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Jüdische allgemeine Zeitung · 1935-11-06 · 45 (6.11.1935) · page 2

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
15 (1935)
Issue
45 (6.11.1935)
Date
1935-11-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
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ZwiiViieii II imd 3 Der crfte Tag der ffanssammlung für die Jüdifche Winterhilfe Wenn diese Zeilen in Druck gehen, .sind die Leiter der Jüdischen , Winterhilfe dabei, des finanziellen Ertrag der ersten Haussammlung zu buchen, die nm Sonntag'in Berlin im Zeichen des Mögen Dovid mit den incinandcrvcrschlüngcncn Händen der Nächstenliebe,' stattgefunden hat. 1500 freiwillige Helfer waren an dem nebligen Herbsttag zwischen 11 und 3 Unr unterwegs; um. die Spenden einzusammeln, die dazu'beitragen sollen, den schweren und entschloBBcncn Kampf gegen die vielgestaltige Not der jüdischen Bevölkerung durchzuführen. An tausenden von Wohnungstüren pochte der Mahn- und Notruf der Jüdischen Winterhilfe. Nirgendwo vergebens, überall wurde das Zeiciicn der Zeit richtig verstanden. Eine Straße im westlichen Berlin. Die Liste des Sammlers beginnt mit einem monumentalen Eckhaus, das eine jüdische .Familie beherbergt. -Das 8chv)cro Eingangstör weicht dem Druck auf den elektrischen' Klingelknopf. „GartcnhauB II. Aufgang, II i Treppen." Der Portier weist höflich den Weg durch die schwierige Topographie eines vcrzWcigtcri Berliner Miethaüscs. Ein Auge legt Bich ans Guckloch. Vorsichtig fragt eine weibliche Stimme: „Wer da?" Der Sesam „Jüdische Winterhilfe" öffnet die. Tür. Ein flüchtiger Blick auf den mit Lichtbild versehenen ÄuSwcis'dcs Helfers, ■und schon kann' über1" die 'erste Spende quittiert worden. „Waren Sic schon eine Treppe tiefer bei Frau B.?" Der Name fehlt in der Adrcsscnlistc. Begreiflich, denn^ die Dame ist erst vor zwei Tagen aus der Provinz paed» Berlin gezogen. Die halb entleerten KiBten im Vorraum tragen noch die Zeichen des Herkunftsortes. Die „jüngste Berlinerin" muß erst über die Organisation der Jüdischen Winterhilfe unterrichtet werden. Aber auch sie entzieht, sich nicht einem Opfer ■— „obwohl der Umzug so viel Geld verschlungen hat". Weiter. Von Haus zu Haus. Treppauf, treppab. Wohnungen, deren Inhaber noch verschont scheinen von den Nöten der. .Zeit, andere, in denen die Illusion vergangener Zeiten unter Einschränkungen und Entbehrungen noch gewahrt wird, dunkle Zimmer, in denen Menschen kümmerlich ihre Existenz fristen. Ein altes Mütterchen im Gartenhaus wird durch die schrille Klingel aufgeschreckt. Sorgen und Not haben' ihre tiefen Runen in' dieses gelblich-pergamentene Gesicht gegraben. Doch freundlich sucht sie ein paar Groschen zusammen. Als der Sammler hört, daß die Spenderin, in bitterer Armut, von der Jüdischen Winterhilfe schoti bedacht wurde, hat er Zweifel, ob er diese Gabe, ein wirkliches Opfer, annehmen darf. Doch Bic drängt es ihm auf, und er nimmt'es gern; um die alte, verarmte Frau nicht zu beschämen. ' Anderswo stehen die Koffer gepackt. Spuren der Wohnungsauflösung allenthalben. Ein junges Ehepaar bedauert,, den Helfer nicht zum Nähertreten auffordern zu können: „Wir sind im Begriff, nach Palästina überzusiedeln, unsere Wohnung wird morgen geräumt." Eine reichliche Spende fließt der Sammlung zu. Mitunter müssen mich aufklärende Auskünfte gegeben werden: daß am kommenden Sonntag, also dem gleichen Tag," an dem das Eintopfgericht obligatorisch ist, die