Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 15 (1935)
- Issue
- 38 (18.9.1935)
- Date
- 1935-09-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Beilage / 18. September 1935 JÜDISCHE ALIGEMEINE ZEITUNG Jüdifche Kunft — religiöfe Kunft Die älteflen jüdifchen Wandmalereien — König Salomo als Anreger des Kultgeräts — Was bedeutet die Menorah? — Warum die Besomimbüchfe die Form eines Turmes hat Eine alte Frago: „Gibt es eine jüdische Kunst?" Ein altes Vorurteil orwidert darauf mit einem glatten Nein. Es ist unter dem Eindruck des Sinalwortca „Du sollst Dir kein Bildnis machen" entstanden und glaubt', daß die Beschäftigung mit bildender Kunst dem Wesen des jüdiachen Menschen fremd sei, daß das Judentum früherer Jahrhunderte aus seiner jüdisch-religiösen Einstellung heraus dem Kunstgedanken in Abwehr gegenübergestanden habe. Man hat dabei eins vergessen: daß das zweite der zehn Gebote nicht die Kunst, sondern den Götzendienst treffen wollte. Wenn auch die religiöse Intensität in Israel die Gottdarstellung der anderen Völker des Altertums, wie Cohn-Wiener es in seinem Werk über die jüdische Kunst ausdrückt, mit Ekel verabscheute, so hat bildnerische Lust im Judentum — neben dem Wort und dem Gesang — von jeher nach künstlerischem Ausdruck gedrängt. „Schöne Geräte" für Gott, verlangt selbst der Talmud, wenn er auch die Grenzen künstlerischer Betätigung sehr eng zieht. Gewiß, die Ausdrucksformen der bildenden Künste, wie sie etwa die griechische Kultur kennzeichnet, kannte das Judentum nicht. Man weiß, daß König Salomo zum Bau des Tempels tyrische Baurneistcr und Handwerker heranziehen mußte. Aber die seelisch gerichtete' Fantasie war dennoch rege, und wo sich in der Atmosphäre des Religiösen ein Weg öffnete, brach sie immer wieder durch und wurde schöpferisch. In dem weiten Sinne alles Gcataltens durch Formung hat es zu allen Zeiten jüdische Kunst gegeben, wenn sie sich auch an Gestaltungen der Umwelt angeleimt hat. Daß sich die Freude am künstlerischen Formen trotz mannigfacher Hemmungen durch das Heligionsgcsctz nicht hat unterdrücken lassen, und daß jüdisches Kunstschaffen gerade aus Religion und jyult stärksten Antrieb erfahren hat, haben eindringlich die in jüngster Zeit in Dura Europos im oberen Euphrattnl in Syrien' zutage geförderten Zeugnisse jüdischer Malerei gezeigt. Daß diese ältesten figürlichen Wandmalereien, die aus dem Jahre 245 n. stammen, jüdischen Ursprungs sind, verraten die hebräischen Inschriften. Man stieß in Dura 'Europos vor etwa zwei Jahren bei Ausgrabungen auf den Kuppelbau einer Synagoge, deren Inneres mit Bilddarstellungen nach biblischen Motiven bedeckt war. Man fand da eine Darstellung der Sintflut, Moses vor / dem brennenden Dombusch, Moses, der das Wasser aus dem Felsen schlägt, Joschua bei der Belagerung Jerichos, den Durchzug durchs rote Meer, David mit der Harfe, Salomos Urteil, die Rückkehr der von den Philistern entführten Bundcsladc, Isaaks Opferung u. o. Wie sehr jüdische Kunst vornehmlich religiöse Kunst ist, weist R a h e 1 w ischnitzcr-Bornstein in einem jetzt im Verlag .Siegfried Scholem, Berlin-Schöneberg, erschienenen Werk „Gestalten und Symbole der jüdischen Kunst" überzeugend nach. Als Aufgabe