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Jüdische allgemeine Zeitung · 1935-09-11 · 37 (11.9.1935) · page 2

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
15 (1935)
Issue
37 (11.9.1935)
Date
1935-09-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Die zwei Generationen Fortsetzung von Seife 1 der heutzutage stark gefährdete häusliche Kmefaungsampruch dort verhältnismäßig noch am wenigsten bestritten wird. Daran mag manches richtig sein. Dos Erziohungsgut des nichtzionistischen Bundes ist zu wesentlichen Teilen der Wertwelt" 'entnommen, die auch das kulturello Gesicht der alteren Generation rnitgoformt hat. Aber es darf doch nicht übersehen werden, daß der Weg der jungen Generation in entscheidenden Fragen ein anderer sein muß und dies kraft der lebensmäßigcn Erkenntnis,, daß die pädagogischen Gesetze bedingt sind durch die historischen Gesetze, unter denen eine Generation lebt. Wir hoben unsere Betrachtungen damit eingeleitet, daß wir die soziale Frage in den Vordergrund rückten. Hier liegt ein Konfliktstoff von unbegrenztem Ausmaße. Stets von neuem . Ü&t '■ sich feststellen, daß sich manche. Eltern in ollen sozialen -Fragen einer absoluten Dummhaitungspraiis gegenüber den Kindern befleißigen. Ihnen sind die einer gunstigeren, Zeit entlehnten Begriffe der, gesicherten' Nachfolge und des bürgerlichen „Weiterkommens" so in Fleisch und Blut übergegangen, daß sie sie als Quellen eines produktiven . Ehrgeizes in der Erziehung rückt missen wollen. Wieviele dieser Eltern aber denken daran, daß ihre Kinder — namentlich! Kinder von gutsituierten Akademikern — nicht mehr in den elterlichen Großwohnungen, sondern in Wohnküchen und . bestenfalls 2—3-Zirnrncrwohnungen leben werden? Wieviel Eltern überlegen sieb, daß sie ihre Kinder in einem Milieu von Vorstellungen und Gewohnheiten erziehen, das nicht mehr dos der Kinder sein wird und sein kann? ■ ■ Dies gilt für dio Eltern aller Kinder, gleichgültig an welchem Ort außerhalb oder innerhalb Deutschlands diese Miete zahlen werden. Wieviel Eltern überlegen Bich, daß sie durch falsche Milioutheorion ihren Kindern die Möglichkeit nehmen, in ihrem . rdereinstigen Heim noch glücklich sein zu können. Denn die elterliche Erziehung hat ihnen nur solches als wünschenswert hin- -■ {gestellt, was sie spater entbehren müssen- , : v. Jede Generation tragt die Verantwortung für die Gestaltung' ihres. Lebens selbst und allein. Auch die junge Generation wird . ihre Erfahrungen und ihre Enttäuschungen selbst , zu sammeln haben. . "Sie werden hart seih, ober sie werden sich in demiMaße mildern, in ' dem der Widerstand der Erwachsenen gegen die Plane der „Jugend von~heute" der Erkenntnis weichen wird, daß mit tot- \ kräftiger Hilfe auf allen Gebieten des täglichen Lebens auch der . Weg'dieser Jugend erleichtert werden kann. Welcher jüdische Arbeitgeher, der vielleicht Vater ist, hat eich , schon einmal überlegt, daß die'Zurverfügungstellung eines-weiteren Arbeitsplatzes, für .eine jüdische Kraft die Auseinanderreißung einer Familie .verhindern kann? Wo ist die Einsicht vorhanden, daß'auch der ' persönliche Einsatz; flu: die jüdische. Jugend in Deutschland selbst . mit einem, geschäftlichen Risiko oder einem finanziellen Opfer nicht zii teuer bezahlt wird? > Hier an dieser brüchigen und brennenden Stelle ruht echter , 'Konfliktstoff. Hier begegnete der zu jedem Opfer bereite Einsatz- 'wille der Jugend günstigstenfalls der Indolenz, häufig aber der r'.'in ihrer Negativität oft bo unendlich deprimierenden Kritik der Xltoren, oft der eigenen Eltern. - Diesem sozialen und psychologischen Hemmnis,' wie es die abwartende, resignierende, in ihrer schlechten Prognose ' so ungeheuer sichere Haltung der älteren Generation für die Jugend bedeutet, gesellt sich ein geistiges Hindernis hinzu. Es. ist