Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 15 (1935)
- Issue
- 40 (2.10.1935)
- Date
- 1935-10-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Pferdes anihm vorbeirastc, obschbn er'schwor bepackt war, und-', sprach: „Mein Freund, was. eilst du so mit dieser Last; so du es auf Geheiß eines strengen' Herrn tust, dann will ich dich loskaufen, wenn dich, .deine Armut dazu zwingt, dann will ich sie lindorn." —' „Keines von beiden" erwiderte der unheimliche Geselle, .„ich bin tot; im Leben war ich ein unbarmherziger- Stcucrpiichtor, und ■ muß nun zur Strafe tagtäglich meinen Scheiterhaufen bauen. Laß mich, daß ich mich nicht verspäte- und gemartert .werdeI" „Geholfen könnte mir nur dadurch worden", erwiderte er. auf* Akibaa entsprechende Frage, daß mein Sohn ein Frommer wird, aber meine Witwo wird ihn nicht dazu anhalten." Da begab sich Akiba zu dem Sohn, der völlig' verwildert war, und erzog ihn-unter Fasten und Kasteiung Tag für Tag, auf daß er ein guter Jude würde, und seine Mühsal war so groß, daß j vom Himmel eine Stimme fragte: „Aldba, was kümmerst du dich'so mit dem Knaben?" Und Aldba erwiderte stolz und doch demütig: „Weil diese Arbeit mich freut". An dem Tag, da des Verdammten j Sohn zum' erstenmal im Hauso des Herrn zur Tora aufgerufen war, erschien die nun gerettete Seele seines Vaters Und dankte Tl. Akiba für ihre Errettung. Aldba war nicht nur stiller Gelehrter; Die Sache des Volkes war seine Sache, und or bekannte siäh mit seiner ganzen Person zu Bar-Kochba und dessen Aufstand. Als am Q. Aw 135 Botar fiel und damit Bar-Kochbas Versuch zusammengebrochen war, hatte sich uueh das Schicksal seines Freundes Aldba besiegelt.. Er .wurde gefangengesetzt und mußte — der Tradition nach am Jaüm-Kippur-Tap darauf—: einen furchtbaren Foltortod erdulden* Auch als er schon im Kerker weilte, mußte das Volk nicht auf seine Ratschlage verzichten: als Handwerker verkleidet, begaben sich dio Gelehrten vor sein Fenster und riefen ihm Fragen zu, so daß die Römer meinten, Krämer oder' Scherenschleifer würden ihre Ware anpreisen. Die Vorschriften der Lehre respektierte Aldba auch in der Gefangenschaft aufs peinlichste, und als ihn einer erstaunt fragte, wieso er das /Wenige Wasser, daB ihm vergönnt wurde, nicht zur Labung benütze,' sondern zur rituellen Waschung, erwiderte Akiba: „Besser ich . verschmachte nach dem Naß, als die Tora nach mirl" Freilich, Akiba hatte seine Gefangensetzung vielleicht durch eigeno Uncrschrockcnhcit mit verschuldet. Als er, römischem' . Verbot zuwider, seiner. Pflicht zu lehren einst auf dem Markt nachgekommen war und gewarnt wurde, erwiderte er nur: „Wenn sich Fische im Wasser vor dem Verfolger fürchten und man nimmt sie aus ihrem Lebensolement ans Land, dann ist ihr Tod. fewiß. Soll ich an Israels Bestand glauben, wenn man es der 'ora, seinem Lcbcnsclcmcnt, entzieht?" Mit einer Standhaftigkeit, dio selbstdio herzlosen römischen Folterknechte erstaunen machte, ertrug er die Todesqualen, als ihm mit eisernen Striogeln die Haut vom Leib gerissen wurde, und ■ auf ihre Frage, ob er denn ein Zauberer sei, antwqrtetc der geduldig lächelnde Weise: „Nein, aber ich bin froh, nun dem Herrn auch mit dem Leben dienen zu