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Jüdische allgemeine Zeitung · 1935-10-09 · 41 (9.10.1935) · page 2

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
15 (1935)
Issue
41 (9.10.1935)
Date
1935-10-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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■ arideren" Grund des Sukkausfestes? Der Blick in die Natur ist nicht nur der Blick zur Erde, sondern auch zu den Sternen. Mit diesem Blick in die tiefere Welt begreifen wir das gewaltige Gleichnis der Natur, das . uns das Sukkaüsfest offenbart. "'(Vi. „Ich bin der Herr, Ich1,1 der das Licht bildet und 'die! Finsternis schafft, der den Frieden' bereitet, und das Übel schafft; Ich, der Ewige* tue dies alles." In diesen Gedanken wollen wir das Sukkausfest begehen- So ist es uns nahe. So. betrachtet, steht . unsere innere und äußere Welt mit, dem Fest in Einklang, und in ganz anderem Sinne als zu Beginn spricht der Dichter zu uns: . „O schnud'ro nicht 1 Ob auch unmerklich Der schönsto Sonnenschein verran —r . Es ist der Sommer nur, -der scheidet; Was geht denn uns Sommer an!" Die Sterne bleiben. „Konterrevolutionär" Gottlosenpropaganda in Sowjet-Rußland gegen die jüdische Religion Moskau. Die „militanten Apikorsim" entfalten anlaßlich der jadischen Feiertage eine intensive antireligiöse Propaganda unter der jüdischen Bevölkerung. Diese vktion beweist, daß der jahrelange Kampf der kommunistischen Kreise gegen die jüdische Religion es nicht vermocht hat, die Traditionstreue der zwangsweise dem neuen System eingefügten jüdischen Massen zu erschüttern. Der sogenannte Zcntralrat des auf einen verhältnismäßig kleinen Kreis LcBchränkten Gottloscnverbandes' verweist in diesen Tagen neuerlich auf scino für die Zwecke der antireligiösen" Propaganda ausgearbeiteten Thesen. Rausch haschonoh, Jaum Kippur und Sukkaus — so heißt es in diesen Thesen — dienen der. Ausbreitung und Verstärkung der nationalistischen Agitation. In der Bekanntmachung des Zcntralrats wird dann geschildert, wie die hohen 'Feiertage entstanden Beicn, die', wie es in den Thesen weiter heißt, „ausgesprochen konterrevolutionären Charakter tragen". In' den Thesen werden auch scharfe Angriffe gegen die „ausländische Bourgeoisie" und gegen die „Klerikalen" im Innern gerichtet, und es .wird gefordert, überall dafür zu agitieren, daß die, Arbeit an den i'üdischcn Feiertagen nicht unterbrochen werde. Die drei Mos- :aucr Synagogen waren zu Rausch haschonoh überfüllt. Gegenseitige Hilfe Der jüdische Frauenbund an die Hausfrau lind Mutier Der Jüdische Frauenbund hat einen Handzettel auf die Frauenplatze in den Synagogen Berlins und andoror Orte des Reiches legen lassen, in dem die jüdischen Hausfrauen und Mütter zur gegenseitigen Hilfe aufgefordert werden. Der Handzettel wird auch in den Hausfrauen-Beratungsstellen verwendet. In dem Aufruf heißt es: „Der Jüdische Frauenbund wird nichts unversucht lassen, um den Frauen auf neuen Wogen die Bewältigung ihrer Aufgaben zu ermöglichen. In seinen Ortsgruppen und Hausfrauen-Kommissionen findet die jüdische Frau Schulung und Rat; vor allem sollen gemeinsame Wege der gegenseitigen Hilfe gesucht werden. Der Ernst der Gegenwart bestimmt die Haltung der jüdischen Frau; die Verantwortung für die Jugend belobtihre Zuversicht. Die i'irdische Frau wird ihre Kraft und ihren Stolz einsetzen für die Erhaltung von Heim und Familie, für die Ehre der jüdischen Gemeinschaft." Kundgebung der Reiclisvertretim« in München Dr. Otto Hirfch und Dr. Franz Meyer über Ziel und Aufgaben der Juden in Deutschland München. In der Münch enor Hauptsynagogc sprachen vor einem sehr zahlreichen Publikum der gcscliüftsführende Vorsitzende der Reichsvertretung der deutschen Juden. Ministerialrat