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Jüdische allgemeine Zeitung · 1935-08-14 · 33 (14.8.1935) · page 4

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
15 (1935)
Issue
33 (14.8.1935)
Date
1935-08-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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DIE BIBEL ERZÄHLT im Wöchenabfchnitt Ekew vom Segen Israels, „wenn ihr höret auf die Rechte, sie wahret und tut". Der 40jährige Wüstenweg, da Gott „dich drückte und dich hungern ließ", „da er dich züchtigte, wie ein Vater seinen Sohn züchtigt", war die harte Schule, „dich zu erproben, zu wissen, was in deinem Herzen ißt, ob du seine Gebote wahren wirst oder nicht", aber zugleich, „damit er dich wissen mache, daß nicht vom Brote nur lebt der Mensch". Wenn Gott „dich in ein gutes Land bringt, drin du nicht in Kärglichkeit Brot essen mußt", „nichts von allem dir mangeln wird", „wenn du issest und satt wirst", dann „wahre dich", daß „nicht hochfahrend werde dein Herz", und du in deinem Herzen sprichst: Meine Kraft und die Stärke meiner Hand hat mir diese Fülle geschaffen"; sondern „gedenk: Er hat dir die Kraft gegeben,, diese Fülle zu schaffen". Daß nicht Israel .-selbstgerecht, sage: „Um meiner Gerechtigkeit willen ist mir dieser Segen geworden", ruft Mose ihnen zu: „Vergiß nicht,, wie oft ihr ihn erzürntet, wie ihr widerspenstig gegen ihn Wäret", schon unmittelbar nach der Offenbarung. Und doch hat der Ewige ihnen selbst hier, beim Abfall am goldenen Kalbe, in seiner Liebe aufs neue die 2 steinernen Tafeln gegeben und ihnen aufs neue gesagt, „was Er, der der Waise und Witwe Recht schafft, der den Fremden liebt, ihm Brot und Gewand zu geben", was Er von dir fordert: „Nichts anderes, als den Ewigen, deinen Gott, zu fürchten, in all seinen Wegen zu gehen, ihn zu lieben und ihm zu dienen mit all deinem Herzen und all deiner' Seele." Mit diesem freudigen Hinweis auf den Zukunftsweg eines idealen Israel klingt die Sidra des 2. „Trostsabbats" aus. $ Das Thema all der Sabbate, , die auf den Schabbos Nachamu folgen, bis zum Beginn des neuen Jahres, ist die Tröstung Israels. Auch unsere Haftara, die wie die aller Trost- sabbate den Schriften des unbekannten babylonischen Propheten entnommen ist, ist Tröstung, Verheißung einer herrlichen Zukunft. Der Prophet kennt die Seele des Gedrückten; er weiß: Trost bedeutet nicht sentimentales ■ Schwelgen in verlorenen Zukunftsträumen. Trost wird schöpferisch, Trost erschließt eine Kraftquelle, die eine Wiedergeburt aus Trümmern ermöglichen soll. Solche Seelenstimmung zu schaffen, ist schwer in einer Zeit des Druckes und des Kleinmuts, wo keiner mehr den Himmel über sich sieht, ■ nicht mehr die Stimmen in sich hört, wo niemand auf die Fragen der Verzweiflung nach einer Zukunft eine Antwort findet, wo niemand im Leben noch einen Sinn erblickt. „Zion spricht: Der Ewige hat mich verlassen, , vergessen hat mich mein Herr!". Solcher Verzagtheit gegenüber steht der Prophet: „Vergißt denn ein Weib ihren Säugling, ohn' Erbarmen für den Sohn ihres Leibes? Auch die mögen vergessen, ' Ich aber, ich vergesse dich nicht!" Keine äußere Macht.ist ihm zur Hilfe gegeben. Mit der Riesenkraft seines Glaubens sieht er hoffnungsfreudig den Wunderweg, den Gott seinem Volke bereitet, sieht er aber auch mit völliger Klarheit den Sinn . des schweren Geschickes, des beispiellosen Martyriums, . das ihm und Israel auferlegt ist. Was Israel an Leid trägt, trägt es'willig — wie er — als „Knecht Gottes": „Ich habe nicht widerstrebt, ich bin nicht'zurück gewichen, den Schlagenden gab ich hin meinen Nacken, den Raufenden meine Wange. , Mein Antlitz habe ich nicht verborgen vor Schimpf und Bespeiung." In freudigem Glauben sieht er,. was die andern in verzichtendem Kleinmut nicht zu