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Jüdische allgemeine Zeitung · 1935-08-07 · 32 (7.8.1935) · page 5

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Journal
Jüdische allgemeine Zeitung
Volume
15 (1935)
Issue
32 (7.8.1935)
Date
1935-08-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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DER JÜDISCHEM ALLGEMEINEN Leitori Siegfried Winitzki Obungsbeispiel '; Weiß: 11 Figuren. Kf3; Dc2; Tal, Tdl; Sf4; Bauer a3, b5, c4, f2, g3, h2. Schwarz: 10 Figuren. Kh7; Db7; Td8, Tf8; Lo7; Bauer a7, c5, e6, f5, g5. Weiß zog 27. Sf4Xe6? Warum ist dies ein Fehler? Schachautgabe Nr. 16 Von W. Grimshnw „ Weiß:. 9 Figuren. Ka2; Dc4; Tbl, Ta8-, Lb3, Lf2; Bauor a5, c5, ab. Schwarz: 9 Figuren. Kb7; Dh7; Tg6, Th8; Lg7, Le8; Bauer a7, a6, f6. a b c d e f g ' h 8 i I 7 i $8 ■ £ W 6 i ^HP mtv% mwi ÄP i 1 5 £ "wi 1b 4 ' 3 £ 2 & "Ä 1 ■: a b c d e f g h Matt in 2 Zügen. Auflösungen in unserer nächsten Schachecke Patt erzwungen! Weiß: 4 Figuren. Kh3; Dd6; Bauer c3, g3. Schwarz: 5 Figuren. Kh7; Dg7; Bauer h5, fö, e4. Die Partie ist natürlich für Schwarz nicht zu gewinnen. Humorvoll ist nur die Art, in der Weiß dos Remis erzwingt. 1. Dd6—f4I Schwarz benutzt natürlich freudig die Gelegenheit, die Damen zu tauschen: 1. . . . Dg7—g44-; 2. DxD h5Xg4 (oder fXg); 3. Kh3—h4 und Schwarz muß den Gegner pattsetzen (durch Kh7—g6), wenn er nicht die Partie verlieren will. Ein büser Reinfallt Weiß: 4 Figuren. Kc3; Ta4, Th3j Bauer b4. Schwarz: 3 Figuren. Kc6; Tel, Tb6. Weiß zog 1. Kc3—b2, worauf Schwarz den angegriffenen Turm nur wegzuziehen brauchte, beispielsweise nach c4, und die Partie müßte remis werden. Stattdessen kam 1. . . . Kc6— b5?; 2. Ta4—a5-[- Kb5xb4; (soweit sieht alles noch freundlich aus, aber jetzt folgt oine Überraschung : 3. Th3 — a3 1 I Schwarz muß jetzt aufgeben, das drohende Matt ist nur unter Turmverlust abzuwenden! Allerlei aus der Praxis Weiß: 10 Figuren. Kgl; Dd7; Tel; Lg3; Sc5; Bauer a3, b3, f2, g4, h2. Schwarz: 11 Figuren. Kg8; Dh3; Tf8, Te8; SdS; Bauer a7, b6, e6, f6, g7, h7. Weiß, um Qualität und Bauer im Nachteil, überraschte den Gegner mit 1. Tel—c8! (Der Turm darf wegen DXc6-j-, Kh8, Sf7-jusw. nicht geschlagen werden). Am besten hätte Schwarz daher getan, mit 1. . . . f6Xc5; 2. Tc8Xe8 Dh3Xg4 Ausgleich anzustreben. Er wollte aber mehr und zog 1. ... Te8—e7?, mußte aber nach 2. Dd7—d8I Tc7—f7; 3. Scff—d7l den Kampf aufgeben. Schachlehrkurfus In unserer heutigen Ausgabe beginnt für alle die Leser, die Lust haben, sich mit dem schönsten aller Spiele zu beschäftigen, eine theoretische Einführung in dos Schachspiel. Nr. 1 über die Erfindung des Schachspiels sind viele Fabeln im Umlauf-. Verschiedene Anzeichen weisen übereinstimmend darauf hin, daß das Spiel im 6. Jahrhundert in Indien erfunden worden ist. Aber nur die Nnmen von Brett und Figuren nennen uns die altindischen Schriften. Von der Gangart der Figuren und den Regeln sagen sie nichts. Wenn wir die Geschichte des Schachspiels verfolgen, finden wir, daß das Spiel immer in jenen Landern am meisten gepflegt wurde, die auch kulturell eine führende Rolle spielten. Die Araber, die im verfallenden Mittelalter die ersten Kulturträger der Welt waren, brachten das Schach nach Europa. Die ersten europäischen Schachautoren finden