Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 15 (1935)
- Issue
- 33 (14.8.1935)
- Date
- 1935-08-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Vor dem 19. Zioniftenkongreß Am Abend des 20. August wird in L u z c r n der 19. Zionistcnkongrcß, eröffnet werden. 'Die Anwesenheit von etwa,400 Delegierten, der erforderlichen Menge von Journalisten aus aller Welt und der üblichen Anzahl Hör- und Schaulustiger, wird ihm das äußere Gepräge geben. Stärker als je ein Kongreß zuvor, vielleicht mit Ausnahmo deB als revolutionäres Ereignis wirkenden ersten Zionistcnkongresses vor 38 Jahren, wird der Luzcrncr Kongreß die Aufmerksamkeit der Juden aller Länder auf sich lenken. Seine Tagesordnung sieht zunächst nach den üblichen Eröffnungsformalitüten eine programmatische Bede des Präsidenten der Zionistischen Organisation, Nahum Sokolow, vor Ober „Die Lage dos jüdischen Volkes und des Zionismus". Der zweite Tag des Kongresses wird eodonn im Zeichen der großen Spezialreferato stehen, die der Tätigkeit der Ewskutivo sowie der beiden Palästina-Fonds Kercn Kajemcth und Kcren Hajessod gewidmet sein werden. Es werden sprechen: das Mitglied der Exekutive David Ben Gorion über „Probleme der Verwirklichung des Zion'ismus", der Vorsitzende der Palästina- Exekutive Dr. Arthur Buppin über „25 Jahre zionistische Kolonisation", der Vorsitzende des Koren Kajcmeth M. M. UBsischkui'über „Die Leistungen und Probleme des >KKL" und der Direktor des Kcren Hajessod Leib Jaffc über „15 Jahre Keren Hajessod". Sämtliche übrigen Tage des Kongresses, dessen Dauer zunächst auf neun Tage geschützt) wird, bleiben — neben den ständigen formalen Kongroßaufgaben wie Wohl des Kongreß- und Ehrengerichtes, der Revisoren etc. — der Generaldebatte und der Arbeit der Kommissionen vorbehalten. Aus ihr wird nur noch Referat und Diskussion eines weiteren Spezialthemas, nämlich „Hebräische Kulturarbeit in der Diaspora" herausragen. Schließlich'werden die Wahlen der Exekutive und des Aktionskomitees sowie der zionistischen Vertreter in der Jewish Agency Höhepunkt und organisatorisches Ergebnis des Kongresses darstellen. Aber ein solches feststehendes Programm besagt noch wenig über dio eigentlichen Probleme, die zur Gestoltung Hrängen. Weder Anordnung noch Thema ■ unterscheiden Bich wesentlich von denen früherer Kongresse. Sie lassen nicht erkennen, wie stark sich die Bedeutung der Luzerner Tagung im Bewußtsein gerade auch der deutschen Judenheit von derejnigen ihrer Vorgänger abhebt. Die deutschen Juden haben mit der Einläsung von über hunderttausend Schekeln ihre überaus' starke Anteilnahme am Werden Palästinas erwiesen. So gewiß das Anschwellen dieser Zahl nicht nur auf sachliche Vernunftsentscheidung, sondern auf eine Fülle unkontrollierbarer Gcfühlsmomente zurückgeht, die keineswegs das Bekenntnis zum politischen Zionismus einzuschließen brauchen, so gewiß stellt sie doch eine Tatsache dar, die als Symptom der Beelischen Verfassung des deutschen Judentums nicht verkleinert werden Boll. Alle die palästinensischen Teilfragen, die in Luzern zur Erörterung - kommen werden — Einwanderungspolitik, Bodenerwerb, jüdische Arbeit, Araberfrage — berühren heute den größten Teil der jüdischen Familien Deutschlands an einem ihrer Glieder ganz persönlich, als Fragen praktischer Lebcnsgcstaltung und Zukunftsaussicht eines Sohnes, einer Tochter, eines Vetters oder Schwagers. Von ihnen uub gewinnen auch die abstrakteren