Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 15 (1935)
- Issue
- 37 (11.9.1935)
- Date
- 1935-09-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE BIBEL ERZÄHLT Der Wochenabfchnüt Ki Ssoicau befiehlt dem jüdischen Volke, nach der Besitznahme Kanaans von den Erstlingen des Bodens dem Ewigen ein Opfer zu bringen. Im dritten Jahre soll der Zehnte dem Leviten, dem Fremdling, der Witwe und Waise gegeben werden. Wenn das Volk den Jordan überschreitet, soll es große Steine aufrichten und auf sie Worte der Tora schreiben. Neben den Steinen soll ein Altar gebaut werden. Auf ihm soll das Volk dem Ewigen opfern und fröhlich sein. Unser Wochenabscnnitt schreibt dann die Verwünschung aller Frevler vor. Sechs Stämme des israelitischen Volkes sollen auf dem Berge Gerisim und sechs auf dem Berge Ebal stehen. Die Priester' sollen die Fluchworte sprechen,.! und das Volk soll sie bestätigen. Es folgt dann die ■ Verheißung reichen Segens für Israel, wenn es dem Ewigen treu bleibt, und die Androhung furchtbaren Unheils, wenn es abtrünnig werden sollte. $ Öpferfeste und Erntefeiern kennt auch das Heidentum. Als das jüdische Volk in Kanaan einzog und aus einem Nomadenvolk ein seßhaftes Bauernvolk geworden war, verstand es sich darum von selbst, daß es nach dem Einbringen der Ernte seiner dankbaren Freude religiösen Ausdruck gab. Das Judentum aber hat diesen Festen den Stempel seines Wesens aufgeprägt. Aus dem sittlichen Charakter des einen Gottes ergab sich die Ethisierune der Volksfeste. Jüdische Freude mußte rein sein. Und weil der Gott Israels ein Gott der Liebe ist, durfte'der Besitzende nicht selbstsüchtig im Genuß seines Glückes schwelgen. Er sollte an seiner Freude auch den Unglücklichen und Armen teilnehmen lassen; So. dienten die fröhlichen Erntefeste dazu, den sozialen Grundgedanken des Judentums ins Volk zu tragen. Erzieherische Absicht liegt auch den Verwünschungen und Drohungen unseres Wochenabschnittes zu Grunde. Mose weiß, welch schwere Aufgabe seinem jungen, unerfahrenen Volke gestellt ist: einsam inmitten der Nationen zu sein und nach den strengen sittlichen Geboten Beines Gottes zu leben. Wie läßt sich.dieses Volk zur Treue gegen seinen Gott erziehen? Wie kann .vierhindert werden, daß Israel von seiner sittlichen Höhe herabsinkt und all das Unrecht begeht, dos bei allen Völkern geschieht? Je schwerer die Aufgabe war, die das jüdische Volk lösen sollte, je größer die Versuchung, dem Beispiel der Mehrheit zu folgen, desto stärkere Erziehungsmittel waren notwendig, wenn Mose Bein Ziel erreichen wollte. Die Verwünschungen und Drohungen, die hier ausgesprochen Werden, mögen uns darum seltsam berühren, ihre geschichtliche Berechtigung wird erkennbar, wenn wir beachten, daß Erziehungsmittel der Situation und dem Niveau des Menschen angepaßt werden müssen, zu dessen Er- . ziehung sie angewandt werden. Das jüdische Volk hat -.tatsächlich durch das Dunkel tiefsten Leids hiridurch- ■ schreiten müssen, bevor es den Wert seines. Glaubens erkannte und die sittliche Kraft gewann, sich selbst und seinem Gott die' Treue zu halten. Lewkowitz-Berlin. hat Strnad Bühnendekorationen geschaffen. In der letzten Zeit hatte er sich auch dem Film zugewandt Die Dekorationen zu „Maskerade" waren Bein Werk. Seino letzte Schöpfung waren dio Buhnenbilder zu den Aufführungen, die in diesem - Jahre im nahmen der Salzburger Festspiele unter Leitung Max Reinhardts stattfanden. Strnad wirkte auch 25 Jahre an der Wiener Kunstgcwerbeschulo und präsidierte dem österreichischen Werkbund. Sein Projekt, ein Theater ohne Zuschauerraum zii schaffen, in dem dio Bühnendekoration nicht durch den auf- und niedergehenden Vorhang begrenzt wird, sondorn in den Zuschauerraum Hinübergreift, wurdo vor etwa zwanzig Jahren in Theaterkreisen viel erörtort, ohne daß ■ es in dieser