Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 15 (1935)
- Issue
- 30 (24.7.1935)
- Date
- 1935-07-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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folge der europäischen WirlBchaftsbescliränkungen unmöglich wäre; dio interessierten Regierungen und die privaten Institutionen müßten daher bereit sein, weitere Anstrengungen zu machen. ■ Der Verwültungsrat> nahm nach , lungeren Diskussionen die Ausführungen des Obcrkommissara zur Kenntnis. Die im Vcrwaltungsrat sitzenden Rcgicrungsvertrcter erklärten, den Vorschlag der Schaffung einer zentralen Organisation befürwortend an ihre Regierungen weiterleiten zu wollen. Von diesem mageren, fast nichtssagenden Ergebnis dor Vcrwalhmgsratssitzung kann , man nur enttäuscht sein, wenn man von ihr etwas erwartet hätte. In den fast zwei Jahren, in denen das Kommissariat besteht, hat man so viele Enttäuschungen erlebt, daß man sich abgewöhnt hat, von dieser Seite die Losung des Problems zu erhoffen. Man darf aber auch nicht ungerecht, sein. Ein Völkerbundskommissar, ohne jede tatsächliche Macht, ausgerüstet lediglich mit einem klingenden Titel, ohne Geld, ausschließlich angewiesen nuf private Gelder und einen VcrwoltungBrat aus Regierurigsdelegierten, die nicht ihre Aufgabe darin sehen, Einwanderungserlcichterungcn und -Möglichen innerhalb ihrer eigenen Linder zu schaffen, sondern lediglich „defendre les territoires" gegen den befürchteten Masseneinfall der Emigranten, kann nichts Besseres leisten, " 'Irr den zwei 'Jähreh dor bisherigen' "Arbeit' ist 'kein'1 einziges der dringenden Auswandcrungsprobleme einer LöBUng auch nur näher gebracht worden. Um immer wieder zu konstatieren, daß die meisfen Regierungen einer Massencinwanderung wenig freundlich gegenüber stehen und daß Schwierigkeiten sich 'an allen Ecken und hSufen, bedarf es schließlich keines großzügigen internationalen Apparats. Trotzdem ist dem Kommissar und Beiner Arbeit nicht jeder Wert abzusprechen. Es ist nicht ohne Bedeutung, daß eine, mit allen Sparten des Auswanderungsproblems genauestens' vertraute, von der auch schon noch nicht ganz 'imbetrudhtlicb.cn internationalen Autorität des Völkerbunds getrogene Persönlichkeit von einer zentralen Stelle aus die Dinge überwacht. Bei vernünftiger Zusammenarbeit mit den hierzu berufenen privaten Örganisationen Juden in Berlin kann eine solche Persönlichkeit; die naturgemäß bei den beteiligten Regierungen ein ganz anderes Entree findet, als private Interessenten, wertvolle Dienste leisten. Für die Lösung der immer drängender werdenden jüdischen Auswandcrerproblerae wird jedoch entscheidend die private Initiative der jüdischen Organisationen sein und bleiben müssen. Es bedarf - keiner näheren Darlegung, daß die Frage der Schaffung neuer Lebens- und Existenzmöglichkeiten, die für größere Gruppen wohl nur in Obersee vorhanden ist, auch für die deutschen Juden von Tag zu Tag mehr an Bedeutung gewinnt, da die Entwicklung und der harte Zwang der Not viele Tausende, namentlich aus der heranwachsenden Generation, die in Deutschland eine Existenz nicht mehr finden, zur Auswanderung zwingen. Palästina wird immer einen beträchtlichen Teil dieser - Auswanderung aufnehmen; sie alle aufzunehmen, ist es schon mit Rücksicht auf die bestehenden 'Einwanderungsschwierigkeiten nicht in der Lage. Der deutschjüdische Auswanderer war daher schon wahrend dor letzten Jahre in einem zahlehm&ßig immer mehr steigenden Ausmaße gezwungen, nach Ubersee auszuwandern. Während er in Palästina den Weg bereits geebnet und einen starken Halt an der jüdischen Gemeinschaft findet, geht der jüdische Auswanderer nach Ubersee ins Ungewisse. Findet in diese Gebiete eine planlose Auswanderung statt, so führt sie nur in seltenen Fällen zur