Jüdische allgemeine Zeitung
- Journal
- Jüdische allgemeine Zeitung
- Volume
- 15 (1935)
- Issue
- 29 (17.7.1935)
- Date
- 1935-07-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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-tische Tonfilm „Pettcrson und Bendel", ein ausgezeichneter Bildstreifen, der in lebensechtem Ablnuf den Wcsensunjcrschicd zwischen Arierram und Judentum darstellt. Als erster ausländischer Film erhielt „Pettcrson und Bendel" durch die amtliche deutsche Filmprüfstelre das höchste Prädikat: staatspolitisch wertvoll. Gelegentlich der Uraufführung'ereigneten sich, hervorgerufen durch eine große, scheinbar organisierte Anzahl jüdischer Besucher Zwischenfalle, die eine deutliche Sprache reden. Wenn sich auch die jüdischen Frechheiten wohlweislich im Kähmen der Dunkelheit während der Vorstellung hielten, beweisen sie doch, ganz besonders in Hinblick auf die amtliche Auszeichnung: dieses Filmes, daß das Judentum die Haitang des' neuen Reiches gegenüber der Judenfrage zu Unverschämtheiten ausnutzt, die. nicht ohne Folgen bleiben dürfen 1 Es ist an der Zeit, einmal mit allem Nachdruck darauf hinzuweisen, daß wir rückläufige Bewegungen irgendwelcher Art auf keinen Fall dulden werden, ganz besonders aber denken wir nicht daran, uns von jüdischen Kreisen in irgendeiner Form in Dinge bereinreden oder gor -pfeifen zu lassen, die Angelegenheiten des deutschen Staates und Volkes sind. Sic mögen sich hüten I" * t Vorkommnisse, wie sie sich am Montag abend in Berlin ereignoten, beweisen deutlich• warnend, wie dringend not: wendip es ist, daß alle Juden sich die allergrößte Reeerve bei ihrem Auftreten in der Öffentlichkeit auferlegen und daß dio auch von uns immer wieder an die Menschen der jüdischen Gemeinschaft gerichteten dringenden Appelle, durch ihr Verhalten sich keinen, Mißdeutungen auszusetzen, endlich bei allen Gehör finden. Das Deutsche Nachrichtenbüro verbreitet dio folgende Meldung: Kundgebungen am Kurfürltendanun Die von jüdischer Seite hervorgerufenen Störungaversuche bei den Aufführungen des schwedischen Films „Pettcrson und Bendel" in einem Borliner Lichtspielhaus am Kurfürstendamm führten am Montagabend zu Kundgebungen vor dem Lichtspieltheater. . Eine große Menschenmenge gab dabei ihrem Unwillen über dos herausfordernde^ .Benehmen der jüdischen. Theaterbesucher Ausdruck. In den benachbarten, meist von Juden besuchten Gast- und Kaffeehäusern verwahrte sich dos Publikum gegen das immer dreister werdende Auftreten der Juden. Das Erscheinen der empörten Volksgenossen genügte in den meisten Fallen, um die jüdischen Besucher zum fluchtartigen Verlassen der Gaststätten zu bewegen. Im Cal6 Bristol kam es zu lebhaften Auseinandersetzungen, in deren Verlauf eine Fensterscheibe zertrümmert wurde. Abgesehen von kleineren Zwischenfällen, die sich vor dem Eintreffen der Polizei ereigneten, gelang es dieser und dem Uberfallkommando, weiteren Zusammenstößen vorzubeugen. aber bemerkt worden, daß ein großer Teil der im Jahre 1933 zensierten Filmo aus dor Produktion1 von 1932 stammte, die aus wirtschaftlichen Gründen abgespielt Wörden mußten. Eine Durchsicht der Titel der Filme .des Jahres 1934 zeigt, daß die Filmhcrstcllung ihr Gesicht wenig oder kaum verändert hat. ..Wenn, auch das Judentum so weit zurückgedrängt ist, daß es unmittelbar auf dio kulturelle Gestaltung keinen Einfluß hat — nach dem Gesetz dürfen beim deutschen Film nur Filmschaffende mitwirken j die Mitglied