Eintopfspcndc eingesammelt wird, daß die Pfundspende vorläufig nicht an einen bestimmten Tag gebunden ist und durch den Jüdischen Frauenbund und die ihm angeschlossenen Frauenorganisationeri1 durchgeführt wird, daß die Winterhilfe ajB zusätzliche Leistung zu den anderen Verpflichtungen der jüdischen Gemeinschaft gedacht ist — aber niemand verschließt sich der drängenden Pflicht des Wohltuns und der Nächstenliebe. . . , Ein Herr meint, während er seine Unterschrift unter die Quittung setzt: „Ist's auch genug?" und bittet um Abholung einer größeren Mchlspcnde. Vor einer Wohnungstür heißt es lange warten. Dann hört man Schritte. „Augenblick bitte ... von der Jüdischen Winterhilfe? ... Ich weiß nicht, ob der Herr ..." Die Tür gleitet ins Schloß, um sich bald darauf wieder zu öffnen. „Der Herr Doktcr läßtbitten." . „Wollen Sic nicht Platz nehmen?" . In einem .kultivierten Arbeitszimmer, dessen Bibliothekswand zahlreiche Werke des jüdischen Schrifttums zieren, erkundigt sich eine warme wohltuende Stimme nach dem bisherigen Erfolg der Sammelarbeit. „Sehen Sic, ich habe gerade vorhin mit. der Post ein Dankschreiben der Jüdischen Winterhilfe bekommen — nun ja, für eine größere Spende, die ich gemacht habe. Man tut, was man kann. Aber damit Sie nicht vergebens gekommen sind . . ." Er entnimmt seiner Brieftasche einen Zehnmarkschein.^;UndV wehrt bescheiden ieden Dank ab. Statt,dessen'verweist er'auf die lange Seihe der Talm'udbündc, eine stolze'Parade seiner Bibliothek. „Wiijscn Sic", meint er mit Weisem Lächeln,'„was in einem dieser Bücher steht?: „Wer andere veranlaßt, Almosen zu geben, ist noch größer als wer sie selbst gibt. Denn der erste bringt, den Armen einen größeren Erfolg und zeigt mehr"- Demut als der andere. Denn ^os ist bequemer zu geben als hinzugehen und andere dazu zu veranlassen." , In jenem Talmud steht auch der Satz:, „Wer barmherzig, schamhaft und wohltätig ist, gehört sicherlich zur Nachkommenschaft unseres Stammvaters Abraham." Der Talmud ist den wenigsten der heutigen Juden bekannt. Aber das jüdische Lew, das sich der Not des Nebenmenschen nie versagt hat, schlägt wie zu den Zeiten, da er niedergeschrieben wurde. u. a. » Für die Pfundspendc Der Jüdische F rauenbund und die -angeschlossenen jüdischen Erauenorganisationen, die die Sammlung der „Pfundspendc" für die Jüdische Winterhilfe der Jüdischen Gemeinde zu Berlin übernommen haben, erwarten' von allen jüdischen Hausfrauen Berlins, auch von solchen, die nur wenig abgeben können, daß sie die Sammlerin, die an ihre Tür klopft, empfangen, allwöchentlich Lebensmittel bei der ihnenjingcgcbcnen Stolle abgeben oder sich durch einen Geldbetrag, und sei er noch so gering, ablösen. Die Geldspende wird auf Wunsch wöchentlich oder monatlich abgeholt. Das Büro der Abteilung „Pfundspendc" zu Berlin befindet sich in Berlin-Grunewald, Jagowstraße 30 -(Tel. H 9 0237). Die Bürostunden sind von Montag bis- Freitag von 9.30 vorm. bis 1.30 Uhr nachm. Die judifidhefi Gefchäfts verkaufe Wiitfchaftlidie Folgen und wirtfdiaftspolitifche Aufgaben Unter dieser Überschrift befaßt sich die „Frankfurter Zeitung" in einem ausführlichen Artikel mit der außerordentlichen Verstärkung, die die seit langem in Gang befindliche jüdisch« Verkaufs- und Au b wand e r u n gs bc wo.g u n g durch die Nürnberger Gesetze und dann durch die von Minister Frick in Saarbrücken gemachte Ankündigung, daß die zu erwartenden Ausführungsbcstimmungcn Beschränkungen der wirtschaftlichen