Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 15 (1935)
- Issue
- 46 (13.11.1935)
- Date
- 1935-11-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Es wird gemeldet: ■ Die „Hochdeutsche Gemeinde" in Amsterdam, die sich jetzt «Niederländische Israelitische Gemeinde" nennt, feiert am 14. November ihr 300jührigcs Bestehen durch einen Festakt und einen besonderen Gottesdienst. Als Vertreter der Jüdischen Gemeinde zu- Berlin wird das Mitglied ihres Vorstandes Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee, an der Jubelfeier teilnehmen. * E9 Der Hcichsbund jüdischer Frontsoldaten hielt in Berlin eine Tagung der Vorsitzenden seiner Landesverbändegemeinsam mit der Bundeslcitung ab, auf der der Bundcsvorsitzendo Dr. Leo LöwcnBtcin einen umfassenden Bericht über Haltung und Arbeit des RjF. nach der Nürnberger Gesetzgebung gab. * H Nach einer ministeriellen Verfügung sind die Bestimmungen der Prüfungsordnung für Apotheker sinngemäß auch auf alle Kandidaten der Pharmazie anzuwenden, die nach dem 1. April 1935 die pharmazeutische Prüfung ablegten. Danach müssen Urkunden über die arische Abstammung und Zeugnisse über den Arbeitsdienst usw. beigebracht werden. * B Der Inhaber der Frankfurter Wcingroßhandlung Saemann und Co., Simon Saemann, wurde von der Kriminalpolizei festgenommen- Er wird beschuldigt, bis in die jüngste Zeit hinein umfangreiche Wcinfälschungcn begangen und den gleichen Wein unter den verschiedensten Bezeichnungen in den Handel gebracht zu haben. * 23 Als Nachfolger des zum Direktor der Gerstel Mortgagc Bank of Palestine in Tel-Awiw berufenen Dr. Ernst Lelimann ist von der F.W.J. (Gesellschaft zur Förderung wirtschaftlicher Interessen von in Deutschland wohnhaften oder wohnhaft gewesenen Juden m. b. II., Bcrlin-Charlottenburg 2, Kantstraße 158) neben dem verbleibenden Geschäftsführer, Direktor Friedrich Borchardt, Rechtsanwalt Dr. Alfred Levi zum Geschäftsführer bestellt worden. * B3 „Manchester Evcning News" befaßt sich in einem Artikel mit den Kandidaturen für den diesjährigen Nobelpreis für Literatur. Gewisse Chancen, schreibt das Blatt, hat die Kandidatur des berühmten jiddischen Schriftstellers SchalomAsch. Diese Chancen werden aber dadurch vermindert, daß bloß drei seiner Bücher der breiten europäischen Öffentlichkeit bekannt sind. * ■ Wie IIIAS mitteilt, sind in den ersten neun Monaten des Jahres 1935 nach den Vereinigten Staaten 5983 Juden als Einwanderer gekommen. 1194 von iluicn waren deutsche Juden. B3 Aus Saloniki wird gedrahtet: König Georg II. hat an den Obcrrnbbincr Dr. Zwi Koretz ein Telegramm gerichtet, indem er der jüdischen Bevölkerung den Dank für ihre Loyalitätskundgebungen ausspricht. * BS Unbekannte Täter haben in der alten Synagoge in der Szajnachygaasc in Lemberg eine Bombe zur Explosion gebracht. Die Synagoge wurde vollständig demoliert. Da sich zufälligerweise niemand in der Synagoge befand, sind die Folgen des Anschlags glücklicherweise auf den Sachschaden beschränkt geblieben. Die Staatsanwaltschaft hat eine Untersuchung eingeleitet. H Wie aus Rom gemeldet wird, sind die beiden ersten Fcldrabbincr, Aldo Sonnino und Amcdco Tcrracina, zur a bessinischen Front abgegangen. * B3 Im Alter von 40 Jahren ist der Sekretär der fascistischen Arbeiter-Syndikate der Industriestadt Tcrni bei Rom, Hauptmann Odoardo Cagli, gestorben. Hauptmann Cagli, der einer angesehenen jüdischen Familie in Livorno entstammte, hat in der fascistischen' Bewegung seit ihren Anfängen eine bedeutende Rolle gespielt. * ES In der Nähe von A i n Charod wurde der jüdische