ihres Werkes bezeichnet die gelehrte Kunstschriftstellerin: die verschütteten Inhalte de» jüdischen Kunst aufzudecken, ihre Zeichen und Gestalten zu deuten, Vorarbeit zu leisten für eine Motiv- und Typengeschichte. Rahel Wischnitzer-Bernstein. spürt dem jüdischen Kunstschaffen mit dem Rüstzeug der Wissenschaftlerin und eoner 'Darstollung^- gabe nach, die auch* dem jüdisch-interessierten Laien die Lektüre des mit reichem Bilderschmuck geziorten Buches zu einem Genuß macht. Welch kostbares Erbe wir verwalten, zeigt sie als kluge Deuterin und kenntnisreiche Interpretin an den Bildmotiven; jüdischer Kunst, an Mosaiken und Wandmalereien, an den Geräten des Kultus in Synagoge und Haus, an Grabstätten und Werken des jüdischen Schrifttums. Überall werden Ursprünge glaubhaft nachgewiesen, Erlebniainhaltc interpretiert. Es zeigt sich, wie Kunstformen der ieit und der Umgebung, vielfach dem allgemeinen Vorstellungskreis der Umwelt entnommen, benutzt werden, um ureigenes jüdisches Gedankengut zu gestalten. Der Weg führt durch Religion >zur Kunst. Von den Geräten dor Stiftshütte und des Salomonischen Tempels sind allerdings nur die Beschreibungen der Bibel in Ex. 25 ff., I. Kön. 7 und II. Chron. 2 bekannt, in denen der Tisch mit den Schaubroten,, die Cherubim als das Werk, des Bezalel und anderer kunst-, fertiger Männer, sowie die Bronzegeräto des salomonischen Tempels als Werk des Hiram beschrieben werden. Auch aus der frühmittelalterlichen Zeit gibt es kaum Originalgerätc- Aber zahlreiche Abbildungen vermitteln eine anschauliche Vorstellung. Während die Tora selbst ohne bildlichen Schmuck geblieben ist, sind die Estherrollc und die Fessach-Hagadah, in denen das illustrative Bedürfnis befriedigt wird, und wo sogar figürliche Darstellung gestattet ist, ebenso wie Bibeln in Buchform, Machsorim, Siddurim und andere Werke jüdischen Schrifttums eine reiche Fundgrube,N aus dor auch Rahel Wischnitzer-Bernstein kostbare Schätze in unser Bewußtsein emporgehoben hat. So zeigt die Verfasserin des Buches an einer ganzen Reihe von Beispielen, wie in der jüdisch-religiösen Kunst die Gestalt des Königs Salomo von entscheidender symbolischer Kraft ist, und wie ihr das synagogale Kultgerät seine wichtigsten Anregungen verdankt. Der weiso König ist in der jüdischen Illustration nicht nur der Inbegriff richterlicher und königlicher Würde, sondern auch der Trüger der Tora. Abbildungen zeigen ihn auf dem Thron mit Krone und Schwert, mit der. Torarolle, von Tieren als getreuen Wächtern des Thrones umgeben. Die Krone, die zürn, symbolischen Schmuck der! Toravorhänge, und Toraschilder, gehört, wird auf solche Bilder' zurückgeführt Die 'Darstellung des thronenden Königs 'Salomo: in dor Nürnberger Haggadah bedeutet eine Symbolgcstolt dos himmlischen Königstums. Spekulationen über die personifizierte Tora — sie wird vielfach als Braut behandolt — und ihren königlichen Herold haben nach Dr. Rahel Wischnitzer-Bernstein auch die Gestaltung des Tflrawoisers beeinflußt. Die Jad, die Hand mit dem ausgestreckten Zeigefinger,' die heim Vorlesen aus der Tora gebraucht wird, ist die hinweisende Hand des Königs Salomo aus einem Bilde, dos ihn in seiner ganzen Herrlichkeit erkennen läßt und das nach