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Jüdische allgemeine Zeitung · 1935-10-23 · 43 (23.10.1935) · page 2

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
15 (1935)
Issue
43 (23.10.1935)
Date
1935-10-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Pölif üc und Religion ■: Fortsetzung von'der erstin'Seite Wenn man im Nachtrag dem Gespräch eine Überschrift geben dürfte, so wäre es etwa die: „Vom "Unvermögen unserer Zeit zu einem theologischen Gespräch aus einer .politischen Situation." Es mag sein, daß die/Referenten sich zu viel vorgenommen hatten. Vielleicht wurde es wirklich dem Gespräch auch zum Nachteil, daß alle aktuellen und Iiistorischen Antithesen: Liberalismus und Orthodoxie, Galuth und Palästina, Gesetz und Freiheit, Partei und Kehilloh gewaltsam in die Fragestellung einbezogen werden sollten. Aber das entscheidende Vergehen, dessen sich unabweisbar Lemmie schuldig machte, war, daß er mit aller Macht versuchte, die normative Kraft des Religiösen aus der Situation heraus zu aktualisieren, d. h. zu politisieren. So glitt das Gespräch immer wieder ins Politische ab. Damit soll nicht behauptet sein, daß Politik und Religion notwendig und wesensmäßig nichts miteinander zu tun haben dürfen. Der religiöse Mensch wird alle seine Entscheidungen, auch die politischen, aus der ihm zentralen Schicht des religiösen Bewußtseins heraus treffen, wie der nurpolitischc Mensch ohne Skrupel die ihm ganz abliegenden religiösen Gehalte zu seinen Zwecken mißbrauchen kann. Aber im Interesse einer intellektuellen Sauberkeit und logischen Folgerichtigkeit wird es stets vonnöten sein, keine gedanklichen Gemengelageruhgcn vorzunehmen, die die Klarheit der Begriffe in Frage stellen. Deshalb war Maybaums Position die stärkere. Nicht weil er gegen den Zionismus zu stehen schien — das tut er gar nicht uneingeschränkt —, sondern weil er gegenüber der wenn auch aus bester Absicht unternommenen Politisierung nichtpolitischer Kate- ■ gorien durch Lemmie die thematisch und — jüdisch einzig zulässige Gegenposition des Religiösen bezog. Daraus ergaben sich für ihn alle Weiterungen, deshalb war für ihn die Geschichte der Juden keine politische Geschichte und somit die Geschichte der Juden in Deutschland eine echte jüdische Geschichte. Deshalb brauchte er Lemmie nicht auf dem Weg der sehr vagen, widerspruchsvollen, ja politisch sogar recht zweifelhaften Prognosen und Spekulationen betreffs Palästina zu folgen. Nein, wir stehen ganz zu Maybaum, der die Fruchtbarkeit des Galuth bejaht, mit der Kraft eines , wahrhaft gläubigen Gewissens bejaht, wenn er sagt: „Gelobt seist Du, Ewiger, der Du Israel gekrönt hast mit Herrlichkeit, mit der Herrlichkeit des leidenden Knechtes Gottes." Unsere Bitte an das Lehrhaus aber geht dahin: Erneuert diese Gespräche, wobei es gar nichts schadet, wenn sie, anstatt abgebrochen zu werden, verlängert werden. Auch das echte rabbinische Gespräch dauerte solange, bis die Schüler kamen und sagten: Rabbaussai, es ist Zeit, das Morgengebet zu sprechen. Heinz Kcllcrmann. UmgcIVhiclitet Jaden ans Deutschland als Siedler in Palältina Um 8. L. Steiiiheim Eine Erwiderung von Hans Joachim Schocps Ich kann mich über vielerlei Kummer trösten, wenn ich an das Las der alten Vorgänger In meiner Sache denke, die noch weit übler dran waren (Jeremla XX, V. 20 f.) als Ich, Ihr schwächlicher Epigone, (Brief Steinheims an Isslcr notn 11. August 1865) In einer Anzeige der von mir anläßlich des 100. Jubiläums der „Offenbarung nach dem Lehrbegriff der Synagoge" zusammengestellten und licrnusgcgcbcncn Schrift von Salomon Ludwig Steinheim „Vom Bleibenden und Vergänglichen im Judentum" in der „Jüdischen Allgemeinen" sind dem Referenten H. K. einige sachliche Irrtümer unterlaufen, die um des reinen , Andenkens an diesen unvergleichlichen Mann willen