Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 15 (1935)
- Issue
- 43 (23.10.1935)
- Date
- 1935-10-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Es wird gemeldet: ■ Einer amtlichen Übersicht zufolge stieg die Zahl der Schüler an den höheren Lehranstalten Bayerns im Schuljahr 1935/36 um 1741 auf 49 377 Schüler und Schülerinnen. Von ihnen waren 1,16 °/o jüdischen Bekenntnisses gegen 1,46 o/o im Vorjahr. Die Zahl der jüdischen Schüler verringerte sich um 17,41 o/0. * ■I Professor Dr. Hermann G ro s s m a n n , früher Privatdozent an der Universität Berlin, dann an der Hochschule in Brüssel, ist einem Anerbieten der flcgicrung von Pcrsicn gefolgt, der medizinischen und philosoplüschen Fakultät der Universität Teheran eine naturwissenschaftlich-technische Abteilung anzugliedern. Prof. Grossmann selbst erhält einen Lehrstuhl der Chemie. Die Berufung ist auf fünf Jahre erfolgt. * B Von den Besitzern der Lichtspielhäuser in Goslar ist den Juden der Besuch der Kinos verboten worden mit der Begründung, daß jüdische Kreise versucht hätten, die Aufführung des Filmes „Pcttcrson und Bendel" zu hintertreiben. * ■S Das „Nalionalhlatt" in Koblenz meldet daß in Gladenbach der Prozentsatz der Juden noch außerordentlich groß ist, so daß Gladenbach als die judcnrcichstc Gemeinde des Kreises Biedenkopf anzusprechen ist. In einer Gcmeinderatssitzung in Gladenbach wurde beschlossen, Juden in Zukunft nicht mehr den Zuzug nach Gladenbach zu gestatten. * BB Im Alter von 69 Jahren ist in Leipzig der Sohn des unvergeßlichen Humoristen Julius Stettenheim, Dr. Ludwig Stetten heim, gestorben. Der Verstorbene, ein geborener Hamburger, war langjähriger Korrespondent des „Berliner Tageblatt*' und hat sieh besonders der Literatur und dem Theater gewidmet . ' * BB Die ,,Ncue Freie Presse" schreibt: Frau Marianne Pollak lenkt die Aufmerksamkeit auf die Tatsache, daß das Grab Jakob Wassermanns in Alt-Aussee noch immer des Grabsteines entbehrt. Nur eine sehlichte Tafel ,,Provisorium Jakob Wassermann" zeigt die letzte Ruhestätte dieses berühmten österreichischen Dichters an. * BS Wie das Deutsche Nachrichtenbüro mitteilt, ist Voraussetzung für die Zugehörigkeit zur Deutschen Studentenschaft der Nachweis der arischen Almen. Zur Immatrikulation ist zur Zeit der Nachweis der arischen A b-s t a m m u ti g bis zu den Großeltern einschließlich durch Vorlage standes- bzw. kirchcnamtlichcr Urkunden erforderlich. B In einem Aufsatz über die Not im Berliner Kraft- 'droschk enge werbe, den das „Schwarze Korps" veröffentlicht, wird gefordert, daß durch Rundfragen festgestellt werde, ob die Besitzer von Wagen Arier oder Juden seien. Damit seien die Richtlinien gegeben, nach denen die Opfer zu verteilen sind, die bei der Bereinigung des Gewerbes zu bringen seien. Ehe deutsche Volksgenossen ihre Existenz verlieren, sei es wohl billig, daß zuerst die Juden auf ihre Unternehmungen verzichten müßten. B Ein Metzger und ein Sattler in H a ß 1 o c h (Pfalz) wurden in das Konzentrationslager Dachau eingeliefert, weil sie, wio die „Frankfurter Zeitung" meldet, durch fortgesetzte Hetzereien und brutales Vorgehen gegen einen Juden und dessen Familie Ruhe und Ordnung gestört, das Ansehen der Partei gefährdet und die Belange des Staates vorletzt hätten. * B Während der SukkauB-Fcicrtagc hat sich der Leiter der New Yorker Hochschule für jüdisch-soziale Arbeit, Prof. Morris J. K a r p f, einer der Vertreter der Nichtzionisten in der Executive der Jcwish Agcncy, in Berlin aufgehalten. # B Die österreichische Volkszählung hat eine Bevölkerung von 6 760 233 Seelen festgestellt. Davon sind 6 112 658 (90,4 o/„) Katholiken, 191 481 (2,8 o/„) Juden und 295 452 (4,4 o/o) Protestanten. 