Polizist Moschc Roscnfeld ermordet aufgefunden. Der Leiter der Politischen Abteilung der Palästinacxckutive der Jcwish Agcncy, Mosche Shcrlok, hat sich nach Ain Charod begeben, um an der Untersuchung des Falles mitzuwirken. * BS Dc>" Senat der Hebräischen Universität Jerusalem hat den Professor an der Plülosophischcn Fakultät Dr. Hugo Bergmann zum Rektor für das S l u d i c n j a Ii r 1935/36 gewählt. Diese Würde ist in diesem Jahre zum ersten Male verliehen worden, nachdem daB Amt des Univcrsitätskmizlcrs abgeschafft worden ist. Dr. Groß sprach. Nach einem Bericht des „Westdeutschen Beobachters" äußerto er sich in seinen Ausführungen auch zur Judonfragc. Er aagto hierzu: „Allein der Rasscstandpurikt zwingt mich zu erklären, daß die Juden aus Europa verhonnt werden müssen. Nicht etwa, weil bic Schandtaten begehen, Bondom weil sie Juden sind. Ganz gleich, wie sio sich benehmen, kann ich keine rassefremden Elemente in meinem Volke dulden. Im Raum meines Volkes können nur die Gesetze meines Blutes Geltung haben." Kultus- und Kultur - Neubau Bericht für die „J Q d i s c h-c Allgemeine" Dresden, Das Bindeglied in der Überschrift ist der nun vollendete iicuo Bot- und Gemein desaal nln Erweiterungsbau unserer in vielem unzulAngHch gewordenen Synagoge. Dieser Bau, von dessen Bedeutung und Umfang liier schon zu Beginn des Sonnners die Hede war, wurde in der erstaunlich kurzen Zeit von rund drei Monaten errichtet und goreicht in seiner Wurde und Feierlichkeit nicht nur dem Allmächtigen, zu dem von ihm aus unsere Gebete cmporschallcn, sondern auch .seinem irdischen Schöpfer, Baumeister Fritz Braiter, zur Ehre. Damit hat Dresden einen Vcrsanimlungasnal und vor uUcm einen eigenen Raum zur Abhaltung der neu ins Leben getretenen Kulturbundobcndc. Schon an den Feiertagen mit in Benutzung genommen, wurde der neue Bau bei einem der letzten Freitagabend-Gottesdienste durch Entzünden des Ner Tomid usw. feierlich geweiht. Inzwischen fand er auch bei der ersten Kulturbund Veranstaltung! Verwendung, und zwar in Verbindung mit der großen Synagoge; denn um einen besonders würdigen Auftakt zu schaffen, wurde ein Konzert abgehalten. dargclrOtcu vom W'inawcrschcn Chor zusammen mit dem Orgelspieler Erwin Jospc. Es war überraschend, unsere Orgel so voll und schön erklingen 7.11 hören, und man hatte außer dem Barhiseh anmutenden Vorspiel und dem vom Künstler selbst stammenden „Improvisationen über eine jüdische Melodie" gern noch ein drittes Stück von ihm vernommen. Die Leistungen des (liorcs wurden schon anderwärts bekannt und viel besprochen. Winawer ist nicht nur mit dieser Musik, sondern auch mit seinen Sängern, die ihm hervorragend folgen und schönes Material namentlich in den Bässen zeigen, aufs engste verwachsen. Die Gefahr einer gewissen Eintönigkeit liegt ' zwar in der allzu häufigen Verwendung von Kontrastwirkungen im Falsett- und Piauissimosingcn, im übrigen sprachen die hebräischen Gesänge nicht weniger an als die aus Sehwermut und Humor so seltsam gemischten jiddischen Lieder. Die nächste Darbietung gilt einem populären Kunstgebiet, nämlich der Oper, und wird ausgeführt von Edith Macrker und Wilhelm Guttinann. Ricli. Elb. Neun Monate Gefängnis wegen versuchter Rassenschande — Verhandlung vor dem Altonacr Schwurgericht Hamburg. Vor dem Altonacr Schwurgericht wurde ein Prozeß wegen Rasscnschandc auf Grund der Nürnberger Gesetzgebung verhandelt. Angeklagt war der 33 jährige staatenlose, jüdische Kaufmann Leo Smcchow, der, in Deutschland aufgewachsen, ein Geschäft als Wcinrciscndcr betrieb. Die Anklage