Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 15 (1935)
- Issue
- 45 (6.11.1935)
- Date
- 1935-11-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Frankfurter Abende ficrich.t für die „j u d i s c Ii c A 11 gc m c i n,c'J . Frankfurt a. M. Während dio Scliilder an den Gastwirtscliafr n: „Juden sind unerwünscht" sich mehren und auch den heson- Ircgt sich — .vielleicht 'sdhon allzu «tprtnübli jund'Mfifacibg — % ins] wührend der 'Sbinmörirrariatfc iurückgedrüngt gewesene)-.■eigene jüdische Kuluirlishcri/in Frankfurt a,. M. Die Huuäc'r, .werden mit Ankündigungen .vori: Vorahstnltüngcn und Prögrammcn üj^riichüttct und nicht nur der geplagte Berichterstatter, auch der.Wgcistortc. Kunstfreund' ^eiß^rncht recht:. wann? wo? wohinj\'< ganz zu schweigen 'von ' dr/r, Ubcihcanspruchung '.der Jugend durch; Schule, Sportverein un4 Bund.. , . 1 ■>■- '? Wenn'Mvir',^'von privater : Teilnahme aii ,den' zAl^cjchcn jüdischen Turri- 'und -;Sportzirkeln, von haus^ither '-Geselligkeit und, Auaflug .'anschien, rbleihen der. Ku 11 u r b u iVd.-"mit: sechs Orclieatcr-Koniscrtonj facht Theater-Abenden, drei Chorl^nzcrten, secha Kamniermüakabenden, monatlichen Kunstausstellungen .und drei : Wohltaüglicitaycrähafaltungcri,. der Bund; Jüdiachcr. JTönkühstlcr .mit aeinen' alle zwei Wochen . atattfindcndeit'/MittWch' Abcndcn'm, der. Ambld-LnzaruSrHallej die allmonatlichen ÄIciBter- Abcnclc, ' von der , Konzertdircktion Hermann-. Koch . veranstaltet, Abende der. Synagogiinvcrciue,. Einzclvcranataltungcn.. ^fominentcr Pcraönlichkcitcn ■und 29 Lehrgänge dcs; Jüdischcri Lelirhausefl. ' i Obwohl ' wir 'noch, ani Ueginn: . der'' Shiaon fliehen und; die i Foiortagc diesen Wochen' 'ihr. Gepräge aufdrückten,' bot , der Kulturbund. bereits sein erstes unu 'im Itahmcn der W'cstcnd- . aynagoge besonder» wirkungsvolles Orchcstcrkonaort, da» «ach Programm und Leistung der Würde dca Raumes du;chou9 angepaßt war, zumal die ergriffenen Hörer ihrem Beifall durch stummes und um so wirkungsvolleres Sichcrhchcn spontanen Ausdruck verliehen. Nach Beethovens „Egmonf-Ouvcrtürc unter der. wie immer boachwingten Leitung Steinberga bot limnuucl Feuermann in Schumanns Cello-Konzert a-möll eine seinem Namen würdige. Wiedergabc. Den Höhepunkt bildete die zum Schluasc gespielte II. Symphonie' in " C-dur von Schumann. Kam bei diesem Konzert, das im jüdischen Baum von jüdischen Gestaltern jüdischen Hörern geboten wurde, dio Frage nach' der eigenen Note der kulturellen Veranstaltungen in gar keiner Weise auf, so muß sie desto energischer bei dem Solo-Tanzabend der Vulcska Gert gestelltwerden. Abgesehen davon, daß die 'Miniatur-Szenen in -keiner Weiso abendfüllend wirkten, und der ' Zuschauer den wesentlichen Eindruck des Abends von ' dem Warten wühlend der notwendigen Umzich-Pauscn mitnahm, mach- ' teh diese ins Letzte nusgcwbgcncn und zugespitzten Darbietungen doch auf den Teilnehmer' im Erbjien der Zeit einen durchaus , überlebten und abgetanen Eindruck. Das Groteske ist und'bleibt der. Ausdruck einer satten, überlebten Kultur, die in stärksten Reizmitteln eine Würze für die übersättigten Sinne sucht. . Wir sehnen uns nich reiner, in schlichter Form das eigene Wcscii zum Ausdruck bringender oder in die Tiefe allgemein menschlicher Empfindung reichender Kunst, nicht nach Heiz, sondern"' nach Erhebung. Aus welchen Quellen sie kommt, aug eigenen oder fremden, und in welchem Rahmen sie geboten wird, ist erst eine Frage zweiten Ranges. Von weiteren Vcrunataltungcn dor vergangenen