Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 15 (1935)
- Issue
- 49 (4.12.1935)
- Date
- 1935-12-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Meclerlaffuiigsmöglichkeiteii - in Südamerika Dr. Ruppin auf der Konferenz der zentralen jflcHscItcn . < Organisationen Genf.' Glci,dizcitig-mit dor Tagung der Expertenkommission findet . eine > K o n f c re n z vo n zwölf zentralen jüdischen. Organisationen statt mit dem Ziel, die AuswanderungBarbcit zu koordinieren und Wege zur-Legalisierung des Status der Ausgewanderten in ihren derzeitigen; Aufcnthaltsländcrn zu finden. Das Hauptrcfcrat hielt,Dr. Arthur R u p p i n , der . Leiter der Kommission für Wirtschaftsplanung bei der Executive der JcwiBh Agcncy, der schon 1933 einen Pinn zur Ansicdlung von 200 000 Juden aus Deutschland in verschiedenen Ländern entworfen hnt, und dor soeben von einer Studienreise; aus Südamerika zurückgekehrt ist. . . ' In einem dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur gewährten Interview, äußerte er sich mit großer Zuversicht Ober die künftigen Möglichkeiten jüdischer Einwanderung und Niederlassung in den südamerikanischen Ländern. , r *-"Ich habe, crklfirte Dr. Ruppin, die wirtschaftlichen und kolonisatorischen Probleme i -. * . in Argentinien, Brasilien und Chile studiert. Die südamerikanischen Länder sind reich an verschiedenen Naturschlitzcn, die bisher erst in geringem Ausmaß crsclilossen sind. Vielversprechend sind auchdie Aussichten in der Landwirtschaft mit Rücksicht auf die klimatischen Verhältnisse. Diese Länder stehen jetzt im Begriff, sich schnell von der wirtschaftlichen Depression zu erholen, und werden iii der. künftigen weltwirtschaftlichen Entwicklung eine bedeutsame Rolle spielen. Wenn auch diese Länder, fuhr Dr. Ruppin fort, zurzeit faktisch für die Einwanderung verschlossen sind, so bestell! . doch Grund zu der Annahme, daß - die Eiiiwamlcrungsbcsclirünkiingcn allmählich mit fortschreitender wirtschaftlicher Gesundung aufgehoben werden.. . Die Juden aus D c u t s eh I n nd , von denen einige Tausend - sich. bereits. dort niedergelassen haben, passen sich den Lebensverhältnissen ziemlich leicht an und finden ihren Platz in dem Wirtschaftssystem des Landes. Die in den südamerikanischen Landern lebenden Juden polnischer und anderer Herkunft sind ebenfalls mit ihrem gegenwärtigen Schicksal zufrieden. Neuen Sicd- ■ lern bieten sich in den südamerikanischen Ländern zahlreiche verschiedene i Möglichkeiten, idoch werden gut ausgebildete,'erfahrene Handwerker vermutlich! . besonders gern aufgenommen werden. Berechtigung jeder ehrlichen religiösen Auffassung — stehe sie mehr rechts oder mehr links — zweifelte ohnehin kein gemeinschaftsbewußter Jude mehr, es sei denn ein Hohlkopf oder ein Fanatiker. Aber auch in den Streitfragen,, die. uns von dem Zionismus trennten und noch trennen, hat die praktische Arbeit gezeigt, daß Iiier ein weitreichendes Zusammengehen möglich ist. Der Zionist mag "weiterhin der Überzeugung sein, daß der einzelne jüdische Mensch in erster Linie .'volklich religiös, aber erst in zweiter Linie (oder gar nicht) gebunden sei; und der Religiös- Liberale wird nach wie vor in der Religion die Grund- Inge der jüdischen