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Jüdische allgemeine Zeitung · 1935-08-21 · 34 (21.8.1935) · page 4

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
15 (1935)
Issue
34 (21.8.1935)
Date
1935-08-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Noch heute ist es in kleineren Gemeinden. Brauch, zu Feiertagen, am Freitagabend und am Sabbat mit armen Brüdern das Brot zu brechen und sio an den Segenssprüchen und Gebeten" . teilnehmen zu lassen. ' Von dieser, freundlichen Gewohnheit ist auch viel auf unsere Zeitüberkommen. Nicht, daß wir bisher, abgeschlossen waren una unsere Gastfreundschaft sich nur auf die Unseren hezog, wir hatten eine ausgesprochen jüdische Geselligkeit mit Festen und Feiern zu einer Zeit des Wohlstandes und des Besitzes. r Das ist nun anders geworden. Viele müssen es sich versagen, und viele Häuser sind geschlossen, wo einst geselliges Leben geherrscht hat. Vielen ist es vorsogt, durch die Süßeren Verhältnisse gezwungen, noch Freunde bei sich zu sehen und . damit sind_ auch vielo betroffen, der Gastfreundschaft nicht mehr teilhaftig zu werden. Und doch ist es gerade für den Menschen unserer Zeit so unendlich wichtig, mit anderen Menschen, die das glcicho Los teilen, zusammenzukommen. Nicht, um in gegenseitigem Sichvorklagen, aber doch im Aussprechen und im Mitteilen, in geistiger Anregung Entspannung zu finden. Häusliche Gastlichkeit ist keiner anderen Zerstreuung gleichzustellen. Geselligkeit ist aber nicht nur Zerstreuung, Geselligkeit gibt Bückgrat, gibt Haltung. Geselligkeit verlangt Selbstbeherrschung und gibt Selbstgefühl', nicht zuletzt in der Erkenntnis, daß man nicht allein steht. Geselligkeit verbindet. .. ■ Darum wollen wir nicht auf dieso Wohltat der Geselligkeit verzichten. Wir wollen sie als ein Hilfswerk ansehen, das diejenigen leisten können, die noch in der Lage sind, von ihmem Heim, ihrer Häuslichkeit und ihrer-Gastfreundschaft abzugeben. Mit Takt und; Menschenfreundlichkeit wird sich wohl der Weg finden zu einer neuen und zeitbedingten Geselligkeit. Lassen wir zunächst einmal alle jene Verpflichtungen fallen, die Bich eingebürgert hatten, als da sind: Blumen, Geschenke, Mithring, Trinkgelder und alles, was das Budget an geselligen Ansprüchen belastet und' das Zusamtncnkommen erschwert. Vergessen wir nicht, daß heute schon jeder Fohrgroschen mitzählt. Vergessen wir nicht, daß heute schon die Schwierigkeit, eich angemessen zu kleiden, schon bei vielen unserer Gefährten für den Besuch der Geselligkeit mitspricht. -. Aber sollten wir darum ganz auf dio Geselligkeit verzichten? Sollen wir nicht gerodo jetzt, wo so viele Kulturgüter uns verschlossen sind, wo wir uns zurückholten, Orte des Vergnügens und der öffentlichen Geselligkeit aufzusuchen, nicht gerade da bestrebt sein, einen Kreis um uns zu sammeln, der uns1 Anregung gibt, und dem wir Ablenkung und: Belebung schaffen. Der warme Strom der Menschlichkeit geht durch ein Zusammensein mit Gleichgesinnten, die heute ein Gemeinschoftsschicksol ver- '.bindet; gleichviel ob die äußeren Verhältnisse dieselben geblieben' sind oder sich verändert haben. r; Denken wir nicht mehr, daß Einladungen Schulden, die wir eingehen, Ehrenschulden sind, die wir zurückzahlen müssen. Gerade weil darin schon so viele, die dies einstmals als Ehrenschuld empfanden, ihre Zahlungen einstellen mußten, müssen wir