können, nachdem ich es bisher nur mit meinen Kräften und meinem Vermögen durfte," Nach dem Heimgang Akibas soll bei R. Josua ein Frcmdor erschienen sein und ihn aufgefordert haben, mit ihm des Lehrers Leichnam beizusetzen. Das Gefängnis trafen beide offen aii, der Fremde nahm dio Leiche auf seine Schulter, und wortlos bestattete er Akiba bei Aritifras, wo sich vor dem erstaunenden Rabbi Josua. plötzlich eine Höhle geöffnet hatte. Nach der heiligen1-Handlung verließen beide den Ort, und dio Höhle, in der sich noch-vorher von selbst eine Kerze entzündet hatte, schloß sich. wiederum. Da fragte der Rabbi den Fremden: „Du nanntest dich-Priestcr, wio konntest du dich an einem Toten verunreinigen?" Da ward ihm vom Propheten Elia, dor dieser plötzlich wieder Verschwindcndo Fremde war, zur Antwort: „Schweig still, dieser war ein Heiliger und kein zweiter ist neben fluni" ■ < \;. Rabbi Aldba, der große Lehrer, dor sich so spät aus dem Volk erhob, wurde ihm Vorbild und Führer. In Dankbarkeit _ hat darum die Nachwelt in die abenteuerliche Reihe der Geschehnisse seiner Laufbahn eine bunte Reihe von Legenden hineingef lochten und damit das Bild eines Mannes geschaffen, der zu den Größten in Israel für alle Zeiten gehört. Pfychoanalyfe Einejaumkippurdeutung. Von Dr. MAX ORUNWALD Mit manchen vermeintlichen Fortschritten dor Wissenschaft geht es uns Juden wie jenem Glasschleifer, der in Anwandlung cinor Laune. einen Glnsschorben mit Anwendung' aller seiner Kunst schliff, so daß or einem Edelstein zum Verwechseln ähnlich sah. Er verschenkte ihn, und der angebliche Edelstein _ kam in dio Schatzkammer des Königs. Als der Glasschleifer einmal in dio Hauptstadt kam und seinen „Edelstein", als Glanz- und Paradcstück ausgestellt fand, lachte er-über den Erfolg seines Scherzes, Der König' ließ ihn kommen und sprach zu ihm: „Die Weisen meines'Rates erklärten dieses Stück für den kostbarsten.Edelstein. Gelingt es Dir nicht, das Gegenteil zu beweisen, bo . sollst Du.es mit Deinem Kopfe büßen." >Dcr Glasschleifer ließ einen Hammer kommen, und'mit einem Schlage war der „Edelstein" in feinsto Splitter zerstoben. So geht es uns besonders mit Wissenschaftlern, die, mit den Lorbeeren auf . ihrem eigensten Gebiete nicht zufrieden, sich auch' mit jüdischen Gegenständen befassen und auf diesem Felde, da» für sie dann freilich kein Fold dor Ehre wird, Entdeckungen zu machen glauben, dio man belächeln möchte, wenn sie nicht oft das größte Unheil Btiften würden. Das erste bcBte jüdische Schulkind könnto diese Theorien in ein Nichts auflösen, wie der Glasschleifer, mit einem Hammerschlag des Königs Besitzerstolz als Illusion, den „Edelstein" als Schwindel erwies. . Hingegen gibt es Wissenschaften, die jüdischem Denken und Leben so nahe stehen, daß ein solcher Hinweis genügt, um diese Beziehungen aufleuchten zu lassen. So ist die .Mcthodo des Jauni Kippur durchaus dio der Psychoanalyse. „Sich läutern vor dem Vater im Himmel", rückhaltlos vor dem Arzt, der allein Heilung bringt, alle Falten des Herzens lüften, um sich von dem seelischen Druck des Schuldbewußtseins zu befreien, das ist Forderung dos Jaum Kippur; Voraussetzung ist' der jüdische Leitsatz: „Wen Unglück trifft (jefaschpesch