Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 15 (1935)
- Issue
- 49 (4.12.1935)
- Date
- 1935-12-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Beilage 4. Dezember 193S JÜDISCHE AUGEMEME . ZEITUNG Herztöne — ohne Herz Das Hers auf der Platte — Ein intereffantes Experiment vor Ärzten ,, Im .-.Rahmen .einer Vortragsreihe, die von der Berliner jüdische n G csundhci t sv c r w n 11 nn g für Amte im '. Logenhaus veranstaltet' wird, sprach der Berliner Internist und ' Nervenarzt Dr. Leo J a c o b s o Ii n über ein wissenschaftliches Problem, das in der einen oder anderen Form schon seit Jahren :dic ärztlichen- Kreise Berlins beschäftigt und Jacobsohns Namen -auch im Ausland bekanntgemacht hat. Sozusagen eine HerzcnB-; Angelegenheit großen Stils, bei der das Herz, das gesunde wie das ," kranke, eine in des Wortes wahrer Bedeutung laute Sprache ■Spridit und bei der von künstliclicn Herzen die Rede ist. Das klingt etwas geheimnisvoll, wird aber von Dr. Jacobsohn auf einen : streng wissenschaftlichen Nenner gebracht. Es handelt sich nämlich um ein von ihm ausgednehtes und nach eigenen geistvollen; Ideen aufgebautes Verfahren, das Pochen unseres Herfens, das gewissermaßen unter Ausschluß der Öffentlichkeit im Innern des Brustkorbs erfolgt, so zu verstärken, daß es nicht nur von dem Arzt, der sein Hörrohr auf die Brust sotzt, -vernommen, sondern in weiterer Umgebung deutlich gehört wird. Als Dr. Jacobsohn vor fast 13 Jahren diese Hcrztonverstär- Icnngsmcmodc in der Berliner medizinischen Gesellschaft demonstrierte, wirkte sie fast wie eine Offenbarung aus dem Geisterreich; und auch in der jetzigen Vorführung vor der Berliner jüdischen Ärzteschaft staunte man offensichtlich über die mit einer ■seither wesentlich verbesserten Methode erzielten Ergebnisse. Man hörte in dem großen Vortragsraum auch auf den letzten Bänken ,' den SchlagrhytJimus des gesunden Herzens und die seltsamen .: ^Entgleisungen" eines aus dem Takt gekommenen nervösen oder nervös erregten Herzens und schließlich die verschiedenen Geräusche bei Verschiedenen Herzfehlern. Die Lchrhaftigkeit der . Methode gewann dann — dank der unermüdlichen Arbeit Jacobr-sohns — noch erheblich, als es ihm gelang, in Anlehnung en das Tonfilmvcrfahrcn die Töne des gesunden und die Gcräuscho des . kranken Herzens künstlich zu erzeugen, und zwar in einer Apparatur, die man nach dem Effekt, mit dem sie arbeitet, '. als eine Art künstliches Herz bezeichnen kann. Jncobsohu benutzte seinerzeit zur Aufnahme der Herztöne , Schollkapscl, und Mikrophon eines früheren Kricgsgcrütes, des Mincnhorchers, und als Verstärker ein System von Kathodenröhren. Mit dieser Apparatur konnten im Jahre 1923 die Herztöne über den Berliner Sender bis zu einer Reichweite von 850 Kilometer ausgesandt werden. Die im weiteren Verlauf auch von anderer Seite wesentlich vervollkommnete Technik ermöglicht jetzt eine fast getreue Wiedergabe von Herztönen und Hcrzgeräuschen in beträchtlicher Lautstärke. Und damit ist die praktische Ausnutzung dieses Verfahrens für verschiedene Zwecke ermöglicht, wenn es sich beispielsweise um Uti tc r r i c h ts - zwecke vor einem größeren .Hörerkreis, um die Überwachung einer Narkose im Operationssaal oder um die Kontrolle der kindlichen Herztöne vor der Geburt handelt. Allein der Verwendung der Apparatur sind — wie die Dinge in der Praxis, in der Klinik, am Krankenbett ■ liegen — gewisse Grenzen gesetzt; und so kam Jacobsohn — wie schon erwähnt — auf die kühne Idee, Herztöne und Hcrzgeräüschc