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Jüdische allgemeine Zeitung · 1935-08-28 · 35 (28.8.1935) · page 2

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
15 (1935)
Issue
35 (28.8.1935)
Date
1935-08-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Jakob erringen sollte, er den Jakob zunächst auf Lea verpflichtete. Im dritten Akt, da Jakob sich Lea an Stelle-der ersehnten Habel gegenübersteht, sagt er zuLea: „Wo kommst du her? Aus welchem Abgrund, sage? Wie fandest du den Weg in dieses Land? Denn nun erkenn' ich - dich an deinem Flüstern. Wie heißest du? Als ich nicht Jakob war Und Itahel suchte durch das Tal des Leides, Da könnt' ich dich. Du keuchtest neben mir; — Und dann ward ich entrückt." Es lassen diese Verse keinen Zweifel darüber, daß Lea für Hauptmann mit der Frau identisch wird, an die den Maler eine lüstigo Ehe bindet, ja diese alltagsgraue Lea ist's, dio Jakob aus seiner Traumgewißheit reißt, ihm eme schreckende Erinnerung an das zurückgibt, was er gowesen, bevor der Engel ihm erschien. Es bezeichnen diese Verse aber auch zugleich, die Achse, um die die ■ gesamte dramatische Handlung zu schwingen hat. Das will besagen: bedeutete für den Maler, der sich in Jakob wandelt und damit zu seiner tieferen seelischen Bestimmung zurückfindet, Lea die ungeliebte Frau, an, die er gekettet war, so jnüßto dies Lea- Verhängnis gleich in der ersten JJzcno des Vorspiels Gestalt oder doch'Stimmungskraft gewinnen. .Hier und nur hier war dio Einheit der Handlung zu suchen, — nicht im Sinn eines veralteten dramaturgischen Lehrsatzes, sondern in der Bedeutung des lebendigen Nervs, ohne den die Teile tot auseinander fallen. Merkwürdig genug: im ersten (Prosar)Entwurf des Vorspiels ist sich'Hauptmann durchaus bewußt, daß dies wesentliche Motiv gleich in der Eingangsszene beherrschend angeschlagen werden muß:. Er notiert: „Berliner Hinterhaus. Die' Quälereien seines Weibes und seiner Kinder." In der Versausführung der Szcno aber, ist davon völlig abgesehen. Kein Wort,.das auf diese Frau, die doch nachher in Lea wieder in Erscheinung zu treten hat; deutet Sie scheint Oberhaupt nicht vorhanden zu sein. Etwas anderes, dem Traumbild Abgewonnenes, aber dramaturgisch Gleichgültiges, ist an dio Stelle getreten: ,der Maler leidet unter der Enge, der Naturentrücktheit der Großstadt. Wie ist solch Außerachtlassen des wichtigsten Gesichtspunkts, des eigentlichen dramatischen Motivs zu erklären? Meiner Meinung nur damit, daß Gerhart. Hauptmann nicht imstande war, dies naturalistisch erfaßte Motiv in der hier gebotenen gehobenen Diktion zum Ausdruck zu bringen. Nicht zu, übersehen: die dichterische Aufgabe dieses „Hirtcnlieds" war ganz wesentlich stilistischer Art. Durch die Kraft des künstlerischen Ausdrucks sollte in Erscheinung treten, daß das wahre Sein dieses armen, verängstigten Künstlers nicht in seiner miserablen Wirklichkcitsoxistenz, nicht bei Leo, sondern bei flohcl, nicht im Berliner Hinterhaus, sondern in der weiten Landschaft und am Brunnen bei den Hirten — also im Traum zu suchen sei. Aus AlltagszufEiligkeiten hatte der Engel in die Gefildo wahrhaften Seins zu führen.' ' Auf Grund einer stilkririschen Untersuchung kommt der Verfasser zu