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Jüdische allgemeine Zeitung · 1935-09-11 · 37 (11.9.1935) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
15 (1935)
Issue
37 (11.9.1935)
Date
1935-09-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Er hatte die Augen voll Trinen. Gurfi küßte sie ihm weg. " „DonamreÜKhen . . . mein Draunnmbdien . . sagte er Icaje, und es war ihm, ab müsse er sterben wie jener blonde . Bittor im letzten Bild. Auch das Donauweibcben weinte ein wenig, doch an ihrem Entschloß konnten weder seine noch ihre Trinen was indem. „Willst du denn keine Kader haben, Regine?" fragte Nathan nach einer Weile. „Rollen will ich haben," beharrte die Schauspielerin, „Gestalten wollen aus mir heraus,' Frauen, die weinen, jauchzen und sterben, aber keine kleinen Kinder." „Keine Kinder . . ." wiederholte Nathan fassungslos! „Ich spiele keine Matterrollen", sagte Gurli hart und griff nach, den Zügeln, die Nathans Hand entfallen waren. „Das solltest du doch wissen." „Keine Kinder . . . das versteh ich nicht" Die Pferde setzten sich wieder in Trab. Schweigend fuhren sie durch die RhSn. Und wieder, wie damals an der Bucht von ■ Kolding, als mit Fuclein all seine' Hoffnungen dabin gegangen waren, starrte mein Vorfahr ins Leere, das Hers war ihm schwer, und er seufzte: „Es soll nicht sein . . . Was halt mich noch auf dieser Erde . ..?" ■ ' Er . dachte an. den großen Kometen, und der kam ihm mit einmal gor nicht mehr schreckhaft und furchtbar vor, sondern wie eins wundersame Erscheinung aus einer andern, höheren Welt. Er kam ihm vor wie seine eigene Laufbahn da Gurlis Seite und am Theater. Von dieser Stunde an erschien sie ihm wie ein Oberirdisches Leuchten, das für kurze Zeit sein Dasein erhellt hatte. Und nun saß er wieder im Dunkeln. „Aber wenn doch die Begabung in mir steckt, dann muß sie doch irgendwann mal heraus!" brach es nach einer Weile trotzig aus ihm hervor. Regine lächelte. „Sie kommt auch mal heraus. Vielleicht aus den Kindern, nach denen du dich. Behost, oder aus deinen Enkeln." V . „Oder aus den Enkeln meiner Enkel," höhnte Nathan, „vielleicht, daß einer von denen in hundort Jahren mal zur Bahne darf und tun und lassen, was ihm gefallt Aber dos dauert mir zu lang, sag ich dir." „Mir auch", lachte Gurli und legte die Zügel mit zärtlicher Berührung wieder in seine Hand. „Beruhig' dich doch! Glaub mir nur: du wirst euer Geschäft oder eins, das du dir selbst aufmachst, genau so gut leiten wie dos Theater in Dänemark. Aber du wirst mehr? Erfolg dabei sehen. Du wirst Freude daran erleben." „Meinst du wirklich?" „Bestimmt. Du brauchst nur eine Frau dazu, die aufpaßt, daß du keine Dummheiten machst., Ich bin. dafür nicht die Richtige. Ich mach noch selbst zu viel-Dummheiten." „Ach, du ... du bist ja, so klugl" „Also dann folge mir, du weiser Nathan!" :' * Gegen neun Uhr gelangten sie nach Bad Kissingen und fuhren bei Nathans alten Gastfreunden, den Goldschmidts vor. „Ja, den .Nathan den Weisen'", erzählte der Ezdirektor nicht ohne Genugtuung nach Tisch, „den habe ich auch herausgebracht. Da hoben Sie mir etwas wirklich Gediegenes empfohlen, Frau Goldschmidt. Ich kann Ihnen aber auch versichern: wenn . Sie den bei mir gesehen hatten, Sie wären zufrieden gewesen. . Modemoiselle Gurli war eine Recha, so eine haben Sie in Frankfurt bestimmt nicht gehabt." „Was nicht ist, kann noch werden," meinte die Gastgeberin gütig. Und behielt recht damit. Als die Völkerschlacht bei Leipzig geschlagen wurde, war Regine Gurli bereits