nicht |iinbci'ielitigU bleiben dürfen: Stcinlieim ist schon zu Lebzeiten selten verstanden worden. Er war.weder Irrationnlist noch Romantiker, noch wollte er die Vernunft mit der Offcnbariuig totschlagen. Er hatte. wio der Schreiber dieser Zeilen eine so hoho Meinung von der Vernunft, daß er sogar an die Möglichkeit glaubte, sie könne aus der (wohlgcmcrkt: vernünftigen) Erkenntnis ihrer Grenzen heraus sicli unter den Glauben gcfangcngcbcn. Damit dies über nicht als Wahn und Widersinn erscheine, muß man freilich auch der Meinung sein, <luß die Inhalte des jüdischen Gluubens: Gott, Schöpfung und Offcnburung nicht Wohn und Widersinn, sondern Wahrheit seien. Am Ende seines Lebeiiä schrieb der 76jülirigc, der inzwischen aber allerdings von der Vernunft jzur Weisheit gekommen war: „Ich aber habe mit dem höheren Alter noch immer eine festere Überzeugung gewonnen, daß, wer unter den Menschen kein Tor sein will, sich nicht bedenken muß, einer zu scheinen." Was die Behauptung anlangt, daß Steinheim auf einem christlichen Friedhof begraben liege, so wurde sie schon bald nach semem Tode aufgebracht und gegen das Werk des auf einer Reise verstorbenen' Mannes als Argument verwendet. Tatsache ist, daß Stcinlieim ohne Wissen seiner Frau, weil keine Barmittel vorhanden waren, ihn auf dem mehrere Meilen entfernt gelegenen jüdischen Friedhof zu bestatten, 7 Monate auf dem reformierten Friedhof Zürichs ruhen mußte. Hamburger Freunde, an ihrer Spitze ein Angehöriger des Hauses Werburg, ^sorgten dafür, daß sein Leichnam am 6. Dezember 1866 nach Altona überführt wurde, wo er auf dem alten israe litis c]i»on Friedhof in der Königstruße (Grab Nummer 1171) die ewige Ruho gefunden hat. Auf seinem Grabstein steht: Hier ruhet der Arzt Dr. medicin S. L. Stcinlieim, ein Denker und Dichter, jjeb. zu Bruchhausen 14. Ab 5549, gest. zu Zürich 4. Sivan 5626. Höro Israel und .das Levitenzeichen der Kanne. . . ^Auf, der Rückseite des Steines steht das Psalmwort: „Seine Pilger nicr, und dort sein Bürger einst, so wandelt er still , in Demut, seinen Namen lehrend überall." A. Geiger aber ist auf die fälschliche Behauptung' und auf die von H. K. zitierte unfreundliche sowie sachlich entstellt«! Würdigung Steinheims noch im selben Jahro-~1872 von B. Rippner in der Monatsschrift angemessen geantwortet worden. Mir selber widerführt nur;eiue Ehre, wenn ich aus denselben Gründen angegriffen werde wie dieser Mahn, den zu verehren und zu lieben ich jnicht müde werden kann. Dr. Hans Joachim Schocps. Ein Schlußwort unseres Mitarbeiters H. K. veröffentlichen .wir in de» nächsten Nummer. In den vergangenen zwei Jahren sind 27 000 Juden aus Deutschland . nach Palästina ausgewandert. Der Weg, den sie in dieser.:Zeit gegangen sind, ihre Arbeit, ihre Erfolge und Enttäuschungen lassen sich heute wenigstens im Überblick schon erkennen. Besondere Bedeutung im Raluncn dieser Auswanderung kommt dci'Sied lun g st ü ti g kc i t der aus Deutschland ausgewanderten Juden zu. Von den 27 000 Auswanderern gingen 180 Menschen' aufs Land. Das sind 26 v. H. der Gesamtzahl. Wenn also aüeli hoch fast drei Viertel der deutschen Auswanderer in die Städte gingen, so bildet doch dieses Viertel, das auf dem Lande siedelt, einen nicht unwichtigen Bestandteil der gesamten Sicdlungstütigkcit überhaupt und stellt eine bedeutsame Umschichliingsarbcit dar. Die ,~Hitachduth Olcj Germania", die zionistische Organisation der aus Deutschland ausgewanderten Juden, gibt in ihrem letzten Bericht ein Bild über die Verteilung der Sicdlor, ihre Erfolge und ihre Zulcunftsmöglichkeitcn. Dabei ist bemerkenswert, daß die Zahl-der Kollcktivsicdlcr erheblich größer ist als die Zahl der einzeln und selbständig arbeitenden Siedler. Allerdings ist lüerbei zu berücksichtigen, daß es sich bei den Einzelsicdlcrn vor allem um filtere Menschen handelt, die