Meinung der Verfasserin so verbreitet gewesen sein muß, daß es die Gestaltung eines so volkstümlich gewordenen Kultgeräts anregen konnte. Im Gegensatz zu den Symbolen des Königstums' haben diejenigen des Priestortums die Gestaltung des Kultgeräts nur wenig bestimmt. Von den segnenden Händen der Kohanun abgesehen — der Stab Arons, dor als Denkzeichen für die Widerspenstigen in der heiligen Lade aufbewahrt wurde, hat im jüdischen Kult kein Gegenstück gefunden — gibt es in den mittelalterlichen Hundschriften' eigentlich nur noch das Motiv des Hohenpriesters, der .den Dienst am sichenarmigen' goldenen TcrapcUcuchtcr vorsieht. Dieser Leuchter in seinen vielfältigen Gestaltungen läßt sich bis in die byzantinische Zeit hinein als Symbol des Judentums nachweisen. In fesselnder Darstellung geht Rohel Wischnitzer- Bernstein seinem Sinn und Ursprung nach. Nach der Terminologie dor ausführlichen Beschreibung im zweiten Buch Mos« verrät er dio pflanzliche Herkunft. Dor mit lirennöl verschone Leuchter ist danebon nicht nur Symbol des Wcltbaumea mit den sieben Sternen, Bondcm auch des Lebensbaumes, „denn das Olivenöl hat in der jüdischen Symbolik eine vielfache Bedeutung, es spendet Leben und es spendet Licht". Zum alten jüdischen Symbolkreis gehören auch die zahlreichen Tiorgcstaltcn, die in der jüdischen Kunst eine bedeutsame Rollo spielen; etwa dor Hirsch als Sinnbild des gottCBfürchtigcn Juden, als das immer wiederkehrende Symbol des Volkes Israel, det1 Löwe, das Wappentior des mächtigen Stammes Juda, die Taubo als Friedenssymbol, das Einhorn, das aus Num. 23, 22 und aus Psalm 92,11 bekannte Recm, das in der christologischen Auslegung die Keuschheit Marias symbolisiert, während cb in der jüdischen Ornamentik das Zeichen der Erhebung der Seele durch die Lehre bedeutet.— - - In einer beinah verwirrenden Hülle werden in dem Bucli alle dio Kultgeräto in ihren vielfältigen Dezichungcn behandelt, die im Gottesdienst und im jüdischen Hause ihren Platz haben und dos Leben dcB Juden von der Geburt bis zum Tode in Freude und Trauer begleiten: vom Kidduschbcchcr bis zur Scdcrschüsscl, von der Menorah bis zum Torawimpcl, vom Schojfar bis zur Bcsomimbüchst» des scheidenden Sabbat, deren gebräuchliche Turmform auf ein Wortbild des Hohenliedes zurückgeführt wird, in dem cb heißt: „Deine Wangen wie ein würziges Beet, gleich Türmen von Wohlgorüchcn". Dos Buch, das wir Dr. Rahel Wischnitzer-Bernstein verdanken, ist mehr als ein kunst- und kulturgeschichtlich fesselnder Abriß. Es ist ein bedeutungsvoller Wegweiser zu den Quellen der jüdischen Religion. Eugen Tannenbaum. Ausstellung jüdisch-religiöser Kunst. Das Jüdische Museum in Berlin beabsichtigt, eine Ausstellung jüdisch-religiöser Kuns'. zu veranstalten, um diesem noch immer nicht genügend erforschtem Gebiet einen größeren Kreis von Freunden zuzuführen. Dabei wird vor allem an die reichen Schätze der jüdischen Bibliotheken und des jüdischen Privatbesitzes gedacht. Alle Besitzer solcher Gegenstände werden gebeten, eine Mitteilung an das Jüdische Museum, Berlin N 24, Oranienburger Straße 31, zu richten. Besonderes Interesse besteht an altem Kultgerät, Gewebe, Bildnisminiaturen, Handschriften und Drucken. DIE BIBEL ERZÄHLT Der