der Reichst achschaft sind —, bo Bind dio Auswirkungen der zwanzigjährigen Herrschaft noch überall bemerkbar und die Herausbildung eines künstlerischen Stils wird noch liingercr Zeit bedürfen." Die jüdifdic Bevölkerung Berlins Die „Berliner 'Wirtschaftsberichte" bringen in ihrem zweiten Juniheft nähere zahlenmäßige Mitteilungen über dio Entwicklung des jüdischen Bevölkerungsbcstandteils Berlins, soweit er nach dem Merkmal der Kon f cssionbzugehö r i gkoit von der Statistik erfaßt werden konnte. Danach lebten im Jahre 1933 insgesamt 160600 Angehörige der mosaischen Glaubensgemeinschaft in Berlin, das Bind nicht viel weniger als ein Drittel aller im Deutschen Reich lebenden Konfessionsjuden. Nach .den weiteren Ergebnissen der Volkszählung von 1933 leben dio meisten Juden im W o s tc n dor Stadt, und zwar wohnen in den Verwaltungsbezirken Charlottcnburg, Wilmersdorf und Schöneberp allein annähernd 70 000 oder 44 v. H. aller Berliner Juden. Das andere Zentrum der Berliner Judenschaft bilden die Innenbezirko Mitte und Prenzlauer Berg, in denen über 4200O oder etwas über ein Viertel aller Berliner Juden wohnen. Verhaftungen in Breslau Breslau. Die Staatspolizeistelle Breslau gibt bekannt: „Von der Geheimen Staatspolizei Breslau wurden am Sonnabend wegen Rassenschande in Verbindung mit unmittelbarer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung Bechs männliche Juden und sechs sogenannte deutsche Frauen in Schutzhaft genommen. Diese sehen ihrer Uberführung in ein Konzentrationslager entgegen." Der jüdifche Einfluß auf die Filinproduktioii In den „Nationalsozialistischen Monatsheften" veröffentlicht Dr. Alexander Jason einen Aufsatz über den jüdischen Einfluß auf die Filmproduktioh. In ihm gibt er eine Übersicht über den Anteil der'Juden an den filmscharfenden Künstlern der deutschen langen Spielfilme in. den Jahren 1930 bis 1932 und an den Produktions- und Verleihfirmen innerhalb der Jahre 1929 bis-1932. Im Jahre 1930 waren 95 Autoren für 146 lange Spielfilme vorhanden, davon 46 Juden oder 47 o/o. Im Jahre 1931 waren es 119 Autoren für 144 Spielfilme, davon 57 Juden oder , 46%. Im Jahre 1932 kamen auf 130;-SpielfilnleV115' Autoren, davon 47 Juden oder 41 o/o. Im Jahre 1930 waren 96 Juden oder 65 °/o die Verfasser Yon 1461 Manuskripten, im Jahre 1931 119 oder 81o/0 bei 144 Manuskripten. Bei 130 Manuskripten im Jahre 1932 werden 92 Juden oder 70 o/o als Verfasser genannt. Unter den 50 Musikautoren für 101 Tonfilme im Jahre 1930 werden 31 Juden oder 62o/o angegeben; für 142 Tonfilme im Jahre 1931 64 Musikautoren, davon 39 Juden oder 39o/o. Im Jahre 1932 für 129 Tonfilme 49 Musikautoren, davon 22 Juden oder 45o/o. . ' ■ Unter den 81 Regisseuren für 146 lange Spielfilme im Jahre 1930 werden 35 Juden oder 43"/o angegeben. Für 144 Spielfilme im Jahre 1931 83 Regisscure, davon 40 Juden oder 48o/o; für 130 Spielfilme im Jahre 1932 73 Regisseure, davon 34 Juden oder 47o/o. Unter den Produktionsfirmen der langen deutschen Spielfilme ^standen im Jahre 1929 von 83 Firmen 62 oder 64o/o unter jüdischer Leitung; im Jahre 1930 von 63 Firmen 44 odor 70o/o; im Jahre 1931 von 67 Firmen 41, d. h. 610/0; im Jahre 1932 von 64 Firmen 45 oder 70o/0. Von 33 Vorleihfirmen waren im Jahre. 