bemaassow), der untersuche vor allem seinen Handel und Wandel." Unglück kommt von Gott, und Gott Sendet es nur zu unserer Läuterung. Wovon also haben wir ' uns zu läutern? Der Psychonalytiker forscht den Patienten, bis in das geheimste Seelenleben im Wachen wie im Träumen aus. Dor Jaum Kippur läßt uns dio longo Ilciho des „AI chet"-RegiBterB ^aufsagen. Darunter Vergehen, an die so mancher nicht einmal gedacht hat, und deren er sich gar nicht fähig glaubt. Gewiß nicht im wachen Zustand. Aber prüfen wir unsere Traume 1 Welche Ungeheuerlichkeiten reimen sich da zusammen I Wie manches Angstgefühl kommt da-zur Oeltung, das, unter der Schwelle'unseres Bewußtseins schlummernd, Komplexe auslöst, - die uns seelisch belaßten und unseren Willen nutbestimmen. . Das einzige Heilmittel, das der Jaum Kippur verschreibt, ist „Tcschuwoh", Umkehr. Wer sich im Walde verirrt hat, muß Schritt für Schritt zurückgehen, bis er wieder an. der Stelle steht, an .der er vom rechten Weg gewichen ist. So wio es Hiob schon, geraten wird, sein Tun zu prüfen und in der Durchmusterung seiner Vergangenheit nicht eher Halt zu machen, als bis er die Quelle seines Unglücks an einer Stelle findet, wo: or von Gottes Wege und. dem Vorbilde seiner Mutter abgewichen ist. Mutter und Sohn, Sara und Isaak, Ch'anna- und Samuel, Mutter Rahel und ihre Kinder, Hagar und Ismacl stehen am Eingang zum neuen Jahre. Das Band zwischen Kindern und Mutter wieder herstellen, Jicißt den seelischen Defekt lindern, wenn nicht beheben. . | /,". . . Ah Beispielen aus der Literatur wio aus der rabbinischen Praxis ist kein Mangel. Hat auch Hiob seinen Freunden gegenüber metaphysisch und ethisch damit' recht, daß wir der Vorsehung nicht in die Karten blicken können lind nicht den Maßstab unserer Kausalitütskombinationen und Sühncbcdttrmisso auf Gottes Weltleitung anwenden dürfen, und ist auch der Glaube,, daß der Jaum Kippur,: richtig gehalten* uns tiottes Verzeihung erwirken kann,, rehgiösor Besitz des Juden geworden — psychologisch verständlich bleibt, daß sittliche Vergehen jemals aus dem Blickpunkt des religiösen Juden schwinden könnten. Unschätzbar bleibt jedenfalls der Jaum Kippur als Psychoanalytiker, dor einmal im Jahre die Seele des Juden gründlich von psychischen Hemmungen reinigen will. Das Elternhaus als Berufsftätte Von LOTTE SCHÖNHEIM Max Reinhardt als Filmregiffeur Nach mancherlei mißglückten Filmversuchen hat Max Reinhardt im Auftrag der Warner Brothers Shakespeares „Sommerrtachtstraüm" inszeniert; Der Film, dor mit großen Mitteln hergestellt wurde, wird am 9. Oktober in Amerika seine Welturaufführung erleben. Wie ausländische Zeitungen berichten, wurden für den Film mechanische und Trick-Einrichtungen ersonnen, wie sie nie zuvor in Hollywood in Anwendung gebracht wurden. So wurden für gespenstischo Nachtcrscheinungcn Maakcn aus (»ummi verwendet, ein Waldabhang wurdo gebaut, der aus dem Atelier hinaus ins Freie führt usw. Bei der Auswahl der Darsteller hat Bich Reinhardt fast ausschließlich an d\o bei Warners fest verpflichteten Kräfte halten müssen. Es wirken u. a. mit: James Cagney, Dick Powell, Joe B. Brown, Jean Muir, Hugh Herbert, Frank, McHugh. Das Winterprogramm des Jädifcken