Gemeinschaft sehen oder ihr wenigstens vor. Volk und Land den Vorrang einräumen. Darin sind sie aber'beide einig, daß dem einzelnen Juden — mag man ihn nun als Mitglied einer Volks oder Glaubensgemeinschaft ansehen — geholfen werden muß wirtschaftlich; seelisch, geistig. Der Zionist mag der judischen Gemeinschaft in Palästina und der Arbeit für sie den Vorrang einräumen vor dem DiasporarJudentum; der Liberale mag den umgekehrten Standpunkt vertreten — beide Gruppen aber sind heute bis auf einige wenige Außenseiter hüben und drüben der Ansicht, daß sowohl 'der Palästinnaufbau wie die Erhaltung einer lebenskräftigen jüdischen"Gemeinschaft in den Ländern der Zerstreuung von jüdischem Standpunkt aus eine absolute Notwendigkeit ist. Die Breite des gemeinschaftlichen Arbeitsfeldes Sst so groß, daß sie die Arbeit alfer GruppenlimJudentum ermöglicht und erfordert. _ Voraussetzung einer echten Arbeitsgemeinschaft bleibt der Respekt jeder Gruppe auch vor dem, Avas ihn*von dem anderen trennt.. Wie wir Ehrfurcht haben vor. der stählernen Umschließungskraft eines echten konservativen Judentums oder vor der nationalen Be geisterung der Pioniere auf dem jungen Boden des uralten Palästina, so bleiben wir überzeugt davon; daß ein gemeinschaftsbewußtes Ringen um Gott auch in neuen Formen des Betens und Lernens, daß nur eine religiöse Sinngebung jedes, also auch des heutigen i'üdischen Geschehens jüdische Menschen mit wahrer Craft und jüdischem Arbeitswillen erfüllen; kann. Wir geben keinen Fuß breit echter Weltanschauung preis, wir haben nicht umgelernt in unseren Grundanschauungen, denn sie sind uns Judentum. Wohl aber haben wir augelernt, insbesondere auch in dem Punkt; daß ■wir - heute mehr auf - das sehen, was uns verbindet als auf das, was uns trennt. . : Gerade weil wir unseres jüdischen; Selbst uns bewußt sind, ergeben wir uns nicht und vergeben : -wir uns nichts, wenn wir , Gleichberechtigung, in der . Gemeinde fordern und gewähren. ■ Wir schaffen' auf diese Weise "ehrliche Arbeits- , gemeinschaft. Das Ringen mit dem Engel um die ••: Seelen all derjenigen; die noch keinen jüdischen Boden unter den Füßen haben, wird fortgehen. Dieses Ringen aber wird seine Entscheidung finden nicht durch die Zahl der Sitze in den Vorstandskörperschaften der ■ Organisationen und Gemeinden, sondern" einzig ,dä- . durch, ob Gott der einen oder anderen Gruppe das Gnadengeschenk wirklicher i Führcrpersönlichkciteri geben wird. Auf ihnen ruht unser aller Hoffnung ■ und, Zuklinftsglaubc. Berufsausfichteii in Paläflina Welche Berufe und Stellungen ftel.cn Einwanderern aus Deutfchland offen? Einen sehr aufschlußreichen Bericht über die Aussichten der verschiedenen Berufe, die Einwanderern offen stehen, veröffentlicht die Abteilung für „Arbeit undBcnifsber,atung" in Tcl-Awiw. Diese Abteilung, dio eino Art inoffizielles Arbeitsamt für die Einwandcror nus Deutschland darstellt,-.- berichtet, welche Stellungen Juden aus Deutschland in der Zeit vom März 1933 bis zum-Sommer dieses: Jahres zur Verfügung standen. Sie konnte in dieser Zeit den einwandernden'Juden aus Deutschland,. 