sehen, nicht zu denken vermögen: Die Wiedergeburt eines durch Leiden entsündigten und geläuterten Israel, das zum Licht und zum Segen für die Welt wird. Darum klingt sein Wort — mit dem Hinweis auf die Erwählung des Stammvaters — freudig aus — und mit ihm erhebt sich die Troststimmung dieses Sabbats zum Jubel: „Blickt auf den Fels, daraus ihr wurdet gehauen, blickt auf Abraham, euern Vater! Denn als Einzelnen habe ich ihn berufen, daß ich segnete, daß ich ihn mehrte. Ja denn, der Ewige tröstet Zion, tröstet alle ihre Trümmer, macht Eden gleich ihre Wüste, dem Gottesgarten gleich ihre Steppe Drin wird Lachen und Lust gefunden, Danklied und Saitenspielschalll" Hermann Falkenberg. Kurse der Berliner Jüdischen Gemeinde zur Vorberci tunc f,ür die hohen Feiertage. Die Kurse der Gemeindi zur Einführung von Erwachsenen in die Liturgie und die Brauche der Feiertage, die im vorigen Jahre von Professor Dr. Unna abgehalten wurden, finden auch in diesem Jahre wieder Fasanen- Btraße 79, Zimmer 3, statt, und zwar für Anfänger (ohne heb'rfi. iache Vorkenntnisse) Mittwoch, 20.15 bis 21.45 Uhr, für Fort Seschrittene Montag, 20.15 bis 21.45 Uhr. Anmeldungen werden ort Montag, 12. bzw. Mittwoch, 14., 20 Uhr, bei dem Dozenten oder tflglich im Schulbüro, Rosenstraße 2—4, entgegengenommen. Die beiden Henrietten ilenriette Hertz aus Köln . und aus Berlin — Die Bibliothek im Palazzo Zuccari römifche „Salon" der Berliner Jüdin Der Die in Mailand erscheinende Italienische Jüdische Monatsschrift „Davor" verSlfentllcht einen auch unsere Leser interessierenden Beitrag, dem wir folgendes entnehmen.. Auf den weitgeschwungenen Stufen der Spanischen Treppo in Rom steigt man hinauf zur Piazza Trinith dei Monti. Hier Btcht der Palnzzo Zuccari, dessen Geschichte Jahrhundertc römischen Kulturlebens umfaßt, und der jetzt die Bibliothcca Hcrtziana beherbergt, jene achöno und reichhaltige Bibliothek für italienische KrniBt und römische Topographie, die von der kunstsinnigen Henriette Hertz im Jahro 1913 gegründet wurde. Hcnrictto Hertz, die aus einer alten jüdischen Familie in Köln stammte, hatte im Jahre 1890 diesen Palazzo gemeinsam mit ihren Freunden, dem Chemiker Dr. Ludwig Mond aus Kassel und seiner Gemahlin Frida (geborene Locwcnthal) bezogen und 1904 den ganzen Besitz von der Familie erworben. Schon der Erbauer des Hauses, Fcdcrico Zuccari, hatte vor drei Jahrhunderten in seinem Tcstamcnjj. den Palazzo. als cino Akademie für Maler, Bildhauer und Architekten von jenseits der Alpen bestimmt. ' ■ - Diese Gedanken des Testaments, die niemals zur Ausführung gelangt sind, griff Henriette Hertz bei der Übernahme des Palazzo wieder auf. Sie begann mit der Wiederherstellung und mit dem Ausbau des Gebäudes, um hier einen internationalen Mittelpunkt für kunstgcachichtlicne Studien zu schaffen. Ganz besondert widmete. sie sich der Ausstattung der Bibliothek. Im Jahre 1913 ging der Palazzo Zuccari nebst der Bibliothcca Hcrtziana durch ^Schenkung der Henriette Hertz' in den Besitz der Kaiscr-Wilhclm-Gesellschaft über, die dadurch eines ihrer schönsten Institute erhielt. Wenige Monate später' — am 7. April 1913 — starb die großzügige Stifterin in Rom. Die Gedenkrede nach ihrem Tod hielt Adolf von -Harnack. Ihre Freundin Frida Mond und Prof. Steinmann, der orsto Direktor der Bibliothek, förderten abor ihr Werk noch weiter, bis dann der Weltkrieg die Arbeit vom Mai 1915 bis November 1919 unterbrach. Das wirken der seltenen Frau für .die geistige Zusammenarbeit zweier großer Kulturvölker konnte — gerade in der lcidcnschaftsdurchtoDtcn Kriegszeit — keine eindrucksvollere Würdigung finden als in der Tatsache, daß die italienische Regierung auf die Beschlagnahme des Palazzo, Zuccari als einzigen deutschen Eigentums verzichtete. Der Grundstock dieser