dem Schluß, daß Gorhart Hauptmanns dichterisches Vermögen dieser hochgesteckten Aufgabe nicht gewachsen war. „Der große und überragende Menschcngcstaltcr", heißt es dann, „verfügt — nicht nur hier — nicht über dio entsprechehdo sprachbildnerischo' Kraft. Sein Instrument gehorcht ihm nicht. Deshalb war es für ihn Naturgebot, in den Dialekt zu flüchten. Deshalb ontsprach die naturalistische Welle, die ihn trug, scinor Veranlagung; Deshalb lebt sein „Fuhrmann iHcnschel", doBhnlb mußto das „Hirtcnlicd" (Fragment bleiben." Traum und Wirklichkeit — wir sagten es schon — gehen im Leben Chajim Vilals ineinander über, dio Konturen werden von ihm nicht mehr erkannt. Die Diskrepanz zwischen ihm und der Umwelt wächst immer mehr. Aber er empfindet sie nicht. Das iBt sein Glück und scino-Tragik, oder besser, seine Tragikomik; 1620 stirbt er — allor Erfüllung seiner hochgespannten Wünscho bar —, ein müder, aber bis zum letzten Atemzug des Wunders gewfirtiger Greis, in Damaskus. Leben zwifchen Traum und Wirklichkeit / Welch seltsames Spiel des Zufalls stattete jenen Mann, dessen Betrachtung dieso Zeilen gewidmet sind, mit dem Namen „Leben Lebendig" aus — denn nichts anderes heißt auf deutsch — ChnjimVital. Leben hieß sein Vorname, Leben sein Familienname. Und wie wunderlich gut paßte dieser skurrile Name zu seinem Träger. Denn in der Tat lebte dießor zwei Leben; eines in der „unteren", in der Welt unserer Realität, die er jedoch als >,die Welt des Scheins" bezeichnete, und eines in einer phantastischen, abenteuerlich-erregenden, heilig-naiven Traumwelt, die er „die Welt der Wahrheit" nannte. Sein Leben ist eine andauernde Berührung der Sphären, ja noch mehr: ein Ineinanderfließen und Verschmelzen von Traum und Wirklichkeit. Und durch diese beiden — keineswegs mehr getrennten— Welten geht ein Mann von kleinem Wuchs und kümmerlichem. Bart, ein armer Ghettojude von zerbrechlicher Gesundheit, krank am Körper und krank am Beutel — ein Schnorrer . fast, aber begnadet mit einer wundervollen Seele, der „erhabensten des Zeitalters" (wie er selbst, aller Bescheidenheit bar, behauptet), deren Glut ihn fast verzehrt, die ihm aber auch; die Kraft verleiht, alles Irdische als ein Nichts und „ein Haschen nach Wind" anzusprechen. Heiliger, Charlatan oder Pfychopath? Was war Chajim Vital? Heiliger, Charlatan oder Psychopath? Er hatte wohl von'allem etwas. Er steckte voller Widersprüche und XlnauBgeglichenheiten' und vereinigte in ■ seiner Person die mannigfachsten Gegensätze. Chajim Vital entstammte einer aus Calabrien (Italien) nach Palästina eingewanderten, strengfrommen sephardischen Familie. Sein Vater war „Sopher", Tora-Schreiber, und ernährte seine Familie von dem Ertrag seines heiligen Handwerks so gut es ging. Es ging nicht gut, wiewohl der „Sopher aus Calubnen" seiner außergewöhnlichen Frömmigkeit' .wegen unter den Juden hochgeachtet war. ' 1543 wird dem Rabbi Joseph Vital, dem „Sopher aus Calabrien", ein Sohn geboren, der auf Drängen eines dem Hause befreundeten Kabbalistcn, Rabbi Chajim Aschkenasi, nach diesem Chajim genannt wird. In Safed wächst Chajim heran und erhält im Lehrhause des Rabbi Mosche Alscheich, dem . homiletischen Bibelcxcgeten, seine talmudische' Schulung. Aber