Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 15 (1935)
- Issue
- 31 (31.7.1935)
- Date
- 1935-07-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Fortsetzung von der 1. Seite Die Tagung im Haag So wertvoll und aufschlußreich die Diskussion für alle Teilnehmer.;seiil':in^ta,v'tieVjeei^.dodi' recht deutlich die Grenzen ihrer , praktischen -Wirksamkeit, Wie überhaupt dio beschränkten Arbeitsmöglichkeiten deB' Komitees! i'Auf Antrag von Miß . Lily Montagu wurde beschlossen, dio angerührten Fragen in den Mittelpunkt einer besonderen Konferenz der „World Union" zu stellen. Als Fazit bleibt, daß der religiöso Liberalismus Deutschlands, namentlich aber dio religiöse Jugend, in den entscheidenden Fragen ihrer Arbeit auf sich selbst angewiesen sein wird. Es war eigentlich'dieses Gefühl einer akuten Vereinsamung, das die deutschen Delegierten von Anfang bis.Ende der Konferenz nicht losließ. Nicht daß damit behauptet sein soll, daß das übrige Judentum in der Welt dio deutschen Juden böslich im Stiche ließen. Der dcitfschc Judo ist durchaus des allgemeinen Interesses sicher. Allein.man betrachtet ihn als einen Fall sui gcner'is und ist nicht dazu imstande und bereit, in der Frage des deutschen Judentums seino eigene Frage zu erblicken. Für religiöfes Judentum in PalüAina -•Viel eher schon ist man gcwillt,-in'vP a 1 ü s t i n a '«in Stflolrder eigenen Sache zu erblicken. Es ist kein Zufall, daß als eine der wesentlichen Fragen dio Konferenz die Frage einer Beteiligung am religiösen Palästina-Aufbau beschäftigte. Den unmittelbaren Anlaß bot dazu die Schilderung der Einwände, die Dr. Schulmann bei seinem Aufenthalt in Palastina kürzlich gesammelt hatte. Das Bild,, das der Referent von der religiösen Situation entwarf, war erschütternd. Der Palüstina-Aufbau als säkulare Lösung der Judenfrage ursprünglich gedacht und in Angriff genommen, hat der religiösen Fragestellung im Zuge der Entwicklung nur einen ganz schmalen Raum gelassen. Der dadurch entstandenen religiösen Not in Palästina zu steuern, würde von Schulmann als eine der dringlichsten Aufgaben der „World Union" betrachtet. Dabei ergab Bich sowohl für den Referenten selbst wie für die überwiegende (nichtzionistische'* Mehrheit des „Governing Body" die Gewissensfrage, wie weit für sie persönlich dio Mitarbeit wenn auch nur am religiösen Palästina-Aufbau gleichzeitig notwendig eine Bejahung des nationalen Palästina-Aufbaus bedeute und bedeuten müsse. Wenn man sich trotzdem für den Einsatz der religiös-liberalen Arbeit in Palästina entschied, so geschah es gewiß nicht, um den sich dort vollziehenden Sälailarisationsprozeß des Judentums zu tarnen oder zu sanktionieren, sondern aus Gründen der praktischen Überlegung. Bei der Wahl, in dem Land der Verheißung — das nach dem Ehrgeiz zionistischer Politiker die Regeneration des gesamten Judentums herbeiführen wird, das aber vom wahren Judentum weiter entfernt ist als manche anderen Länder — ein seinem eigentlichen Kern völlig entfremdetes „Judentum" als völkische Konzentration entstehen zu sehen oder eine trotz ihres verständlichen Hanges zu Volk und Boden so doch religiöse Gemeinschaft, hielt es das „Governing Body" für seine Pflicht, seine Kraft auch für die Schaffung eines religiösen, nicht orthodoxen Judentums