i. lt.'Dr. Otto Hirsch, und Dr. Franz Meyer, Mitglied des PräsidialausschusscB der Reichsvertretung, geschäfts- ,r; führender Vorsitzender der Zionistischen Vereinigung für Deutschland und Leiter des Palästina-Amtes. Zum erstenmal nach Bekanntgabe des neuen Arbeitsprogramms der Rcichs- 'l Vertretung ergriffen zwei ihrer führenden Persönlichkeiten in ■ einer Gemeindeversammlung das. Wort zu grundlegenden Aus- , führungen über „Ziel und Arbeit der Juden in Deutschland". Ministerialrat i. R. Dr. Hirsch forderte die Selbstzucht eines J'eden Juden in Deutschland zur Erhaltung der Gemeinschaft, ir begründete den Anspruch der RcicnBvcrtrctung als legitime Vertretung der Juden nach innen und außen. Die Arbeit für unsero Jugend, so sagte Dr. Hirsch, ist der Ausgangspunkt unserer Tätigkeit. Deshalb gilt unsore besondere Sorge den Schulen, die bewußt jüdisch zu gestalten sind. Dio Umschichtung zur Landwirtschaft und zum Handwerk, die Lebensmö g 1 i ch k e i ten für Auswandernde sichern kann, wird vorwürtsgetrieben; das Hebräische nicht nur im Hinblick auf Palästina kraftvoll gefördert. Dio Sicherung des Lebensraumes der noch Erwerbstätigen ist die zweite Aufgabe. Wir haben alle unsere noch bestehenden Wirtschaftspositionen zu sichern, weil eine verarmte Gemeinschaft nie in der Lage wäre, die vielfachen ungeheuren Probleme der Stunde zu bewältigen. Unser ganzer Opfersinn wird auch dem noch zu schaffenden jüdischen Winterhilfswerk 1935/36 zuzuwenden sein, damit unsere Ärmsten in diesen schweren Tagen bestehen können. Der Aufbau Palästinas, in den sich Beit 1933 mehr als ' 25 000 Juden "aus Deutschland eingeordnet haben, stellt nicht nur wegen der Auswanderungsmögliclikeit ein Lichtblick dar. Auch Kraft und Hoffnung vermag uns dieses jüdische Lebenszentrum zu spenden. Dio Reichsvertretung warne dringend vor privater wilder Auswanderung. Sie bemüht sich im Einvernehmen mit zuständigen Stellen unablässig, neue Möglichkeiten einer geordneten Auswanderung zu schaffen und fordert auch liier eine Besinnimg auf die Gemeinschaft. Dr. Hirsch schloß mit einem Appell an dio Juden sich von aller Eigensucht abzuwenden, Bich auf die geistigen Kräfte in und über uns zu besinnen und Opfcrbcrcitschaft und Brüderlichkeit für die jüdische Gemeinschaft zu zeigen. Dr.> Franz Meyer wies an eindrucksvollem Zahlenmaterial dar, welche Gefahren für den einzelnen und für die Gesamtheit eine ungeregelte Masscnauswanderung mit sich bringt. Heute gilt es, so sagte Dr. Meyer, das neue Gemeinschaftsleben mit echtem und lebendigem jüdischen Gut zu erfüllen. Weil unsere Lebcnsgrundlage so völlig ins Wanken geriet, müsso der Zusammenhang mit dem Aufbau Erez Israels gefestigt. werden. Dazu muß auch der jüdischen Kultur und Sprache eine Renaissance bereitet werden. Die sämtlichen Gruppen des deutschen Judentums müssen zusammenwachsen in der Arbeit an den konkreten Aufgaben und damit ihre überholten Gruppenideologien überwinden. Damit wird, so . schloß Dr. Meyer, jüdische Gemeinschaftsarbeit neue Werterfüllung gewinnen. Oberstlandesgerichtsrat: Dr. Alfred Ncumeycr, der Präsident des Verbandes i Bayerischer Israelitischer Gemeinden und Vorsitzende, der Münchener Gemeinde, dankte den Rednern in herzlichen Worten und versicherte sie des größten Vertrauens in die Leitung und JFührung der Reichsvertretung. Gerade im Süden des Reicheswerde schon seit Jahren dor Geist gemein, sehaft1icher j üdis cher' Wi 11 e nsb iIdün g praktisch betätigt. So finden die Forderungen der ReichBvertrctung hier besonderes Verständnis. Mit eindrucksvollen Worten rief Dr. Neumeyer die Gemeindemitglieder zu neuer Kraft, neuem Hoffen und Wollen auf. Tätigkeit des Auswanderer- Hilfskomitees in Belgien beendet Brüssel. Das AuswandererhilfBkomitee in Belgien veröffentlicht über seine nunmehr beendete Tätigkeit einen von seinem Präsidenten Max Gottschalk unterzeichneten Bericht, in dem festgestellt wird, daß 2626 Personen, davon 1207 Personen deutscher Staatsangehörigkeit, Unterstützung gewährt wurdo. Einschließlich derjenigen, die nur dio Boratung durch das Komitee öder Hilfe bei der Regelung von Paßangclcgcnhciten in Anspruch nahmen, wurde über 3000 Menschen Hilfe geloistet. 