1929 27 oder 82o/o in jüdischen Händen, im Jahre 1930 . von 29 Verleihfirmcn 23 oder 79o/0, im Jahre 1931 von 28 Vorleihfirmen 24 oder 860/0 im Jahre 1932 waren von 26 Verleihern 21 oder 770/0 jüdische Firmen. In dem Aufsatz heißt es sodann u. a.: „Deutschland besaß also bei der Machtübernahme der. Regierung durch die NSDAP eine Filmindustrie, die geistig und wirtschaftlich unter volksfremden Einfluß stand. Die nationalsozialistische Regierung wandte daher, nachdem die Maßnahmen für die Ankurbelung der Filmwirtschaft durch Gründung der Film-Kreditbank am 1. Juni 1933 einerseits und die Bereinigung der ungesunden Marktverhältnisso andererseits eingeleitet waren, ihre besondere Aufmerksamkeit der Fi 1 m gesta11ung selbst zu und befreite durch die am"1 28. Juni 1933 erlassene Vierte Verordnung über die' Vorführung ausländischer Bildstreifen die deutsche Filmherstellung aus den Händen , der Juden. Deutsche Staatsangehörigkeit und Deutschstämmigkeit sind von da ab die Grundbedingungen, die von allen Personen erfüllt sein müssen, die an diesem Kulturgut, mitarbeiten wollen. Die Verordnung geht dabei von der Auffassung aus, daß der deutsche Filmtheater-Besucher einen unbedingten Anspruch darauf hat, die ihn berührenden Lebensfragen von Künstlern dargestellt zu sehen, die zu seinem eigenen Kulturkreis gehören, und. sein Bedürfnis nach Bildung und Unterhaltung durch ihm geistig und kulturell nahestehende Menschen befriedigt zu wissen. Es watf deshalb erforderlich, 'den Begriff des Deutschen im Sinne der Kontingentverordnung nicht mehr nur auf die Staatszugehärigkeit, sondern^, künftig auch auf die Deutsehstämmigkeit abzustellen. Deutsche Filmo sollen daher künftig nur von Deutschen gemacht und Ausländer zur Mitarbeit nur herangezogen werden, wenn dies aus kulturellen oder künstlerischen Erwägungen gerechtfertigt ist. Die Beschäftigung nichtariseher Filmschaffender bedarf aber künftig ebenso wie diejenige von Ausländem, der Genehmigung des Reichaministcra für Volksaufklärung und Propaganda, um die Anerkennung eines Bildstreifens als deutschen zu gewährleisten. Die Prüfung des deutschen Charakters eines jeden Films namentlich in Bezug auf den Nachweis der Mitwirkung arischer Künstler nimmt dio Kontingentstelle vor." Zum Schluß heißt es: „Wenn im Jahre 1932 die gesamte Filmindustrie geistig und wirtschaftlich bis zu 90o/o unter jüdischem Einfluß stand, so kann dies für .1933 noch bis zu 33% allein bei flüchtiger Durchsicht der Titel der J?ilme und ihrer Besetzung festgestellt werden. So waren beispielsweise von 74 Regisseuren der Filme des Jahres 1933 24 Juden, das sind 32,4%; von 122 hergestellten langen Spielfilmen wurden 40, das sind 33,3o/o von jüdischen Regisseuren bearbeitet . . . Hierzu muß Ein Bekenntnis Claude G. Montefiopes Gedanken eines'Juden Ober Jesus Von Rabbiner Dr. S. SAMUEL, Berlin Im gleichen Zeitpunkt, da führende Persönlichkeiten aus verschiedenen Ländern erneut zu einer wichtigen Konferenz der „World Union" im Haag zusammentreten, legt der allverehrte Präsident Claude G. Montefiore mit einem Essay „What a Jew thinks about Jesus", im Juli-Heft des „Hibbert Journal" ein Bekenntnis in der Frage Judentum und Christentum ab. Dies geschieht nicht zum ersten Male;' er hat der englischen Welt und zugleich der Judenheit seine Schriften „The religious Teachiug of Jesus" und „The Synoptic Gospels" schon vor Jahren vorgelegt; Freund und Kenner. deutscher . Bildung .und einer der frühesten Hörer aii der eben, gegründeten „Lehranstalt" zu Berlin, an deren Himmel dio Sterne Abraham Geiger, iBrael Lewy und Hoym. Steinthal glänzten, ist er' der berufene Vermittler zwischen der deutschen und anglikanischen Judenheit liberaler