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Jüdische allgemeine Zeitung · 1935-11-20 · 47 (20.11.1935) · page 2

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
15 (1935)
Issue
47 (20.11.1935)
Date
1935-11-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Klemer Umweg Es wird gemeldet: 17i>n!<n A unnnhn /In« Yfiflinnlinn DiinHo^hnn" r?4im ' •In der Freitag-Ausgabe , der „Jüdischen Rundschau", dem Blatt der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, mußten wir mit. einigem Erstaunen die folgende Erklärung lesen: . : Der Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde teilt der Jüdischen Tclcgraphcn-Agcntur mit: „In der ,Jüdischcn Allgemeinen Zeitung' sind Mitteilungen über die von den . verschiedenen Richtungen der Gemeinde getroffenen Vereinbarungen erschienen,, die nicht ganz den Tatsachen entsprechen. Wie wir hören, wird die ,Jüdischc Allgemeine Zeitung' in ihrer nächsten Nummer den Sachverhalt selbst entsprechend richtig stellen." — In dem Artikel wurde behauptet, daß der Gemeindevorstand sich in Zukunft aus sechs Liberalen, fünf Zionisten und einem Orthodoxen zusammensetzen solle. Diese Regelung ist jedoch nur als ein Dbcrgangsstadiiim gedacht, nach dessen Beendigung die in der Verlautbarung des Gcmcindcvorstnndcs angekündigte Durchführung des Fifty-Fifty-Prinzips (Parität zwischen 'Zionisten und Niohtzionistcn) bei der Zusammensetzung des Gemcindcvorstandcs voll verwirklicht werden soll. Es ist immcrliin recht bemerkenswert, daß man von liberaler Seite des Gcmcindcvorstnndcs das seiner xIüchtung nahestehende Blatt zu berichtigen Bich veranlaßt gehalten hat, und zwar, wie wir zur Richtigstellung hinzufügen müssen, ohne daß wir befragt wurden, ob wir bereit seien, „den Sachverhalt entsprechend richtigzustellen". ••'Wir sind gern bereit, etwas richtigzustellen, nämlich dies: Aus der Fassung der Verlautbarung des Berliner Gemcindcvorstandcs über den vollzogenen Friedensschluß ging nicht hervor, daß auch der Sitz des konservativen Herrn Adolf Schoyor den Zionisten noch zur Verfügung gestellt werden solle. Die Informationen, die wir unserem Kommentar zugrundclcgten und die aus bestuntcrriclitctcr Quelle stammten, bezogen sich also auf die, gegenwärtige Situation. Im übrigen läßt auch der Leitartikel iriY der letzten Nummer des Berliner Gcmcindeblattes die völlige . Klarheit über die Umbildung des Gemeindevorstandes noch vermissen. Wenn dort gesagt wird, daß Einzelheiten die große Mass? der I,cscrschaft nicht interessierten, so sind wir im Gegensatz dazu der Auffassung, daß die jüdische Öffentlichkeit nicht nur ein Interesse, sondern einen Ahspruch darauf hat, volle Aufklärung zu erhalten. ■ .Förtsctzung von . Seite 1 wachsende Zahl der Vcrwandtcnzcrtifikatc nach. . Die altersmäßige Zusammensetzung in Palästina sei diametral entgegengesetzt der Alterszusammensetzung der deutschen Juden. Aber für die Zukunft sei positiv zii. bewerten, daß 90 o/o der nach Palästina Gewanderten unter 50. Jahre, 82 o/0 unter '40 Jahre seien. Bei der Palästinawanderung der. Jifdcn aus Deutschland habe sich außerordentlich günstig' die 1933 einsetzende Bcrufsumsc hichtung bemerkbar gemacht; ohne dieses große Werk sei eine solche Wanderung nicht möglich gewesen. > Bei der .Zuteilung der Zertifikate, die in den Händen cinor Palästinaamts-Kommission liegt, müsse in Betracht gezogen werden, daß Palästina in erstor Linie landwirtschaftlich vorbereitete und qualifizierte junge Menschen brauche. Aber die Palästinawanderer müßten auch in geistiger, seelischer und kultureller Beziehung Träger'einer im