Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 15 (1935)
- Issue
- 50 (11.12.1935)
- Date
- 1935-12-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Es wird gemeldet j ■ In dio Geschäftsführung der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugend-Alija ist Frau Lola Hahn- Warburg eingetreten. . : .,- * ■ Der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden gibt in der „Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" bekannt, daß auf Veranlassung der Polizeidircktion München, dos Wohlfahrts- und Jugendamt der Israelitischen Kultusgcmcindo München und das Wohlfahrt»- und Jugendamt des Verbandes in Wohlf « h r t s s t c'l 1 e d o r I s r a o l i t i s c h e n K u 11 u 8 g c m c i n d e München bzw. des Verbandes umzubenennen sind. * ' ■ Im „Deutschen Reichsanzeiger" veröffentlicht der Regierungspräsident von M a g d c b u r g eine Tfckanntmachung, wonach die Einbürgerung von vier Personen, deren Namen auf eine nichtarische Herkunft schließen lassen, widerrufen wird. * . ■ Genau ein Jahr nach dem ersten Erscheinen des Philo- Lciikons kündigt der Philo-Verlag als dritte Auflage das 22. bis 26. Tausend an, was einen für den jüdischen Büchermarkt einzigartigen Erfolg darstellt. » ■ Dem Professor Dr. Ernaauel Friedlander in Neapel wurde,. wie der t)RWD" meldet, der Ehrendoktor der Philosophischen Fakultät der Universität in Bonn wegen Beleidigung Deutschlands entzogen. H Die 3. Strafkammer in Frankfurt a. M. verurteilte einen arischen Angeklagten wegen RasBcschBndung zu anderthalb Jahren Zuchthaus, Die Jüdin, zu der er Bcit 1934 Beziehungen unterhielt, dio er auch nach dem Inkrafttreten des Gesetzes vom 15. September 1935 fortsetzte, wurde, wie aus einem Bericht des „Frankfurter Volksblattes" hervorgeht, in Schutzhaft genommen. ■3 Der Wiener Schriftsteller und Hcrzlforschcr Nusscnblatt hat im Archiv der Akademie der Wissenschaftefr in Paris bisher unbekannt gebliebene politische Dokumente Theodor Hcrzls gefunden, die von Herzt dort hinterlegt worden sind. tS Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur nuf eine Anfrage bei der Jcwish Agency erfahrt, ist die Quote der ArbcitcroinWanderung nach Palästina für das Halbjahr Oktober 193S bis März 1936 noch nicht festgelegt worden. Die Exekutive hat, wie bereits gemeldet, nur einen Vorschuß von 1000 Zertifikaten erhalten, von denen 500 für Einwanderer aus Deutschland bestimmt sind. * OB Das Komitee für die Feier des 50. Todestages Moses MontefiorcB erläßt, nach einer Londoner Meldung, einen Aufruf zur ■ Sammlung von 15 000 Pfund für die »Errichtung eines Montcfiorc-Lchrstuhls für englische Sprache, Gcschichtje-, Literatur und Kultur an der Hebräischen Universität Jerusalem. * ■) Nach einer Stcfani-Mcldung aus Rom hat der Oberrabbincr von Rom namens der Israelitischen Kultusgcmcindc für H i 1 f e 1 e i Btu n g s w e r k c cine^ große Krone und vier vier Silbcrlcuchtcr au s" d c m j üd i s che n Tompcl gespendet. * ■B Ein aus Saloniki stammender Jude, der jetzt in London lebt, hat der Jüdischen Gemeinde in Saloniki tausend Pfund für den Wiederaufbau der bei dem'großen Brand im August 1917 zerstörten Synagoge „Italio Juschan" zur Verfügung gestellt. * BS Dio Wicdorcröffnungdcrvicr Warschauer Hochschulen ist in voller Ruho vor sich gegangen. Audi an den übrigen polnischen Hochschulen ist Ruhe eingetreten. Nur in Posen dauern die Studcntcncxzcssc fort. In der medizinischen und der pharmazeutischen Fakultät kam es zu judenfeindlichcn Ausschreitungen. Die Universität wurde daraufhin von Polizei besetzt, die weitere Exzesse verhinderte. Von insgesamt 5000 Studenten der Posencr Universität sind nur 85 Juden. » DB