Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 15 (1935)
- Issue
- 40 (2.10.1935)
- Date
- 1935-10-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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er Gott und dem Ändern verpflichtet war, und etwa schuldig geblieben ist, das sind alle seine Gedanken; dos entscheidet über Annahme und Verwerfung, die ihm nach höherem Maßstab zugemessen werden, als ihn die Eigenliebe anlegt. Der Tadel des Propheten Jesaja in der Haftarä: „Um der Sünde der Gewinnsucht willen zürnte ich, verbarg mich, und schlug es" trifft das Gewissen stärker als alles Geraune der weit, die zu leicht vergißt, wer den Juden gezwungen'hat, als Ungesicherter und Fremder das bewegliche Gut als Rettung vor völligem Untergang zu lieben. „Der jüdische Prophet", sagt einmal Moritz Heimann, an den wir jüngst erinnert wurden, „ist eine Ehre seines Volkes, nicht eine Bestätigung seiner Schande. Denn ein solcher Prophet, selbst ein Genosse, ein Organ des Volkes, beweist durch seine eigne Flamme, daß dieses Volk weiter und über sich hinaus will." Das große Wort Zedokoh, 'd. i. Charitas, tönt am Jaum Kippur aus dem gewaltigen Schicksalslied „Unesanne taukef" wie eine tröstende Engelsstimme: starke Schultern stützen schwache. Der Jude mochte täglich in seiner religiösen Berufung und Erwählung auch nationale Eigenliebe empr finden. Am Versöhnungstage ist es anders; da umspannt sein Blick alle Völker dei Erde, seine Hoffnung alle Nationen; er stellt sich. bescheiden in ihre Reihen und schließt sie als vom Schöpfer des Alls geadelte * Menschen in sein. Gebet ein. Die Erziehung dazu hat sehr früh eingesetzt; im 3. Buch Mose, Kap. 19, das zum Motto hat: „Heilig sollt ihr sein, denn heilig bin ich, der Ewige ■ euer Gott", steht auch das bis heute unerreichte Gipfelgebot: Wie ein Eingeborener von euch soll euch der Fremdling sein, der unter euch weilt; du sollst ihn lieben, wie dich selbst; denn Fremdlinge wäret ihr im Lände! Ägypten; ich bin der Herr, euer Gott! In den Mittagsstunden ist das Gebet beherrscht von einer romantischen Erinnerung, der sog. Awaudoh. Dem Juden des Alltags steht es seit zwei Jahrtausenden nicht an, stolzen Erinnerungen nachzuhängen, wie ein Fürst im Exil. Am heiligen Tage iBt_ es wieder ganz anders. Aus den Tiefen der Vorzeit söll das Bild seines Hohepriesters, zuerst in Gold prangend, dann in weißem Linnen, vor ihm erstehen. Aus erhabenen Dichtungen, die in den, verschiedenen Riten an Schönheit miteinander wetteifern, und uralten Melodien, die aus dem alten Tempel stammen mögen, soll der Beter von heute ihn von Dienst zu Dienst schreiten sehen, und beim Aussprechen des Gottesnamens, ganz wie einst, mit' der feiernden Menge bekennen: gelobt sei der Name seiner herrlichen Majestät für immer und ewig! Glanz und Macht waren irdisch, ein Raub der Zeiten; geblieben ist der Dienst. Jeder Jude ist Angehöriger des Priestervolkes, das in einem Bunde mit dem Gotte der Offenbarung steht, „Erstling der Erfüllung,, berufen zur Verwirklichung". Der Wille und die Kraft zu dieser Aufgabe und Sendung entscheidet über die Nähe und Ferne unserer Herzen und Energien vom Zentrum des Judentums. Es war eine schöne Sitte, wenn an diesem einzigerhabenen Tage alle Männer im Gotteshause in weißen Talaren dastanden, einem Festgewand, das einmal ihr . Sterbekleid sein sollte. - Dienst fordert Opfer; Freude und Genuß treten davor zurück; am heiligen Tage sind sie ein Widerspruch. Solange wir auch nur eine Spur irdisch gerichtet sind, hat das Fasten keinen Sinn. Wer in der Gottesnähe aber höchste Freude empfindet, verlangt nicht mehr nach Speis und Trank; wer zur Vesperzeit immer deutlicher weiß, wie schwer der Weg der Überwindungen und Verzichte ist, der zu seiner