Richtung geworden und geblieben. Was Montefiore heute als jüdische Wertung und Würdigung Jesu darzulegen hat, kann hier nur angedeutet werden, zumal es zunächst die englisch sprechende Umwelt und nicht sowohl Protestantismus, und Katholizismus, als dio unitarische anglikanische Hochkirchoim Auge hat. Montefiore ist ein genauer Kenner ihrer wissenschaftlichen Theologie (dio Universität Cambridge hat ihm den Doktor theologiae ehrenhalber verliehen) und ist unablässig um das biblisch-rabbihische Schrifttum bemüht. Er sieht einer Verständigung der Bekenntnisse vor allem zwei Vorurteile entgegenstehen: auf. jüdischer Seite die schmerzliche Erfahrung, daß.die Kirche der Synagoge mit dem Schwerte begegnet ist, und Verfolgung, Exil und Ghetto über sie gebracht hat; in Verleugnung der Lehre der Liebe. Auf christlicher Seite die Erbitterung aus den falschen Kontrasten, die aus einseitiger Belehrung stammen. Denn da man in der eigenen Lehre nur das Edle und Erhabene erblickte und nicht V müde wurde, der -jüdischen Bibel Unreife und Unvollkommenheit vorzuwerfen, sah der Jude das Beste, das er besaß, vernachlässigt und herabgewürdigt. Beide .iReligionfln LBolltcn einsehen,- jfcß 816 culc Auswahl aus. ihrem :Schriftrom ziii treffen;(honen, fteil sie längst nur noch auf dieser Wahl beruhen. Auf einen bedeutsamen Wandel macht sodann Montefiore aufmerksam, der einmal in der Zukunft gute Frucht tragen mag. Es ist das Schwinden der streng dogmatischen Christologie zugunsten der Verklärung der menschlichen Persönlichkeit Jesu. Seine Göttlichkeit wird geradezu in der moralischen Hoheit erblickt; Gott selbst habo sich für alle Welt und alle Zeit in diesem seinem reinsten Abbild offenbart; die Frage an das Judentum bedeute daher, heute die Anerkennung dieser Offenbarung. Montefiore kann nicht umhin, diese Frage wie an sich als den Führer zukunftsbercitor Juden gerichtet zu hören. Niemals hat er mit Worten hoher Ehrerbietung und Bewunderung für Jesus und auch Paulus, wo sie ihm gerechtfertigt erscheinen, gespart. Er bedenkt das übereinstimmende Zeugnis so vieler frommer Zeugen,, zu dem sich sogar unzählige von Freidenker und Häretikern gesellen; er weiß, daß es ein Wagnis ist, gegenüber so großer Einstimmigkeit in aller Bescheidenheit Einspruch zu erheben. Aber er hütet sich, den angeblich so kleinen Schritt weiter zu tun, der über die trennende Grenze führt, sofern' er im tiefsten Innern weiß, daß er der Aufforderung sinn- und wahrheitsgemäß nicht folgen kann. Solange der Nachdruck von christlicher Seite auf Sühnetod, Auferstehung, Erlösung gelegt wurde, und dem göttlichen Wesen von selbst Vollkommenheit, und Sündenlosigkeit zukam, war die Entscheidung auf jüdischer Seite leicht. Hier gab es nur Zustimmung oder Ablehnung, keine schrittweise Annäherung, kein „Ja —. aber", sondern nur ein „Entweder — oder". So war es in all den Disputationen der früheren Jahrhunderte; es ging um Messianitüt, Erfüllung alter Prophezeiungen im neuen Testament; göttliche Sohnschaft. Heute wird der biblische Monotheismus auch von christlicher Seite als gemeinsame Plattform bezeichnet, der Streit um seine Auffassung zum Schweigen gebracht; daHinäogen die Frage als vordringuch bezeichnet: was darf es ,sein, as den vorgesenrittenen Juden hindern könnte, in Jesus von Nazareth den unvergleichlich größten und edelsten in der Reihe seiner Propheten anzuerkennen; endlich seinen engen Winkel mit den veralteten Gesetzen, überklebten