politischen Probleme, wie der vielumstrittene Plan Englands, einen Juden und Araber paritätisch vertretenden „Gesetzgehenden Bat" (Legislative Council) zu schaffen, sowie die neue Zusammensetzung < der zionistischen Körperschaften, dio etwaige Bückkehr Weizmanns in die offizielle zionistische Politik — alles Entscheidungen, die von den Luzemcr Beratungen abhängig sein werden, eine eigene Bedeutung. Erst jüngst wurde dio Tatsache des nühergerückten Palästina durch die aktive Intercsscnnahmo der Amsterdamer Tagung des religiös-liberalen Judentums an der religioBlibernlen Arboit im Lande ein Ausdruck verliehen, der an dieser Stelle «ingehend gewürdigt wurde. Dio Überzeugung, daß dio Bedingtheit religiös-geistiger Fortschritte durch die politische und wirtschaftliche Lage nirgends sichtbarer sein kann als in einem Lande, das noch mitten in einem mühevollen und opferreichen Aufbau steht, richtet auch gerade die Blicko der uns nahestehenden Kreiso auf die Arbeit von Luzern. PnlüflinapiilTe für jüdifdie Staatenlose? Saloniki. Auf der Durchreise nach Luzern hat sich der Delegierte der Juden Griechenlands im Council der Jewish Agency, M. Widder, in Saloniki aufgehalten. In einem Gespräch mit dem JTA-Vertreter teilte er mit, daß er der Agcncy-Tagung vier Anträgo zu verschiedenen Problemen des Palästina-Aufbaues vorlegen werde. In einem dieser Anträge werden Schritte igefordert, um die Zuteilung von Palästinapässen an allo Staatenlosen durchzusetzen. Der Völkerbund und die Auswandererfrage Genf. Hochkommissar James- MacDonald weilte auf der Durchreise in Genf. ' Nach einer kurzen Erholung in der Schweiz v wird er Anfang September wieder nach Genf kommen, um hier der Aussprache in der Völkerbundsversammlung über den Vorschlag der norwegischen Regierung, eino zentrale Institu^tion für aflc Auswandererfragen zu Bchaffen, beizuwohnen. Im Zusammenhang mit diesem Vorschlag der nonvegischen Regierung über die Schaffung eines Völkorbundsorgancs für Auswanderer wird aus zuverlässiger Quelle mitgeteilt, daß schon Kandidaturen für die ehrenamtliche. Stellung eines VökerbundskommissarB für Auswandererschutz erörtert werden. AussichtsrcichBtcr Kandidat Bcheint der Norweger Professor Hansen zu sein. Professor Hansen war bisher Präsident des Internationalen Gerichtshofes in Kairo. Als zweiter Kandidat wird ein bekannter Genfer Rechtsanwalt, Adrion Lachonal, genannt. Trieft - Haifa Zu der Blättcrmcldung, daß die zwischen Triest und Haifa (verkehrenden Schiffo des Lloyd Triestino Anweisung erhalten hätten, nach Triest zurückzukehren, um als Truppentransport schiffe nach Ostafrika Verwendung zu finden, teilt die Direktion des Lloyd Triestino, Triest, mit, daß in dem direkten P alästina - Eildienst von Triest nach Haifa, der mit den Dampfern „Gerusalemme", „Galilca" und „Palestine" ausgeführt wird, eino solche Maßnahme weder erfolgt noch geplant sei. Diese Schiffe werden also fahrplanmäßig jeden Mittwoch bzw. jeden zweiten Freitag von Triest nach Palästina abfahren. Dio Nachricht aus Haifa beziehe-sich lediglich auf dio Schiffe „Vienna" und „Helouan", welche auf der Mittelmeer- Touristen- und Frachtenlinio verkehren und welche tatsächlich nächstens aus dem Dienst herausgenommen werden. Jüdifcher Auswanderer als Lebensretter Paris. Wie die „Depeche de Tours" meldet, hat in Savonniercs in der Nähe der Stadt Tours der deutsche Emigrant E. Meyer drei Personen unter eigener Lebensgefahr gerettet, die in der unmittelbaren Gefahr schwebten, zu ertrinken. Mover hatte von der französischen Regierung die Erlaubnis erhalten, sich in Tours niederlassen zu dürfen. Der Divisionsgeneral von Tours hat Meyer seine Glückwünsche ausgesprochen, ebenso die örtliche Presse. 