Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 15 (1935)
- Issue
- 33 (14.8.1935)
- Date
- 1935-08-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Es wird gemeldet: ■ Nach den endgültigen Zahlen aus der Volkszählung vom 16. Juni 1933 über die Bevölkerung Münchens, die in der Münchener Ausgabe des „Völkischen Beobachter" mitgeteilt werden, betrug zu diesem Zeitpunkt die Zahl der Juden in München 9005, was gegonübor dem Jahro 1925 eine Abnahme um 1063 bedeutet. * ■ Einer der bekanntesten Berliner Dermatologen, Geh. Sanitätsrat Dr. Oscar Roscnthal beging am Sonntag die Feier seines 60. DoktorjubilOums. * ■ Die Jüdische demeindc in Bad Homburg beging am Schabboa Nachomu mit einer Bch lichten Gedenkfeier innerhalb des Gottesdienstes die Wiederkehr des Tages, andem vor 600 Jahren die Gemeinde ins Leben gerufen wurde. An jenem Tage wurde, durch Erlaß des Kaisers die Ansiedhing von zehn . Juden, in Homburg gestattet. * ' B In Chemnitz sind, wie dem „Berliner Tageblatt" von dort berichtet wird, 61 Personen, zum Teil Nichtarier, ausgebürgert worden. * B In einem Erlaß des Reichs- und Preußischen ErzichungBministers an die Oberpräsidenten über die Erfuhrungen mit den nationalpolitischen Lehrgängen für höhere Schüler wird hervorgehoben, daß nichtarische Schüler von der Tcilnohmo an diesen Lehrgängen ausgeschlossen sind. * B Der entpflichtete Ordinarius für Geographie an der Universität Bonn, Geheimer Regierungsrat Prof. Dr. h. c. Alfred Philippson, der im 72. Lebensjahre steht und seit zwei Jahren Inhaber der Goldenen Richthofen-Mcdaille der Deutschen Gesellschaft für Erdkunde ist, wurdo von der Geographischen Gesellschaft in" Belgrad durch Verleihung der Jovan-Cvijic-Medaille für wissenschaftliche Verdienste ausgezeichnet. Philippsons Vater war der Rabbiner Ludwig Philippson, der 1837 die Allgemeine Zeitung des Judentums begründet hat. * ■ In einer öffentlichen Ratsherrensitzung inNordhausen erklärte der Oberbürgermeister, nach einem Bericht der „Braunschweigischen Neuesten Nachrichten", daß die Jüdcnstraßc, in der vor Jahrhunderten die NordhSuscr Juden wohnten, in- „Am Ratskeller" umgeändert worden sei. „Wir wollen damit kundtun," sagto der Oberbürgermeister, „daß es uns vor allem daran liegt, in Nordhausen eine Zeit herbeizuführen, in dor sich kein Jude mehr in Nordhausen aufhält." * B Wie aus Jerusalem gemeldet wird, waren am Vorabend des 9. Aw viele tausende Juden zur Klagomauer gepilgert. Dio Andacht vorlief ohno jeden Zwischenfall. * ■ In Wien ist im Alter von 46 Jahren Dr. Leo Deutschender, der pädagogische Leiter des Beth Jaakow-Schulnetzcs, einer tückischen Krankheit erlegen. Deutschländer, ein geborener Brrlincr, war zunächst Oberlehrer in Berlin und wurde nach dem Kriege Referent für das jüdische Untorrichtswcsen im Litauischen l nterrichtsministerium. Als Schriftsteller lBt er u. a. mit einem Buch „Goethe und das Alte TcBtamcnt" hervorgetreten. * B Nach Moldungen aus Warschau hat die Regierung gegen den Willen der nationaldcmokratischen antisemitischen Stadtratsmehrheit von Bromberg die Annahme eines für die dortigen iüdischen Armen bestimmten Legats von oiner halbon Million Dollar, das von einer in Amerika verstorbenen Bromborger Jüdin hinterlassen worden war, bestätigt. * B Aus Jerusalem erfährt die JTA: Zwischen Arbeitern der Histadruth und solchen der Gruppe Hamakschir im E m e k Sebulon ist es zu blutigen Zusammenstößen gekommen, bei denen der Arbeiter Moschc Bornstein vom Hamakschir schwor verletzt wurde. Fünf Mitglieder der