Form seine /Verwirklichung gefunden hat. Meister des Humors Zum 100. Geburtstage Siegmund HabcrB Bei einem Überblick über die humoristische Literatur im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts stößt man auf eine Anzahl jüdischer Schriftsteller, deren Humor Überall lebhafte Resonanz fand. Die Eigenart des Berliner Humors, als dessen Vertreter sich neben Glaßbrcnner besonders Dohm, Scholz, Stettenheim, Uudolf>'• Loewenstein, David Kaiisch und Siegmund Haber auszeichneten, hatte sich bei den beiden Letztgenannten so stark mit schlesischer Gemütstiefe und Fabulierkunst gemischt, daß dio scharfe Satiro oft in den' Hintergrund trat. Wahrend JuUub Stettenhoim, der Erfinder der Wippchenfigur, sein in Hamburg begründetes Witzblatt unter dem Namen „Berliner WcBpcn" hier fortführte; und der fruchtbare Possendichter Kaiisch den „Kladderadatsch" "mitbegründete, nahm Siegmund Haber an der Begründung des „Olk" den lebhaftesten Anteil. Am 11. September 1835 in Neiße geboren, siedelte Haber, der sich ursprünglich dem Kaufmahnsstandc gewidmet hatte, in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts von Breslau nach Berlin über, wo er bald in den Kreis der besten Berliner Schriftsteller und Schauspieler trat. Einige Einakter, die aus seiner Feder hervorgingen, hatten Erfolg; und seine dramatische Plauderei „Ein Stündchen auf dem Komtor" fand vom Wallner- Thcotor aus ihren Wog über die Bretter. Gemeinschaftlich mit Wilkcn vorfoßto er eine Anzahl von Possen, die durch die Treffsicherheit der Charaktere und sprühenden Witz beim Publikum großen Anklang fanden. Im Jahre 1875 wurdo Sicgmund Haber mit der Schriftleitung des „Ulk" betraut. „Scherenborg, der illustriort, Siegmund Haber redigiert" hieß der bekannte Vers, der neben dem Kopfe des heiteren Dr. Ulk prangte. In den zwei Jahrzehnten seiner Berufst&tigkeit schrieb Hoher eine Fülle sorirbchor und parodistischer BcitrSgo, die von der Unerschöpflichkeit seines Witzes und Beiner Erfindungsgabe zeugten. Er schuf einige belustigende Typen wie dio Konfektioncuso Paula Erbswurst, erneuerte in seinem Nunne dio von Glaßbrcnner geschaffene Figur des Eckenstehers Nanto und erfüllto siq mit seinem nie versiegenden Humor, der zuweilen nur einen etwas zu hausvaterlichen Charakter zeigte. Denn der Grundton seines Wesens war Güte. Allen emporstrebenden, der Wahrheit ergebenen Mitmenschen gegenüber fegte er cüi unerschütterliches Wohlwollen an den Tag. Nur um der Sache willen war er zum Kampfe bereit, aber er vermied es stets, den Gegner persönlich zu verletzen. Mit Recht genoß Sicgmund Haber daher die Hochschätzung all seiner Berufsgenossen; und als er am 27. Februar 1895 beim Lesen von Korrekturbogen vor Vollendung seines 60. Lebensjahres plötzlich aus dem Leben schied, rief ihm sein Nachfolger Schmidt-Cobanb am Schluß eines tiefempfundenen GedichteB die troffenden Worte nach: „Wo sein Siegeszeichen pflanzt der Humor Da wird in Ehren auch Deiner gedacht." M. S. Rucst. * Am 11. September ist ein Jahrzehnt vergangen, seitdem einer dor . erfolgreichsten Lustspieldichter, Gustav K a d e I b u r g, im Alter von 74 Jahren die Augen schloß. Kadolburg war ursprünglich als Schauspieler in Halle, Leipzig , und Berlin tätig; hier gehörte er in seinen Rollen ah Lebemann zu den Zierden ~des Wallner- und Deutschen Theaters. Ein Stück mit Engels, Kadelbu'rg und der Sorma war des sicheren Erfolges gcwißv Später vorfaßte er — ohno literarische Ansprüche zu erheben — gemeinsam mit Franz v. SchÖnthan oder Oscar Blumenthal zahlreiche Lustspiele und Schwänkc, von denen nur. „Der Herr Senator" „Großstadtluft", „Im weißen Rößl" und „Husarenfieber" hervorgehoben seien. Vergeffene Fefte Auch zahlreiche Fafitage find in Vergeffenheit geraten — Von ßinfunddreifiig blieben Jieben — Trauern verboten Die „Synagoge" am