Vollendung führt, hat einen zu tiefen Kummer, als daß er mit irdischer Nahrung gestillt werden könnte. Wenn eine Zeit uns wieder das Fasten gelehrt hat, sd ist es die gegenwärtige. Wenn es nicht geboten wäre, wir würden heute vielleicht darnach verlangen; es ist mehr als ein Symbol, es ist eine kleine, aber nicht wertlose Spende im Gedenken an Hunderttausende vor uns und um uns, die* um ihres Judeseins willen gelitten haben und leiden. Dic Selichoh von den 10 Erschlagenen, Fürsten der Gelehrsamkeit, zur Zeit des Kaisers Hadrian, ist vielleicht das Erschütterndste, was Märtyrerakten enthalten. Hier ist die Passion eines Volkes, die noch nicht ausgelitten ist. Die Stunden eilen dahin; der Tag neigt sich; die Tore des Himmels wollen sich schließen. Im Neila- Gebct ist nichts von Lebensbejahung und Todesferne, die den Juden sonst auszeichnen. „Was sind wir, was ist unser Leben, was unsere Liebe, was unsere Tugend, was unser Heil, unsere Kraft und Stärke?" Sie sind ein Hauch, ein Schattendem Nichts, ohne Gott. Zurück zu ihm, wer nicht verloren sein will in finstere Nacht; der erbarmende Vater ruft das Erdenkind bis zum letzten Äugenblick zurück in seinen Lichtkreis. Und das Bekenntnis des Einen Gottes dringt aus Millionen Herzen in allen Zonen dieser Welt zum Sternenzelt. Solchergestalt gehört der heilige Tag der Judenheit nun schon seit Aeonen, ungemindert, vielmehr bereichert an Weihe. Es hat vielleicht nicht uns allein, sondern vielen,, die den grotesken Schwank „Bronx Expreß" jungst im Kultufbund-Theater sahen, Beklemmung verursacht, daß ■' der arme, amerikanischjüdische Proletarier „Hungerstolz",/um auc|i einmal Millionär zu werden, keine andre Idee anzubieten hat als .die Preisgabe des Jaum Kippur zur Gewinnung eiriejs überzahlten Arbeitstages. Vielleicht hat dieser Traum, als der er sich ergab, und der auch Widerschein der Sünde sein darf, wenngleich hart an "Blasphemie streifend,', doch auch zur Besinnung beigetragen. Es war ein amerikanisch-jüdischer Galuttraum, ein Angst- ' träum, den gottlob immer Weniger Juden träumen. Besser gefällt uns-die Vision Martin Bubers von der Sekte der Essäer in seiner Rede „Der heilige Weg". Er entdeckt in ihnen „den Messianismus entschlossener Menschen, denen das eigne, ungeteilte Leben grade gut genug ist, ein Körnchen des messianischen Reiches zu werden. „Beginnet Juden .zu sein" — das ist nicht allein das himmlische Vermächtnis der Essäer; es ist der letzte Schofarklang des heiligen Tages. Da» Schidtfal der ICleingeineinden Nürnberg. Wie die „Fränkische Tageszeitung" meldet, ist die Synagoge in Höheinöd (Pfalz) zum Preise von 900 HM. verkauft worden, nachdem die Juden des Ortes /.um grüßten Teil'abgewandert sind. Der Bau wird zu einem Wohnhaus horgcHchtct werden. » Mannheim. Wie das Gcmcindcblatt von Mannheim und Ludwigshaferi berichtet,, stehen viele im Saargebiet liegende jüdiBcho Gemeinden zur Zeit vor ihrer Auflösung. So hat z. B. die Gemeinde Homburg 17 Familien, durch Wegzug verloren; die gleiche' Anzahl von Familien wird in dem nächsten halben Jahre auBwandcrnJ' so daß bestenfalls noch 4 oder 5 Familien zurückbleiben, die'nicht in der Lage sind, die Gcmcmdceiru-Ichtungcn zu erhalten. Ahnlich liegen die Verhältnisse.: in der Gemeinde St. Ingbert, wo fast alle Familien fortgezogen sind bzw. fortziehen werden., Die Gottesdienste 'an den hohcn\ Feiertagen konnten sich nur noch mit-Mühe durchführen lassen. ... , \ " Snkkaus für Kinder ans Kleingemeinden , Der Preußische Landesverband jüdiachor Gemeinden'hat angeregt, Kinder aus den kleinen Gemeinden, in denen ein geregelter .Gottesdienst an den Sukkaustagcn nicht stattfindet, a 1 b" G ä steindie nüchstgc-logcncn Mittel- und Großgemeinden, einzuladen, damit sie am Gottesdienst