Histadruth wurden vorhaftet. * B Der Großrabbiner von Marokko, Raphael Encaoua de Sale, eine der größten rabbinischen Autoritäten unter der afrikanischen Judcnhcit, ist in Raba, seinem Amtssitz, im 89. Lebensjahre gestorben. * B Wie der JTA »us Manchester gemeldet wird, haben die 300 Jugendlichen der " J e w i b h Lads Brigade in Manchester die Auszeichnung erhalten, sich die bestorganisic rtc Kadetten-Einheit in England nennen zu dürfen. Bezirksrabbinat in Koblenz Dr. Mas Vogelstein-Bcrlin gewählt Auf 'Anregung des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden und auf Grund der von ihm zugesagten Unterstützung hat dio Synagogcngcmcindo Koblenz beschlossen, das seit mehreren Jahrzehnten verwaiste Rabbinat wieder zu besetzen una im Einvernehmen mit dem Preußischen Landesverband zu einem Bezirksrabbinat für dio zahlreichen Gemeinden der Umgebung auszugestalten. Der Rabbinatsbczirk wird außer KobIonz .dio dem Landesverband angeschlossenen Gemeinden dor Kreise Mayen, Cochem, St. Goar und Simmern, Bowio dio rechtsrheinischen Gemeinden Vallendar, Bendorf-Sayn, Neuwied, Dierdorf und Pudorbach umfassen; insgesamt handelt es sich um rund 30 Gemeinden mit zum Teil allerdings nur geringer Scelonzahl. Der Landesverband erhofft aus dor Einrichtung des BczirkBrabbinats gerade für dio kleinen Gemeinden des Hunsrücks und der Seitentäler des Rheins eine Stärkung und Vcrtiofung dcB jüdischen Lebens und die Schaffung eines engen und fruchtbaren Zusammenhalts zwischen den verstreuten jüdischen Gemeinschaften. Zum Bezirksrabbiner ist Herr Dr. Max Vogclstein- Borlin, dor Sohn des bekannten Brcslaucr Rabbiners, gewählt worden. Keine Kurkarten an Juden Wir veröffentlichen auch in dieser Nummer wieder eine .Reihe ergangener Erlasse und Verbote über den Ausschluß von Juden in der selbstverständlichen Erwartung, daß diese Anord- . nimgen nufB peinlichste von unseren Lesern beachtet werden, damit unliebsame Folgen vermieden werden. . ■ * ■ München. Wie der „Völkische Beobachter" ^(Münchcnor Ausgabe) in seiner Nr. 219 meldet, hat der Bürgermeister der Stadt Tölz verfügt, daß im Interesse der öffentlichen Ruhe und Ordnung Kurkarten an Nichtarier nicht mehr ausgestellt werden. Das „Deutsche Nachrichtenbüro" meldet: „Das Bezirksamt hat nach einer Mitteilung des Krcispresscamtes der NSDAP in Bad Tölz mit Zustimmung der bayerischen Politischen Polizei das in der Hauptsache voa Juden be- . suchte Purkhotol mit sofortiger Wirksamkeit bis auf weiteres . geschlossen. Anlaß zur Schließung ist der einmütige Einspruch aller arischen Kurgäste und auch der eingeborenen Bevölkerung gegen das in letzter Zeit außerordentlich provozierende und freche Auftreten der jüdischen Hotelgäste." Als Vorsitzender des Landesverkehrsverbandes Harz hat Ministerpräsident Klaggcs an dio Fromdenverkehrsplfitze des Harzgebictes eine Anordnung erlassen, wonach u. a. die Entschließung bokanntzugebtin sei, daß Juden in den betreffenden Orten unerwünscht seien. Die Aufnahme von Inseraten jüdischer Häuser in Werbeschriften oder Wohnungaanzeigern sei'grundsätzlich abzulehnen. Nach Meldung des „Völkischen Beobachters" (Münchener Ausgabe) hat der Gemeinderat Freilassing den Juden das Baden verboten. Wie der „Mitteldeutsche" meldet, teilt das Städtische Presseamt in Magdeburg mit, daß Juden in Zukunft das Baden in , den städtischen Schwimmbädern verboten worden ist. Der „Völkische Beobachter" vom 9. Juli schreibt: „Dob von den Juden der Rcichshauptstadt mitunter stark besuchte Moorbad Freienwalde,hat jetzt ein