Bamberger Dom Anläßlich der gegenwärtigen Restaurierung des. Bamberger Doms "wirft die' „Deutsche Allgemeine Zeitung" die Frage auf, was mit den Figuren der E k k 1 o s i a und dor Synagoge am Fürstenportal des Domes geschehen solle. EinigcB aus dem Artikel von J. J. Morper, München, ist auch für unsere Leser nicht ohne Interesse. „Kann es", fragt der Verfasser, „angesichts des bedrohlich fortgeschrittenen Zustandes der Verwitterung überhaupt noch verantwortet werden, so kostbare Studien wie die Ekklesio und Synagoge noch weiterhin im Freien zu belassen, wo die ihre Oberfläche zersetzenden und zersprengenden Einwirkungen der Witterung und Industriegase sie langsam zugrunde richten worden?" Mit Rücksicht auf den gefährdeten Zustand der beiden Statuen macht iMorper den Vprscnlag, sie , mit guten Kopien zu vertauschen, um dio Originale vor dem Verfall zu bewahren. Nicht empfehlenswert wäre, an die frei werdenden Plätze statt moderner Kopien die alten Figuren des sitzenden Abraham mit den Seelen der Gerechten im Schöße und des posaunenblasenden WeltgerichtsengelB zu setzen, die jetzt so bar .jedes architektonischen Zusammenhanges, wiewohl nicht eines sehr sinnvollen, im Rahmen der Ikonographie des Jüngsten Gerichtes am Niederlauf der Portallaibung aufgestellt Bind. . . . Für diese Figuren sowie für die EkkleBia und Synagoge fände sich übrigens ein ganz ausfezeichneter Platz im Inneren des Domes an den Vorderseiten zw. an den Flanken der Pfeiler zwischen den Apostelschranken' und dem Erzengel Michael-Relief, wo sogar die alten Bossen der Konsolen bereit stünden." Diese Aufstellung gäbe die „Gewähr größtmöglicher. Sicherheit in bezug auf ihre Erhaltung und ließe endlich auch, da sie dann in einer tiefen Zone aufgestellt wärein für die. meisten Besucher des Domes dio unbegreiflich. hehrei Sprache dieser herrlich schönen Statuen vernehmlicher werden. Denn nirgends ist die mittelalterliche Idee der Ekklesia königlicher verkörpert, nie über die Niederlage ihrer geistigen Protagonistin vornehmer gedacht worden." Oskar Strnad gefiorben In Alt-Aussee ist, wio aus Wien, gemeldet wird, im Alter von 56 Jahren. Professor Dr. Oscar Strnad an den Folgen einer Angina pectoris gestorben. Strnad, der einer böhmbchjüdbehen Familie entstammte und stets dem Judentum treu geblieben ist, wurde von Max Reinhardt entdeckt und war neben dem vor kurzem gleichfalls verstorbenen Alfred Roller einer der bedeutendsten Bühnenarchitekten Österreichs, der weit über die Grenzen seiner engeren Heimat Ruhm erlangte. Auch für Borlin Nur kurze Zeit trennt uns noch von dem Festmonat Tischri. Sieben Gonzfeiertuge, vier Halbfeiertage und dazu die Vortage — manche finden das etwas reichlich für einen Monat. In Palästina feiert man weniger — immer nur den ersten und letzten Tag — wie ja auch die Bibel vorschreibt — also nur vier Ganzfeiertage. Hat nun die Zahl der Feiertage wirklich zugenommen, seit Israel unter dio Völker zerstreut wurde? Es sieht so aus — aber es ist nicht so. Es ist im allgemeinen wenig bekannt und wird — bei der Traditionstreue, die dem jüdischen Religionsgesetz zugesprochen wird — auch angenommen, daß einmal eingesetzte Feste auch ständig gehalten werden. Es gibt aber in der Tat eine ganze Anzahl von Tagen, die, in Erinnerung an traurige und an glückliche Ereignisse,. sich im Volksleben abgespielt haben, in mehr oder weniger feierlicher Weise begangen wurden, also den Charakter als gewöhnliche Wochentage verloren. In den Apokryphen, besonders in den Makkabäerbüchern, in den Werken des Joscphus Flavias, im Talmud und im besonderen in der Megillath Ta'anith wird Aufschluß gegeben über eine ganze Reihe von Fest- und Fasttagen, die während einer recht erheblichen Zeitspanne von den Juden gefeiert oder beobachtet wurden — manche einige Jahrhunderte lang —, bis sie