teilnehmen, dio Symbolik des Feststraußes und der Sukkoh kennenlernen und in engere Verbindung mit jüdischem Brauch und Leben kommen. Verschiedene Gemeinden wenden sich an ihre Mitglieder mit der Aufforderung, diesen Kindern aus Kleingemeinden Gastfreundschaft zu gewähren und ihnen das Erleben des Festes in jüdischem Rahmen zu ermöglichen. " Um die Schaffung eines religiöfen Rais in Paliiftina Jerusalem. In der Repräsentanz der . Jcrusalcmcr , Jüdischen Gemeinde hat eine Beratung stattgefunden, die der Frage der Einsetzung eines autoritativen jüdischen religiösen Rats für Ercz Israel gewidmet war. Die Beratungen über diesen Gegenstand . werden fortgesetzt. Es wird mitgeteilt, daß die Palästinarcgicrung demnächst ein .Gesetz über die Kompetenzen der religiösen Räte veröffentlichen wird. Probleme der Auswanderung Wirtschaftliche Voraussetzungen und Löfungsverfuche Die planmäßige Auswanderung eines größeren Teils der lüdischen Bevölkerung Deutschlands stellt ein,wirtschaftliches Problem dar, dessen Lösung sowohl jüdische als auch nichtjüdiBche. Kreise in* Deutschland und auch im Ausland stark beschäftigt. •Entsprechend der Struktur der jüdischen Bevölkerung und der wirtschaftlichen Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte gibt es heute in Deutschland keine irgendme gesondert auftretende „jüdische Wirtschaft". Dio wirtschaftliche Betätigung der Juden in Deutschland hat sich — und dies ergab sich aus der politischcnurid Wirtschaftsauffassung vor der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus — nicht darauf beschränkt, die wirtschaftlichen Bedürfnisse der in Deutschland lebenden Juden zu befriedigen, sondern sie verwirklichte im Rahmen der deutschen Volkswirtschaft wirtschaftliche Ziele ohne Beschränkung auf einen bestimmten Kreis. Beim ernsthaften Versuch einer Loslösung der in Händen von Juden befindlichen Unternehmungen Und Geschäften von der gesamten deutschen Wirtschaft fällt ins Gewicht, daß gerade die besondere Zusammensetzung der Juden in Deutschland die Tatsache geschaffen hat, daß namentlich auf dem Gebiete des Groß- und Einzelhandels eine verhältnismäßig große Anzahl von ganz oder teilweise in jüdischen Händen befindlichen Betrieben bestellt. Unter diesen spielen neben einzelnen Großunternehmen, bei denen der jüdische Einfluß allerdings im Laufe der letzten Jahro meist ausgeschaltet worden ist, vor allem die Klein- und MitteUxstriebc eine Rolle. Sowohl in Berlin als auch in den mittleren und kleinen Proyinzorten ist ein beträchtlicher Teil der jüdischen Bevölkerung als selbständige Gewerbetreibende tätig, i In diesen Kreisen besteht heute ein lebhafter Drang nach Auswanderung. Dieser Auswanderung muß aber zunächst ein Verkauf des Geschäftes vorausgehen, um dem Gewerbetreibenden die Möglichkeit zu geben, sich an anderer Stelle eine neue Existenz aufzubauen. Wer von diesen Gewerbetreibenden z. B. nach Palästina auswandern will, muß nach den für die Einwanderung geltenden Bedingungen zumindest über ein Kapital von tausend englischen Pfunden verfügen. Denn die Einwanderung ohne Kapital steht in der Praxis nur jüngeren gelernten landwirtschaftlichen oder handwerklichen Arbeitskräften zu. Die größere Masse der nicht mehr so umBtellungsfähigen Juden muß also zum Verkauf ihres in Deutschland befindlichen Besitzes und zur Liquidation ihrer Geschäfte schreiten. Diese Liquidation hat sich aber in der Praxis in vielen Füllen als schwer durchführbar herausgestellt. Dio Ursache liegt "vor allem daran, daß der jüdische Auswanderer für das verkaufte Unternehmen bares Geld erhalten muß. Er kann also das Geschäft nicht vermieten oder verpachten, ist also auf eine vollständige Liquidation des Unternehmens angewiesen. In der Praxis ist es jedoch in der