wurde erhoben wegen versuchten Sittlichkcitsvcrbrcchcns nach § 176 StGB, sowie wegen Verstoßes gegen die §§ 2 -und 5 nach dem Gesetz vom 15. September, also wegen Verkehrs mit einer Aricrin. Zu Beginn der Verhandlung richtete der Vorsitzende eine eindringliche Malmung an die Zeugen. Es stehe hier ein Jude als Angeklagter in einem Rasseschandeprozeß. Wenn jemand aus weltanschaulichen Gründen gegen das Judentum sei, so dürfe sieh doch niemand von der Wahrheit abwenden, denn es sei der Wille des deutschen Volkes, daß jedermann Gerechtigkeit widerfahre. Auf Antrag dej Staatsanwaltschaft werde die breitere Öffentlichkeit wegen Gefährdung der Sittlichkeit ausgeschlossen. In der Vernehmung bestritt der Angeklagte, der aggressive Teil bei den Zärtlichkeiten gewesen zu sein. Er habe die Zeugin in einem Hamburger Tanzcafö kennen gelernt und nur nach Hause fahren wollen. Er habe dann mit ihr noch ■ zusammen in einem arideren Cafegesessen. Schon da sei die Zeugin zärtlich geworden. Auf einen Vorhalt des Vorsitzenden, daß doch der Angeklagte dio Gesetze vorn 15. September gekannt haben müsse, erklärte dieser, er habe gewußt, daß auch der außereheliche Geschlechtsverkehr eines Juden mit einer Arierin verboten sei. Ea sei die größte Dummheit seines Lebens gewesen, daß er die Frau nicht rechtzeitig zum Verlassen des Wagens gezwungen habe. Die dann vernommene Ilauptzcugin, eine verheiratete, 1914 in Köln geborene Frau, bestritt auf das entschiedenste, ihrerseits Annäherungsversuche gemacht zu haben. Der Angeklagte habo sich ihr unter dem falschen Namen Ludwig Schlösser vorgestellt. Sic bezichtigte den Angeklagten der Lüge in allen von Dun vorgebrachten Angaben und erklärte sicli bereit, ihre Aussägen zu beschwören. ' Der Vertreter der Anklage hielt in seinem Plädoyer den Tatbestand der vollendeten Rasseschändung für erwiesen und verlangte die Anwendung der vollen Schürfe des Gesetzes. Sein Strafantrag lautete auf ein Jahr Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer vonf 5 Jahren. Der Angeklagte verdiene nicht, daß man mit ihm mildo umgehe, da er die Nürnberger) Gesetze gekannt habe und sich darauf hätte einstellen müssen. Der Verteidiger bestritt das Vorliegen einer vollendeten wie einer versuchten Rassenschande. Nach achtstündiger Verhandlung fällte da9 Schwurgericht folgendes Urteils Der Angeklagte Smcchow wird wegeu versuchter Rassesch a n d c (Vergehen gegen die §§ 2 lind 5 des Gesetzes zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre) zu einer Gefängnisstrafe von neun Mona ten sowie zur Tragung der Kosten verurteilt. Dio erlittene Untersuchungshaft soll ihm angcreclrnet worden., Der Antrag des Verteidigers, die Hauptvcrhnndlungbie zum Erlaß der Ausfüh- •rungsb c stimmim gen zu vertagen, da der Angeklagte polnischer Staatsangehöriger sei, wurde vom Gerieht au gel e hn t. Der Vorsitzcndo hob in der B c g r ü nd u n g hervor, das Gericht habo. den Auslührurigen der vereidigten Hauptzeugcn Glauben schenken müssen. ,Das Gesotz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutsehen .Ehre richte sich gegen, Juden überhaupt, sei alsoi nicht nur für deutsche. Juden bestimmt. Auf Grund der Beweisaufnahme könne festgestellt werden, daß die Anklage wegen vollendeter RasscBchändung ausscheide, wohl aber sei es zum Versuche derartiger Betätigung gekommen, und der Angeklagte habe sich daher des versuchten Verbrechens der nasseschändung schuldig gemacht. Versuchte -Notzucht liege nicht vor, obwohl erhebliche Verdachtsmomente bestünden. * Der Rheinisch-Westfälische Dienst des „Deutschen