12000 Auswanderer aus Deutfdiland weiter befördert Paris. In den Monaten Mai und Juni sind durch HICEM 379 Auswanderer aus Deutschland weiterbefördert worden. Damit hat bisher HICEM insgesamt 11963 Auswanderer aus Deutschland wcitergeleitet, davon 4178 nach den verschiedensten überseeischen Ländern. Auslaiidsülme mit jüdifchen Küiiillerii Eine Unterredung mit dem Sonderbeauftragten Hans Hinkcl über die Überwachung des kulturellen Schaffens der Nichtarier. Frankfurt a. M. In einer Unterredung mit einem Schriftleiter der „Lichtbildbühno" gab der Geschäftsführer der Reichskulturkaremor, Hans Hinkcl, Einzelheiten über seinen Sonderauftrag für dio Überwachung des kulturellen Schaffens der Nichtarier in Deutschland bekannt. Er erklärte: „Das wieder erneut verstärkte Umsichgreifen der nichtnrischen Einflußnahmo auf das künstlerische, kulturolle Und geistige Leben in Deutschland zu verhindern und jegliche getarnte Betätigung von Juden auf diesen Gebieten mit allen Mitteln auszumerzen, ist die mir von Reichsministor Dr. Goebbels gestellte Aufgabe des Sonderauftrages. Wir wollon mit unseren Maßnahmen in allererster Linie dio Nichtjuden treffen, die sich zur Tarnung hergeben und diejenigen, die sie zur Tarnung beeinflussen und verführen. Mit aller Härte wird ge^cn diese Leute vorgegangen werden. Nur dadurch werden wir erreichen, daß sich künftig niemand mehr für solche Machenschaften hergibt. Der Rcichsminister hat mir in solchen Fällen den Auftrag gegeben, strengste Untersuchung einzuleiten und den weiteren Auftrag, schärfste Verwarnungen auszusprechen! Aber wohl gemerkt, wir lassen uns nicht mit irgendwelchem Denunziantentum ein, denn wir haben nicht die Absicht, hinter Vorhänge zu schnüffeln oder am Schlüsselloch . zu stehen. ' Wir fordern Ehrlichkeit und Gesicht statt Maske I Dio Frage, wie wir uns dem Aus Inndsfilm gegenüber verhalten, in dem jüdische Künstler beschäftigt sind, ist durchaus einfach und eindeutig zu beantworten. Zum ersten handelt es sich bei unseren Moßnahmen zur Ausschaltung des jüdischen Einflusses auf unser kulturolles und künstlerisches Leben um eine durchaus innerdeutsche Angelegenheit, die in keinem Fall mit den Fragen "der internationalen Filmwirtschaft vercpiickt werden soll und wird. Zum zweiten pflegen sich die Juden in einem fremden Lande auf geistigem und künstlerischem Gebiet nicht durch einen Strohmann zu tarnen, da sie sich dort offen und ungehindert betätigen können. Wenn also in anderen filmprodu2iercndcn Ländern jüdische Künstler beschäftigt werden, bo ist das. im gegenteiligen Falle eine durchaus eigene Angelegenheit des betreffenden Landes. Es laufen — und werden immer laufen.