In Lodz ist der 46jährig^o Schneider ' Mordcchai den in der vorigen Woche bei dntisCmitischch Exzessen erlittenen Verletzungen erlogen. In .iXadorq , führte ein Nationaldemokrat einen Hieb gegen einen jüdischen Passanten,-traf jedoch ein dreijähriges christliches Kind, das schwer verletzt wurde. Die Behörden haben zur Vermeidung weiterer Bauernunruhen die Abhaltung von Wochenmärkten in einer Anzahl kleinerer Ortschaften des Radomer Kreises verboten. Bfl Der. ncugcwühltc Präsident der Jüdischen Gemeinde in Athen, Zacharias Vital, hat 200 000 Drachmen für die Errichtung einer neuen Synagoge in Athen gespendet. « B Wie aus Jerusalem gemeldet wird, sind durch schwere Wolkcnbrüchc die tiefer gelegenen Teile .des Emek Chefer (Waadi Hawarit) unter Wasser gesetzt worden. Die Straßen wurden stark beschädigt, so daß die Bevölkerung vom übrigen Jiachuw abgeschnitten war; die Siedler hatten unter Nahrungsmangel zu leiden. * flB Wie die hebräische Tageszeitung „Haboker" meidet, wurden 4000 Dunam landwirtschaftlich gut nutzbaren Bodens ui der Nähe des arabischen Dorfes Bet Dschabrin von Juden erworben. An dieser Stelle erhob sich im Altertum eine jüdische Stadt. Mit der Errichtung einer neuen jüdischen Siedlung auf diesem Boden soll demnächst begonnen werden. ♦ B In Warschau ist die 1824 geborene, somit 121 Jahre alte Frau HchfieT Mirjam Szwycka gestorben. Sic war die ä 11 e s t e j ü fii s c h c Frau und vermutlich die älteste Fruu überhaupt in Polen. ...:;.."■/ Tffi:' ' ■ . - B Bei der Neuwahl der Leitung der Lem berger Advokatenkammer wurde der Pole Stankicwicz zum Vorsitzenden, der Jude Buber zum stellvertretenden Vorsitzenden, der Ukrainer Wadoszyn zum Schriftführer und der Judo Geist zum Kasscnvcnralter gewählt. Ferner wurde ein jüdischer Rechtsanwalt Vorsitzender des Disziplinargerichts. derschöneu Kultgcrätc, dio Chanukkalcuchtcr und Scdcrschüsscln. und gestickten Barchcsdcckcn. Liebe jüdische Schwestern!, dio ihr noch in der glücklichen Lage seid, eure Lieben in Dankbarkeit beschenken zu können, bedenket bei euren Einkäufen dio schöpferischen jüdischen Frauen, die mit ihren Darbietungen an KunBt und kunstgewerblichen Geräten nicht für den grauen Alltag schaffen und darum in Not leben, denn der Kreis derer wird immer kleiner, die für die schönen Dingo des Lebens Geld übrig haben dürfen. Eine Gabo von der Chanukkamcsso, die bis Sonntag, den 15. Dezember, abends 8 Uhr, ununterbrochen geöffnet ist, wird nicht nur euren Lieben Freude machen, damit werdet ihr auch Freude in so manches notleidende jüdische Künstlcrhaua und Künstlcrwcrkstntt tragen I F. V. Jüdifche Arbeit in heutiger Zeit Heinrich Stern in Hildcslrcim Hillesheim. Im Rahmen cincB vom Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden veranstalteten Kulturabende sprach der Präsident des Verbandstages, Rechtsanwalt Heinrich Stern, in der hiesigen Synagoge über das Thema „Jüdische Arbeit in heutiger Zeit". Der Redner vermied es mit Recht, die sachlichen Einzelheiten aus den von 'den berufenen. Stellen und Organisationen zu lösenden Gegcnwartsuufgabcu zu behandeln. Er stellte vielmehr die vielfältigen Probleme in den Rahmen der leitenden Gesichtspunkte. Er arbeitete anschaulich heraus, wie der Wandel der Zeiten der Gemeinde, ihrem Wirken und ihrem BetÄtigungskrcis einen völlig; neuen, umfassenderen Inhalt gegeben habe, so daß sie damit, richtig erfaßt, über das Wesen einer reinen kultischen VcnvaltungBkörpcrßchaft weit hinauswachse. Hieraus ergebe sich, mit Notwendigkeit ein Zusammenrücken der Menschen zueinander, da die unserer Generation gestellten Aufgaben nur im engsten Zusammenhalten aus dem Gedanken der Gemcinbürgschait