106 080 (1,6 O/o) sind konfessionslos. * B Wie aus Tel Awiw berichtet wird, hat das Komitee für die Errichtung eines eigenen Gebäudes des Hebräischen Theaters H a b i m a den Beginn des Neubaus für Ende Oktober festgesetzt. Die Baukosten sind mit 20 000 Pfund veranschlagt. * B In II i g a wurde unter dem Namen „Schalom Alcehcm" ein Marionettentheater gegründet. Vor seiner endgültigen Etnblicrung in Palästina wird das Marionettentheater eine Tournee durch Lettland, Polen, Rumänien und andere Länder unternehmen. Die Spielbüeher sind zum großen Teil Bearbeitungen der satirischen Schriften Schalom .Mecherns. * B Der Innenminister des neuen polnischen Kabinetts, Wlndyslaw Raczkicwiez, hat anläßlich seines Amtsantritts den religiösen Oberhäuptern aller Konfessionen, unter ihnen auch dein Warsehauer Oberrabbiner Senator Prof. Dr. Moses Sehorr, Besuche abgestattet. * B Nach Meldungen aus Warschau ist der jüdische Wirtschaftsführer Dr. Paul Minkowski zum Vizepräsidenten der Bank Gospodarstwo Krajowcgo, einer staat liehen Agrarbank, die deti Rang der zweiten Natioiialbank Polens einnimmt, ernannt worden. * B Wie aus Tel Awiw gemeldet wird, soll die ,,P a 1 ä s t i u a- Wochenschau" der Karmcl-Filmgcscilschaft, die im letzten Jahr allwöchentlich in palästinensischen Lichtspielhäusern gezeigt wurde, nunmehr auch für die Vorführung im Ausland l>cnrbeitet werden. * B Wie soeben bekannt wird, ist der Abgeordnete Pcppo M a 11 a , einer der beiden jüdischen Abgeordneten des griechischen Parlaments, in London, wo er an der parlamentarischen Wirt Schaftskonferenz teilnahm, zweimal von König Georg II. empfangen worden. * B Aus Toronto wird gemeldet: Bei der Neuwahl des kanadischen Parlaments sind die beiden jüdischen Abgeordneten Samuel Jacobs und Samuel Factor wiedergewählt worden . Jüdifche Dichter lefen Unter diesem Titel huttc der ReichBverband der Jüdischen Kulturbünde in die Singakademie geladen. Der Saal war leider nur schwach besetzt. Aber leider kann man auch den Abend nicht als besonders gelungen bezeichnen. Es fing mit der Absage von Mascha Kalcko an, deren Mitwirkung der Veranstaltung mehr Farbe gegeben hätte. Wir tragen in unserem eigenen Kreis selbst zu unserer geistigen Verarmung bei, wenn wir auf wcltoffcne Werke jüdischer Menschen verzichten, deren jüdische Gesinnung sich nicht im Stoff oder in der Nachahmung jüdischer Stile zu erschöpfen braucht. Warum wirkte Hilde Marx am stärksten? Nicht nur, weil sie ihre Sachen auagczeiclinct frei sprach, weil sie, die noch Unfertige, aus ihren Versen die reifsten auswählte, .nein, weil in ihren Gedichten, die mit Judentum an sich kaum etwas zu Inn hatten, so etwas wie eine jüdisch-rcligiöso Haltung zum. Durchbruch kam. Arthur Si'Iber gleit ist in den Versen „Der ewige Tag", die, als Buch vom Verlag der „Künstlorhilfc" herausgebracht werden, ehrlich bemüht, daß Assoziationsgabe und Versgewandtheit mit ihm nicht durchgehen, gerade seine — nicht sehr etarke — eigene Vorlesung bestätigte, wie er jede Phrase vermeiden will, aber wie groß sind die Gefahren, wenn er — durchaus dichterisch— jedem Judenkind eine „junge Seele', müde im Ahncnland" nachsagt oder wenn sich in einor dichterischen Reportage ■ „Vor der Tür des jüdischen Wohlfahrtsamtes" folgende Bilder häufen: Jeremias, Itembrandtgestalten, Moscsbärtc, junge schwangere Mütter, die den Messias zu gebären hoffen, Klagemauer I. Und, Hand aufa Herz, ist nicht Rilkes Gedicht „Moses Tod" nicht nur besser, sondern auch viel „jüdischer" als das Silbergleits, ebenso Thomas Manns Kapitel über RaholB Tod als die biblische Szene über das gleiche Motiv, die Arno Nadel'las?