Kulturbunds Oberfchlefien Gleiwitz. Der dem Rcichsverband der jüdischen Kunurbündo angegliederte „Jüdischo Kulturbund' Oberschlesicn" ist dem langjährigen Direktor der " Wiener Volksopcr und Opernsänger Hermann Frischler in der Geschäftsführung und künstlerischen Leitung übertragen worden. Das Programm stellt folgende Aufführungen, in Aussicht: Oper: „Borbier von Sevilla", „La Traviata"; Operette: „Der Zigcunerbaron", „Katja, dio . Tänzerin"; Schauspiel: „Eino plttcklicho Ehe" von Nansen, „Zinsen" von Shaw, „Komödio der Irrungen" von Shakespearo und „Spiel im Schloß" von Molnar. Ferner sind vorgesehen: Liederabende, ein Tanzabend und ein i Kammermusikabend. Zudem sind als Sonderveranstaltungen in Aussicht genommen: wissenschaftliche Vorträgo und Kurse, einheimische Chor- und Orchcatcrkonzorte, Kindervorstellungen, jüdische Sängerknaben. . ■ ■ . ' Als Dirigent für Opern und Oporcttcn sowie als Begleiter für dio Iicdernbeiido konnto Generalmusikdirektor. Prof; Julius ) Prüwcr (früher Stadtfhcater Breslau) gewonnen worden.' Das ein-?' heimische Orchester (Berufsmusiker) wird sich aua etwa 25 Mann zusammensetzen. Es worden die Städte Bcuthcn, Gleiwitz, Hiridcnburg, Oppeln .und Ratibor bcspiolt. Dio Räumlichkeiten der betreffenden Studttheater wurden für diesen Zweck zur Vorfügung pesteilt. . ' - Die Beruf6frn^e der heranwachsenden jüdischen Töchter ist heute ein schwierigeres Problem als je zuvor. Denn bei der Berufswahl des jungen Mädels gilt es nicht mehr nur die Frage aufzuwerfen: „Was soll unsere Tochter werden?" — sondern leider lautet für uns heute dio Fassung der Frage: „Was kann unsere Tochter worden?" Die eine Löäung heißt Palästina; Die andprq: Wahl unter den wenigen Möglichkeiten, die den jüdischen' jungen Mädchen liier gelassen sind. Viele — insbesondere geistige Berufe sind gänzlich fortgefallen. Kaufmännische, handwerkliche und' hauswirtscbaftlicho Stellungen sind nur in beschränktem Maße verfügbar. Folglich wird die Tochter wieder wio früher an ein Verbleiben im Elternhaus verwiesen. Sie bleibt im Elternhaus wie früher — aber anders als 'früher I- Sie ist nicht etwa wieder das staubputzendo und Etüden . übendo höhere Töchtcrlein, das zwischen den kirschfarbenen Samtscsseln des eltorlichen Salons der Erlösung durch den Mann harrt. Die Tochter im Hause, darf und soll sich zu den Berufstätigen irechnen. Natürlich muß sie ihren Pflichtenkreis' dann aber auch als Beruf ansehen. Und —: er muß von den Eltern ebenfalls als Beruf angesehen werden! Es ist nicht ohnd Grund der Fall, daß viele junge Mädchen lieber zu Fremden in Stellung gehen, als ira mütterlichen Haushalt oder im väterlichen Geschäft zu arbeiten. Wer ist nun an diesem häufig unerquicklichen Arbeitsverhältnis schuld — die Eltern oder die Tochter? Meistens beide. Und zwar kommen die Mißständo und Schwierigkeiten hier gcrado dadurch, daß man sich zu gut kennt! /Von beiden Seiten wird aufeinander woniger Rücksicht genommen als aul "Fremde — es fehlt der gewisse und notwendige sachliche/ Abstand — beide Teile lassen sich zu(sehr gehen. ' Die Muttor betrachtet ihre Tochter als Hilfskraft im Haushalt oft voller Vorurteile. Es ist .eine bekannte Tatsslchc, daß fast jede Mutter in