nach und nach in Vergessenheit gerieten. Die Ursachen, um deretwillen diese Fast- und Festtage ein- §esctzt und beobachtet wurden, sind seit der kalendarischen Registrierung dieser Tage ein Gegenstand wissenschaftlichen Streites gewesen. Im allgemeinen nimmt man an, daß dieser Feiertngskalcnder ungefähr zweitausend Jahre alt ist und in der Zeit der beiden großen Gplehrten und Gesetzesichrer Hille! und Schammai, ja von diesen selbst niedergeschrieben worden sei. Die Megillath Ta'anith zählt fünfunddreißig solcher Fcicr- und 'Fastzeiten auf, von denen man bis zur Abfassung des Kalenders eigentlich nur sieben — darunter dio noch heute gültigen Purim- und Chanukkatage — feierte, forner das Holzfest, an dem dio HolzBpenden für den Tempel und das Altarfeuer abgeliefert wurden. Die weiteren Feste waren Gedenk- und Siegestage — Megillath Ta'anith wird auch ab Siegeskalender bezeichnet. Er umfaßt dio Zeit von Xeraes bis zu der durch Antoninua im Jahre 138 vor der bürgerlichen Zeitrechnung erfolgten Aufhebung der Verfolgungsdeukto. ' Man kann ruhig annehmen, daß Megillath Ta'anith die Zahl dieser Gedenk- und Siegesfeiern erschöpft hat. Es mögen später andere noch dazugekommen sein, wieder andere in Verfessenheit geraten sein. Der größte. Teil ist. nach dem. vierten ahrhundert nicht mehr gefeiert worden, sicher nicht aligemein. Selbst das große Regenfest, das einst am 8. und 9. Aw zur Erinnerung an eine einst durch Gebet, Prozession und Posaunenschall abgewendete große Dürre gefeiert wurde, war durch die veränderten klimatischen Verhältnisse, in die das jüdische Volk infolge seiner Zerstreuung gekommen war, bedeutungslos geworden und geriet in Vergessenheit. Der Todestag des Königs Jannai, der zugleich — nicht ganz historisch richtig — mit dem Todestag des Herodes am 2. Sch'wat durch Verbot des öffentlichen Trauorns und des Fastens begangen wurde, hörte auf, ein besonderes Gepräge zu haben. Mit Zerstörung des Tempels gab es kein Hölzfest mehr. Daß man am 27. 'Cheschwan wieder Opfer aus feinem Mehl bringen durfte, und daß am 16. Adar die Mauer von Jerusalem wieder aufgebaut wurde, das hatte gleichfalls mit der Zerstörung des Tempels, nach einer gewissen Zeit seine Aktualität verloren. Das gäbe eine Erklärung, weshalb so mancho Festtage vergessen und aufgegeben wurden, dio nach den Berichten aus den oben angegebenen Quellen bis zu einer Woche lang als richtige Volksfeste gefeiert worden waren, als Volksfeste und zugleich . ab religiöse Feste. Es wird ja aber noch an Fasttagen festgehalten, deren historische Begründung eigentlich nicht wichtiger genommen zu werden brauchte: als Beispiel sei Zaum Gedalja genannt, , ein immer noch geltender Fasttag. Geschichtlich beglaubigte bedeutsame Ereignisse, die das Schicksal der Juden in wunderbar günstigem Sinne wandelten und deren es. doch nicht wenige gibt im Verlaufe der viertausend Jahre alten Leiden Israob, mancher dieser Ereignisse wird durch kein Fest mehr gedacht, ähnlich! denen, wie sie in der Purim- und in der Chanukkahfcicr noch immer. lebendig Bind. Es ist nicht ganz leicht, auf diese Fragen eine religiös und wissenschaftlich befriedigende Antwort zu finden. Gewiß: es gibt sicher eine Antwort, doch ob sie auch überzeugend ist, das wäre die zwoite Frage. Interessant bt ouch, daß die Zerstörung des Tempels auf dem Gnr.i-zimbergc als Festtag gefeiert wurde. Es war aber bestimmt gewesen, daß die Priester gerade ,vom Berge Garizim aus die Segenssprüche über dos tugendhaft, gebliebene oder zii Gort sich wieder bekehrte Volk sprechen sollten. Die jetzt nur mehr einige Dutzend Familien zählenden S a m a - r i t a n e r feiern heute noch ihr Pessach durch Abschlachten eines Lammes auf dem Garizimberg. Einst waren die Samaritanor eine starke und kriegerische Sekte und machten den Juden viel zu schaffen. Es