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Jüdische allgemeine Zeitung · 1935-09-04 · 36 (4.9.1935) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
15 (1935)
Issue
36 (4.9.1935)
Date
1935-09-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Das Tor des'Kuhstalls steht weit offen. - „Fixlelnl Fixlcinll" brüllt er. Der Stall ist leer. Haben' die Tiere in Todesangst sich losgerissen? Hat man sie in Sicherheit gebracht? Oder gestohlen? Hoben ihm die •Franzosen den Schimmel geraubt? Oder ist er. entkommen? ... Der verzweifelte. Schloßverwaltor ' rennt hinter , einer, entkommenen Kuh, Nathan wie irr hinterm Verwalter her, schreit ihn an. Aber der weiß von keinem Schimmel. Inzwischen stürzen 'brennendo Balken in den Schloßbjof hinab. Und der : Tespiskarren'. verbrennt. : Mit verzerrtem Gesicht keucht der abgebrannte Thcaterdirektor zum Hafen. Die Mitglieder kommen ihm entgegen, fragen drauflos, trösten: „Ein Glück, daß wenigstens unser Gepäck und die Dekorationen im Speicher Btehen." Franck schickt Alva und Junker zur Fähre: sie sollen aufpassen, daß da niemand'den Schimmel rüber schafft. Zwei andere stellt er an die Straße nach Frcdericia. „Gestohlen, gestohlen I Sic hoben meinen Schimmel gestohlen I . . ." Die Posten stehen die Nacht und den ganzen folgenden Tag, lösen sich ab, spähen, fragen. Viele Pferde kommen vorüber, .''auch Schimmel, aber ob Fixloin dabei ist — wer kann es sagen? Das geht alles viel zu schnell. Vielleicht jst einer der Brand- . Stifter auf seinem Rücken entflohen, vielleicht hat ein Bauer, dem man das Vieh enteignete, dos Tier, adoptiert und halt sich dran schadlos ... Krieg ist Krieg. In Nathans Qbemächtigem Kopf ' fieberte von wirren Gedanken. Was hat'er nicht alles getan, bloß um den Schimmel vor den Soldaten des Kaisers zu retten?! All sein Tun und Handeln, seit jenen ersten Oktobertagen des Jahres 1806 war nur von diesem einzigen Zweck bestimmt. Nur um Bein Fixlein nicht den nnpo-; leonischen Leuten auszuliefern, hatte er Umwege über Umwege gemacht, hatte ■ dos Gebot des Vaters übertreten, war nach Kissingen und zum Theater gegangen, hatte, die Heimat verlassen, danisch gelernt, trefe gegessen, mehr als einmal, drei Jahre lang hatte er nichts von seinen Lieben gesehen — und nun war - alles umsonst. Nun hatten Bio es ihm doch weggenommen, weg, ' .wog, weg;. Und die Tränen, die er drei Jahre lang so tapfer zurückgedrängt hatte, brachen jetzt mit unwiderstehlicher Gewalt aus seinen Augen. Er heulte wie ein Kind. Gut, daß ihn keiner von seiner Truppe sah, wie er da an ' der Kaimauer stand Und fassungslos in die Nacht hinaus schluchzte. Es soll nicht sein, dachte er, es soll nicht sein. Was halt mich noch hier . . .? Wob hält mich noch? Es muß doch vieles gewesen sein, was ihn trotz oller Schicksalsschlage beim Theater hielt. Der Weg zur Bühne, so schwer er auch sein mag, ist immer noch tausendmal leichter als der Wog von der Bühne weg und zurück.ins bürgerliche. Dasein. Er wollte zurück. Aber nicht als ein Gescheiterter, nicht .als Bettler,' vom Elend gezwungen. Wenn er zurückkehrte, dann freiwillig, stolz. Das Geld für die Fuhre geschnitten Nußbaum wollte er mit Zins und Zinseszins mitbringen und Wagen und . Pferd, den Betrag für die Erdäpfel nicht zu vergessen. Und Gurli? Er wollte' auch nicht ohne Gurli zurück. Nur jetzt durfte er ihr nicht mit seinen Absichton kommen. Wovon sollten sie auch heiraten? Er mußte' den Kampf von neuem aufnehmen. Er wollte es und er konnte es. Jetzt