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Jüdische allgemeine Zeitung · 1935-10-23 · 43 (23.10.1935) · page 4

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
15 (1935)
Issue
43 (23.10.1935)
Date
1935-10-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Schönes, -ober immer wunderbar;, ycinv. CB mit dorn Theater tusilnimcuh^tigtl. . ■ , i .- ' ' Jetzt ist der '„Jüdische Kulturbund'! in unser , einstiges Theater übergesiedelt- Auf der Bühne, von der mein Vater soviel Freude Seinem Publikum gespendet hat, möchte ich spielen dürfen .■ •.... das ist im Augenblick meine heiße, heimliche Sehnsucht.- Camilla Spira: Z)ie Röff'lwiriin a. D Camilla Spira, die Tochter Fritz Spiras, die vir baten, Bich im Rohmen .dieser/ Umfrago zu äußern,, hat sich inzwischen ganz ins Privatleben zurückgezogen und ihre Bühnenlaufbahn aufgegeben. Aus diesem Grunde muß leider von,der Veröffentlichung eines Beitrages abgesehen werden. '..'". b- ■■ ■ Julius Walter. Z'dokoh Nächftenliebe und Wohltätigkeit im jüdifchen Schrifttum Die Jüdische Winterhilfe wurde am Dienstag Abend Im Brüder vcrclnshaus durch Ansprachen vonDr.Leo Baeeft und Direktor Heinrich Stahl sowie durch musikalische Darbietungerl feierlich erollncl. Wie das .soilalcthlsche System Jüdischer HillsbofeltJChalt (n Innigem Zu-• sammenbaag mit der Religion steht und durch Ihre Vorschriften geheiligt wird, zeigen die nachstehenden Zitate aus dem biblischen und nachblbllschert Schrllttum: .'',,'- Du' sollst deinen Nächsten lieben Wie dich selbst (III. M: 19,18) . ■-. j ■- ■; ■.. . Wenn ihr ■ den Schnitt eures Lnndis. schneidet, so sollst du das Endo deines Feldes nicht vollends abmühen und die Nachlese deines Schnittes sollst du nicht auflesen. Und in deinem Weinberg sollst, du. keine Nachlese halten und den Abfall deines Weinberges nicht auflesen; dem Armen und dem Fremdling sollst du sie überlassen. (III. M. 19,9 ilt) ' ■ ■■-"'..'•;■■*.• . .... Wenn dein Bruder verarmt und von seinem Besitztum : ver-. kauft so komme sein .Löser, der mm nüchstverwandt ist;.'und löse das von seinem Bruder Verkaufte ein (Iii; M.' 25,25.) ■*''..■ ''■'"•■■••' ' Und wenn dein "Bruder verarmt und seine Hand schlaff:. -wird, so sollst du ihn stützen, den Frcmdsasscri, auf daß er bei dir lebe. Du sollst von ihm nicht Zins: und Mehrung nehmen ,' , und sollst fürchten vor deinem , Gott, auf 'daß dein .Bruder bei dir lebe. Dein- Geld gib ihm ' nicht um Zins, und. um. Mehring . gib ihm nicht 'deine Speise. (TU. M. 25,35 ff.) ' ' .',. v' .. '"'. ü. '.\' ■;.■•;.•;• ■ V V." ■\''\-:y '. Vcrzehntcri sollst du'allen Ertrag-von deiner Snnt, die aufs.... Feld hinausgegangen, Jahr für Jahr. (V. M. 14,22.) Noch Verlauf von drei Jahren sollet du ausscheiden den ganzen Zehnten' deines Ertrags vondiesem Jahr und ihn in deinen Toren niederlegen. Dann soll der Loyitc kommen, denn er hat-nicht Anteil und Erbbesitz bei dir', und der Fremdling, die Waise und die Witwe, die in deinen Torcn'sind, und sie sollen . csBcn und satt werden. (V. M. 14,28,29.) ■ Wenn unter dir ein Armer sein wird, irgend einer deiner Brüder m. einem deiner Tore, in deinem Land, das der Ewige, dein Gott,. dir gibt, so verharte..nicht dein Herz und verschließe meht deine Hand' vor: deinem Bruder, -dem Armen'; sondern öffnen sollst du ihm deino Hand und sollst ihm leihen ausreichend für seinen Bedarf, -bo viel ihm fehlt. (V; M. 15,7,8.) . .':•:■'.