eine bekannte Tatsache, daß auch die soziale Krise ■ nicht allein vom Sozialen her, sondern mindesten ■ so stark vom Ideelichen her überwunden werden muß. Ohne das nationali politische Rückgrat, das ihm der Zionismus bietet, würde vielleicht der Snob aus Berlin .W in Tel Awiw, aber niemals der Chaluz auf die Dauer die Strapazen des Palästihaaufbaua durchhalten können. FJn gleiches gilt allerorts. Ohne eine geistige Fundierung seines täglichen Einsatzes wird Arbeit jedes Menschen leerlaufen. Die Quellen, '■;'• aus denen sie die Kraft zu seiner Entscheidung schöpft, sind auch der nichtzionistisclien Jugend vorgezeichhet. Sie ergeben sich ideologisch aus Bekenntnis, Struktur und Umwelt. Aber sie fließen bedauernswert spärlich. Daß die Entscheidung heute eine jüdische sein muß, d. h. von der Art, die sich nicht mit der 7 gesetzlich und politisch geschaffenen Situation begnügt, sondern ■ diese erst geistig und haltungsmäßig zu erfassen bemüht ist, ist '■; für, eine denkfähige und tatbereite Jugend zwingend. Was „jüdische Erneuerung", echte, wahre, tiefe Erneuerung, bedeuten kann, gespürt hat es fast jeder, der nach einer 'seelischen Stütze suchte; aber was sie ist und wie sie wird, war wieder einmal ohne fremde Hilfe zu beantworten.,. Die ältere, Generation,.jdea •' . jüdischen Brauchtums längst entwöhnt, ober — yaa schlimmer . war, was eigentlich allein schlimm ist — auch dem Geiste ent- ■ fremdet, versagte bis auf wenige Ausnahmen, ja widersetzte sich teilweise geradezu der übertriebenen „Verjodung" ihrer Kinder. ,; Wo Hilfe erwartet, wurde, stieß.man auf Widerstand. ' Gefährlicher aber noch war eine andere Form der Reaktion, die vielfach in Kreisen der älteren Generation um sich griff. ... Die Reduzierung und der teilweise Ausschluß des höheren Bildungsganges, die Dezimierung der jüdischen höheren Schüler und. Studenten, ließ die nichtzionisüsche Jugend sehr bald nach '.Surrogaten suchen. Der Bund —bisher vordringlich anderen v Zielen dienend — nahm neben der charakterlichen auch die ./ geistige Erziehung seiner Menschen in sein Programm auf. Jüdische ' Klassik' (Bibel und nachbiblisches Schrifttum) hatte im echten jüdischen Bund immer ihren Platz besessen, nunmehr trat das : Idflturello nichtjQdische S&rifttum gleichwertig zur Seite. Was .V; geschieht aber z. B.? In einer Ortsgruppe des „Bundes deutsch-jüdischer Jugend" i. liest die Gruppenführerin mit ihrer Gruppe "chiller. Einige Tage später ein empörter Brief der Eltern eines Kindes. Man habe'Bich entschlossen,'. die Tochter aus dem Bund zu nehmen, denn nach ihrer (der Eltern) Auffassung sei Schiller heute kein Thema mehr für einen jüdischen Bund! Hier liegt keine pädagogische Absicht vor, auch keine oberr flächliche Queruliererei, aber erst recht kein „gutes Judentum". Hier herrscht das Ressentiment und nichts anderes. Hier wird der ' gclbo Fleck angebetet, auch wenn man von der Tora noch nicht die leiseste Ahnung hat Diese Weltflucht ist leider Bchon typisch. Es war/kürzlich von einem bestimmten Kreis jüdischer Erwachsener die': Rede, der nicht einmal mehr ein Museum besuchte, also sich der reinsten objektiven Kunst verschloß. Kein Wunder, wenn die Kinder dieser Eltern, die dio positiven Werte nicht kennen, dio ihre Eltern einstmals willig. aufgenommen hoben,' sondom nur dio nogativen Gefühle, dio ihnen von außen her zugetragen werden, dem gleichen Ressentiment' anheimfallen, daß diesen Kindern das, Verätindnis für jede Schönheit und olleWerte ' verloren geliek . i^rd, weü' ihnen einfach.das Gefühl für Objektivität, abhanden kotamt. Bei der älteren Generation führt diese Ghettoisierung zur freiwilligen Weltflucht, zur Verhärtung, zum Vorurteil, da das gerechte Urteil nicht mehr abgewartet; wird. Bei der . jungen Generation führt; die Abgeschlossenheit zur Primitivität, von« einer