verstand er ja . Was vom Theater,' sprach fließend dänisch und besaß eine Konzession fürs ganze Königreich Danemark. Er wischte die Tranen ab und begab sich zu seiner Truppe. Die spürte sehr wohl, wie es mit ihrem Direktor bestellt war. Obwohl sich alle in gleicher Bedrängnis befanden, versprachen sie ihm aus freien Stücken, sobald Bich ihre Umstände erst 'wieder gebessert hatten, als erstes den entstandenen .Schaden zu ersetzen. Nach Wiesenfeld schrieb Nathan von diesen Dingen nichts. Obwohl er wirklich keine Schuld an dem Vorgefallenen trug,, schämte er sich , doch, seine mißliche Lage einzugestehen. Gurli jedoch schrieb nach Hause an ihren Vater, den Primgeiger, bc-. richtete alles, was die Truppe erlebt hatte, sprach sehr freundlich von ihrem Direktor und Fixlein und richtete viele Grüße an 'Onkel Solomon, den Pferdehändler. Durch diesen erfuhren denn Auch die Wiesenfelder olles, was ihrem Jüngsten zugestoßen war. Obgleich das ganze Ensemble längst die dänische Sprache beherrschte, spielte es seine Sing- und Schauspiele auch weiterhin deutsch, selbst wenn ca. sich , um Werke dänischen Ursprungs handelte. Nur wenn, sie in die nördlichen Landesteile kamen, bedienten sie sich zuweilen-des Dänischen, . nannten sich aber nach wie vor und' überall: die deutschen Komödianten und waren als solche allenthalben gern gesehen. (Fortsetzung folgt) Die jfidifche Kulturarbeit in AusJfödbwu^ RiAtlinien, Der'. „R oichs ve rband der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland" teilt mit: » Der am 27. April 1935 gegründete Reichsverband der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland hatte auf seiner Gründungsversammlung Herrn Intendant Dr. Kurt Singer als Vorsitzenden des Reichsverbandea gewählt. Am 22. August 1935 hat der Sanderbeauftragte des Herrn Reichsininistcrs Dr. Goebbels, Herr Staats- . kommlssar Hinkel, im Einverständnis mit der Geheimen Staatspolizei, Herrn Dr. Kurt Singer als verantwortlichen Leiter des Reichsverbandes, Herrn Dr. Werner Levie als Generalsekretär bestätigt. ... Inzwischen sind die von Herrn Staatskommissar Hinkel im Einvernehmen mit der Geheimen Staatspolizei ausgearbeiteten Richtlinien publiziert worden. Im Zusammenhang mit diesen Richtlinien für die Zusammenfassung der Kulturarbeit in Deutschland treibenden Organisationen werden folgende Ausführung sbestimmungen bekanntgegeben, die von dem Sonderbeauftragten, Herrn Staatskommissar Hinkel, vollinhaltlich genehmigt worden sind: ' I. Von dem Zusammenschluß im Reichsverband der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland werden erfaßt: 1. Kulturbünde Thcdtervereine Gesangvereine Freie Chöre Orchestervereinigungen Kulturausschüsse bei den Synagogengemeinden und Künst- ' Ierhilfen (soweit diese durch künstlerische Veranstaltungen jeder Art produktive Hilfe für notleidende Künstler leisten oder überhaupt künstlerische Veranstaltungen durchführen) Vereine jeder Art, die laufend .künstlerische Veranstaltungen durchführen. Dem Zusammenschluß im Reichsverbahd der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland unterliegen nicht:! a) Institutionen der Juden in Deutschland : Reichsvertretung der deutschen Juden und deren Einrichtungen, Zentrolausschüß der. deutschen Juden für Hilfe und Aufbau und dessen Einrichtungen, Landesverbände der' jüdischen Gemeinden und deren Einrichtungen, Jüdische Gemeinden,- unbeschadet der Ziffer 1/6, .Rabbinerbildungsanstalten, Lehrhäuscr und Volkshochschulen, Reichsausschuß der jüdischen