der Küche der Tochter gegenüber viel weniger Geduld und Nachsicht hat als oinor fremden Hilfskraft gegenüber, die anzulernen ist. Die Mutter muß aber auch der Tochter gegenüber eine gerechte Lehrmeisterin sein. Es ist ganz selbstverständlich, daß dem Anfänger hin und wieder auch einmal etwas mißlingt. In solchen Fällen nimmt sich eine Muttor der Tochter gegenüber viel weniger zusammen als der fremden Kochloinenden; so daß dem Mädel dio Lust zum Wcitcrschafferj vorgehen, muß. Ein anderer Hauptfehler dieser Mütterist es, daß Bie sich nicht von dor Bevormundung ihrer Tochter freimachen können. Sobald dio Kenntnisse ausreichen, muß' der im Haushalt tütigen Tochter selbständiges Arbeiten zugebilligt, worden. Für ihre Tätigkeit im Haushalt sollte der Tochter ,unbedingt ein angemessenes Gehalt gewährt werden. Durch ihr Wirken im Haushalt ist es ihr ja unmöglich gemacht, sich auf andere Weise Geld zu verdienen! Und cb ist gewiß für keinen Menschen angenehm, immer wirtschaftlich abhängig zu bleiben! Wenn dio Tochter im vütcrlichcnGcschäft tätig ist, wird die Gehaltstage ja zumeist korrektv gehandhabt. Aber auch hier wimmelt es von Mißständen. Entweder werden der Tochter die Zügel zu locker gelassen, so daß sie als „Tochter des Chefs" eine ebenso unberechtigte wie pädagogisch ganz falsche Sonderstellung inne hat — oder aber' die Sonderstellung besteht umgekehrt darin, daß von der Tochter . unverhältnismäßig mehr als von jeder anderen Angestellten verlangt wird! Es ist ebenso falsch, von seiner Tocljter dauernd Überstundenarbeit zu fordern, wie es falsch ist, dem Fräulein Tochter zuzubilligen, daß es ins Büro kommt, wann es ihm beliebt,, dort Besuche empfängt und die Freundinnen alle der Reihe nach antolcphoniert. Der berüchtigte töchterlicho Ausspruch: „Ich habe es nicht nötig 1" ist zwar heute' zum Glück wohl fast vollständig verklungen. Tochter des Chefs zu sein, heißt nicht weniger, sondern im Gegenteil mehr Verpflichtungen zu haben 1 Von der Tochter des Chefs muß man ein besonders ausgeprägtes Verantwortungsgefühl verlangen. Sie muß sich derselben Disziplin unterwerfen wie das übrige Personal. Auch sie muß die übernommene Pflicht fanz erfüllen und ihren Arbeitsplatz' ganz ausfüllen. Andererseits ommen ihr ober auch dieselben Vergünstigungen wie den fremden Arbeitskollegen zu — wie eine geregelte Freizeit und Anerkennung ihrer Erfolge. Bei einem angenehmen Arbeitsverhältnis zwischen Eltern und Tochter überbrückt gerade diese Zusammenarbeit violq Gegensätze, die sich unvermeidlich immer wiedor zwischen den beiden Generationen auftun. Der erweiterte Kreis gemeinsamer Interessen führt zu einem innigeren Verständnis zwischen Eltern und Tochter, Und wob die Hauptsache bleibt: Den. jüdischen: Mädels ist die Borufsstättc wieder auf getan, die zwar natürlicherweise am nächsten liegt; dio, ober durch eino jahrzehntelang« Verzerrung von beiden Seiten in Mißkredit gerateil war. Das Elternhaus bleibt die Berufsstätte, dio niemand dem jüdischen Mädel nolunen kann. Die Schulabteilung der Reichsvertrctuiig der Juden in Deutschland veranstaltet, wie bereits angekündigt, in Gemeinschaft ,mit anderen jüdischen Stellen, insbesondere der Gemeinde Leipzig, eine Arbeitstagung für die jüdischen Lehrer Sachsens sowie der östlichen - Provinzen Preußens. Für die Tagung sind folgende Veranstaltungen .vorgesehen': Dir. Ad 1 o r-Stuttgart: Thema aus dem Bereich des Musikunterrichts, Prof. Bondy : Arbeitsgemeinschaft über ein pädagogisches Thema, Prof. Dr. Martin Buber: Arbeitsgemeinschaft über ein biblisches Thema, Stud.