künstlich zu erzeugen und sich so vom lebendigen Menschen und seinem Herzen unabhängig zu machen. Töne und Geräusche werden in ihren Elementen . theoretisch errechnet, wie beim Tonfilm in Form verschiedener Striche — mit Tuschpinacl und Blcifedcr — aufgezeichnet und unter wiederholter Retusche in freier Komposition zu Klangbildern zusammengefügt. Bei der periodischen Wiederkehr der Herztöne brauchte Jacobsohn anstatt eines langen Filmbandes nur eine einzige, aus beiden Herztönen bestehende. Phase auf einer kreisförmigen durchsichtigen Platte aufzuzeichnen und diese sich rhythmisch, mit Pulsgeschwindigkeit, vor einer lichtempfindlichen Zelle drehen lassen. Eine solche Zelle vermag Lieht in Elektrizität umzuwandeln; und so setzen sich die Hclligkeitsschwankungen ' in elektrische Schwankungen um. Mit den Methoden der Kundfunkverstärkung entsteht dann im Lautsprecher das ursprüngliche Klangbild. Das so konstruierte „künstliche Herz", das aus der Synthese von nur zwei Tönen besteht, kann also — lichtclcktriscli abgetastet und rundfunktechnisch vorstärkt — im Lautsprecher unermüdlich schlagen. Herztöne .— ohne Herz! Dr. Jacobsohn hatte ursprünglich die Absicht, gestützt auf seine Ergcbniss, für Lehrzwecke eine Art akustisches Lehrbuch der Herzkrankheiten zu verfassen. — Die Zeitverhältnissc haben dieses Unternehmen nicht verwirklichen lassen. Asklepios. Kinder, Schutzengel und Amulette „Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind" heißt es im „Faust" ,-rdarf man Goethe variieren und sagen: „Des Glaubens größtes ■ Wunder ist das .'Kind?-".., ' Es-gibt kaiim jemand, dem das Entstehen-des Menschen nicht >.;als .' einW^under 'ersc^^inen-^urde;/*vEs'. liegt — mag man noch ■so; en"^ Betraehtungsweise -"eintreten;—, doch etwas : Geheimnisvolles in. ■dem Erscheinen eines neuen Wesens, ein Zauber, dem-man sich nicht entziehen kann. ' Dieser-Zauber ist es, der nicht aufhört zu . wirken von den ältesten^ Tagen der Menschheit bis in die Gegenwart hinein. Die. Heiligkeit der Mutterschaft, die in Bibel und Talmud eifrige' Fürsprache ''findet, und die : Geburt des Kindes tragen in ihrenhoch, immer nicht" ganz erforschten Mysterien alle Keime in sich, aus denenokkulte Anschauungen, zauberische Gebräuche und soltsdmcr. Aberglaube sich entwickeln konnten. . v. Mehr in das Gebiet deB frommen und schönen Kinderglaübcns .gehört die Anschauung,'die der Talmud äußert,' wenn ein neues Geschöpf das Lichtder .Welt-erblickt. tiDas Kind im Mütterleibc Gleicht einer zusammengelegten Schrcibtafel", so steht im .Talmud (Tract. Nidda) . .:. -„Sobald es das Licht der Welt' erblickt) brennt auch ein Licht über seinem Haupt und das Kind überschaut die sWclt yon einem Ende bis zum anderen. Zu keiner Zeit ist ein Malisch glücklicher als in jenen Tagen, da er noch im Schöße der; Mutter .ruht Er lernt sogar die ganze Tora — doch im 'Augenblick, da er in die Welt kommt, erscheint -'ein.'Engel und ■schlägt ihn auf den Mund, so daß er alles wieder vergißt. Zugleich wird-das Kind vom Engel beschworen. Und wie lautet diese Beschwörung? ,Sei gerecht und nicht ruchlos. Aber sagte dir •auch die ganze Welt, du seiest ein Gerechter, so sei doch in ' deinen Augcri ein Sünder. Wisse, daß Gott ein reines Wesen ist, daß seine Diener , rein sind, und daß die Seele; die er. dir gegeben, reuir ist.. HöltBt "du sie'in dieser Reinheit — wohl dirI- Wenn nicht, so nehme ich wieder von dir weg." Fragen des Unterbewußtseins treten auf, unerklärte Erinnerungsbilder, Prüeüstenz und Seeichwanderung und olle die vielen 'gelungenen 'odor. weniger gelungenen Erklärungsversuche wandeln : kaleidoskopartig vorüber l>cim Lesen, dieser anscheinend' recht (naiv klingenden Sätze:. „Das Kind im ■ Mutierleibe weiß) .bereits die ganze;T,ora, hat die; ganze Welt überblickt — aber der Engel sehlägt, ihm auf den Mund — und alles ist vergessen." Die Ewigkeit, ist verloren, das Zeitliche beginnt; aber durch sein . zeitliches , Wirken. soll der Mensch sich selbst, wieder' Ewigkeitswerte erringen. - .