Regel so, daß bei Verkauf eines Geschäfts oder Grundstücks nur eine Anzahlung geleistet, wird, der Rest dann in Raten abgczahlt wird. Wenn auch bei Barzahlung der Verkaufspreis eines fnternchmens geringer bemessen wird, weil das Risiko des Ubcrnehmers größer ist, so lassen sich doch viele Gcschüftsvcrküufc nicht ohne weiteres auf dem Barzahlungswegc erledigen. Die Erfahrung der letzten Zeit hat gelehrt, daß manche beabsichtigte Geschäftsverkäufe an diesen Umständen gescheitert sind. Nur in wenigen Fällen sind diejenigen Personen, die ein mittleres oder kleineres Unternehmen übernehmen wollen, in der Lage, den vollen Kaufpreis in bar zu erlegen. Und je größer das Geschäft oder Grundstück ist, desto erheblicher die Schwierigkeiten. In einem durch die Tagcsprcssc gegangenen Artikel des WPD. ist kürzlich der Vorschlag gemacht worden, diese Schwierigkeiten, die auch in der deutschen Öffentlichkeit nicht verkannt werden, dadurch zu lösen, daß sogen. „Auffanggcsellscliaftcn" zur Übernahme der jüdischen Geschäfte gegründet werden. Der Sinn des Vorschlages liegt darin, daß arischen Unternehmern, Kauflcutcn usw. das notwendige bare Geld zur Übernahme jüdischer Geschäfte zur Verfügung gestellt werden ' soll. Die Urheber dieses Vorschlages denken sich dies in der Praxis bo, daß jüdische Gewerbetreibende Bich wegen Übernahme des, Geschäftes an diese Auffanggescllschaft wenden. Diese prüft das Unternehmen auf seine Gesundheit, erwirbt ci gewissermaßen als Treuhänder, bezahlt es in bar und sucht dann seinerseits einen geeigneten. Ubcmchmcr. Dieser Vorschlag deckt sich im Grundgedanken mit ähnlichen, bereits von anderer jüdischer und nichtjüJischcr Seito gemachten Vorschlägen. Vom Standpunkt jüdischer Geschäftsinhaber .ist aber dazu folgendes zu bemerken. Der Betrag, den die Auffanggcsellschaft für das Unternehmen zahlen kann, wird naturgemäß unter dem Rotrag liegen, den ein privater Käufer unter normalen Umständen Bezahlen1 würde. Wie es in der Begründung des Vorschlages heißt, müßte sich der Umstand, daß der zuni Verkauf bereite Nichtarler eine solvente Gesellschaft vor sich hat, von der er rasch bares Geld bekommt, in einer noch weitergehenden Ermäßigung des Kaufpreises auswirken.> Dies sei auch schon deshalb der Fall, weil der Verkäufer sich keinoV Sorge zu machen brauche, um einen Käufer zu finden, dies tue in diesem Falle die Gesellschaft. Nun wird in dem Vorschlag der durchschnittliche Wert der in Frage kommenden Unternehmungen auf 20—40 0Q0 RM. geschätzt. Folgt raari diesen Gedankengängen, dann würde der Inhaber eines mittleren Geschäfts dafür etwa 30 000 RM. erhalten. Von diesen darf er nach Palästina die erwähnten 1000 Pfund, also 12—13 000 RM., mitnehmen, den Rest muß er auf Sperrkonto einzahlen, dieser Betrag steht also auch nicht in naher Zukunft zu seiner Verfügung. Hier liegt unter den jetzigen Umständen die Schwierigkeit. Selbst' nach Zahlung der gesetzlichen Abgaben, der Wcrtzuwachsstcucr unof der ReichsfluchtBtcucr würde also noch ein Betrag übrig bleiben, den der Verkäufer des Unternehmens zwar für seine zukünftige Tätigkeit benötigt, ilcr ihm aber nicht zur Verfügung steht. Eine Erleichterung des. Verkaufes jüdischer Unternehmungen müßte also, wenn sie in einer beide Teile befriedigenden Weise erfolgen soll, Hand in Hand gehen mil einer Erleichterung der TranBfcrniöglichkcitcn. Diese aber muß so erfolgen, daß keine Verschlechterung der deutschen' Deviscnlagc durch die Überweisungen nach Palästina eintritt. Die Liquidation eines Teils der jüdischen Unternehmungen in Deutschland ist also ein Problem mit zwei Seiten: einmal Käufer für die Unternehmungen zu finden, die diese angemessen bar; bezahlen können, und zweitens eine Möglichkeit zu schaffen, um den VerkoufBcrlös