Wochenabfchnitt Nizzowim-Wajelech beginnt mit den Worten: „Ihr alle steht heute vor dem Ewigen, Eurem Gott, um einen Bund mit ihm zu schließen." Gott schließt diesen Bund auch mit den kommenden Geschlechtern. Noch einmal ermahnt Mose sein Volk zur Treue gegen den Ewigen. Sein Gebot ist nicht unerfüllbar, es entspricht der, menschlichen Natur. In der Sidro Wajelech nimmt Mose Abschied von seinem Volke und bestimmt Josua zu seinem Nachfolger im Führeramt. Dann schreibt er die Tora nieder und übergibt sie den Priestern. Aus ihr soll dem Volk an den Festen vorgelesen werden, damit es lerne, den Ewigen zu fürchten. $ Gott schließt seinen Bund auch mit den kommenden Geschlechtern. Das Judentum stellt seine Aufgabe nicht nur den Menschen einer bestimmten Zeit und für besondere Verhältnisse. Die Ideale, die es verkündet, sind ewig und unvergänglich, unabhängig von allem geschichtEchen Wandel der äußeren Umstände und der menschlichen Anschauungen. Sie haben sich in den Jahrtausenden unserer Vergangenheit behauptet und werden auch den kommenden Geschlechtern den rechten Weg zeigen. Das Judentum bückt in die Zukunft. Seine Aufgabe ist in keiner Zeit erfüllt. Diese Erkenntnis bewahrt Uns ebenso vor Passivität, wie vor Verzweiflung. Wir mögen noch so vieles erleben, was den idealen Forderungen unseres Glaubens widerspricht, unsere Überzeugung'kann dadurch nicht erschüttert werden, weilwir wissen, daß die Erfüllung des Judentums erst in der Zukunft liegt. Das Judentum ist eine ewige Verpflichtung, und jedes Geschlecht muß daran mitarbeiten, daß Gerechtigkeit, Menschenliebe auf Erden herrsche. .' „Das Gebot, daß ich Dir verkünde, ist nicht im Himmel und nicht jenseits des Meeres. Ganz nahe ist es Dir, es ist in Deinem Munde und in Deinem Herzen." In diesen Worten unserer Toravorlesung liegt die Erklärung für die ewige Geltung und für die unzerstörbare Lebenskraft des Judentums. Sein Geh'eimniB besteht darin, daß es sowohl auf die äußeren Gesetze der Menschenwelt, ihre natürliche Grundlage, als auch auf die Grundkräfte der menschlichen Seele Rücksicht nimmt. Unser Glaube stellt keine unerfüllbare Forderung auf, er spricht nur aus, was wir selbst als unsere Pflicht empfinden, wenn ivir den reinen Empfindungen unseres Herzens folgen. Seine Lehren sind aber,auch nicht einseitig realistisch. Sie ^erlangen eine .Höherentwickclung der Menschenwelt,' eine immer stärkere Entfaltung ihrer sittlichen Kräfte. Wirklichkeitssinn und Idealismus zu verbinden, pessimistischen Realismus ebenso wie utopische Lebensbetrachtung zu vermeiden, ist die Aufgahe, die uns jetzt gestellt ist. Lewkowhz-Berlin. Hochzeit im Haufe Mit dor Verbindung zweier Menschen zur Eho wird ein neuer Grundstein gelegt zu cinor Familie, die immer das Fundament im ' jüdischen Gemeinschaftsleben bildete. Ungeachtet der schweren Zeiten bleibt dor Wunsch zur Gründüng einer Familie bestehen. Das hat seinen guten Grund. Junge MenBchen finden sich zueinander in der Zuversicht, daß der Weg, der jetzt dem Judentum erschwert ist, sich sicherer und leichter in liebovollcr Gemeinschaft wundern läßt. Die Bedingungen, die heute zwei jüdische Menschen zur Ehe führen, sind wcitauB andere geworden als dio zu Zeiten unserer