er wollte weiter vordringen in den Garten der göttlichen Geheimnisse, in dem das Studium der esoterischen Wissenschaft der Kobbala, vorzüglich des mystischen Pentateuch-Kammentars des Rabbi Schimon Bar Jochai, des „Sohar" führt. ' Aber von der Mystik zur Magio ist nur ein Schritt. Alexander Altmann nennt die Magie so schön erstarrte Mystik. Vital konnte sich vor der Gefahr der Erstarrung ins Formen- und Formelhafte nicht aus eigener Kraft bewahren. Einem Größeren — Isaak Lurja,. dem „heiligen Löwen", Vitais Meister und Lehrer — blieb es vorbehalten, den Drang des Mystikers nach Verwirklichung des Erkannten, nach Erprobung des Erforschten innerhalb der vier Ellen des Gesetzes zu erfüllen. Der erste Schritt, den Vital unternimmt, um gleichsam die Probe aufs. Exempel zu machen, führt dorthin, wo sich die verschiedenartigsten Geister seineB Jahrhunderts im gemeinsamen illusionistischen Streben trafen: in die Alchimie. Die Verhältnisse brachten es mit sich, daß dio Familie Vital — des kümmerlichen Erwerbes halber — Safed verlassen mußte und nach Damaskus zog, wo Chajim mit nichtjüdischen okkultistisch-orientierten Kreisen Fühlung nahm und —■ wie es scheint — zeitweise auch dem Phantom eines Homunkulus, eines Golem nachjagte. i j [ | Begegnung mit dem Heiligen Löwen Aber alle Versuche Vitais, dem Geheimnis der Schöpfung und der Offenbarung näherzukommen, ja sein ganzes Leben mit allem Streben, allen Siegen und Niederlagen erfährt in dem . Augenblick eine entscheidende, vom Grund auf alles ändernde Verwandlung, in dem er in Safed mit Rabbi Isaak Lurja, dem Arj, dem „heiligen Löwen", zusammentrifft. 1569 war dieser von Kairo, wo er fern der Stadt 20 Jahre als Eremit nur dem Studium der Kabbala gelebt hatte, nach Safed gezogen, tun dort zu lehren und dos System seiner „Kabbala maassith", Beiner praktischen Kabbala, den erkenntnisdurstigen Jüngern der Geheimwissenschaften zu entwickeln. Ein Jahr später, um 1570, Begibt -sich Chajim Vital — enttäuscht und beraubt um den vergeudeten Schatz wertvollster Jahre — nach Safed, seiner Vaterstadt. 1571 trifft er mit Lurja zusammen, und dieser beginnt ihn — nachdem er in ihm den vom Himmel bestimmten Nachfolger, ja, den Menschen, um desaent- "willen er, Lurja, in die Welt gekommen war, erkannte — vertraut zu machen mit den letzten Fragen und ihren verborgenen Antworten, dio nur den Erwählten zuteil werden. Es scheint, daß das lange, 77 Jahre währende, an Erfahrungen der, Seele und Entbehrungen des Körpers reiche Leben Chajim Vitais bestimmt ist von dieser kurzen Spanne Zeit, die er zu Füßen Lurjas zubrachte: 1571—72; denn am 5. Ab 1572 rafft der schwarze Tod den geliebten Meister dahin. Aber Bein Einfluß bleibt. Von nun an ist Vitais einziges Bestreben, in dor Nachfolge -Lurjas zu leben. Das Jahr, das Chajim Vital im Lchrhause Lurjas zubrachte, bleibt die Dominante seines Lebens. Wohl hält sich' Von BEN-CHORIN Vital selbst für den begnadetsten Menschen des Zeitalters, ja, er deutet, häufig an, daß in ihm die Seele des Messias Ben Joseph wohnt — ober die Gestalt des Meisters erscheint in Vitais Aufzeichnungen umloht von der Glorie des Uberirdischen: Vital sieht in Lurja einen unmittelbar an ihn beschiedenen Sendboten