war ein Gebot der Notwehr, sie zu bekämpfen und ihre Kultstätte auf dem Segensberge zu zerstören. Doch war es. immerhin der Berg Garizim, und es müssen starke Gründe' vorhanden gewesen sein, um diesen Siegestag zu einem Nationalfeiertag zu machen. , Uber die Megillath Ta'anith und das Scholion, das sich die Erklärung der Festtage zur Aufgabe, aber den Gegenstand selbst damit noch dunkler macht,' bt so mancher Gelehrtenstreit entstanden und, wie immer, kämpft Meinung gegen Meinung über Zeit, Ursprung, Sinn und Zeremonialwescn dieser jetzt vergeasenen Fest- und Fasttage. Für dio Religionsgeschichte bt es aber gleichfalb nicht uninteressant, daß C3 überhaupt möglich war, daß Fasttage, die vom Volk gefeiert und von so angesehenen Gesctzes- Ichrern wie Hillel und Schammai sogar bestätigt und schriftlich niedergelegt waren, wieso solcho Festtage unbeschadet ihres mehr oder weniger hbtorischen Wertes, ihrer mehr oder weniger hbtorischen Bedeutung; einfach — man darf hier wohl sagen: sung- und klanglos in der Versenkung verschwunden sind. - Es ging ihnen wie so manchen anderen Sitten und Gebräuchen. Mangelnde Aktualität kann aber nicht als Ursache geltend gemacht werden, denn wäre diese maßgebend, so würden von den vielen noch bestehenden Volksbräuchen bei allen im modernen Zeittempo lebenden Völkern keine oder nur sehr wenige hoch bestehen. Das Gegenteil aber bt der Fall. Vergessene. Bräuche werden wieder zu neuem Leben erweckt —: auch bei den Juden. Wer wußte noch etwas von einem Fest des Wasscrachöpfens, wer von einem Fe b t de r B ä ume? Das Neujahrsfest - der Bäume ist zu, einem Feiertag geworden, der in Palästina mit großer Fröhlichkeit begangen wird.' Es bt besonders ein Kinderfest. Dio Schuljugend zieht mit den. Lehrern ins Freie, und jedes Kind pflanzt ein Bäümchen, domit es wieder wahr werde das alte Epos von den wundervollen Ölbäumen und den herrlichen Zedern des Libanon. Wer vermöchte sich heute noch über den Tod des Jannai oder des Herodes zu freuen. — mögen' die beiden. Könige auch noch so böse gewesen Bein. Wessen Herz .vermöchte heute noch höher zu schlagen, weil man cihstmal wieder mit feinem Mehl das Opfer anrühren durfte 1 Wehn diese Tage vergessen wurden — es lohnte sich nicht, sie zu neuem Leben zu erwecken. Aber was die wirklichen Feiertage angeht, wie die kommenden, deren wundervolle religiöse und ethbehe Bedeutung gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann, so freuen wir uns, daß Bio bestehen, und man wird aus ganzem Horzen die Worte des. feiertäglichen Kidduschgebetes nachsagen oder zumindest, nachempfinden, die Gott danken, daß er uns „in seiner Liebe die Festtage geschenkt hat zur Freude". . , Df. B. Seh—f. ^otksöfcnlfe in den Berliner-Synagogen mit neuem. Ritus Freitag, don 1 3. September, abends 7 Uhr. Prinz- .regentenstraße 7.15 Uhr. Neue Svnagoge: Saenger.. Lützowstraße: Wiener. Levetzowstraße: Hamburger. Friedenstempel: Prinz. Prinzregentenstraße: Galliner. Liberale Synagoge Norden, Schönhauser Alice 162: Zimet. Liberale Synagoge Osten, Kaiserstraße 30, 7.30 Uhr: Kassel. Liberale Synagoge. Nordost, Prenzlauer Promonado 176, 7.30 Uhr: Goetz. Liberale Synagoge Westend, Kaber dämm 78, 7 Uhr: Brasch. Liberale Synagoge Wedding-Reinickcndorf, Triftstraße 63, 7.30 Uhr: Graf. Jadische Religionsgemeinde Charlottenburg, Schulstraße 7, 6.30 Uhr: Pfingst. Jüdbche. Roformgemeindo, Joaclümsthaler Straße 13, 6.30 Uhr: Rosenthal. Sonnabend, den 14. Septembe'r. Hauptgottendicnst 10 Uhr. Frühgottesdienst: Lindenstraße, Levetzowstraße, Prinzregentenstraßo: 7.30 Uhr. Lindenstraße: Salomonski. Liberale Synagoge Norden: Zimet. Liberale Synagoge Osten: Kassel. Jüdische Religionsgemeinde Charlottenburg: 9.30 Uhr. Sonntag, den 15. September. Jüdische, Reformgemeinde Johannisstraßo 16, vorm. 10.30 Uhr: Gottsclialk.