■ ' '. :; ' - '■ * :"'■..■;.-.'■' ' '')'.:■' :.Geben sollst du ihm, und es soll dein Herz nicht verdrießen, ■wenn du ihm gibst; denn um deswillen wird der Hwigc, dein Gott, .dich segnen in all deinem Tun-und in jeglichem Unternehmen deiner Hand. Denn : meht ausgehen wird der Arme ' . im Land; darum gebiete ich dir und spreche: ' öffnen Bollst du - .deine '.'Handdeinem Bruder,1 deinem Armen, und Elenden in deinem Land. (V. M. 15,10,11.) ■ ■W^'";>V.'l;''::i--Äi '•■' " :' ' ■ ' ■ * ' '.- r'"1'' ■-1 ' "Jz^s* ' ■ ' . ■ ■' .' ' M;J)r}crrdcm Hungrigen dein Brot und führe verzweifelte Arme ya. i'dcin Haus. -Wenn, du einen Nackten siehst, dann k7e'idc ihn ' und entziehe dich nicht dem; armen - Verwandten. (Jcaaja 58,7.) -,'. * 1 ' Gerecht ist . . . wer sein Brot dem Hungernden gibt und den Nackten' mit einem Kleide bedeckt. (Ezechiel 18,5,7!) •,."■■.,'■"'■' '■'*'.'■■.;■''.' Wer den Armen bedrückt; lästert seinen Schöpfer. (Sprüche 17,5) ^. ,; ■ . '; 1; Wer sein Ohr verschließt vor dem Wehklagen des Annen, der wird auch rufen und kein Gehör finden."(Sprüche 21,13.) ' .. .... . . ■ '_ -»"' ' .' > ■ •. Wer wohlwollenden Auges ist, wird gesegnet, denn'er gibt' von seinem Brot dem, Armen. (Sprüche 22,9.) '■* Wer sein Auge abwendet, um sich der Wohltätigkeit zu entziehen, treibt gleichsam Götzendienst,. (Kcthubbot Gl.) ' 1 ' ~ ' ' r'-- * ■ ' .-■',','; An drei Kennzeichen solj man den Juden erkennen; an der Barmherzigkeit, jan der Sehomhaftigkeit und au der Wohltätigkeit ... Das Gebot der Wohltätigkeit wiegt alle arideren Gebote auf. (Baba Batra 9 a.) * ' Almosen zu geben sol dir. sein bekannt, nach Vermcg deiner Hand. Mit ,namen (namentlich) all woch ein pfenirig ob' du - schon best wenig.; Die Almosen soln' heimlich geben das derlnngt dir-dein Leben. (Buch des Ewigen Lebens, 1583.) Talmudifche Weisheit Aus dem unerschöpflichen Brunnen Jüdischer,Weisheit hat Nahum . - Norbert O l a Ize r eine Reihe kostbarer Tropfeh aufgefangen und ' bietet sie In meinem neuen Schocken-Bändelten (Nr. -15) unter dem Titel ..Qcsprnche dar Welsen-- dar. In diesen Texten aus Talmud und Mldrasch haben unsere Welsen das Erbe der blb-. fischen Vcrgangcnlicil'flDerllefcrt, von neuem cnlf.ajlct und der Qc- ■ genwart nahe gebracht.. In seiner Elnlcitunn gibt Olatrcr eine kluge . und'konzentrierte Charakterisierung der Lehrer Jener, talmudlachen Zell, die nach Zerstoniitg des Tempels Im Jahre 70 begann und um. 600 1 ren Abschlutl fand. H|cr einige Proben, die zur Lektüre des Bändchens anregen sollen. ■ Das Besitztum Mail'erfühlte-Bich von Rabbi Tarfon, daß er sehr reich war,, aber den Armen keine Geschenke zu machen pflegte.- Einst traf ihn Rabbi Akiwn und fragte, ihn: Darf ich ein oder zwei Grundbcsitztümor für dich erwerbend En antwortete ihm: Ja. Und sogleich gab ihm Rabbi Tarfon viertausend Golddenare. Rabbi Akiwn nahm sie und. verteilte sie an arme .Gelehrte. . Noch einiger Zeit traf ihn. Rabbi Tarfon wieder und fragte ihn; Wo sind die Grundbcsitztümor, die du für mich erwerben wolltest? Da faßte er seine-Hand und führte ihn ins Lchrhaus. .