Eltern. Nicht mehr, wie früher oft, wird dor Schwerpunkt auf die äußere Sicherung gelegt, dio das Glück der Familiengründung gewährleisten sollte. Die Zeit hat gelehrt, daß es cino solcho Sicherung des Familienlebens nicht gibt, wie Eltern sie früher durch Geld und äußere Güter heiratenden Kindern zu bieten glaubten. Heute zimmert sich die jüdische Jugend ihr Leben selbst, gottesfürchtig, tapfer, der Verantwortung und Schwöre bewußt. Mit diesen ethischen Momenten geht auch ein starkes sittliches Wollen einher, die Heirat und die Eheschließung unter den Schutz der Religion zu stellen. Ohne den Segen der Religion für ihren Lebensbund will bei dem zunehmenden jüdischen Bewußtsein unsere Jugend nicht ins Ehclcbcn treten. Die große prunkvolle Trauungsfcicr für eine oft kleine HochzcitsEcmcindc in der hohen und weiten Synagoge, die ohne genügende Besucher kalt und zu mächtig beeindruckt, läßt den Wunsch entstehen, die Hochzcitazeremonic ins Haus der Eltern zu verlegen. Es ist auch eine gewisse Scheu und die Bedenken vor unzeitgemäßen Kosten vor dieser doch immer mit einer Schau in der Öffentlichkeit cinhergehenden Trauung in dor Synagoge, dio viele junge Poarc davor zurückhält. Allcidings werden jetzt gern die Trauungen in den kleinen Trausaal verlegt, der bisher bei großen Hochzeiten als Versammlungsraum ricr Hochzeitsgäste benützt wurde. Vielfach stellt auch der Rabbiner — wenn die häuslichen Raumverhältnissc es verbieten — seine Wohnung für die heilige Handlung gern zur Verfügung. Aber auch in einer kleinen Wohnung läßt sich mit Umsicht und Geschick der Hausfrau und Brautmutter eine würdige Feier im Hause mit allen Riten, die der jüdische Kult vorschreibt, gestalten. Hier mag ein Beispiel von einer Hochzeit Anregung geben zur Nacheiferung, wie mit wenig Mitteln und im ollerengsten Raum jüngst eine stimmungsvolle, der Zeit gomüß heitere und von innigem Familicngcist erfüllte Hochzeit gefeiert wurde. Die Enge einer Zwcicinhalb-Zimrncr-Neubauwohnung erlaubte natürlich kein Fcstgelage mit Hinzuziehung der FartuUcnrnitglieder bis ins dritte und vierte Geschlecht. Dos Problem für die Brautmutter und Hausfrau bestand darin, Raum zu schaffen, um neben der Aufnahme der Gäste auch dem feierlichen Charakter der Zeremonie gerecht zu werden. Der eine Raum wurde zu einem kleinen Andachtsraum durch Blattpflanzen und Lorbeerbäume ausgestattet. Die Möbel wurden vollkommen davon verdeckt, und blühende Pflanzen im Vordergrund gaben dio freundliche Stimmung. Hier fand unter dem Baldachin und vor einem zum Altar gestalteten Tisch mit brennenden Kotzen die Ansprache des Rabbiners und der Ringwcchscl im Kreise aller Anwesenden statt. — Die Braut wurde aus ihrem kleinen Mädchenzimmer im weißen Hochzeitskleid mit Kranz und Schleier und — wie dor jüdischq Ritus es vorschreibt — bedeckt dem Bräutigam zugeführt, und die Feier verlief in würdevoller, gemessener und von tiefer Religiosität getragener Weise. Im Nebenzimmer war die Hochzeitstafel aufgestellt. Auch der Geschehktisch fehlte nicht. Genug Arbeit für die Hausfrau, in dieser Beschränkung sich als Meisterin zu zeigen, auch wenn das Hochzeitsmahl fertig ins Haus geliefert wurde. Die schmale Tafel war mit weißen Tüllschleifcn