in Palästina einsetzen zu müssen und nicht . gerade an diesem Land als einzigem vorbeizugehen, das wie kein zweites des - religiösen Aufbaus bedarf. Dem Vorstand^ steht für die Palästina-Arbeit ein eigenes beratendes Komitee zur Seite, daB u. a. aus folgenden Herren besteht: Dr. M. EhrenpreiB (Stockholm), Prof. I.Elbogen (Berlin), Dr. S. Goldcnson (New York), Dr. J.Morgenstern (Cincinnati), Dr. Abba Hillel'Silvor (Clcveland). Damit wären eigentlich die bedeutendsten Ereignisse der Tagung registriert. Die. Round. Table Conference, die zu den Gegenwartsaufgaben des deutschen Judentums Stellung nehmen sollte und in dem einleitenden Referat von Rabbiner M c h 1 e r (Amsterdam) chor einer für dio Vertreter aus Deutschland überholten Vergangenheit angehörte, brachte nichts wesentlich Noucb. Jedenfalls nicht den deutschen Vertretern. Dagegen zeigte sich erstmalig mit imponierender Klarheit, daß das anscheinend so auf die geistige Assistenz der. jüdischen Welt angewiesene deutsche Judentum kraft der Erfahrungen und Neuschöpfungen der letzten Jahre reich genug ist, um seinen Freunden in aller Welt Rat und Hilfe zu erteilen. Zur Diskussion stand die Frage der religiösen Erziohung an Kindern und Erwachsenen. Anregungen zur Bildunggarbeit Hier bewiesen Dr. Dienemann, Prof. E1 bogen , Heinrich Stern und Prof. Billig heimer (Mannheim) durch eine Aufzählung und teilweise durch dotaillierte Schilderung, welche schöpferische Energien die gleiche pädagogische Sorgo in den 'letzten Jahren auf dem Gebiet der religiösen Bildung sowie der jüdischen' Allgemeinbildung ausgelöst hätten. Durch den Hinweis auf die Tätigkeit der „MittelBtclle für Erwachsenenbildung", die Dr. Dienemann gab, auf die -Bildungsarbeit der Reichsvcrtrctung (Lescheftel), die Prof. E1 b o gen erwähnte, auf die Bildungsarbeit und Feiergestaltung in den Kleingemeinden (Stern), auf den Lehrplan der jüdischen Schule (Billigheimor) wurden den ausländischen Delegierten wortvollo Anregungen geboten, wenngleich! sie sich vielleicht nicht in derselben form anderswo durchführen lassen werden. Margarete Goldstein (Berlin), dio tags darauf im Meeting des „Governing Body" über ihre erfolgreiche religiöse Werbetätigkeit inj Auftrag der „W/orld Union" referierte, gab durch eine Schilderung der von ihr ms Leben gerufenen Feierstunden, die sie in Wien durchführte, eine wertvolle Ergänzung ■ dieser fruchtbaren Möglichkeiten. Abschließend sei eine durchaus unkritische Feststellung er Iaubt. Wer von der Konferenz, mithin von der „World Union" diesmal konstruktive Beschlüsso für die eigeno interne Arbeit erwartete, mußte enttäuscht werden. Dio konstruktive Funktion der „World Union" liegt vielmehr in der. Werbung neuer Gruppen der Erschließung weiterer Arbeitsgebiete in anderen Ländern und der tatkräftigen Organisierung' dieser Arbeit. Die Berichte, die im „Governing Body" aus Südafrika, Australien, Indien, Österreich, Ungarn und anderen Ländern mehr erstattet wurden zeugten von Erfolg und Weiterkommen. Im, übrigen aber wird das „Governing Body" kaum mehr bieten als die Möglichkeit einer zwischenstaatlichen Diskussion über die Fragen des „Progressive Judoism". Diese Chance muß freilich voll und ganz ausgenutzt werden- Die wenigen Konferenzen sind eine Gelegenheit, aber sie müßten, da