Bich an das Kollcktivsystem nicht gewöhnen können. In den von Juden aus Deutschland gegründeten Indiyidualsicdlungen sowie in den älteren Kolonien, die Einwanderer aus Deutschland aufgenommen haben, wohnen und arbeiten an 43 verschiedenen Siedlungspliitzcn 1830 Juden aus Deutschland. Die Zahl der Kollcktivsicdlcr betrügt 2000 Menschen, hierzu sind aber noch 1250 landwirtschaftliche Arbeiter zu rechnen. Außerdem wohnen in den einzelnen Kolonien und Siedlungen noch über 2100 Menschen aus Deutschland, die man nicht direkt als Siedler bezeichnen kann, die andere Berufe in den Siedlungen ausüben. Uns interessiert .vor allem die Frage, was wird in den Siedlungen gearbeitet und welche Erfolge Bind dabei bisher erzielt worden? überblickt man die Berichte aus den einzelnen Kolonien und Siedlungen, so erkennt man, daß zunächst doch sehr viel versuchsweise und probeweise begonnen worden ist und daß eine wirtschaftliche Rentabilität bisher kaum verzeichnet werden kann. Dies ist nur natürlich. Denn bei den Siedlern handelt es sich fast ausschließlich um Menschen, die bisher einen städtischen Beruf ausgeübt haben, Kauflcutc, Akademiker, Studenten usw., die kaum eine kurze landwirtschaftliche Ausbildung genießen konnten und bei denen erst allmählich auch der wirtschaftliche Erfolg sich einstellen kann. Bei all der bewundernswerten und unermüdlichen Arbeit brauchen heute fast alle Siedlungen, die in den beiden letzten Jahren gegründet worden sind, cli Zuschüsse und Kredite. Doch wird bei den meisten Ansicdlungcn mit der Zeit sich, . wenn nicht andere Ereignisse hinzutreten, cino wirtschaftliche Rentabilität erzielen lassen. Ein typisches Beispiel für die Sicdlungstätigkcit deutscher Juden in Palästina ist die Kolonie Ramoth Hase h a w i m bei Tel Awiw, typisch insofern, als hier Akademiker und Kniiflciitc ohne landwirtschaftliche Vorbildung und mit nicht viel mehr ak den 1000 Pfund Kapital sich cino neue Existenz aufzubauen versucht haben. Die 44 Siedler dieser Kolonie setzen sich aus 13 Ärzten, 3 Rechtsanwälten, 2 Apothekern und 26 Kauflcutcn und kaufmännischen Angestellten zusammen. Alle sind bereits in vorgeschrittenem Alter und besaßen so gut wie keine Vorkenntnisse. Sic haben sich in intensivem Maße auf Gcflügelwirtschaft und Gemüsebau gelegt, die beiden landwirtschaftlichen Berufszweige, die sich nach Art und Schwere der Arbeit noch am ehesten für Umgeschichtete eignen. Jeder Siedler besitzt ein eigenes kleines -Haus sowie Gelände für das Geflügel und den Gemüsebau. Während der Gemüsebau zunächst im wesentlichen der eigenen Ernährung dient, soll die Geflügelzucht der Versorgung der benochbarten Stadt mit Eiern dienen. Zu diesem Zwecke haben die Siedler einen besonderen Aufzucht- und Legebetrieb organisiert. Jeder Siedler liefert zweimal täglich dio Eier an die Zentrale ab, diese sortiert sie und bringt sie zum Vorkauf nach Tel Awiw. Ein Teil der Eier wird zur. Weiterzucht benutzt. In einem Jahr wurden in dieser Siedlung 970 000 Eier produziert. Allerdings ist der Gewinn noch sehr gering, weil der Kreditbedarf sehr groß war, die Löhne waren teurer, es mußte wegen der schwierigen Wasservcrhfiltnisso ein eigener Brunnen und Beregnungsanlagen gebaut werden, die Häuser waren teurer als gedacht usw. Da jedoch die Nüho der Stadt einen Absatzmarkt garantiert, werden für diese Siedlung die Aussichten trotz der noch für die nächsten Jahre bestehenden Schwierigkeiten als nicht ungünstig bezeichnet werden können. So wie auf dieser Siedlung ist es bei den anderen grundsätzlich auch. Dabei ist es gleichgültig, ob es sich um Orangen- oder Grapefruit-Kultur, um Gemüsebau, Futterwirtschaft, Milchwirtschaft oder Geflügelzucht handelt. Die Schaffung von ausreichenden Wohn- und' Wosscrvcrhältriisson, dio Anschaffung der notwendigen Ausrüstungen usw. verschlingt das