Bibliothek, deren Reichtum an Schriften für die Kunstgeschichte der Renaissance bis zur Neuzeit sich rasch die Anerekcnnung aller Forscher erworben hat, geht auf "drei Stiftungen zurück: dio Privatbibliothek von Henrietto Hertz (etwa 2000 Bünde), das Vermächtnis von Frida Mond (etwa 1000 Bünde) und die Fachbibliothek von Prof. Steinmann (etwa 3000 Bühde)> Heute — 22 Jahro nach der Eröffnung der Bibbotheca Hcrtziana — darf ihr Bücherbesitz auf über 21 000 Bünde geschützt Werden. Eine Lichtbildcrsammlung beläuft sich auf etwa 20 000 Blatt. In soinem unlängst erschienenen Werk „Die deutsche Kulturarbeit in Italien" schreibt Möns. Dr. Alois Hudal, TitularbiBchof von Ela und Rektor der Animo in Rom, daß die Bibliotjieaa Hertziana heute unter den vielen ausländischen Instituten in Rom als einer der bedeutendsten Faktoren wissenschaftlicher Forschung Und deutscher Kulturarbeit im Ausland bezeichnet werden kann. Noch erinnert im alten Palazzo Zuccari cino schlichte Mnrmorbüstc an die Kölner Jüdin, die aus Treue zu ihrer alten Heimat durch ihre selbstlose Stiftung eine Brücke schlug zwischen der Kultur ihrer Heimat und der Kultur Italiens. * Schon ein Jahrhundert bevor Henriette Hertz den Palazzo Zuccari der deutschen Kunstforschung widmete, hat ein anderer jüdischer Mäcen, der Schriftsteller und Diplomat Ludwig Jacob Solomon Bartholdy (geb. 1779 in Berlin, gest. 1825 in Rom) diesenv alten Palast zum Mittelpunkt des deutschen Kunstschaffens in Rom gemacht. Der Generalkonsul Bartholdy gewäbrto dem heißen Verlangen der neudeutschen Schule in Rom, die sich durch eine große Leistung vor der Welt betätigen und rechtfertigen wollte, Erfüllung und lioß ein Gemach dcB'damals von ihm bewohnten Palazzo Zuccari nach dem' Plan von Peter Cornelius mit einem ZyklÜB großer biblischer Fresken ausmalen. Mit Begeisterung gingen die Künstler ans Werk., Philipp Veit malte „Josephs Keuschheit" und dio y,Siebcn fetten Jahre , Cornelius die „Traumdeutung" und dio „Wicdororkcnnung Josephs und seiner Brüder". Overbeck führte den „Verkauf Josephs" und dio'„Sieben mageren Jahre" aus, Wimolm Schadow die;,Geschichtc vom blutigen Rock" und „Joseph im Gefängnis". Noch waren dio Fresken nicht völlig beendet, da drängten sich schon alle Kunstfreunde Roms nach dem „Tempietto", wie der Vorbau des Palazzo Zuccari genannt wurde, um die Arbeiten der deutschen Maler zu bewilndcrn. Im Jahre 1888 wurdet! die Fresken aus dem Palazzo Zuccari in die Berliner Nationalgalerie übergeführt. Zu jener Zeit, nls Bartholdy den Palazzo Zuccari mit der Geschichte Josephs ausmalen ließ, lebte wenigo Schritte von diesem Palast entfert — in der Via Sistina — dio schöne und geistvolle Henriette Herz, deren Salon in Berlin in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts zu den Brennpunkten des' geistigen Lebens in der preußischen Hauptstadt gehörte. Am 16. Juli 1817 hatte Henriette Herz von Zossen aus die Reise nach Rom angetreten und war am 11. Oktober 1817 in der ewigen Stadt angelangt. Hior wurde sio von ihrer Freundin Karolmo von Humboldt, der Gattin Wilhelm von Humboldts, in die römische Gesellschaft und in die Kreise der dcutBchcrf Künstler eingeführt. Bald stand Bio mit den berühmtesten Künstlern, die damals in Rom lebten, in regen gesellschaftlichen und freund-, schaftlichcn Beziehungen, vor allem mit Thorwaldscn, in dessen Begleitung sie einen Ausflug nach Neapel unternahm. Ihre bescheidenen finanziellen Mittel erlaubten ihr. zwar nicht, in Horn einen Salon zu cntcrhaltcn wie einige Jahre zuvor in ihrem Berliner Hause, das durch sie und ihren geistreichen Gatten, den Arzt Dr. Markus Herz, zum Mittelpunkt der Berliner Geselligkeit geworden war. "Aber auch in ihren beschrankten Räumen in Rom, auch mit ihren beschränkten Mitteln verstand sio es bald, einen