Nachrichtenbüros" meldet: Die Große Strafkammer in Köln verurteilte einen 48jährigen jüdischen Angeklagten wegen Verbrechens der Rasscnschandc zu einem Jahr Gefängnis. Der Angeklagte hatte seit 1932 ein Verhältnis mit einem arischen Mädchen, das er auch nach dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre nicht abbrach. Ein neues Werk über die Judenfrage ,.Die Juden in Deutschland" Die „Königsberger Allgemeine Zeitung" bespricht in ihrer politischen Umschau ein soeben erscliicncncs, vom „Institut zum Studium der Judonfragc" herausgegebenes umfangreiches Werk „Die Juden in Deutschland" (Zentralvcrlag der NSDAP, Franz Eher Nachf., München). Als grundsätzliche 'Diesen des Werkes gibt das Blatt folgendes wieder: „Dieser Versuch dor Assimilation ist mißglückt, weil er mißglücken mußte. Demi jahrhundertelange Inzucht hat den Juden zu dem gemacht, was er heute ist. Das Blut hat sich stärker erwiesen, als aller Einfluß durch die Umwelt oder aller Anpassung an die Umwelt. Die Itasso ist und bleibt stärker als die Anpassung, sie schlägt durch." Das Institut zum Studium der Judenfrage ordnet die Juden im Hinblick jiuf ihre. Stellung zum Deutschtum und ihr sittliches Niveau in drei verschiedene Gruppen ein. Es erwähnt zunächst diejenige, die von sich aus die Rassenfragc bejaht, demgemäß die Möglichkeit der Anpassung an das Deutschtum verneint, und im nationaljüdischen Zionismus mündet: „Es gibt," so schreibt das Institut, „eine Gruppe, die in heiligem lirnst mit diesem Problem gerungen hat. Zu ihr gehören Persönlichkeiten wie der Rcligionsphilosoph Martin Buber. Diese Gruppe ist die schwächste gewesen.' Sie hat in der jüdischen Öffentlichkeit wenig Widerhall gefunden. Dann gibt es eine andere Gruppe von solchen Juden, die mit allem Ernst und voll Ehrlichkeit versucht haben, im deutschen Volk aufzugehen, indem sie deutsch zu werden versuchton. Diese Gruppe war wohl etwas stärker als die erstcre. Sio wur vor allem in den seit .Jahrhunderten ansässigen Familien zu Hause. Zwischen ihnen beiden stand die Gruppo derer, für die dieses Problem überhaupt nicht existierte, dio einfach in Deutschland lobten, Geschäfte machten, Gold verdienten und es sich gut gehen ließen . . . Diese Gruppe war die stärkst«), sie erhielt die Oborhand durch die ständige iüdischc Einwanderung aus dem Osten, vor ollem nach dem Jmsturz von 1918. Dicso Gruppe ober war auch die lauteste, sie machte am meisten von sich reden in der Öffentlichkeit durch ihre Anmaßung und durch die aufsehenerregenden Spitzbübereien einzelner ihrer prominentesten Vertreter. Diese letzte Gruppe hat der „Judcnfrago" in Deutschland dio scharfe Zuspitzung gogeben, dio schließlich zur Entladung dos Volkszornes führte." Wio weiter berichtet wird, wird in dem Werk ein Schuldbuch des Judentums aufgestellt: seine Überfremdung der Wirtschaft, in der Presse, Politik, Kultur usw. werden behandelt und 'jüdische Stimmen, eo u. a. außer Bubcr, Radicnau, A. Thcilhaber und Dr. Gustav Krojonker zitiert. * Köln. In der Rheinlandhallc fand eine Masseiikundgebung statt, auf dor der Leiter des Rassenpolitischcu Amtes der NSDAP Aus den Gemeinden Breslau. Nach sechzehnjährigem Bestehen der lireslauer Jüdischen Volkshochschule eröffnete Dozent Dr. Lewkowitz das jetzt umbenannte Jüdische L e h r h a n s , das ebenso wie die Volkshochschule in Verbindung mit der Synagoge Mittelpunkt des neuen jüdischen geistigen Lebens werden soll. Krau Professor Dr. Selma Tüubler-Stcrn, Heidelberg, behandelte „Das Judenproblem im Wandel der geschichtlichen Erscheinungen". Das Publikum folgte