Aufrichtung einer gesicherten Existenz. Denn die Zeiten individueller Ansicdlung sind vorüber. Nur in planmäßigem Gcmeinschafteaufbau kann heute für eine große Anzahl von Menschen wirklich erfolgreiche Arbeit geleistet werden. Um in solcher planvollen Arbeit für eine jüdische Massenauswanderung größeren Stils neue Möglichkeiten zu finden, haben 'sich im Ausland. Organisationen gebildet, die, anknüpfend an die Tradition der sogenannten „Territoritulistcn" der Vorkriegszeit, neue Gebiete für eine großzügig angelegte, vielen Tausenden eine neue Heimat ermöglichende Siediungsarbcit in einem freien Lande — gedacht ist. vor allem an gewisse Gebiete Afrikas und Südamerikas — schaffen wollen. In diesen Tagen findet, organisiert von der British League for Jewish Colonisation, unter dem Schlagwort „Freiland- Konferenz'1 eine Tagung der territorialistischen (Jruppen aus den verschiedensten europäischen Ländern statt, auf deren Ergebnis man gespannt sein darf. Die deutschen Juden sind auf dieser Konferenz nicht vertreten. Doch hat.sich in Deutschland eine Vereinigung von Menschen gebildet, die ebenfalls, in einer planvollen Kolonisation in Ubersee die wirkliche Hilfe für große Teile des deutschen Judentums, die nach Palästina weder gehen können noch wollen, erblicken. Sie haben sich zum Studium und zur Förderung jüdischer Uberseesiedlung organisatorisch zusammengeschlossen. Der Kern dieser Ideen kann nickt besser ausgedrückt werden als in den Worten, mit denen Dr. Schacht eine im Jahre 1926 für den deutschen Kolonialgedanken werbende Schrift schließen läßt: „Was wir olle in Europa brauchen, und was insbesondere das im Herzen Europas gelegene, von allen Seiten eingeengte und bedrängte Deutschlaad braucht zum wahren Frieden ist ein Ausweg aus der gegenwärtigen Stickluft, eine neue ,,Mayflower", die uns hinausführt aus Armut, Angst und Verzweiflung in ein freies Land, wo Kraft, Fleiß und Gottvertrauen bauen können am friedlichen Glück der Zivilisation." Die „Pilgrira fathers der Mayflower", die geistigen Väter und Begründer der modernen Vereinigten Staaten haben ihre Ideen aus eigener Kraft zum Ziele geführt; kein Völkerbundskommissar, keine internationalen Organisationen standen ihnen zur Seite. Möge ihr Beispiel dem deutschen Judentum eine Lehre und ein Vorbild sein! Dr. Werner Rosenberg. Die „Jüdische Allgemeine" hat in ihrer letzten Nummer aus einem Aufsatz dor ,)Berlinor Wirtachaftsberichto" .einen Abschnitt wiedergegeben, der sich mit der Verteilung der Juden innerhalb des Berliner Stadtgebietes befaßt und darauf hinweist, daß auf die. 'Verwaltungsbezirke;Charlortcnhurg, Wilmersdorfund Schöneberg etwa 70 000 Juden kommen, während in dem anderen Zentrum der Berliner Judenschaft, in, den Innenbezirken Mitte und Prenzlauer Berg, über 42000 Juden leben; Die kleinsten jüdischen Bevölkerungsteile hoben Spandau und Köpenick. Der jüdische Anteil der Bevölkerung der Reichshauptstadt, so schreibt die „Frankfurter Zeitung", die sich gleichfalls mit dem Aufsatz der Berliner Wirtschaftsberichto befaßt, ist ebenso wie der an der Gesamteinwohnerzahl Deutschlands numerisch gering, wenn auch wesentlich größer als derjenige anderer Großstädte. Allerdings, führt das Frankfurter Blatt weiter aus, sind die statistischen Angaben darüber nach den heutigen Begriffen nicht mehr zeitgemäß. Wer seinen Austritt au» dem Judentum erklärte, i , wahrscheinlich sogar auch derjenige, der nur die jüdische Gemeinde verließ, ist in der Endsumme nicht mehr enthalten. Damit werden wohl die meisten nicht reinrassigen Nichtorier nicht mit erfaßt, cbcUBOVfemg ,jyie;ß"ui, Teil der,.noch unvemiBchten Gruppe', der sich' von der 'Religion seiner Vater' äbwandtc.' Schließlich ist auch der besonders interessante Abschnitt in' der jüdischen