- (Es war auch insofern keine glückliche Wahl des Autors, als der Band „Sündenfall'V dem <li« Rahel-Szcne angehört, weit packendere, keinen' Vergleich herausfordernde Stücke enthält wio den „Jona".) Den zweiten Teil bestritt S. Oberprominenz Gersoii Stern, allein. Wio "hat man diesem Manne, dem es gewiß ein inneres Bedürfnis war,' mit seinem „Weg ohne Ende" ein Zeitalter jüdischer Geschieht« volkstümlich zu gestalten, damit geschadet, daß" man ihn derartig hcraufgelobt hatte 1 Schon sein zweiter Roman enttäuschte, weil .Uim da der stoffliche Halt fohlte, von dem des erst6h eigentliche Wirkung ausgegangen war. Er los daraus die Episode des Präger Juden Rüben Michal, indem er Jio im Buch auscinanderlicgenaen Teile geschickt zusammenzog. In den unveröffentlichten Skizzen „Fahrten in den Tag" ist er vollends zum Rcb Schmuser ,geworden, über dem Gefühl der Verpflichtung, flüchtige Tagcseindrücke, die weder Schriftsteller noch andere Sterbliche aufzuzeichnen sich veranlaßt sehen, festzuhalten. Wie sagte doch Rilke einmal: ein Kunstwerk sei nicht zur Nachahmung da, nicht, um tüchtige Menschen aus dem Leben herauszulocken, sondern um zu sagen: „Ich bin schon dal" Wenn der Abend zur Klärung dieser Frage jüdischer Kultur arbeit beiträgt, war er kein verlorener. Dr. Lutz Weltmann. Zwei Berliner Kinos gefchloffen Die Pressestelle der Reichsfilmkammer teilt mit: ,\\\xt Veranlassung der zuständigen Stelle im Rcichsministerium für Volksuufklürung und Propaganda, der Rcichsfilmkainmes und des Reichsverbandes Deutscher Filmtheater e. V. hat heute der Berliner Polizeipräsident die Berliner Filmtheater Flora und T u r in a wegen Verschleierung der Iidiabcrvcrhältnisse und damit verbundener jüdischer Tarnung geschlossen. Die Fihnbclicferung ist eingestellt, Die Filmtheater gingen Mitte 1932 mit den seinerzeitigeu beiden jüdischen Pächtern in Konkurs. Unter Benutzung eines Strohmannes verstand es einer dieser beiden früheren Inhaber, zum Nachteil seiner Gläubiger in verschleierter Forin nach wie vor in der Firma zu bleiben und auf dem Umweg über seine Ehefrau und den erwähnten Strohmann Einnahmen aus dem Theater zu haben. 1933 wurde dauu diese Regelung zum Zwecke der Tarnung des, nach wio vor für die Theater tätig gebliebenen früheren Inhabers bonutzt. Die wahren InhabcrvcrhäTtnissc sind entgegen don Bestimmungen den zuständigen Stellen nicht gemeldet worden. Vielmehr wurde im Handelsregister der erwähnte Strohmann als Gesellschafter eingetragen, obgleich er niemals bei der Firma irgendwelche Einlagen gemacht hat. Ein entsprechendes Verfahren gegen die Beteiligten. ist eingeleitet worden." Wegen verbotenen Sdhacbiens verurteilt Frankfurt a. M. Das „Nassauische Volksblatt" in Wies baden berichtet über eine Verhandlung vor dem Wiesbadener Amtsgericht, in der ein jüdischer Viehhändler aus Schierste in angeklagt worden war, am 30. August ein Kalb trotz des strengen Verbotes geBchüchtet zu haben. Als dieser Vorfall damals bekannt geworden sei, sei es zu einer begreiflichen Erregung in Schierstein gekommen, die dazu goführt liabe, daß die jüdischen Geschäftsleute bzw. Metzger in Schutzhaft genommen werden mußten. Der Angeklagt« wurde damals wegen Verdunkelungsgefahr in Haft genommen. , In der Verhandlung leugnete er die ihm zur Last