heraus zu bewältigen seien. Daß diese Einstellung dem alten, guten jüdischen Geist in der den Erfordernissen des Jahrhunderts angepaßten praktischen Form entspricht, zeigte der Vortragende an zahlreichen Beispielen des täglichen Lebens in Verbindung mit einer aus tiefem, religiösen Wissen geschöpften Belegung aus den Schrifttumsquelleu des jüdisch-religiösen Ideengutes. In Bezug auf die seelische Haltung stellte er uns Lebende in die ewige Aufeinanderfolge der in unauflöslichem Zusammenhange stehenden Generationen, die bei aller Verschiedenheit des ErlebenB immer der einen großen Aufgabe nachzuleben haben, den GciBt des Judentums, der alle Erschüttcruncen überdauert habe, aus unserem religiösen Besitz, aus dem iücnt zum Wanken zu bringenden Glauben an den einig-einzigen Gott heraus zu bewahren und ihn den künftigen Generationen -als unser Heiligtum zu überantworten, getreu dem Schriftwort „von Geschlecht zu Geschlecht". Frau Landsbcrg-Hollandcr hatte, auf der Orgel begleitet von Kapellmeister Fritz Wellenberg, die Feierstunde mit Gesangsvortragen stimmungsvoll eingeleitet. In gleicher Weise klnng der erhebende Abend mit einem mitreißenden HalleIujah aus. L. Heinrich Stern in Amsterdam Amsterdam. Rechtsanwalt Heinrieh Stern, der Vorsitzende der Vereinigung für das religiös-liberale Judentum und Vorsitzende der Rcprüscntantcnvcrsammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde, hielt am letzten Sonntag in der Vereinigung für das religiöse Judentum Hollands in Amsterdam einen Vortrag über ,,Religiös-liberales Judentum, seine Aufgaben in der Vergangenheit, heute und in der Zukunft". Der Vortrag fand großen Beifall. Jofeph Gutmaim Zum 70. Geburtstag Am 15. Dezember wird Studiendirektor a. D. Dr. Jose» Ii Gutmann, der kürzlich vom Ehrenamt des stellvertretenden Schuldczcrncntcn der Berliner Jüdischen Gemeinde zurückgetreten ist, 70 Jahre alt, ein Datum, das Anlaß genug ist, die Persönlichkeit des Mannes kurz zu umreißen, der sein Wissen* seine Erfahrungen, 'seine pädagogischen Fähigkeiten und seine Mcnschcngüte mehr als ein' Mcnschcnaltor in den Dienst der jüdischen Öffentlichkeit gestellt hat. Als er in der letzten Berliner Rcpräsentanteuvcrsammliing das Wort ergriff, um auf dio Äußerungen herzlichen Dankes nicht zuletzt für seine schwere und verantwortungsvolle Tätigkeit bei der Erweiterung des jüdischen Schulwerks' während der letzten Jahre zu erwidern, sprach sich darin die ganze Bescheidenheit und Bereitschaft dieses wahrhaft jüdischen :• Menschen aus, Eigenschaften, die ihm die Sympathien aller derer, die Um kennen, eingebracht haben. _ Joseph Gutmann ist in dem westfälischen Städtchen Beverungen geboren. Seine Wiege stand in einem jüdischen Lehrcrhause, -und das Vorbild; des Vaters und der religiöse Geist des Elternhauses legten den Grund zu der tiefen und schlichten Frömmigkeit, die. sich Joseph Gutmann über die Altersgrenze .hinaus gerettet hat. Nach Studienjahren an der jüdischen Lclircrbildungsanstnlt in Minden und der Berliner Universität übernahm er im Jahre 1895 die Leitung des Seminars, dessen Schüler er gewesen war. Fünf Jahre später wurde er zur Leitung der Jüdischen Mädchenmittelschülo nach Berlin berufeni um 1911 die Nachfolge von Männern -wie Zunz, Horwitz und Michael Holzmann als Leiter der Knabenmittclschulc und der Jüdischen Lehrerbildungsanstalt anzutreten. In seine Ära fiel auch die Jahrhundertfeier der historischen Anstalt; deren Geschichte Joseph . Gutmann aus diesem Anlaß geschrieben hat. AIb er infolge der Erreichung der Altersgrenze am 31. März 1931 pensioniert wurde, war ihm kein langer Ruhestand bcschiccien, denn als es galt, das Amt des