Jugend verbände und die ihm angeschlossenen Organisationen, Schulvercine. b) 'Weltanschauliche Organisationen : Centraiverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Zionistische Vereinigung für Deutschland, Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, Vereinigung „für das religiös-liberale Judentum, Die Vereine zur Pflege des gesetzestreuen uJdentums. c) Frauenbünde, deren hauptsächlicher Zweck Zusammenschluß der jüdischen Frau und deren Erziehung zu jüdischem Gemeinschaftsbewußtoein und zur sozialen Betätigung - in der jüdischen Gemeinschaft ist, die aber ihre Veranstaltungen des öfteren mit künstlerischen Darbietungen umrahmen. dl Großloge ü.0;B.B. ■■ ... e) Synagogen- und Religionsvereine, Standesorganisationen, Sportvereine, Soziale Hilfsorganisationen. Organisationen, die dem Zusammenschluß im Reichsverbond nicht unterliegen, können gelegentlich eine weltanschauliche oder gesellige Veranstaltung durch künstlerische Beiträge umrahmen lassen. Für diesen Fall sind sie verpflichtet, dem Reichsverbond 14 Tage vorher das Programm sowie den Tennin der Veranstaltung anzumelden. Um den Charakter des Gelegentlichen zu wahren, entscheidet der Reichsverband aber die Genehmigung. HI. 1) Die zu I. aufgeführten Organisationen haben bis spätestens 15. September 1935 Antrüge auf Aufnahme in den Rei chs ve rb and bei dessen Verwaltung, Berlin SW 68, 2. 3. 4. 5 6. n. Charlottenstraße 90/92, zu stellen. 2. Der Reichsverband entscheidet über die Aufnahme. 3. Uber die Anschlußpflicht und eventuelle Ablehnung von Organisationen entscheidet der Reichsverband im Einvernehmen mit dem Sonderbeauftragten. 4. Die dem Reichsverband angeschlossenen Organisationen sind verpflichtet: a) die Richtlinien des Herrn Sonderbeauftragten korrekt durchzuführen. Dem Reichsverband liegt die Beaufsichtigung hierüber ob. b) Bis zum 15. eines jeden Monats dem Reichsverband'das nächstmonatliche Programm zur Genehmigung vorzulegen., c) Abänderungen des Programms sind spätestens 8 Tage vor der Veranstaltung dem Reichsverband zur Genehmigung vorzulegen. 5. Die dem Reichsverband, angeschlossenen Organisationen sind verpflichtet, Monats-, bzw. Jahresabrechnungen über den Mitgliederstand einzureichen und einem Beauftragten des Reichsverbandes zum Zwecke der Kontrolle jederzeit Einblick in die Bücher zu gewahren. 6. Die dem Reichsverband angeschlossenen Organisationen sind verpflichtet,' pro Mitglied einen Verwaltungabeitrag von monatlich RM 0,03 (lt Vorstandsbeschluß) an den Reichsverband zu leisten; sie sind berechtigt, um diesen Betrag' ihren Mitgliedsbeitrag zu erhöhen. ■ Um bei den Veranstaltungen des Reichsverbandes und der ihm angeschlossenen Organisationen den Charakter geschlossener Veranstaltungen zu wahren, werden alle ausübenden Künstler,. die im Rahmen des Reichsverbandes zur gelegentlichen Mitwirkung oder Festverpflichtung herangezogen werden, ihre Anmeldung beim Reichsverband vollziehen. Diese Anmeldung verpflichtet den Reichsverband nicht zu Engagements, gibt aber die generelle Berechtigung, in sämtlichen dem Reichaverband angeschlossenen Organisationen Engagements anzunehmen. Uber die Beitragspflicht wird von Fall zu Fall entschieden. Wir bitten, die Anmeldung bis zum 30. September zu vollziehen. '* Der Reichsverband der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland teilt ferner mit: Alle Künstler, die in den letzten Tagen ein Schreiben der Roiohsmusikkammer über ihre Mitgliedschaft erhalten haben, werden