— bei uns Filme verschiedener Nationalität, ebenso wie wir unsere Filme in andere Länder schicken. Sic passierten und werden weiterhin die deutsche Zensur passieren, wenn sie nicht destruktiver und volksschädigcrlder Natur sind. Wenn in einem dieser Filme ein Jude mitwirkt, als Darsteller, Regisseur, Autor usw., so soll man das, hier wie dort, ehrlich' sagen, ob es sich nun um einen Film .aus Osterreich,. Polen, Ungarn, Frankreich, England, Amerika, oder sonst einem Land handelt. Es ist nicht unsere Aufgabe, und wir können und wollen auch gar nicht jedem ausländischen Filmschaffenden den Arier-Nachweis abfordern. Was wir aber verlangen, ist auch hier Klarheit und Ehrlichkeit. Es braucht sich niemand zu tarnen. Wir anerkennen und achten jedes fremde Volkstum und dessen Kunst und Kultur. Unser eigenes Volkstum haben wir selbst zu verkörporn, und wir lieben es ebenso stark, wie wir ebenso sehr s diejenigen bekämpfen, die die Wurzeln dieses Volkstums zu zerstören trachten oder es verspotten." Palaftina-Film auf der internationalen Filmausftellung Rom. In Venedig findet vom 10. bis 15. August die HI. Internationale Fihnausstcllung statt, bei der zum ersten Male unter den ausstellenden Landern Palästina' vertreten ist. Die Palestine Pictures Ltd. wird einen Palästina - Film „Awoda" zeigen, der jüdische Jugend am Aufbau des neuen Palästina darstellt. Der Film ist in Tel Awiw vor kurzem zur Erstaufführung gekommen und hat in der palästinensischen Presse eine gute Aufnahme gefunden. zirken ihres persönlichen Daseins und ihrer geistigen Erkenntnis wirken. Was anders ist lebensnahe Frömmigkeit, als erfahrene und betätigte Ehrfurcht vor dem Wunder des Seins in uns und um uns, deren beschwingter Rhythmus gleichsam jede Lebensäußerung unterbaut, aus der Gesellschaft eine Gemeinschaft, aus dem Leben ein Sein, aus dem Erfahren ein Erleben werden läßt? Doch nicht nur sie, wir alle, die wir Juden sind, müssen diese Wandlung durchmachen und unsere Seele jenen irrationalen Strebungen und Einflüssen öffnen, aus denen die Ehrfurcht erwächst. Dann erhalten bestehende Formen und Einrichtungen einen neuen Sinn, all unsere sozialen Beziehungen einen neuen, ungeahnten Wert. Wie ein Mensch den anderen, so sollte in diesen Zelten, deren seelische Not uns so grenzenlos einsam macht gegenüber einer alt vertrauten Umwelt, vor allem ein Jude den anderen ehrfürchten, wo immer er weltanschau- . lieh, bildungs- und besitzmäßig eingeordnet sei. Ein jeder unter uns hat Anspruch auf ehrfürchtende Behandlung, solange er sich müht um das Judentum als ' Gemeinschaft und religiöse Idee. Auch die Gegner sollten voneinander wissen, daß sie das Geheimnis ihrer Persönlichkeit aus ewigen Forderungen göttlicher Gebote zu achten wechselseitig verpflichtet seien und niemals berechtigt, einander die Ehrfurcht vor dem guten Willen, "der sie doch alle treibt, im mindesten zu vernachlässigen.' Denn in jedem bewußten Juden ist die Idee des Judentums wenigstens latent, wie in jedem Bundesangehörigen die übergreifende Idee seiner Gruppe, welches immer die Kräfte, Streburigen und geistigen Emotionen seien, die sie erst zum Ganzen bestimmen. Was uns Juden gefehlt hat an Macht und bindender Zwangsautorität führender Einzelner, haben ' wir ersetzt — solange nur religiöses Leben in unB war — durch die Ehrfurcht voreinander, die der stärkste geheime Regulator und Läuterer zwischenmenschlicher Beziehungen ist, mächtiger als kodifiziertes Gesetz, beständiger als wandelbare Sitte, verpflichtender als noch so strenges und besonderndes Gebot. Die jüdische Ehe ist auf sie wesentlich gegründet. Der Lehrer verdankt ihr seine Autorität und der Schüler des Lehrenden Liebe zum wachsenden, bildungsfähigen Wert, die Freundschaft ihre Tiefenwirkung, die wechselseitige Beziehung zwischen Eltern und Kindern ihr zartes Geheimnis aus transzendenten Bezirken. „Die Ehrfurcht des Herrn ist der Weisheit Anfang" — und die aus ihr stammende