Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 15 (1935)
- Issue
- 45 (6.11.1935)
- Date
- 1935-11-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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\ B E R LI N ©. November 193J5 PREIS 25 PF. Nr. 45 / 15. Jahrgang Schriltlettung und OeschältMtelle: Berlin-Cliarloitenbur* 2, Blelbireustrnllc 2. C 1 Stclnpl. 3703. Bankk.: Kredltvereln f. Handel u. GewerbesOmbH, Berlin N 24. Postscheck-K.: Berlin 25720 Bezugiprels: RM. 1,—moriail ch •ziufigt. RM. 0,10 EBltung»ite|)Ohr ilbd Boatollgelä), hol 8treifband»»rtafld tuifle).' -RM. 0.80. Verlutc: ' Vflrluw»genoueenaobart id DAulBOhlimil Hn<j&aBtitur Judeu tu Berhfc cQmbn., BlD.-Crmrlultenhurg 2,' Bleibtrouatr. 2. Anralgeopr.: 'Di« 12acap mm - Zelle Rpl. 8. 10r Pomilltiianif Ircii Rpl. 6, IDf Siellengesuche Rpl. 5 Bot imvorachnldotfr Nlohthallnfenjuj besteht kein Anapruoh auf V«rKattii>v NEUE FOL G E DER J ö DI S C H -LIBERALEN 2 E I T U N G;. -. "'j'-f'-- '' '• ' ' ' '' Weg ilis Unbekannte Zum Sabbat Lech l'eeho Von. HEINRICH STERN '/ „Gehe aus deinem Vaterland, aus deiner Freundschaft, aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde." , Mit diesen Worten hebt »die jüdische Geschichte an. ihr erstes Ereignis also ist eine Auswanderung. ' Wie immittelbar sprechen, diese Worte, spricht dies Ereignis zu uns Juden vonfheute! Abraham löst'sich Vön allem, was ihm teuer, war, und folgt dem Ruf, der ihn in ein unbekanntes 'Land führt. Seine Tat ist ein wirkliches Opfer; denn ohne äußeren Zwang, ohne politische und wirtschaftliche Not löst er . sich aus seinem Kreise, aus seinem Berufe und geht ins Ungewisse. Wenn heute Taüsende von Juden ihr Land, ihre Umgebung und ihr Vaterhaus aufgeben, so tun es die meisten aus äußerem Zwäng. Ob es ihnen gelingen wird,. mit dieser) Auswanderung ein neues geschichtliches 'Kapitel für das jüdische. Volk und das Judentum einzuleiten,. witd davon abhängen,,'ob. dieser- Weg' ins Unbekannte ein Abrahamsweg sein wird, d. Ii. ein Weg mit Gott» ein Weg, den Er . zeigt. : .• In diesen Tagen isir -sehr,viel -yoüi Auswanderung^ die. Rede.,. Mit- Recht. Hvird; von . -allen.'Seiten ' darauf hingewiesen,- daß: hier eine wirtschaftliche Planung und keine:-übereilte Flucht nottut. Immer wieder stößt der., der durch die Gemeinden wandert, neben Beispielen wirklichen Heldenmuts (und jüdischen Stolzes auf die Deserteure, die ihre Gemeinde -im Stiche' lassen,' obwohl sie wirtschaftlich ihr Auskommen haben, nur weil sie es nicht, überwinden, können, daß ihre gesellschaftlichen Verbindungen, nach anderen Seiten -hin gelöst sind, daß'.es ein Ende-hat mit dem fröhlichen - Indentaghmemleben'üsw. Dann, aber geht man nicht etwa in . ein neues Land und in ein neues Leben, sondern taucht1 irgendwo' unter*,-; wo man' meint, das alte Lehenfortzusetzen.- '. ■ ' ~ Diese Auswanderung wird weder die Wandernden noch die Zurückbleibenden und 'erst .recht nicht das Judentum weiterbringen. Nur, wer wie. Abraham an sein Ziel glaubt, weil er den Gottesweg geht, wird vor der jüdischen Geschichte bestehen. Darum scheint notwendig zu sein, daß in den Gemeinden, mehr als dies bisher geschehen ist, darauf hingewiesen wird, daß der Einzelne bei seinen. Entschlüssen : nicht nur an sein eigenes Ich zu' denken hat,' sondern an die Gemeinschaft, die er verläßt und ,an; die, der er sich' anschließt. Wenn Menschen grundlos' geflüchtet sind, die; picbyvjbjstfdF als'CEeifer von "Gerneinden; und Verbänden großg'etah '.hab'qn, nur? weil ihr Behagen ge,- . xninde'rt ist, so ist dies eine Untreue gegen die Gemeinschaft, welche sie1 'zurücklassen. Wenn sie ohne festes Ziel in irgendeinem. Lande .unterkriechen, so ist es eine Untreue gegen die Geineinschaft, welche sie antreffen. Aufrecht; ihrer Verantwortung gegen Gegen-» Wart und Zukunft bewußt^ als jüdische Menschen sollen; sich die Aufziehenden in: eine Gemeinschaft begeben, die der Ewige ihnen, zeigt.' < .!