-, Er. holte einen Schüler mit dem Psalmenbuch heran, der. las, bis er an diesen Vers kam: ^Ausgestreut hat er, hat den Dürftigen gegeben, seino Bewährung hesteht auf;ewig.".. (Po. 112,9.) Er sprach zu ihm: Dos ist der Grundbesitz, den ich für dich erworben habe. . '. ' . " ' Da erhob sichr Rabbi .Tarfoni küßte ihn und sprach zu ihm: Mein". Meister und' raek ' Gebieter!'.'{Mein Meister 'in' der ' Weisheit und mein Gebieter in den Sitten. Und, er gab ihm noch mehr Geld, um aus voller-Hand zu spenden. ' : ' . . (Kalla) Fncjtclträgcr and Wächter Onkclos, der Sohn des Kaloriymoa, hatte sich dem jüdischen Glauben zugewandt. Da sandte ihm der ' Kaiser einen Trupp Römer nach.; Eiüberzeugte sie durch Schriftwortc, und auch sie wandten sich demjüdischen Glauben zu. Da sandte ihm jener einen anderen Trupp. Römer nach und sprach zu den heuten: Redet überhaupt nicht mit ihm! Als. sie ihn abführten, sprach er zu ihnen: Ich will euch ein '.einfaches Wort sagen: Der Wachthabende trügt die Fackel dem PÄlastilütcr vyoran, , der Pa3a4tliüter dorn'.- Hopf (mann,, der rfaiipbnomYY deijj -^tattlial'tcr, der Statthalter . dcn\ Fürstönj' trögt1 auch ' der 'Fürst jdie Fackel, jemand TOran? Sic antworteten ihm: Nein. Er-sprach zu ilmen: Der Heilige, gesegnet sei . er, trug dio Fackel Israel voran; wie gesagt ist: „Vor -fimen .einher;, ging Errj / des Tngs in einer Sölde gowölbt, Bifc den Weg zu lcitcni •/ de? Nachts in einer Saulo Feuers, ihnen zu leuchten . .• . .' (2. M. 13,21). -'■. .:. .' Sie wandten sich alle dem jüdischen Glauben zu. Da sandte ihm jener einen dritten Trupp nach und sprach zu den Leuten: Unterredet euch gar mein mit ihml •Ab sie-ihnabführten,: erblickte .er - eine PfoBtcninscbrift (Mcsusa) nn der Tür; er legte Berne Hand auf sie und fragte die Leute; Was ist das? Sic sprachen, zu ihm: Sago du es .uns. . < <. ■■ .... Er antivorteto dinen: Brauch der Welt ist es, daß der König Von Fleisch und Blut im Haus« drinnen sitzt und seine Diener draußen Woche holten; . über die Diener des Heiligen, gesegnet sei er, sind drinnen, und er selbst halt draußen Wache, wie gesagt ist: ,,ER hütet deine Ausfahrt und Heimkunft / von jetzt an bis in . die. Zeit" (Ps. 121,8). '_ Sic wandten sich dem jüdischen Glauben zu. Jener aber sandte keinen mehr. /b. Awoda sara Uo) Der Blinde . - Rabbi Jose sogto: AU meine Lebtage quälte, ich mich um dieses Schriftwort: „Am Mittag wirst du tappen müssen / wie der Blinde im Dünkel tappt" (5. M. 28.29): Was liegt dem-Blinden duran, ob es Dunkel ist oder Licht? Dann ober erfuhr ich es durch ein Ereignis: Einst "ine ich in Nacht und Dunkel und sali einen. Blinden mit einer l'flckcl in der Hand des Weges gehen,. . t 'Ich fragte, ihn: Mein Sohn, was nützt dir diese. Fackel? Er antwortete Snir: So lange die, Fackel in meiner-Hand ist, sehen mich die Menschen1 und bcwahrcni mich vor Grubcri, vor Dornen Und Disteln. . .. ■• .'-..'" .... ' ■ ■ . .- , ' - (|). Megllla-24 b ■ Der .Segen dc-s Blinden . Rabbi (Abkürzung für il. Jchiuln ha-Nas?i. Die; Schriftltg.) und, Rubbi Chijja waren unterwegs.. > . Als -sie: m eine Stildt :kamen, sprachen sie: AVciui. es hier .einen Gclclirton gibt, wollen wir ihn begrüßen gehen. , Man', sagte ihnen: Es. gibt hier einen Gelehrten, der 'felind' ist. Da ..sprach Rabbi "Cliijja zu .Rabbi:. Bleibe dii sitzen, ich erniedrige, nicht deine , Fürstenwürdc;; ich werde hingehen und ihn; , •begrüßen.