Bevölkerungsbewegung nach 1933 noch außerhalb der jetzt erschienen Zahlen aus der Ermittlung von Juni 1933 geblieben. Der bedingte Wert der Konfcssionszfihlung für den Leser von heute ist nach alledem klar. Der Berliner jüdische Anteil belief sich 1933 auf 3,8 o/o gegenüber einem Durchschnitt von 1,8 o/0 in allen deutschen Großstädten zusammengenommen. Nur Frankfurt a. M. hatte mit .4,2 o/o eine noch größere Quote. Berlins jüdische Bevölkerung umfaßte 160 564 Personen, die von Frankfurt a. M. dagegen als. nächst größere nur 26158. Somit besaß Berlin innerhalb seines Kreises von 4,2 Mill. Köpfen die Einwohnerzahl einer Großstadt an Angehörigen des jüdischen Religionsbekenntnisses. Aachen und Krefeld waren etwas größer, Braunschweig und Karlsruhe etwas kleiner an Einwohnern als dieser. Berliner Bevölkerungsanteil. Im Verhältnis zum Reich mochte der Berliner Anteil von 160 564 eine Quoto von 32,1 o/0 aus und im Verhältnis zu Preußen 44,5 o/o. Die Frage, ' ob Berlin in den letzten Jahren mehr oder weniger Juden hatte als vorher, ist im Rahmen der erwähnten Beschränkungen dahin zu beantworten, daß sowohl in der absoluten wie in der relativen Höhe Rückgänge zu verzeichnen waren. Schon 1871 hatte Berlin einen jüdischen Anteil von 3,9 o/o, der dann auf 4,2 bis 4,3 o/o anstieg. Mindestens also bis zum deutsch-französischen Kriege muß man zurückgehen, um auf eine Quote wie die jetzige zu kommen. Die absolute Zahl von 160600 ist jedoch die zweitgrößte der bisher erreichten. Nur diejenige von 1925 mit 172 700 hatte sie noch übertroffen. 1871, als die Gesomtbevölkerune auf 932000 kam, waren 36500- Juden vorhanden. Die Unterschiede im Gebietsstand von einst und jetzt sind in der Aufstellung ausgeglichen worden. Der Anteil der jüdischen Bevölkerung hat jedenfalls mit dem Gesamtwachstum voll Schritt gehalten, obwohl er sich in bezug auf Sterblichkeit, und Geburtenhäufigkeit keineswegs auszeichnete. Der Zuzug war offenbar ständig erheblich, wobei wiederum'zu berücksichtigen ist, daß die Verzichte auf das jüdische Bekenntnis, in,.dieser,:-Statistik als Abgänge, gerechnet werden. Von 1910 bis "1925 entfielen von der gesamten Zunahme der jüdischen Bevölkerung des HcicheB nach den .^Berliner Wirtschaftsberienten" des Statistischen Amtes der Stadt Berlin, denen wir die. vorstehenden und die folgenden Daten'entnehmen, 9,5 o/o auf Berlin, 28 000 von 29 000. Wie sich die Dingo (in bezug auf die Verteilung der Juden innerhalb der Berliner Stadtbezirke) in den letzten zwei Jahren | entwickelt haben, ist noch undurchsichtig. Daß es auch weiterhin :' bei den beidon Zentren-im Westen und im Berliner Stadtkern geblieben ist, läßt sich jedoch, annehmen. Es wird jnm festzustellen, sein, von wo die Auswanderung größer war, ob aus den westlichen Distrikten oder aus denen der inneren Stadt und , wie sich insgesamt die Auswanderung in Zahlen ausdrückt . Die bereits zitierten „Berliner Wirtschaftsberichte" machen darauf, aufmerksam, daß den Abflüssen auch neue Zugänge gegenüberstünden. Zahlreiche Juden aus allen Gegenden des Reiches seien noch Berlin gekommen, um hier die Zentralstellen der Auswandererberatung und die UnterBfützungscmrichtungen in Anspruch zu nehmen, cinigo davon seien in Berlin geblieben, hätten also ihren Ausn^andcrungsentschluß nicht durchgeführt. Auch eine gewisse Rückwanderung sei schon zu beobachten, ebenso eine Zuwanderung aus der Provinz. Die Erweiterung der Statistik nach .den. in dcr; Einleitunggeuanntenu Gesichtspunkten 'wird/ für die Zukunft zweckmäßig sein, wenn man auch donn zunächst keine Vcrgleichsmöglichkeiten hat, weil nachträgliche Erhebungen wohl kaum durchführbar sein werden. Zuwanderungsfperre für Juden gefordert „Das Schwarze Korps", die Zeitung der Schutzstaffeln der NSDAP., veröffentlicht einen