Wochen erscheinen erwähnenswert:' In erster Linie die Musikalische Wcibestünde in der Westendsynagoge mit Uraufführungen von (Herbert Fromm, Itoay Gciger-Kullmann, Max Wolff' urifi - Bernhard Sektes. Besonders eindrucksvoll war dessen Vertonung des Paalmcs 137: „An den Strömen Babels" für Chor, Sopronsolo und Orgel, die unter der Leitung des bewahrten Chordirigentcn der Synagoge, Sludicnrat Frank Rothschild, eine adäquate Wiedergäbe fand. — Mit Beifall aufgenommen wurde der erste Abend des T o n k ü n s 11 c r b u n d o a mit einem Hörspiel von Alfred Auerbach: „Rörnc, Heine, Mendelssohn". — Vor seiner Übersiedlung nach Amerika zu Reinhardt gab Ernst W o 1 f f schien Frankfurter Freunden noch einen ganz großen Abschiedsabend, der ein lebhaftes Bedauern, daß wir den warmen und hinreißenden Klang dieser wundervollen Stimme mm ■— wer weiß, wie lange — entbehren müssen, hinterließ. Dem Streben des L c h r h a u s c s nach Gcmcinschaftshildung an Stelle; urolcssoru'.ei- Wisscnsühcrmittlung gab der Eröffruingsabend dca von Karl Adler-Stuttgart veranstalteten Offenen Singens, an dem sich alle Erschienenen lhit Begeisterung für die Sache beteiligten, . vorbildlichen Ausdruck. Erwähnen wir zum. Schluß' noch den heiteren Abend, den „Korlchen" Ettlinger, das lTrnnk: . lurtcr Kind, seinen heimischen Freunden und Verehrern .schenkte, so haben wir einen knappen Querschnitt <lurch die reichhaltigen Vorspeisen der Frankfurter jüdischen Wi"t«rsnison gegeben.. Religiös-liberale Arbeitskreise Die interne religiöse Arbeit der religiös-liberalen O r g an isntioncn macht erfreuliche Fortschritte: Wahrend, jetzt schon regelmäßig jeden Sonnabend abend 20 Minuten vor Beginn des SaLoatausgung-Gottcsdicnstcs ein Lernen stattfindet, rufen dio zu diesem Zwecke zusammengeschlossenen Vereine, der - Freisinnige Verein für Jüdisches Gcmcindclcbcn, der 'Verein Hauptsypagoßc und der Verein Wcstcndsynagogc sowie dcr'IJi ihre Mitglieder auf, an abendlichen religiösen 'Arbeitskreisen, die in 14t3gigcm Abstand stattfinden sollen, teilzunehmen, um,' Svic ca heißt, „auf der Basis einer menschlichen Bindung die Aufgabe' unserer Zeit, unser j üd i e c h - religiöse s;\Yc It biYd neu zu formen, gemeinsam in-Angriff zu nehmen". An'-Themen' sind in Aueaieht genommen: Propheten, die''Begründer des jüdischen Weltbildes; Die Tora bIb das Buch vom .jüdischen Lehen: Epochen unserer Geschichte, die unsere jüdische Aufgabe zeigen; unsere Gebete und Psalmen; Moderne Darstellung unseres jüdischen Seins. Es ist wichtig, daß^ 'diese, speziell rcligiös- , liberale Arbeit neben die allgemeinbildende und ausbildende des Lehrhauses tritt. Die Bedeutung unserer liberalen Führer im Frankfurter jü- I dischen' Gcmcin'dclebcn fand neuerdings eine wichtige Bestätigung ■ durch die Wahl des Vorsitzendenunseres' Freisinnigen Vereins,. Sanitütsrats Dr. Ettjingcr, zum Leiter der Frankfurter ' J .U d i- ■ 'sehen .Winterhilfe,, der sich tfllc in Frage Jjömmcndcn Vereine , und Gremien, auch die orthodoxe Austrittsgcmcindc, angeschlossen .hatten. In allen jüdischen Veranstaltungen wird für die Winterhilfe gesammelt. Gcnicindcmitglicdcr aller Kreise haben, sich zur persönlichen Mitarbeit rückhaltlos in den Dienst der .Sache gestellte. Die Aufrufe zur Spcndcnzcichnung sind bereits verteilt und haben seither einen durchaus befriedigenden Erfolg .gezeitigt. Die am Sonntag, den 27. Oktober, an Stelle des aus technischen Gründen nicht veranstalteten ersten Eintopftagca vorgenommene P f u nd s n m m l'u n g, die