Gottes, dessen einziger Lebenszweck darin besteht, ihn, Chajim Vital, einzuweihen in die Verborgenheiten der Verborgenheiten. Fünfzehn Jahre bringt Vital mit Aufzeichnen der Lehre des Arj zu, die er schließlich in dem Werke „Ez Chajim", „Lebensbaum0 (odor sollto es doppelsinnigerweiso auch „Chajüns [Vitais] Baum" heißen?) zusammengefaßt, das er aber streng geheim hält und dessen Manuskript er sogar mit ins Grab nahm. (Erst später haben wissensdurstige Kabbahsten— legitimiert durch visionäre Befehle — das Manuskript aus Vitais Grab gehoben und herausgegeben.^ Daneben entsteht die Biographio des Meisters „Lobpreisung des Arj" (Schibche'ha Ari) und das „Buch der Visionen" (Sepher ha -Chosionoth), jene naiv-prahlerische, echt-fromme und dennoch bramarbasierende Autobiographie, die fast ausschließlich von Träumen erzählt, welche die . Erwähltheit, Erhabenheit und Heiligkeit dos Autors bezeugen. Es ist nicht ganz klar, auf welche Weise Vital seinen Lebensunterhalt bestritt während dieser Jahre literarischen Schaffens. Er reist viel umher, wohl um die Mildtätigkeit reicher Verehrer der Kabbala in Anspruch zu nehmen. Abu Saijin verlangt Wunder Nach dem Tode Isaak Lurjas geht er wieder nach Damaskus und von dort nach Jerusalem, das er aber nach kurzem Aufenthalt fluchtartig verläßt, als der Pascha von Jerusalem, Abu Saifin, durch dos Gerede der Leute auf Vital aufmerksam gemacht, von ihm verlangte, seine Wunderkräfte unter Beweis zu stellen und die Quello Salomos zu öffnen, die seit Jahrtausenden versiegt war. Vital, unterzieht sich dicBer Aufgabe nicht, da er— wie er versichert — dio Zeit für dieses der me'ssianischcn Zeit zugehörenden Wunders noch nicht für gekommen erachtet. Er' zieht es vor, nach Damaskus zurückzukehren, um dort ein eigenes, , relativ selbständiges Lehrgebäude' in seinem Buche „Pfortender Heiligkeit" zu konzipieren. Sein Leben.— .eines der egozentrischsten, das je gelebt wurde — war ein unablässiges Warten auf den großen .Tag der Erlösung des jüdischen Volkes durch ihn, Vital selbst, den Messias Ben' Joseph. Aber Vitals Warten war nichts Passives. Alles Geschehen — Großes wie Kleines — ordnete er in den von ihm erkannten Heilsplan Gottes ein, in dessen Zenith er selbst, Chajim Vital, stand, und bezog es auf sich' und' seine Sendung. Was ihn bei dieser — sagen wir es rundheraus und auf die Gefahr hin, eines platten' Rationalismus geziehen zu werden . — überheblichen, ja geradezu größenwahnsinnigen Haltung vor dem öffentlichen Fiasko ewahrte (wie es eine Generation später Sabbatai Zewi beschieden war), ist lediglich Vitals -ragadisch fundierte — Ansieht über das Wesen des Messias. Dieser, so meinte er nämlich, müsse verkannt und verborgen vor den Augen der Welt leben bis zum Tage seiner Apotheose, da er,' mit Macht und Herrlichkeit gegürtet, aufbrechen würde zum Weltgericht. Ein feltfamer Traum Am klarsten wird seine an Don Quijote gemahnende Haltung an einer aus dem Jahre 1579 stammenden Eintragung in sein Tagebuch. An dieser Stelle berichtet Vital von der furchtbaren Pest, die. damals in Ägypten wütete und viele Juden veranlaßtc, nach Palästina, insbesondere nach Jerusalem, zu flüchten. Um dieso Zeit bewohnt Vital mit seiner Frau Hanna und