Aufbau befindlichen jüdischen Welt sein. Zu der Frage, ob nur Zionisten Zertifikate erhielten, führte Dr. Mcyor aus, daß eine. solche enge Auslegung bei .der Auswahl nicht Platz greife. ■ Aber es sei klar, daß der Zionist, wenn er auch, kein Monopol beanspruchen könne, doch ein begründetes und begrenztes Privileg habe. Der Schluß der Ausführungen Dr. Meyers war den Fragen des Transfers gewidmet. (Wobei er auch die Umstellung des Transfer-Systems erwähnte, die nach der Richtung gehe, die aus dem Transferimport zu erzielenden Devisen in erster Linie dazu zu verwenden, um einer möglichst großen Zahl von Auswanderern so schnell wie möglich die ersten 1000 Pfund in bar zu transferieren, dio für die Erlangung des Kapitalistcnvismus erforderlich sind. ' Darbietungen von Frau Hannes,- Oborkantor Pcissachowiteh und Ludwig Altmann bildeten die musikalische Umrahmung des Abends. |fl In Sehweinfurt würde, wie das „Berliner Tageblatt' meldet, wegen Verfehlung gegen das Gesetz zum Schutz« d c's deutscfhon Blutes und der deutschen Ehre, Hans Möhring und die Jüdin. Hildegard Falkner festgenommen und ins Landgerichtflgcfängnis eingeliefert. — Nach Meldung des „Westdeutschen Beobachter" fanden in K ö 1 n zwei Prozcsso gegen arische Angeklagte wegen vRasscschandc mit Jüdinnen statt. Ein 38jährigcr Erwerbsloser wurde zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt. Ein ondorcr Angeklagter wurde wogen Mangel an Beweisen freigesprochen. ■ Einem jüdischen Angestellten, der seit 1921 bei seiner Firma beschäftigt wir, wurde jotzt von seinem Unternehmen gekündigt, weil dieses das Schild „Deutsches Geschäft" nicht führen dürfe, wenn es noch nichtarische Angestellte beschäftige. Das Arbeitsgericht Frankfurt wies die Kündigungswidcrrufsklago des Angestellten ob, da die Entlassung zum Zwecke der Anbringung des Schildes „Deutsches Geschäft" im Interesse der Erhaltung der Firma liege. * ■ In den letzten Tagen wurde in der ausländischen Presse lnilgotcilt, daß der Verlag S., Fischer (Berlin) seinen Besitzer gewechselt habe und an einen anderen Verlag übergegangen sei. Diese Meldungen sowie alle daran geknüpften Kombinationen entsprechen, wie der S. Fischer-Verlag der „Frankfurter Zeitung" mitteilt, nicht den Tatsachen. * B Wie aus Hannover berichtet wird, ist die „M c n - d c 1 b s o h n s t r a ß c" in „H cinrich-Schütz- Straße" umbenannt worden. » ■ Mit Beginn des Wintersemesters hat Professor Moritz Löwi an der Brcslauer Universität seine Vorlesungen ■eingestellt. Er vertrat das Fach der Psychologie, und Pädagogik. Sein vor nicht allzu langer Zeit erschienenes Buch „Grundbegriffe der Pädagogik" hat in der Fachpresse große Anerkennung gefunden. Professor Löwi ist Schwerkriegsbeschädigter. * B Nach einer Meldung aus Washington hat Präsident Rooscvclt einen Vertreter des American Jcwish Gongrcss und den Präsidenten des American Jcwish Committec empfangen und einen informativen Boricht über die Lage der Juden in der Welt entgegengenommen. i * B Wie aus Saloniki berichtet wird, haben Oberrabbiner Dr. Koretz, dio Mitglieder aller Vorstände der jüdischen Gemeinden Griechenlands sowie die rabbinischen Funktionäre vor Gericht den Eid auf König Georg.II. abgelegt. > . r * ■'• v. . : , < B In dem Prozeß gegen die Teilnehmer an den pogromartigen judcnfcind1ichcn Ausschreitungen in G r o d n o im Juni d. J. ist das Urteil gefällt worden. Das Grodnocr Kreisgericht verurteilte den Hauptangcklagten Padsiuk zu einem Jahr Gefängnis,' vier weitere Angeklagte zu je neun Monaten, 6 zu je einem halben Jahr Gefängnis; die übrigen 6 würden freigesprochen. .'