ersucht, sich-umgehend schriftlich, unter Mitteilung ihrer Adresse und ihrer bisherigen Berufsart beim Reichsverband der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland, Sonderdezernat F, Berlin SW 68, Charlottenstraße 90/92, zu melden. — _ .. -Ier^(] Wir bitten, von persönlichen Besuchen abzusehen, dieoflber snid, da eine generelle Mitteilung an jeden sich Meldenden rechtzeitig erfolgt. Das Hamburger Kulturbundprogramm Hamburg. Die „Jüdische Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft in Hamburg e. V. hat ihren Namen geändert in „Jüdischer Kulturbund Hamburg E. V." Als letzte Veranstaltung der Sommerspielzeit wurden an einem Einakterabend „Paria" von Strindberg, „Literatur" von Arthur Schnitzler und „Der Bär" . von Anton Tshechow zur Aufführung gebracht Die Mitwirkenden, Julius Kobler, Norbert Kobler, Max Ludwig Berges, Albert Walter, Sascha Rares, fesselten durch ihre hervorragenden Leistungen dos zahlreich anwesende Publikum in hohem Maße und ernteten verdienten Ueif all. Der Vorsitzende des Reichsverbandes der jüdischen Kulturbünde in Deutschland, Intendant Dr. Kurt Singer, hielt vor einem geladenen Kreise einen Vortrag über das Thema: „Die Aufgaben der Kulturbünde". Die Hamburger Organisation hat für den Winter neben „Jnokobs Traum" neun Theateraufführungen, fünf Orchester-Konzerte, darunter das Oratorium „Awodath" von Bloch, fünf Kammermusikabende, Solistenkonzerte, ein Konzert des Chors des Tempels und eine Kollektiv-Ausstellung Hamburger Künstler in Aussicht genommen. E. F. Z 0 0 Haldenbergjtr. 20 ischwarz! englisch! französisch! spanisch! Private Waldschule Grunewald Leitung: Fr. Tool Lesaler Hagenstr. 56 «. Roseneck -HO 2551 Frauenschule (oio nach dem neuen ministeriell genehmigten Lehrplan iiiiiiiiuiiiiiiiuiiiiiiiraiiiiiiiiiuiiiiuiiiniiuiiiiiiiiuiniiiuiiiuiaiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiuuii . i i ..'-'i.1.'. Li.;>'■—-.. •■ . Von der Reise zurück Dr. MUSKAT Facharzt für Orthopädie W 62, Kurfürstenstraße 124 Hieln-Komtort-Zlraraer Ogd.Savignypl.od.Bhf .Charlbggesucht, nicht über" 25 Mark. Off. unter E 114 an die JJV.Z. MASKENBILDNER des Kulturbundes XX MAX SCHULZ, Herrenand Danunfrisear v . ■ ■ Charlottenbarg, Ssbelttr. 52 Ab 1. Oktober müssen Waren-Elagangtblcher geführt werden. Emplehle mich für Bilanz- und Standenbucuhaltung. auch In Abonnement. bflUgit. Adolf Hau. Charlottenburg Kalserdsmm 2 Fflr meinen Soiin, 28 J. Inhaber einer Apotheke im Auslände, sucheapprob.Apothekerln bis 30 als Ebekameradin. Lichtbild erwünscht Zuschriften unt. 1118 an d. Qesch.-Ltg. der JAZ. tmpfeMeHsmecte!Btzuqsqu£tta\ BERLIN Leopold Brand A Senklng-Herde AÖ\ Eiserne Oefen f=£KBade-Anlagen 1 Berlin-Charlburg.2 1 KantstraBe. 28 ■ Fernruf: C I Steinplatz 7490 1 Teilzahlungen | Autovermietung | Wir suchen für sofort in Berlin und im Reich tüchtige Anzeigen-Vertreter Zuschriften unter B 111 an die Geschäftsstelle der J. A. Z. ■ Maler 1 | Tischlereien | Edwin Rothschild gepflegte Wagen, offen und geschlossen Stunden oder Kilometer billigst . 01 ItalapMz 4949 Butzke & Co. SchOneberft Helmslr. 1, Toi. Ol 0703 Schilder, Zimmerraalcrci, Fassadenanstrich, Tapezieren. laRefer., blll. Preise MOEBEL-KANERLING BerllnN,KasUiUenäliee66,SpeIse-,Scblaf-, Herrenzimmer, Küchen, Polstermöbel. Mlfllgo Preise. "Casaa auch TelUablung 1 Blumen | *rtM *^ 4 «4 afl v ■ v | Reklame-Werkstätten | | Wäschereien | | Bürobedarf | Für Friedhof Weißensee nur Lothringens^ 4 A. 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