unsere Geselligkeit bo gestalten, daß wir geben, ohne zu erwarten, und empfangen, ohne bedrückt zu sein. Geselligkeit zu üben, ist auch ein Hilfswerk. Es hilft die Beschwerten aufrichten, die Bedrückten ablenken, die Arbeitenden entsponnen. . •' Bedenken wir vor allem jene, die in ihrer Bedrücktheit und Beschämtheit lieber ganz auf den Umgang mit Menschen verzichten, die eigenbrödlerisch geworden sind, und denen in ihrem Alleinsein nur zu bald dos Odium anhaftet: sie seien „komisch" geworden. Komisch? Das heißt traurig, einsam geworden. Auch das Ingcsellschaftgehen und auch das Leben in der Gcsolligkeit kann man verlernen. üben wir darum die Geselligkeit nach dem Grundsatz des Talmud: „Liebe zu üben ist mehr, als bloße Wohltätigkeit. — Seid nicht wie Knechte, die dienen, um des Lohnes willen--." ' Also, spenden wir Gastfreundschaft, laden wir uns Gäste ein in diesem Sinne — Geselligkeit oIb Hilfswerk. Ein Rabbi auf dem Bifchofsftuhl Leben und Kampf des Salomo ha-Levi, Bifchofs Paulus de Santa Maria und Kanzlers von Kafiilien Von.HANS LAMM Das Anguftheft des „Morgen" Die beiden großen Aufsätze von Fritz Friedlaender und Rudolf Levy, dio das Kernstück des neuesten. Heftes bilden, scheinen nur den Fachmann bewegendo theoretische Probleme zu behandeln, wenn man nach der Themenwahl urteilt. „Der Jude im Wandel der Beichsidee" und „Der Stand des Minderheiten^ rechts" erweisen sich aber schon in den ersten Sätzen als angefüllt mit Gegenwartsnahe, nicht im Sinne gewaltsamer Bezogcnneit auf unsere Loge, Bondern in natürlich wachsender Verbmdung der behandelten Fragen mit unserem Leben heute. Man findet die Bestätigung der Wahrheit, daß es notwendig ist zu wissen, woher man kam, um zu begreifen, wohin der Weg in Zukunft gehen kann, soll, darf, muß. Auch die „Umschau", mit der das Heft aufklingt, bot diese Spannung in Bich, wenn sie die Bedeutung der Ernennung des Staatskommissars Hinkel zum Kulturkommissar der Juden Deutschlands, '.' wenn sie die bevorstehenden Zionisten- und Agency» Tagungen in Luzern, wenn sie den Tod des Generals Dreyuis in knapper Chronistenform darstellt. Man merkt bei solchen Gelegenheiten mit schmerzhafter Deutlichkeit, welchen unerhörten Stoff für Geschichtsschreiber unser Dasein in Zeit und Raum darbietet. Und der unwillkürlich begreifliche Wunsch bei solchem Eindruck ist, nicht, nur Stoff, sondern auch Former sein zu können. In rcligiSs-innerjüdischen und erzieherisch-kulturellen Beziehungen vermögen wir das erfreulicherweise in erheblichem Umfange, wie' die Diskussion zum Maybaum-Aufsatz des vorhergehenden Heftes zeigt, und wie besonders erfreulich Ernst Simons „Perspektiven der geistigen Entwicklung Palästinas" es erkennen : lassen. Bedeutsame literarische Ausgrabungen aus dem Werk von ' Nachman Krochmal und Ludwig Frankl begegnen-sich mit Köstlichkeiten aus jüngster Zeit, die dargereicht werden: Aus Moritz Heimanns Nachlaßband „Die Spindel werden „Betrachtungen und Bekenntnisse" zusammengestellt, und Werner Cahnmann sagt feine Worte zu .Hofmannsthals „Sobeide". Der .Glossenteil, aus dem wir eine Ubersicht über dio englische Philosophie der Gegenwart aus der Feder von Fritz Heinmann und eine amüsante Wetterglosse hervorheben möchten, ist ein ' bunter Strauß von Ernstem und Beschwingterem,-ebenso als VorV geriebt wie als Nachspeise zur nahrhaft-schmackhaften Kost 'zu •genießen, die