sie meist und vordringlich nur für die Teilnehmer, von Wert Bind, ergänzt werden. Von Seiten der jugendlichen Delegierten aus Deutschland wurde dalier zum Schluß noch der Vorschlag zur periodischen Herausgabe einer Zeitschrift gemacht, in der von den Repräsentativen der einzelnen Länder zu den gegenwärtigen Pro blcmen des religiösen Liberalismus Stellung genommen werden soll Auch Arbeitsberichte aus den einzelnen Ländern müßten hierin Aufnahme finden. Wir wie alle anderen, die ein Interesse an der Führung eines kulturellen Gesprächs haben, werden jedem Dank wissen, der uns hierzu dio Möglichkeit bietet. Auch darum sind wir der „World Union" zu Dank verpflichtet, daß sie diesen Faden nicht abreißen läßt. Daß sie hierfür die institutionelle Garantie bietet, hat e , vom 19.—22. Juli dieses Jahres erneut bowicsen. H. K. Hinkel über feine neuen Aufgaben ffie Überwachung der kulturellen Betätigung der Mchtarier Das Deutsche Nachrichtenbüro teilt mit: Der Präsident der Rcichskulturkammer, RcichBministcr Dr. Goebbels, hat mit sofortiger Wirkung den Geschäftsführer der Rcichskulturkammer, Hans Hinkel, nach Erledigung seines Auftrages als preußischer Staatskommissar unter Beibehaltung seines derzeitigen Arbeitsbereiches zu seinem Sonderbeauftragten für dio Überwachung und Beaufsichtigung der Betätigung aller im deutschen Reichsgebiet lebenden nichtarischen Staatsangehörigen auf künstlerischem und geistigem Gebiet berufen. * Der Geschäftsführer der Rcichskulturkammer, Hans Hinkel, gewährte einem Vcrtrctor des „Angriff" eino längere Unterredung über seine neuen Aufgaben, aus der das „Deutsche Nachrichtenbüro" folgenden Auszug verbreitet: „Hinkel erinnerte zu Beginn der Unterredung daran, daß im April 1933 der „Jüdische Kulturbund"- genehmigt worden sei^ mit dessen Duldung grundsätzlich ausgesprochen wurde, daß jüdische Künstler für ein jüdisches Publikum nach Belieben wirken dürfen,' allerdings unter gewissen autoritativen Richtlinien. Es müsse betont werden, daß die führenden Leute des Jüdischen Kulturbundes im Laufe von fast zwei Jahren immer wieder die Loyalität der Regierung anerkannt haben. An diese Zusammenhänge, fuhr Hinkel fort, muß ich erinnern in Verbindung mit dem neuen Amt, zu dem ich vom Reichsministcr Dr. Goebbels soeben berufen worden bin. Wenn wir nämlich auf der einen Seite ein jüdisch-kulturolles Eigenleben mit anerkannter Großzügigkeit begründet haben, so verwahren ' ■ uns scharf gegen jeden Versuch der Einflußnahme von jüdischer Seite auf die Kulturangelegenheiten unserer Nation. Wir wissen, daß da und dort Juden getarnt arbeiten-, wir wissen, daß manche Verfilzungen Aus der Systemzeit bis heute noch nicht gelöst sind. Diesen Zustand, wo er noch besteht, zu ändern, betrachten wir als unsere aktuellste Aufgabe. Wir werden die Schuldigen zur Verantwortung ziehen, nicht nur dio Juden, die unter falscher Flaggo sich über die Hintertreppe wieder einschmuggeln wollen, einerlei ob im .Film, im Funk oder im Schrifttum — besonders hart und scharf werden wir die Nichtjuden anpacken, die sich auf eine jüdische Symbiose einlassen und' sich nicht Bcheuen, sich als Strohmänner für 30 Silberlinge, an Juden zu verkaufen. Diesem . Zustand wird ein Ende gemacht.. Seit Wochen sind die Arbeiten im Gange, auch bei den