Bewegungsfreiheit füc die Juden enthalten werden, erfahren hat. „Die wirtschaftlichen Folgen dieser Vorgänge", so schreibt das-Blatt, „sind vielseitig und schwer zu übersehen. Die 'Insolvenz-Veröffentlichungen deuten bei wenig veränderter Gesamtziffer seit langem auf ein gewisses Ansteigen jüdischer Zahlungseinstellungen lün, obwohl die Langsamkeit und Vorausschbarkeit des Ausschaltungsprozesses im allgemeinen zu Fchldispositioncn wenig Anlaß bietet, so daß es sich hier nur um bestimmte Sonderfälle handeln kann. Immerhin wären die Insolvenzziffern andernfalls heute schon, niedriger, als sie C3 tatsächlich sind. Größcrc volkswirtschaftliche, Bedeutung hat der Druck, der von den Geschäftsauflösungen und Gcschäf tsvcrküufcn auf den Grundstücks- und Ef f c k t c nm a rlc t ausgeübt wird, weil er die Unternehmungslust beeinträchtigt. Die. Gcschüftsycrküulo selbst erfolgen natürlich meist entsprechend dem bereits eingetretenen AbsatzvcrluBt zii niedrigen Preisen.' Die Einbuße, die das für den Verkäufer bedeutet, wird durch den vorteilhaften Einkauf, der sich für den Erwerber ergibt, keineswegs ausgeglichen. Der Preisdruck kann nicht ohne psychologische Rückwirkungen auf die gesamte Wirtschaftslug« bleiben. Er ist aber auch .der Ausdruck dafür, daß es an Leuten mangelt, die zugleich kapitalkräftig und fachlich tüchtig genug sind, um die in Massen angebotoneu Objekte , zu übernehmen. Ist aber die übernehmende Hand nicht kräftig genug, so entsteht mindestens eine vorübergehende Beeinträchtigung der wirtschaftlichen Funktionen, die der Betrieb bisher ausflbtCj. es ergeben sich neue Insolvenz-Möglichkeiten oder ' es \ dreht auf Grund des billigen Einkaufspreises Schleudcrei.; Verhältnismäßig einfach liegen die Dinge noch beim Verkauf von Produktionsanlagcn, die einen festen Kundcitstamm" und erprobte Verfahren besitzen, obwohl auch bei ihnen nicht immer feststeht, ob unter einer heuen Leitung die .Leistung unvermindert bleibt. Potente Käufer mit entsprechenden Gcschäftskenntuissen. werden aber schon wegen dor Größe der in >Frage konimenden Objckto schwer zu finden sein. Für den Erwerb kommen daher/ in erster Reihe Großunternehmen * in Frage, die die Gelegenheit gern benutzen, flüssige Mittel , zu günstigen Bedingungen zu investieren. Daraus kann; sich aber leicht eine Steigerung der unerwünschten Konzentrationstendenz .ergeben und eine Verminderung des von der Rcich'sregieiung sonst besonders gepflegten hüttelständischcn Unternehmertums. Auf die eventuellen Folgen für die Wcttliewerbspolitik, die Preise' und den Arbeitsmarkt hat der ,',Völkische Beobachter" liingewicscn. Freilich ist der Anteil der Niehtaricr am industriellen Unternehmertum nicht besonders groß und verteilt sich auf die verschiedensten Produktionszweige. Zu einem volkswirtschaftlichen Problem von weittragender Bedeutung wird die Ausschaltung der Juden erst im Handel, bcsqnde^snn solchen Zweigen des Groß- und Einzelhandels,' die sich bisher ,' »«Srwiegend in Jüdischen Häi)dcn, befunden hab^n,; .Hicr,,prwäcli3,t 4ljfür die Wirtschaftspolitik eine ernste Aufgabe.. Es ist\ vorgeschlagen worden, eine Auffanggescllschaft zu errichten, die jüdische Geschäfte entweder selbst .kaufen oder arischen Geschäftslcitcn Gcl3. zur Übernahme vorstrecken müßte. Dadurch könnten zweifellos manche Reibungsschwicrigkeiten beseitigt und bessere Verkaufspreise erzielt werden, woran — wie. gesagt — auch die Volkswirtschaft interessiert lBt. Derartige Maßnahmen müßten