der „Morgen" für jeden Juden bedeutet, der den echten jüdischen Hunger in sich spürt, den vielen wieder bewußt gemacht zu haben, eine Segnung der Gegenwart ist. Am 29. August 1435, vor einem halben Jahrtausend also, verlosch ein Leben, das zu. den abenteuerlichsten, dunkelsten und" unheimlichsten in der Geschichte des Judentums gehört. Klar liegen vor uns die Äußeren Abschnitte im Leben des Salomo ha-Levi, der sich als Rabbiner im 40. Lebensjahr' taufen - ließ, in phantastischer Weise Stufe um Stufe der kirchlichen Würden erklomm, um als Erzbischof und vertrauter Berater des spanischen Höfs, angefeindet von seinen früheren Glaubensbrüdern, die er mit Güte und Gewalt zu bekehren gesucht hatte, hochbetagt zu Bterben. Undurchdringlich aber bleibt für uns der Schleier, der das Innere dieses seltsamen Mannes verhüllt. Dio Beweggründe seines Wandels sind der Nachwelt verschlossen. In Burgos wurde Salomo ha-Levi, etwa 1350, als Sohn von aus Navarra oder Aragonien noch nicht lange zugewanderten Eltern geboren. Überragende tahnudischc Kenntnisse lenkten bald die allgemeino Aufmerksamkeit auf den Jungen. Neben dem Amt eines Rabbiners scheint er schon frühzeitig eine beachtliche Stellung im Staatsdienst innegehabt zu haben; wahrscheinlich war er als Stcuerpächtor tätig. Immer wieder wird nicht allein seine hohe Gelehrsamkeit in allen jüdischen Disziplinen, sondern auch seine tätige Frömmigkeit gerühmt. Als Scchsundzwanzigjähriger ehelichte Salomo eine Verwandte, Johanna. Warum die Taufe? So verlief bis zum Beginn seiner vierziger Jahre sein Leben ohne besondere Ereignisse. Plötzlich vernimmt man^ daß Rabbi Salomo ha-Levi in BurgOB die Taufe nahm und damit den Namen Paulus do Santa Mnria erhielt..^ Wann dies geschah, ist — so wesentlich es auch wäre — nicht mehr genau festzulegen. Nach seinen eigenen Angaben bereits am 21. Juli 1390, nach den Forschungen von Graetz jedoch erst ein Jahr darauf: — also erst nach blutigen Judenmetzeleien von 13911 Daß dieses Darum wichtig wäre, ist leicht begreiflich: während nämlich Salomos Verteidiger behaupten, er Bei auf Grund überirdischer Erscheinungen, oder zumindesten philosophischer Ubcrzeügungcn, übergetreten, behaupten seine Kritiker, an ihrer Spitze oben Graetz, daß allein Ehrgeiz und Gewinnsucht, unter dem schweren Eindruck der ersten spanischen Judenverfolgungen, den Entschluß hervorgerufen hätten. Dio Erörterung über Salomos Motive hub begreiflicherweise unverzüglich und mit Heftigkeit an; man bedenke: ein gelehrter und geachteter spanischer Rabbiner geht zum Taufbecken und schwört nicht nur dem Glauben der Väter ab, sondern fordert von nun an mit eindringlicher Rede seine früheren Freunde ohne Unterlaß auf, ihm gleich zu tun! Seine neuen, christlichen Freunde waren mit Erklärungsversuchen rasch zur Hand: die einen behaupteten ohne viele Bedenken, daß die Jungfrau Maria dem Rabbi im Traum erschienen sei und so den entscheidenden Schritt hervorrief, kühlere Historiker hielten, dio Taufe für ein Verdienst dor Überzeugungskraft der Schriften des Thomas von Armin. Die zeitgenössischen Juden und. mehr noch die Historiker späterer Jahrhundertc haben zumeist das Unbegreifliche damit zu erklären versucht, daß der Rabbi nicht das Judenschicksal, auf äußere Ehre und geachtete Stellung verzichten zu müssen, teilen wollte und deshalb lieber der angestammten Gemeinschaft