-.'*. B Einer Metdung aus Jerusalem zufolge wurde eine Gruppe von vier Juden) die in der Nähe des arabischen Dorfes El Duamin Boden, der ihnen zum Kaufe angeboten wurde, besichtigten, von einer arabischen Bande angegriffen. Der arabische Führer der jüdischen Käufer wurde verwundet. * B Aus dem Jahresbericht der aschkcnasisch-jüdischen Gemeinde im Haag geht hervor, daß die Zahl der Gemcindcmitglicdcr am 31. Dezember 1934 15 275 gegenüber 14 772 im Jahre 1933 und etwa 10000 im Jahre 1930 betrug. Die Zahl der Mischehen hat bedeutend zugenommen. Es wurden im letzten Jahr 50 Mischehen und 78 rein jüdische Ehen geschlossen. * B Berichten aus Jerusalem zufolge sind die Vorarbeiten für die Eröffnung der .Radios tation in Ram nlTo soweit gediehen, daß mit Aufnahme der Sendungen Ende Dezember dieses Jahres oder Anfang Januar 1936 gerechnet werden" kann. Der palästinensische Rundfunk soll täglich fünf Stunden in Betrieb sein. Je eine Stunde soll auf Sendungen (in hebräischer, arabischer und englischer Sprache entfallen, zwei Stunden sollen Konzcrtdarbictungen gewidmet sein. .* B Im Alter von 67 Jahren ist in Rom der Präsident des italienischen 'Kolonialinsti t u tes ,- > Senator Erncsto A r t o m , ein hervorragendes Mitglied der italienischen Diplomatie, gestorben. Senator Artom entstammte einer der angeschensten jüdischen Familien Italiens. " ' - ' ■• * B Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde Mailarid hat. einstimmig beschlossen, den ehemaligen Oberrabbiner von; Padua, Dr. Gustavo C u 81 e 1 b o lo g n e s i, der eine Zeitlang auch das Amt des Oberrabbiners von Tripolitanicn innc hatte, als O b c r - rabbincr nach Mailand zu berufen. * B An einem in Rom abgehaltenen Kongreß zur Bekämpfung der Tuberkulose hat eine Reihe jüdischer Gelehrter und Ärzte teilgenommen. Zwei hervorragende jüdische Mediziner, Prof.' Bcnedetti und der Direktor des Hcercssanatoriums „Cesare Battisti" bei Rom, Prof. Mendcs, wurden, in das Exekutivkomitee für die Bekämpfung der Tuberkulose in Italien gewählt. — \ * B Der voil Prof.• Cirinciono .gestiftete interna.tionalc Preis für die beste wissenschaftliehe Arbeit auf dem Gebiet der Augenheilkunde ist in diesem Jahr einem jüdischen Gelehrten, dem Privntdozcnton an der Universität Padua, Raffaele C a m p o s zugesprochen worden. Für den Keren Hajeffod Ein Aufruf der Rciclisvcrtrctung Zu Beginn der Sammelaktion für den Keren Hajcssod erläßt die Reichsvertretung folgenden, von ihrem Präsidenten. Rabbiner Dr. Baeck unterzeichneten Aufruf: „Die. Reichsvertretung hat in ihrer Programmerklärung unsere Gemeinden dazu aufgerufen, dem Werke des Keren Hajessod ihren tätigen opferwilligen Beistand zuzuwenden. Dieso Mahnung soll in diesen: Tagen, in denen der Keren Hajcssod seine Arbeit in unseren Gemeinden beginnt, erneuert sein. Hier gilt es aufzubauen um dergroßen Gesamtheit willen, und auch unseretwegen für ein Werk einzustehen, in welchem Zukunft gestaltet sein soll." Tagung des rheinifch-weftfaliFchen Rabbinerverbandes . .Dortmund. Der rheinisch-westfälische Rabbinerverband hielt seine diesjährige Herbsttagung in Dortmund ab. Nach Begrüßungsworten des Vorsitzendon Rabbiner Dr. A p p e 1 (Dortmund) hielt Rabbiner Dr. Eschelbach er (Düsseldorf) einen Nachrui auf Oberrabbiner Kuk 8.' A., dessen Leben und Wirken er' in warmen,1 feinsinnigen Strichen zeichnete. — Dann berichtete Rabbiner Dr. Neumark (Duisburg) über die gemachten Erfahrungen in der neugegründeten Arbeitsgemeinschaft aller Lehrenden, die zum ersten Male Rabbiner und Lohrer in sich vereinigt. Bezirksrabbiner