Schulrcfcrenten der Jüdischen Gemeinde zu Tbesetzcn, wußte man keinen Würdigeren und Fähigeren als üin. Mit welcher Verantwortung Joseph Gutmann s.ein Amt versehen hat, und wie durch seine wertvolle Hilfe die Gemeinde in die Lage versetzt. wurde, in hohem Mnßo den Anforderungen zu entsprechen, dio die Errichtung neuer Schulen verlangte, ist erst kürzlich bei seinem Rücktritt betont worden. ' , ' Aber, Joseph Gutünann hat seine Fähigkeiten nicht nur in, der Verwaltungsarbeit bewiesen; Sein psychologisches Verständnis für dio Heranbildung jmiger Menschen, sein warmherziges Interesse für die Bedürfnisse und Nöte der Jugend, aeino Geradheit und Unbestechlichkeit als Führer der _ Lehrerschaft haben ilui auf den Platz gestellt, auf dem er segensreich wirken konnte. In einem Buch „Israels Religion" hat er das Problem einer jüdischen Weltanschauung vom religiös-liberalen Standpunkt aus beleuchtet. Wenn Joseph Gutmann aus dem Betrieb des Tagesdienstes ausgeschieden ist, so wird er' doch ajs Repräsentant der Berliner Jadischen Gemeinde und Mitglied anderer Gremien in seiner rastlos tätigen Art weiterhin dem Gesamtwohl dienen. Unsere Glückwünsche gelten dem Mann, der jederzeit das Wort des Propheten wahrgemacht hat: „In Demut wandeln mit deinem Gotte". * Justizrat Dr. Ernst Schlesinger, der stets den religiös-liberalen Gedanken verfochten hat und den Lesern unseres Blattes durch manchen feinsinnigen Artikel nicht unbekannt ist, begeht in stiller Zurückgezogenheit am 12. Dezember seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar war 25 Jahre, bis zum Jahre 1933, Syndikus der Bühneugenossenschaft sowie der Vereinigung der Bühnenautoren und steht seit Gründimg des Kulturbundes dieser Organisation mit seinen reichen Erfahrungen zur Verfügung. Die fchöpferifche Frau Chamikkamcssc des Jüdischen Frauenbundes Der Sinn für das Schöpferische, das in jeder Frau Hegt, läßt sich mit allen seinen schBncn und im speziellen Fall jüdischen Eigenschaften in einer' iChanukka>-Me8so "feststellen, welche die Gruppe der Künstlerinnen, Kunstgowerblorinncn, und Handwerkerinnen im Clubheim des Jüdischen ^rajjejnbunclcs. Marburger Str. 5, zu den kommenden Chanukkafcicrtagcn vorbereitet: hat. Unter der führenden Hand seiner Vorstandsdamen Frl. 'Dr.'"M c n d c und Frl. Dr. Peretz und unter dem künstlerischen Beirat der Malerin und Graphikerin Metn CohntHendel haben dio jüdischen Frauen ihre von hohem Kunstgefühl getragenen,' von bestem Gescfimack und Farbensinn zeugenden Arbeiten von vorzüglicher Leistung ausgestellt. Gleichviel, ob es sich um Decken, Kissen, Puppen, Kindcrspiclzcug handelt, odor um ■ bedeutendere Werke an Keramik, Glas, Malereien, Schmuck, Mctallarbeiten, alles wird in den abwechslungsreichsten und verständnisvoll ausgeführten Gegenständen gezeigt. Die Wände schmücken ausgezeichnete Bilder und Graphiken von schon bekannten und heranreifenden Künstlerinnen,. auch die photographischc Kunst ist bestens vertreten. . Es ist dieser Ausstellung jüdischer schöpferischer Frauen ein reger Besuch zu wünschen. Nicht nur die, die aparte und einmalige Dinge lieben, werden befriedigt werden, auch die, die gerade für die jetzt kommende Geschenkzeit ihre Einkäufe, zu decken haben an geschmackvoller Wäsche, an handgearbeiteten Strickkleidern und Pullowern, an Kindcrkleidcäien, Mützchen, Kappen, Gürteln, Krägclchen und vielem anderen. Besonders sei auf die handgearbeiteten Lederhandschuhe, Lcdcrgürtcl und den hübschen KJcidaufputz aller Art aufmerksam, gemacht. Bekannte Goldschmiedinnen haben guten handgetriebenen Schmuck in reicher Auswahl an Kotten, Broschen, Manschettenknöpfen für Herren etc. ausgestellt. Hausgerät