ohne Schädigung der deutschen Devisenlage ins Ausland, d. h. also namentlich nach Palästina zu transferieren. Die Lösung dieser zweifachen Frage kann also, was den ersten Punkt anbetrifft, durch Schaffung geeigneter Finanzicrungsinstitute erfolgen, wobei die bisher gemachten Vorschläge allerdings noch gründlich im einzelnen überprüft werden müßten. Zum zweiten Punkt ist aber zu Bogen, daß ein AusWoj£ aus den Transfcrschwierigkcitcn in der angedeuteten' Art aller Vbi aussieht nach nur mit Hilfe des Auslahdes, d. h. ausländischer Finanzinstitutc, wird gelöst werden können. Hierfür gibt es drei Wege: einmal den Export deutscher Waren nach den Auswandcrungsgebictcn, insbesondere den zusätzlichen Export, mit allen Mittelnzu fördern, um aus dem Warcncrlös den Auswanderern die erforderlichen Devisen zur Verfügung zu stellen. Der zweite Weg wäre, iwic es versuchsweise bei der Auswanderung nach südamerikanischen Ländern geschehen ist, im Ausland eingefrorene deutsche Forderungen in größerem Umfang für. Auswanderer freizugeben. Der dritte Weg schließlich, der auch von ausländischer jüdischer Seite propagiert worden ist, ginge dahin, daß Finanzinstitutc oder Gesellschaften der deutschen Rcichsbank Devisen zur Verfügung stellen, die oinen bestimmten Prozentsatz der von der Rcichsbank den Auswanderern gegebenen Beträge decken. Die Rcichsbank ihrerseits würde dann auf dem Verrechnungswege dori Instituten den Betrag zurückvergflten. Dabei würden zwar sowohl den Instituten wie auch der Rcichsbank gew<sso Prozentsätze der Summen verbleiben müssen, es würde aber ohne Angreifen der Devisenbestände wenigstens für eine gewisse Zahl von, 'Auswanderern ein Ausweg gefunden werden können. Und dieser Ausweg ist bei der heutigen Lage besonders wünschenswert. In der kommenden Zeit werden die berufenen Kreise der in Deutschland lebenden Juden entsprechend dem Programm der Reichsvertretung der Juden in Deutschland alle Möglichkeiten prüfen, die bei der Auswanderung gegeben sind. Dabei wird man nach der wirtschaftlichen Seite hin die beiden Grundfragen der Liquidation und des Transfers zu beachten haben. Wir hoffen, daß es den jüdischen verantwortlichen Stellen' gelingen wird, zu einem befriedigenden' Ausgleich der Interessen beizutragen. Dr. E. R. Regelung des Auswandererfchutzes durch den'Völkerbund Genf. Die Budgetkommission der Völkerbundsvorsammlung hat ihre Zustimmung . dazu erteilt, daß der von. der politischen Kommission verlangte Kredit von 5500 Schweizer Franken für die Schaffung einer Expertenkommission für Auswon-' derorschutz aus dem außergewöhnlichen Fonds des Völkerbündsrates vorgeschossen werde. Da auf diese Weise der Betrag sogleich zur Verfügung gestellt werden kann,' wird die Einsetzung der Expertenkommission noch während der jetzigen Tagung des Völkerbundsrates möglich gemacht. Es ist daher wahrscheinlich, daß dio Expertenkommission, die die Entschließung der Versammlung in der Frago der Koordinierung der 'Auswändororschutzcmriehtungen prüfen soll, schön in den nächsten Wochen ernannt werden und Ende Oktober oder Anfang November ihre Arbeiten beginnen wird. " 12337jüdirehe Auswanderer aus Deutschland weitergeleitet Paris. Der Verband für Auswandcrcrschutz HIC E M hat in. den Monaten Juli und August 1935 374 aus Deutschland ausgewanderte Juden nach anderen Ländern weiterbefördert. Insgesamt, haben in den ersten acht Monaten des Jahres 1935 Ausgewanderte die Hilfe von HICEM für ihre Weiterreise in Anspruch genommen. Seit Beginn der Aktion für die Auswanderer aus Deutschland hat HICEM 12 337 Personen weitergeleitet. Von diesen gingen 4473 in überseeische Länder, und zwar 2803 nach Palästina, 940-nach Brasilien, 160 nach Paraguay, die übrigen in vcrscliiedenc andere Länder.