Kammern. Die Klärung der sogenannten „GrenzFBllc" liegt mir besonders am Herzen. Wir wünschen endlich reinliche Scheidung. Wie uns Anonyme unerwünscht sind, so erst recht Goihonymc. Wer nach der nationalsozialistischen Revolution noch;eistig, oder wo es sein mag, mit dem Judentum kompromisselt, tat keinen Platz im kulturollen Lebensraum des deutschen Volkes. Wir werden scharf durchgreifen und müssen es tun, denn vor uns steht das schwor arbeitende gläubige Volk, demgegenüber wir dio Verantwortung tragen für eine saubere, ehrliche Kulturarbeit." - - » In. emer .Unterredung,, die. der /Haupfsclu-iftleiter des Berliner „12 Uhr Blattes" mit dem Sonderbeauftragten des Präsidenten der Rcichskulturkammer, Reichsministcr Dr. Goebbels, hatte, äußerte sich Hans Hinkel über seine neuen Aufgahen.u. a. folgendermaßen: „Und was ich als Sonderbeauftragter tun soll? Was ich diesbezüglich vorhabe? Unser Volkstum und seine Kunst und Kultur lieben, fördern und vor Entartung und Mißbrauch, vor Zerstörung und Verhöhnung bewahren I Die Juden mögen sich mit ihrem „Kulturkreis" begnügen — die im „Jüdischen Kulturbund tun daB 1 —, sie dürfen und werden sich aber nicht in unser Kun stieben einmischen, unsor Kulturleben beeinflussen. Und jenen Nichtjudcn, die ihren „Philo-Komplex" nicht verwinden können, damit aber .„bei passender Gelegenheit" den Nationalsozialisten spielen wollen, denen werden wir ihr charakterloses Handwerk legen oder sie Bollen unsere nationalsozialistische Gemeinschaft meiden I Uns liegt an ihnen nichts, sie hassen uns innerlich und können daher keine andere Behandlung erwarten. Wir stehen beim deutschen Arbeiter, beim Bauern und Soldaten, wir stehen in unserem erwachten Volk; dem wir Uns allein verantwortlich fühlen. Fragen Sie das „omfacho Volk", es wird Ihnen sagen:. „So wollen wir esl" - „Parteigenosse Hans. Hinkel", heißt es in dem erwähnten Blatte, weiter, ^versicherte uns, daß er sein Augenmerk vor allem! darauf richten wird, ob Juden als Hintermänner oder unter anderem Namen weitorhin Deutschlands Kulturleben beeinflussen, ,und daß er sehr genau darauf achten wird, ob deutsche Künstler und Künstlerinnen weiterhin unter dem Einfluß von Juden stehen. Das deutsche Kunst- und Theaterlebcn soll in Zukunft ausschließlich von Deutschen geleitet werden." * Auch die „B. Z. am Mittag" befaßt sich ausführlich mit dem Sonderauftrag Hans Hinkcls_. In dem „Jüdische Kunst nur für Juden" überschriebenen Artikel wird u. a. folgendes ausgeführt: „Der vor einigen Wochen zum Geschäftsführer der , Rcichskulturkammer eingesetzte bisherige Staatskommissar hat die Leitung des Amtlichen Preußischen Theater-Ausschusses innegehabt und dann im Jahre 1933 im Einvernehmen und in Zusammenarbeit mit den Organen. der Geheimen Staatspolizei und den sonstigen zuständigen Stellen den im Herbst 1933 zur Bildung zugelassenen Jüdischen Kulturbund beaufsichtigt. Diese staatlich geduldete Organisation jüdischer Künstler und Kunstanhänger hat im Verlauf des vergangenen Jahres einen verhältnismäßig großen Mitgliederzuwachs zu verzeichnen gehabt.1 Bereits zu Beginn dieses Jahres wurde bekannt, daß die Berliner Ortsgruppe dieses Jüdischen Kulturbundes allein rund 30 000 Mitglieder umfaßt, und daß mehr als 60 000 in Deutschland verbliebener Juden in