räumlichen Distanz zu einer zeitlichen, nämlich zü einer Distanz von der Welt des 18., des 19., des 20. Jahrhunderts. ' Konflikte sollen nicht verschwiegen werden." Man soll sie austragen, in fairness, selbstverständlich, aber mit: aller Offenheit, die ehrlichen Charakteren eigen ist. Dio .Genoratiönenfrage besteht. Sie ist nicht Schicksal nur, sie ist Schuld. Aber beiden Generationen ist es aufgegeben, eich von ihr zu befreien. % in Der Zionistenkongreß in Luzem hat mit einem für die zionistische Organisation wichtigen, Ergebnis geschlossen: Die neue Exekutive umfaßt alle Fraktionen des Kongresses mit Ausnahme der Judenstaatspartei, stellt also eine „Große Koalition" dar. Auch die Tatsache, daß die Exekutivo stark verkleinert, also wesentlich oktionsf ähiger geworden ist,, kann die Organisation als einen wertvollen Pluspunkt buchen, Sicherlich! wird es in dbr neuen Exekutive nicht ohne wesentliche Auseinandersetzungen abgehen, insbesondere zwischen den Flügel,i parteien. Daß deren offizielle Einigung eine rein taktische Operation, aber kein innerliches Zusammengehen bedeutet, ergab mit aller Klarheit die sogen. Kulturdebatte^ in welcher die Gegensätze zwischen Misrachi und Arbeitern wieder stark aufeinanderprallten. Auch die Klagen über die mangelnde Vertiefung des Hebräischen, die nicht nur von gesetzestreuer Seite kamen, reden eine ernste Sprache. Man hat denn auch eingesehen, daß hier. gründliche Arbeit nötig ist, hat ein eigenes. Kulturdezernat geschaffen und keinen Geringeren als den bisherigen Präsidenten, jetzt Ehrenpräsident der Organisation, NakumSokolow selbst, an die Spitze gestellt, einen der größten und fernsinnigsten Kenner der hebräischen Kultur. Von ihm wird tiefgehende und auch für Nichtzionisten fruchtbare Arbeit zu erwarten sein. Ein Wort' aus der Debatte aber wird man sich merken müssen, welches der Arbeiterdelegicrte Levinsohn gesprochen hat: „Wir hofften, bub Erez Israeli wird die Erlösung kommen. Wir glaubten wirklich an das geistige Zentrum. Aber Erez Israel kann nicht einmal für' sich selbst das '• geistige Zentrum schaffen —• die Zahl der geistigen Zentra in Palästina istjgleich, der Zahl der Rabbiner und Schriftstellcr, die in Tel Awiw und Jerusalem' herumgehen.Und nun bestätigt es sich, daß nicht nur Palästina die Galuth nicht beeinflußt, sondern die Galuth übt einen immer stärkeren Einfluß auf Erez Israel im geistigen und kulturellen Sinne." Das ist genau dos, was wir immer gesagt haben, und was für uns der Ansporn sein muß, unsor.e religiöse und kulturelle Arbeit niemals aufzugeben. Dieser'Zustand enthälZt aber auch für die nichtzionistischen Juden .dio Verpflichtung, in dem Lande, "welches so viele ihrer Brüder und Kinder aufgenommen bat, für eine Vertiefung und Vereinheitlichung jüdischen Wesens und jüdischen Geistes zu sorgen. Gelingt Sokolow, der sich zu seiner, ersten Sitzung am Schlüsse des Kongresses schon Männer wie Ehrenpreis, Martin Bubcr, Schalom Asch u. a. ah die Seite gerufen hat, das große und schwere Work der Vergeistigung des nationalen Judentums, die nur in der Zurückführung auf die ewigen Quellen unserer Gemeinschaft bestehen kann, so wird, dieser 19. Kongreß nicht nur für die ZioniBtcn ein Kongreß der Vereinigung sein.. Uber die Tagung der Jewish Agenoy kann man wenig berichten, denn die Berichte selbst sind sehr dürftig. Wir behalten uns vor, hierzu noch einen der Teilnehmer an der Sitzung selbst zu Worte kommen zu lassen. Heinrich Stern. i tf .0' I m $$ *;■*» 1 ES ■M Die jüfüfdie Bevölkerung in Helfen Die „Hessische Landeszeitung" in Darmstadt veröffentlicht einen längeren Aufsatz,in dem Angaben über den Anteil der jüdischen Bevölkerung in HeBsen gemacht werden.; Durch die 17888' Juden, die bei der, letzten: Volkszählung im Jahre 1933 im Lande Hessen ermittelt worden sind, macht der ' jüdische'Anteil an der Gesamtbevölkerung 1,3% aus. Er ist damit unter den deutschen Ländern, nächst Hamburg, am höchsten. Die meisten Juden im. Lande Hessen ' wohnetF m der Provinz Starkenburg (7003). In den sieben Kreisen, dieser Provinz betrug djo Zahl der Juden am Tage der Volkszählung: in Offenbach 2263, Darmstadt 1907, Dieburg 717, Groß-Gerau 629, Bensheim 589, Erbach 530 und Heppenheim 368. In Darmstadt uriu Offenbart waren von je 100 Einwohnern. 