wirkungsvolles Plakat auf dem Bahnhofsvorplatz anbringen lassen, das Angehörige dieser fremden Rasse aus seinen Mauern verweist. Das Plakat trägt dio Aufschrift: „Juden halt?" Euer Zug geht gleich weiter I" Nach einer Meldung des gleichen Blattes aus Bielefeld hat dort der stellvertretende Oberbürgermeister eine Anordnung erlassen, nach der den Juden der Zutritt zu den städtischen Freibädern verboten ist. ' ' ' ' Nach Meldung der „Thüringischen Staatszeitung" ist auf Veranlassung der Deutschen Arbeitsfront GaubetricbBgemeinBchaft freie Berufe, von der Verwaltung des Schwanseebades in Weimar mit sofortiger Wirkung. Juden der Eintritt in das Bad verboten worden. Die „Berliner Lokalnachrichtcn" vom 7. August teilen u. n. "mit: „Gestern abend beschlossen die Gaststättenbesitzer und Pensionsinhaber der Stadt RheinBberg - (Mark) . nach einer Aussprache des Kreisleiters Kerner einstimmig, künftig keinem Juden mehr Unterkunft und Verpflegung in Rheinsberg zu gewähren. An sämtlichen Hotels und sonstigen Gaststätten werden Tafeln angebracht mit der Aufschrift: „Hier werden Juden nicht bedient I" Der „Völkische Beobachter" berichtet aus Bad Hönningen in der Westmark: „Die hiesige Polizeiverwjaltung hat am Therm al- Schwimmbad eine Bekanntmachung angebracht, nach der es den Juden verboten ist, das Bad zu betreten. Mit ' dieser Maßnahme ist man 'im größten Thonnal-Schwimmbad Deutschlands .dem Beispiel der großen Bäder im Reiche gefolgt." Nach der Erneuerung Wiedtr Gottesdienst der Liberalen Synagoge Norden Bei dem ereten Frcitogabcnd-GottcBdicnst, den die Liberale Synagoge Norden nach mehrwöchiger Pause am 9. August abhielt, stellte rieh der Synagogenraum in erneuerter Gestalt aar. Die Erneuerung hat mit beispielgebendem Geschick die Aufgabe gelöst, dio Farbenklängo — unter Vermeidung aller grellen Vordringlichkeit — in schönen, dezenten Tönen auf die gegebenen Farben der beherrschenden Buntfenster abzustimmen, so daß die ebenso einfache wie stimmungsvolle Architektonik des Raumes1 jetzt mehr oIb je angetan ist, gottesdicnstliche Wärme auszustrahlen. Den Empfindungen, die an diesem Abend die Herzen der Menschen erfüllten, gab Herr Rabbiner Dr. Salomonski beredten Ausdruck. Anschließend an den Gedanken des Sabbat Nachamu, der in einer Zeit der Zerstörung mit seinem Trost neues Leben weckt, legte er dar, wie das Werk der Liberalen Synagoge Norden in einer Zeit religiöser „Verödung" das Prophetenwort wahrzumachen vorsucht: „GetröBtct hat dor Ewige Zion, getröstet alle seine Trümmer". Dio Liberale Synagoge hat den versuch' begonnen, „die Trümmer" wieder aufzubauen, die „Verödung" zu machen „gleich dem Garten Eden". Zum Schluß erbat er Segen und Erfolg für die Arbeit. H. Fg. - Zuzugsverbot Die „Kölnische Zeitung" meldet: Die Gemeindeältesten von Ruppichteroth haben in ihrer letzten Sitzung zur Ansicdlung von Juden folgende Forderungen, aufgestellt: 1. Kein Jude und keine Jüdin darf in dor Gemeinde Ruppichteroth zuziehen. 2. Kein Jude darf ein Haus oder ein Grundstück in der Gemeinde erwerben. 3. Kein Handwerker, kein Geschäftsmann oder sonst ein Volksgenosse erhält eine Gemeindearbeit oder Gemeindcliefcrung, der noch mit Juden Verkehr pflegt bzw. diese in ihrem Handeln unterstützt. 