und ihrem Glauben1 den Abschied gab. Kayserling, Graetz oder Dubnow haben ihn mehr oder minder scharf als charakterlosen, rühm- und titelsüchtigen Verräter . gescholten. Salomo, oder wio er seitdem heißt: Paulus de Santa Maria, zog nun zielstrebig und lernbeflissen nach Paris, um "an der dortigen Universität, dem Mittelpunkt der theologischen Wissenschaft jener Tage, zu studieren. Der nicht zuletzt im Hebräischen überragend geschulte Scholar ward bald katholischer geweihter Priester. Jetzt lenkte er seinen Schritt nach Avignqn zum Gegenpapst Benedikt XIII., dessen Gunst er in erstaunlich kurzer Zeit erobert hatte. Der Papst empfahl ihn Heinrich DX, dem König ' von Kastilien, und bald sollte dieser den früheren Rabbi mit Ehrungen und Staatsämtern überhäufen. Bekehrungsverfuche Auch wenn der . Bischof Paul von Burgos, der Kanzler und Gehoimrat des Königs, geschwiegen hätte, allein die Tatsache, daß ein weitgenchteter Rabbi laut seine Stimme fürs Christentum erhob', mußte die Abwehr der geistigen Führer unter den Judon des Königreichs hervorrufen. Daß aber der streithafte Kirchenfürst nicht schwieg, sondern Jahr für Johr durch flammende Rede und eine Fülle mehr oder minder scharfsinniger, oft in klassischem Hebräisch gehaltener Schriften versuchte, seine früheren Glaubensbrüder für die Kirche zu gewinnen, dies bedeutete natürlich nur eine Verschärfung der Auseinandersetzung. Während Paulus, der die Juden mit verschiedenen Sendachreiben und „Satiren (so einer übers Purirnfcstl) herausgefordert harte), frisch und ohne jede Rücksicht schreiben konnte, mußten die Vertreter der Gegenseite größte Zurückhaltung üben. Josua ben Joseph Ibn-Vives (Lorqui genannt), ein früherer Schüler des Rabbi Salomo, untersuchte dio vier Möglichkeiten, weswegen Paulus die Taufe genommen haben "könne und kommt zu dem Ergebnis, daß sein frommer und schätzenswerter Lehrer dies weder aus Ruhmsucht getan haben könne — denn schon als Rabbi sei er reich gewesen und hätte sich bescheiden nach der Einsamkeit gesehnt —, noch aus philosophischen Zweifeln, denn bis zur Taufe habe er ja getreulich jede Mizwa erfüllt; schließlicht seien auch unmöglich Zweifel an dem Fortbestand Israels, hervorgerufen durch die Judenverfolgungen, entscheidend gewesen. So. hätte nur die Überzeugung von dor Wahrheit dos Christentums Salomo zur Taufe bringen können. Und nun unterzieht Lorqui das Christentum einer sehr genauen Untersuchung, zeigt all die Stellen auf, derentwegen er sich nicht zu diesem neuen Glauben bekennen könne und bittet abschließend — nach einer im Ton ehrerbietigen, tatsächlich aber scharfen und beweiskräftigen Apologetik — seinen Lehrer um Aufklärung übor olle Zweifel. Des Bischofs Antwort fiel enttäuschend schwach aus; schon damals jedoch gab er sich als radikaler Judenmissionar zu erkennen. Eine ebenfalls bedeutende philosophische Studie über christliche Lehre iBt um 1396 von Cnasdai Crescos durch Salomos Taufe veranlaßt worden. Am interessantesten ist jedoch dio Schrift eines Marannen Profiat Duran (früher Isaak ben Moses), der als Efodi bekannt war. Er, dessen Taufe . 