den außerordentlich klaren und von dem tiefgründigen Wissen der Verfasserin des „Preußischen Staat und die Juden" zeugenden Ausführungen mit lebhaftem Interesse. Im ersten Fragenkomplex wurde die Stellung der " verschiedenen Staatstypen zur Juden frage aufgerollt, im zweiten Teil wurdo au Hand von Beispielen des 18. und 19. Jahrhunderts das Problem einer Lösung von innen oder außen aufgeworfen.. Zum Schluß führte die Vortragende aus, die Emanzipationszeit der Juden sei mit dem Jahre 1935 zu Ende gegangen. Es gelte das geschichtliche Schicksal auf sich zu nehmen, nicht als blindes Futum, sondern in Bewußtsein und demütiger Erkenntnis. IL TL Dortmund. Die Arbeitsgemeinschaft der Ortsgruppe der Vereinigung für das r e 1 i g i ö s - 1 i b c r a1e Judentum bat mit der Besprechung der Werke Mciidclssolms („Phadou" und „Jerusalem") einen verheißungsvollen Anfang genommen und Anlaß zu anregenden Diskussionen über die Kragen der Unsterblichkeit und des Religionsgesetzcs gegeben. Die wöchentlich stattfindenden Abende sollen an Hand der vorhandenen Literatur in die jüdisch-Wissenschaft liehe und religiöse Gedankenwelt des vorigen Jahrhunderts einführen und diese für unser eigenes Denken fruchtbar machen. Leiter des Kursus sind die Herren Rabbiner' Dr. Appel und Lehrer Nußbaum. Nachzutragen ist noch ein Berieht über die Simchas-Tora- Feicr der Ortsgruppe, die so zahlreich besucht war, daß nicht alle Einlaß begehrenden Personen daran teilnehmen konnten. An der Feier, bei der Lehrer Nußbaum eine Anregende Ansprache hielt, beteiligte sieh auch der B.d.-j.J. mit Liedern und Sprechchören. Den musikalischen Teil bestritten Rut Fcldheim (Violine) und die Herren Manfred Frank und Max Romenthal. Unter großem Beifall sang Trudc Cohnhoff, wahrend Dr. Wenzel ernste Dichtungen und Heinz Schwarz Heiteres bot. SdlmcidcmÜhl. In der hiesigen Synagoge fand der erste Kulturabend des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden statt. Nachdem der erste Vorsteher, Herr Lewin, die Veranstaltung eröffnet hatte, hielt Rechtsanwalt Heinrich Stern-Berlin einen Vortrag über das Thema: „Jüdisclic Arbeit in der Gegenwart". In einstündigen, fesselnden Ausführungen legte er die gegenwärtige Lage der Juden in Deutschland dar, untersuchte dio Möglichkeiten der Abhilfe, warnte vor übereilter Abwanderung und schloß mit der eindringlichen Malmung zum. Durchhalten auch in schwerer Zeit. Der Vortrag wurde durch Gesang von Frau Else Jansen-Berlin umrahmt, die in , Werner Bacr-Berlin einen ausgezeichneten Begleiter hatte. Bezirksrabbiner Dr. Jospo schloß den Abend mit Worten warmen Dankes an dio Vortragenden und an den Landesverband. Es bleibt bei „Judenbach" Im Gemeinderat des etwa 2030 Einwohner zahlenden thüringischen Ortes Juden b a c h wurde in Gegenwart von Vertretern der Behörden übor eine Anregung verhandelt, den Ort umzubenennen. Während, der „Allgemeinen Thüringischen Landeszeitung", Weimar, zufolge, der Heimatforscher Oberlehrer Hammerschmidt dio Entstehung der Ortsbezeichnung auf eine alte Sago zurückführte, wonach vor Jahrhunderten hier einmal ein Jude erschlagen worden sei, ließ Archivar Dr. Flach dio Möglichkeit, offen, daß der Namo eine Umleitung aus dem Germanischen sei und sich auf einen der Götter beziehe. Für eine Umbcncnnung des Ortes trat allein Direktor Heß vom Landesverkehrsverband ein, der auf die Schwierigkeiten bei der Frcmdenvcrkchrswerbung hinwies, wahrend im allgemeinen dio Stimmung gegen eine Namensänderung war. Es wurdo somit von einer Umbcncnnung vorlaufig Abstand genommen. Türkisch 8 mit.