jedoch, bald in Angriff genommen werden; denn die allmähliche Liquidation von Geschäften und die Unsicherheit ihrer Inhaber, über die weitere Entwicklung hat bereits zu AuftrngBausfältcn geführt, die sich in einzelnen Zweigen der Fertigindustrie fühlbar gemacht haben; Man muß sich aber bewußt sein, daß auch dieser Vorschlag nur bei den mittels ständischen Einzclhondelsgcschäftcn größeren Erfolg verspricht. Für die Großbetriebe des Einzelhandels werden die Kapitalien schwer aufzubringen sein. Gerade die Werbekraft dieser Unternehmungen ist aber für den Absatz-vieler Produkte besonders wichtig.. Eine vorübergehende Unterbrechung, mancher. Absatzkanälc Bchcint liier kaum vermeidbar. Noch mehr gilt dies. für die meisten Großhondclsgcschäftc, bei denen die Beziehungen des Inhabers häufig den eigentlichen Kern des ganzen Unternehmens bilden. Solche Geschäfte sind daher oft ohne langsame Einarbeitung des Geschäf^nachfolgers überhaupt nicht übertragbar. Soweit es Bich dabei um Export- und Importgeschäfte handelt, können möglicherweise deutscho Außenhandelsbeziehungen auf die Dauer verlorengehen, aber auch im Binnenhandel kann die entstehende Lücke sich durch eine Gcschäftsausdehnung anderer- Betricbo nur allmählich wieder schließen;. Welche Holle der Großhandel für viele Zweige der verarbeitenden Industrie spielt, besonders für solche,, die zu klein sind, um Werbung und Absatz selbst in die Hand zu nehmen, ist bekannt Aber auch große Produktionszweige können geschädigt werden, wenn die Rolle des Judentums im Handel der Branche eine besonders ausgeprägte war. Auf die Befürchtungen, die besonders die Textilindustrie angesichts des starken Anteils der Juden am Tcxtilhandcl und an der Konfektion hegt, hat vor kurzem der „Konfektionär" sehr eindringlich hingewiesen. Neben den innerwirtschaftlichen Problemen, die durch' Insolvenz, Liquidation .und Verkauf niclitarischer Geschäfte entstehen, dürfen auch die Auswirkungen auf die deutsche Zahlungsbilanz nicht vergessen werden. Eine unmittelbare Belastung des Devisenmarktes ergibt sich unter den gegenwärtigen Verhältnissen allerdings nicht, da eine Transferierung von Vermögensteilen durch Hergäbe von. Devisen , zum amtlichen Kurs nicht in Frage kommt. Sicht man von dem verhältnismäßig kleinen Transfer über palästinensischen Waronbc zug, der als Zusatzexport betrachtet werden kann, ab, so entsteht aus dem .Verkauf jüdischer Geschäfte und der Auswanderung ihrer Inhaber Sperrmark, die von den Besitzern im Auslande nur mit sehr starkem Disagio verkuuft werden kann. In diesem Fallo könnte indirekt eine , Wicdorerltöhung der .Auslandsverschuldung eintreten, soweit nicht die) Sperrmark durch Rückkäufe der Rciclisbank, Reiseverkehr und Zusatzexport in einer für die deutscho Volkswirtschaft vorhültnismäßia; schmerzlosen Weise alsbald wieder aufgelöst wird. Die Geschäftshquidatidn im Wcgo des Lagerexports ergäbe dagegen, soweit sie vorkommt, zweifellos eine akute Belastung-. Soweit es zu einer dauernden Abwanderung geschäftlicher, Erfahrungen' und Beziehungen, zur Ausfuhr von Urheberrechten und dergleichen kommt, ist der Schaden ein dauernder. Wenn , man dieso verschiedenen wirtschaftlichen Folgen ■ im Rahmen der Gcsamtwirtscliaft auch nicht überschätzen darf, so ist doch jedenfalls sicher, daß alles geschehen sollte, um dio Geschüftsübertragung, soweit sie unvermeidlich ist, von Staats .wegen zu unterstützen und zu erleichtern und dadurch reibungsloser zu gestalten. Das