«t"",f; 'ijVP' rf/X'X'fy:, Gilt dies::für jede Wanderung^ so gilt es ganz, gewiß für die Wanderung, die äußerlich dasselbe Ziel hat wie die Herste jüdische Wanderung, der .Auszug Abrahams. Wenn Palästina etwas anderes werden soll als „ein Land mehr-",- -wenn .«3 E r e z . I s r a e 1. werden soll, dann: muß es wahrlich ein Land werden, das der Ewige zeigt., '. '<'■:,':'; ' Es liegt uns ferri,FEnrWanderüngsquoten bestimmen zu' wollen.: Imi Gegenteil,wirwollen, die Tore Veit machen.' Was aber notwendig, ist, ist eine innerliche Vorbereitung -für das jüdische \Land. Und gerade da erlebt, man jetzt, die ' erstaunlichsten Kombinationen. Es soll nicht von denen, gesprochen werden, die hier 4cht genug auf den Zionismus losdreschen konnten, und drüben schön nach kürzer Zeit überzioniston ©worden sind. Diese. Menschen kennt man und schätzt man nach Gebühr ein, so-.hüben-wie drüben.. >\bcr ■ v .■.-' ■. ■ ■ ■■••■■.■"' ' " , neuerdings erlebt man es, daß unter der gewiß großen Parole, Palästirini.'als religiöses Land aufzubauen, Mensche^ hüben'urid drüben um liberale Seelen — und Gelder — werben, die, soweit es sich um „Galuthpolitik" handelt).von den Religiös-Liberalen nicht weit genug abzurücken Dflegen. Abejschließlich ist es ja Sache der Orthodoxie, ob sie es'für richtig hält, in den Lehrhäusern, von der Kanzel und in ihren Zeitungen die Liberalen als Nichtjuden zu verfemen, um sie dann als Bundesgenossen für den Aufbau des „Gotteslandes" gleichzeitig zu werben. Wie aber ein Religiös-Liberaler seine'Kinder aus seinem Hause entlassen kann, um sie ohne Bedenken dem geschworenen Feinde seiner eigenen Weltanschauung in die Hut zu geben, das wird mir ewig unverständlich: sein. Es ist ja schließlich kein Wechselgeschäft, : wenn man religiösen Liberalismus gegen Orthodoxie eintauscht, so wie man etwa deutsche Mark verkauft, um palästinensische Pfunde -mitzunehmen. Hierzu kann nur der raten, für den beide Geldsorten gleichwertige abgegriffene Scheidemünze darstellen. Wenn uns Religiös-Liberalen heute Palästina mehr sein soll als ein - Asyl für Obdachlose, -so doch nur deshalb, weil .wir aus ihm die Erneuer u n g re.liigi&8.ejiJ^ Eine solche' Erneuerung kann/ aber, niemals kommen von einer jüdischen Weltanschauung, der nur (Jas Alte heilig und verbindlich ist, und die-jede Erneue-' rung als Sünde brandmarkt und brandmarken muß. Dies ist keine Kritik am konservativen Judentum, sondern nur eine r.eine Feststellung. Unsere Hoffnung in Palästina ruht in den jungen .Kräften des Landes, von denen .. wir hoffen, daß. der Geist Gottes wie Sturmwind in■ sie. fahren, werde, .weil wir wissen, daß ihnen dieses-Land walirhaft eirt Land ihrer Ideale ist. Noch ist es für 1 viele auch von ihnen ein. weiter Weg zum .Abrahamsland;, wir aber hoffen, sdaß, .wenn erst der Boden die,Menschen fester tragen wird als in den ersten Anfangsjahren, durch den- Glauben an Land und Volk und. über ihn lunweg der Glaube an den durchbrechen wird, der sie in das Land geführt hat. Wenn daher heute jüdische''Nichtziönisten sich am Aufbau Palästinas a^uch materiell beteiligen wollen.; :.so,. kann;' dies .nur. geschehen, wenii sie die Kräfte'stützen, <U^ das ganze Land und das '-ganze Volk umfassen und riieht diejenigen, welche sich im neuen Lande -wie im alten von der. Gemeinschaft trennen. Man begreift und ehrt das Gefühl vieler Eltern, die nicht Schuldner1 des Landes bleiben wollen, dem sie ihr ,Kostbarstes anvertraut haben