wir um das Jahr 1500 in Spanien und Portugal, den Ländern, die im Zeitalter der Entdeckungen auf materiellem und geistigem Gebiete die Führung hatten. Uber Italien, Frankreich und England kam das Schachspiel nach Deutschland. Die folgende Artikelserie soll den Leser der „Jüdischen Allgemeinen" mit den noch heute allgemeinen üblichen Spielregeln und Spiclwciscn bekannt machen. Das Schachbrett und die Steine Das Schachbrett bildet ein Viereck aus 64 gleichen Quadraten, die abwechselnd schwarz und woiß zu sein pflogen. Zwischen die beiden Spielenden wird das Brett so gelegt, daß jeder ein weißes Eckfeld zu seiner Rechten hat. Jeder Spieler erhält 16 Schachsteine, die sich durch helle und dunklo Farbe unterscheiden. Diese Steine sind jo 8 Offiziere oder Figuren auf der äußersten horizontalen Fcldcrreihc und je 8 Bauern auf zweiten Reihe, und zwar: ]« 1 K5n'E je 1 Dame je 2 Türme & je 2 Springer je 2 Läufer je 8 Bauern Man stellt dieso Steine folgendermaßen auf: Auf jedes Eckfeld der dem Spieler zunächst liegenden Horizontalreihc kommt ein Turm, auf die benachbarten Felder ein Springer, dann ein Läufer, die beiden Mittelfelder werden von dem Königspaarc besetzt, und zwar so, daß die weiße Diune ein weißes, die schwurze Dame ein schwarzes Feld einnimmt. Die 8 Bauern nehmen die zweite Horizontalreihe ein, so daß jeder der genannten Offiziere einen Bauern vor sich zu stehen hat, der auch häufig nach ihm benannt wird; man sagt z. B. der Bauer des Damcnläufers oder der c-Bauer. Zahnstocher und eine Flasche Sclter. Ein anderer Fcsttcilnehmer begnügte Bich mit einem Hering und fünf Brötchen. Es war schon Morgen, als der Besitzer des Lokals dio Polizeistunde verkündete. „Herr Ober! Zahlen!" riefen dio Freunde. „Schon erledigt", antwortete der Oberkellner, sich verbeugend. Molnar erhob sich lächolnd und sagte: ,',Meinc lieben alten Freunde, habt ihr wirklich geglaubt, daß ich euch die Zeche bezahlen lassen worde? Solango Franz Molnar lobt, bezahlt er allo Zechen bei seinen Banketts." In Molnara Loben hat es manche Abwechslung gegeben. Auch in soiner Ehe. Als er zum dritten Male heiratet, trügt er bei der Trauung einen Smoking. Ein wenig pikiert, fragt ihn seine angehende Gattin, die schöne Lili Darvas: „Franz, sag', worum trflgjt Du keinen Frack?" Darauf 'Molnar ganz trouherzig: „Teuerste, den trag' ich nur bei Premiorcn." Als sein fünfzigster Geburtstag herannahte und er sich dem „Grcisenaltcr" heranwanken sah, verbot er allo Ehrungen und festlichen Reden, die ihn an die entschwindende Jugend gemahnten. Trotzdem veranstalteten seine Freundo zu seinen 'Ehren einen festlichen Abend. Molnar ist verzweifelt, doch als er den Saal betritt und sich umsieht, leuchten seine Augen wieder auf. Sttmtlicho im Saal Anwesenden hatten sich lange weiße Bärtc angeklebt, und als der Jüngste ließ sich Molnar zufrieden inmitten der Versammlung der „Greise" nieder. Der Anfänger wird wohl tun, den Rand des Schachbrettes, wie bei der hier gegebenen Darstellung, mit den Buchstaben und Zahlen zu bezeichnen. Nach kurzer Übung wird ihm aber die Methode so goläufig sein, daß er auch später dieser Hilfe nicht mehr bedarf. Man merke sich als Anhalt für das Gedächtnis, daß beide Domen auf dio d-Linie gestellt werden. (Fortsetzung folgt.) Der Kulturbund in der neuen Spielzeit