mustergültig, organisiert war und eich in wenigen Stunden gänzlich reibungslos und unter restloser Erfassung aller in Frage kommenden Häuser'abapicltc, •brachte ebenfalls durchaus das wünschenswerte Ergebnis. " Auch dio neue Stcucrordnung der Gemeinde ist inzwischen mit Genehmigung der staatlichen Aufsichtsbehörden veröffentlicht worden und die recht komplizierte Aufgabe der Neueinrichtung einer Vcranlagunga- und EinZugabchördc ist, .'wie das seitherige Resultat .beweist, musterhaft gemeistert. - e. .s. V\ irt Cell aftspr ob leine in Breslau Bericht für die „Jüdische Allgemeine" Breslau. In einer überaus gut besuchten Veranstaltung des' r c 1 i g i' ö s r liberalen Vereins sprach Dr. Alf red II i r s c hfcld über ,,WirtachaftsprobIcme der jüdischen Gemeinden".1 Religiosität dürfe nicht hur ein Lippenbekenntnis sein, vielmehr müsse die religiöse Gesinnung Verwirklichung finden in einer planmäßigen Sicherung, Stützung, Erhaltung und nicht zuletzt Schaffung 'wirtschaftlicher Existenzen. Der Referent berichtete insbesondere über die Tätigkeit des „Arbeitsnachweises 'iü/lischer'Organisationen" in Breslau. Dessen Aufgabe war es" in den vergangenen Jahren, einmal die infolge - gleichgeschalteter Betriebe freigesetzten Arbeitskräfte durch Unterbringung bei 'jüdischen Arbeitgebern wieder in den Wirtschaftaprozeß einzugliedern, die Lehrstcllcnvcrmittlurig auszuüben und schließlich durch Einstcllungsmöglichkeitcn seit längerer Zeit arbeitsloser Menschen zuaätzlich Arbeit zu verschaffen. So sei es möglich gewesen, bis August 1934 94, innerhalb der gleichen Frist des gegenwärtigen Julirca sogar 98 Lehrlingen Lehrstellen zu verschaffen, bis August des Jahres 1935 613 Arbeitssuchende, im Vorjahre sogar 702 Arbeitssuchende unterzubringen» Durch 'die Erncuerungsnrbcitcn der Neuen Synagoge konnten zwei Monate hindurch 80 bis 100 Menschen beschäftigt werden. Der Referent besprach des weiteren vcrachicdcnc Möglichkeiten von A r b e i t s b c s c h a f f u n g und wies auf dio zu beachtenden Prinzipien bei der Vergebung von Aufträgen hin. Keiner dürfe sich der ihm bei der Vergebung ,von Arbeit obliegenden Verantwortung entziehen, wer Arbeit vergibt, schafft Einkommen und Kaufkraft, und indem er anderer Existenzen stützt, sichert er die eigene. Die Gemeinden aind Summen jüdischer Individuen, von deren Existenzen auch' der Bestand der Gcmcindcorganismcn abhängt. Die Existenz ollor jedoch wird gesichert und erhalten durch die Systematik dca plunwirtschaftlichcn Handelns; dessen Gebote zu beachten, ist der vornehniatc Ausdruck religiöser Gesinnung. Der Vorsitzende des religiös-liberalen Vereins, Herr Philipp Lachs, der auch die Veranstaltung leitete, wies gleichfalls auf die Notwendigkeit hin, die vom Referenten dargelegten Gebote plarivirtachnftlichcn Handelns allenthalben zu beachten, veraprncii, daß er und seine Freunde nicht nur alles aufbieten würden, n-ii den Ausdruck des drohenden WaWkampfcs in Breslau zu'.verhindern, sondern auch dafür garantieren würden, daß bewährte Menschen und Einrichtungen unter allen Umständen erhalten Heiben II. M. D. f.. , V '.. ••' '•. -* -| ". - ' richten'nn.:; rlorrn Dr. B.'Ansbacher, Goetbcstraßc 25, Frankfurt am Maiii.' ' - " ' "Plauen. "Der „Ausschuß, für Kuustpflcgc" vermittelte uns die Bekanntschaft mit Frau Edit Maerkcr, die einen Opcrnnricn- und Licdorabcud gab. Man lernte einc^hochdramatischc Bühnenaängerin kennen, für deren klangschöne und gewaltige Stimme der Gemcindesaal fast szu klein, schien; Sic