-, . . ' Er aber faßte .ihn undging mit; ' .; - Alssie von. jenenj AbscTiica nahmen,.' sprach er zu jlinonr . Ihr habt .den begrüßt, der gesehen wird 'und nicht uieht, sl) mögt ihr gewürdigt werden, den zu begrüßen, der sieht und nicht gesehen wird. '• ... . Da sprach Rabbi;fcu Rabbi Chijja: Nun,' um solch cinftiv Scgcm hattest'du .'mich gebracht I ■ i. t.. . .. . ■" .;; ' (b. GliagtgaS b) Lieder und Kammermufik Der Aufgabenkreis unserer künstlerischen Organisationen wir.tl gegenüber dem' des vergangenen Winters ein erweiterter sein, da nunmehr allo 'jüdischen Künstler auf den Bereich des jüdischen •Lebens beschrankt sind.. Dos - Damenkomitee - der Künstlcrhilfc, das zu seinem Teil namentlich an den sozialen Aufgaben mitarbeiten Willy, veranstaltete eiii erstes Konzert, für das sich eine Reihe von „Prominenzen" zur Verfügung gestellt hatte. Frau Paula Llndbc r g und Intendant Dr. Kurt Singer begrüßten die Gaste mit dem Hinweis auf dio Bestrebungen des Komitees und aut den besonderen künstlerischen Wert häuslicher Veranstaltungen. Im Mittelpunkt des Programms stand; Brahrns' Sonate A-dur für Violino. und Klavier, von \VilIy .Frey und Josof Hosc ii - stock in gedämpfter. Farbigkeit und mit aller Durchsichtigkeit des Klanggewebes mcisterliidi dargestellt.. Susanne Landab er g - H ol 1 ü nde r sang Lieder von Möhler und' Leo Lewy mit beweglicher, nur im Volumen nicht immer ganz . gleichmäßiger ■ (Stimmo. Zum Schluß zeigte-Paula Lindl) e r g selbßt au einigen ■ ■ Öcliubcrt-Liedcrn wieder ihre starke Kraft seelischen. Gcstaltcus. AU. Begleiter von feinster Einfühlungsgabe und hoher pianistischcr vijtfltiir bowOhrtc sicli Rudolf. S ch w a rz. ■ II. F. Es waren die. lfingst vertrauten GerüuBchc der Großstadtstraßen, aber heute schien ,es ,011y,..ols-wcmV ein leichter' Nebel-' houch 'herbstlitaier ..'Klefonehb)ie -mier-' dem -Stadtteil' lagerte, den sie durchwanderte. . Gelbbraunes Laub flatterte ilir vor die Füße, .und die Blumenkorrcn an' den Straßenecken zeigten duftemlc . 'Sträuße von Heidekraut. Olly fühlte sich an Weite Flächen romanlischor Einsamkeit erinnert, an die ■ gchcimiiisvoH 'düstorcn Wucliolderstümmc, deren seltsame Konturen so oft .'als Waldgeistcr in ihren Kindhcitstriiumen auftauchten. Als der,Vater noch lebte, hatte-, man diese schönen, besinnlichen Wanderungen; unternommen in bewußter, genießender Sorglosigkeit. —. — Heilte : hatte das '■■ Leben ein anderes Gesicht: in einer Welt stärkster Gegensätze hicß;es, den. Glauben an eine innere Zuflucht zu bewahren und sieh Werte zu schaffen, die nicht.bedroht werden konnten. . "'. ' Olly .schüttelte den Kopf, als wenn eine' dringliche Frage an sie gerichtet;worden wäre. Aber ,es war ihr eigenes, fieberhaftes . .'Gehirn,' das unablässig eine Antwort^ forderte, die sie nicht zu geben Vermochte. Was Sollte sie anfangen? Wo gab es eine ArbcitsmögUohkeit? Dos Studium der . Kunstgeschichte* hatte sie •' abbrechen müssen, jetzt hieß" es einfach . Gold, verdienen. —; — Sic blieb stehen — sie verspürte ein peinliches Hungergefühl. Sie hatte morgens nur rasch eine »Tasse Tee getrunken und war seitdem dauernd unterwegs. Es war ein;Luxus — abor sie mußte jetzt eine Tasse Kaffee haben r— sie wollte sich einmal eine Viertelstunde hindurch einbilden, daß sie das durfte. Und "so betrat sie die nächste Konditorei und bestellte;. Dann