-'''■ .',' •"''.'■.,'"■'•' V- -;':.Die Scheidewand, die Glauben vom;Aborglaubeii-'-trennt,--ist' so dünn; wie das Netz, das;,<lio Spinne am Morgen" gewebt hat. Die gehofften oder gcfürclitcten Einflüsse uuf das seelische und /besonders dos, körperliche Gedeihen des Kindes verwirren sich bis zu einer Dämonologie, die aus dem Volksglauben und einer verzerrten Mythologie aller Volker ihre .Spukgestalten, herbeiholt, zugleich die sonderbaren Mittel' und Behelfe, um die guten .odor ,bö$eri: Geister herbeizurufen oder zu verscheuchen. : . - Amulette, Talismane; Gebete und Beschwürungen dienen solchem Zwecke. Schon die Schwangere bedicht sich allerlei Schutz- . mittel, unreine..leichte und glückliche Geburt zu erreichen. Heute , fast vergessen und nur mehr 'im' Osten und im Orient - noch'. ge-.''; bräuchlich siritl -die Kamcas, vom Wortstammo „binden" sich ableitend, und „A n h ü n g c r" oder auch „Umhängscl" genannt. So ein Kornea;' in dejr Volkssprache kurz „K'mce" genannt,, ist ein . Blättchen aus Pergament, das mit irgendeinem passenden Bibelspruch, beschrieben ist,, ein Satz der etwas Segensreiches für die.' Muttor oder das Kiiid bedeutet. Manche dieser Kameas hegen noch auf; dem Gebiet« einer frommen Gläubigkeit — abergläubisch üml daniit! auch direkt nach jüdischem Gesetz verboten sind sie •dann, wenn sie..Iteschwinungon zur . Abwehr von bösen-oder zur; Herhoirufung guter Geistor enthalten, also schondümonologisch zu werten und darum zu verwerfen sind. .1,.;',!Dennoch': Wer wiid aus vollem Herzen über den Schützen gel eines .Kindes spotten oder igar darüber) wenn man dein .(Xjtode; em. xeligiöses. Symbol um, den Tlals-hängt, was ja immer.— wenn auch nicht klar ausgesprochen — mit dem Gedanken geschieht, das Kind vor Bösem zu schützen. Solche Glaubens.symbole -— bei den Juden natürlich besonders in Bibelversen bestehend — waren gestattet und wurden nicht nur getragene sondern: auch von 'frommen Rabbincn angefertigt." Sie •bofanden'sich'iiilederne'n' Schutzhülieh-.-. ÄHmählich begann man allerdings, diesen frommen; Spruchblättchen bereits Getreidekörner — als Fruchtbarkeita- und Segchsspcnder — dann auch Wurzeln bestimmter als'heilkräftig' geltender Pflanzen oder auch Salz beizufügen. Es ist zu verstehen, wenn man allmählich dazu kam, die Amulette kostbarer zu gestalten, ihre Hüllen aus edlen Metallen anzufertigen und sie auch mit Edelsteinen zu verzieren. V Zweifellos aus den Amuletten entstanden sind die sogenannten Brissmilohkettcn, die man dem Kinde nach der Beschncidung umhing. Sie waren ein Geschenk des -„Sandek", des Mannes, der die Ehre hatte, das Kind bei der Zeremonie der Beschneidung auf den Knien zu halten. Das zumeist als hebräisch geltende Wort Sandele' stammt aber aus dem Griechischen: syntbekos, was Gevatter bedeutet und heute in demsicher mehr kommerziellen Jals religiösen Titel Syndikus gebräuchlich ist. . Ein. alter Gebrauch, der sielt bei der Geburt eines Kindes noch erhalten hat und in Süd- und Westdeutschland noch geübt wird, ist das Holograsch. Dieses Wort :— der Brauch Boll aus Frankreich, stammen,. die Zeremonie mit dem dazu gohörigon "Gebet findetsich, im Machsor Vitry — das Wort also, auch Holikreisch und Holokrosch und ähnlich gesprochen, soll von „Kreis der Frau. Holle" stammen, und : man sucht es mit altem Feeiiglauben in Verbindung zu bringen. Anknüpfend daran gibt es eine ganze Anzahl Erklärungen, die, meiner Ansicht nach, kaum das Richtige troffen.