seinem Söhncheu ein bescheidenes Dachkämmerchen in' der Nähe des Tempelberges. Um Mitternacht steht der schmächtige Mann am Fenster und fleht den Herrn der Welt an, die heilige Stadt vor dem schwarzen Tod zu 'bewahren. Er betet nicht für sich. Er, der Messias, ist ja gefeit. Er betet für Israel und die Völker. Dann legt er sich wieder zur Ruhe. Und nun hat er einen wunderbaren Traum: Ein furchtbares Heer, geführt von Anhilius — dem zu Rom vom Satan mit einem Götzenbild gezeugten Widersacher Israeh und Anführer der Erbfeinde Gog und Magog (Ezechiel 38—39) —, zieht gen Jerusalem, um es zu zerstören. Es ist der Moment höchster Gefahr. Da tritt Chajim Vital, erfüllt von seiner Mcssianitüt, Armilius entgegen und verbietet ihm, die Stadt Gottes zu betreten. Armilius versetzt Vital einen furchtbaren Schlag . . von dem er — erwacht. — — Und nun fährt Vital weiter (ich zitiere nach der Übersetzung von Cli. Bloch): „Als-ich erwachte, empfand ich einen Schmerz im Nacken und hatte auch . ein Zeichen (Beule). Jerusalem aber blieb von der Pest verschont." « Mit größter Selbstverständlichkeit, mit entwaffnender Naivität ist dieser Satz an die Stelle geschrieben. Vital wird steh der Komik, die in ihm liegt, nicht im mindesten, bewußt. Für ihn ist der Zusammenhang zwischen seinem Traum und der drohenden . Gefahr, die. über Jerusalem schwebt, sonnenklar und allem Zweifel entrückt. Uns hingegen, die wir in anderen Kategorien zu denken gewohnt sind, erinnert Vitals Argumentation an die Antwort jenes Chassid, der einem nach Beweisen für die wunderbare Lebensrettung des Rabbi verlangenden Zweiflor siegesgewiß antwortet: Beweis?! — der Rabbi lebt I DIE BIBEL ERZÄHLT Der Wochenabfchnitt Schauftim enthält die Vorschriften für die Gestaltung des jüdischstaatlichen Lebens. Wenn das Volk einen König verlangt, soll es ihn einBetzen, doch es darf Keinen Fremden, wählen. Der König soll keinen Prunk treiben, nicht hochmütig auf seine Brüder blicken. Die Ehrfurcht vor Gott muß sein Herz erfüllen, und er soll gehorsam gegen das Gesetz des Ewigen sein, überall im Lande sollen Richter und Beamte eingesetzt werden, die , ,das Volk'-unbestechlich in Gerechtigkeit richten. Jedes Urteil muß"'sieh auf die Aussage vbn'zwei oder drei Zeugen stützen. Falsche Zeugen erleiden die Strafe, die sie dem Beschuldigten zugedacht; hatten. Wer ohne Absicht einen Menschen tötet, kann sich in eine der Zufluchtsstädte retten, deren Einrichtung unser Wochenabschnitt verlangt. An Mördern aber muß die Todesstrafe vollzogen werden. Schwierige Rechtsfragen sollen den Priestern oder dem Richter der Tempelstadt vorgelegt werden. Die Priester erhalten keinen Landbesitz, ihnen gehören bestimmte Teile der Opfertiere, die Erstlinge, der Ernte und das Erste der Schafschur. Sie sollen von materiellen Interessen losgelöst, völlig ihrem heiligen Beruf dienen. „Ganz sollst Du dem Ewigen Deinem Gotte gehören", befiehlt unsere Sidra. Sie verbietet darum jeden Götzendienst, Zauberei und Befragen der Toten. Wie wenig berechtigt die Behauptung ist, daß der Geist des Judentums zur Auflehnung gegen staatliche Ordnung treibt, ist aus unserem. Wochenabschnitt deutlich erkennbar. Die Tora schreibt dem jüdischen Volke zwar keine