Leitartikel „Judenmorsch auf Berlin". Darin heißt es, daß im ersten Halbjahr 1935 Berlin einen Zuwachs von rund -20 000 Juden aus allen Teilen des Reiches und aus dem Auslände gehabt habe, während in, der gleichen Zeit 2000 Juden Deutschland, in der Hauptsache Berlin, verlassen hätten. Weiter heißt es in dem Artikel, daß die Schätzungen über die Zahl der Juden in Deutschland irrig seien. Es werde bekanntlich behauptet, daß gegenwärtig nur noch 535 000 Juden im deutschen Reich vorhanden seien. In Wahrheit dürften es mindestens 300000 mehr Bein, denn die amtliche Statistik erfasse nur die Juden „mosaischen Glaubens", dio Dissidenten und die Getauften würden nirgends gezählt. Die Zahl der Getauften nehme übrigens erschreckend zu. In Berlin würden jede Woche unzählige' Juden, meist katholisch, getauft, um nicht mehr als Juden zu gelten. Außerdem müsse noch mit rund 600 000 Judenmischluigcn gerechnet werden. Zum Schluß wird eine Zuwanderungssperre für Juden, die nach Berlin gehen wollen, gefordert. Von 137 auf 31 Die „Ponuncrsche Zeitung", Stettin, berichtet aus Falkenb u r g: „Es ist bemerkenswert, daß die Zahl der jüdischen Einwohner in Folkcnburg gegen früher bedeutend abgenommen hat. Während im Jahre 1885 unter 4096 Gesamteinwohnern 137,- das sind 3,34 Prozent, Juden gezählt wurden, ist ihre Zahl am 1. Juli 1935, wo die Gesamteinwohnerzahl 6288 betrug, auf 31 Personen, das sind nur noch 0,49 Prozent, herabgesunken. Während also .im Jahrx) .1,885 schon auf etwa 30 Einwohner ein Jude kam^'kommt jetzt erst auf 195 Einwohner ein Jude."" Mtfckeken mit Chiuefen Ein.Aufsatz des Berliner Anthropologen Prof. Dr. Eugen Fischer Heute, da die Frage der Mischehe den Gegenstand eingehender — teils staatspolitischer, teils wissenschaftlicher — Erörterungen bildet und wiederholt-auch schon die Rechtsprechung beschäftigt hat, wird ein Artikel, den der „Erbarzt" aus der Feder des bekannten Berlin-D ah lem'e r Anthropologen Prof. Eugen Fischer veröffentlicht, allseitigem Interesse begegnen, auch bei unseren Lesern. Es handelt sich'allerdings nicht um die bei uns jetzt allgemein mit dem Begriff der Mischehe verknüpfte Verbindung zwischen Ariern und Nichtaricrn, sondern um die Rassonkreuzungmit — Chinesen. Uberraschenderweise wohnen in einer Anzahl europäischer Großstädte eine ziemliche Menge Chinesen, die mit Frauen des Landes verheiratet sind. Iu London und Liverpool mögen etwa 200 Mischlinge leben, die von einem chinesischen Vater und einer englischen Mutter abstammen. Zum Unterricht dieser Holbblutkinder bestehen zwei chinesische Schulen. In Frankreich, hauptsächlich in Paris und Lyon, gibt es mindestens 300 Kinder, die einen chinesischen Vater und eine französische Mutter haben. Auch Paris besitzt eine chinesische Schule. Für Deutschland sind die Zahlen erheblich niedriger; Immerhin sind in Berlin 13 Ehen chinesischer Männer mit .deutschen Frauen nachweisbar, die zusammen 20 Kinder haben, meist unter 12 Jahre alt. Ein junger Chinese, Dr. Top,- hat auf Veranlassung von Prof. Fischer das Problem aufgegriffen und diese Mischlinge bereits 1932 und 1933 in Berlin, Paris und London zusammen mit ihren Eltern anthropologisch untersucht, um die Erblichkeit der Rassenmerkmal« festzustellen. Veröffentlicht worden sind dio Ergebnisse der bemerkenswerten Arbeit erst in diesem Jahre. Bezüglich der Hautfarbe ließ sich kein abschließendes Urteil fällen1, bei" jungen Kindern ändert sich-die Farbe.": Die Haarfarbe ist fast stets ein Mittelding zwischen dor des schwarzhaarigen Vaters und der braun- oder Hellhaarigen Mutter; sie dunkelt natürlich noch nach. Die Hoorform ist bei 88 o/o der Kinder straff bis schlicht; das Haar ist dünner als das des Vaters. Dio Schiefheit der Augenstellung zeigt unvollkommene Dominanz. Andere Merkmale