Tabus, obsoleten Festen und Fasten zu verlassen, und in der größeren Welt freiere religiöse Luft zu atmen? Die Antwort findet Montefiore darin, daß die Anerkennung einer noch so erhobenen Stufe menschlicher Vollkommenheit nicht unvermerkt in eino höhere Kategorie führen dürfe, wie so oft erwartet, ja vorausgesetzt wird; Bei dieser Einschränkung wird er bereit sein, die geschichtliche Überlieferung vertrauensvoll zu prüfen, soweit sie besonders beim Evangelisten Mark u b historische Treue erkennen läßt. Und gerade dann wird er in aller Ehrfurcht auch mit seinen Bedenken nicht zurückhalten. Montefiore macht in seinem neuen Essay drei Argumente geltend. Als erstes die kurze Spanne Zeit vom ersten Auftreten bis zum Einzüge in die Hauptstadt, womit ja sein Leidensweg beginnt. Jcno kurze Spanne erscheint ihm nicht als hinreichende Basis, um überall eine' sonst unbekannte Bewährung sittlichen Heroismus zu entdecken, der nicht auch im Lcbcnsbilde eines Mose, eines Jcrcmi'a oder Rabbi Akiba zu finden wäre, und die Ausrufe rechtfertigte: Welch eine edle TatI Welch wunderbarer Mutl Welche Ausdauer und Selbsthihgabol Wir sehen vielmehr ein genügsames, in sich fröhliches, von Freundschaft und Zuneigung, ja gläubiger Verehrung reich erfülltes, Leben. Ein anderes ist die Bedachtsamkcit und Vorsicht in Fällen der Gefahr, bis auf den Eintritt in Jerusalem; und die Ungewißheit, ob da» tragische Ende ein schicksalhaftes oder. ein freiwillig. gewollte» war. Ein drittes die Schroffheit im Verkehr mit Gegnern, die diese, stets und ausnahmslos dio Törichten, im Unrecht Befindlichen und Schlechten erscheinen läßt, und gar nicht den Versuch macht, auf sie einzugehen. Und diese Härte und Einseitigkeit, den Berichten zufolge, gepaart mit einem Verlangen, alles Kranke zu heilen, es sei physisch, geistig oder moralisch; mit dem Wunsche,, sich in ihren Dienst zu .Btellen; mit der Liebe zu Kindern; lebendiger, ethisch-religiöser Einsicht und tiefster Liebe zu-Gott. Das wichtigste Argument aber für den Juden bleibt auch für Montefiore heute noch, daß er Gott (auch abgesehen von jenen Unstimmigkeiten) niemals in einem Menschen finden kann, weil er GottcsV Gere'cntigkeitf^ErehV' und"' WeisneftT''aller""menschlichei» unendlich überlegen einschätzt, und daher keinen Menschen Herrn nennen darf. „Mein Herr", so schließt Montefiore, „— der Herr des modomen Juden —- ist und kann allein Gott sein." Und darum wird dio Grenzlinie zwar auch ferner sichtbar und deutlich unterscheidbar sein, ohne darum feindselig zu scheiden und zu trennen. Im Höchsten und Wichtigsten wiraV dem Christen Leben und Lehre Jesu durchaus die gleichen Wahrheiten und Pflichten nahebringen, die der Jude seiner hebräischen Bibel entnimmt. Die Gottesliebe, die Jesus seino Jünger und Nachfolger lehrt, vernimmt der Jude aus Deutcrononuum 10, Vers 12die Menschenliebe der Evangelien aus Leviticus 19, Vers 18; ein Wort „Liebe vorlange ich, nicht Opfer" dor Christ vom Propheten von Nazareth, der Jude von Hosca 6, Vers 6. Wir wissen, wie schon angedeutet, daß diese Erörterungen aktuellen Sinn nur für eine Umwelt hoben, in der man uns als Bekenner des alten im Unterschiede zur Bckenncrschnft des neuen Bundes einschätzt. Das Liberale Judentum glaubt aber an die innere Machtder Religion und an die Aufgabe jeder wahren und höheren, die Menschen zu verbinden und zu versöhnen. Eben darum blickt auch die deutsche religiös-liberale Judenheit vcrehrungsoll zu einem Claude M. Montefiore