wohlbestalltes Mitglied des Frankfurter Stadttheaters. Am n&chsten Morgen erstand Nathan noch eines der silbernen Kettchen, die ihm damals so gut gefallen hatten und legte es ' uro den Hals Beines Donauweibchens. „Zum Angedenken an . Ringe abgekauft, Verlobungsringe, ein schöner Brauch", setzte er wehmütig hinzu. „Fängst du schon wieder an?" verwies Gurli freundlich. „Du v kannst sie ja einstweilen kaufen. Es wird sich schon jemand für den zweiten finden. Da ist mir gar nicht bange drum." :: In Frankfurt, wohin sie am Abend des folgenden Tages gelangten, stand vor dem Gasthaus neben dem Herrn Primgeiger Gurham ein kleiner, fast kahlkopfiger Mann mit bellen Augen und etwas Angst drum rum. Das war Nathans Vater, dea der Geiger von der Ankunft der Kinder benachrichtigt hatte. Er machte dem Zurückgekehrten keinerlei Vorwurfe, sondern strahlte Ober das ganze, von vielen Sorgenfalten durchfurchte Gesicht. Seine Gemütsbewegung ließ er rieh nicht merken. Deshalb besichtigte er sogleich' den neuen Wagen, die Rappen und das Geschirr. Er guckte den geschenkten Gtulen sogar ins Maul, was zwar das Sprichwort, nicht aber der Talmud verbietet. Erst als sie sich von . den beiden Guggenheims verabschiedet hatten und über Offenbüch in Richtung Aschalfenburg fuhren, konnte er sich nicht enthalten zu sogen: „Sag mal, Naddan, hob ich dir nit ausdrücklich gesagt, du sollst nit nach Kissing« fahre? Ich bab gewußt, warum ich das sag. Das wir dir all nit passiert, wenn du mir gefolgt hittst. Jetzt siehste, wohin einer kommt, wenn er nit hört: Aufs Theater." Und in diesem einen Wort big eine ganze Welt von Mißbilligung aller brotlosen Künste. Damit war der Fall für ihn erledigt.' ' '. Zwei Jahre danach hat sich mein Urgroßvater mit Rosa Honig aus Mariabuchen, der das Donauweibchen so ahnlich gesehen haben soll, verlobt. Vater Isaac war mit dieser Partie sehr einverstanden. Da es aber nicht seiner Art entsprach, über irgend etwas vollkommene Befriedigung zu Äußern, sagte er bloß: „Siehste, dazu härtete weißgött nit bis halb an den Nordpol gemußt" ' V AberrNathan, der inzwischen wirklich weiser geworden war, antwortete! „Vielleicht doch, Vadder.' .Es geht nun mal nicht-ohne Umwege. Die Weltgcschicht macht doch auch Umwege. Guck emal: der Napoleon! War das mit dem kein Umweg? — Erst hat er mir die Kartof feie und den Schimmel weggenommen und mich bis nach Jütland gejagt, no und jetzt? Jetzt sitzt er in Elba. Und die großen Herre beim Wiener Kongreß, die schicken jetzt ganz Europa wieder zurück nach Wiesenfeld, und es geht auch wieder zurück. Aber in seinem Innern, da siebts doch anders aus. Und siehst du, Vadder, in mir, da siehts auch anders ^aus. Und das kann ich der sagen: unsre Kinder und Enkel--" „Daß de die bloß nit zum Theater läßt!" drohte der Alte erschrocken. „Ich sog dirs in Gutem." „Vadder," lachte da der Großvater meines Großvaters laut heraus: „Was gehts uns an, was unsre Urenkel und die Nachkommen unsrer Urenkel sind? Vielleicht gibts dann gar icci Fuhrleut mehr. Vielleicht fliegen se dann in der Luft - rum wie der Michel Montgolfier." „Von dem hört ma in de letzte Zeit auch übe mehr", nörgelte der' alte Isaac. „Das neumodische .Zeug, das überlebt sich olles. Ich sag der nur eins: Mei Enkel, die fliege nit un gehn auch nit zum Theater." „Willst du sie am End an^unsern Lindenbaum anbinde?" Nathan lachte noch immer. „Du brauchst gar nit so zu lache, Naddan," verwies ihm der Vater. „Ja, ich hob se auch angebunden, ich und unsere Väter und die Väter unserer