6000 offene Stellen anbieten. . Bemerkenswert. ist die Gliederung dieser Stellungen nach den einzelnen BerufBgattungcn, weil sie ein anschauliches, auch heute gültiges Bild des StellungsmarkteB in Palästina bietet; Von den 6000 offenen Stellungen, die inTol-Awiw und Umgebung froi wurden,, entfielen: 575 auf Büro und. Handel, 1200'auf das Gaststätten- und Hotelgewerbe, 500 auf freie Berufe und deren Angestellte, 60' auf den Rcgicrungsdicnst, 300 auf Hilfsarbeiter, 615 auf Handwerker,' 250 auf Lohnarbeit auf dem Lande, 2500 auf. Hauswirtschaft : Diese Stallen waren aber nicht ohne -weiteres gleich zu besetzen. Nicht nur, daß viele Einwanderer für die Stollungen nicht geeignet waren.und die Arbeitgeber entweder, sofort. oder .nach . kurzer. Zeit ..die..'Einstellung verweigerten..' Es zeigte sich,, daß die Umstcllungsfähigkeit der Arbeitskräfte nicht immer ausgenützt und in ein System gebracht werden konnte. Bei den Handwerkern wird berichtet,, daß ihre fachlicho Ausbildung nicht immer den Anforderungen entsprach, die "auch; in Palästina an fachmännische Arbeit gestellt werden. Dies• ist• erklärlich,: weil es.sich zum größten _Teil um Umgeschichtete handolte, die nur eine kurze Ausbildung in Deutschland . vor ihrer Auswanderung genießen konnten. . — '■•..>' .. -, Ferner muß man bei dor ganzen Stellungsfragc in Palästina folgendes berücksichtigen.' Ma ß go bcnd für die Erlangung einer Stellung in Palästina ist die „persönliche Empfehlung" an einen Arbeitgeber oder einen Berufsverband und diese schließt naturgemäß eine sachliche: Beurteilung vielfach aus. Das Leh.rlingswoscn ist noch gar nicht organisiert'und die Möglichkeit, eine Praktikantenodor Lchrlingsstclle zur endgültigen Erlernung eines Berufes, insbesondere. , eines Handwerks, zu erhalten, ist sehr gering. Der Bericht der „Abteilung für Arbeit und Berufsberatung" hebt als bosondors bedauorlich diesen Mangel an geeigneten Ausbildungsstcllon hervor und schreibt, daß. viele Einwanderer dadurch gezwungen waren,: „Beziehungen" zu Fachleuten zu suchen und viel Zeit; Mühe und Geld opfern ■ mußten, um eine Chance zur Ausbildung zu bekommen. In der letzten Zeit hat man versucht, durch gc'r cg o 1 tc A u s bi 1 du n g sku r sc Fortkommensmö^lichkcitcn in den einzelnen Städten zu schaffen,, und zwar in * Tcl-Awiw, Haifa und Jerusalem. . Während dies, im allgemeinen für alle Bcrufszwcigo m i t Ausnahme der Siedlung, über die an dieser Stolle bereits gesprochen wurde, ■ gilt, sind die Aussichten und : Fortkommensmöglichkeiten für die einzelnen Berufszweige außerordentlich verschieden. Für Frauen liegen dio Verhältnisse auf dem Arbcitamnrkt verhältnismäßig günstig. Dies liegt einmal daran, daß'es bedeutend weniger Frauen als Männer heute im Lande gibt, und daran, daß dio Hauswirtschaft eine große Anzahlfreier Stollen bietet. Die Fraucnorgänisation ( „wizo" ermöglichte die Untcrbringum; von . Einwanderinnen in der Kinderpflege,; in huuswirtschaftüchen Berufen, Massenküchen usw. . ' .. . Bei den männlichen Stellungsuclicndcn ist die Sache bedeutend schwieriger;- Wie,, sich aus den geschilderten Zahlen ergibt, ist die Re g ie r ung s 1 au f b ah n m der Verwaltung, also bei der Post, •Eisenbahn wonig gofragt, weil die Bezahlung in diesen Stellen sehr gering ist. Es besteht aber eine Möglichkeit,' hier Hunderten von