aller Art zur Verschönerung und zur praktischen Verwendung ist ausgestellt. Schön*, Kissen, gemalte Lampenschirme, seidcngcmalto Wandbchängc, gestickte Taschen, die auch zur Reparatur angenommen werden' und vieles, mit dem man Freude machen kann. Bezeichnend für "unsere Zeit, die sich erfreulicherweise wieder den jüdischen Riten •' zuwendet, die wun- Die Hausangestellten in jü^ifchen Haushalten Der Reichs- und preußischo Minister des Innern gibt folgendes bekannt: *" „Bei dem Reichs- und preußischen Ministerium des Innern gehen ebenso wie bei vielen anderen" Behörden zahlreiche Anträge ein, die Befreiungen von § 3 des Blutschutzgesetzes und § 12 der Ersten Ausführungsverordnung erstreben, wonach Juden keine weiblichen Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Blutes' unter 45 Jahren neu einstellen und unter 35 Jahren weiter beschäftigen dürfen. Viele dieser Antrüge beruhen auf irriger Auslegung der Vorschriften. Ein Haushalt ist nur dann jüdisch im Sinne der Vorschriften, wenn ein jüdischer Mann Haushaltungsvorstand ist oder der Hausgemeinschaft angehört. Als Mann in diesem Sinno ist nur anzusehen, wer über 16 Jahre alt ist; ein Haushalt, in doni nur Frauen oder Kinder jüdisch sind, füllt also nicht unter das Gesetz. Weibliche Staatsangehörige deutschen oder artverwandten Blutes, die am 16. September 1935 in einem jüdischen Haushalt beschäftigt waren, können in diesem Haushalt . bleiben, wenn sie bis zum Jahresschluß das 35. Lebensjahr vollendet haben werden; Bic dürfen ober nicht in einem anderen jüdischen Haushalt angestellt werden. Antrüge auf Befreiung von diesen Vorschriften haben grundsätzlich keine Aussicht auf Erfolg und sind dotier zwecklos, sofern nicht ganz außergewöhnliche Umstündo vorliegen. Etwaige Antrilgo sind zu richten an dio untere Verwaltungsbehörde, in deren Bezirk der jüdischo Haushalt sich befindet; Untere Verwaltungsbehörden sind der Polizeipräsident oder Polizcidiroktor, und in solchen Stadtkreisen, wo diese Behörden nicht bestehen, der Oberbürgermeister. Untere Verwaltungsbehörden auf dem Lande sind: in den Ländern Preußen, Württemberg, Mecklenburg, Lippe, SchaumburgrLippe sowie im-Saarland der Lahdrat, iu Bayern und Baden das Bezirksamt,^ in Sachsen die . Amtshauptmannschaft, in Thüringen, Hessen und Anhalt das Krcisamti in Oldenburg der Amtshauptmann, in den oldcnburgischcn Landesteilcn Birkenfeld _ und Lübeck der Regierungspräsident, in Braunschweig die Krcisdiroktion, iu Hamburg der Polizeipräsident, in Bremen der Polizeidirektor, in Lübeck das Polizeiamt. , Soweit Anträge bereits bei anderen Behörden eingegangen sind, werden sie mit größtor Beschleunigung den zuständigen Behörden zugeleitet. Wer bereits einen Antrag bei einer anderen als der zuständigen Behörde eingereicht hat, braucht ihn demnach nicht zu wiederholen." Max Salomou geftorben Unter Beteiligung eines großen Kreises von Freunden fand am Montag Mittag in Wcißcnsec dio Beisetzung des früheren HaudclsgeriohtBrats.MaxSalomon statt, der im 67. Lebensjahre plötzlich verstorben ist. Bis unmittelbar vor seinem Hinscheiden hat der Verstorbene seine ganze Energie in den Dienst der von seinem Vater begründeten Berliner Scidcngamfabrilc A. G. gestellt, in deren Ausbau er seine Lebensaufgabe erblickte. Sem hohes Pflichtgefühl und seine verbindliche Art, mit Menschen i umzugehen, haben ihm zahlreiche Freunde geschaffen. Die KameT ^adschaftlich« Vereinigung verliert in Max Solomon ihren Gründer und stets tatberciten und. hilfefreudigen Förderer, Mit seinen Freunden betrauern wir den Heimgang eines Mannes, auf den man zählen konnte, wo immer es galt, dem religiös-liberalen Judentum zu nützen.