Väter. Wir haben sie fest angebunden an' unser Land und unsre Leut und unser Gesetz. Die Schnur, mit der se angebunden sind, is lang, sehr lang. Sie is so lang, daß sie ruhig bis an de Nordpol fliegen können und wieder zurück nach Afrika und Amerika." - Er lächelte, und seine hellen Augen waren voll Verständnis und Liebe. „Du bist ja auch nach Kiaainge gefahren und bis ans Meer. Und du warst dach angebunden. Wenn de a auch nit gemerkt hast Du wärst ja sonst nit wieder. heimkomme, mit dene schöne Gäul und dem Wogen und dene viele Sputze, die du im Kopp hast Ich kann dir nur sage: Sie komme wieder, alle komme se wieder, alle." . „Wie ich", sagte Nathan leise und lachte nicht mehr. „Zwei Jahr bin ich jetzt schon wieder da." „Zwei Jahr is gar nix", sagte Isaac ben David. „Die zwei Jahr," antwortete der Sohn, „die waren die schwersten.^ Kannst rnirs glauben, Vaddor." „Ich glaubB." ~ „Aber jetzt brauchst mich nit mehr anzubinden. Jetzt bleib ich hier und helf mit." Am nächsten Tag fuhr Nathan Franck mit den zwei dänischen Rappen nach Eichenbuhl an der Erfa im Odenwald, wo eine Partie Eichenblockware für Rechnung Isaac Franck und Söhne bereit lag. Ende. •■ .•';• Kreuzworträtsel Waagerecht: 1. Raum, 4. Bezeichnung des Pentaleuch, 8. lat Ausdruck für Kunst, 9. Religion, 10. Religionsgebrauch, 11. Landschaft an der westefrikaniachen Karte, 12. Scholl, 13. Alkalimetall, 17. alttürk.-Titel, 19. weibl. Gestalt. eines Dramas von Ibsen, 21. Ort in ManaBse, 23. ehem. Element, 24. Schweizer Kanton, 25. Ebene , in Galiläa, 26. Halbinsel. Senkrecht;: 1. Mutter: Isaaks, 2. sagenhafter griech. Dichter und Musiker, 3. Teil des Baumes, 5. Hymne am Schluß des täglichen Gebetes, 6. Lehrer, 7. Schlußformel von Gebeten, 9. itat Halbinsel, 14.' weibl. Vorname, 15. Eingeborene von Neuseeland, 16. Teil des Gesichts, 18. alrisroel. Losorakel, 20. Sohn Noohs, 22. Tonart. In der Jüdischen Kinderhilfe E. V. beginnt am 1. Oktober ein einjähriger Kursus zur Ausbildung in der Kinderpflege und Hauswirtschaft für Familie oder Heim. Kosten 20 RM monatlich einschl. Mittagessen. Es können noch einige Schülerinnen aufgenommen werden. Schriftliche Meldungen Bind an die Geschäftsstelle Berlin, Blumenstraßb 97, oder an die Berufsberatung der Jüdischen Gemeinde, Berlin C 2, Bosenstraße 2/4, zu richten. — Die Sprechstunden des Nervenarztes und der ErziehungsberatungBstclle finden von jetzt ob am Montag und Donnerstag von 2—3 Uhr statt Dos Jüdische Museum ist wieder eröffnet und täglich (außer Sonnabend) von 10—2 Uhr besuchbar. Die Ausstellung der Schenkungen, Neuerwerbungen und Leihgaben ist noch einige Zeit zu sehen. | Kleine Anzeigen! Ermässigter Grundpreis für Stellen-Angebote und -Gesuche 0,05 RM. für die 22 mm breite 12 gespaltene Millimeter.Zelle. Famllfenanzelgen kosten 006 RM, Je Millimeter-Zelle, Zur Zelt Ist Preisliste Nr. 3 gültig. Bei Obenendung des Textes ist die gewünschte QrSsse des Inserates anzugeben. Scbluss der Anzeigenannahme Montag-Vormittag. öften« Stalten Jüdische zeniraioroanlsaiion sucht Rerfarontln zur Bearbeitung der Oeblete Jugendfürsorge und Oesundheltstfirsorge. Nur entsprechend vorgebildete KrJKe, die die Fälligkeit zur aelbstandlgen Arbeit aül Orund langjähriger Praxis haben, wollen] Be Werbungen richten unter L 120 an die Jüdische Allgemeine Zeltung, Berlin- Chart. 2, Blelbtreustr. 2 Wir suchen per sofort In allen größeren Städten tüchtige Anzeigen-Vertreter die bei Jüdischen Firmen gut eingelOlirt jlnd. 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