gelegte Btrafbare Handlung. Durch die Beweisaufnahme sei er aber der Tat für überführt zu erachten. Er wurde zu einer Gefängnisstrafe von drei Monaten unter Anrechnung von einem Monat Untersuchungshaft verurteilt In der Donnerstag-Vortragsreihe des Jüdischen Lehrh uu sc s spricht Ist Eisner am 31. Oktober, 20.15 Uhr,-im Brüdervereinshaus über „Die. religiöse Situation in Palästina". AUS DEN GEMEINDEN Breslau. Die alte BrcBlaucr und obcrschlcaischc Firma Leine nh aus Biclschowsky G.m.b.H. ißt mit ihren Filialen in Bcuthcn 0. S. und Glciwitz vollständig in arischo Hönde übergegangen. Das jüdische Personal, soweit es noch im Huus tütig war, ißt nunmehr entlassen worden. — Vor ihrer großen Auslandstournce, die die Künstlerin auch nach Amerika führen soll, trat Frau Herta Glückmann im Rahmen des Jüdischen MuBikvercins noch einmal auf und entzückte ihr gewohnte» Publikum durch die verhaltene zarte Wiedergabe der Lieder eines Schumann, Brahms, Mahler, Kowalski, Tschaikowski und Rachmaniuoff. Unter den fremdsprachigen Volksliedern entzückte vor allem das italienische „Fiocca la neve". Mit Bedauern sieht das Brcslaurr Publikum die liebenswürdige Künstlerin vorläufig scheiden. R. Ti. Hamburg. Am zweiten Sukkaustage fand in der neuen Dammtor-Sy-uagogc im Anschluß an den Festgottesdicnst die Feier des 40jährigen Bestehens dieses Gotteshauses statt. Nachdem Rabbiner Dr. Hölzer die eindrucksvolle Festpredigt gehalten hat, überbrachte der Präses der Deutsch-lHrnclLtiHeheji. Gemeinde, Rechtsanwalt David, die Glückwünsche dieser Körperschaft. Der Gesang des 150. Psolmcs beschloß die erhebende Feier. — Die F ranz R o s c n z w c i g - G e d ä e Ii t n i s - S t i f - tung gibt ihr diesjähriges Wintcrprogrumni bekannt. In Zusammenarbeit mit dem Bildungsausschuß der Deutsch-Israelitischen Gemeinde ist eine Reihe von Vorträgen über die Themen: Bibel. Talmud, Judentum in der Weltgeschichte, Philosophie, Kunstbetrachtung, Nnturlchrc und biblisches Hchriiisoh in Aussieht genommen. Die im Tempel am Neujahrsfeste, am Versöhnungstage und /u Siinchus-Tora veranstalteten Jugend-Gottesdienste erhielten eine besondere Note durch die aktive Betätigung der jungen Menschen. Bis auf die Predigt wurden sämtliche Funktionen, wie Vorbeten, Tora-Vorlesen, in mustergültiger Weise durch Knaben und Jünglinge ausgeführt. Die beim Tempel errielitele Laubhütte konnte die Zahl der Besucher kaum fassen. Im ltahmen der Veranstaltungen des Kulturbundes trat am 17. Oktober das neugegründete „Neigcr-Quartctr1. bestehend aus den Künstlern Jonel Neiger. Marcus Hornstein. Jakob Hornstein, Siegfried Owcrt an die jüdische Öffentlichkeit. Die Darbietungen, Quartette von Haydn und Mendclssplin-Rartholdy sowie „Variationen über ein jüdisches Volkstbema für Streichquartett"', op. 24y von M. Gnessin, ließen ein vortreffliches Zusammenspicl erkennen und wurden durch verdienten reichen Beifall belohnt. E. F. Külu. Der Jüdische Frauenbund in Köln hat Maßnahmen zur Selbsthilfe beschlossen, um die Lage der I luußhnltiingen zu crlcichlci n, die künftig ohne 1 IausgchilFinnen auskommen müssen. I). a. werden Mittelst u n d s k ü c h e u in verschiedenen Stadtteilen eingerichtet werden, aus denen preiswertes Mittagessen abgeholt werden kann. Bestrafter Erpreiluiigsverfuch Regeusburg. Der „Bayerische Anzeiger''' in Regensburg berichtet von der Verurteilung eines gewissen 1 leinrieh Wankerl von Scheuer zu sechs Wochen Gefängnis. Der Angeklagte stand längere Zeit mit einer jüdischen luehfirma in Augsburg m Verbinduhg, die erst