verstand es in .den-Arien aus Opern von Puccini, Verdi, Weber und Beethoven, die Anwesenden zu entzücken. Die Künstlerin wurde am Flügel von Edith Russak wirkungsvoll begleitet; Die Israelitische Kinderheilstütte Bad Nauheim nimmt auch ' in der Winterzeit herzkranke, rheumatische! und erholungsbedürftige Kinder im Alter von 4—15 Jahren in ihr Heim auf. Es ist für ärztliche Behandlung, - sowie streng rituelle Verpflegung unter .Leitung einer Krankenschwester gesorgt. Anmeldungen sind zu ilm neuen Arbcitsjahr i des!'Berlirier Kulturbundes wird der November der erste Vortragsmonat sein. Es werden 'sprechen Dr. Klee und .Rabbiner Dr: Nußbaum über Probleme der Jüdischen ' Kulturgeschichte, Dr:-Mehlis'über dio' ^Jiddische Sprache", Rahel Wischnitzcr-Bcrnstcln ' über -die „Symbolik der jüdischen Kunst", Dr. Öaborn apricht; übor Berliner Salons um 1880 (Henriette Herz und Rahel Lewin), Dr. Elcbsser über die Joseph-Gestalt in der Weltliteratur,"'.Julius'.' Bob - Ober*'»Das religiöse Drama der neuch •' Zeit, I. Goethes Faust'-'. Anneliese Landau beginnt einen Vortragszyklus über „Die Oper", und spricht zunächst unter Mitwirkung vori Kräften des Opcrncnscmbles über die italienische Buffo-Opcr. Einen ltczifationsabcnd bietet am 12. November Rose' Lichtenstcin, die aus der Bibel Vortragen wird, und Alfred Auerbach, Frankfurt, erzählt „Heiteres und Beschauliches aus Süddcutechland". ■ ■•' (■' [•:;■'.. ■-,'' •:V ■ '■■. SONNENDRUCKEREI Barlln Chartlg., Wllmarliarfor Str. 52 ». 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Mal in. -Berlin: Die Zerstörung Jerusalems von Ferdinand Hiller. Ausführende: Jädiscnc - Chor- und Orchester-Vereinigung (Di7" rigent Leo (Kopf). Solisten: Paula Lindberg CAllJ, Hildcgardt Lindt (Sopran). Julius Pcissachowitscii (Bariton), Hermann NnhniN (Tenor). Karten zu 5.—, 4.—, 3.—; 2.—, 1.50 und 1.— RM. sind zu ,haben: Jüd. Gemeinde, Oranienburger Straße > 29 (Hauswart); Boscnstraße 2-4 (Hauswart); Kastellane der Synagogen For. sanonstraße 79-80, Prinzregcntenstraße 69-70, Kaiserstraße 29-30; Buchhandlungen Kcdem,' Dahlmannstraße 8, Ernst Wo.lff, Präger Platz 4, Philo-Verlag, Pariser Stroßo 44, Schildbcrger, Flensburger Straße; SludtbaTinr bogen 415. im großen Saal dca Brüdervereins - Hauses, Kurfürstcnstr. 115, Sonntag, 17. November, 8 Uhr abends, Eine Stunde scnutieri Ansprache' des Vorsitzenden der JOdlachen Gemeinde, des Herrn Direktor Heinrich Stahl. Zur Aufführung gelangen: das Forellen-Quintett und Lieder von Schubert. Mitwirkende: . Camilla. Spiro, Wilhelm' Guttmann,; sowie Erna Klein (Klavier), Charlotte Rosen . (Violine), Godfricd Zcclander .(Cello) und Rudolf Lowy (Contrabas). . ., 1 Karten zuni Preise von 1*—, 2.—, 3;— RM. sind.crhaltb'cii '.gegen'. Kulturbund-Ausweis oder UMiartc bei den - Hauswarten der Jüdischen Gemeinde, Qra-! qieqb'ürger Str. 29, und .Rosen- Straße1 2-4; bei'den KastoDoncn der Synagogeii: Lützowstr. 16, Fasancnatraße 79-80, Markgrat- Albrccht-Straßc 11-12, Lovet- _zowstraßc 7-8, Pestalozzistraße 14-15 und Prinzregentenstraße 69-70, sowie in. den Buchhand, lungen Kcdem, Dahlmannstr. 8, Ernst Wolff, Präger Platz 4, Philo-Verläg, Pariser Straße 45. Poslacheeh-Nunimer . der Jüdischen Winterhilfe: 9 3 4 4 6 tmpfeMeaswetie tBezuqsqueiCen i Auto-Fahrschulen 3 / Auto-Fahrschule „Sport" ' loh. Obailnn. Hirtin Oumpal Wilmersdorf, Kaiserallee 48 H 6 Emserplali 0425 | Buchdruckereien | Buüidiuckerei ZIEGE1HANN Papier und Bürobedarf Stempel. 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