-Rat Dr. Losch nitzer : Das Erziehungsziel der ' jüdischen Schule im Hinblick auf' die künftige Berufsgliederung des deutschen Judentums, Dr. Franz Meyer : Ein Thema zur Palästinakunde, Dr. Stern: Der Deutschunterricht in der jüdischen ßchule, Dr. Woskin-Nahartabi; Methodik des hebräischen Sprachunterrichts. DIE BIBEL ERZÄHLT Der Wocjienabschnitt Haasinu enthält das Lied, Mosis von Gottes Gerechtigkeit und Liebe; Der Ewige hat sein Volk in der Wüste gefunden, es behütet und geleitet und ihm. ein fruchtbares Land geschenkt. Im Glück seines Lebens aber vergaß Israel den Ewigen, der es geschaffen, und wandte sich fremden Göttern zu. Da strafte Gott es in Beinern Zörn, doch seine Gnade\ ist stärker als sein Eifer. Er erbarmt sich seines Volkes und übt Vergeltung an den Feinden. Mose liest dieses Lied dem Volke vor. Dann befiehlt ihm Gott, auf den Berg Ncbo zu steigen. Dort soll er sterben. Vom Gipfel aus soll, er Kanaan sehen, doch betreten, darf er es nicht. O Mosis seherischer Blick dringt in die Zukunft seines Volkes, i Er weiß, wie undankbar es sich im Glüqk gegen Gott verhalten wird. Was. Mose vorausgesagt hat, hat sich erfüllt. Zeiten der Ruhe und Sorglosigkeit sind in der Geschichte des Judentums meist Epochen religiösen Niedergangs gewesen. Seine schöpferische Kraft und die volle Tiefe seines religiösen Fühlens hat das jüdische Volk erst dann gefunden, wenn es gegen düsteres Leid sich wehren mußte. Als das jüdische Reich vom Untergang bedroht war, sind seine Propheten ihm erstandenj denen es die Höherentwicklung seines Glaubens dankt. Auf dem Boden Babylons, im Leid der Fremde, hat das jüdische Volk zu beten gelernt. Das tragische Erleben unserer Tags fruchtbar zu gestalten, aus ihm neue religiöse Kraft zu gewinnen, ist unsere Aufgabe iii> der Gegenwart. Nachdem Mose sein Lied dem Volke vorgetragen^ steigt er auf den Gipfel des Nebo. Von dort aus sieht er das Land, das seines Volkes Heimat werden soll, doch sie zu betreten, ist ihm versagt. In dieser Erzählung der Tora ist in ergreifender Form der Gedanke gestaltet, daß auch das Werk des größten Menschen unvollendet und seine tiefste Sehnsucht unerfüllt bleibt. Doch ist es nicht schon Glück und Gnade, wenn ein Mensch die Vollendung seines^' Werkes in der Zukunft sieht und die Gewißheit hat, daß sein Wirken nicht vergeblich war? War; eä für den Schöpfer des jüdischen Volkes nicht tiefe Seeligkeit zu wissen, daß Israel in Seiher Heimat Frieden finden wird? Seit Jahrtausenden verkünden wir Juden unsere religiösen Ideale, Gerechtigkeit, Liebe und Frieden sollen in der Menschheit herrschen. Wie weit ist uns dieses Ziel gerückt. Wir können es auch in der Ferne nicht erblicken. Und doch kann nur die- Gewißheit,' daß unser Wirken und Leiden nicht vergeblich ist, uns fähig machen, in aller Qual des Lebens unsere Pflicht zü tun. Lcwkowitz-Bcrlin.