Kapital der Siedler, sie sind auf Krcditb angewiesen und erst nach mehr jähriger, sehr anstrengender und entbehrungsreicher Arbeit wird auch der wirtschaftliche Erfolg sich .einstellen können. Dabei kommt natürlich auch die Lage der Siedlung in Betracht. Die Nähe der Städte wirkt absatzfördernd, die Vcrkchrsvcrhflltnissc müssen berücksichtigt werden, auch Alter und Vorbildung der Ansiedler spielen eine Rolle. Besonders große Anforderungen an Geduld, Ausdauer und Kapitalfälligkeit stellen die Ornngcnpflanzungcn, weil hier die Zeitspanne der Ertragsfßhigkcit am weitesten hinausgeschoben ist. Die Schwierigkeiten, die hier angedeutet wurden, werden auch von der zionistischen Organisation nicht verkannt. Man bemüht sich nicht nur durch Kredite den Siedlern weiter zu helfen, sondern durch Bereitstellung von Fachkräften für den Aufbau usw. Wesentliche Voraussetzung ist aber bei jeder Sicdlungstütigkeit die entsprechende Vorbereitung des Unternehmens. Hierzu gehört nicht nur die landwirtschaftliche Vorbildung, sondern auch die Zusammenfassung von Menschen, die zueinander passen und auch in der Lago sind, auf dem kleinen Raum und unter den schwierigen Verhältnissen zusammenarbeiten zu können. Denn bei der Ansicdlung deutscher Juden in Palästina handelt es sich um ein Sicdlungsclcmcnt, das mittcUtöndisch ist und sich von anderen Siedlcrclcmcntcn und -Formen ganz außerordentlich stark unterscheidet. Es sind fast alles Menschen, die vor der Umwälzung gar nicht an Landwirtschaft dauhten, meist schon in vorgerücktem Alter Bind, Familienväter mit geringen Mittein, vielfach an körperliche Arbeit gar nicht gewöhnt. Bei der Ansicdlung dieser Menschen, und dies kann nicht oft genug gesagt werden, muß mit ganz besonderer Vorsicht zu Wege gegangen werden, denn ein Fehlschlagen ihrer Hoffnungen muß unbedingt verhindert werden. Anders ist es bei den iungen Mcnscbon, die bereits in Deutschland ihre Hachschara gehabt haben, an dns Gemeinschaftsleben gewöhnt worden sind und somit körperlich und seelisch vorbereitet worden sind. Diesen fällt auch die Haupt au fgabc bei der Kolonisation des Landes zu. Für dio älteren Menschen aber wird es auch unter sich günstiger gestaltenden wirtschaftlichen Voraussetzungen immer ein schweres und .ungewohntes Leben sein. Es ist deshalb verständlich, daß die Mehrzahl der filteren aus Deutschland ausgewanderten Juden zunächst iri die Städte gegangen ist und vorsucht, ein Leben zu führen, das sich von dem früheren nicht allzu fühlbar unterscheidet. Die Schwierigkeiten liegen auf der Hand. Eine Lösung zu finden, um der,älteren Generation, zu welcher auch schon die 30jührigcn gerechnet werden müssen, ein auskömmliches und geeignetes Leben zu sichern, wird nicht leicht sein. Bescheidenheit, größte Anspruchslosigkeit und AnpassungsfUlügkeit werden aber auch weiterhin die crBtcn Voraussetzungen für jeden Juden bleiben, der nach Palfistina auswandern will. Dr. E. R. Paläftina und die Sanktionen Jerusalem. Au den vom Völkerhund im Zusammenhang mit dem itaUcnisch-abcssinischcn Krieg gegen Italien beschlossenen Sanktionen wird sieh auch Palästina beteiligen. Die Palästina- Regierung erwartet noch genaue Instruktionen aus London über Art und Umfang dieser Sanktionen. Der palästinensische Import aus Italien machte im Jahre 1934 481250 Pfund aus, der Wert der Ausfuhr nach Italien betrug J6 700 Pfund. Man erwartet, daß die italienische Palästinaschiffahrt infolge der Teilnahme des Mandatsgebiets an den Sanktionen schwer betroffen sein wird. Im Jahre 1934 haben 365 italienische Schiffe in den Hufen Palästinas Anker geworfen. Warschau. Wie der Jüdischen Telegraphen-Agentur vom Zentralen Pulfistina-Amt in Warschau mitgeteilt wird, ist eine ungünstige "Auswirkung eines etwaigen Land un g s v c r b ot os auf die Alijah-Bcwegung nicht zu befürchten. Die auf