sind so wenig ausgeprägt, daß ein Urteil unmöglich ist; auch über die geistigen Eigenschaften ließ sich nichts Wesentliches sagen. übrigens befand sich unter dem englischen Material ein Mischling von Chinese und Jüdin. Die Abbildung zeigt außerordentlich deutlich die Dominanz gewisser Züge der orientalischen Rosse gegenüber der chinesischen. Gerade für die bevölkerungspolitische Einstellung Bind Dr. Taos Untersuchungsergebniese von großer Bedeutung. Nach Prof. Fischer sollte mit ollon Mitteln verllindert werden, daß „derartig rassefremdes Blut in unseren Volkskörper kommt." Nur geringe NiederlailungsmögUehkeiten auf Cypern Der Hilfsverein der deutschen. Juden bittet uns, folgendes mitzuteilen: Die vom HiliBvercin der Deutschen Juden nach Cypern entsandten Sachverständigen haben berichtot, daß vorläufig komtaerziclle und industric IIe Möglichkeiten für Einwanderer knum vorhanden sind. Auf landwirtschaftlichem Gebiete liegen begrenzte Möglichkeiten vor. Das Material wird eingehend geprüft, damit Fchlleitungcn vermieden werden und keine falschen Illusionen aufkommen. Verlaffen Dos Schicksal der Gemeinden in der ehemaligen Provinz Posen Warschau. An das Warschauer Rabbinat ist eine Mitteilung gelangt, daß in dem Städtchen Sarnow bei Posen keino Juden mehr wohnen. Die Gemeinde war einst recht bedeutend. Nunmehr sind auch dio letzten Juden ausgewandert. Die Schlüssel der Synagoge befinden sich beim Bürgermeister. Auf dem jüdischen Friedhof herrschen unliebsame Zustände. Zwischen den Gräbern tummeln sich Haustiere. An dos Warschauer Rabbinat wird die Bitte gerichtet, sich der verlassenen jüdischen Stätten anzunehmen und nach Möglichkeit die Gebeine der Verstorbenen auf einen anderen Friedhof zu überführen. Jüdifdie Schüler in Privatkurfen Im Mitteilungsblatt des Nationalsozialistischen Deutschen Lehrerbundes „Wirtschaft und Recht" vom 17.'Juli wird auf die Anfrage eines Lehrers über die Zulässigkeit der Teilnahme '■ einer niehtariscTien Schülerin an einem Privatkursus, eines Lehrers 'geantwortet, daß für diesen Spezialfall gesetzliche Bestimmungen noch nicht getroffen seien. Der Leiter des Massenpolitischen AmteB der NSDAP Dr. Groß habe sich aber in einer Betrachtung über die Forderungen, die der nationalsozialistische 'Rassegedonkc an das Schulwesen zu stellen habe, dahin geäußert, daß bei der Neuausrichtung des Schulwesens auch die rassische Harmonie zwischen Lehrer, Schüler- und Lehrstoff hergestellt werden muß. Es sei ganz selbstverständlich; daß eine förderliche Erziehungs-; arbeit nur' dann stattfinden könne, wenn der Lehrer und seine Schüler 'wesentlich die gleiche rassische Grundhaltung aufwiesen. Der fremdrasaige Lehrer sei ganz sachlich eine unmögliche Vorstellung geworden. Ebenso unabdingbar Bei auch die Forderung, daß die Klassengemeinschaft selbst eine rassische Einheit darstelle. Fremdrassige Schüler müßten zwangsläufig die, Erzichungsmögüchkeit in einer Klassengemeinschaft herabmindern. „Deshalb ergeht die Forderung, dio unter uns noch lebenden fremdrassigen Bevölkerungsgruppen, insbesondere also die Juden, im Schulunterricht von den Kindern unserer eigenen Art grundsätzlich abzusondern." Auszeichnungen für Juden Amsterdam. Der österreichische Bundespräsident Miklas ernannte den Verwaltungsdirektor der Finanzabteilung, im Hoog, Dr. I. A. R i e b , zum Großoffizier des Verdienstordens. Brüssel. Die belgische Regierung verlieh dem" Kaufmann Godlmintz dio Ritterschaft des Konig-Leopold-Ordcns. Rom. Die italienische Regierung verlieh, einem der angesehensten Juden in Florenz, Leo Solschki, für seine Verdiensteals Verleger den Orden St. Mauritius. Unser Mitarbeiter Dr. Lutz Weltmann hat einen schmerzlichen Vorlust zu beklagen. Sein Vater Jacques Weltmann wurde ihm durch den Tod entrissen.