- Ich habe .das .Wort von;K ri a s S ch ' m a abgeleitet, dem Lesen des Sch'mn Jisrocl,. da über das Kind das Glaubensbekenntnis gesogt, wird. '■-. Man holt 'dazu in der Regel Kinder herbei, die das Kind. schaukeln, entsprechendes Frcudcngeschrei und -gekroisch ausstoßen und nachher mit Obst und Backwerk beschenkt werden. In meiner Deutung wurde ich bestärkt, als, ich vor wonigen Tagen die .alte Geschichte von A. Bernstein: „M o n dc 1 G i b b o r" las. In diesem rührenden und naiven Klcinstadtidyll findet sichfolgende Stelle: ■ „Gcncndcl, die eben am Ende der'K'hillc in der Wochenstube einer armen Frau. Liebesdienste verrichtete und unter der jüngsten Schuljugend reichlich aus ihrer Tasche kleine Pfefferkuchen verteilte, um sie für das K'rias Sch'mah-Lcincn beim neugeborenen Kinde zu belohnen."- Eine Fußnote- Bernsteins weißt darauf hin, daß diese ■Sitte zu. seiner'Zeit'in kleinen Gemeinden noch üblich war, ' Es: scheint also, daß meine Erklärung, das Holograsch sei aus der Aufforderung, die, Kinder zum K'rias Sch'mohzU holen, einige Wahrscheinlichkeit für sich beanspruchen darf; Das. Wunder des Kindes soll nicht beeinträchtigt werden. Schutzengel sollen es bewachen und kein „böser Blick", kein „ajin horaa" soll es schädigen.' -Dazu dient der . Segen der Eltern, dienen dio Glückwünsche der .Verwandten und Freunde, dazu dienen auch dio verschiedenen Begleiterscheinungen religiöser Zeremonien. Und dazu helfen 'bis in die neueste Zeit — auch ein .ganz klein wenig Amulette und Talisman, Bibclots und Muscottes; Glücksringo und Glücksketten, damit das Kind gedeihe^ Erfolg habe und gesund bleibe:- „Zu Gesund bis hundertzwanzig JahrT". ... . Dr.' B. Seh—f. . Nur. gegen- Ausweis! D^r Reichsverband der Jüdischen Kultur- , bündc in Deutschland, bittet uns um Aufnahme folgender Notiz: „Hierdurch: wird nochmals nachdrücklichst darauf hingewiesen, daß jüdische künstlerische ■ Veranstaltungen, nur von Personen besucht werden dürfen,' die .entweder -ihre gültige Kulturbund - Au swe i s kar te odei\ eüie Rei ch's ve.rb an^s aus - we is knrtie vorlegen können. Reich'svcrbandsauswcislwrtcn sind Jeweils au den Abendkassen erhältlich und .-gelten für das ganze ohr. Nach .den behördlichen Vorschriften kann ohne einen dieser beideXAuswciso Zutritt, in keinem Fall gewährt werden." Uta ßibal im 6ü6c Die Sidra Wajezc . (I.' Bach Mos. 28,10^-32,3) erzählt, wie Jakoh in die Fremde zieht und dem I.olmii um Habel und Lea dient. Die 1 In [tarn ist Mosen 12.13—14.10 entnommen. '\'" msn cW* arora jJ* T^^-Tfer r~vw ^{vap; . iVn, \^ jj.3 ^liw^^ .y*r\ ^w\>hrv\ y«äi£ wVn ixynp-vrwj'y; W5»:W^ Jttwf1 «U"f'3V^n '. , ,)- ■> ■-'<: - » y^.fütf;.tWw *w ti;^ »3; ''jttwim'vU«'^ 4'z •vf- 'Ävo-ar*? i-fon dfe^'i ^- n'ths, ~ v&krxft -fvn yfe'-?"'I*Ä^ä W^sig * **. " a-* -s'.(■-■•.