und' darum für den pa^ geben .gewillt sind; üAber ivnow wichtiger iiist. es, daß sich', die mit gahzbm''I?eraehan'dlem'Auf bau beteiligen, die in ihm nicht' die Zukunft ihrer einzelnen Fahiilie süchön,' söh- \dern yp^j dort aus und im Zusammenwirken zwischen Palästü'tiv'und - Diaspora, .im gegenseitigen Geben und Nehmen, von Juden lind Juderrtum, „eine .wahrhafte Erneuerung erwarten. Denn sie, verfolgen nicht nur materielle Zwecke, ihnen ist; der Weg in die Zukunft ein; wahrhafter Weg in das' .'Land, ' Welches Gort' \veisr. Ihnen'' Inid nur IKhetf Hvird' Bich dahri1 auch der zweite Teil des Gotteswortes erfüllen:;;Ich will dich segnen; und du sollst zum Segen sein." 1000 EittwaiiderdnKszertlflkate •:'yorfdiußweifc ..;>;,:-;'. •;; ', , , Jerusalem} -Die Palttstina-Regierujig " hat'■' (leri Executive der Jcwisli -Agc'ncy, ' vorschußweise tOOO Arteitcrrjöiiwaiidomiig^zicrti-' fikaterausg'ehlüidigl. Diese Zertifikate ■werden'.auf die, bisnor' im Hinblick' auf die ungeklärte 'international«) tag«, nöcli nicht "fest-* gesetzte Schedülc." für das Halbialir .'.Oktober .1 1,935 bisl'April 1!)36 angerechnet. Wie, die Jüdisclie .[ TclegraphciiiAgcntUF.;';crf3l>rtj; sollen -5 0.0 v oh de 11 n o 11 e n Z:C r t i f 1 ifa t'e n an'"' Juden' aua Deutschland verteilt worden. . , . '' '''■■'■■ .-. '■ . •' '; ■ . . ' •' 1 ■ Wie dan Berliner Palttatina-Amt mitteilt, hat es bisher noeh keine offizielle --Verständigung ühc/t 'Ausfealw \ind 'Zuteilung <W ^crtifdta'te eihaltcii 1 \ 'i, 1 •» v -..1. '. C ' T!. - . I " ■ ' Die Juden im Wirtrchaftsleben •Zur Stellung der Juden im Wirtschaftsleben nach den Beschlüssen des r'Jünibcrgcr Ucichstags hat der Reichs- und preu- ISischc W i r l s c h n f l s m i 11 i s t c r folgendes Sclirc i Ii c n indie ItcicliBwirtschüftskamm er gerichtet: „Die Nürnberger Gesetze und die dcinnllchst cigclicmlrii Ausführurtgsbcstimniungen werden auch gewisse Neuregelungen in der Stellung der Juden im Wirtschaftsleben nach sich zichen- So lange diese gesetzliche Regelung nicht erfolgt ist, haben alle Maßnahmen nachgeordneter Stellen gegen jüdische Geschäfte zu unterbleiben. Ich ^rsnehc. die Gruppen der gewerblichen Wirtschaft hiervon in Kenntnis zu setzon." Palästinas Sanktionen gegen Italien Jerusalem. (JTA.) Der High Gommiasioncr hat am 4. November die Sanktionen PalDstinas gegen Italien verkündet. Die Sanktionen bestehen aus drei Hauptpunkten: 1. Import und Export von Kriegsmaterial, nickwirkend vom 25. Oktober, ist verboten; 2. Palästina darf keinen Kredit an Italien gewähren; 3. Palästina darf keine italienischen Waren importieren. ErRer Ein topfsonntag am 10. November -; . Was die Hilfsbedürftigen erhalten ■ •Wie wir. bei Redaktionsschluß 'erfüllten, wird am kommenden :Sonnttig"«un» ,*r^tcn. Ma)e im Rahmen der Jüdischen Winterhilfe Jüdische Winterhilfe in allen jüdischen Gemeinden die E i n t o p f s a m ui - lun'g durchgeführt weiden. Wie die Rcichttvcrtrctuug der Juden in Deutschland duzn. weiter mitteilt, sollen die Hilfsbedürftigen e m p f a n - g c n: 1. 1 (in Berlin 2) Zentner Kohlen pro Familie und Monat. 2. Je nach Größe' der Familie einen oder zwei Zentner Kartoffeln im Monat. 3. Lebensmittel im Wert von 2 Mark für jeden Hilfsbedürftigen im Haushalt, pro Monat. ' Daneben müssen Speisungen und K1 c i d c r k a in m e r mit ausreichenden Mitteln ausgestattet wurden. Es wird erwartet, daß niemand sich schier Verpflichtung, in reichem Maße zu Bpcndcn, entziehen wird. -«[itiiJiittiiiiiiiiiiiiiiijiiitiiMiiiiiiitiiiiiiitfitiiiiriiiiiitiJiiiiijiJjjiiiiititiititiiiiiiiiJiiiiiiiiuiitiiiiriiiiiiiiulJiiiniiiiiiifiiiJiiiitiiJiiiii 'Der AVundergeiger Ossy Ilenardy bei' seiner- Ankunft in Berlin Aufu.: -Kurator