griff sie mechanisch nach der Zeitung, die neben ihr auf dem Stuhl log. Fünf Minuten spater bofond sich,Olly bercics'auf der Straße und gleich danach auf einem Autohus, der. ins Ticrgartcnvierticl führte. In der Hand hielt sie einen kleinen Zettel, auf dem sie , sich den Inhalt eines Iiiseiatcs notiert hatte: . „Älteres englisches Ehcpnur sucht für Reisen in Deutschland junge Gesellschafterin, dio englisch, spricht, .künstlerische Interessen hat und von gutem Humor ist. Meldung Freitag vormittag, Hotel —--" „Von gutem Humor — good Humoured —" Olly seufzte. — beinahe verlor sie den Mut, sich vorzustellen .angesichts dieser Bedingung! ' '" Als sie die Hotelhalle betrat, wirkte die Großzügigkeit des Raumes, die Atmosphäre internationalen Betriebes und des scheinbar gesicherten Lebens belebend auf b'ic ein. Sie fragte in der Anmeldung nach Mr> oder Mrs. Small' —: man wies sie nach dem zweiten Stock.' Gleich daraUf stand sie einer alten Dame gegenüber, die, mit Patiencokarten beschäftigt, nrri Fenster saß, Überall standen Blumen, der Bjnum war hell und beruhigend. „Gar keine Konkurrenz?" fragte'sich Olly lind wagte nicht ' an solchen Glücksfall zu glauben. Dann hielt sie lficholnd —sie erinnerte sich des. geforderten guten Humors -— den forschenden Blicken stand, die sie musterten. Der weiße Kopf wandte sich ihr lebhaft zu. - „Mein Mann ist schon ganz twie sagt man? — außer seine Kräfte I Sovielc junge Mädchen sind liier gekommen —" sagte di.o alte: Dome.. Ihr Deutsch klang mütiBam: „Jetzt, i ch werde aussuchen — eine Frau sieht mehr scharf, als ein Mann, denken Sic nicht so?";'-; Jetzt war Ollys Lächeln echt, Sie nickte. Ein wenig atemlos vor Spannung stammelte sie: „Also, haben Sie;noch nicht gewühlt?" Mrs. Small .schob ihre Karten beiseite: „Jurige Domo ich sage, ganz ehrlich — bis'nun, alle; hatten so wenig hübsche , Stimmen.;Al>or. ich hasse es auch,, wenn'.einer spricht so mit gemachto-— >wie heißet es? — Sanftigkcit?" „Pcrhaps you .mcan swectiicss?" "achlug Olly vor. - i,01», I bcc.. Das ist gut. Ja. ,— — Es ist; daß mein Sohn, er würde lieben imB zu sprechen deutsch — weil er hat geheiratet eine Deutsche, Well. Wir alten Leute haben Ehrgeiz, wir, wollen können gut sprechen mit ihn —- Bitte, nun sagen - Sie mir in Englisch, wer Sie sind, und was Sie haben getan bis lieutcl Sind Sic Jüdin?" " Olly begann mutig in. ihrem nicht sehr gepflegten Englisch darauf los zu reden,. Mrs. Sruall erfuhr von einem bürgerlichen Von ALICE STEIN-LANDESMANN > k / geregelten Leben, . das sich , in . einem. anscheinend kultlv/crtou Rahmen abgespielt , hatte. Aber die einträgliche. StcUuhgdes . Vaters war nicjA mehr vorhanden, und Olly mußte selber' sehen, sich dui-chzubriiigcn. Aber womit? „Ein , heutzutage niclit' ungewöhnlicher .Fall •— ■ fügLe Olly hinzu und vergaß den' heiteren Ton. . ' Das kluge Altfraucngcsiclit zeigte eine überraschend warme Teilnahme. „I «cc, — Siq sprechen nicht schlecht. Mit Ihr .Studium es würde, sehr gut passen. Wir wollen hv Museen, unj •mein..Mann,.- er ermüdet so Bchncll. S/>: man : rnuß ihm zcigei» das Beste. Mein-Söhn liat nicht Zeit für uns. Er ist Busincssman, . — iind 'dann er hat die . junge Frau.. Früher er lebte mit uns — so; wir haben es nun schrecklich, einsam— —." Olly scliwicg. Sic betrachtete diese gepflegte Frau, die sicherlich, niemals wirtscliaftliche Sorgen kennengelernt hatte, und. diesich sofort, beim " ersten Eintreten einer. Leero, einen fremden- ..Menschen; zu- -verschaffen .