4. Das Kaufen bei Juden bedeutet Verrat am Volk und damit an des Nation. Auch in der schlesischen Stadt G u h r a u hat der Gemeinderat einen Beschluß bekanntgegeben, der u. a. bestimmt: „Kein Jude und keine Jüdin dürfen ein Haus oder ein Grundstück in Guhrau erwerben. Die Gemeinderäte von Freyatadt in Schlesien Bowic die Gcmcindcratasitzung in Höheinöd in der Pfalz haben in gleichem Sinne gehaltene Beschlüsse gefaßt. In einer außerordentlichen Sitzung der Opladener Ratshcrren erhielt, wie der „Völkische Beobachter" berichtet, ein Antrag einmütige Zustimmung, in dem es heißt: „Städtische Grundstücke usw. dürfen in Zukunft an Juden nicht mehr verkauft werden." Nach Meldungen der Tagespreese hat der Marktvogt des Marktplatzes in Wilhelmshaven für dio Juden einen besonderen Platz eingerichtet. Ein weithin sichtbares Plakat mit der Aufschrift „Platz für Juden" kennzeichnet den Ort, wo die iüdischen Marktbezieher jetzt eine besondere Ecke auf dem Wochenmarkt einnehmen müssen. Tod eines Heimatforfchers Justizrat Immerwahr in Reuthen gestorben Glciwitz. Im Alter von fast 70 Jahren ist der oberschlcsische Heimatforscher Justizrat Wilhelm Immerwahr oub Beuthen (O./S.) verschieden. Der Verstorbene entstammte einer der ältesten jüdischen Familien in Oberschlesien, dio bereits seit etwa 200 Jahren in Beuthen ansässig war. Er hatte es sich zur Lebensaufgabe gemacht, seine Mußestunden der geschichtlichen und kulturellen Vergangenheit OborschlerienB zu widmen. Aufschlußreiche Abhandlungen von ihm über diese Gebiete konnte man öfter in der oberschlesischen Presse lesen oder in den unter seiner Redaktion stehenden Mitteilungen des Bcuthenor Geschichts¬ und MuseumsvereinB, den er vor Jahrzehnten mitbegründete. Mit Vorliebe befaßte er sich mit der Geschichte der ODorschlesischen Juden, wobei er viel wichtiges Material entdeckte und dem Dunkel der Vergangenheit entriß. Dr. Theodor Simon geftorben Der Berliner Schriftsteller Dr. Theodor Simon ist, wie wir erfahren, in Marienbad, wo er sich einige Wochen zur Kur aufhielt, im Alter von 56 Jahren einem Herzschlag erlegen. Chemiker von Beruf, dem Judentum völlig entfremdet, hatte er sich nach dem Umbruch mit seinem beweglichen Geist jüdischem Leben und Lernen zugewandt. Dio Ergebnisse solchen eifrigen Lernens fanden in klugen, lebendigen Aufsätzen und , Glossen ihren Ausdruck, von denen zahlreiche auch in der „Jüdischen Allgemeinen" erschienen sind. Theodor Simon, der, gemeinsam mit acincr Gattin, der Kunatgewerblcrin Alice Simon, sein Heim in Wannsee zu einem Sammelpunkt jüdischer Künstler zu gestalten wußte, stammte aus einer alten Gelehrtenfamilie. Sein Vater war der bekannte Straßburger Mathematiker Professor Max Simon. Zu Simons Ahnen zählte auch der jüdische Major Meno Burg, der später Lehrer an der Artillerieoffiziereschulo in Berlin wurde. Auch zur Lcbensgcschichtc des „Judenmajors" hat Thedor Simon interessante Beiträge aus Familicnpapieren veröffentlicht. Molnars „Spiel im Schloß" Heiterer Abend im Jüdifchen Kulturbund Der.Vorstand des Israelitischen Frauenvereins Neus tottin bittet uns mitzuteilen, daß jüdischen Weisenden, die in den dortigen Hotels allgemein als nicht erwünscht gelten, durch den Vorstand des Vereins Zimmer gegen geringes Entgelt bei Mitgliedern nachgewiesen Worden können. Auch besteht Möglichkeit für Unterstellung von Kraftwagen. Tclephonische Bestellungen werden unter Nr. 676 entgegengenommen. Der Jüdisch© Kulturbund bekundet seine Freudo am Theater durch Inszenierung von Kulissenstücken. Den sechs Personen, dio einen Autor suchen, dem Original-Pirandello der Wintcrspielzeit, ist jetzt Franz Molnars sommerliches „Spiel im Schloß" gefolgt. Dieser ungarische Courtelinoi. der in luxeriöa ausgestatteten Salons ein Raketenfeuerwerk sprühender Worte abbrennt und, wie aolten einer, die