^-'^'iTMCi ■i^^3^aÄ(fc«:-,^>**'- •*' -' ^■'^'■'^r^w' ^ASM^h^Mi^r,^ , Aus dem Juaüclien Leilkon Jakobs Traum von der Himmelsleiter Aus der Zweiten Haggado des Germanischen Museums .in Nürnberg. Links unten: Esau von der Jagd heimkehrend. Rechts: Isaak segnet Jakob. - . J^üdifche Kunft? Der „Israelit" gegen Konzerte in der Synagoge Brief für die „Jüdisohe Allgemeine" Frankfurt a. M. An den. drei letzten Veranstaltungen des Jüdischen Kulturbunds' Bezirk Rhein-Main lassen sich einige Erkenntnisse Über das aktuelle und umstrittene Problem der jüdischen Programmgestaltung und der sogenannten ^jüdischen Kunst" überhaupt gewinnen. Das große Mahler-Konzcrt fand wiederum in der Westend- Synagoge statt, mit dem dreifachen Nachteil zunächst eines beengten Podiums und einer nicht ausreichenden Platzzahl, ferner einer an vielen Stellen keineswegs befriedigenden Akustik und endlich dem mangelnden Kontakt zwischen Ausübenden- und Publikum durch dio selbstverständliche Unterlassung der üblichen Beifallskundgebungen. Trotzdem muß Frankfurt'glücklich sein, diesen .würdigen und erhebenden Rahmen größerer jüdischer Veranstaltungen zu haben. Allerdings wird auch das von gewisser Seite\ bestritten. Der „Israelit", das Frankfurter Zehtrnlorgan für..das orthodoxe Judentum, fühlt sich bemüßigt, in einem eingehenden Artikel, überschrieben „Konzerte in der Synagoge", Gegenpropaganda-zu treiben, mit der Begründung, ein religiös gesinnter Jude habe es als Gewissensgebot zu betrachten, eine Orgelsynogoge uueh bei profanem Anlaß, wie künstlerischen Darbietungen zu meiden. Eine entsprechende Entscheidung des orthodoxen Rabbinats sei ergangen. Das liboralo Judentum", so meint der Artikel weiter, welches unter dem Gesichtspunkt der Weiho und Würde scino gottesdienstüchen Reformen begründet habe, sthloge sich selbst ins Gesicht, wenn es sein Gotteshaus zum Konzertsaal degradieren lasse. Künstlerische Weihe sei niemals mit religiöser identisch, das Gotteshaus als Versammlungsstätto dürfe nur rein religiösen Zwecken dienen. Wir meinen.diesen eifervollen Erguß, der Öffentlichkeit nicht vorenthalten zu sollen. WeBseja ursprüngliches und cigeriwüchsiges religiöses Empfinden es ,stört, ein ernstes. Konzert im Synagogenraum' anzuhören, der wird sich selbstverständlich fernhalten. Warum setzt Bich aber ein Rabbinat und ehr Organ, welches diesen Raum als Ko t zc r-Ve rs ammlun g shaus bczciclinet, gegan diese Vcranstoltungen zur' Wehr und suchtsieschien Anhängern-zu verbieten?;-Doch offenbar aus Furcht,- es könnte der eine oder, andere seiner, Freunde gewahr, werden, daß die Westendsynagoge gar nicht so unjüdisch und ketzerisch . ist,- wie immer behauptet wird. ■■ , , Von dem musikalischen Ereignis der ungeheuer schwierigen und angesichts der : zu Gebote stehenden Mittel bewundernswert . gemeisterten Wiedergabe der ersten M.ahler-.Symphpnie unter. Steinbergs Leitung soll in diesem -Zusammenhang .nicht weiter die Rede sein; nur von der j üdi s c he n Seite der Angelegenheit. Das ganz im Romantischen verhafteto, vom, Heimatkolorit der.,böhmischen Londschaft gefärbte und. dem heimischen .Volkslied viel-, fach nachklingende Frühwerk des Meistersjüdischer Abstammung weist als solches keine, irgendwie jüdische vNote auf. Doch unsere Pflicht ist es zweifellos, heute, da dio Umwelt diesen Schöpfungen das Gehör versogt, in,, unserem Kreise die großen WerKe . yon Meistern jüdischer Abstammung erklingen zu lassen. Wir müssen' uns aber bewußt bleiben,'daß wir. damit kein jüdisches, sondern allgemeines Kulturgut pflegen; denn nur als solches'wurden diese. .^ "Werke konzipiert und gestaltet,' und nur so können sie heute auf ' uns wirken. - :'':•.'•■ ■ :; ' Wer etwa mit der heute vorgefaßten Meinung, es sei nicht ' unsoro Sache ganz vom Jüdischen fern hegende Kunst zu bieten, mmmi