Einwanderern eine zwar, bcschcidenc, aber doch sicher« Existenz zu schaffen, und, zurzeit bemühen .Bich die zustandigen Stellen, cino Werbcaküon für den Eintritt in den Rcgicrungsdicnst durchzuführen. Für Mcnschonmit... hebräischen,-englischen und; gar mit arabischen Sprachkcimtmsaca liegt eine Möglichkeit,, in diesen Berufen Fuß zu ■■; fassen, phno Zweifel vor. Außerdem gibt es Arbcitsmöglichkcitcn bei den sog, Rc- , gicrürigsnrbeitcn,' die' in großem Maßstäbe durchgeführt worden, Bei Straßenbauten, Wasser- und Rohrleitungen, Elcktrifizio.rungsorbeiten, im Hafen üsw. Allerdings erfordern diese Arbeiten-auch diö nötigen körperlichen Voraussetzungen. Auch auf dem.Gebiete . des Verkehrswesen, bei den' Autobuslinien usw. bieten sich gewisse Möglichkeiten. ..... . . . / Für Akademiker ■ \ muß allerdings eindeutig gesagt worden, daß es Ärzte,aller Gut-, tungen'außerordentlich viele gibt und daß der Beruf des Anwalts! ein eingehendes Studium des in Palästina, geltenden Rechts voraussetzt. Das Zcitungs- und Verlagswesen steht, noch sehr in-. den Anfangen:- Die. Tatsache, daß eine Stadt wie. Haifa, die heute über 80000 Einwohner zählt, noch koino eigene Tageszeitung hat, zeigt, daß für diese Dingo noch nicht das nötige Gold und Interesse vorhanden ist. Hier wird erst nach Jahren weiterer starker Ein-* Wanderung ein größeres WirkungBfeld vorhanden sein. Ebenso ist es bdiin Verlagswesen. Die Universität Jerusalem ■ und das Tcchnikuiri in Haifa stellen zwar Bildungsstätten; vor,, die. eine Grundlage für cino wissenschaftliche und sonstige .geistige Buch-. Produktion bilden, vorläufig ist aber nicht an größere M6gli.ch.T-. keiten zu denken; Dabei muß. dor Einwandcror. aus Deutschland , aber berücksichtigen, daß die vollständige Beherrsch an g d e s H o b r ä i s c h e n in Wort; und: Schrift die erste - Voraussetzung jeder geistigen Tätigkeit sein muß. Denn wenn auch die Einwanderer aus Deutschland: unter Bich, in ihren Versammlungen usw. noch deutsch sprechen, die Kinder werden hebruisch erzogen Die vollständige Beherrschung des Ncuhcbräischcn. macht aber" zumal älteren Leuten sehr große Schwierigkeiten. Einwanderer mit größerem Kapital Buchen vor allem in der I n d u s t r i c. eine Betätigung. Hier müssen ober nach den bisher gemachten Erfahrungen die Aussichten 'besondera ungünstig . beurteilt werden, und dies' gilt Bowohl für Unternehmer als für Angestellte. Dio Schließung der palästinensischen Tcxtilfabrikcn in diesen Tagen zeigt die Schwierigkeit,- mit der japanischen und amerikanischen Ware in Wettbewerb zu treten. Auch die anderen Industriezweige zeigen eine ungünstige Entwicklung.' Es fehlt ein erhöhter Bedarf im Lande selbst, und vor allem ist kein Hinterland •für.den Export vorhanden. Lediglich die Bauindustrie und BouwirtbcIiaft steht in Blutc. Der zunehmende Strom von Einwanderern, die doch nicht nur aus Deutschland, sondern, auch uus. Österreich,'Polen und den anderen Oststaatcn cintreffon, ruft einen Wohnungsmangel hervor, der durch in amerikanischem Tempo crfolgendcB Bauen von Wohnhäusern ausgeglichen wird. Nicht nur für .Baumeister, Architekten usw. ist z. _ Z. noch ein Betätigungsfeld, sondern auch für ungelernte Arbeiter, die, Bich