Ehrfurcht vor dem Nächsten, im Ebenbilde Gottes geschaffen — ein Jeder Kreatur seiner Gnade, die im Gerechten sich vollendet, aber auch im Sünder noch ihr geheimes Licht abgründig verbreitet — der Liebe Beginn. Denn Verehrung ist weltliche Erkenntnis und Neigung' zu vorhandenen, stark ausgeprägten Werten, Ehrfurcht religiöse Heiligung und Neuschaffung. Sie ist eine erweckende Kraft und mächt uns offen für die bestehenden und verborgenen Werte und Möglichkeiten unserer Brüder, sie ist eine Brücke über die Gegensätze der Charaktere und Weltanschauungen, Lebensalter und Geschlechter, sozialer Bedingtheiten und kreatürlicher Beschaffenheiten. Wir Juden zählen die Ehrfurcht zu den originären Gütern unseres Lebens. Die Zeit der sachlichen Zwecke hat sie fast ausgerottet, die Zeit religiöser Erneuerung, in der wir leben, wieder erweckt. Die nahe Zukunft mag ihr jene allumfassende Bedeutung wiedergeben, die sie zur tragenden Lebenskraft jedes Juden werden läßt, daß wir alle ihrer freudig gewahr werden — auch in, den Spannungs- und Gegensatzbeziehungen des Ich zum Du, der Gruppe zum Wir, auch in der Rangordnung des Unteren zum Oberen, ausstrahlend bis in die letzten Fasern unseres täglichen Seins, unseres sinngewandelten All-Tags . . . Jüdifdie Ärzte nur für jüdifdie Patienten Auf einer Tagung des NS-Arztcbundcs sprach, wie der „Völldscho Beobachter" berichtet, der Stellvertreter des Reichsärzteführers Dr. Bartels. Er wandte sich dagegen, daß jüdische Arzte zur Gcburtslülfe bei deutschen Frauen zugezogen werden. „Mutter und Kind", bemerkt hierzu der V. B., „sind uns ein so hoher Begriff, daß wir schön deswegen nicht dio Hilfe des Juden um sie wissen wollen." Im Anschluß daran fordert der „Völkische Beobachter*', daß von jüdischen Ärzten nur jüdischo Patienten behandelt werden sollen. Nach Meldung des „Angriff" hat der Betriebszellenobmann eines größeren Berliner Filialgeschäftes an die Betriebsangehörigen ein Bundschreiben gerichtet, in dem angeordnet wird, daß Mitglieder der deutschen Arbeitsfront sich nicht bei jüdischen Ärzten in Behandlung zu begeben haben. Die- Geschäftsführer werden in dem Rundschreiben, gebeten, A tteste von nich ta ri s chen Ärzten nicht mehr anzuerkennen. ' Jüdifdie Betriebe: keine DAF-Fahne Iii einer Anordnung des stellvertretenden Beichsleiters der Deutschen Arbeitsfront, Schmecr, heißt es: ,;Unter Bezugnahme aut dio Bestimmung des Herrn Reiclisministers des Innern vom 27. April 1935: — „Die Hissung der Reichsfahnen, insbesondere der Hakenkrcuzflaggo, durch Juden hat zu unterbleiben, in. Zweifelsfällcn trifft die örtliche Polizei die erforderlichen Anordnungen." — haben wir Veranlassung, darauf hinzuweisen, daß es der nationalsozialistischen Zielsetzung der Deutschen Arbeitsfront widerspricht, wenn Betriebe mit jüdischen Betriebsinhabern bzw. Betriebst ührern an nationalen Feiertagen oder sonstigen Anlässen bei einer allgemeinen Beflaggung dio DAF-Fahne hissen." Klebckolonne in Königsbütte verhaftet Kattowitz, Dos „Deutsche Nachrichtenbüro" meldet: „In den Städten Oberschlesicns dauern die Kundgebungen gegen dio Juden weiter an. In der Nacht zum Donnerstag wurden in König bhütte zahlreiche Schaufenster jüdischer Geschäfte, Mauern, Bretterzäune und Masten der Licht- und Telegraphcnleitun'gen mit Aufrufen gegen dio Juden beklebt. -Die Polizei konnte eine Klebckolonne von sieben Personen, die polnischen Organisationen angehören, festnehmen."