Ortsgruppen im Reiche zusammengefaßt sind. Jm Einvernehmen mit den» staatspolizeiliehen s Uborwachungsorgancn wurden dann zu Beginn dieses Jahres die noch sehr zahlreichen jüdischen Kulturorganisationen oder jüdischwissenschaftlichen Vereine unter Aufsicht des Pg. Hinkel zum Reichsverband jüdischer Kulturbünde zusammengefaßt. Nur die außerordentlich große Personalkenntnis und die seit Jahren bekannte nationalsozialistische Grundhaltung in dieser entscheidenden Frage ermöglichte bisher einen allgemeinen, fast reibungslosen Verkehr zwischen diesen jüdischen Organisationen, die sich mit dem jüdisch-kulturellen Eigenleben begnügen, und den zuständigen staatlichen Stellen. Die in diesen Organisationen arbeitenden, in Deutschland verbliebenen Juden, die nur für ihre Rassegenossen künstlerisch tätig sein wollen, verwahrten sich auch des öfteren £Cgen die unbegründete Hetze außerdeutschcr Kreise und widerlegten sie durch die ihnen gegebene Möglichkeit einer künstlerischen und geistigen Betätigung. Wie wir erfahren, hat der Sonderbeauftragte des Rcichsministers Dr. Goebbels in dieser Richtung auch fernerhin den ihm zugewiesenen Aufgabenkreis, entsprechend den liierfür geltenden Richtlinien. In Ergänzimg hierzu hat er für «inen wirksamen und scharfen Schutz des deutschen Kulturlebens und seiner großen Organisation, der nRcichslculturkammcr, vor jüdisch-bolschewistischem Einfluß zu sorgen. Dio bisherige Bearbeitung aller Fragen, die den Jüdischen Kulturbund^ betreffen, habe gezeigt, daß eine.ganze Anzahl Nichturicr sich mit einer Betätigung im'Rahmen einer rein jüdischen Organisation nicht begnügen wolle und offen oder versteckt, d. h. charakterlos und feige getarnt, Einfluß auf das 'kulturelle und ' künstlerische Leben der deutschen Nation zu gewinnen suchte. Diesen Typ des kulturpolitisch besonders gefährlichen Juden gelte es aus dem völkischen Kulturleben unserer Nation auszuschalten. Niemand aber wolle und werde das kulturelle Eigenleben der Juden untereinander beeinträchtigen, wenn es sich im Rahmen der heute gezogcnen Grenzen bewege." * Die Leitung der Fachschaft Film in der Reichsfilmkarnmcr hat, nach einer Meldung des DNB, das bisherige Mitglied Willi Zcyn .in Berlin mit sofortiger Wirkung aus der borufsständischen Organisation ausgeschlossen: Maßgebend für diesen Ausschluß war die Tatsache, daß Zcyn als Tarner eine« jüdischen Filmregisseurs in Erscheinung trat. Keine Einzelaktionen Der Berliner Polizeipräsident Graf Helldorf teilt im Einvernehmen mit den Partcidienstatellen folgendes mit: „In den letzten Tagen ist die Feststellung'gemacht worden, daß sich in einigen Fällen Angehörige der Bewegung von Provokateuren haben verleiten lassen, sich an judenfeindlichen Demonstrationen zu beteiligen. Staat und Bewegung haben immer wieder betont, daß Einzelaktionen verboten sind. Zu diesen verbotenen Einzolakrioncn gehören besonders das Bemalen und Beschädigen von Schildern, Schaufensterscheiben und dergleichen. Für die Art des Vorgehens der Provokateure ist es, bezeichnend, daß sogar in einigen Fällen erreicht wurde, Polizeibeamte unter Berufung auf mich, an ihrem pflichtgemäßen Einschreiten zu hindern. Der Kampf gegen das Judentum wird von Staat und Bewegung auf andere Weise geführt. Jedermann, der sich an verbotenen