Dr. Auerbach (Recklinghausen) sprach über Aufgaben und Tätigkeit des Bezirksrabbiners, wobei er die besonderen, und vielseitigen Probleme der kleinen Gemeinden hervorhob, für dio es nach Ansicht des Referenten besonders zu sorgen g^lt. Zum Schluß sprach Rabbiner Dr. Appel an Hand der Richtlinien der Rciclisvcrtrctung über die Aufgaben'dcs Rabbiners Bei seiner Winterarbeit. An fast alle Referate schloß sich eine Aussprache, deren Ergebnisse als Material für die nüclieto Zusammenkunft vorgemerkt wurden. " ' Gcmeinderabbiner Dr. Ernst Appel war aus Anlaß seiner 25jalirigen Amtstätigkeit Mittelpunkt zahlreicher Ehrungen. In der'schön geschmückten Dortmunder Synagoge fand einö schlichte, . eindrucksvolle Feier statt. Nach einleitendem' Ghorgesang würdigte 'h Rabbiner' Dr. Kober-Köln die Tätigkeit des Jubilars unter Zugrundelegung des Textwortes „Auf drei Dingen beruht dio sittlichreligiöse Welt: auf Lehre, Gottesdienst- und Menschenliebe", und schloß mit dem Pricstcrscgcn für Jubilar und Gemeinde. In seiner Erwiderung führte Dr. Appel aus, wie weit er das bei seinem Amtsantritt vor 25 Jahren abgelegte Versprechen im Sinne des Spruches „Liebe und Wahrheit mögen sieb begegnen" erfüllt habe, müsse er der Beurteilung anderer überlassen, er erneuere aber das Gelübde heute, nach der Forderung des Textwortes weiter zu wirken. Chorgesang beschloß die Ehrung für diesen echten Vertreter religiös-liberalen Judentums. Die 300 Jahr-Feier in Amflterdam Amsterdam. In dem historischen Wag-Haus in Amsterdam fand anläßlich der 300-Jahr-Fcicr der Amsterdamer aschkenasischen („hochdeutschen") Gcmcindo die Eröffnung einer historischen AuBstellung dcs holländischen Judentums durch den Bürgermeister von Amsterdam, Dr. W. de Vlugt, statt. Nach einleitenden Worten des Präsidenten des ' Jüdischen Historischen Museums, Dr. D. E. Cohen, wies Bürgermeister Vlugt auf dio große Rolle hin, dio die Juden im wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen, wissenschaftlichen und künstlerischen Leben der Hauptstadt spielen, wobei er einzelne hervorragende Persönlichkeiten besonders hervorhob. Der Bürgermeister schloß seine Ansprache mit dem Appell an die Amsterdamer Bevölkerung, dieso außerordentlich interessante und lehrreiche Ausstellung zu besuchen. Die in dem prächtigen, aus dem 16. Jahrhundert stammenden Wag-Haus untergebrachte Ausstellung ist mit großer Sorgfalt zusammengestellt und bietet einen erschöpfenden Überblick über die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung des Amsterdamer Judentums und sein religiöses Leben im Laufe von drei Jahrhunderten. Im Gemeindehaus fand ein Festakt statt, dem ah) Vertreter der holländischen Regierung der Minister für Kultus und Unterricht, Prof. Slotemokcr de Bruinc, und der Minister für öffentliche Arbeiten, Jonkheer van Lidtli de Jcudc, u. a. beiwohnten. Abi Vertreter der Jüdischen' Gemeinde zu Berlin war das Mitglied ihres Vorstandes und Vizepräsident des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, R.-A. Dr. Alfred Klee, erschienen. ' „ Nach dem Festakt fand in der 250jährigen Großen Synagoge ein feierlicher GedcnkgottesoienBt atott. Hungersnot unter den Juden Bcssarabiens ' Bukarest. In vier Distrikten Südbessarabiens ist eine Hungersnot ausgebrochen, von der insbesondere auch dio dort lcbcudeijl i'üdischen Landwirto und Kleingewerbetreibenden auf dem flachen jandc erfaßt worden sind. Zehn tausende jüdische Familien entbehre ir das tägliche Brot. Der Kältccinbruch der letzten Tage hat die Not verschärft. Die jüdischen Gemeinden und Organisationen AltrumänicnB und der