1,2' Juden, in Elbach"'1,1, in Dieburg 1,0, in Groß-Gerau 0,9, in Bensheim 0,7 ^und in Heppenheim 0,6. Von den 7003 Juden der Provinz Statkenburg lebten 3356 oder 47,9 o/o in den sieben : Stadt- und Landgemeinden von mehr als 10000 Einwohnern, und zwar in der. Stadt Offenbach 1435, in Dannstadt 1427, in Bensheim' 160, in Neu-Isenburg 133, in Lampertheim 85, in Vierenheim 69 und in Rüsselsheim 47. In der Stadt Offenbach 'sind von je 100 ■ Einwohnern 1,8 Juden, in Darmstadt iind Bensheim 1,5, in Neu-Isenburg 1,0, in Lampertheim und Vierenheim 0,6 und in Rüsselshehn 0,4. .....und in Baden Das „Hakenkreuzbanner" in Mannheim veröffentlicht eine statistische Untersuchung über den jüdischen Anteil der Bevölkerung in Baden. Aus ihr ist zu entnehmen, daß der Bezirk Mannheim 10128 Juden oder 1,4% der Bevölkerung zählte, während am Tage der letzten Volkszählung der jüdische Anteil im Landesbezirk Karlsruhe 0,8 o/0 und im Bezirk Freiburg OjßO/o betragen hat. Von den größeren Verwaltungsbezirken des Reiches haben demgegenüber die hessische Provinz Oberhessen 1,5o/o, die preußische Provinz Hessen-Nassau l,8o/o und der Regierungsbezirk Wiesbaden 2,3o/0 jüdische Bevölkerung gehabt. Im Amtsbezirk Mannheim wohnten am 16. Juni 1933 6725 Juden oder 66,4 o/o des Landesbezirks Mannheim. In der Stadt Mannheim selbst lebten 6402 Juden oder 2,3% der Einwohner, in der Stadt Heidelberg ' 1102 oder l,3o/0, in Weinheim 168 oder 0,90/0 und in Schwetzingen 79 oder 0,8°/o. Im Durchschnitt der 52 deutschen Großstädte von mehr als 100000 Einwohnern boträgt der Judenanteil LS o/o,'so daß der prozentuale Anteil der jüdischen' Bevölkerung, in. Mannheim diesen Durchschnirt ebenso wie Breslau (3,2o/o), ''' Berlin ■ (ßfio/oj und: Frankfurt a. M. 74,70/6) überschreitet.' In der badischen Stadt Bruchsal lebten 501 Juden, die 2,9»/o der Bevöueerung ausmachten. " ' - " Die Ausfchließtuig von Jaden aus der Reichskulturkammer In der Hochschule für Politik, Seminar für SA-Führer' und SA-Schulungsreferenten, sprach der Geschäftsführer der Reichs- kulturkaromer, Hans H i nk e 1, über nationalsozialistische Kulturpolitik. Im Verlauf seiner Ausführungen ging er auch auf die in der letzten Zeit erfolgte Ausschließung von Juden aus der Reictskulturkammer ein. Aua den sieben Kammern der Rcichskuliurkammer, so teilte Hinket dem .„Angriff" zufolge mit, seien jille Nichtariqr — übrigens nach zweijähriger Bewährungsfrist — ent- , feint worden. Es handele sich um mehrere Hundert, von denen 80 Prozent — das sei, so erklärte er, charakteristisch für das Empfinden der Gegenrasse — sich um Wiederaufnahme beworben hätteu. Die Grenze zwischen deutschem und jüdischem Kulturloben müsse klar gezogen werden. Es habe sich erwiesen, daß'jener Konsistorialrat, der sich für zwei jadische Kirchenorgonistcn in Eberswalde habe verwenden wollen, in verwandtschaftlichen Beziehungen zu diesen stehe. Nur einDrittel der jüdischen Erwachsenen,• sei im jüdischen Kulturbund organisiert. Der Nationalsozialismus sei gewillt, soviel jüdischen Künstlern ihre Tätigkeit zu genehmigen, als es jüdisches Publikum gebe, das sich der Verantwortung gegenüber diesen Künstlern bewußt,sei. ||: Der Verkehr mit Juden 1 . , Eine Entscheidung des Amtegerichts Breslau,',., . - Unter der Uterechrift „Jeder Verkehr mit Juden ist Rassen^ schände" berichtet, der „frankfurter,Zeitung" zufolge, die „Nationalsozialistische Parteikorrespondenz" ausführlich von einer Entscheidung des Amtsgerichtes in Breslau,, der danach folgender Sachverhalt zugrunde liegt; In Breslau: Bei eine Frau wegen Rassenschahde. angeprangert worden, Sie habe deswegen bei . Gericht gegen die SA-Führer als Urheber dieser Veröffentlichung eine einstweilige Verfügung be-; ■ antragt. Die Frau habe behauptet, daß „sie gar nicht in intimen Beziehungen zu dem Juden gestanden habe. Das Gericht habe 'es ',''" aber auf den Beweis darüber gar nicht ankommen lassen., Es hflher-' festgestellt, daß Rassenschande nicht nur bei intimem Verkehr, sondern auch schon in allen Fällen vorliege, wo ein freundschaftlioher Verkehr mit einem Rassefremden, insbesondere einem Juden, nachgewiesen werden könne. In den Entscheidungsgründen heißt es u. a., daß die - Antragstellerin mit einem Juden anderthalb Jahre nach der Macht- ' Übernahme zehn Tago nach Swinemünde ins Bad gefahren sei und mit ihm jn diesem Jahre auch eine zweitägige Autotour unternommen habe. Der Ehemann, ein SA-Mann, habe dagegen keinen Einspruch erhoben. Wörtlich heißt es dann weiter: „Ob sie dabei , noch geschäftliche Dingo erledigt hat oder nicht, spielt keine Rolle, da die Antragstellerin als Deutsche und besonders als Ehefrau eines SA-Mannes die Pflicht hat, sich, nicht mit Juden in der Öffentlichkeit allein sehen , zu lassen, und den Verdacht intimer Beziehungen zu diesem in der Öffentlichkeit zu erregen. Abgesehen davon, daß derdringende^ Verdacht besteht, daß die Antragstellerin zu Spanier in intime Beziehungen getreten ist, ist unter dem Begriff Rassenschahde nicht nur die geschlechtliche Vereinigung einer Arierin mit einem Nichtarier und umgekehrt, sondern auch jeder andere freundschaftliche Verkehr, soweit er über den Rahmen des rein Geschäftlichen hinausgeht, zu verstehen, wie auch der Kerrlsche Strafrechtsentwurf von 1933 z. B. dos Tanzen zwischen Arier-und Nichtorierin als Rassenschande bezeichnet und bestraft. Unter diesen Umständen ist der Vorwurf der Rassenschande, : ' den die Autragsgegner' durch ihre Veröffentlichung der Antrag- ' stellerin machen, da sie als Ehefrau eines arischen Geschäfts- und SA-Mannes besonders Verpflichtungen zur Zurückhaltung bezüglich des Verkehrs mit Juden hat, .gerechtfertigt. Selbst wenn Bio keine ,. intimen Beziehungen"zu Spanier eingegangen ist, war doch ihr Verhalten, besonders nach dem heutigen Verkehrempfinden, als unzulässig, und unter den Begriff ■ der Rassenschahde fallend zu bezeichnen. ' D»ß 41? Antragsgegner — als SA-Führer ''— das Recht zur Veröffentlichung eines derartigen Verhaltens der Antfagstellerin ' haben, ist für den nationalsozialistischen Staat, der als eines der wesentlichsten Grundelemente gerade den Kampf um die Rassenreinheit des deutschen Volkes in sein Programm geschrieben hat, nicht nur eine' Selbstverständlichkeit, sondern eine Wesensbedingung," , Jüdifche Fragen vor dem Völkerbund Genf. Auf der Tagung des VölkerbundsTates, die jetzt in Genf eröffnet wurde, stehen auch einige Fragen von jüdischem. Interesse zur Debatte. Der Rat wird den Bericht der Ständigen "'Mandatskommission über ihre Tagung vom Juni d. J. zur Kenntnis nehmen. Bei dieser Tagung beschäftigte sich die Kommission u. a. mit dem Jahresbericht der Mandatarmacht für Palästina und mit der Prüfung einer Reihe jüdischer und arabischer Petitionen. Von den der Ratstagung vorliegenden Petitionen ist ferner eine zu erwähnen, die von jüdischen Verbänden in Danzig vorgelegt wurde. In der Völkerbundsveraainmhing, deren Tagung am 9. September begann, wird der Vorschlag der norwegischen Regierung betreffend Schaffung eines zentralen, dem Völkerbund eingegliedertes Auswanderersohutzamtes geprüft werden. " ■ 1

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