*m:.Stande' war, der sieh verpflichtete, Heiterkeit und Interesse zu liefern---~. Alis, ihren Gedanken heraus, sagte Olly ganz gegen ihren- Willen: „Aber Sic haben doch sicher. unter Ihren Verwandten: viele, die mit Freuden bereit wären, diese Pflichten zu übernehmen?" ..';.'. : \ ■ Ein erstaunter Blick, traf sie; Olly wurde rot: „Verzeilierr Sic — ich dachte eben an die vielen Menschen meines Kreises, die jetzt darauf ' angewiesen sind, daß Bich besser gestellte ' ■ Freunde oder Angehörige ihrer annehmen — — ich weiß, es war! keine sehr geschäftstüchtige Äußerung. — —." Sie sprach jetzt deutsch, da ihre Erregung sie fortriß: „Nochmals — ich bitte um Entschuldigung —*—.". . . .- ■ -; Die alte Dame sah sie immer noch .an: „Miss Goldmann,, zui sagen die Wahrheit — wir haben genug Nichten und Cousinen — aber sie .leben in gute Situation — sie leben in England; sie hoben nicht Sorgen. Unser Sohn hat ^gedacht, man könnte helfen; . eine Jüdin hier —rSie müssen mir. gut verstehen. Es ist angenehm,:'zu tun. etwas -.fürsich'.und dabei ein Gutes für;-ein andern Menschen. Wir sind keine. Engel, Miss Goldmann. Das Alter, you-see, ist voll von EgoiBmus. Mein Mann liebt zu sehen ein frisches Gesicht und Lachen, und Freude;; wenn man, Igelit gut essen und führt Auto and so on — —- Ich kann;da9 alles' nicht mehr nach seine Wunsch — -i Wollen Sic freundlichst klopfen an der Ncbciitürc — danke schön — Bitte, Ralph — komm , herein — hier ist eine junge Dame—- —." Sie ,brach',ab,. als,' wollte; sie auf ' des. Gatten Gesicht! die Wirkung von Ollys Erscheinung beobachten. Erst ^als der alte- Herr ihr. ernsthaft zunickte, fuhr sio fort: „Dies ist Miss. Goldmunn, . Ralph —, und sie hat noch nicht ein einziges Wort''gesagt,' ■ das sie empfiehlt — oh, wie schlecht, ich;sprccho —- Du , verstehst, jedes ■ Wort hat sie empfohlen, aber sie weiß "es nichtl I om dclighted — —1 Eutachuldigcn Sie — aller Sie sind really just, what we want — —." Sie Btand' aüf und'streckte ihr die Hand entgegen. Ollys Stimme klang beklommen: „Sie sind sehr gütig, aber' ich habe noch , nie eine Stellung gehabt — und ob ich immer lustig Bein kann — —." Ihre Augen füllten sich mit Tränen: „Sie werden sicher enttäuscht sejn ich müßte sehr, auf Ihre :Nachsicht rechen dürfen ——." , . . „Pbb können Sie —", sagte Mr. Small. Er nahm die Brillr ab und betrachtete dieses Mädchen, das'es'ihnen so schwer machte, ,.;ihr zu helfen. Er spracli sehr leise, in einer. saclilichcn, unpathetischen Art: ';; „Wir werden in; Deutschland reisen — wir wollen Ulm sehen und Rothenburg und Dresden — und immer wir werden . deutsch spreche^ und Sic werden so gut sein, und uns korrigieren.. Sic werdon uns zeigen : olle Kunstschätze — wird dos nicht auch . ein Vergnügen vor Ihnen? Ich denke, es ist ein -feiner Zufall, daß wir uns treffen. So es ist, wiu sagt man — gegenseitig, daß man sich hilft, nicht wahr?"^ ... Olly konnte zunächst nichts erwidern. Plötzlich sprühte aller Optimismus. ihrer. 22 Jahre aus ihren Augen: „Ich glaube,: jeh werde immer guter-Laune sein —" sagte sie. x

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