bestimmte Staätsform-vor, aber sie betont mit aller Entschiedenheit und Strenge den Gedanken staatlicher ■ Ordnung; Sie ruht auf. dem Fundament der Gerechtigkeit, „dem Recht, dem Recht sollst Du nachjagen, damit Du lebest", heißt es hier. Aus diesem prinzipiellen Gedanken des Judentums erklären sich nicht nur die einzelnen Gesetzei die die Unparteilichkeit und Zuverlässigkeit der Rechtsprechung, sichern wollen j sondern auch die für das Altertum auffallende Forderung, die gesetzgebende und die ausübende Gewalt im Staate zu trennen. „Ganz sollst Du dem Ewigen Deinem Gotte gehören." Dieses Gebot kennzeichnet die Eigenart unseres Glaubens. Wie er mit seinen sittlichen Normen das ganze Leben des Menschen in all seinen Formen umspannt und kein Gebiet vorhanden ist, für das andere Gesetze gelten, so verlangt er auch den ganzen Menschen mit all seinen Fälligkeiten und Kräften. Das Judentum ist kompromißlos. Es duldet in der Seele des Juden nicht verschiedenartige Anschauungen, kein Schwanken zwischen Wahrheit und Irrtum. Es fordert die Absöluth'eit der Uberzeugung und ein unbedingtes Vertrauen zu Gott. Zu solcher Festigkeit des Glaubens müßte das jüdische Volk erst erzogen' werden.. Darum kämpft unser Wochenabschnitt gegen die mannigfachen Formen des Aberglaubens, in denen sich' die innere Unsicherheit der Menschen, die Schwäche ihres Gottvertrauens, ihre Furcht vor der Zukunft verrät. Absolutheit des Glaubens,' unerschütterliche Festigkeit müssen auch heute die Grundlage unseres Lebens bilden. - Lewkowitz-Berlin. ^öMitnlfe in den Berliner Synagogen mit neuem RituB Freitag,. 3 0. August. Abends 7 Uhr. Prinzregentenße: 7.15 tjhr. Neue Synagoge: Salier. Lindenstraße: Salomonski. Lützowstraßo: Nußbaum. Fasanenstraße: Wiener. Leslraße: vetzowstraßo": Lewkowitz. Fricdenstempel: Saenger. Prinzregentenstraße: Swareensky. ' Liberale Synagoge Norden, Schönhauser Allee 162, 7.15 Uhr: Graf. Liberale Synagoge Osten, Koiserstraßo 30, 7.30 Uhr: Braach. Liberale Synagoge Nordost, Prenzlauer Promenade 176, 7.30 Uhr: Ziniet. Liberale Synagoge Westend, Kaiserdämm 78, 7 Uhr: Adler. Liberale Synagoge . Wedding-Reinickendorf, Triftstraße 63 (Schreibers Festsäle), 7.15 Uhr: Goctz.' Jüdische Reformgemeinde, Joachimsthuler Straße 13, 6.30 Uhr: Rosenthal. Jüdische Religionsgemeinde, Charlottenburg, Schulstraße 7, 6.30 Uhr: Hamburger. Anschl. Kiddusch der Jugend. Sonnabend, 31. August. Vorm. 10 Uhr. FrühgotteBdionst: Lindenstraße, Levetzowstraße, PrinzregchtcnBrr'aße: 7.30 Uhr. Liberale Synagogo Norden; Zimet. Liberale Synagoge Osten: Braach. Jüdische Religionsgemeinde Charlqttenburg: 9.30 Uhr. Sonntag, 1. September. Jüdische Reformgemeinde, Johannisstraße 16, vorm. 10,30 Uhr: .Koppel. , Adolf Böhm: Die zionistische Bewegung. Dieses seit vielen Jahren vergriffene Standardwerk erscheint jetzt in einer vom Verfasser, völlig umgearbeiteten und weitergeführten Neuausgabe im Jüdischen Verlag, Berlin W 50. Der erste Band, der im September d, J. orsoheint, behandelt dio nrüzioniatischo Zeit und die Geschichte des Zionismus bis zum Ende des Weltkrieges. Der zweite Band erscheint im Jahre 1936. Er führt die Darstellung bis zur Gegenwart fort.

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