und Myrtiren besteckt, kleiner, zierlicher Blumenschmuck: weiße Nelken in weißen Kcramikschalon, die silbernen Leuchter, in denen ^Kerzen flackerten, mit zartem Grün umrankt. Atmete der anstoßende Raum mit seinem dunklen Laub Ernst und Feierlichkeit, so war dieser hier in Zartheit, Duft und Bräutlichkeit getaucht. Nach der Tafel mit ihren nie aussterbenden Tischreden kam die Jugend zu ihrem Recht. Vettern und Basen, Freundinnen und Kameraden von beiden Seiten — ein enger Kreis nur erschien zum Kaffee. Schnell war die Festtafel zusammengeschoben, kleine Tischo wurden aufgestellt, und wenn auch gerade keine große Bewegungsfreiheit herrschte, so tut das der HochzeitBstimmung keinen Abbrach. Es brauchen also nicht mehr prunkvolle Hochzeiten, es brauchen nicht mehr Gastmähler mit endlosen Gängen zu sein, mit Toilettenaufwand und großer Auffahrt unter Zaungästen und Schaulustigen. Dio Hochzeit im Hause, ein alter schöner Brauch, der etwas Patriarchalisches an sich hat, wenn die Tochter aus der Häuslichkeit der Eltern in das eigene, neu zu gründende Haus des Mannes übersiedelt — auch dann, wenn es vielleicht draußen in der Fremde liegt oder wenn cb auch nur aus — einem „möblierten Zimmer" besteht. FriMa. Aufruf an bildende Künfiler.. Der R c i ch,s v c rb and der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland teilt folgenden Aufruf an Bildende Künstler; Graphiker, Kunstgcwcrblor mit: Durch die neue Verordnung der Reichskulturkammcr ist den in Deutschland ansässigen nichtarischen Künstlern und Künstlerinnen anheimgestollt worden, sich dem- Reichsverband der Jüdischen Kulturbünde einzugliedern.Da die Zeit der Anmeldung begrenzt ist, liegt es im Interesse jedes einzelnen Künstlers, sich umgehend eintragen zu lassen. Aaresse: Reichsverband der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland, Berlin SW 68, Charlottenstroße 90-92, Abteilung Bildende Kunst). . Es wird um folgende Angaben gebeten: Name und Adresso; Art der bisherigen Tätigkeit, Voraussetzung der Berufsarbeit, welchem Verband oder Verein bisher angeschlossen. Diejenigen, die bisher keiner Gruppe angehört haben, werden sich später zwecks Aufnahme in eine Fachgruppe einer Jury unterstellen müssen. \ Abfchied von Oskar Strnad .Wien. Dem kürzlich verstorbenen Buhnenarchitekten Professor Oskar^ Strnad, der in -einem Ehrengrab der Kultusgemcinde Wien in unmittelbarer Nähe des Ehrengrnbcs von Arthur Schnitzauf dem Zentralfriedhof beigesetzt wurde, widmet Bruno, Walter in der „Neuen Freien Presse" folgend? Worte des Abschieds: „Es ist mir ein tiefes Bedürfnis, vor dor Öffentlichkeit meiner grenzenlosen Bewunderung, für Oskar Strnads Wesen und Vfirkcu und( zugleich meiner, unauslöschlichen persönlichen Dankbarkeit für'seine Leistung und Hingabo im Lösen gemeinsamer Aufgaben Ausdruck zu geben. In der ihm eigenen Mischung von Phantasie und Werktreuo, Inspiration und Stilstrenge, Eigenart und Anpassungsbercitschaft war er dos Ideal oihes Bülincnbildnors. - Er war es nicht minder durch sein Glühen, seine Erfüllthcit, seine Reinheit und seine Ehrfurcht vor dem Kunstwerk. In meiner tiefen Trauer beglückt es mich, in dem „Tristan", dem „Don Giovanni", der „Entführung aus dem Serail" der Salz-