nicht scheuen und körperlich dazu in der . Lage Bind, beim .Bau mitzuarbeiten. Im Ganzen gesehen, gilt dor Grundsatz, daß zwar jeder, der arbeiten will,- Arbeit findet, die Schwierigkeiten liegen aber darin, daß es zumeist Arbeiten sind; dio sehr hoho körperliche Anforde- , rungen stellen undi denon die meisten Einwanderer aus Deutschland nicht gowachsch sind; So hört man aus den zahlreichen Berichten, wie schwer es ist, eine geeignete, den Fähigkeiten des Einwpriderers entsprechende Tätigkeit zu' fuidcn. Körperliche Leistungsfähigkeit, sehr gute handwerkliche Ausbildung, Sprachkcnntiusse, das sind.: dio Grundvoraussetzungen, die eine Berufsmöglichkeit mit Aussicht; auf Weiterkommen und wirtschaftlichen Erfolg bieten.' ■ Dr. E. R. Reichsminifter Dr., Frick ülier das Reidisbürgergefetz „Die Lcbcnsmu'gLclikcit soll den Juden in Deutschland nicht . abgeschnitten werden.': Im-neuesten Heft der -„Deutschen'. Juristen-Zeitung'1 äußert sich'Rcichsminister Dr. F r i c k über : die Bedeutung des RcichsbürgcrgcsctzcB. „Dbb Rciehsbürgcrgcsctz und das Blütschutzgesctx sowie die dazu ergangenen Ausführungsverordnungen", heißt es darin,..„verfolgen nicht den Zweck, die Angehörigen der jüdischen Rasse -nur um . ihrer" Rassozügchörigkcit willen schlechter zu stellen. Die Lcbensmögliclikcit soll dcii Juden in Deutschland nicht abgeschnitten,'' werden. Das' deutsche Schicksal -aber gestaltet in ^Zukunft, lediglich das deutsche Volk. - . Das Rciehsbürgcrgcsctz 'unterscheidet zwischen den „Staatsangehörigen" lind dem „Rcichsbürgcr",- Heute' ist die äußere Zugehörigkeit . zum deutscheil Staatsverband für den Besitz der staatsbürgerlichen Rechte und für die Heranziehung zu, .den staatsbürgerlichen Pflichtennicht' mehr ausschlaggebend. Der Begriff der! Staatsangehörigkeit dient vielmehr in erster Linie dor Abgrenzung de3 Deutschen vom Ausländer und vom Staatenlosen. >.-Rcichsbürgcr ist demgegenüber,nur der Staatsangehörige, dem .der •'• Vollbesitz der politischen Hechte und' Pflichten zusteht. Grundsätzlich kann' niemand Rcichsbürgcr.; worden," der nicht deutschen oder 'artverwandten.'Blutes.; (deutschblütig). )st; ferner aber muß er durch sein Verhalten, den', Willen und. die Eignung zum Dienst um deutschen Volke bekunden. Du, die IDeutschblütigkeit' eine Voraussetzung dcB Jlcichsbürgerrcchts bildet, kann kein J u d o R c i c h s b ü r g c r werden. Dasselbe abor gilt auch für die Angehörigen anderer Rassen, deren Blut dem deutschen Blut nicht artverwandt ist, zum Beispiel Zigeuner und Neger. In Beinen weiteren Ausführungen erörterte Rcichsimiiister Frick u. a.'noch cinirial: den. BegViff „Jude", wie er sich aus den neuen gcsotzlichen Vorschriften ergibt, den Begriff des jüdischen Mischlings und den rassenpolitischen Zweck der lChchindernisse. ' V [ urteilt hatte,1 legte die Staatsnnwaltsehaft Berufung ein, da ihr das Straf m n ß . a 1 s zu gerin g erschien. Der Vertreter dor.