:- Tagen, wie es kürzlich ein bekannter amerikanischer Rundfunksprecher gemacht hat, der nach einem Aufenthalt von fünf Tagen im Lande einige Bücher über Palästina schreiben wollte! * Aus Anlaß der vierjährigen Tätigkeit des von seinem Ferienaufenthalt wieder zurückgekehrten Sir Arthur Wauchopc als High Commissioncr hat die „Palestine Illustratcd News" ihm und seiner bisherigen Amtsführung eine ihrer letzten Nummern gewidmet. Eine große schwere Aufgabe steht der Regierung noch bevor: die Schaffung einer parlamentarischen Vertretung im Lande. Die bisherigen Vorschläge zu diesem Legislative Council haben weder bei den Juden noch bei den Arabern Billigung gefunden. Seit dem von den Behörden entdeckten, aber leider noch nicht aufgeklärten Waffcnschmuggcl geben die Araber noch keine Ruhe, was sich auch bei der Beerdigung der fünf Araber kundtat, die kürzlich bei dem Zusammenstoß mit der englischen Polizei im Anschluß an den Todessehuß auf oinen jüdischen Polizisten den Tod gefunden haben. Die arabische Presse feiert die Araber, die sich au diesen Abenteuern beteiligt, als Nationalhelden, und Deputierte der arabischen Parteien, der „Partei der nationalen Verteidiger", der „Arabisch-Palästinensischen Partei", des „Nationalen Blocks von Nablus" und „Dr. Khalidi's Reformpartei" sowie der „Förderation der Arabischen Jugend" haben dem High Commissiouer ein Memorandum überreicht. Er wies auf die geplante Landesvertretung hin und stellte ein schärferes Gesetz gegen unbefugtes Waffentragen usw. in Aussicht. Hoffentlich gelingt es der Mandatsregierung, die Beziehungen zwischen Engländern, Juden und Arabern in Palästina endgültig zu regeln. RECHT ,M ALLTAG Die Gefetze zur Förderung des Amvaltfiandea Die jetzt im Gesctzgcbungswcrk der Reiclisrcgicrung veröffentlichte Änderung der Reiclisrechtsauwaltsordniing gibt noch keine Anhaltspunkte für die künftige Lage der jüdischen Rechtsanwälte. Das neue Gesetz regelt den Probe- und Anwfirtcrdienst, seine Besoldung und enthält Bestimmungen über die Zahl der Zulassungen zur Rcchtsanwaltschaft sowie über die Bildung der neuen Rciclisrcchtsunwnltskummcr. Wesentlich ist im neuen Gesctzgcbungswcrk der KonzcBBionszwaug für Rechtsberater. Das Gesotz macht jede geschäftsmäßige, gleichviel ob haupt- oder nebenberufliche, entgeltliche oder unentgeltliche Rechtsbesorgung von einer Erlaubnis abhängig. Diese wird unter den Gesichtspunkten der persönlichen Zuverlässigkeit, der fachlichen Eignung und dcB Bedürfnisses erteilt werden und örtlich gebunden sein. Dio olme eine derartige Erlaubnis ausgeübte geschäftsmäßige Betätigung in fremden Rcchtsangolcgenhcitcn wird mit Strafe bedroht. Für gegenwärtig noch als Rechtsberater' tütige Personen' gelten die bisherigen gewerberechtlichen Bestimmungen bis zum 30. Juni 1936 weiter Diese neuen Bestimmungen dürften insbesondere die ausgeschiedenen jüdischen und hichtarischen Anwälte und Richter an einer weiteren Tätigkeit auf ihrem Fachgebiet behindern. Nach einer Meldung des „Völkischen Beobachters" wird im Anschluß -an dieses Gesetz eine Ausführungsverordnung erlassen werden, die für Juden die Erteilung der Genehmigung ausschließt. , In einem Aufsatz in der „Deutschen Justiz" erläutert Staatssekretär Dr. FreiBlor die neuen GcBOtze zur Behebung der Not des Rcchtsanwaltstandes. Bei Erläuterung der Zulassungsbestimmungen zur Anwaltschaft schreibt Staatssekretär Dr. Frcialer: „Daß durch die gesetzlichen Bestimmungen über die Zulassung zum Studium, über die juristischen Staatsprüfungen und den Vorbereitungsdienst Neuzulassungen jüdischer Rechtsanwälte bereite seit langem ausgeschlossen sind, sei hier nur der Vollständigkeit halber anmerkungsweise erwähnt." „Auf Reifen" — fieuerreclitlich Wie es Bich mit der Stcuerpflicht verhält, wenn sich jemand ■ einen großen Teil des Jahres auf Reisen befindet, darüber gibt eine neue wichtige Entscheidung des ReichsfinanzhofB Auskunft. Ein Steuerpflichtiger verbringt seit Jahren den größeren Teil des Jahres auf Reisen, insbesondere in Kurorten. Im Inland wohnte er jeweils in möblierten Wohnungen oder Zimmorn, die er bei seiner Abreise ins Ausland wieder aufgab. In seinen