1 835 655 Francs wurden für dieses Hilfswerk aufgebracht. 559 Auswanderer wurden in Frankreich, 226 in Brasilien, 135 in Holland, 76 in Palästina, 75 in Luxemburg, 24 in Spanien, 20 in England, 9 in Argentinien und' 35 in anderen Ländern untergebracht. In Belgien selbst konnten sich 75 Auswanderer niederlassen. 386 Auswanderer wurden in ihre Herkunftsländer zurückgebracht. Der Staatsangehörigkeit nach waren von den Bcfürsorgten 1207 (46o/0) Deutscho, 679 Polen, 594 Staatenlose, 27 Österreicher, 26 Rumänen, 24 Tschechoslowakcn, 19 Ungarn, die übrigen Angehörige anderer Staaten. Zum Schluß des Berichtes wird der Hoffnung auf endgültige Regelung des Auswandcrerproblems . durch den Völkerbund Ausdruck gegeben; ihm nicht zu erhalten Bei; dio Nahrung werfe man ihm durch ein Loch hinein. Da seit dem 31. Juli die Räuber nichts von sich hören.ließen, wird angenommen, daß Leonson nicht mehr am Loben ist. Opfer von Menfidhenräiibern Charbin. In den letzten Jahren ist es oft vorgekommen, daß in Charbin vormögende Juden von Banditen, meist Angehörigen der russischen Schwarzen Hundert, die mit chinesischen Räubern zusammenarbeiten, entführt wurden. Nur wenige konnten durch hohe Lösegclder aus den Händen der Räuber befreit werden, die moisten wurden auf grauenvolle Weise umgebracht. \ Im Juli d. J. wurde dor Charbiner jüdische Kaufmann M. Leonson von Banditen entführt. .Seine Frau bot ein Lösegeld in Höhe von 5000 Dollar an, forderte aber, einen Brief von ihrem Mann ab Zeichen dafür, daß er noch lebt. Der Agent der Räuber erklärte, Leonson sei „eingemauert", so daß ein Brief von Polizeiliche Meldung und Reichsfluchtfteuer Das „Reichssteuerblatt" veröffentlicht eine neue wichtige Entscheidung des Reichsfinanzhofes zur Fluchtstcuerfrage, dio besonders bei der Beurteilung der Frage des inländischen Wohnsitzes von Wichtigkeit, ist. .Der § 7 des Rcichsfluchtstcuergesctz läßt eine bereits/ entstandene Reichsfluchtstcuerpflicht wegfallen, wenn der Steuerpflichtige nachweist, daß er wieder einen Wohnsitz im Inland begründet hat. Diesen Nachweis kann er z. B. dadurch führen, daß er eine polizeiliche Bescheinigung über die Wiederanmeldung eines inländischen Wohnsitzes vorlegt. In dem zur Verhandlung stehenden Falle hatte ein Steuerpflichtiger seine Wohnung im September 1933 aufgegeben und war ins Ausland gegongen. Er hatte sich aber nicht für dauernd, sondern nur i.auf Reisen" abgemeldet. Der Rcichsfinanzhof hat ihn aber trotzdem für steuerpflichtig erklärt. In der Begründung heißt es, daß die Befreiung Von der Reichsfluchtsteuer im vorliegenden Falle nicht gewährt werden könne, weil der Betreffende seine ihm im Auslände obliegenden Geschäfte auch ohne Aufgabe des inländischen Wohnsitzes habe wahrnehmen können. Ihm wurde nicht zum Schaden angerechnet, daß er im Ausland einen Wohnsitz begründet hatte. Steuerpflichtig ist er nach Ansicht dcB Reichsfinanzhofs geworden, weil er seine Wohnverhältnisse im Inland nicht so gostaltct hat, daß ein zweiter Wohnsitz im Inland anerkannt werden könnte. Bei der Eigenart der Tätigkeit deB Betreffenden ^— er War selbständiger Handelsvertreter — wären dabei zwei Wohnsitze nichts Auffallendes gewesen. Die Richtigkeit oder Unrichtigkeit der polizeilichen Abmeldung ist dabei ohne Bedeutung; es kommt nicht darauf an, ob er dor Polizei