Bukowina haben II i 1 f s u k t i o ii o n zugunsten' der Notleidenden eröffnet, In Kischincw fand ein von der Jüdischen Gemeinde dieser. Stadt einberufener Kongreß der jüdischen Gemeinden BcssarabiciiB statt, der Maßnahmen zur Bekämpfung der Not in den jüdischen Landgemeinden und der Schaffung eines bessarabischen Gemeinden-Verbandes gewidmet war. . Die Zahl der Raffeninifchehen Dr. H. Göllner, Referent in der Abteilung für Erb- und llassenpflcac des Reichsgesundheitsamtes, veröffentlicht eine Untersuchung über die Zahl der gegenwärtig bestehenden Mischehen. Er weist darauf hin, daß es sich bei den zahlenmäßigen Unterlagen nur um Nachweise nach rein konfessionellen Gesichtspunkte h ■ handeln könne, und daß, da das nötige statistische Material fehle, alle diejenigen Mischehen unberücksichtigt bleiben müßten, die von getauften Juden, von konfessionslosen Juden und von halbjüdischcn Ehepartnern eingegangen worden seien. S. Wcllisch habe in der „Zeitschrift für Rassenkunde," für Deutschland zwei Millionen Menschen mit jüdischem Blutsauteil, das sei das Vierfache der Konfessionsjudcu, errechnet. (Diese Ziffer liegt noch'um 25 Prozent höher als die bekannte Schützung von. Ministerialrat Conti.) Bei Zugrundelegung dieser Zahl wäre mit 200 000 bis 300000 solcher .Mischehen zu rechnen, bei denen ein Ehepartner irgendwie jüdisch versippt sei. Die Zahl der Mischehen 1 im äblichlen Sinne dagegen — mit einem volljüdischcn Ehepartner — .dürfte mit 100 000 anzusetzen sein. Die Betrachtung der durch die Religionsstatistik nachgewiesenen Ehen ergebe, daß im- Reichsgebiet von 1901 his 1933 insgesamt 42 452 Mischehen geschlossen worden seien. Ihnen gegenüber stünden rund ,118,000 rein jüdische Eheschließungen. Der Anteil der Mischehen auf das Taueend der GcsamteneBchlicßungen sei stündig angestiegen, auch in der Nachkriegszeit.. Besonders'hohe Zahlen ergäben sich in. den Großstädten, wo die, meisten Juden wohnten. Während im Reich auf hundert refnjüdische Eben. 1901 rund 17 Mischehen gekommen ■ seien,. seien es in; Berlin im gleichen■• Jahre. 33 gewesen. Demgegenüber-, habe bisher \ die stetige Abnahme der ,rein'.; jüdischen, t Ehen gestanden. Yaterfchafts - Nachweis Königsberg. Vor der 1. Zivilkammer des Landgerichts in Königsberg kam in zweiter Instanz ein Alimcntciiprozcß zur Verhandlung, in dem festgestellt werden sollte, ob ein Arier oder ein Jude der Vnter eines unehelichen Kindes ist. Der Arier war in erster Instanz am 18» Mai 1934 verurteilt worden.; und hatte gegen dieses Urteil Berufung eingelegt und es als offensichtlich bezeichnet, daß der Jude der Vater ,des Kindes sei, da der Knabe •entsprechende Russcnmorkmale aufweise. Der Rassenbiologe am, Institut für Rnsscnforsehung an der Königsberger Universität, Professor Dr. Löfflcr, stellte in seinem Gutachten fest, daß das Kind eine gr ößc rc ReUic j üdisaher Merkmale aufwies, und kam zu der Feststellung, daß- . der beklagte Arier mit größter Wahrscheinlichkeit \iicljt. der Vater,.des Kindes sei, mit großer Wahrscheinlichkeit jedoch der Judo.. Das Gericht erkannte auf Abweisung der Untorhalts- ■ ansprfichc an den Arier und führte aus, es habe keine Bedenken gehabt, den Ausführungen des Sachverständigen in allen Punkten zu folgen. Wenn auch' durch die' vorsichtige Formulierung des Sachverständigen ein voller -Beweis' nicht erbracht sei, daß' der Jude als Vater in Frage käme, so sei doch das Gericht auch aus anderen Gründen zu der Überzeugung gekommen, daß der Arier auf keinen Fall als Vater betrachtet werden könne.

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