Die letzte- Vorflellung im Berliner Theater — Was Schaufpiel und Oper bringen — Auch Beethovens „Neunte" geplant Im September beginnt der Jüdische Kulturhund Berlin seine dritte Spielzeit. Uber das Programm der kommendem Saison macht Intendant Kurt Singer im soeben erschienenen Juliheft der Kulturbundblätter bemerkenswerte Ausführungen, die den Spielplan für 1935/36 umreißen. Die letzte Vorstellung, die im Berliner Theater in der Charlottenstraße stattfinden wird, bringt die früher in Berlin schon gespielte Komödie aus dem jüdischen Leben „H ron x - Exp r eß" von Ossip Dymow. Das neue Haus soll mit Otto Ludwigs Tragödie „Dio Makkabüer" eröffnet werden. Shakespeares „Sommernachtstraum" mit der Musik von Mendelssohn wird sich anschließen. Das Januarwerk greift in die Zeit der Hauptmann-Nachfolge zurück und bringt gleichzeitig Georg Hirschfeld mit seinem naturalistischen Drama einer Berliner Jüdin „Agnes Jordan" wieder'zur Geltung. Die dann folgende Aufführung von „Das Weib des A k i b a" bedeutet eine Ehrung für den' vor zehn Jahren Verstorbenen Dichter Moritz Heimann. Weiter wird an eine Aufführung von Hebbels „Judith" sowie des Schauspiels eines in Österreich viel gespielten jungen jüdischen Dichters gedacht. Im Rahmen des Öpernspielplans werden Bizets „Carmen", „Don PaBtjuale" von Doriizetti und Rossinis „Barbier von Sevilla" erscheinen. Für den Sommer wird eine Offon.bach- O p c r e 11 e;gcplant. „Fledermaus" und „Jettchen Gebert" bleiben in Form von Sonderveranstaltungen auf dem Repertoire. Von Ko n ze rtauf f'üh rungen sind nebenKammormusikabenden imd solistischen. Darbietungen von Simon Goldberg, Alexander Kipnis, Lotte Leonard, Josef Rosenstock und Wilhelm Steinberg vorgesehen: Beethovens „Neunte", Händeis „Israel'V Werke moderner jüdischer Komponiaton wie Schönberg, Mahler, Milhaud, Ravel, Toch. Dio Vortragsabteilung, des Kulturbundes wird, auch im kommenden Jahr in enger Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Lehrhaus geführt. An Kleinkunst-Abenden bringt die neue Spielzeit u. a.: Neuer östlicher und Palästina-Bilderbogen, Nachdenkliches Kabarettjgein Gastspiel Dela Lipinskaja, eine Chanukkahiaufführung sowie Tanzabende. Anekdoten um Molnar Im Jüdischen Kulturbund wird am 11. August Franz Molnara „Spiel im Soh 1 oß" aufgeführt. Ebenso zahlreich ' wie die Pointen und Anekdoten, die Molnar kolportiert hat, sind diejenigen, die über ihn im Umlauf sind. Wir veröffontliohen nachstehend einige davon. , Franz Molnar ist sehr sparsam. Eines Tages lädt er einen bekannten, Wiener Theaterdirektor zum Souper ein: „Also, ich orwarte Sic um l/a9 Uhr im Imperial." Der Theaterdirektor betritt wenige Minuten nach dor verabredeten Zeit den Speisesaal. Molnar: „No, wenn Sie zu spät kommen 1 Jetzt hab' ich das Brathuhn schon abbestellt." ■ ■ . * Seine außerordentliche Sparsamkeit zeigte sich auch, als er anläßlich der Premiere seines Stücks „Die Fee" in Wien ein Essen gab. Einen Tag vor dem Essen machte Molnar einen seiner Freunde mit Beinern Entschluß bekannt, daß bei dem. Bankett jeder seine eigene Zccho zahlen solle. Am Abend des Festessens erschienen 30 Freunde. Molnar bestellte sich Ente und Bordeaux. Die Freunde, die von dem Beschluß Molnars in Kenntnis gesetzt waren, zeigten eich bescheidener. Ein Schauspieler bestellte