gegenüber Meldungen oder zutreffende Meldungen erstattet hat. 7RFH III A 142/35.) . ■ Aus den Gemeinden Dortmund. Die hiesige Ortsgruppe der Vereinigung für das rcligiös-liboralc Judentum beabsichtigt, nach den Feiertagen an einem noch zu bestimmenden Abend jeder Woche eine ArDcitsgcmcinschaft durchzuführen. Es ist aaran gedacht, an Hand von Dokumenten, Briefen und Aufsätzen die bedanken des vorigen Jahrhunderts über jüdische Frömmigkeit darzulegen undsauf diese Weise über das religiöse Gemeinschaftsleben Aufklärung zu geben. Für dio Leitung dieses Zirkels sind die Herren Dr. Appel und Lehrer N u IS b a u m vorgesehen. Die Ortsgruppe hatte mit der Veranstaltung ihrer ersten Feierstunde einen schönen iirfolg. Der Gottesdienst war gut besucht und übte offensichtlich einen tiefen Eindruck auf die andächtige Zuhörerschaft aus. Im Mittelpunkt der Feier stand dio Predigt des Rabbiners Dr. Kronhcim-ßiclofcld, der von der gegenwärtigen Lage, in dor die Juden sich befinden, ausgehend die Forderung aufstellte, daß dos religiöse Leben des Judentums noch stärker gepflegt und insbesondere auf sozialem Gebiet« ein Btarkcs Gemeinschaftsgefühl wachgerufen werde. Er mahnte dringend an Tcschuwoh, ah Rückkehr zu unserer Religion und ihren Worten. Rabbiner Dr. Appel las. verschiedene Schriftstcllen' aus dem Propheten Jesaia. Oer Chor umrahmte unter Leitung des Herrn Erich Horn die Feier mit zwei Psalmen in formvollendeter Darbietung .Die stark besuchte und gut aufgenommene Veranstaltung darf der hiesigen Ortsgruppe der Anlaß sein, des öfteren mit, einer solchen Feier die Gemeinde zu erheben und religiös anzuregen. Hamburg. Der Tempel-Verband veranstaltet, wie in früheren Jahren, auch im Winterhalbjahr 1935-36 einen Vortrags- Zyklus. Als Redner sind Rabbiner Dr. Italiener, Hamburg, Rabbiner Dr. Baeck und Rabbiner Dr. Wiener, Berlin, vorgesehen. Ferner werden Arbeitsgemeinschaften gebildet, in denen Rabbiner Dr. Italiener, Rabbiner Dr. Jacob, Oberkantor Kornitzer, Rabbiner Dr. Norden und Oberlehrer Dr. Vcis sprechen worden.; Der Kultus-Verband „Neue D amm tho r - Sy na go ge" begeht am zweiten Sukkaustage die Feier des 40jährigen Bestehens seines Gotteshauses. An einem .vom Kulturbund veranstalteten. Klavierabend des Pianisten Bernhard Abramowitsch, lernte man den Künstler auch als glänzenden Interpreten zeitgenössischer Kompositionen kennen. Es wurden Werke von Debussy, Skrjabin, Scliönberg, Kolinski, Katz, Prokofieff und Toch zu' Gehör gebrächt. Das bcseelto Spiel, die vollendete Technik erweckten Stürmo der Begeisterung. Ein großer Erfolg war auch ein Liederabend der von ihrer langjährigen Tätigkeit am hiesigen Stadt-Theater noch im besten Andenken stehenden Altistin Sabine Kalter, die Lieder von Schubert, Brahms und Hugo Wolff sang. E. F. Mannheim. Die hiesige J ü dis ch-Ii b o r a 1 o Vereinigung hielt einen Vortragsabend ab mit dem Thema: „Die 17. Synodalsitzung und die Haager Konferenz". Der zweite Vorsitzende, Herr Jos. Er langer, gab ein Bild von der neuen Synode, dio 18 Liberale und 16 Orthodoxe umfaßt, während Bich der Oberrat aus 4 Liberalen und 4 Orthodoxen zusammensetzt. Nach Justizrat Dr. Appel, der über den Verlauf der 17. Synodalsitzung referierte, sprach der Vorsitzendo dor liberalen Vereinigung Prof. Dr. Billigheimer zunächst über das dem Oborrat ab Antrag von orthodoxer und zionistischer Seite eingerichtete Memorandum über den Ausbau dor jüdischen Schule, Beschickung der Lehrer für ihre Ausbildung nach Palästina usw. Professor Billigheimer führte u—a. aus, wie befremdet man gewesen sei, daß in einer Einhcitsgcmeindc wie Mannheim dies Memorandum ohne vorherige Verständigung mit den Liberalen eingereicht wurde, die ja einen großen Teil dieser Forderungen ebenfalls anstreben. Hierauf referierte Prof. Billigheimer über die Hooger Konferenz. An dio Referate schloß sich eine lebhafte Diskussion. Am 24. September konnte eines der ältesten Mitglieder der hiesigen religiös-liberalen Vereinigung, Herr Synagogenrat Heinrich Freiberg, seinen 70. Geburtstag begehen. Seit'. 