der Strecke Konstanzn-Haifa verkehrenden polnischen und rumänischen Schiffe seien imstande, die Alijah auch aus Mitteleuropa zu bewältigen, falls dieso nicht mehr über die italienischen Häfen geleitet werden könnte. Militär - Regime in Palästina? Jerusalem. Die arabische Tageszeitung „Fclcstin" gibt der Meinung Ausdruck, daß es im Fall weiterer internationaler Verwicklungen zur Einsetzung eines Militär-Regimes in Palfistina kommen werde. Hans Sachs zum Gedächtnis Am 26. des Monats jährt sich zum ersten Male die Trauer um den Mann, dem das liberale Judentum viel zu danken hat, um dcD Theologen und Arzt Hans Sachs. Wir sind in diesem Jahr' nicht reicher an Persönlichkeiten im jüdischen Leben geworden, die uns über den schmerzlichen Verlust zu trösten verstanden hätten. Auch dio Berliner Gemeinderepräsentanz hatdie Lücke, die sich in ihrer Mitte aufgetan, noch nicht überbrücken können. Sein edles Wesen und sein gcreclites Urteil fehlen allenthalben. Das Wort Jonathans, das Sachs einst seinem Freund Joseph Lehmann nachgerufen hat, geht heute an ihn: Du wirst vermißt werden, denn Dein Platz bleibt leer. H. K. beinahe katastrophale Folgen annahm. .Wahrend die Gläubigen in der dortigen Synagoge zum Gottesdienste versammelt waren, entdeckte eine Frau, daß der Querbalken unter dem Dach Feuer gefangen hatte. Mit einem schrecklichen Schrei fiel die Frau in Ohnmacht. Die Synagogenbesucher wurden von Panik ergriffen. Alle drängten zu dem engen Ausgang, der sofort verstopft war, so daß niemand heraus konnte. In diesem Gedränge wurden 27 Personen schwer verletzt und cino getötot. Die herbeigerufene Feuerwehr konnte das durch Kurzschluß entstandene Feuer bald löschen. Dp. Heinrich Arnholds Bcifctzung Dresden". Eine unabsehbare Traucrgcmcindc gab dem früh verstorbenen führenden Mitinhaber des Bankhauses Gebr. Arnhold, Dr. Heinrich Arnhold das letzte Geleit und gab damit dem Dank für Dr; Amholds umfassendes berufliches und humanitäres Wirken Ausdruck. Die Krcmatoriumshalle konnte nicht entfernt alle Besucher fassen; viele, unter denen Bich Beamte, Wissenschaftler und Künstler von Rang befanden, hörten im Freien die Zeremonie an. Die Trauerrede hielt Rabbiner Dr. WolfV worauf sich Vertreter des Mitinliaberkreiscs, der Mitarbeiter und Angestellten sowie der dem Verstorbenen und seiner;Firma nahestehenden Werke in bewegten und bewegenden Worten ihrer Dankespflicht. entledigten: Natürlich fehlte auch dio Vertretung der Drcsdenor Religionsgcmcindo nicht. Hat doch gerade sie für sicli und ihre Institutionen außerordentlich viele Beweise jüdischen Opfersinnes von Heinrich Arnhold empfangen. Brandpanik in einer rumünifcheu Synagoge Bukarest. Aus Haiti in Nordbessarabien wird gemeldet: In der Gemeinde Marculosti ereignete sich ein Unglück, das Keine Fähnchen im Siinchas-Tora Gottesdienft Breslau, Die „Jüdische Zeitung" in Breslau meldet, daß der Brcsluuer Gemein de vorstand das Mitbringen von Fähnchen durch Kinder in den Gottesdienst am Simclias Tora verboten hübe. Ein Grund für das Verbot wird nicht angegeben. Dos Blatt Bpricht die Vermutung aus, daß das Verbot damit im Zusammenhang stehe, daß die blau-weiße Zionsfahnc von den nichtzionisliBchcix Gruppen als allgemein jüdische Fahne nicht anerkannt wird. ' Naturalisierung der Kinder von Staatenlosen Paris. Als Vertreter der Gesellschaft für Emigration und Kolonisation (Emcol) hat Herr Zwi Abcrsou anläßlich der letzten Sitzung der Executive der Ständigen , Internationalen .Konferenz für Wanderungsschutz, die in Genf beim Internationalen Arbeitsamt abgehalten wurde, einen Bericht, übor dio Frage der Naturalisierung der Kinder von Staatenlosen vorgelegt.. Auf Grund dieses Berichtes hat die Exekutive beschlossen, eine entsprechende Aktion beim Völkerbund zu unternehmen.

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