würde , auch im Intcrcsso der Ycrkäuftir liegen, die gegenwärtig manchmal damit rechnen müssen, ihre Rcstkaufgcldcr zu verlieren. Im' übrigen gilt, wenn man sich auf rein wirtBchaftlicho Argumente beschränken'will, was kürzlich der „Konfektionär" in dem orwähnten Artikel mit Recht feststellte, daß die Wirtschaft sich schließlich mit allen Gogcgcbcnhcitcn abzufinden vermag, daß sie aber am stärksten durch U ns ichc r h ci t gelähmt' wird. Die Unklarheit-, die jetzt bei den nichtarischen Geschäftsinliabcm über ihre Zukunft besteht,' die Unsicherheit, in der dje gesamte Wirtschaft sich bezüglich des Ausmaßes und der Folgen einer eventuellen Ausschalhing dor. Juden aus dem Wirtschaftsleben befindet, bildet einen-Herd der Beunruhigung, der beseitigt sein wird, sobald die künftige Stellung des Judentums durch den Abschluß der Gesetzgebung vollständig geklärt ist. Die Ausschaltung oder Zürückdrängung des jüdischen Einflusses in der Wirtschaft selbst würde dagegen in jedem Falle ein langdauernder Vorgang sein." . Täufdi und Verkauf Köln. Unter der Uberschrift „Juden wollen ihre Betriebe verkaufen — Eine Warnung an allzu Geschäftstüchtige"! nimmt der „Westdeutsche Beobachter" zu der gegenwärtigen Bewegung am Firmenmarkt Stellung. Insbesondere, tiefaßt sich der Aufsatz mit den Projekten, die den in lisch eines in Deutschland gelegenen Unternehmens,eines Juden'gegen ein ausländisches Unternehmen eines Ausländsdeutschen zum Gegenstand haben. Es sei durchaus nicht überraschend, wenn auf fiolchc'Taüschangebote sich tatsächlich im ' Auslände ' einige ernsthafte Reflektanten gefunden haben und Verhandlungen mit jüdischen. Geschäftsinhabern in Deutschland anbahnten. Eine Knpitalausfuhr aus Deutschland, die bekanntlich verboten ist, wurden bei einem nach gesunden und ehrlichen Grundsätzen durchgeführten Tausch kaum in Frage kommen, denn es würde sich hierbei — der Struktur nach — etwa um eine Art - Kompensationsgeschäft handeln, das allerdings, wie solche, der behördlichen Genehmigung bedarf. Wenn die Voraussetzungen einer solchen Transaktion erfüllt sind, so; würden die zuständigen Beichsbehörden sie auch nicht verhindern. Sic haben sogar die Absicht, in solchen Fällen die Devisenbestimmungen gegenüber auswandernden Nichtariern iflcht engherzig auszulegen und soweit als möglich Entgegenkommen zu zeigen. ' Bei einer zweiten Gruppe von Niphtaricrn j käme der Verkauf ihrcb, UntcrnC hm cn8 gegen Bargeld an Arier im Inlnnde in Frage. Es handele-sich 'hauptsächlich umjüdische Kouflcutc. in kleineren und mittleren Städten des Reiches, während z. B. die Berliner nichtarischen Geschäftsinhaber und die in größeren Städten des Reiches sich zurzeit nur ganz vereinzelt mit VcrkaufsabBichten tragen. In Berlin habe mau sogar in den letzten Jahren die Beobachtung machen können, daß prozentual der größte Teil der Anträge auf Genehmigung zur Gründung neuer oder Übernahme bestehender EinzClhandclsuntcrhehmungen von Nichtariern gestellt worden sei, und zwar hauptsächlich von solchen, die aus Klein- und Mittelstädten dcB Reiches nach Berlin gekommen seien. Wenn diese Antragsteller auch in fast allen Fällen über die erforderlichen Fachkenntnisse verfügten, so seien doch .sehr oft Antrüge abschlägig bcschieden worden, weil die Beantwortung der Fragen nach der Zuverlässigkeit in politischer und auch in moralischer; Beziehung zu solchen Entscheidungen gezwungen habe. Die Führung des Reichsbundes des deutschen Textilcinzelhahdels stehe