1908 gehört er der Gemeindevertretung und der Kultuskommission an und seit zehn Jahren dem Synagogenrat. Herr Freiberg ist außerdem Vorsitzender der Friedhofskommission und war besonders in der sozialen Arbeit der Loge tätig. Seine Initiative galt lange Zeit der der hervorragenden Einrichtung der Kinderstube wie des Kinderhortes. Die Tiiesige religiös-liberale Vereinigung ernannt») Heinrich Freiberg ab „hochgeschätzten, zeitoffenen Vorkämpfer des religiösen Liberalismus' 'an seinem Ehrentage zu ihrem Ehrenmitglied. —nn. München. Vor den Münchner Jugendbünden hielt im gemeindlichen Sitzungssaal Dr. Eduard Strauß einen Bibel-Kurs. Vorausgegangen war ein Oneg-Schabbat, an demab Hörer wie auch als Mitwirkende einer Singgruppe die Angehörigen^ aller Bünde teilnahmen. Dr. Josef Marschütz entbot im Namen des Gemeindevorstands Dr. Strauß herzlichen Willkomm, an den er auch Dankesworte für Hans Lamm knüpfte, der dio Kurse angeregt und durchgeführt hatte. Der zweitägige Bibclkurs von Dr. Strauß forderte von seinen Hörern keinerlei Vorkenntnisse oder sogen. „Einstellungen"; vielmehr verlangte er allein dio ehrliche und tiefgehende Auseinandersetzung mit dem bloßen Wort der Heiligen Schrift. Die Hörer folgten dem ebenso anregenden wie fesselnden Vortrag mit angespanntem Interesse. Der Kurs, der die Möglichkeit überbündischen gemeinsamen Lernens trefflich erwies, fand begeisterten Anklang. \ Plauen. Der „KunstauBschuß" (Mitglied des Reichsverbandes der Jüdischen Kulturbünde) öröffnete seine diesjährige Tätigkeit. Obwohl die Mitg^liederzahl unserer Gemeinde immer mehr zusammenschmilzt, ist, im Vergleich zu dor vorhandenen Seelcnzahl, ein erheblicher Teil der Gemeinde auch Mitglied im Kunstausschuß geworden. So waren es immerhin über 100 Personen, die zum Eröffnungsabend den Gemeindesaal füllten und den Darbietungen von Frau Edith Herrnstadt-Dttingen mit größter Aufmerksamkeit und Aufnahmefähigkeit folgten: Die von innen kommende und also auch zu Herzen gehende Vortragskunst von Frau Hcrrnstadt-Öttingen ist hier schon so oft in warmen Worten gepriesen worden, daß wir uns darauf beschränken können, uns ihnen restlos anzuschließen. Keine jüdischen Notare mehr? Die Ita meldet: Berliner jüdischen Notaren ist eine Vorfügung des ihnen vorgesetzten Landgerichtspräsidcntcn zugegangen, in dor mitgeteilt wird, daß ihnen wie sämtlichen volljüdischcn Notaren auf Anordnung dcB Rciclismnüsters der Justiz mit sofortiger Wirkung dio Ausübung ihres Amtes untersagt wird. Innerhalb einer Woche sind die mit dem Amtsgebrauch in Zusammenhang stehenden Utensilien, wie Siegel, Urkundenregister usw. an das zuständige Amtsgericht abzuliefern. Eine Erläuterung zum Flaggengefetz In einer amtlichen Mitteilung wird unter Bezugnahme auf die Anordnung des Roichsministcrs des Innern, daß sämtliche öffentlichen Gebäude des Reiches, der Länder und dor Körperschaften des öffentlichen Rechts künftig allein mit der Hakenkreuzflaggo flaggen und daß von ihnen dio Flagge Schwarz-Weiß-Rot sowie dio flaggen der Länder und Provirizialvcrbände nicht mehr zu zeigen sind, der Erwartung Ausdruck gegeben, daß sich die Bevölkerung diesem Vorgehen anschließt und nur noch die Hakcnkreuzflaggo, dio durch das Reichsflaggcngcsctz vom 15. September 1935 zur alleinigen RcicIiB- und Nationalflagge bestimmt worden ist, zeigt. Das Zeigen der Bchwarz-wciß-rotcn Flagge Bei nur für Juden verboten.

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