empor. Sein neues Bekenntnis entspricht nur dem, was er in freundlicheren Zeiten in seinem grundlegenden Werke „Umrisse des Liberalen Judentums" (zumal im 20. und 21. Kapitel) niedergelegt hat. Es geht hervor aus dem Glauben an jene» „weitherzige und umfassende Judentum, das mehr und mehr das eino große Judentum in der Alten und in der Neuen Welt sein wird"; und dem auch wir entgegensehen. Jenfeits der Grenzen Freiland-Konferenz in London Für die" Zeit vom 21'. "bis 23J'Juli wurde hdcK'Londori eine Konferenz einberufen, auf der eine internationale Organisation zur Förderung j üdischer Mds senko 1 onißa«tion in überseeischen Ländern geschaffen werden soll. Die Konferenz geht auf die Initiative von Anhängern der sogenannten „Freiland-Bcwegung" in verschiedenen Ländern zurück. Diese Bewegung hält angesichts der steigenden Judennot in Mittcl- und Osteuropa dio Zeit für eine Wiederbelebung der tcrritorialisti- Bchen Bestrebungen für gekommen. Für Einwanderung nach Syrien Wien. In der soeben erschienenen neuen Ausgabe des „Palttstina-Lovante-Courier" tritt der f r anzös i sch e Un t e r - Staatssekretär für die Kolonien, M. Candace, für Zulassung jüdischer Einwanderung nach Syrien ein. Er führt u. ä. aus: „Es ist unbedingt notwendig, daß die jüdischen Organisationen in Frankreich die jüdische Immigration in die französischen Kolonien anfeuern und unterstützen. Ich erkenne das von den Juden in Palästina vollbrachte grandiose Werk an. Ich habe nirgends, mit Ausnahme der südamerikanischen Kolonisation, eino ähnliche Entwicklung gesehen. Wenn nun die Juden sich in unseren Kolonien niederlassen wollen, dann müssen wir sie soweit wie möglich durch unsere Hilfe unterstützen. Die Mandatsländer Syrien und Libanon könnten von der jüdischen Einwanderung nur profitieren, und ich bin überzeugt, daß die Juden in diesem Lande ein nützliches Werk tun werden, das dem in Palästina gleichkommen wird. Ich für mein Teil werde die jüdische Kolonisation sehr, unterstützen, und ich spreche den Wunsch aus, daß die französische Regierung unverzüglich ein .Komitee ernennt, das sich mit diesem Problem in allen seinen Details beschäftigt.' Ich bin sicher, daß diese Anstrengungen im Parlament eino Majorität finden werden." Jüdifdic Landanßedlung in BraJßlien Sao Paulo. Maßgebende jüdische Kreise in Rio de Janeiro haben einen Plan dor Landansicdlung von Juden unweit der brasilianischen Hauptstadt den maßgebenden Stollen überreicht. Dio große brasilianische Zeitung „Folia Domania" bringt einen Artikel, der dio Fähigkeiten der Judon in der Landwirtschaft rühmt und den Palästina-Aufbau als ^nc .beispielgebende Tat hinstellt. Der jüdische Deputierte im brasilianischen Parlament, Dr. Horacio Löffer, ein bekannter Volkswirtschoftler, hat ein Gesetzprojekt zur Hebung der Wirtschaft des Landes ausgearbeitet, das von dor gesamten Öffentlichkeit und Presse Brasiliens sehr lebhaft und in positivem Sinne diskutiert wird. Sudamerikas jüdifdic KoloniAen New York. Der Direktor der „Jiddischen Zeitung" in Buenos Aires, M. Stoliar, ist als Beauftragter der argentinischen Regierung in New York eingetroffen, um dio Frage der Immigration und der Immig'rationsmcthoden der Vereinigten Stauten zu Btudieren. In einem 'Gespräch mit dem JTA-Vertreter rühmte Stolior die Arbeit der j üdia che n Ko lo nis t e n in Argentinien. In den argentinischen jüdischen Kolonien leben etwa 26 000 Seelen, die eng mit der Erde verbunden sind, und die sich der Hoch-