sogar, auf dem Standpunkt, daßbei Nichtariern in jedem Fall die Frage nach der politischen Zuverlässigkeit verneint werden müßte. Wenn die Verkaufswünsche der Niehtaricr nur so selten in Erfüllung gehen, bo heißt es weiter, so liege das zumgroßen Teil an dem Mangel an kapitalkräftigen Fachleuten, die als Käufer in. Frage kommen könnten. Es sei zu erwarten, daß sich die zuständigen Stellen bereits mit der Frage der Beschaffung von Kapitalien für solche Arier befassen. Zum Schluß des Aufsatzes wird empfohlen, daß den Ariern, die Betriebe nus jüdischem Besitze erworben hoben, von den zuständigen Leitungen der Wirtschaftsgruppen nach genauor .Prüfung die Genehmigung 'erteilt werde, das erworbene, einstmals jüdische Unternehmen als arischen B e trieb kennzeichnen zu dürfen. Es sei weiter zu erwägen, ob nicht auch p'inc Fi r m c n än d c r u n g am Platze wäre. In jedem' Falle sollte darauf Wert gelogt werden, beim Kauf jüdischer Geschäfte auch das gesamte Warenlager zu erwerben. Dadurch werde dem jüdischen Geschäftsinhaber die Möglichkeit genommen, seine ' Warenlager bei einem Totalausvcrkauf zu Schleuderpreisen abzusetzen, womit zugleich aber auch verhindert 'Werde, daß die im Umkreis des Geschäftes wohnenden. Käufer vielleicht ihren Bedarf auf lange Zeit decken. Der neue Inhaber des Geschäftes hätte in einem solchen Falle mit einer eventuell Monate dauernden Gcsehäftsstillc zu rechnen. Zudithausftrafen für Raubüberfall auf ' jüdifches Schukgefchüft Frankfurt u. M. Das Düsseldorfer Sondergericht verurteilte, wie die „Frankfurter Zeitung", meldet, vier jugendliche Räuber, die nach offenbar sorgfältiger.Vorbereitung am Abend des 9. September in W u p p e r t-n I - B a r m c n auf ein jüdisches Schuhgeschäft einen Uberfall verübt hatten, zu hohen Zuchthaus¬ bzw. Gcfängiüsstrnfcn. Drei der Angeklagten, die widerrechtlich; das große Parteiabzeichen der NSDAP, angelegt hatten, hatten dem Inhaber des jüdischen Geschäftes erklärt, es handele sich um eine Durchsuchung .nach kommunistischen Hetzschriften. Bei der Durchsuchung der Büroräumc öffnete der Geschäftsinlmber auf Verlangen der Angeklagten den Geldschrank. Das vorhandene Geld, rund 1800 Mark, mußte er auf den Tisch legen. Einer der Angeklagten drohte ein Handtuch zu einem Strick und schlang es ihm um den HoIb, während ihn ciii anderer mit dem Messer bedrohte. Inzwischen rafften die Räuber dasauf dem Tisch liegende Geld zusammen und entkamen. Das Sondergericht verurteilte die beiden Hauptlätcr zu je - f ü n f J a h r e n Z u ch t h a u s und fünf Jahren Ehrverlust, pinen dritten. Angeklagten zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust, den , vierten Angeklagten zu zwei Jahren Gefängnis. v Antifemitifche Ausfchreitungen na^b einem Fußballwettfpiel Warschau. In K p 1 o ist es im Anschluß an ein Wettspiel zwischen dem jüdischen Sportklub Makkabi und dem. Klub 01 y m p i a zu antisemitischen Ausschreitungen gekommen. Makkabi hatte dos Spiel abgebrochen, nachdem ein Spiolcr der Gegenpartei einem Mitglied der Makkabimannschaft einen Fußtritt versetzt hatte. Bei der Rückkehr, vom Sportfest wurden die Makkabimannschaft und Anhänger, die sie begleiteten, von einer plwa 500köpfigcn mit Stöcken und anderen Gegenständen be-r wnffnelcn Menge angegriffen. Mehrere Juden wurden y e r!I o t z t , zwei von ihnen schwer. Mehrere Personen, die an dem Überfall teilgenommen hatten, wurden', verhaftet. S r

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