unterbrochen wurde, als er wegen Amtjiunlcrschlagung eine Strafe zu verbüßen hatte. Nach Aussetzung der Strafe schrieb er an die Finna einen Brief, in dem es hieß, der Firmeninhabcr werde sieh vielleicht noch entsinnen können, daß er ihm im vorigen Jahre Greuelmärchen erzählte, und daß. er ihn auch zu Devisen vergehen verleiten wollte. Weil nun sein Gewissen ihm nicht die erforderliche Ridic lasse, müsse er den Firmeninhaber daran erinnern. Er möchte ihm aber auch weiter sagen, daß er augenblicklich einige hundert Mark notwendig brauchen könne, und zwar bis zu einem bestimmten Zeitpunkt. Abgesehen davon, daß kein Nachweis dafür erbracht werden, konnte, daß der jüdische Kaufmann irgend etwas Nachteiliges über den Staat oder seine Einrichtungen gesagt hatte, verfolgte der Brief nur den Zweck, ihn einzuschüchtern und ihn zur Hergabe der benötigten Summe zu zwingen. Wie der Staatsanwalt ausführte, handele es sich um einen E r p r e s s u u g s - versuch, der noch verwerflicher sei, weil ein deutscher Mann einen Juden erpressen wollte. Die Befchiiftigung eines jüdifcheu Vertreters durch eine arifche Firma Bremen. Die Presse- und Propagandaabteihing des Gaues Weser-Ems der Deutschen Arbeitsfront hat, wie wir der „Frankfurter Zeitung" entnehmen, in einer Erklärung gegen Tarnungsversuche jüdischer Firmen Stellung genommen. Dabei wendet sie sich .auch gegen eine bestimmte arische Wüsche fabrik m Thüringen, die am 30. September an ihren jüdischen Vertreter in Bremen ein Schreiben gerichtet hübe, in dem es u. a. hieß: „Von amtlicher Seite aus werden wir veranlaßt, alle unsere niclitarischen Vertreter und Angestellten bis zum 31. Dezember 1935 zu entlassen. Sie wollen bitte Ihren Betrieb auf arisch umstellen und uns baldmöglichst die genaue arische Anschrift mitteilen." Weiter heißt es in dem Sehreiben u. «. noch: „Wir werden Sie weiterhin selbstverständlich beschäftigen können, jedoch nur dann, wenn Sic uns ihre arische Firma angeben." Die genannte Stelle der Deutschen Arbeitsfront bemerkt hierzu, Bio werde dafür sorgen, daß diese Tarnung nicht gelinge. Es sei schon traurig genug, wenn diese Firma einer amtlichen Aufforderung zur Entlassung der jüdischen Angestellten bedürfe, und verbrecherisch sei es, wenn sie trotzdem ihre jüdischen Vertreter und Angestellten weiterhin unter einem Deckmantel beschäftigen wolle. ■ i : I J Hausgehilfinnen in jüdifeiten Haushaltungen Frankfurt n. M. Die „Fraidcfurtcr Zeitung" meldet, daß nach dem Bericht der Reichsanstalt für die einzelnen Arbeitsamtsbezirke die deutschen Hausgehilfinnen schon jetzt vielfach damit begonnen haben, jüdische Haushaltungen zu verlassen. Tüchtige Mädchen mit langjährigen Zeugnissen hatten meist gut untergebracht werden können. Umgekehrt seien infolge der Anforderungen jüdischer Haushaltungen Mädchen über 45 Jahre selbst zu guten Löhnen kaum verfügbar. In Frankfurt am Main seien u. a. fünf Diener als Ersatz für arische Mädchen eingestellt worden. Bemerkenswert seien zum Teil auch die Anforderungen von 'Stunden personal. Im „Barbier von Sevilla", der am 26. Oktober im Jüdischen Kulturbund zur Erstaufführung gelangt, sind alle Solopartien doppelt besetzt und /werden von den betreffenden Opcrnkrfiften abwechselnd gesungen werden. Es wirken also in den Aufführungen der. Oper mit? Fritzi Jokl, Rita Atlasz, Lili Hcinemoiuii Susanne Stein, Anna Lipin, Wilhelm Guttmami, Fritz Lechner, Dago Mcybcrt, Heimann Nahm, Walter Olitzki, Gerhard Pechner, Kurt Rahmcr, Siegfried Urias, Hcinric,h Korn, Alfred Glösa. fäuä* Türkisch 8