-Staatsanwaltschaft führte u. a. aus, daß bei den-verschiedensten Veranstaltungen' der letzten Zeitimmer wieder darauf hingewiesen worden sei, -daß" die Regierung die Art des Kampfes gegen das Judentum bestimme und Einzchiktioncn zu untcrhlcibon hatten- Obwohl den Angeklagten dies bekannt sei, hatten sie.sieb in grobor Disziplinlosigkeit zum Schaden von Staat und Bewegung -darüber hinweggesetzt. ' . - Drei Monate Gefängnis, wegen BcfchUdigung einer Synagoge Frankfurt; a. M.;. Die „Frankfurter Zeitung" berichtet aus Marburg, daßs dio Große' Strafkammer zwei junge Leute zu je drei Monaton Gefängnis verurteilt hat. : Diö beiden Angeklagten besuchten Mitte August einen Bekannten in Ncustaoft. Nach Genuß von 'alkoholischen' Getränken beschädigten sie durch SteinwQrfc die Syh'agogc Sie mirdcn festgestellt,' leugneten zunächst, gaben dann iiucr die ihnen zur Last . gelegten Sachbeschädigungen zu. Gogcu das Urteil dts Schöffengerichts, das sie au Stelle einer un, sich verwirkten Gcfimgniastrufe von'je zwei Monaten zu jc;300 Mark Geldstrafe ver- Eine friftlofe Vertragskündigung Klage einer Jüdin vor dem Arbeitsgericht.;. Frankfurt a. M. Bei einer, a r l s o h c n F i r m n war, wie die „Frankfurter Zeitung". berichtet; lauge Jahre hindurch ein J u de als PiovisionsrciBcndor beschäftigt,.-und':die.-.Finna war mit scinor. Tätigkeit so zufrieden ■ gewesen,, daß sie nach seinem Tode der Witwe des Reisenden eine Pension von monatlich lüO.v Mark auswarf unter der Bedingung, daß die Witwe sich um die' Erhaltuim der jüdischen Kundschaft der Firma bemühen möga. Die geschäftlichen Erfolge der Witwe waren in den näcliBücn' Jalireu so bedeutend, dnß die Firma die Monatsbezüge der Witwe mehrmals erhöhte und ihr. schließlich Un November 1934 omen Vertrag zuschickte, nach dem die Monatsbezüge auf 300 Mark festgesetzt wurden. Der Vertrag sollte erstmalig zum April- 1936 mit einer Frist von einem Jahre, also zu Ende Marz 1937, gekündigt worden können.- ■ ■ ■ ■ i\ . -..Als die 1'Irina der. Witwe 'diesen Vertrag Ende Mai > 1935 IristloK kündigte, strengte die Witwe gegen dio' Firma Klago, beim Arbeitsgericht auf .Einhaltung des Vertrage» bzw: auf Zahlung, der bereits bei Klageerhcbung fulhg gewordenen Monuts- . gehaltcr an. , - , . i In der Gütcveihandlung vor dem Arbeitsgericht erklärte die beklagte Finna, daß ihr unter den heutigen Umständen im'' nationalsozialistischen Staat die. Einhaltung eines noch bis April 1937 dauernden A^ortraccs nut einem Juden nicht zugemutet worden könne, und daß daher ihc unbefristete Aufhebung: des Vertrages ■ in der Person dor Klägerin begründot sei. Auf einen Vcrgleichsvorschhig des Richters woljte ' die beklagte Firma sich nicht euilusBcn. . In dor. Haiiptvorhundluiig wies dor Vertreter der Klägerin darauf hin, daß die Firma zur Zeit des Abschlusses des Vertrages (November 1934) . jedenfalls schon hatte wissen müssen, wie .die. Verhältnisse m Deutschland lagen. Wenn die . Firma aber damals noch den Vertrag geschlossen habe, so dürfe sie sich \ojzt . den Folgen nicht-, entziehen. Nach kurzer Beratung des Gerichts. empfahl: der Vorsitzende der Beklagten dringend die. Annahme des von ihm vorgeschlagenen Vergleichs, 'nach"dem die Klägerin, sieh mitder Zahlung von 3000 Mark zufrieden geben wollte. Die Firma, nahm nunmehr auch' den Vergleichs- Vorschlag an, behielt sich jedoch vor, innerhalb einer Woche von dem Vergleich zurückzutreten. ,* ■Sia.' f -<-.ctiU*i'&tifrw.H ,'.".,-vi-v Uftäfi äi«f4VÄk?äs*fci&, ^jfeü^rtrf^i».^!/iäa^feS^WSÄi^