anregenden Kreis von Künstlern, Gelehrten, Staatsmännern, weltlichen und Kirchenfürsten um sich zu vereinen. Mit wohlwollendster Aufmerksamkeit kam ihr Kronprinz Ludwig von. Bayern entgegen, der damals als der Vcrkündcr einer neuen Medicecr-Epoche unter den deutschen Künstlern in . Rom lebte. „Alle irgend namhafte, damals in Rom befindliche Deutsche, zumal aber die Künstler", so schreibt Henriette Herz in ihren Erinnerungen, „hatten sich mehr oder minder seiner wohltuenden Aufmerksamkeit zu erfreuen, aber ich darf sagen, daßer gegen mich ganz besonders freundlich war, und, nächst der Frau von Humboldt, mich am meisten auszeichnete . . . Ich sah ihn fast täglich, ja zu Zeiten täglich zweimal, und unangemeldet schmückte er "mitunter meine kleinen — stets ungeladenen — Abendgesellschaften durch seine Gegenwart . . ." Als Henriette Herz durch Alter und Krankheiten in finanzielle; Bedrängnis geriet, da erbot Alexander von Humboldt ohne. ihr Wissen von König Friedrich Wilhelm IV., eine einmalige Subvention und eine kleine Pension für die Freundin. Der König bewilligte die Bitte sogleich und fügte hinzu: „Für eine Frau, welche solang ihre Kräfte es erlaubten, so thätig für dos allgemeine Beste mitgewirkt hat, muß ich mehr thuri, als Sie von mir begehren. Für sie muß auch ich thun, wos in meinen Kräften stehtl" Der „feine Wilhelm" Ein vergessener Name — Zu Wilhelm Wolfsohns 70. Todestag Einst, als das Schauspiel „Nur eine Scele", in dem die damalB noch in Rußland herrschende Leibeigenschaft an den Pranger der Öffentlichkeit gestellt wurde, über zahlreiche deutsche Bühnen ging, war' der Name des Verfassers, Wilhelm Wolfsohn, in aller Gebildeten Mundo. In diesem Drama, wie in den Schauspielen „Zar und Bürger" und „Die Osternacht", dio alle in seiner Heimat, auf russischem Boden, spielten, kamen, trotz mancher Schwächen, das tiefe sittliche Empfinden des Dichters und seine echte Humanität zur ergreifenden Wirkung. Bogumil D a w i s o n verkörperte in diesen Stücken dio Hauptrollon mit hinreißendem Erfolg. Als er einst in engerem Kreise in der Wohnung des Staatsrats. Adelson zu Dresden „Die Osternacht" vorlas, brach seine Stimme vor Ergriffenheit, und helle Tränen rannen ihm über sein Gesicht. Noch stärker war die Wirkung, die Wolf söhn durch seine Werke, Essays und Vortrüge wie seine ganze Persönlichkeit auf seine Zeitgenossen ausübte. Nachdem der aus Odessa stammende Dichter in Leipzig philosophischen und literarhistorischen Studien obgelegen hatte, veröffentlichte er 1843 ein Werk über „Dio schöngeistige Literatur der Russen" und unter dem Pseudonym Carl Maien eine Sammlung von Gedichten, in denen er für Freiheit und Judentum eintrat. Mit Siegmund Frankenberg gab er ein Taschenbuch „J e s c h u r u n" heraus, das sich großer Beachtung der gebildeten jüdischen Kreise erfreute. Als. er in Moskau und den deutschen Kolonien Rußlands litorarldstorische Vorlesungen hielt, dio große Anerkennung fanden, wurde, ihm in der allrussischen Hauptstadt eine Professur angeboten, die er wegen der daran geknüpften Bedingung eines Heligionswech8„els ablohnte. 1845 nach Deutschland zurückgekehrt, hielt er: Vortrüge über Rußlands Novellendichter und wußte bei seinen Zuhörern nachhaltiges Interesse für Lermontow, Puschkin, Gogol u. n. wachzurufen. Im Leipziger Dich torverein, auch Hcrweghklub genannt, dem Hermann Schaumburg, Fontane und der Bpütcre Sanskritforschor Max Müller angehörten, spielte er eine tonangebende Rolle. Fontane und Moritz L a z o r u s rühmen in ihren „Lebenserinnerungen" nicht nur sein tiefgründiges Wissen, sondern auch die Feinheit der Manieren und sein Bestreben, selbst bei erregtestem Meinungsaustausch einen versöhnlichen Ausgleich herbeizuführen. 