1391 erzwungen worden war, ließ aus seiner Polemik beißende Ironie auf das Schisma und dio Stellehjägcrei hindurchklingen. Während die Kirche Efodis Schrift zunächst als Verteidigung akzeptiert hatte, wurde bald ihre ketzerische Grundhaltung ruchbar, und das Sendschreiben verfiel dem Scheiterhaufen. Der unermüdliche Bischof fand bei all dem Streit des Tages und den vielfachen Geschäften der Politik, die er betrieb, noch die Muße, eine große Anzahl theologischer Werke zu schreiben. Sein Hauptwerk „Scrutinium Scripturarum" war bald vergriffen und war noch 1591 (genau zwei Jahrhundorte nach Paulus Taufei) so geschätzt, daß vom Papst eine Ncu-Auflage angeordnet wurde. Auch seine lyrischen Dichtungen errangen guten Ruf. Der Kampf des Apoftaten Nicht allein mit den; Waffen des Geistes versuchte der Apostat seine Brüder in sein neues Lager zu bringen: mit den Bchärfsten staotlichen Zwangsmitteln zog er wider die Juden. Schon als Berater. Heinrichs III. hatte er entscheidenden Einfluß taut die Staatsführung errungen, und als dieser kränkliche Herrscher 1406 starb, saß Paulus neben der Mutter Katharina des erst zweijährigen. Königs Juan II., dem Infanten Don Fernando, und dem judcnhasBerischcn Täufling Elisa-Achcr als Testamentsvollstrecker im Staatsrat. Der dahingegangene König hatte Paulus nicht allein mit dem Vollzug seines letzten Willens, sondern auch der Erziehung des Thronfolgers und damit fast der alleinigen Staatsführung betrautI Mit . Demütigungen und Vertreibungen jüdischer Männer bei Hof begann die Schreckensherrschaft, die ihren nachhaltigen Ausdruck im Edikt vom 25. Oktober 1408 fand. Gegen allo Beteiligung von Juden an Ämtern des Königreichs wurden strenge Verbote erlassen, die Bestimmungen über das Ghetto verschärft, dio Freizügigkeit wurde aufgehoben, dio handwerkliche, ärztliche und manche andere geschäftliche Betätigung untersagt, Kleider- und Abzeichen-Vorschriften erlassen und für allo Übertretungen grausame Strafen festgesetzt. Daneben wurde jeder Auswanderungsversuch damit bedroht, daß Hab und Gut. verwirkt würden und, dor Jude selbst Leibeigner des Königs werde. Bei den Juden hinterließen, diese Vorschriften, die ihre letzte Schärfe wohl nicht durch Paulus, sondern durch den noch weit fanatischeren früheren Rabbiner Elisa-Achcr erhalten hatte, tiefe Niedergeschlagenheit. Dio gewünschte Wirkung freilich wurde nicht verfehlt: eine Taufepidemio setzte ein, und für den Rest der Treuen unter den Juden Spaniens begann dazumal jene Tragödie, die mit dem Austreibungsedikt vom 31. März 1492 ihren erschütternden Abschluß fand. Bis zur Stunde seines Todes blieb Paulus ein unerbittliche» Verfolger des Judentums. Noch 1434, als Achtziger, richtete er gegen die Juden und ihren Glauben eine scharfe, ihre Bekehrung fordernde Schrift. Als er am 29. Juli 1435 die Augen schloß, übernahmen seine Söhne sein Lebenswerk. Der Sohn Alfons folgte ihm auf den Erzbischofsstuhl von Burgos; seine philosophische Schulung und seine politische Begabung machten ihn rasch zum angesehensten und größten der Erbischöfe Spaniens und selbst Papst Eugen IV. achtete ihn derart, "daß er sich bereit erklärte, ihm den Stuhl Petri zu überlassen. Johanna, Salomos Weib, hatte als einzige die Taufe nicht genommen; dennoch waren die Bande zwischen ihr und ihrem Gatten nicht gerissen, und als Paulus seinen Einzug ins Bischofspolais sciner^Gcburtsstadt Burgos hielt, empfing ihn mit seiner alten Mutter" die Ehefrau, die auch an seiner Seite im Bischofsdom von Burgos ihre letzte Ruhestätte gefunden hat. Frank Wedekinds Abflammung über die Abstammung des Dichters Frank Wedekind, der in seiner Tragikomödie „Simson" und in seiner Erzählung „Rabbi Esra" auch Themen aus dem jüdischen Stoffkreis behandelt hat, gibt eine Zuschrift des Litcraturprofcssors Adolf "Bartels an den „Völkischen Beobachter" Aufschlüsse, die auch unsere Leser interessieren dürften. Professor Bartels schreibt: „Von dem Dichter Frank Wcdckind, der väterlicherseits Von einem uralten nicdcrsächsischcn, unbestritten rein arischen Geschlecht abstammt, ist wiederholt behauptet worden, daß seine Vorfahren mütterlicherseits nicht rein arischer Abstammung seien. Diese Vermutung ist auch in meine literaturgeschichthchen Werke übergegangen. Sie stützte sich, von nebensächlichen Argumenten abgesehen, in der Hauptsache auf eine angebliche Äußerung Frank W.odok i n d s, essei möglich, daß seine Mutter einen Tropfen jüdischen Blutes gehabt habe. Ob Frank Wedekind ernstlich on eine solche Blutmischuhg Bedacht oder sie lediglich aus Laune als möglich angenommen hat, läßt sich nicht mehr feststellen. Neuere genaue, bis zur sechsten Generation rückwärts angestellte Forschungen haben ergeben, daß Frank Wedekinds müttorlichei Großeltern, nämlich Jakob Friedrich Kämmerer und seine zweite Ehefrau, Fricdcricko Karoline Keck, schwäbisch-alemannischen Ursprungs sind. ' Durch dio evangelischen Kirchenbücher der verschieaenen schwäbischen Dörfer und SJtädto, aus denen die Kammerer una ihre Frauen herstammten, ist unzweifelhaft erwiesen, daß sämtliche mutterseitigen bis ins 17. Jahrhundert nachweisbaren Ahnen Frank Wedekirids evangelisch-lutherisch und rein arischen Blutes waren. Alle. gegenteiligen Vermutungen und Äußerungen haben sich als haltlos und unrichtig erwiesen." Ootfeaifanßt in den Berliner Synagogen mit neuem Ritus Freitag, 2 3. August. Abends 7 Uhr., Prinzregentcnetraßo 7.15 Uhr. Fasanenstraße: Salomonski. Levetzowstroße: van der Zyl. Friedcnstcmpol: Lowkowitz. Prinzregentenstraße: Gallincr. Liberale Synagogo' Norden, Schönhauser; Allee 162, 7.15 Uhr: Plaut. Liberale Synagoge Osten, Kaiserstraße 30, 7.30 Uhr: Goctz. Liberale Synagoge Nordost, Prenzlauer Promenade 176, 7.30 Uhr: Zimet. Liberale Synagoge Westend, Kaiscrdamm 78, 7 Uhr: Graf. Liberale Synagoge Wcdding-Reinickendorf, Triftstroßo 63 (Schreibers Festsäle), 7.15 Uhr: Kassel. Jüdischo Religionsgcmoinde Charlottenburg, Schulstroße 7, 6.30 Uhr: Hamburger. Anschl. Kiddusch der Jugend. Jüdischo Reformgcmeüide, Joachimsthalcr Straße 13, 6.30 Uhr: Koppel. ■ - ' ' Sonnabend, 24. August. Hauptgottesdienst vorm. 10 Uhr. Frühgottesdienst: Lindcnstraßo, Levetzowstraßc, Prinzregentenstraße: 7.30 Uhr. Neue Synagogo: Saenger. Lindenstraße: Brasch. Lützowstraße: Wiener. Schmargendorf: Nußbaum. Liberale Syna^og^e Norden: Plaut. Liberale Synagoge Osten: Goctz. Jüdische Religionsgemeinde Charlottenburg; 9.30 Uhr. Sonntag, 25. August. Jüdische Rcfornigcmcinde, JohanniBstraßo 16, vorm. 10.30 Uhr: Rosenthal. . , Der Bund Deutsch-Jüdischer Jugend; teilt uns mit, daß er Beinen Sitz von Tauentzienstraße 19 a nach W 50, Rankestraße 5, Gib. II lks., verlegt hat. Nach einer Bekanntmachung des Gaues Mittelolbo-Harz im Rcichsverband für deutsche Jugendherbergen haben die Jugendherbergen dieses Gaues strengste Anweisung erhalten, koinon Juden auf zunehmen. Personalien. Frau Nathalie Lewy geb. Haaso, Gormannstraße 3, begeht am 31. August ihren 75. Geburtstag.

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