Einzelaktionen beteiligt, stellt sich damit außerhalb von Staat und BeSvegung und setzt sich der Bestrafung aus. Graf Helldorf Polizeipräsident." Für die Freilandbewegung Sympathiekundgebungen englischer Parlamentsmitglieder London- Anläßlich der in London tagenden Konferenz der iüdischen Freilandbewegung fand eino große Versammlung statt, der zahlreiche Mitglieder des englischen Obcr- und Unterhauses beiwohnten. Den Vorsitz der Veranstaltung führto Lord Marlcy, der Begrüßungsbotschaften führender Persönlichkeiten, u. a. von Dr. Rcdcliffo Salaman, von Lord Sanderson und ' des Dcchanten von Canterbury verlas, dio ihre Sympathien mit der Frcilandbewcgung erklärten. Lord Marlcy versicherte, daß die Bewegung die Unterstützung aller Parteien in England genieße. Es gibt in der Welt, so sagte Lord Marley, eino beträchtliche Anzahl von Nationen, dio eino überschüssige Bevölkerung haben. Auf der anderen Seite gibt es eine Anzahl von Ländern, die gute und nützliche Bewohner brauchen. Es kommt darauf an, Menschen aus Ländern, in denen Bio nicht heimisch sind, in Länder zu befördern, in denen sie gebraucht werden. Das ist aber nicht ausschließlich eine jüdische Bewegung. Wir müssen, so erklärte Lord Marley weiter, unsere Achtung dem glänzenden Werk bezeugen? das in Palästina getan worden ist. Aber von den zahllosen Auswanderern, dio eine Heimat suchen, und von denen 80 o/o Juden sind, kann Palästina nicht alle aufnehmen, und wir müssen einen Platz für sie finden. Dr. Singalowsky, Präsidialmitglied des ORT, der Gesellschaft zur Förderung des Handwerks, der Industrie und der Landwirtschaft unter den Juden, betonte, daß das Problem darin bestehe,' eino systematische leonzentriert© jüdische landwirtschaftliche und industriolle Nicderlassungsmöglichkeit zu rinden, die Gelegenheit für eine endgültige Lösung des Judcnproblcms gäbe. Weitere Reden hielten Rabbi Mattuck, Canon Donaldson, Frau Israel Zangwill, die von der Arbeit der ehemaligen Jto, der Jcwisli Territorial Organisation, sprach. Reifeverkehr nach dem Ausland Erst Aushändigung der Zahlungsmittel abwarten In der letzten Zeit mehren sich dio Fälle, in denen Reisende Auslandsrcisen nach Ländern, mit denen Reiseverkehrsabkommen bestehen, angetreten haben, ohne sich im Besitz der in diesem Abkommen vorgesehenen Zahlungsmittel (Reiseschecks, Reisekreditbriefe usw.) zu befinden. Diese Reisenden sehen sich im Auslände großen Schwierigkeiten ausgesetzt, wenn dio Nachscndung der Zahlungsmittel durch dio zu' ihrer Ausgabe ermächtigten Reisebüros oder Banken aus irgendwelchen Gründen nicht oder nicht alsbald erfolgen kann. Dieser Zustand ist auch geeignet, dem deutschen Ansehen im Auslände zu schaden. Es wird deshalb jedem Reisenden, der auf Grund eines Rciscverkehrsabkommens ins Ausland fahren will, dringend naliogelcgt, sdio Reise erst anzutreten, wenn ilun die erforderlichen Reisozohlungsmittel von dem Reisebüro oder dor Bank ausgehändigt worden sind. Ist das geschehen, bo bogoguet die Einlösung der Reisezahlungsmittel im Auslande keinen Schwierigkeiten. Dagegen biete ein von der Ausgabestelle in dem Reisepaß angebrachter ' Vermerk, wonach dio bestellten Rcisczohhingsmittcl vorgemerkt sind, noch keine Gewahr dafür, daß die Rcisezanlungsmittcl auch tatsächlich zugeteilt werden.