Kunst beherrscht, das ganze Blendwerk des Theaters in seinen. Dienst zu stellen, hat auch in der Charlotten- Btraße seine Wirkung nicht verfehlt. Es wurdo — trotz allem — gelacht, daß sich die rissigen Balken des. baufälligen Berliner Theaters bogen. Der Beifall erreichte die Siedegrade der Außentemperatur. Erst als die Tür des Eisernen Vorhangs ins Schloß fiel, war das „Spiel im Schloß" zu Ende. Es ist nicht so sehr der „dichterische Einfall', der animiert und fesselt, als vielmehr die fingerfertige Eleganz des Autors, der mit der Technik überlegen spielt, das Theater durch Theater übertrumpft. Schon zu Beginn, wenn dio beiden Operettcnlibrettisten mit ihrem jugendlichen Komponisten nach einer guten Mahlzeit und langem Schweigen überlegen, wie ein Bühnenstück am besten beginnen könnte und dann eine persönliche Exposition an dor Rampe betreiben. Oder wenn am Ende des zweiten Akts gleich drei Aktschlüsse zur Wahl gestellt worden. Und dann vor allem, wie Molnar ea zustande bringt, daß das Publikum bis zuletzt in angenehmer Spannung gehalten wird, obwohl es den Bühnengestalten an Kenntnis der Vorgänge und Zusammenhänge weit überlegen ist. Die nächtlichen Schloßgäste, die Librcttisten und ihr verheißungsvoller Komponist, werden hinter einer indiskreten Wand unfreiwillig Ohrenzeugen eines ebenso heftigen wie eindeutigen Liebesdialogs, den die Komponistenbraut und Operettendiva mit, einem abgetakelten Hofschauspieler führt. Um den fassungslosen Bräutigam dem heulenden Elend. und der zum Äußersten entschlossenen Verzweiflung zu entreißen, benutzt der eine der beiden Buchmacher den Rest der Nacht, um mit Hilfe von Sekt und unverkennbaren Kraftstellen aus dem aufgefangenen Dialog einen Einakter zu schreiben. Im Schlußakt vernimmt der Bräutigam-zu seiner größten Überraschung und dito Freudo bei der Probe.,zu .einer Wohltätigkcitsyeranstaltung im Schloß, daß das aufgcechnajppte. LiebeBgespräch nichts anderes war als der Text einer Komödie, die Diva und Schauspieler nächtlicherweile einstudiert haben, und wobei sich das ominöse Runde,. Duftige, Zarte als ein Pfirsich entpuppt.. Ein Stück, das auf solchen — Rollen läuft, spielt sich beinahe von selbst. Wenn sich der Regisseur — Hans Buxbaum — hätte bemerkbar machen wollen, hätte er aich sagen müssen, daß Molnar über Einfälle und Ubertreibungafreudigkeit zur Genüge verfügt, und auf Uberbetontlieit und Drücker verzichten kann. Die beste Vertreterin ihrer. Rolle ist Liselotte Rosen. Sie hat das Oberflächenhafte der Komödie, die nicht in die Tiefe dringen will, Bie ist hübsch, liebenswürdig und katzig, wo es nottut, sie kann Temperament heucheln und gerade soviel parodieren, wie es die Situation erfordert. Die Aufgabe ihres Erretters; des hilfsbereiten Textdichters, hat Fritz Witten über nommen, der im Gegensatz zu seinem melanchoUsch'-pessinustischen Kompagnon Fritz Liongetrost etwas heiterer sein könnte. Er trinkt gerne Kognak. Ein Schuß Molnar hätte ihm nichts schaderf können. Der von ihm „bemutterte" Ernst Lenart ala zartbesaiteter Musiker und Liebhaber braucht keine Verotellungskunst. Er hat jung und zurückhaltend-vornehm zu sein. Und das ist er. Daß Max. Ehrlich den Hofschauspieler Ahnady mit allen Effekten und Nuancen der Arroganz und Beschränktheit, ."' des Pathos und der Gedächtnisschwäche ausstaffieren würde, daran hat wohl niemand gezweifelt. Das Spiel im Schloß treibt verheißungsvoll dem „Bronx-, Expresa" zu, der im < kommenden Monat zur letzten Fahrt ab Berliner Theater bereit stehen wird. E. Tu.