1852 siedelte Wolfsohn nach Dresden über, wo er sich dem Dienstagskreis anschloß, der Karl Gutzkow, Berthold Auerbach, Herrn. Hettner, Julius Hammer und Lazarus zu seinen ( Mitgliedern zahlte. Mit Robert Prutz begründete er das „Deutsche Museum", das damals eine Heimstätte für Deutschlands edelste Geister bildete. Später trug; er durch dio Herausgabo der „Nordischon Revue" für die literarische Annäherung des deutschen und russischen Volkes Sorge. Auch in dem Dresdener Schriftstellerkreis, in dem die Gegensätze oft aufeinanderprallten, übte er durch die Verbindlichkeit seiner Formen eine versöhnliche Tätigkeit aus, dio ihm seitens des draufgängerischen jugendlichen Auerbach den Nomen „Der feine Wilhelm" eintrug. Gemeinsam mit dem Erzähler der „Schwarzwälder Dorfgeschichten" suchte er Otto Ludwig zur Geltung zu bringen. Schon im 45. Lebensjahre schied er am 13. August 1865 aus dem Leben, das Btets höchsten Idealen gewidmet war. M". S. Ruest. Theater in London Brief für dio „Jüdische Allgemeine" London. Die hiesigen Zeitungen Bind voll des Lobes ühcr das Gastspiel des New Yorker Jiddischen Theaters, das, wie bereits kurz gemeldet, auf seiner Europotourncc in „His MajcBtys Thcatro" mit großem Erfolg das Drama „J o s h o K a 1 b", von Morris Schwartz nach einer Novelle von J. J. Singer beorbeitet, aufgeführt hat. Schwartz, der Autor und Hauptdarsteller, wird als einer der ausgezeichnetsten Darsteller der letzten Jahre bezeichnet. Daß Morris Schwartz und seine Truppe von 80 Schauspielern, die in dem szenisch außerordentlich bewegten Stück auftreten, jiddisch sprechen, steht dem nachhaltigen Eindruck auch bei denjenigen, die der Sprache nicht zu folgen vermögen, keines" wegs als Hindernis entgegen. In dem Stück, doB Bich durch eine wirklichkeitsgetreue Gestaltung der Choroktoro und des Milieus auszeichnet, verliebt sich ein mystisch veranlagter junger galizischer Judo in die junge schöne Frau eines Obcrrabbiners. Die junge Frau stirbt und Joshe Kalb, körperlich und seelisch zusammengebrochen, wird aus einer Stadt in die andere gejagt, um, schließlich mit dor geistesschwachen Tochter eines alten Totengräbers verheiratet zu werden. Er kehrt dann in die Heimat zurück und wird erneut fortgejagt. Wieder heimatlos, irrt er. umher,xvan,;.allen .Gemeinden gemieden. , . Das alles zieht in ergreifenden Szenen am Zuschauer vorüber; keine Episode ist ohne Charakter, keine ohne tiofere Idee: von der Komödie des Totengräbers bis zu den wilden Hochzeitstünzen. Am erschütterndsten eine Gerichtssitzung in der :Synogoge,_ in Düster gehüllt, matt erleuchtet von flackerndem Kerzcnschcinc; Eine Verhandlung wegen Bigamie. 70 Rabbincn jeglichen Alters sitzen an Tischen und beraten und lauschen und streiten über Aussprüche des Gesetzes und hören die Zeugen an. Unvergleichlich. Morris Schwartz, einstein "armer Londoner Junge, iBt das Haupt des „Yiddisch Art Theatre". Und zugleich sein erster Stor. Er hat daB Leben eines Rabbi darzustellen, der das Leben liebt und Trüger eines großen und langen Schmerzes wird. Wie .er von Lust und Frohsinn in tiefste Trauer und Schmerz hinüberwechselt, ist ein großer Beweis außerordentlicher Darstcllungskunst. Hanne-Lotte Bein. Wiclttig für Ratfuchende Der Centraiverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens E. V. bittet uns um Veröffentlichung des folgenden Hinweises: . Die j uristisch - wj rt a eh oft liehen Beratungsstellen unserer Houptgcschttftostelle .und unserer Landesverbände Btehen jedem Juden unentgeltlich zur Verfügung. Die Sprechstunde unserer Hauptgeschäftsstelle findet täglich von 12—14 Uhr in den Geschäftsräumen Berlin W 15, Emser Straße 42, IV, statt. Die Sprechstunden unserer 25 juristisch-wirtschaftlichen Beratungsstellen im Reiche sind am Ort selbBt zu erfahren..

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