zwei Eier im Glas, ein anderei nur ein Glas Milch. Ein bekannter Komponist verlangte Das Programm im Rhein-Main-Gebiet Auch der jüdische Kulturbund Rhein-Main hat sein Programm für den Winter 1935/36 fertiggestellt. Unter Leitung von Hans Wilhelm Steinberg sind bccIib Orchcstorkonzcrtc, unter Dr. N. Ehrenreich, drei Chorkonzerte mit Orchester, darunter die Uraufführung der Kantate „In Ewigkeit" (Jchuda Halcvy) von Herbert Fromm, geplant. An sechs Kammcrmusikabcndcn wird man das Streichquartett des Kulturbundes und eine ganze Anzahl namhafter Solisten hören. Für Endc_ April 1936 ist, wie bereits gemeldet, dio Uraufführung des Pcssach-Oratoriums „Die Hagada" von Paul Dessau und Max Brod angekündigt. In der Thcatcrabtcilung werden Shakespeares „K omödic der Irrungc n", Shaws „Arzt am Scheidewege" oder Tolstois „Lebender Leichnam" mit Norbert Schiller in der Hauptrolle aufgeführt werden. Als Uraufführung ist das Schauspiel „R c u b c n i" von Max Brod geplant. Unter Mitwirkung des Sprechchors spielt das Theater Rhein-Main „Dic Troerinnen" von Wcrfel und Rossinis „Barbier von Scvill a". Monatliche Kunstausstellungen in den Ateliers zeigen Werke der bildenden Künstler Frankfurts. Im März 1936 findet eine Gedächtnis-Ausstellung für Max Schüler, John Elsas und Heinrich Gottselig statt. Im Oktober gibt Vnlcska Gert einen Tanzabend, außerdem sind Kunstbildungsvcranstaltungcn und Einführungsveranstaltungcn für Schüler, ein Studio für bildende Kunst und ein literarisches Studio vorgesehen. Nochmals „Melancholifclie Urlaubsbilanz" Im Anschluß an dio Erwiderung des Herrn Bezirksrabbiner Richter in Schivolbcin und des Vorstandes der Synagogengemeinde Neustettin zu dem in Nr. 28 der „Jüdischen Allgemeinen" veröffentlichten Artikel „Melancholische Urlaubsbilanz" schreibt uns der Verfasser, Max Goldstein, daß die Darstellung des Herrn Rabbiner Richter den Anschein erwecke, als ob er einen Gottesdienst mit Predigt abgehalten habe. In Wirklichkeit habe Herr Rabbiner Richter im Anschluß an den Gottesdienst einen Vortrag gehalten, der auch als solcher vorher angekündigt war. Herr Goldstern betont in seiner Zuschrift an uns weiter, daß er in seinem Feuilleton weder die einzelnen Gcmcindcmitglicdcr angegriffen habe noch überhaupt habe angreifen wollen. Wenn in der Erklärung des Gemcindcvorstandca weiterhin davon gesprochen werde, daß in dem Artikel „vielfach Unrichtiges" enthalten sei, so sei diese Behauptung' nicht im, geringsten näher spezifiziert worden. wir haben nunmehr beide Teile zu Wort kommen lassen und glauben, daß wir damit den Schlußstrich unter diese Bilanz ziehen können. Der Handwerkerausschuß der Reichsvertretung der deutschen Juden hat über dio Wirtschaftsstcllcn der jüdischen Gemeinden an die jüdischen Handwerksbetriebe einige Fragen gerichtet. Die Reichsvertretung bittet dio jüdischen riandwerksbetriebe, soweit sie die Umfrage noch nicht erreicht hat, sich umgehend an die Wirtschaftsstelle ihrer Gemeinden bzw. ihrer Bezirke zu wenden. Die Betriebe, denen die Umfrage bereits zugegangen lBt, worden im eigensten Interesse dringend um lückenlose und genaue Beantwortung der gestellten Fragen gebeten. Zurück Prof. Dr. R. Ehrmann Ab 1. Oktober müssen Waren Eingangsbücher geführt werden. 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